{"id":414,"date":"2019-07-01T16:01:35","date_gmt":"2019-07-01T14:01:35","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=414"},"modified":"2023-02-04T16:15:00","modified_gmt":"2023-02-04T15:15:00","slug":"noah-und-die-sintflut","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/noah-und-die-sintflut\/","title":{"rendered":"Noah und die Sintflut"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">GENESIS 6-10: DIE SINTFLUT-GESCHICHTE (s. auch: <a href=\"https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/noah\/\">https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/noah\/<\/a> )<\/p>\n\n\n\n<p>Gott plante die Menschen umzubringen, weil es ihm reute, den boshaften Menschen erschaffen zu haben. Und so t\u00f6tete er Mensch und Tier, nur Noah \u00fcberlebte samt Familie und den Tieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine grausame Geschichte. Ich lese sie als Hoffnungs-Geschichte. Wie das? Ein paar Anmerkungen m\u00f6chte ich geben \u2013 die Geschichte ist nat\u00fcrlich vielf\u00e4ltiger angelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Israel war von den Babyloniern erobert worden. Die Oberschicht wurde nach Babylon ins Exil verschleppt. Die j\u00fcdischen Theologen wussten: Wir von Israel haben den Vertrag gebrochen, den wir mit Gott bzw. Gott mit uns geschlossen hat. Wir erleiden nun durch die Eroberung die Vertragsstrafe.<\/p>\n\n\n\n<p>In Babylon sind sie mit der alten Noah-Tradition in Verbindung gekommen. Die sagte: Es gab eine gro\u00dfe Flut und in dieser Flut sind alle Menschen gestorben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Name Noah wird als \u201eTr\u00f6sten\u201c interpretiert \u2013 und von daher liegt es nahe, sie als Hoffnungsgeschichte zu lesen, eine Geschichte, die den Israeliten in Babylon Trost sein sollte. Sie haben ihre Situation in die Geschichte hinein gelesen: Das Volk Israel lebt in einer Zeit der Flut \u2013 der \u00dcberflutung durch die Babylonier. Nur wenige Israeliten leben noch. Doch diese wenigen werden diese Flut \u00fcberleben. Gott bereitet dem Elend ein Ende \u2013 er wird wieder einen Neuanfang schenken. Und mit diesem Neuanfang f\u00e4ngt auch Gott mit dem Volk neu an: Der Noahbund \u2013 samt Gebote und Regenbogen als Symbol. Und so wird Noah auch als Vorbild dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser alte Mythos wurde also auf die eigene Situation hin umgedeutet \u2013 er wurde zum Trost: Das Elend der \u00dcberflutung durch die Babylonier wird ein Ende haben \u2013 Gott wird dem ein Ende bereiten. (Man muss allerdings bedenken, dass das so eingebettet wird, dass es vor der Abraham-Berufung durch Gott erz\u00e4hlt wird, also den V\u00f6lkern gilt \u2013 somit folgerichtig, denn von ihnen wurde die Erz\u00e4hltradition \u00fcbernommen. Auch diesen V\u00f6lkern gelten die Gebote.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Babylonischen Zeit hat das Volk Israel auch die erste Sch\u00f6pfungsgeschichte durch einen von Gott gepr\u00e4gten Theologen geschenkt bekommen, der ebenfalls alte Traditionen aufgegriffen hat. Dort hei\u00dft es: Gott sah seine Sch\u00f6pfung \u2013 sie war sehr gut. Doch in Babylon erlebte man \u00fcberhaupt nichts Gutes. Der Mensch bereitet dem Menschen nur \u00dcbel. Aber: Es kann noch so chaotisch sein: Der Grundton der Sch\u00f6pfung ist gut. Warum? Der Geist (Ruach) Gottes schwebte \u00fcber den Urfluten und erschuf die sch\u00f6ne Welt samt Menschen. Und dieser Geist (Ruach) ist es dann auch, der die Strafflut beenden werden wird: Er trocknet die Flut weg. Gott der Sch\u00f6pfer ist auch der Erhalter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sch\u00f6pfungsgeschichte \u2013 dieser Mythos ist \u00e4lter als das Volk Israel, wurde jedoch auf das Volk hin neu erz\u00e4hlt. Und eben als Trostgeschichte. An der gro\u00dfen Flut kam man nicht vorbei. Sie beherrschte die Tradition. Aber man vermochte sie in den gro\u00dfen Kontext des Rettungshandelns Gottes zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man merkte allerdings: Das Gottesbild reibt sich mit der eigenen Tradition. Und so ist die Rede von Gottes Trauer \u00fcber den Menschen, seinen Zorn \u00fcber ihn und es \u00fcber seine Reue geredet. Das ist der Keim, das Verh\u00e4ltnis von Mensch und Gott \u2013 Gott und Mensch als Beziehungsgeschichte zu deuten:<\/p>\n\n\n\n<p>Gott gab dem Menschen von Anfang an Freiheit. Der Mensch missbrauchte die Freiheit, wandte sich gegen Gott und Mensch. Gott versucht nun, dem Menschen nicht die Freiheit zu nehmen, sondern mit Hilfe von Propheten, Geboten, weiteren Gottesmenschen den Weg zu Gott und des Miteinanders zu weisen. Nicht zuletzt durch Jesus Christus. Gott geht auf den Menschen ein und versucht ihn dazu zu bringen, in Freiheit menschlich zu sein. Und so werden diese alten Mythen der V\u00f6lker auch Bausteine, um die Beziehung zwischen Gott und Mensch verstehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu der Noah-Geschichte s. auch: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/das-buch-hiob\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/das-buch-hiob\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Umsetzung:<\/p>\n\n\n\n<p>Noah und die \u201egro\u00dfe Flut\u201c (Sintflut)<\/p>\n\n\n\n<p>Das Volk Israel wurde von den Babyloniern erobert. Viele Menschen waren gestorben, waren get\u00f6tet worden, viele Menschen wurden verwundet, die H\u00e4user waren zerst\u00f6rt, die Felder verbrannt, die Tiere von den Soldaten der Babylonier waren geschlachtet und gegessen worden. Manche Menschen haben die Katastrophe des Krieges \u00fcberlebt. Aber: Viele von den \u00dcberlebenden wurden nach Babylon verschleppt. Sie mussten dort als Sklaven den babylonischen Herren dienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie immer, wenn die Not ganz gro\u00df ist, fragten die Menschen verzweifelt: Warum l\u00e4sst Gott das zu? Weise Menschen aus Israel gaben die Antwort: Gott ist gut. Aber weil wir Gott nicht gehorcht haben, weil wir seine guten Gebote \u00fcbertreten haben, haben wir einander viel B\u00f6ses getan. Nicht nur die Babylonier haben damals b\u00f6se gehandelt. Wir auch. Dass wir andere Menschen erniedrigen, verspotten, ihnen den Besitz rauben \u2013 das wollte Gott nicht zulassen und hat uns dann bestraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Antwort war f\u00fcr die Israeliten sehr hilfreich. Und sie versprachen Gott und einander, sich bessern zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiser Mensch h\u00f6rte in Babylon eine Geschichte:<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei G\u00f6tter waren sich uneins \u00fcber die Menschen geworden. Der eine Gott wurde so zornig, weil die Menschen st\u00e4ndig heruml\u00e4rmten und aufm\u00fcpfig waren, so dass er die Menschheit durch eine Wasserkatastrophe zerst\u00f6ren wollte. Ein anderer Gott lie\u00df einen Menschen heimlich ein gro\u00dfes Schiff bauen, und mit diesem Schiff wurden die Menschen dann gerettet.<\/p>\n\n\n\n<p>Als dieser weise j\u00fcdische Mensch die Geschichte geh\u00f6rt hat, war er begeistert. Diese Geschichte nehme ich, um meinem Volk in der Notlage zu helfen. Weil er Jude war und an nur einen Gott glaubte, erz\u00e4hlte er die Geschichte auf neue Weise.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gott sah, dass die Menschen einander b\u00f6ses taten. Er hatte die Menschen gut geschaffen, wollte, dass sie alle gut miteinander leben. Aber sie taten es nicht. Gewalttaten, \u00dcberf\u00e4lle, Kriege, Rechtlosigkeit beherrschten das Zusammenleben. Weil die Menschen nicht mehr an Gott glaubten, gehen sie so b\u00f6sartig miteinander um. Darum wollte er die alte Menschenwelt zerst\u00f6ren und eine neue Menschheit erschaffen. Dann erkannte Gott, dass es einen gerechten Menschen und seine Familie gab: Noah(*). Den und die ganzen Tiere der Erde will ich nicht zerst\u00f6ren, sagte Gott. Er lie\u00df Noah ein gro\u00dfes Schiff bauen. Die Menschen um Noah herum verspotteten ihn: Was, in dieser Ebene baust Du ein so riesengro\u00dfes Schiff? Das ist doch wahnsinnig. Bist du bl\u00f6d? &nbsp;Doch als das Schiff fertig war, ging Noah mit seiner Familie hinein \u2013 und alle Landtiere kamen paarweise und kamen in dem riesengro\u00dfen Schiff aus Holz unter. Denn Gott k\u00fcmmert sich auch um Tiere. Er wollte nicht seine gute Sch\u00f6pfung ganz vernichten, und die Tiere geh\u00f6rten auch zur guten Sch\u00f6pfung. Dann begann es zu regnen und zu regnen. Die Wasserpegel stiegen und stiegen. 40 Tage und N\u00e4chte regnete es. Die Fluten der Meere verschlangen alles Leben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dann h\u00f6rte es auf zu regnen. Aber es dauerte noch Monate, dann stie\u00df das Schiff an den Berg Ararat. Als gro\u00dfer Berg war er zuerst vom Wasser befreit. &nbsp;Und noch l\u00e4nger dauerte es, bis mehr Land wieder trocken war. Um zu sehen, ob es schon irgendwo trockenes Land gab, schickte er den Raben aus. Doch er kam immer wieder zur\u00fcck, weil er kein festes Land gefunden hatte. Doch dann, dann war es soweit, der die Raben kamen nicht mehr zur\u00fcck. Dann schickte er die Taube aus. Auch sie kam immer wieder zur\u00fcck. Doch dann kam die Taube eines Tages zur\u00fcck und hatte einen kleinen frischen Zweig des Olivenbaums in ihrem Schnabel. Noah wartete noch ein wenig, als dann die ausgeschickten Tauben auch nicht mehr zur\u00fcckkamen, wusste er: Bald ist es soweit. Als das Land wieder belebbar wurde, verlie\u00df er mit seiner Familie und allen Tieren die Arche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Noah war echt dankbar, dass sie gerettet worden waren. Er brachte Gott ein Opfer. Und Gott versprach Noah, dass er alles Lebendige nicht mehr so schwer bestrafen m\u00f6chte. Nie werden aufh\u00f6ren: Saat und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Und Gott schloss einen Bund mit Noah und gab ihm vorl\u00e4ufig ein paar Gebote, die allen Menschen gelten. Weitere Gebote f\u00fcr das j\u00fcdische Volk kamen dann sp\u00e4ter mit Moses. Aber erst einmal gab es nur wenig Gebote, die das Zusammenleben regeln sollten. Als Zeichen des Bundes sagte Gott, gebe ich euch Menschen und allen Lebewesen den Regenbogen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und die Israeliten in Babylon h\u00f6rten ganz gespannt zu. Sie verstanden: Der weise Mensch hat nicht nur eine alte babylonische Geschichte neu erz\u00e4hlt, er hat sie uns erz\u00e4hlt! Auch wir haben die Fluten des Krieges erlebt. Gott hat uns diese furchtbare Zeit \u00fcberleben lassen! Und nun beginnt Neues: Gott setzt uns den Regenbogen als gro\u00dfes Hoffnungszeichen in die Wolken. Obwohl wir als Volk so viel schlimmes erleben, Gott l\u00e4sst es nicht zu, dass wir ganz vernichtet werden. Und immer wieder, wenn wir den Regenbogen sehen, werden wir daran erinnert. Aber wir werden auch daran erinnert, dass wir Gottes Gebote halten sollen, damit wir Menschen gut miteinander auskommen.<\/p>\n\n\n\n<p>(*) Die S\u00f6hne hie\u00dfen Sem, Ham und Japhet. Wie die Frauen der S\u00f6hne hie\u00dfen wird nicht \u00fcberliefert. Aber viele Jahrhunderte sp\u00e4ter wurde auch der Name der Frau genannt: Haikal bzw. wurde sie mit dem alttestamentlichen Namen Naema verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Name Noah bedeutet: Ruhe\/Trost. Haikal bedeutet entweder \u201egro\u00dfes Haus\/Palast\u201c, Naema bedeutet: Liebliches Tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Erz\u00e4hlung aus der Zeit heraus zu verstehen, wird \u201ehistorische Exegese\u201c genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Erz\u00e4hlung f\u00fcr die eigene Zeit neu zu interpretieren wird \u201eHermeneutik\u201c genannt. Der alttestamentliche Erz\u00e4hler interpretiert die alte sumerisch\/babylonische Geschichte in seiner Zeit neu \u2013 wie wir sie f\u00fcr heute neu interpretieren. Allerdings wird in der s\u00e4kularen Zeit Gott mit Blick auf Katastrophen nicht mehr ber\u00fccksichtigt. Der Mensch f\u00fchrt die Katastrophen selbst herbei. Sie sind, wie im Alten Testament, Folge des schlimmen menschlichen Handelns. Aber eben: Gott ist der Richter. J\u00f6rg Zink formulierte eine Untergangsgeschichte der Menschheit, die diese selbst herbeif\u00fchren. Vom Himmel herab schauten die ratlosen Engel zu, wie die Menschen einander vernichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GENESIS 6-10: DIE SINTFLUT-GESCHICHTE (s. auch: https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/noah\/ ) Gott plante die Menschen umzubringen, weil es ihm reute, den boshaften Menschen erschaffen zu haben. Und so t\u00f6tete er Mensch und Tier, nur Noah \u00fcberlebte samt Familie und den Tieren. Es ist eine grausame Geschichte. Ich lese sie als Hoffnungs-Geschichte. Wie das? 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