{"id":4540,"date":"2026-09-21T08:47:45","date_gmt":"2026-09-21T06:47:45","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=4540"},"modified":"2026-09-21T10:59:44","modified_gmt":"2026-09-21T08:59:44","slug":"bergpredigt-vertiefung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/bergpredigt-vertiefung\/","title":{"rendered":"Bergpredigt: Vertiefung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Folgende ist aus einer Blog-Diskussion entstanden. Die jeweiligen Abschnitte sind nicht an einem Tag entstanden, sondern in einem l\u00e4ngeren Zeitraum (Dezember 2017-Januar 2018). Ich habe im Folgenden haupts\u00e4chlich die Rechtschreibung korrigiert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">1. Einleitung der Bergpredigt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bergpredigt ist ein ganz besonderer Text im Matth\u00e4usevangelium \u2013 die Kapitel 5-7 \u2013 und sie wurde durch die Jahrhunderte hindurch auch als ein solcher empfunden. Nichtsdestotrotz ist sie schwer verdaulich \u2013 wahrscheinlich wird sie auch darum als besonderer Text empfunden \u2013 sie ist ein Text, nicht von dieser Welt. Widerspenstig\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um sie verstehen zu k\u00f6nnen, muss man erst einmal die Grundlage der Lehre Jesu beachten. Jesus geht davon aus, dass Gott seine Herrschaft errichten wird. Und diese Herrschaft wird eine gute Herrschaft sein. Es wird kein Leiden mehr geben, keine Krankheiten, keine Sorgen. Im Gegenteil, es herrscht der Schalom: Gl\u00fcck, Frieden, Wohlergehen, Freiheit, Gerechtigkeit, Gemeinschaft\u2026 Diese Herrschaft Gottes wird in der Zukunft kommen \u2013 das erwartet er mit seinem Volk. Er hat jedoch zwei neue Ans\u00e4tze: Das, was wir von der Herrschaft Gottes erwarten, sollen wir schon jetzt umsetzen und: Diese Gottesherrschaft ist mit seiner Lehre und seinem Handeln schon im Anbruch. Es geht also nicht darum, zu warten \u2013 es geht darum: Handelt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bergpredigt gibt keine Rede Jesu wieder. Wenn wir das Lukasevangelium ansehen, finden wir die Feldrede (6,20ff). Feldrede wie Bergpredigt basieren auf einer Zusammenstellung von Worten Jesu. Wir finden sie in der so genannten rekonstruierten Logienquelle \u2013 das hei\u00dft, es gab vor den Evangelien Sammlung(en) von Worten Jesu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Vorevangelien-Sammlung haben Matth\u00e4us und Lukas aufgenommen. In einem Vergleich beider kann man sch\u00f6n erkennen, wie Matth\u00e4us als Redaktor diese Sammlung erg\u00e4nzt, gek\u00fcrzt \u2013 kurz: bearbeitet hat. Um die Form, die Matth\u00e4us bietet \u2013 also die Bergpredigt \u2013, wird es jetzt gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Matth\u00e4us hat sie sehr sorgf\u00e4ltig aufgebaut. Sie wird eingeleitet mit Seligpreisungen und anderen Texten \u2013 sie geht \u00fcber in die Antithesen \u2013 dann werden religi\u00f6se Verhaltensweisen angesprochen \u2013 mit dem Zentrum der Bergpredigt: das Vater Unser \u2013 und es folgen weitere Texte zu unterschiedlichen Themen, dann wird der Schluss vorbereitet und mit einem Bildwort abgeschlossen. Ich sehe die Bergpredigt als eine Art Kommentar zum Vater Unser an. Was ich an dieser Stelle jetzt nicht vertiefen m\u00f6chte, denn es geht in unserer Diskussion um Themen, die als anst\u00f6\u00dfig empfunden werden, bzw. es geht um die Frage: Was stammt von Jesus und was nicht. Wobei ich vorweg schicken m\u00f6chte, dass ich hier nicht einen umfangreichen Kommentar abliefern kann und m\u00f6chte, sondern nur ein paar Aspekte anrei\u00dfen kann. Es gibt Kommentare \u2013 wer mag, kann sich einen bestellen und alles intensiv durcharbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bergpredigt beginnt mit den Seligpreisungen. Wenn wir sie mit denen des Lukasevangeliums vergleichen, erkennen wir, dass sie spiritualisiert sind. Es geht nicht um die Armen \u2013 als Arme, sondern Matth\u00e4us sieht Arme weiter gefasst: Es geht um die &#8222;geistlich&#8220; arm sind. Was das bedeutet, wird viel interpretiert \u2013 aber ich sehe das so: Es sind Menschen, die sich vor Gott als arm ansehen. Es werden die Menschen selig gepriesen, die traurig sind, die auf Gewalt verzichten, die sich nach Gerechtigkeit sehnen, die barmherzig sind, die ein reines Herz haben, die Frieden stiften, die verfolgt werden. Und diesen Menschen wird jeweils eine Verhei\u00dfung mitgegeben: sie werden getr\u00f6stet werden, ihnen wird die Erde \u00fcbergeben \u2013 das Weitere m\u00f6ge jeweils selbst gelesen werden. Das hei\u00dft: Diejenigen, die in der Welt der Macht und Politik nichts z\u00e4hlen, auf die herumgetrampelt wird \u2013 die r\u00fccken die Seligpreisungen in den Fokus. Es wird nicht der Caesar selig gepriesen, nicht die Herrscher in Jerusalem und Rom und sonstwo, nicht die Tempeloberh\u00e4upter, auch nicht die Widerstandsk\u00e4mpfer. Uns mag das alles schon normal vorkommen \u2013 aber das ist ein Paukenschlag. Nietzsche hat das im 19. Jahrhundert gesp\u00fcrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dieser Paukenschlag geht weiter: Nicht die Herrscher, die Eliten, die Priester sind Salz der Erde und Licht der Welt. Es sind diejenigen, die um Jesus herum sind. Kurz gesagt: die Armseligen. Und hier wird den Armseligen deutlich gemacht: Ihr seid das Salz der Erde, das Licht der Welt! Lasst es euch nicht ausreden, verhaltet euch als solche, damit die Menschen Gott loben. Nun kann man kritisieren, dass Jesus das Salzwort mit einer Drohung begleitet: Wenn Salz salzlos geworden ist \u2013 wird man es zertreten \u2013 also: Wenn ihr euch nicht als Salz anseht, als wichtig, wird man auf euch herumtreten, wie man es jetzt tut. Man hat \u00fcberlegt: Wie kann Salz salzlos werden, das geht doch gar nicht \u2013 war Jesus so dumm, es nicht gewusst zu haben? Hat man es damals, weil es so wertvoll war, gestreckt, sodass es verdorben ist? Ich sehe das so: Wie man kein Licht anz\u00fcndet, um es zu verbergen, so ist man auch nicht Salz, um salzlos zu werden. Es ist unm\u00f6glich. Licht, das verborgen wird, ist kein Licht. Salz, das vergehen kann, ist kein Salz. Ihr aber seid Licht und Salz \u2013 und Gott wird durch euer Verhalten geehrt. Und eben: Wenn man sich dessen nicht bewusst ist und nicht entsprechend lebt, dann wird man wieder einer, auf dem die anderen herumtrampeln, einen zertreten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kommt ein weiterer Eingangstext, der soll darlegen, dass Jesus nicht, wie man ihm vorgeworfen hat, gesetzlos ist, das alttestamentliche Gesetz aufhebt. Im Gegenteil: Er bringt es zur Erf\u00fcllung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche dieser soeben dargelegten Worte sind direkt auf Jesus von Nazareth zur\u00fcckzuf\u00fchren? Es geht um den irdischen Jesus. Die Trennung sei noch kurz erkl\u00e4rt: In der fr\u00fchen Gemeinde gab es auch Propheten, die im Namen des auferstandenen Jesus Christus gesprochen haben. Und so k\u00f6nnen auch Worte eben solche prophetischen Worte sein. Und die Frage stellt sich dann: Welche entsprechen der Botschaft Jesu, welche tun es nicht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn in der Feldrede des Lukas Menschen gl\u00fccklich gepriesen werden, die kein Geld haben \u2013 also finanziell Arme \u2013, oder Menschen, die wirklich hungern, die weinen \u2013 und Matth\u00e4us manches spirituell erweitert, hat er es im Sinne Jesu erweitert? Oder eine andere Frage: Ist es m\u00f6glich, dass Jesus h\u00e4ufiger Menschen selig gepriesen hat \u2013 und Matth\u00e4us eben von anderen Seligpreisungen wusste und sie aufgegriffen und erweitert hat? Warum haben sich solche wunderbaren Texte gerade an den Jesus von Nazareth angerankt? Weil er selbst solche formuliert hat \u2013 andere angeregt hat, entsprechende Worte zu formulieren? Weil er erniedrigte Menschen ver\u00e4ndert hat \u2013 und sie ihre Ver\u00e4nderung ins Gute \u2013 als Salz und Licht \u2013 selbst kundtun?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber kann man viel nachdenken. Nachdenken kann man auch dar\u00fcber: Was haben alle Texte gemeinsam? Und was ist auf Jesus zur\u00fcckzuf\u00fchren? Jesus erhebt die Menschen aus dem Staub, auf denen andere herumtrampeln. Warum? Um den Eingangsteil aufzugreifen: Um das Reich Gottes schon anbrechen zu lassen, das, was man in der Zukunft erwartet, das soll der Mensch schon jetzt mutig leben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">2. Erste und zweite Antithese<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Einleitung beginnt der erste gro\u00dfe Abschnitt der Bergpredigt. Auch wenn der Begriff \u201eAntithesen\u201c nicht ganz gl\u00fccklich ist, so hat er sich doch eingeb\u00fcrgert. Es folgen die Antithesen. Die Antithesen haben ihren Namen daher, dass sie paraphrasiert so eingeleitet werden: Im Gesetz hei\u00dft es \u2013 ich (Jesus) aber sage euch. Und dieses \u201eIch aber sage euch\u201c versch\u00e4rft die Auslegung der Tradition. Durch diese Zusammenstellung und die Formulierungen l\u00e4sst Matth\u00e4us ein gro\u00dfes Selbstbewusstsein Jesu aufleuchten: Jesus tritt traditionellen Missst\u00e4nden selbstbewusst entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antithesen nennen ein paar Themen, die f\u00fcr die Ethik in der Nachfolge Jesu aus der Sicht des Matth\u00e4us besonders wichtig sind. Alle haben als Roten Faden das Thema: Gelingende Gemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Antithese:<\/strong> <em>Ihr habt geh\u00f6rt, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht t\u00f6ten, wer aber t\u00f6tet, der ist des Gerichts schuldig. Ich aber sage euch: Wer seinem Bruder z\u00fcrnt ist des Gerichts schuldig, wer aber zu seinem Bruder sagt: Narr!, der ist des Hohen Rats schuldig, wer aber sagt: Einf\u00e4ltiger!, der ist des h\u00f6llischen Feuers schuldig.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allein angesichts dieser Aussage stellen sich schon viele Fragen. Wo ist der Unterschied zwischen den Beschimpfungen? Ob ich nun dieses sage oder jenes \u2013 warum ist das eine dem Hohen Rat (der die Kapitalgerichtsbarkeit innehatte) vorzulegen und das andere ist: Man ist der H\u00f6lle \/ Gehenna schuldig?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun: Die Aussage wird begr\u00fcndet: Vers\u00f6hne dich mit deinem Bruder m\u00f6glichst schnell. Angeschlossen wird noch eine Klugheitsregel: Wenn man erst vor Gericht landet, kommt man nicht ungeschoren davon.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben hier also eine rhetorische Formulierung. Sie \u00fcbertreibt ma\u00dflos \u2013 und das werden wir gleich h\u00e4ufiger sehen \u2013 um dann dem H\u00f6rer zu sagen: Sei klug. Wenn du z\u00fcrnst oder schimpfst, vertrage dich schnell. Nicht nur physisch t\u00f6ten ist schlimm, sondern auch \u00dcberheblichkeit bzw. den anderen klein zu machen ist schlimm, es \u201et\u00f6tet\u201c ihn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese und andere Antithesen haben aber noch eine Besonderheit, die das Religi\u00f6se betreffen. Denn hier hei\u00dft es: Wenn du dann in Jerusalem bist und opferst, dir aber einf\u00e4llt, dass einer etwas gegen dich hat, lasse alles stehen und liegen, vers\u00f6hne dich, dann opfere. Das klingt f\u00fcr uns banal. Aber stellen wir uns vor: Jesus sagt das in Galil\u00e4a. Einer geht nach Jerusalem, ist mitten im Opfervollzug \u2013 und dann f\u00e4llt ihm das Malheur ein \u2013 er muss zur\u00fcck gehen nach Galil\u00e4a und wieder zur\u00fcck nach Jerusalem, um das Opfer fortzusetzen. Das sind von Jerusalem nach Nazareth 146 km = 29 Stunden (so ein moderner Entfernungsrechner) aber damals mied man Samaria, sodass man noch weiter laufen musste. Also: Es war nicht mal kurz hin und zur\u00fcck. Auch das ist eine vollkommen absurde \u00c4u\u00dferung. Warum wird das gesagt? Es wird f\u00fcr die Antike Ungeheuerliches gesagt: Die Vers\u00f6hnung mit dem Bruder hat Vorrang vor dem Opfer. Die G\u00f6tter konnten unheimlich sauer werden, wenn man sie missachtet (Krankheiten, Unf\u00e4lle, Armut usw. konnten die Folge sein). Was sagt also Jesus? Gott ist es wichtiger, dass du dich vers\u00f6hnst, als dass du das Opfer bringst. Gott wird nicht sauer wegen eines liegengelassenen Opfers. Er wird sauer, wenn du dich nicht vers\u00f6hnst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hiermit haben wir eine Intention, die alle Antithesen durchzieht: Gemeinschaft. Gott will Gemeinschaft \u2013 und er setzt sie \u00e4u\u00dferst hoch an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manche st\u00f6ren sich an dem \u201eH\u00f6llischen\u201c. Gut. Ist auch nicht sch\u00f6n. Diese Vorstellung macht Angst, ist brutal \u2013 die Kirchengeschichte kann ein garstig Lied davon singen. Warum kommt \u00fcberhaupt die H\u00f6lle ins Spiel und nicht einfach ein: Mach es so \u2013 das ist gut? Denn es wird ja schon rational begr\u00fcndet. Muss die H\u00f6lle noch dazukommen? Dazu gleich mehr. Erst einmal die<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Antithese:<\/strong> <em>Ihr habt geh\u00f6rt, dass gesagt wurde: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch, Wer eine Frau begehrlich ansieht, hat schon in seinem Herzen mit ihr die Ehe gebrochen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es folgt wieder die bekannte Drastik \u2013 rhetorisch interessant:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Wenn dich dein rechtes Auge zum Abfall verf\u00fchrt, rei\u00df es aus \u2013 wirf es weg.<\/li>\n\n\n\n<li>Es ist besser f\u00fcr dich, eins deiner Glieder verderbe<\/li>\n\n\n\n<li>Und nicht der ganze Leib in die H\u00f6lle geworfen werde.<\/li>\n\n\n\n<li>Wenn dich deine rechte Hand zum Abfall verf\u00fchrt, hau sie ab \u2013 wirf sie weg.<\/li>\n\n\n\n<li>Es ist besser f\u00fcr dich, eins deiner Glieder verderbe<\/li>\n\n\n\n<li>Und nicht der ganze Leib in die H\u00f6lle fahre.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einmal sind wieder massive \u00dcbertreibungen erkennbar, und es stellen sich Fragen: Was sieht das rechte menschliche Auge, was das linke Auge nicht sieht? Absurd! Also m\u00fcsste man beide Augen ausrei\u00dfen und fortwerfen. Warum die rechte Hand? Die rechte Hand d\u00fcrfte erw\u00e4hnt sein, weil es eben bei Rechtsh\u00e4ndern die aktive Hand ist. Und ich vermute, dass die M\u00e4nner damals mit ihrer rechten Hand genauso Frauen erniedrigen konnten wie in unserer Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im ersten Teil geht es um die Gesinnung: Es wird das Gesetz versch\u00e4rft. Man soll die Frau nicht mit Blicken erniedrigen und auch in seinem Herzen rein bleiben. (Wenn die Hand hinzugef\u00fcgt wird: Man soll nicht nur seine Augen in Zucht halten, sondern auch seine Hand, denn auch diese erniedrigt Frauen.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Weiterf\u00fchrung geht es dann wieder um die religi\u00f6se Frage. Was hat die H\u00f6lle damit zu tun? Wer kommt ins Paradies? In der traditionellen Vorstellung&nbsp; kommen k\u00f6rperlich unversehrte, gesunde, tolle Menschen ins Paradies. Was sagt dieser Text? Nein, du kannst noch so makellos sein, du kommst nicht ins Paradies, wenn deine Gesinnung nicht stimmt. Du kommst eher als versehrter Mensch ins Paradies als einer mit schlechter, die Frau erniedrigender Gesinnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun mag man als Mann (oder Frau) sagen: Man muss doch gucken, das geh\u00f6rt zur Natur. Aber, die Diskussion haben wir ja zurzeit: <em>Wie<\/em> schaut man als Mann eine Frau an, <em>wie<\/em> schaut man als Frau einen Mann an. Ich m\u00f6chte nicht die ganz #MeToo Diskussion aufrollen. Aber es gibt hier einen gravierenden Unterschied, wie wir miteinander umgehen \u2013 auch: Wie wir einander anschauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also auch hier wieder: Es geht darum, die Frau nicht zu erniedrigen, darum, selbst reiner Gesinnung zu werden. Die alte religi\u00f6se Vorstellung von k\u00f6rperlicher Reinheit \/ Unreinheit hat vor der Frage der Gesinnung zur\u00fcckzustehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und auch hier wieder: die H\u00f6lle. Musste das sein? Uns fortschrittliche Menschen gruseln solche p\u00e4dagogischen Drohungen. Nun denn, m\u00f6gen sie gruseln. Andere Zeiten, andere p\u00e4dagogische Ma\u00dfnahmen. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">3. Dritte und vierte Antithese<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die dritte Antithese betrifft wieder wie die zweite das Verh\u00e4ltnis zur Frau, dieses Mal zur Ehefrau. Diese drei ersten Antithesen betreffen den engeren Lebensbereich. Die dritte Antithese ist sehr knapp, wird nicht \u2013 wie de anderen begr\u00fcndet \u2013 es wird nur konstatiert. Nichts destotrotz ist sie heute wohl mit eine, die am meisten Widerspruch hervorruft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Antithese:<\/strong> <em>Es wurde gesagt: Wer sich von seiner Frau scheidet, soll ihr den Scheidebrief geben. Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, macht, dass sie die Ehe bricht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Voraussetzung dieses Satzes, von dem ich etwas unterschlagen habe, was aber gleich nachgeholt wird: Gott bindet zwei Menschen zusammen. Sie werden ein Leib sein, wie es Genesis 2 hei\u00dft. Ein Leib bedeutet: Wenn man diesen trennt, dann zerst\u00f6rt man den Leib. Hier soll also dem Mann verboten sein, sich von seiner Frau scheiden zu lassen, sie wegzuschicken. Denn eine Frau, die weggeschickt wurde, hat keine sozialen Chancen mehr. Sie ist abgeschrieben, sie ist gen\u00f6tigt, sich wie auch immer ihren Lebensunterhalt zu verdienen, im besten Fall durch erneute Heirat. Der sich scheidende Mann zwingt sie also zum Ehebruch. Entsprechend ist derjenige, der eine Geschiedene heiratet, Ehebrecher, weil er eben dazu beitr\u00e4gt, dass der eine Leib getrennt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen Satz habe ich unterschlagen: \u2026 es sei denn wegen Ehebruchs\u2026 \u2013 das hei\u00dft, laut Matth\u00e4us darf sich der Mann von seiner Frau trennen, wenn sie die Ehe gebrochen hat. Aber eben: nur trennen. Sie nicht t\u00f6ten. Wir finden diesen Beitrag zur Ehescheidung auch im Lukasevangelium 16,18. In einem Vergleich sehen wir, dass dieser Satz durch Matth\u00e4us hinzugef\u00fcgt wurde. Jesus ist rigoroser: Ein Mann darf sich nicht scheiden lassen. Es sei denn wegen Ehebruchs ist nicht in seinem Blick. Warum auch immer. Diese Kurzform bedeutet f\u00fcr den Mann \u2013 und das ist f\u00fcr die Antike in Israel \u00e4u\u00dferst provokant: Er darf sich aus welchen Gr\u00fcnden auch immer nicht scheiden lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ehebruch ist St\u00f6rung der Gemeinschaft, erniedrigt die Frau. Dem steht diese Forderung entgegen. Er dient dem Schutz der Frau. Die Macht des Mannes wird eingeschr\u00e4nkt, er soll sich beschr\u00e4nken. Es geht nicht an, dass er die Frau leiden l\u00e4sst, nur weil er auf einmal andere Ziele hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun mag man aus heutiger Sicht die bekannten Einw\u00e4nde aussprechen: Aber wenn beide nicht zusammenpassen \u2013 und heute lassen sich mehr Frauen von M\u00e4nnern scheiden als M\u00e4nner von Frauen \u2013 was ist, wenn sie sich nicht mehr lieben? usw. Paulus lockert diese rigorose Forderung schon auf: Ihm liegt die Forderung Jesu vor, dass keine Frau sich von einem Mann scheiden lassen d\u00fcrfe \u2013 wenn aber, soll sie nicht wieder heiraten. Hier haben wir die griechischen Verh\u00e4ltnisse vor uns. Weiterf\u00fchrend: Wenn Mann oder Frau, die nicht an Gott glauben, sich vom glaubenden Partner trennen wollen, soll man in die Trennung einstimmen, \u201edenn Gott will, dass ihr in Frieden lebt\u201c. (1. Korintherbrief 7)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe oder nicht Liebe ist kein Argument. Diese Begr\u00fcndung gab es in der Antike nicht, denn man heiratete nicht unbedingt aufgrund der Emotion, die man heute Liebe nennt. Die Heirat war ein Vertrag zwischen beiden Partnern \/ Familien \u2013 vor Gott geschlossen bedeutete er: Man schlie\u00dft ihn, solange der Partner am Leben ist. Und man schlie\u00dft nicht leichtfertig Vertr\u00e4ge. Man muss also \u00fcberlegen, was man tut, wenn man sich an einen bestimmten Partner bindet, denn vor Gott wird man eine Einheit. Diese religi\u00f6se Perspektive f\u00e4llt heute in vielen Ehen weg. Es ist vielfach eine Liebesheirat, und wenn die Liebe schwindet oder wenn eine Liebe zu einem anderen Partner gr\u00f6\u00dfer wird, dann l\u00e4sst man sich scheiden. Die Liebe wird als einziges Band angesehen \u2013 aber es gibt f\u00fcr Ehen noch andere B\u00e4nder: zum Beispiel \u2013 was fr\u00fcher auch sehr wichtig war \u2013 Besitz zusammenf\u00fchren, was noch wichtig ist: f\u00fcr die gemeinsamen Kinder da sein, ihnen eine m\u00f6glichst gute Lebensbasis bieten und die religi\u00f6se Voraussetzung. Ob die Letztgenannte nun fehlt oder nicht: Verantwortungsloses Verhalten eines Partners kann f\u00fcr den anderen \u00e4u\u00dferst schmerzhaft sein \u2013 und diese Forderung Jesu regt an, \u00fcber sein Verhalten nachzudenken. F\u00fcr einen Jesus-Nachfolger-Paar jedoch ist es gravierender: Die Scheidung ist nicht angemessen \u2013 und man muss lernen, miteinander aus christlicher Perspektive umzugehen, respektvoll, freundlich, vergebend \u2013 vielleicht w\u00e4chst ja die Liebe wieder. Die Ehe ist der Rahmen, der durch Liebe gef\u00fcllt werden kann \u2013 aber nicht muss. Vielleicht w\u00e4chst ja die Liebe wieder zu etwas ganz Neuem: eine Erf\u00fcllung des Zusammenseins auf anderer Ebene. Die sp\u00e4teren Christen, wie zum Beispiel der Kolosserbrief, gehen auch gegen die Gewalt in den Ehen vor: M\u00e4nner sollen ihre Frauen lieben und nicht r\u00fccksichtslos sein (Kol. 3,19; vgl. die ausf\u00fchrliche Darlegung Epheser 5,28-33). Ma\u00dfstab ist Christus. Das hei\u00dft, dass Scheidung nicht im Blick ist, weil die Menschen innerlich neu gemacht wurden durch Gott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eins muss man wohl festhalten: Eine feste Ehe ist Sehnsucht vieler Menschen. Wenn diese Sehnsucht zerst\u00f6rt wird, ist es schmerzhaft, weil man lernen muss, mit der Zur\u00fcckgesto\u00dfenheit umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4. Antithese<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der vierten Antithese gehen wir \u00fcber den (weiteren) famili\u00e4ren Bereich hinaus zum Beispiel in die Welt des Handels.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wiederum habt ihr geh\u00f6rt, dass den Alten gesagt wurde: Du sollst keinen Meineid schw\u00f6ren. Und: Du sollst halten, was du dem Herrn (Gott) geschworen hast. Ich aber sage euch: Ihr sollt \u00fcberhaupt nicht schw\u00f6ren\u2026 \u2013 und das wird begr\u00fcndet: Wir k\u00f6nnen keine M\u00e4chte als Zeugen anrufen, weil wir nicht \u00fcber sie herrschen; wir k\u00f6nnen ja nicht einmal \u00fcber das bestimmen, was unseren K\u00f6rper betrifft. Darum fordert Jesus: So seien eure Wort: Ja, ja, nein, nein. Was dar\u00fcber ist, ist von \u00dcbel.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute hat diese Forderung keine gro\u00dfe Relevanz. Manchmal taucht die Frage noch auf mit Blick auf die Vereidigung im Bundestag. Aber sonst\u2026 In der Antike war es ganz anders. Man musste schw\u00f6ren \u2013 der Schwur war ein Teil des Vertrages, wie heute die Unterschrift. Man wusste ja nicht, ob man dem anderen vertrauen kann \u2013 und darum berief man sich auf die G\u00f6tter als Zeuge. Sie w\u00fcrden den Vertrauensbruch ahnden. Und hier macht Jesus wieder etwas, was auch schon in der ersten und zweiten Antithese aufgefallen ist: Er \u201es\u00e4kularisiert\u201c diese Sitte. Er wirft den Menschen auf den Menschen. Der Mensch soll vertrauensw\u00fcrdig sein. Man soll sich auf Menschen, die ihm folgen, verlassen k\u00f6nnen. Auch hier geht es wieder um die Basis der Gemeinschaft: Sie kann nur gut sein, wenn Menschen einander vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beiden Antithesen geht es um Zuverl\u00e4ssigkeit, darum, Gemeinschaft herzustellen. Menschen sollen einander vertrauen k\u00f6nnen, sollen einander nicht erniedrigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fortsetzung kommt morgen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">4. F\u00fcnfte und sechste Antithese<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>5. Antithese<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Antithese ruft auch wieder Kopfsch\u00fctteln hervor: <em>Ihr habt geh\u00f6rt, dass gesagt worden ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Dem stellt Jesus entgegen: Ich aber sage euch: Nicht widersteht dem B\u00f6sen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das wird dann vertieft:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Wenn jemand auf deine rechte Wange schl\u00e4gt \u2013 biete die Linke.<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Wenn jemand dir die Kleidung nehmen will \u2013 gib ihm den Mantel.<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Wenn jemand dich zwingt, eine Meile zu gehen \u2013 gehe zwei mit ihm.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem wird dann noch eine Abmilderung beigef\u00fcgt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Gib dem, der dich bittet,<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>wende dich nicht ab, wenn jemand von dir leihen will.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auge und Auge, Zahn um Zahn war eine wichtige juristische Erneuerung, sie sollte die Gewaltspirale unterbrechen. Man darf dem anderen nicht mehr schaden, als er mir geschadet hat. Dieser Satz geht davon aus, dass Recht herrscht. Dass man also auch die M\u00f6glichkeit bekommt, sich angemessen zu r\u00e4chen. Aber das war in der Regel f\u00fcr den kleinen Mann, die kleine Frau nicht m\u00f6glich. Man war allen Gewaltt\u00e4tern hilflos ausgeliefert. Dem wird nun etwas Neues entgegengesetzt, die Reaktion des Hilflosen, des Opfers. Wer konnte einen Juden zwingen, eine Meile zu gehen und das Gep\u00e4ck f\u00fcr ihn zu tragen? Die Besatzungsmacht, so habe ich mal irgendwo gelesen. Was passiert nun, wenn der Zwinger mich zwingt, das Gep\u00e4ck von A nach B zu tragen, ich aber nach C weiterlaufe? Er muss hinter mir her rennen, wenn ihm sein Gep\u00e4ck lieb ist. Ich erweise mich also zwar als gehorsam \u2013 aber dann doch als st\u00e4rker als der Zwingende. Oder: Wenn einer mir auf die rechte Wange schl\u00e4gt\u2026 \u2013 die Rechte? Mit der linken Hand? Nein, mit dem Handr\u00fccken der rechten Hand \u2013 als Zeichen der Verachtung, dann soll ich ihm auch die linke Wange hinhalten. Was mache ich damit? Er wollte mich erniedrigen \u2013 aber ich erweise mich als st\u00e4rker. Mag er auch noch st\u00e4rker zuschlagen \u2013 aber vielleicht wird auch ein \u00dcberraschungsmoment ausgenutzt, um das Gegen\u00fcber zum Einlenken zu bewegen. Auf jeden Fall wird auf diese Weise die Gewaltspirale durch Opfer, durch Unterlegene abgebrochen. Diese Verhaltensweise wurde dann aufgrund von Gandhi oder Martin Luther King weiter gef\u00fchrt zur so genannten \u201eintelligenten Feindesliebe\u201c. Es geht nicht darum, sich verpr\u00fcgeln zu lassen, sondern auf intelligente Art und Weise zu \u00fcberlegen, wie man aus der Opferrolle rauskommt. Man widerstrebt dem \u00dcbel nicht, indem man gleiches mit gleicher M\u00fcnze heimzahlt \u2013 man widerstrebt dem \u00dcbel, indem man es zu unterlaufen versucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vers 42 geht dann darauf ein, dass, wenn einer einem etwas gewaltlos nehmen will, also etwas erbittet, dann soll man freiz\u00fcgig geben und verleihen. Was fehlt hier? Gott. Oh Gott, gehe gegen den Gewaltt\u00e4ter an, vernichte du ihn\u2026 \u2013 das gilt nicht; wir kommen in der sechsten Antithese darauf zu sprechen \u2013 und fassen sie gemeinsam zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>6. Antithese<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sechste Antithese (wer mag, kann den Text mit Lukas 6,27-36 vergleichen und selbst sehen, wie Matth\u00e4us die Tradition verarbeitet hat \u2013 siehe unten):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ihr habt geh\u00f6rt, dass gesagt wurde:<\/em><br><em>Du sollst deinen N\u00e4chsten lieben \u2013 und deinen Feind hassen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem stellt Jesus entgegen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Ich aber sage euch:<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Liebt eure Feinde,<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>betet f\u00fcr die, die euch verfolgen.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das wird dann begr\u00fcndet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Damit ihr S\u00f6hne\/Kinder seid eures Vaters im Himmel.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das wird ausgef\u00fchrt \u2013 Nachahmung des Verhaltens Gottes:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Denn er l\u00e4sst seine Sonne aufgehen \u00fcber B\u00f6se und Gute,<\/em><br><em>er l\u00e4sst regnen \u00fcber Gerechte und Ungerechte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere Begr\u00fcndung \u2013 besser sein als andere Menschen, die nicht zum Volk Gottes (Israel) geh\u00f6ren:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr f\u00fcr Lohn haben \u2013 tun das nicht auch die Z\u00f6llner?<\/em><br><em>Und wenn ihre nur zu euren Br\u00fcdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes \u2013 tun nicht dasselbe auch die Heiden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammenfassung \u2013 auch der Antithesen insgesamt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Seid nun vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist<\/em>. <em>(Lukas 6,36: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage, die sich inhaltlich stellt: Im Alten Testament ist die Rede davon, dass man den N\u00e4chsten lieben soll (Levitikus 19,18) \u2013 aber es wird nicht gesagt, dass man ihn hassen solle. Das finden wir in Schriften, die die Qumran-Gemeinschaft \u00fcberliefert hat. Aber ich denke, dass es hier auch nicht darauf ankommt, ob es irgendwo zu finden ist. Es ist die allgemeine menschliche Haltung, Menschen die einem feindlich gesonnen sind, nicht zu lieben, ihnen gegen\u00fcber nicht freundlich gesonnen zu sein. Und dieser allgemeinen Haltung setzt Jesus etwas anderes entgegen: Liebe. Nat\u00fcrlich kann man Liebe nicht befehlen \u2013 zumindest Liebe in dem Sinn, wie wir sie heute interpretieren. Aber Liebe ist keine besondere Emotion usw., sondern zeigt sich darin, dass man Gemeinschaft f\u00f6rdernd handelt \u2013 eben auch dem Feind gegen\u00fcber. Wer zu Gott geh\u00f6rt, handelt so. Warum? Weil auch Gott so handelt: Er bevorzugt weder Gute noch B\u00f6se \u2013 er behandelt alle gleich. Und diese Aussage ist ein \u00c4rgernis, die wir schon als \u00c4rgernis in manchen alttestamentlichen Texten wahrnehmen und auch bis heute die Theodizee-Frage bestimmt: Warum l\u00e4sst Gott es mir, der ich doch gut bin, schlecht ergehen und denjenigen, der \u00fcbel ist, dem l\u00e4sst er es gut gehen? Jesu Antwort: Weil Gott eben alle gleich behandelt. Die Antwort mag \u00e4u\u00dferst unbefriedigend sein. Aber das Thema ist ja auch ein anderes: Ich soll mich allen Menschen gegen\u00fcber gleich gut verhalten, weil Gott es auch tut. Menschen verhalten sich im Allgemeinen nur gegen\u00fcber denen gut und freundlich, von denen sie gut und freundlich behandelt werden. Aber Kinder Gottes sollen sich anders verhalten. Sie sollen sich allen gegen\u00fcber \u2013 auch dem Feind \u2013 gut und freundlich verhalten. Noch einmal: Warum? Gott verh\u00e4lt sich mir gegen\u00fcber ja auch freundlich \u2013 Beispiel das Gleichnis vom Verlorenen Sohn (Lk 15).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ma\u00dfstab f\u00fcr gutes Verhalten, f\u00fcr Gott angemessenes Verhalten ist Gott selbst. Gott ist vollkommen \u2013 also seid auch ihr Gemeinschaft f\u00f6rdernd: beschimpft nicht, erniedrigt keine Frau, seid zuverl\u00e4ssig, \u00fcberlegt, wie ihr die Spirale der Gewalt mit klugen Mitteln kappen k\u00f6nnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht heute auch immer um die Frage, was hat Jesus gesagt, was hat Matth\u00e4us ver\u00e4ndert. Hier ist das sehr sch\u00f6n zu sehen. Im Lukasevangelium hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Liebt eure Feinde.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und diese Aufforderung wird erl\u00e4utert:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Tut wohl denen, die euch hassen,<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>segnet, die euch verfluchen,<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>bittet f\u00fcr die, die euch beleidigen.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Matth\u00e4us hat, so wird auch im gesamten Evangelium deutlich, die Situation der Verfolgung der Gemeinde im Blick \u2013 was Lukas bzw. auch Jesus wohl so nicht hatte. Matth\u00e4us legt also Worte mit Blick auf die Situation der Gemeinde aus. Auch wenn er sie auslegt, so wird doch die Intention Jesu deutlich: Lieben hei\u00dft, dem anderen wohltun, ihn segnen (also ihm die N\u00e4he Gottes zusagen, der sie mir abspricht! \u2013 dar\u00fcber lohnt es, sich nachzudenken), f\u00fcr ihn beten \u2013 also vergebend eintreten vor Gott gegen\u00fcber dem, der mich beleidigt. Auch wenn Matth\u00e4us die Grundlage ver\u00e4ndert hat, so ist doch noch deutlich, welche Intention Jesu vertritt. Das mag nicht immer so sein, aber es ist gut, wenn es manchmal deutlich wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Matth\u00e4us geht es auch um gerechtes, das hei\u00dft Gott angemessenes Verhalten. Und von daher interpretiert er den Satz, der urspr\u00fcnglich sagte, man solle barmherzig sein wie Gott barmherzig ist, weiter, indem er davon spricht, \u201evollkommen zu sein\u201c. Wer nun sagen sollte: Das ist etwas ganz anderes, kann nat\u00fcrlich nun versuchen, barmherzig zu sein, wie Gott es ist. Und wird merken: Nun denn, so einfach ist das nicht! Sicher, es ist etwas anderes, weil Matth\u00e4us das nicht nur auf \u201eBarmherzigkeit\u201c selbst bezieht, sondern als Abschluss der Antithesen vermutlich auf alle Beispiele, aber es wird von beiden, Matth\u00e4us und Lukas, betont, dass im Grunde etwas Unm\u00f6gliches verlangt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man muss die Situation ber\u00fccksichtigen: Jesus hat die J\u00fcnger mit einer besonderen Botschaft ausgeschickt \u2013 und die Reaktion der Leute war nicht immer freundlich \u2013 bis hin zur sp\u00e4teren Verfolgung, wie Matth\u00e4us es erlebt hat. Wie soll man als Menschen, die Jesus folgen, die sich Gott angemessen verhalten wollen, verhalten? Das wird an dieser Stelle gesagt: Angemessen ist es nicht zu sagen: Gott, vernichte sie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun haben wir jedoch ein Problem. Das Problem finden wir in einem anderen Text der Logienquelle, die Matth\u00e4us 11,21ff.\/Lk 10,12ff. aufgenommen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Worum geht es? Die heidnischen, s\u00fcndigen St\u00e4dte (Sodom, Tyrus, Sidon) sind ein abschreckendes Beispiel daf\u00fcr, wie man sich nicht verhalten soll. Und j\u00fcdische Fromme (aus Chorazin, Bethsaida und Kapernaum) wissen das und sind stolz, dass sie sich nicht so verrucht verhalten. Aber Jesus h\u00e4lt diesen Frommen seines Volkes entgegen, dass ihr Stolz und Hochmut Zeichen des Falls ist. Nicht \u00dcberheblichkeit \u00fcber die Heiden rettet, sondern Umkehr. Und das finden wir auch in der so genannten \u201eAntrittspredigt\u201c in Nazareth. Statt die Botschaft anzunehmen, \u00fcberhaupt Jesus zuzuh\u00f6ren, regen sich die Menschen von Nazareth furchtbar auf (Mt 13,53ff.) und versuchen, ihn zu beseitigen (Lk 4,16ff.). Auch hier werden heidnische St\u00e4dte und Menschen dem j\u00fcdischen Volk als Vorbilder vor Augen gestellt. Ebenso Mt 12,11ff. Das f\u00f6rdert nat\u00fcrlich den Zorn derer, die meinen, sie seien besser als die anderen, aber es kann auch zum Nachdenken anregen: Was tun wir eigentlich, wenn wir nicht wahrnehmen, was unter uns geschieht? Warum lehnen wir kollektiv ab \u2013 sollten wir nicht vielmehr nachdenken? Es sind (apokalyptische) Drohungen, in der Tradition der Propheten (da ging es allerdings um politische Folgen), die das Volk zur Besinnung \/ Umkehr f\u00fchren sollen. (Die folgende Zusammenstellung der Texte \u2013 nach Matth\u00e4us 11,21 ff. par. \u2013 zeigt: Es wurde nicht den Klugen und Weisen gegeben, die wahre Dimension Jesu zu verstehen, sondern die Unm\u00fcndigen verstehen \u2013 und daraufhin wird gesagt: Kommt, die ihr M\u00fchselig und beladen seid\u2026 \u2013 das hei\u00dft, dieser gesamte Komplex ist der Frage gewidmet: Warum folgen manche Jesus, warum nicht\u2026 Aber darauf kann ich hier nicht eingehen \u2013 sie sprengt das Thema.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann nun fragen: Ist das \u201eModell\u201c der Feindesliebe von Jesus? Oder war Jesus ein verbiesterter drohender Apokalyptiker? Ist er ein entt\u00e4uschter, die Menschen Liebender, dessen Liebe zur\u00fcckgewiesen wurde? Ist er einer, der die Gefahren kennt, die Menschen warnt und sich wundert, dass die Menschen lieber in ihr Verderben rennen, als sich vor dem Verderben zu sch\u00fctzen? Alles Gute \u2013 beim \u00dcberlegen, w\u00fcnsche ich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was das Thema \u201eGott\u201c betrifft \u2013 er wird hier nicht als Probleml\u00f6ser angesehen: Gott, mache, dass der Feind aufh\u00f6rt\u2026 oder \u00e4hnlich. Der Mensch selbst ist gefordert \u2013 und zwar in Menschen \u00fcbersteigender Weise zu handeln. Vielleicht darf man das so sehen: Jesus fordert \u2013 weil er das dem Menschen zutraut. Aber dazu geh\u00f6rt noch etwas anderes:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Texte, die vom Gericht \/ H\u00f6lle sprechen, sprechen von Umkehr. Es ist eine Erneuerung des Lebens notwendig. Und wenn diese nicht kommt, dann wird weder das eigene Leben besser noch der Riss, der durch die Gemeinschaft geht. Die Menschen in Israel \u2013 denn diese hatte Jesus im Blick \u2013 m\u00fcssen sich \u00e4ndern, sonst wird das nichts mit Schalom, mit Wohlergehen, Frieden, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Gleichheit\u2026. Sie d\u00fcrfen sich nicht halbherzig \u00e4ndern, sondern die Gesinnung muss eine ganz Neue werden, eine, die Gott gem\u00e4\u00df ist. Diese Botschaft an Israel gilt allen Menschen. Das haben dann die J\u00fcnger erkannt und weltweit weitergef\u00fchrt: Diese Botschaft kann die Gemeinschaft zwischen den Menschen f\u00f6rdern, wo auch immer sie verk\u00fcndigt werden wird. Denn zerrissen ist nicht nur das j\u00fcdische Volk der damaligen Zeit. Sozial zerrissen sind sie alle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Umkehr zu Gott ist die Voraussetzung f\u00fcr die Bereitschaft, die Antithesen im eigenen Leben zu integrieren. Die Antithesen sind nicht zu verstehen ohne Jesus Christus, der eben auch von Matth\u00e4us als Sohn Gottes geglaubt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit habe ich die Antithesen angesprochen. Morgen folgt eine Zusammenfassung. Ich hoffe, ich kann dann in den folgenden Tagen weitere Texte der Bergpredigt darlegen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">5. Zusammenfassung: Antithesen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit diesen bisherigen Teil der Bergpredigt (Matth\u00e4usevangelium Kapitel 5) haben wir gesehen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ebene 1:<\/strong> Es geht einmal um die groben Z\u00fcge: Jesus, wie Matth\u00e4us ihn schildert, richtet den Fokus auf erniedrigte Menschen. Er versucht die Aufmerksamkeit auf sie zu richten \u2013 die Erniedrigten sollen selbst Aufmerksamkeit auf sich richten. Sie sind gro\u00df. Licht der Welt. Diese Gr\u00f6\u00dfe zeigt sich auch in einem Gemeinschaft-bildenden Verhalten. Einem Verhalten, das ganz anders sein soll, als man es \u00fcblicherweise kennt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ebene 2:<\/strong> Dann kann man schon Details erkennen: Man soll sich selbst beherrschen, den Mitmenschen nicht erniedrigen, man ist zuverl\u00e4ssig, schl\u00e4gt \u00fcberraschende Wege ein in Auseinandersetzungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ebene 3:<\/strong> Wenn man das noch konkreter fassen m\u00f6chte: Nicht Mitmenschen durch Beschimpfen erniedrigen, nicht Frauen erniedrigen durch begehrlichen Blick, nicht ehebrechen und scheidenlassen, nicht schw\u00f6ren, sich nicht r\u00e4chen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und an diesen drei Ebenen k\u00f6nnen wir unser Verhalten ausrichten, k\u00f6nnen wir unser Menschenbild messen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage ist nun: Ist jedes dieser Worte jesuanisch, ist es genauso jesuanisch, wie es gesprochen wurde? Wie sind Widerspr\u00fcche zu kl\u00e4ren? (Liegt das zum Beispiel daran, dass die Kontexte, in denen die Worte gesprochen wurden, fehlen?) Das sind die Fragen der historisch-kritischen Exegese. Sie werden diskutiert, es wird heftig argumentiert. Auch wenn nicht jedes Wort von Jesus gesprochen wurde, oder nicht ganz so von ihm gesprochen wurde, gibt es dann doch seine Intention wieder?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Frage kann hier nicht detailliert dargelegt werden. Dazu m\u00fcssten n\u00e4mlich s\u00e4mtliche Worte, die Jesus zugeschrieben werden, diskutiert und dann beleuchtet werden. Das wird in der Wissenschaft geleistet. Deutlich wird: Es wird ein besonderer Mensch in den Evangelien erkennbar. War Jesus so ein Mensch? Ist dieses Bild nur eine Erfindung der Logienquelle? Ist es eine des Markus? Eine des Lukas, Matth\u00e4us, Johannes, Paulus? Diese Frage zeigt schon, dass es nicht das Werk eines Menschen sein kann. Es kann auch nicht das Bild vieler sein. Die Grundkonstante ist in jedem Evangelium gleich \u2013 und auf einer anderen Ebene auch in den Paulusbriefen. Das hei\u00dft: Es hat einen Mann namens Jesus von Nazareth gegeben, der sich in besonderer Weise ge\u00e4u\u00dfert hat \u2013 so ge\u00e4u\u00dfert hat, dass seine Worte und Taten \u00fcbereinstimmten, den Menschen bewundert haben. Dann hat sich manches an ihm angelegt, manches herumgerankt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zu untersuchen ist eine Aufgabe historischer Wissenschaften. Die Konsequenzen, die man daraus f\u00fcr das eigene Leben zieht \u2013 zum Beispiel: Hat das weitere Konsequenzen als die Besch\u00e4ftigung mit Caesar oder auf einer anderen Ebene die Besch\u00e4ftigung mit Sokrates \u2013 das ist dann nicht nur eine des Glaubens. Denn dass man Jesus als gro\u00dfen Menschen, als Vorbild ansehen mag, wie Sokrates, das ist ja noch kein Glaube. Das kann aber eine Frage des Glaubens werden \u2013 und zwar dann, wenn man sagt: Der Mensch Jesus ist Gottes Ebenbild, mit ihm greift Gott in einem ganz besonderen Ma\u00dfe in die Welt ein, um Korrekturen anzubringen. Das w\u00e4re eine Glaubenssicht. Auch Glaube ist nicht statisch, sondern es gibt unterschiedliche Glaubenstiefen. Eine Weiterf\u00fchrung w\u00fcrde zum Beispiel bedeuten: In Jesus von Nazareth, dem Christus, ist Gott selbst unter den Menschen aktiv geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage ist \u00fcbrigens: Ist das, was sich an Jesus angerankt hat \u2013 zu vergessen, abzulehnen, zu \u00fcbergehen? Manches empfinden wir als sehr wertvoll, als Ausdruck tiefer Menschlichkeit und tiefen Glaubens. Manches ordnen wir eher als oberfl\u00e4chlich, missgl\u00fcckt ein. Aber auch hier gibt es die Ebenen des Glaubens: Wie sind sie aus der Perspektive des Geistes Gottes zu deuten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber damit ist die Bergpredigt ja noch nicht abgeschlossen. Es folgen weitere Texte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">6.1 Matth\u00e4us 6 und 7<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Regel: Nicht heucheln beim Spenden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht in den folgenden Texten erst einmal um Fragen des religi\u00f6sen Handelns: um die Spende, um das beten, um das Fasten. Man soll aufpassen, dass man sein frommes Handeln nicht zur Schau stellt. Da mag man nun Mt 5,13ff. im Blick haben und fragen: Wurde dort nicht das Gegenteil gesagt? Nein: Denn hier geht es darum, dass man sich und seine Fr\u00f6mmigkeit zur Schau stellt, das hei\u00dft, damit man selbst Ruhm und Ansehen erwirbt. Aber den Menschen, die Jesus nachfolgen, soll es nicht darum gehen selbst Ansehen zu bekommen, sondern so zu handeln, dass Gott gelobt wird. Diese Differenz muss man auch im Tun Jesu beachten. Es kann hier nicht vertieft werden, aber Jesus versucht nicht aufgrund seiner Wunder die Menschen zu \u201e\u00fcberzeugen\u201c, sondern aufgrund seiner Worte. Das so genannte Schweigegebot, das Messias-Geheimnis \u2013 das wird in der Forschung intensiv diskutiert \u2013 aber ich m\u00f6chte zur Bergpredigt zur\u00fcckkehren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Abschnitt handelt davon, dass man nicht spendet, damit alle Leute es sehen und man darum geehrt wird. Er wendet sich also gegen das, was wir auch heute vielfach finden: Wer spendet posaunt es in die Welt hinaus, damit man sieht: Wow, so sozial engagiert \u2013 und vielleicht gibt es dann auch neue Kunden. Wir h\u00f6ren hier, dass man das nicht tun solle. Im Gegenteil: Die linke Hand soll nicht wissen, was die rechte Hand tut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir hatten schon h\u00e4ufiger das Thema \u201e\u00dcbertreibung\u201c. Auch hier \u00fcbertreibt Jesus. Man mag ihm zurufen: Ei, Jesus, was soll das denn? Hast du denn keine Ahnung vom Menschen? Nun denn, dass kann man Jesus sicher kaum vorwerfen, dass er nicht w\u00fcsste, dass die linke nicht immer wei\u00df, was die rechte tut. Aber warum sagt er das? Vermutlich auch hier aus rhetorischen Gr\u00fcnden: Das bleibt durch den Widerspruch, den man empfindet, im Kopf h\u00e4ngen! Alles andere geht ins eine Ohr rein und durchs andere wieder raus, wie man sagt \u2013 was ja biologisch auch nicht geht. Aber so etwas bleibt h\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus bezeichnet die Menschen, die ihre Spenden hinausposaunen als Heuchler. Warum als Heuchler? Weil sie nicht geben aus reiner Gesinnung, sondern darum, weil sie damit Ansehen verbinden. Aber dann folgt eine Aussage, die auch Heuchelei sein kann: Man soll nicht geben, damit die Menschen einen sehen, sondern damit Gott einen sieht und ihm dann auch Gutes tut? Ist das reine Gesinnung? Vermutlich will Jesus damit nicht sagen, dass man gibt, damit Gott einem Gutes gibt, sondern dass man gibt, weil man sowieso Gutes geben m\u00f6chte, und Gott sieht es. Aber wie dem auch sei: Deutlich wird wieder etwas: Jesus will Ehrlichkeit und nicht Heuchelei unter den Menschen. Wie das Verh\u00e4ltnis zu Gott aussieht, bleibt sowieso Geheimsache \u2013 aber unter Menschen soll es ungeheuchelt zugehen. Wenn einer vor Gott heuchelt, dann hat das sowieso keine Chancen, weil Gott ja das Herz sieht. Aber Menschen k\u00f6nnen nicht unterscheiden zwischen Heuchelei und reiner Gesinnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Frage bleibt noch: Sollen Menschen nicht heucheln \u2013 sie tun doch damit etwas Gutes! Einer w\u00fcrde nichts geben, wenn er davon keinen Nutzen hat \u2013 gibt aber, damit er selbst und andere Nutzen hat. Ist das so schlecht? Diese Antwort sollte sich jeder und jede selbst geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Nicht heucheln beim Beten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Almosengeben folgt das Thema Gebet in drei Abschnitten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(a)<\/strong> Man solle nicht beten wie die Heuchler, um als besonders fromm zu erscheinen in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 also das zuvor angesprochene Thema wird weitergef\u00fchrt. Und auch hier: Soll man nicht \u00f6ffentlich beten, um Menschen dazu zu animieren, auch \u00f6ffentlich zu beten, damit dann das Gebet eine allgemeinere Akzeptanz bekommt, ein nat\u00fcrlicher Ausdruck einer Gesellschaft? Auch das m\u00f6ge jede und jeder f\u00fcr sich beantworten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutlich wird aber noch etwas: Man betete in der Antike \u00fcberwiegend laut, denn die G\u00f6tter haben Ohren und k\u00f6nnen nicht ins Herz sehen. Aber Jesus sagt, dass Gott h\u00f6rt \u2013 und zwar auch im H\u00e4uschen, das man bewohnt. Nicht nur am Tempel, nicht nur, wenn man laut spricht usw. Gebet ist etwas zwischen mir und Gott, an jedem Ort, ein Herzensgebet. Also das leise Gebet \u2013 es ist nicht f\u00fcr menschliche Ohren bestimmt, sondern nur f\u00fcr Gott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man solle aber nicht nur nicht \u00f6ffentlich beten, sondern auch nicht viel herumreden. Gott wei\u00df ja, was man ben\u00f6tigt. Also nicht versuchen, Gott durch Geplapper rumzukriegen usw. Aber warum dann \u00fcberhaupt beten? Gott m\u00f6chte, dass man mit ihm spricht, sich ihm auch verbal zuwendet. Das Gebet ist f\u00fcr Jesus wichtig. Aber eben: Richtig beten, aus einer guten Beziehung zu Gott. Was hier freilich auch nicht vertieft dargelegt werden kann. Als Beispiel f\u00fcr ein kurzes Gebet wird von Matth\u00e4us das Vaterunser angef\u00fcgt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(b)<\/strong> Es folgt das <strong>Vaterunser<\/strong>. \u00dcber dieses Gebet gibt es B\u00e4nde \u2013 und man selbst k\u00f6nnte B\u00e4nde schreiben. Ich beherrsche mich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Matth\u00e4us hat das Vaterunser ins Zentrum seiner Bergpredigt gestellt. Es stammt von Jesus \u2013 aber zu beachten ist, dass wir im Lukasevangelium eine etwas andere Form haben. In der Version des Lukas fehlt unter anderem: Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden und erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen (Lukas 11,2-4). Es ist nat\u00fcrlich nicht auszuschlie\u00dfen, dass Jesus es h\u00e4ufiger auch in Variationen gesprochen hat. Aber diese Diskussion soll jetzt nicht gef\u00fchrt werden. Das Gebet als solches ist schon spannend genug. Ich lege es mit Blick auf die Bergpredigt aus \u2013 nicht isoliert von ihr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vater = Abba = V\u00e4terchen. Auch wenn Gott als \u201eV\u00e4terchen\u201c angeredet wird, so bedeutet das nicht, dass er in der Hand des Menschen ist, sondern er ist und bleibt dem Menschen entzogen (im Himmel) und der Mensch ordnet sich ihm in Demut unter, indem er Gott heiligt, das hei\u00dft: ihn nicht profanisiert, missbraucht. Gott m\u00f6ge seine Herrschaft aufrichten \u2013 eine zentrale Botschaft Jesu \u2013 aber bis Gott das vollbringt, soll der Mensch entsprechend handeln \u2013 also Gottes Willen tun und die Bitte spricht aus, dass Gott seinen Willen auf der Erde durchsetzen m\u00f6ge. Damit verbunden ist: Gott setzt seinen Willen noch nicht durch. Menschen w\u00fcten, leiden, zerst\u00f6ren. Wenn Gott seinen Willen durchsetzen w\u00fcrde, w\u00fcrde es nicht n\u00f6tig sein, die leidenden Menschen selig zu preisen, die Erniedrigten in den Fokus zu r\u00fccken. Mit dieser dringend Bitte, sein Reich aufzurichten und seinen Willen durchzusetzen, ist noch etwas verbunden: Menschen, die Gott ehrlich darum bitten, werden alles dazu tun, den Willen Gottes schon umzusetzen. Dazu geh\u00f6rt eben auch das zu tun, was in den Antithesen formuliert wurde und nicht zu heucheln. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der n\u00e4chsten bitte geht es um k\u00f6rperliche Belange: darum, dass Gott einen nicht hungern lassen m\u00f6ge (ich fasse die Bitte eher eng). Wenn ich in der Gemeinde das Gebet spreche, dann wei\u00df ich: Wenn ich Brot habe, teile ich es mit dem, der kein Brot hat. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der daran anschlie\u00dfenden Bitte geht es um seelische Belange: Gott m\u00f6ge mir die Schuld vergeben \u2013 denn Schuld, die einem bewusst wird, fesselt, hindert freies Wirken. Und wer wird sich angesichts der Antithesen nicht gro\u00dfer Schuld bewusst (Beschimpfung, Erniedrigung\u2026). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem geht es um soziale Belange: Wir vergeben allen, die an uns schuldig wurden. Das hei\u00dft: ich fessele auch andere nicht an ihrer Schuld und sage: Du hast mich aber beschimpft! (siehe zur ersten Antithese.) Indem ich in der Gemeinde mit anderen das Gebet spreche, wei\u00df ich, dass mir auch von den anderen vergeben wurde. Wir neu anfangen k\u00f6nnen. Das Thema \u201eVergebung\u201c ist f\u00fcr Jesus sehr wichtig \u2013 und es begegnet gleich noch einmal. Dieser Bitte folgt die sehr schwer zu verstehende Bitte: Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung \u2013 sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen. Wie versteht Matth\u00e4us evtl. die Bitte? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sagte, dass das Vaterunser die Mitte der Bergpredigt darstellt. <\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Bitte: dein Wille geschehe usw. korrespondiert mit den Antithesen, <\/li>\n\n\n\n<li>die Bitte um das Brot wird von Matth\u00e4us mit dem noch zu besprechenden Abschnitt 6,19-34 erl\u00e4utert, <\/li>\n\n\n\n<li><em>vergib uns unsere Schuld\u2026<\/em> korrespondiert mit 7,1-5 und <\/li>\n\n\n\n<li><em>f\u00fchre uns nicht in Versuchung<\/em> korrespondiert mit dem Text, der von der Entweihung des Heiligen spricht, 7,6: man solle das Heilige nicht den S\u00e4uen vorwerfen \u2013 was so verstanden werden kann: Verrate die gute Botschaft Jesu nicht in der Verfolgung (vgl. Mt 5,12-14) \u2013 Gott bewahrt mich vor der Versuchung; vor allem aber, es ist ja ein Gemeindegebet: Ich verrate die Gemeinde nicht in der Verfolgung \u2013 eben: Gott bewahrt mich vor der Versuchung. <\/li>\n\n\n\n<li><em>Sondern rette uns vor dem B\u00f6sen<\/em> \u2013 korrespondiert mit: 7,7-11, das hei\u00dft: Erl\u00f6sung vom B\u00f6sen dadurch, dass man Gott sucht \u2013 Gott sich finden l\u00e4sst, die T\u00fcr zu sich \u00f6ffnet. Suchen bedeutet: Hinwendung zu Gott, Abwendung vom B\u00f6sen. <\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht hat Matth\u00e4us das alles so verstanden. Aber wie hat es Jesus verstanden? Das bleibt offen. Ich denke an das Buch Hiob, das Jesus auch bekannt war: Der Satan bittet Gott, Hiob versuchen zu d\u00fcrfen, zu schauen, ob Hiob Gott auch treu bleibt, wenn es ihm schlecht geht. Gott erm\u00f6glicht es dem Satan \u2013 und der zieht alle Register. Gott m\u00f6ge uns Menschen das ersparen. Hiob hat durchgehalten, klagend und in einer \u00e4u\u00dferst heftigen Form Gott \u2013 nicht den Satan \u2013 anklagend. Gott gibt Hiob Recht. Aber als Mensch m\u00f6chte man doch von solchen Erfahrungen verschont bleiben. Weiter gef\u00fchrt: Die Bitte, dass Gott vor Versuchung sch\u00fctzen m\u00f6ge, hat keinen Anhaltspunkt an dem, was uns sonst von der Lehre Jesu bekannt ist. Ich verstehe sie so: Glaubende stehen unter der Macht Gottes, des \u201eAbba\u201c, nicht unter b\u00f6sartigen M\u00e4chten, welcher Art auch immer. Und das ist auch das, was das gesamte Gebet erkennen l\u00e4sst: Die Betenden stehen unter Gottes Herrschaft und Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wir sto\u00dfen hier aber wieder auf ein Problem, das wir schon einmal hatten: Jesus \u00fcbertreibt, er sagt etwas, das man nicht versteht, \u00fcber das man nachdenken muss. Und durch das Nachdenken erarbeitet man sich eine L\u00f6sung<\/em> (vgl. Gleichnis vom Verlorenen Sohn).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Vaterunser zusammengefasst: Es zeigt uns einen Jesus, der in einer au\u00dferordentlichen Beziehung zu Gott steht (V\u00e4terchen), der den Nachfolgern ein Gebet lehrt, das sie in diese au\u00dferordentliche Beziehung hinein nimmt. Es entspricht seiner Reich Gottes Botschaft: Gott m\u00f6ge seine gute Herrschaft herbeif\u00fchren \u2013 aber ich als Beter werde schon jetzt entsprechend wirken, Gott m\u00f6ge den Menschen, die das tun, mit Brot versorgen \u2013 weil sie teilen (K\u00f6rper), m\u00f6ge durch Schuldvergebung befreien (Seele) \u2013 ich wei\u00df: er befreit mich und kitte im Sprechen das soziale Verh\u00e4ltnis (wie auch wir vergeben). Zudem m\u00f6ge er den Beter nicht in eine so schwere Zeit hineinf\u00fchren, in der die Gefahr besteht, Gott \/ die Botschaft Jesu bzw. der Gemeinde untreu zu werden. Und ich wei\u00df, er f\u00fchrt mich nicht in Versuchung, er st\u00e4rkt mich. (Vielleicht ist das so zu verstehen, wie eben gesagt.) Gott erl\u00f6st mich von dem B\u00f6sen \u2013 was auch immer das f\u00fcr mich hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Spannend ist: Dieser kurze zusammenfassende Absatz zum Vaterunser ist l\u00e4nger als das Vaterunser selbst. Wer es betet \u2013 ernsthaft betet \u2013 ben\u00f6tigt solche Erkl\u00e4rungen nicht. Es ist aus der Beziehung zu Gott selbstredend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbrigens: Wenn alle das gleiche Gebet sprechen, kann man sich damit nicht in der \u00d6ffentlichkeit beweisen \u2013 es sei denn, man spricht es prahlerisch laut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gebet schlie\u00dft sehr abrupt. Mit der Bitte um Erl\u00f6sung vor dem B\u00f6sen. Wie kommt es, dass es so abrupt endet? Wir wissen es nicht mehr. Ist etwas weggefallen? Hat Jesus eine Lehre angeschlossen? Das bleibt im Dunkeln. Dass sie sehr abrupt endet, hat man dann sp\u00e4ter so empfunden und dem noch die traditionell klingende Bitte angef\u00fcgt: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(c)<\/strong> Matth\u00e4us f\u00fcgt dem Gebet noch eine harte Lehre zum Thema Vergebung an, die er aus dem Markusevangelium (11,25f.) entnommen hat. Matth\u00e4us 18,21ff. betont noch einmal das Thema.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Nicht heucheln beim Fasten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als dritter Text folgt dann die Ermahnung, dass man beim Fasten nicht heucheln solle \u2013 also auch hier: Man solle sich der \u00d6ffentlichkeit nicht als besonders fromm pr\u00e4sentieren, indem man sich zum Fasten herausputzt. Man solle Selbsterniedrigungsriten nicht durchf\u00fchren, um sie allen zu zeigen. Im Gegenteil: Man soll frei und offen den Menschen begegnen. Auch eine Zumutung, die uns heute kaum mehr so bewusst ist, weil wir diese alten wichtigen Fastenregeln nicht mehr aus\u00fcben. Die Zumutung besteht darin, dass man sich, statt durch Fastenriten, in denen man sich zerlumpt und verdreckt, erniedrigt \u2013 w\u00e4scht und sauber strahlt. Vielleicht vergleichbar: Statt schwarze Trauerkleidung anzuziehen, wenn ein nahestehender Mensch gestorben ist, sich wei\u00df kleiden und feiern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber auch hier die Frage: Aber was ist, wenn dem Fastenden wirklich sehr traurig zumute ist? Wenn er wirklich zeigen m\u00f6chte: Meine Schuld, meine gro\u00dfe, gro\u00dfe Schuld\u2026 Auch das m\u00f6ge jede und jeder f\u00fcr sich selbst beantworten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich verweigere keine Antwort, wenn ich das drei Mal formuliert habe: &#8222;Das m\u00f6ge jede und jeder f\u00fcr sich selbst beantworten&#8220;. Es soll zeigen: Jesus meint, wir sind f\u00fcr unseren Glauben selbst verantwortlich \u2013 darum die Umkehr, die kann man nur als Individuum vollziehen \u2013 Heuchelei hat darin keinen Platz. Was letztlich dann wirklich Heuchelei ist, das wird jeder selbst erkennen. Man kann ja auch vor Stolz platzen, wenn man gespendet hat \u2013 weil man eben nichts sagt, wenn man leise gebetet hat \u2013 aber stolz darauf ist, es anderen verheimlicht zu haben, wenn man fastet \u2013 aber seine Traurigkeit verstellt und stattdessen eben stolz lacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesu Worte sind eine herausfordendernde Zumutung. Und damit stehen die Texte der Bergpredigt nicht allein \u2013 das ist also auf Jesus zur\u00fcckzuf\u00fchren, ob nun jedes einzelne Wort von ihm gesprochen wurde oder nicht, ist wissenschaftlich relevant, aber die Antwort ist nicht so dringend. Dringend ist eher: Wie begegne ich den Herausforderungen? Spenden \u2013 beten \u2013 fasten \u2013 grunds\u00e4tzlicher: Heuchelei? Wer bin ich? Als wer zeige ich mich?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Herausforderungen werden heftig weitergehen. Wann ich zu weiteren Darlegungen der Bergpredigt komme, wei\u00df ich noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">6.2 Matth\u00e4us 6,9-14<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Matth\u00e4us 6,19-24<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem folgenden Abschnitt haben wir unterschiedliche Entweder-Oder-Bildworte aneinandergereiht:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bildwort 1<\/strong> kann man so zusammenfassen: Man soll keine Sch\u00e4tze auf Erden sammeln. Warum nicht? Begr\u00fcndung (a): &nbsp;Sch\u00e4tze auf Erden vergehen \u2013 Sch\u00e4tze im Himmel bleiben bestehen. Dieses Bildwort finden wir auch Lukas 12,33 \u2013 verbunden mit dem Auftrag, alles zu verkaufen \u2013 und das Geld zu spenden. Beide Evangelisten schlie\u00dfen diese Forderung mit einer weiteren Begr\u00fcndung (b) ab: Wo dein Schatz ist, ist dein Herz. Und wo soll das Herz sein? Das wird hier nicht gesagt \u2013 ist aber allen Jesaus-Nachfolgern klar: Bei Gott, dem wahren Schatz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus ist sehr Geld kritisch eingestellt. Von daher passt dieses Entweder-Oder zu ihm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bildwort 2<\/strong>: Dieses ist schwer zu verstehen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Auge ist das Licht des Menschen d.h.:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(a) es l\u00e4sst das Licht in den Menschen bzw.<br>(b) kann auch mit alter Tradition bedeuten: das Licht geht vom Auge aus \u2013 und erm\u00f6glicht dem Menschen das Sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn das Auge aufrichtig ist \u2013 wird der ganze Mensch hell, wenn das Auge unaufrichtig ist, wird der ganze Mensch finster.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Blick auf (a) Wenn also das Auge ein gutes Auge ist und auf das Gute ausgerichtet ist, wird der Mensch hell \u2013 wenn das Auge allerdings davon bestimmt wird, \u00dcbles zu sehen\u2026 \u2013 wird der Mensch \u00fcbel. Oder,<br>mit Blick auf (b) \u2013&nbsp; also das Licht vom Auge ausgeht \u2013 dann signalisiert das Auge Licht \u2013 und die Umwelt und der Mensch selbst werden licht. Oder das Auge signalisiert Finsternis, Abgeschlossenheit\u2026 \u2013 dann werden Umwelt und Mensch finster.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann folgt noch ein sehr sonderbarer Satz:&nbsp;Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist \u2013 wie gro\u00df wird dann die Finsternis sein?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kann Licht Finsternis sein?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man das auf den Aspekt (b) bezieht, dass das Licht des Auges vom Menschen ausgeht, dann aber im Menschen kein Licht ist, da wo es sein sollte, also Finsternis ist, so geht von dem Auge und damit vom Menschen nur Finsternis aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Konkret gesagt: Wenn ich eine finstere Person bin, dann halte ich Ausschau nach Finsterem, B\u00f6sem, \u00dcblem \u2013 und w\u00e4hrend ich danach Ausschau halte, wird das Licht, das in mir ist, immer finsterer. Wenn ich also mich an Gewalttaten (PC, real\u2026) erfreue \u2013 so werde ich immer gewaltt\u00e4tiger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist eine m\u00f6gliche Interpretation. Vielleicht haben wir es aber auch damit zu tun, dass es ein R\u00e4tselwort ist, das jeder bedenkt, wie wir schon h\u00e4ufiger entsprechende Worte hatten. Durch das Bedenken kommen die Worte einem n\u00e4her \u2013 und ich komme f\u00fcr mein ganz pers\u00f6nliches Leben zu Erkenntnissen, die ein anderer so nicht \u00fcbernehmen kann, es daf\u00fcr aber mit seinem eigenen Leben verweben wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was Jesus damit meinte, ist also nicht mehr ersichtlich, weil der Kontext fehlt. Matth\u00e4us verbindet es mit dem Schatz. Um beide Interpretationen salopp zu verbinden: Wer auf den irdischen Schatz schaut \u2013 verfinstert, wer das g\u00f6ttliche Licht in sich hat, schaut auf den wahren Schatz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bildwort 3<\/strong> passt in dem Rahmen zu Bildwort 1: Man kann nicht Gott und gleichzeitig dem Geld dienen. Wenn man Gott dient, hasst man das Geld. Wenn man dem Geld dient, hasst man Gott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kontext des Vater-Unsers habe ich zur Brotbitte geschrieben: Wer diese Bitte ausspricht (Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute) \u2013 der teilt. Das ist Jesu Sicht. Dass sich die Kirchen im Laufe der Kirchengeschichte wie auch einzelne Christen nicht daran gehalten haben, das ist keine Frage, die Jesus anzulasten ist, das ist etwas, f\u00fcr das sich die jeweiligen Menschen verantworten m\u00fcssen. Aber: Jesus ist kein Gesetzgeber. Er \u00fcbertr\u00e4gt die Verantwortung dem jeweiligen Menschen, der ihm nachfolgt. Diese Bildworte lassen nur wenig Raum. Geld muss verantwortlich eingesetzt werden. Daran kommt kein Christ vorbei (siehe unten).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu dieser Fragestellung passt auch der n\u00e4chste Text, der in seiner Radikalit\u00e4t wie die oben genannten Entweder-Oder-Bildworte eine Provokation f\u00fcr die moderne b\u00fcrgerliche Welt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er zeigt einen Jesus, der die Sch\u00f6nheit der Natur wahrnimmt: die Spatzen und die Mohnblumen. Sie dienen als Gleichnis f\u00fcr Gottes Handeln: Gott ern\u00e4hrt Spatzen und \u201ekleidet\u201c die schnell verg\u00e4nglichen Mohnblumen wundersch\u00f6n. Zudem: Durch Sorge kann man sein Leben nicht verl\u00e4ngern. Darum soll sich auch der Mensch nicht sorgen. Gott sorgt f\u00fcr ihn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Was werden wir essen?<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Was werden wir trinken?<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Womit sollen wir uns kleiden?<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Darum sorgen sich diejenigen, die Gott nicht kennen.<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Gott wei\u00df, was ihr ben\u00f6tigt.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der folgende Satz darf zum Verstehen nicht \u00fcbergangen werden!:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wen spricht Jesus an? Jesus spricht die an, die ihm nachfolgen. Und das werden im Wesentlichen Menschen gewesen sein, die er losgeschickt hat: Nehmt euch nichts mit auf dem Weg \u2013 es gibt Menschen, die f\u00fcr euch sorgen, die euch aufnehmen. Die J\u00fcnger sollen sich also um die Verbreitung der Botschaft k\u00fcmmern \u2013 und es gibt immer Menschen in der Gemeinde, die sie aufnehmen werden, Menschen, die sie versorgen werden. Warum? Gott wird ihnen die Herzen \u00f6ffnen und die Hand und die T\u00fcr. Es geht also um eine ganz bestimmte Zielgruppe. Eine Gruppe, die mit Jesus umherzieht und sich um die Verk\u00fcndigung der Reich-Gottes-Botschaft k\u00fcmmert. Es geht um das Verhalten auf dem Weg der Evangeliums-Verk\u00fcndigung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er kann von einem reichen jungen Mann verlangen, dass er alles aufgibt. Er heilt ihn damit von einer falschen Jesus-Schw\u00e4rmerei: Jesus, ich will dir folgen\u2026 \u2013 Jesus sagt: Verkauf alles und gib das Geld den Armen. Und der Reiche geht davon. Es geht um Priorit\u00e4ten. Jesus ist komplizierter, nicht plakativ, oberfl\u00e4chlich. Jesus geht es nicht um Enteignung der Kapitalisten. Es geht ihm darum, dass der Mensch, der Geld hat, verantwortlich damit umgeht \u2013 und zwar Gemeinschaft f\u00f6rdernd. Wenn ein Reicher meint, dass Jesus Christus von ihm verlangt, alles aufzugeben \u2013 dann ist das auch richtig, weil Jesus das f\u00fcr dieses Leben eben vorgesehen hat. Dass Jesus aber nicht plakativ einzuordnen ist, zeigen zahlreiche Texte: Die Frau, die ihn mit kostbarem \u00d6l salbt, und die J\u00fcnger sagen, als gute Sch\u00fcler Jesu: Sie h\u00e4tte das Geld lieber den Armen geben sollen \u2013 doch Jesus verteidigt sie. Der reiche Mann in der Arme-Lazarus-Geschichte wird nicht verurteil, weil er reich ist, sondern weil er den Armen nicht beachtet hat, auch der reiche Kornbauer ist stolz wegen seines Reichtums \u2013 aber er ist eben geizig, denkt nicht ans Geben. Ich denke nicht, dass diese meine Deutung eine Verharmlosung Jesu ist. Das w\u00fcrde auch gar nicht zu Jesus passen, denn er steckt den Rahmen ab, den jeder verantwortlich \u2013 aus der Beziehung zu ihm \u2013 f\u00fcllen muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet zudem nicht, dass Jesus r\u00e4t, planlos durch das Leben zu gehen. Der Plan ist: Verbreitung des Gottesreiches durch ein entsprechendes Leben, das auch in den vorangegangenen Antithesen und den Kulttexten Ausdruck gefunden hat: nicht beschimpfen, nicht erniedrigen, vertrauensw\u00fcrdig sein, Gewaltspirale durchbrechen, nicht heucheln \u2013 also insgesamt ein Gemeinschaft f\u00f6rderndes Leben leben und mit diesem Leben das Evangelium zu verk\u00fcndigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun stellt sich die Frage: Sagt Jesus das allen Armen? Romantisiert Jesus die Armut in dem Sinne: Klasse, dass du arm bist, freu dich daran! Arm sein ist wertvoller als reich sein! Werde arm, dann bist du ein besserer Mensch! Wenn Jesus Arme insgesamt meinen sollte, dann aber auch unter dem Aspekt: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles zufallen \u2013 das hie\u00dfe wie oben: Kinder Gottes teilen, beschimpfen nicht, erniedrigen nicht\u2026 Es kann aber nicht als Gesellschaftsmodell missbraucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Vers 34 wurde an den Text angeh\u00e4ngt, er soll noch eine einsichtige Begr\u00fcndung geben, kommt wohl aus dem Bereich der Weisheit, nach dem Motto: Heute ist heute, morgen ist morgen. Schaffe erst mal den heutigen Tag, der morgige Tag sorgt f\u00fcr sich. Die Intention aufgreifend: Auch Spatzen und Mohnblumen sorgen nur f\u00fcr das Jetzt. Das kann nat\u00fcrlich hilfreich sein, wenn man sich hektisch verzettelt \u2013 aber das menschliche Leben ist normalerweise anders gestrickt und man plant. Was an diesem weisheitlichen Satz auff\u00e4llt: Er blendet Gott aus. Darin unterscheidet er sich massiv von den vorangegangenen Texten. Aber der Leser kann mit dem vorangegangenen Text auch diesen beleuchten \u2013 das hie\u00dfe dann: Gottvertrauen soll im Zentrum stehen. Und wer die Priorit\u00e4t darauf legt, sich um die Durchsetzung des Reiches Gottes zu k\u00fcmmern (des Schalom: Wohlergehen, Frieden, Gesundheit, Gemeinschaft, Gl\u00fcck, Liebe, Freiheit\u2026), der wird versorgt werden. Nicht mit Reicht\u00fcmern. Mit dem Notwendigsten, das er f\u00fcr den jeweiligen Tag ben\u00f6tigt. In der neutestamentlichen Wissenschaft wird dieser Satz weitgehend vom Kontext isoliert. Aber er kann aus meiner Sicht auch noch einen anderen Aspekt wiedergeben: Jesus ist nicht naiv. Er redet Probleme nicht einfach weg. Der jeweilige Tag hat seine Probleme, sie sind nicht wegzuleugnen. Aber lass dich von den Problemen der Zukunft nicht unterkriegen, k\u00fcmmere dich um deine Gottesbeziehung heute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit haben wir die Hauptabschnitte der Bergpredigt angedacht. Sie endet mit Texten, die in den n\u00e4chsten Tagen auch noch dargelegt werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">6.3 Matth\u00e4us 6,15-7,12<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bislang hatten wir in der Bergpredigt, dass Jesus Menschen, die erniedrigt wurden, sich nicht klein machen d\u00fcrfen. Gott erhebt sie. Dann sahen wir, dass Jesus eine neue Verhaltensweise forderte, die die Gemeinschaft st\u00e4rkt, indem man andere nicht beschimpft, nicht erniedrigt, dass man zuverl\u00e4ssig sein soll, die Gewaltspirale unterbricht, nicht heuchelt, Gott vertraut in seinem Alltagsleben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann liegt es nahe, wenn man das alles liest, dass man denkt: Oh, XY h\u00e4lt sich nicht daran!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wohl darum f\u00fcgt Matth\u00e4us diesen Ausf\u00fchrungen folgende Texte an:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet\u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Mensch, der den anderen richtet, der wird gerichtet werden \u2013 und zwar von Gott. Er spricht sich selbst im Grunde das Urteil. Wenn er freundlich ist, gerecht, dann wird er entsprechend gerichtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und der Forderung, die eine Gruppe anspricht, folgt wieder eine massive \u00dcbertreibung, die wir bei Jesus schon h\u00e4ufiger beobachtet haben, die ein Individuum anspricht:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders,<br>aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?<br>Wie kannst du zu dem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen \u2013<br>Und dabei steckt in deinem Auge ein Balken?<br>Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen also die <strong>Drastik<\/strong> in vielen Worten Jesu beachten, damit man sie nicht w\u00f6rtlich nimmt. Es sind rhetorisch bedingte \u00dcbertreibungen, damit man sich das alles besser merken kann. Und man kann ja mit sich selbst den Versuch machen: Welche Worte Jesu merkt man sich? Beschimpfen -&gt; H\u00f6lle, Hand abhacken, Auge rausrei\u00dfen, Wange zum Schlag hinhalten, Balken im eigenen Auge haben, Kind einen Stein bzw. eine Schlange zur Nahrung geben\u2026 Alles ist schmerzhaft, man assoziiert \u00e4u\u00dferst Negatives. Man sieht daran: die \u201eWerbung\u201c funktioniert. Nach dem Muster geht eben auch die Werbung vor: Der Mensch soll nach dem <strong>A.I.D.A.<\/strong>-Prinzip in diesen Texten nicht zum Kaufen angeregt werden, sondern zum sozialen Handeln: Aufmerksamkeit hervorrufen (A), Interesse wecken (I), Wunsch, sich zu \u00e4ndern (D-Desire), dann Umsetzung (A \u2013 Action).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Text: Man soll also nicht sagen, mein Bruder verh\u00e4lt sich nicht, wie er es soll, sondern soll fragen: Verhalte ich mich so? Und bis ich dann den Balken aus meinem Auge gezogen habe \u2013 wird es eine ganze Weile dauern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Text 7,6 habe ich schon angesprochen. Es geht um das Heilige, das man nicht den Hunden geben und die Perlen, die man nicht vor die S\u00e4ue werfen soll, damit sie es nicht zertreten. Wieder AIDA \u2013 aber leider wissen wir nicht mehr, in welchem Kontext Jesus das gesprochen hat, was er meinte. Aus matth\u00e4ischer Sicht k\u00f6nnte gemeint sein, dass man in der Situation der Verfolgung nicht die Botschaft Jesu preisgibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es folgt das Thema Gebet (7,7-11). Es beginnt mit dem Bettlerspruch:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Bittet, so wird euch gegeben,<br>sucht, so werdet ihr finden,<br>klopft an, so wird euch ge\u00f6ffnet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem folgt die Zusage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Zusage schlie\u00dft sich ein Bildwort an \u2013 das auch wieder drastisch ist: Selbst Menschen, die b\u00f6se sind, geben ihren Kindern keinen Stein, wenn sie um Brot bitten, oder eine Schlange, wenn sie um Fisch bitten. Entsprechend folgt auch diesem Bildwort eine Zusage: Gott wird Gutes geben, wenn man ihn bittet. Im matth\u00e4ischen Kontext bedeutet das: Wenn ich Gott bitte, die Verhaltensanweisungen ausf\u00fchren zu k\u00f6nnen, nach seinem Willen leben zu k\u00f6nnen, dann erm\u00f6glicht er es mir. Diese Argumentation finden wir auch Lukas 11,1-28: Es werden Texte hintereinander geschaltet, die insgesamt gesehen einen Argumentationszusammenhang bilden. Das ist eben die gro\u00dfe Leistung der Evangelisten, das zu bewerkstelligen. Dadurch wird zwar den einzelnen Texten die eigentliche Intention genommen, aber sie d\u00fcrfte noch darin erkennbar sein: einmal an den Worten, die sie verwenden, dann eben auch an dem Kontext, in dem sie eingef\u00fcgt wurden. Was aber jeweils zu untersuchen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck zum Text: Es geht in dem Bettlerspruch um Nahrung. Damit wird auch der Text 6,25ff. aufgegriffen: Man soll sich nicht um diese elementaren Dinge sorgen \u2013 auf seinem Weg, die Gottesherrschaft zu verk\u00fcndigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Texte sind also <strong>multidimensional<\/strong> eingesetzt worden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>sie haben Bedeutung in der Gesamtkomposition \u2013 hier am Beispiel Bergpredigt<\/li>\n\n\n\n<li>sie haben Bedeutung in einem Teil der Komposition \u2013 hier am Beispiel der Bergpredigt<\/li>\n\n\n\n<li>sie haben in sich Bedeutung durch die Zusammenstellung unterschiedlicher Aussagen<\/li>\n\n\n\n<li>sie haben in ihren kleinsten Einheiten Bedeutung \u2013 und diese sind dann zum Teil mit Jesus in Verbindung zu bringen.<\/li>\n\n\n\n<li>Wenn man dann die kleinste Einheit, wenn sie von Jesus ist, von Jesus her interpretiert hat, dann kann man wieder zur\u00fcckgehen und jeweils die vorangehenden Dimensionen befragen:<\/li>\n\n\n\n<li>Entsprecht ihr noch der Intention Jesu?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was Jesus betrifft: Es wird ein gro\u00dfes Vertrauen auf Gott deutlich. Und: Das Vertrauen, dass Gott Gutes gibt. Und an dieser Stelle kann man nun viel nachdenken \u2013 weil sich automatisch die Theodizee-Frage einstellt: Gott gibt Gutes? Warum erh\u00f6rt er \u201emeine\u201c Gebete nicht? Dieses Thema ist aber keines das Matth\u00e4us in der Bergpredigt behandeln will. Ihm geht es hier um unsere Verhaltensweisen. Von daher verlassen wir erst einmal diese spannende Frage nach der Gebetserh\u00f6rung und kehren uns wieder der Bergpredigt zu. (Ich vermute nicht, dass es darum geht, Gott zu finden. Diese Frage war in der Zeit Jesu keine Frage. Gottes Existenz war den Menschen so sicher wie alles, was wir in der Sch\u00f6pfung wahrnehmen.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es folgt die Goldene Regel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen.<\/em><br><em>Das ist das Gesetz und die Propheten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus fasst die alttestamentlichen Weisungen in dieser Goldenen Regel zusammen. Sie ist typisch Jesus: Man soll in Vorleistung gehen. Man soll also den anderen Gutes tun (Masochisten sind hier wahrscheinlich nicht im Blick: Anderen Schlechtes tun, damit sie mir Schlechtes tun, weil ich gerne leiden will) \u2013 aber man ist sich nicht sicher, dass sie einem auch etwas Gutes tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir kennen die negative Form der Goldenen Regel:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Was du nicht willst, dass man dir tu, das f\u00fcg auch keinem anderen zu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese negative Form hat einen ganz anderen Duktus: Man unterl\u00e4sst etwas, man unterl\u00e4sst es, anderen zu schaden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die positive Form der Goldenen Regel wird von manchen als eine Form des Egoismus interpretiert: Ich will was Gutes \u2013 darum tue ich dem anderen etwas Gutes: Ich gebe dem Nachbarn ein St\u00fcck Kuchen, damit er mir von seinem Kuchen abgibt. Diese egoistische Interpretation ist zumindest f\u00fcr Jesus nicht zu belegen (oder \u00fcbersehe ich etwas?).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wurde im Kontext des VaterUnsers gesagt, dass die jeweiligen Bitten in der Bergpredigt durch Matth\u00e4us ausgelegt werden. Hier ist es so, dass der Text auf die Vergebung in 7,14-15 eingeht. Das hie\u00dfe: ich soll vergeben \u2013 also in Vorleistung gehen, damit mir der Mitmensch auch vergibt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heutzutage wird die positive Form der Goldenen Regel von Jesus abgekoppelt und wird als eine allgemein menschliche Erkenntnis dargestellt. Sch\u00f6n. Aber k\u00f6nnen wir sie ohne den Urheber \u00fcberhaupt richtig verstehen? Warum ist es Menschen m\u00f6glich, in Vorleistung zu gehen? Weil sie so toll sind? Im Hintergrund steht auch das Ertragen von Leiden. Nachfolgerinnen und Nachfolger m\u00fcssen Leiden ertragen k\u00f6nnen \u2013 und dazu geh\u00f6ren auch Entt\u00e4uschungen. Aber das wurde im Kontext der 5. und 6. Antithese vertieft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">6.4 Schluss der Bergpredigt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schluss der Bergpredigt endet mit einem Text, der auf das hinweist, was wir schon immer beim Lesen der Bergpredigt gedacht haben: Das ist aber schwer zu tun! Nicht zu beschimpfen, Frauen nicht begehrlich anzusehen, sich nicht scheiden zu lassen, wenn einem danach ist, aufrichtig zu reden, seine Wange hinhalten, wenn einer einen schl\u00e4gt, den Feind zu lieben, nicht zu heucheln \u2013 denn man m\u00f6chte ja immer besser dastehen, damit man soziales Ansehen hat, nicht nach irdischen Sch\u00e4tzen zu trachten\u2026 \u2013 das ist unmenschlich!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber Jesus, so Matth\u00e4us traut es uns zu, diesen Weg Gottes zu gehen. Er ist schwer, aber er ist zu gehen.&nbsp; Und weil der Weg so schwer ist, werden viele den leichten, den normalen Weg gehen. Dieses Bild wiederum ist sehr drastisch, er pr\u00e4gte sich ein und war bei unseren Vorfahren ein beliebtes Bild. Nicht nur bei unseren christlichen Vorfahren. Herakles musste sich auch am Scheideweg zwischen dem leichten, genussvollen aber verwerflichen und den beschwerlichen Weg der Tugend entscheiden, denn der leichte Weg der Gl\u00fcckseligkeit ist nur eine Vorgaukelei. Diese Wege waren von Frauen bestimmt: Frau Laster (Gl\u00fcckseligkeit durch Laster, sie ist versto\u00dfen worden von den G\u00f6ttern und versucht den Menschen, den \u00fcblen, leichten Weg zu gehen) und Frau Tugend (Sch\u00f6nes und Gutes geben die G\u00f6tter nur dem, der sich m\u00fcht und flei\u00dfig ist). Beide reden, miteinander diskutierend, dem Herakles zu \u2013 der Held entscheidet sich f\u00fcr den moralischen Weg, den Weg, der zum Ruhm f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf weitere Parallelen und Unterschiede sei hier nicht eingegangen. Es sei nur angemerkt: beide weisen auf Verg\u00e4nglichkeit und Ruhm hin. Der eine hat Verg\u00e4nglichkeit und Ruhm bei Menschen im Blick, der andere bei Gott. Dass normale tugendhafte Menschen nach kurzer Zeit vergessen werden (anders als der G\u00f6ttersohn Herakles), wird vom christlichen Glauben aufgefangen: Bei Gott wird er nicht vergessen \u2013 und im Zuge der Auferstehung wird er mit anderen Gemeinschaft haben. (Nachtr\u00e4glich kann man sagen: Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck haben wir, dass wir im Matth\u00e4usevangelium keine Frauen als Gegenspielerinnen finden \u2013 das h\u00e4tte heute ziemlich gro\u00dfe Aufmerksamkeit auf sich gezogen.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach diesem plastischen Bild geht es zu anderen Bildworten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bildwort 1: Falsche Propheten werden kommen, sie sind rei\u00dfende W\u00f6lfe, haben aber Schafskleider angezogen (Wolf im Schafspelz).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bildwort 2: An den Fr\u00fcchten sind \u201esie\u201c zu erkennen. Trauben findet man nicht im Dornstrauch, Feigen findet man nicht bei den Disteln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bildwort 3: Es gibt gut gedeihende (gute) B\u00e4ume und schlecht gedeihende (faule) B\u00e4ume. Der gute Baum bringt gute Fr\u00fcchte hervor, der faule Baum schlechte Fr\u00fcchte. B\u00e4ume, die schlecht tragen, die werden zu Brennholz verarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammenfassend: Gef\u00e4hrlich sind diejenigen, die als Schafe verkleidet, Menschen auf dem breiten Weg in die Verdammnis f\u00fchren m\u00f6chten. Man soll also aufpassen, dass man sich nicht verf\u00fchren l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Woran erkennt man aber den falschen und den guten Propheten? An ihren Fr\u00fcchten. Bei Menschen, die nicht den Weg Gottes gehen (Antithesen usw.) findet man keine guten Fr\u00fcchte. Dann gibt es aber auch Menschen, die ein und dieselbe Sorte Baum sind \u2013 aber die einen tragen gute Fr\u00fcchte, die anderen schlechte Fr\u00fcchte. Interessant ist, dass Matth\u00e4us diesen Satz aufgrund seiner ethisch gepr\u00e4gten Bergpredigt ethisch verst\u00e4rkt, w\u00e4hrend die Parallele bei Lukas die Lehre im Blick hat: <em>Ein guter Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens Gutes hervor; ein b\u00f6ser bringt hervor aus dem B\u00f6sen, das B\u00f6se. Wovon das Herz voll ist, spricht der Mund.<\/em> (Lukas 6,43-45)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Lukasevangelium haben wir noch einen Satz angeschlossen: \u201eWas nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Satz wird von Matth\u00e4us ausgef\u00fchrt: Auch wenn die \u201eHerr, Herr\u201c-Sager noch so tolle Sachen gemacht haben (weissagen in Jesu Namen, in Jesu Namen exorzistisch t\u00e4tig sein, Wunder tun in Jesu Namen) \u2013 Jesus wird ihnen keinen Zugang ins Himmelreich gew\u00e4hren, denn sie sind \u00dcbelt\u00e4ter und werden von ihm weggeschickt. Wie kommt es? Im Sinne des Matth\u00e4us: Man kann wunderbare Wunder tun \u2013 und das sogar in Jesu Namen ! \u2013 aber man kann parallel dazu: seinen Bruder beschimpfen, Frauen begehrlich ansehen, die Gewaltspirale erh\u00f6hen, heucheln, Gott nicht vertrauen, sondern sich selbst. Matth\u00e4us ist also ein massiver Kritiker seiner Gemeinde und m\u00f6chte mit der Bergpredigt seine Gemeinde ethisch korrigieren. Und ich denke mir, dass er aus diesen Gr\u00fcnden nicht zuf\u00e4llig die Themen zusammengef\u00fchrt hat, die er in den Antithesen usw. darlegt. Das macht aber insgesamt diesen Text zu einem der heftigsten Texte im Evangelium: Menschen, die im Namen Jesu handeln sind nicht unbedingt \u201egute B\u00e4ume\u201c, auch wenn sie in den Augen der Menschen noch so Gro\u00dfartiges tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abgeschlossen wird die Bergpredigt mit einem Text, den wir auch in der lukanischen Feldrede finden. Das hei\u00dft, er stammt nicht von Matth\u00e4us, er ist \u00e4lter. Beide unterscheiden sich ein wenig im Wortlaut, was hier nicht vertieft werden soll. Es kommt darauf an zu sagen: Wer die Bergpredigt h\u00f6rt und entsprechend handelt, baut sein Leben auf eine gute Basis. Die Basis ist gut, weil sie trotz der Lebensst\u00fcrme bestehen bleibt. Wer diese Basis nicht verwendet , den zerst\u00f6ren die Lebensst\u00fcrme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnliche Worte gibt es bei den j\u00fcdischen Gelehrten, bei Buddha (&#8222;So wie der Regen in ein schlecht gedecktes Haus eindringt, so dringt Leidenschaft in einen nicht gesammelten Geist. So wie kein Regen in ein gut gedecktes Haus eindringt, so dringt keine Leidenschaft in einen wohl entwickelten Geist.\u201c) Man kann sie alle miteinander vergleichen. Was aber hier deutlich wird: F\u00fcr Matth\u00e4us und Lukas (das hei\u00dft somit auch die Logienquelle) ist die Basis des Lebens diese Zusammenstellung der Worte Jesu. Und Jesus ist nicht einfach nur ein Weisheitslehrer unter Weisheitslehrern, so bekennen die Evangelisten, sondern er steht in einzigartiger Beziehung zu Gott, und die Nachfolger haben seinen Geist. Wenn auch manche dieser Worte so nicht von Jesus gesprochen wurden, nicht in dieser Reihenfolge und Zusammenstellung, so sind sie doch nicht zu \u00fcbergehen. Was dann auch die Gemeinde \u2013 aus demselben Geist Gottes heraus \u2013 dadurch best\u00e4tigte, dass sie dieses Evangelium in den biblischen Kanon als Ma\u00dfstab aufgenommen hat. Es geht \u2013 auch wenn ich das immer wieder wegen unserer Diskussion angesprochen habe &nbsp;\u2013 nicht nur um die Frage, was hat Jesus wirklich gesagt, es geht um die Frage: Was haben diejenigen, die dessen Geist haben, daraus gemacht, und wie haben andere Geistbegabte es aufgegriffen. Jesus ist Ausgangspunkt \u2013 aber als der Christus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit habe ich das Thema Bergpredigt beendet. B\u00fccher wurden \u00fcber sie geschrieben \u2013 h\u00e4tte ich auch schreiben k\u00f6nnen. Insofern sind es Nachdenkanst\u00f6\u00dfe \u2013 weil sie meine Perspektive kurz und knapp wiedergeben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">7. Schlussgedanken<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir lesen die Bergpredigt, wir lesen davon, dass man nicht beschimpfen darf, weil man einen anderen verletzt, so verstehen wir, dass man eine Frau nicht erniedrigen darf mit Blicken und Taten, dass wir zuverl\u00e4ssig sein sollen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und was machen wir? Wir sehen ein dass es falsch ist, was wir tun, aber wie trotzige Kinder sagen wir: Ich musste es tun!, das ist normal!, was ist schon dabei!, andere sind viel \u00fcbler!\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Statt also in uns zu gehen und all die Menschen Revue passieren zu lassen, denen wir \u00dcbles angetan haben, um uns zu entschuldigen, sind wir verbockt, stellen uns stur und die Gemeinschaft leidet, die Menschlichkeit leidet, das Zusammensein leidet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das haben Menschen an der Botschaft Jesu begriffen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich brauche mich nicht zu verbocken, ich kann vergeben, mir wird vergeben, ich kann neu anfangen. Ja, Jesus Christus, ich kann neu anfangen. Ich sehe durch dich Menschen und Welt mit anderen Augen. Den Augen derer, die ich verletzt habe und die ich auch in Zukunft verletzen k\u00f6nnte, weil ich einfach zu unachtsam bin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich&nbsp; nehme&nbsp; nicht nur wahr, dass ich verletzt habe oder verletzen k\u00f6nnte, ich kann mich \u00e4ndern, ich muss mich \u00e4ndern, weil ich es erkannt habe. Das ist Freiheit. Frei zu seinen asozialen Versagen stehen zu k\u00f6nnen, neu durchatmen zu k\u00f6nnen und mit Gott in die mitmenschlichere Zukunft gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Folgende ist aus einer Blog-Diskussion entstanden. Die jeweiligen Abschnitte sind nicht an einem Tag entstanden, sondern in einem l\u00e4ngeren Zeitraum (Dezember 2017-Januar 2018). Ich habe im Folgenden haupts\u00e4chlich die Rechtschreibung korrigiert. 1. 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