{"id":475,"date":"2019-07-01T20:41:59","date_gmt":"2019-07-01T18:41:59","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=475"},"modified":"2019-07-12T15:45:33","modified_gmt":"2019-07-12T13:45:33","slug":"pluralismus-und-dialog","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/religion-en\/pluralismus-und-dialog\/","title":{"rendered":"Pluralismus und Dialog"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"color:#00a302;text-align:center\" class=\"has-text-color has-medium-font-size\"><strong>PLURALISTISCHE RELIGIONSTHEOLOGIE<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt verschiedene Auspr\u00e4gungen der pluralistischen Religionstheologie \u2013 aber alle besch\u00e4ftigen sich damit, die traditionelle Theologie und Christologie zu \u00fcberpr\u00fcfen und neue Wege zu gehen. Die pluralistische Religionstheologie ist seit ca. 1955 dabei, ihre Positionen zu erarbeiten. Vorl\u00e4ufer waren <em>Wilfred Cantwell Smith<\/em>, der in seinen zwischen 1963 und 1981 erschienen Werken zwischen den individuellen Glauben und der empirisch zug\u00e4nglichen Religion unterscheidet. Bahnbrechend war seit 1957 mit zahlreichen Werken <em>John Hick<\/em>. Der Glaube an die Existenz eines Gottes sei weder zu beweisen noch zu widerlegen, also kann die Annahme der Existenz Gottes eine Hypothese bleiben. Es gibt eine Vielfalt an religi\u00f6sen \u201eWahrheiten\u201c, womit sich die Frage nach dem wahren Gott stellt. Hick selbst sieht eine transzendente Wahrheit gegeben, von der jede Religion ein St\u00fcckchen Wahres erkennt (wobei auch die M\u00f6glichkeit offen gelassen wird, dass andere Religionen vom eigenen Standpunkt her gesehen auch als abwegig beurteilt werden k\u00f6nnen). Gott k\u00f6nne nicht ad\u00e4quat personal oder inpersonal aufgefasst werden, weil Gott eine unendliche Wirklichkeit sei; beide Vorstellungen, von Gott als Person oder als Nicht-Person k\u00f6nnen allerdings authentische Teilbilder von dieser unendlichen Wirklichkeit sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge der Auseinandersetzungen wird unterschieden zwischen folgenden religionstheologischen Modellen:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em><strong>Exklusivismus:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>die eigene Religion schlie\u00dft andere Religionen aus (zum Beispiel: Jesus Christus ist die einzige Offenbarung Gottes).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em><strong>Inklusivismus:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>die eigene Religionen erkennt Inhalte anderer Religionen an \u2013 sieht ihre eigenen Aussagen aber der Wahrheit n\u00e4her (zum Beispiel: Jesus Christus [der Logos; Geist usw.] \u00e4u\u00dfert sich in allen Religionen, aber letztg\u00fcltig nur im Christentum; der andersgl\u00e4ubige ist nur ein verlorener Sohn).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em><strong>Pluralismus:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>alle Religionen stehen auf gleicher Stufe (zum Beispiel: Jesus ist nur eine Gottes-Inkarnation unter vielen; Jesus ist nicht der einzige Christus, sondern allein als Mensch mit guten Lehren zu betrachten, das darum, weil Jesus sich selbst auch nur als Mensch angesehen hat; das Bekenntnis \u201esolus \/ allein Christus\u201c ist nur eine Aussage, die innerhalb des Christentums gilt \u2013 wobei auch ein Pluralist die Einzigartigkeit Jesu nicht leugnen muss, aber damit rechnet, dass auch weitere Mittlergestalten einzigartig sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es stellt sich die Frage, wieweit Religionstheologie und Interreligi\u00f6ser Dialog (siehe unten) miteinander verquickt werden d\u00fcrfen. Religionstheologie ist verquickt mit Religionsphilosophie \u2013 ist eine Art Meta-\/\u00dcber-Religion \u2013, w\u00e4hrend der Interreligi\u00f6se Dialog st\u00e4rker von den realen Gegebenheiten der Religionen ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Pluralistische Religionstheologie ist im Grunde ahistorisch \u2013 nimmt kaum R\u00fccksicht auf die Wirklichkeit der Religionen.<\/em> Zum Beispiel: Ein Shivaitischer Heiliger meint, dass Gott und Liebe dasselbe seien. Nur stellt sich in der historischen Realit\u00e4t die Frage: Was versteht der Shivait unter Gott, was unter Liebe? Was versteht der Christ darunter? Dazwischen k\u00f6nnen Welten liegen! <em>Die Einigung auf ein sinnleeres Wort (alle sprechen von Liebe bzw. Gott \u2013 f\u00fcllen es aber anders) ist nicht sinnvoll.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Pr\u00e4missen der pluralistischen Religionstheologie stehen in der europ\u00e4ischen philosophischen Tradition (Deisten): Der Mensch \u00fcberlegt sich, wie Gott am besten zu denken sei \u2013 und diesen Ma\u00dfstab legt er an das Christentum und an andere Religionen an. So wird das hinduistische Kastensystem von pluralistischen Religionstheologen genauso abgelehnt wie die negative Stellung der Frau im Islam oder christliche Besonderheiten wie der S\u00fchnetod Jesu, Jesu \u201eGottessohnschaft\u201c usw. Daran wird deutlich, dass als Ma\u00dfstab zur Beurteilung bestimmter Pr\u00e4gungen der Religionen das dient, was dem (?) modernen (?) Menschen ein Anliegen ist. Der aufgekl\u00e4rte, ethisch autonome, liberale Mensch mag bestimmte Dinge nicht \u2013 und daran werden die Religionen gemessen. Aber <em>Religionen sind keine philosophischen Konstrukte, sondern komplexe Systeme, die dazu beitragen, die Lebenswirklichkeit zu deuten und zu erschlie\u00dfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-medium-font-size has-accent-color\"><strong>INTERRELIGI\u00d6SER DIALOG: 10 DIALOG-REGELN<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weil kein Mensch die ganze Weisheit gepachtet hat, gibt es Dialogregeln zwischen Religionen und \u2013 eingeschlossen \u2013 Ideologien, so auch der Atheismus:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die eigene Tradition kennen: Was ist mir \/ uns wichtig, weniger wichtig?<\/li><li>Wachsen in der Weltwahrnehmung des anderen;<\/li><li>Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Toleranz;<\/li><li>den anderen achten, ihm vertrauen (auf Augenh\u00f6he kommunizieren);<\/li><li>Kritik vertragen k\u00f6nnen + eigene Kritik angemessen zur Sprache bringen;<\/li><li>bereit sein, vom anderen zu lernen (kann aber nicht vom Gegen\u00fcber gefordert werden!);<\/li><li>Reflexion und Selbstreflexion;<\/li><li>die Frage nach den Menschenrechten kann nicht ausgeklammert werden,<\/li><li>Kommunikationsregeln \u2013 wie sie von Philosophen erarbeitet wurden \u2013 sind zu beachten;<\/li><li>Vorgaben an den Gespr\u00e4chspartner sind zu vermeiden wie auch Erpressungsversuche (Gespr\u00e4chsabbruch, wenn\u2026), Imponier- und Dominanzgehabe\u2026<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>So mancher <em>Fundamentalist<\/em> verweigert sich dem Gespr\u00e4ch \u2013 und das gilt nicht nur f\u00fcr Christen, Muslime, Buddhisten, Hindus, sondern auch f\u00fcr atheistische Fundamentalisten. Das Wort \u201eFundamentalist\u201c ist von Haus aus kein negatives Wort: Man hat ein Fundament, eine Basis \u2013 das kann keinem Menschen schaden. Es wurde jedoch zu einem negativ konnotierten Wort: Ein Fundamentalist ist \u2013 so versteht man das Wort inzwischen \u2013 ein Mensch, der sehr eng denkt, der nur bereit ist, seine Sichtweise weiterzugeben, aber nicht bereit ist, \u00fcber sie zu diskutieren, Argumente auszutauschen. Kurz, einer, der Gespr\u00e4ch verweigert.<\/p>\n\n\n\n<p>Christen sollten immer bedenken, dass zu Beginn ihrer Existenz die Diskussion steht: Jesus diskutiert mit seinen Gespr\u00e4chspartnern, Paulus argumentiert mit seinen Adressaten, seien es Menschen aus Juden, Heiden oder Gemeinden:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>\u00a0<\/strong><em><strong>Pr\u00fcft alles, das Gute behaltet<\/strong><\/em><strong>,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>sagt Paulus im 1. Brief an die Thessalonicher. Christen m\u00fcssen keine Abschottungstendenzen kultivieren. Weil sie frei sind, verbreiten sie manchmal Abschottungstendenzen beim Gegen\u00fcber (Verfolgungen in muslimischen, hinduistischen, atheistischen Systemen). Freiheit und Selbstbewusstsein weckt \u00c4ngste. Diesen ist mit dem Doppelgebot der Liebe zu begegnen: Liebe Gott und deinen N\u00e4chsten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem: Irgendwann kommt man an den Punkt, dass man denkt: Gespr\u00e4che seien nur sinnloses Geschwafel. Dann m\u00fcssen Wege gefunden werden, um das Reden miteinander wieder sinnvoll zu gestalten. Uns Menschen bleibt \u2013 wenn wir k\u00fcnftige Religionskriege \/ Atheistenkriege verhindern wollen \u2013 keine Alternative. Das betrifft bekanntlich auch die Menschenrechte: der j\u00fcdisch-christlich-aufgekl\u00e4rte Westen hat andere Vorstellungen als der Islam \u2013 die wieder andere als das konfuzianistische China bzw. das hinduistische Indien. Miteinander reden ist, wie gesagt, die einzige Alternative \u2013 und das Vorleben der besseren Tradition. Wenn unsere j\u00fcdisch-christliche-aufgekl\u00e4rte Lebensweise besser ist, dann wird sie sich auf Dauer auch durchsetzen, wenn wir sie denn in W\u00fcrde vorleben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PLURALISTISCHE RELIGIONSTHEOLOGIE Es gibt verschiedene Auspr\u00e4gungen der pluralistischen Religionstheologie \u2013 aber alle besch\u00e4ftigen sich damit, die traditionelle Theologie und Christologie zu \u00fcberpr\u00fcfen und neue Wege zu gehen. Die pluralistische Religionstheologie ist seit ca. 1955 dabei, ihre Positionen zu erarbeiten. 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