{"id":387,"date":"2019-07-01T15:45:59","date_gmt":"2019-07-01T13:45:59","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=387"},"modified":"2020-04-18T09:45:31","modified_gmt":"2020-04-18T07:45:31","slug":"fremde-bei-juden-und-christen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/fremde-bei-juden-und-christen\/","title":{"rendered":"Fremde bei Juden und Christen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">Juden und Christen und ihre Einstellung zu Fremden<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>&nbsp;1. Fremde im j\u00fcdischen Volk vor Jesus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema \u201eFremd sein\u201c bestimmt Israels Glauben massiv. Wir k\u00f6nnen anhand von Texten des Alten Testaments zweierlei entdecken:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 1:&nbsp;Lies Exodus \/ 2. Buch Mose 22,20-26 und 23,1-12 und 5. Buch Mose \/ Deuteronomium 10,18-19.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Was kannst Du zu dem Thema entdecken?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 2:&nbsp;Lies Psalm 144<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Was kannst Du zum Thema entdecken?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen des Volkes Israel wurden von den \u00c4gyptern als Sklaven gehalten und sahen sich in \u00c4gypten als Fremdlinge, als Menschen zweiter Klasse, ohne Rechte, an. Das Volk wurde von Gott durch Moses aus \u00c4gypten herausgef\u00fchrt \u2013 und soll nun seinerseits Menschen, die zu dem Volk sto\u00dfen, nicht als Fremde behandeln: nicht als zweitklassig, als Rang niedriger, rechtlos. Gott ist ja auch Sch\u00f6pfer aller Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig gibt es im Alten Testament und anderen j\u00fcdischen Traditionen Texte, die davon sprechen, Fremde zu bek\u00e4mpfen. Das h\u00e4ngt damit zusammen, dass Israel immer wieder von fremden M\u00e4chten bedroht und \u00fcberfallen wurde. Als Israel dann unter der Herrschaft griechischer und r\u00f6mischer M\u00e4chte stand, arbeiteten ein paar Juden mit den Heiden zusammen, andere lehnten das massiv ab. Und so gibt es Texte aus der so genannten zwischentestamentlichen Zeit (also der Zeit, in der die Schriften entstanden sind bzw. gesammelt wurden, die wir im Alten Testament finden und dem Beginn neutestamentlicher Schriften), in der Fremde und Menschen, die mit den Fremden zusammenarbeiteten, bek\u00e4mpft werden: Da sind die Makkab\u00e4er-B\u00fccher zu nennen oder Schriften, die in Qumran am Toten Meer gefunden wurden.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 3: Lies das Buch Rut(h): Was kannst Du zum Thema entdecken?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Ruth hatte der gro\u00dfe K\u00f6nig David eine Fremde als Vorfahre. Und damit auch Jesus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>2. Jesus und Fremde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit des Kampfes zwischen frommen Juden, die die Zusammenarbeit mit Fremden ablehnten und Juden, die mit Fremden zusammenarbeiteten, lebte Jesus. Welche Stellung nahm er zu Fremden ein? Diese Frage ist sehr spannend und wird in der Forschung intensiv diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits finden wir im Neuen Testament negative Worte im Mund Jesu, so wenn er vom plappern der Heiden beim Gebet spricht, oder davon, dass man den Schweinen nicht die Perlen vorwerfen solle. Wir h\u00f6ren auch, dass er nicht zu den Heiden, den Hunden, gesandt wurde, sondern zu Menschen des Hauses Israel.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 4:&nbsp;Lies: Matth\u00e4usevangelium 6,7 und 7,6 Markusevangelium 7,24-30.<\/p>\n\n\n\n<p>Der letztgenannte Text zeigt, dass Jesus einerseits den Schwerpunkt seiner T\u00e4tigkeit auf Israel legte, andererseits aber keine grunds\u00e4tzlichen Ablehnungen gegen\u00fcber Menschen aus den Heiden zeigte. Gef\u00e4hrlich wurde f\u00fcr Jesus die folgende Frage:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 5: Lies: Markusevangelium 12,13-17.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage war gef\u00e4hrlich, weil Jesus sich hier outen musste: H\u00e4ltst du es mit den Feinden Israels, den Feinden deines Volkes oder h\u00e4ltst du es mit denen, die unsere Feinde bek\u00e4mpfen. Jesus hatte eine \u00fcberraschende Antwort.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 6: Warum ist diese Antwort, die der Text Markusevangelium 12 gab, \u00fcberraschend? Welche Folgen hat sie f\u00fcr das allt\u00e4gliche Leben?<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist aber auch, dass Jesus einen heidnischen Feind \u2013 einen r\u00f6mischen Offizier \u2013 als Vorbild hinstellen konnte:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 7:&nbsp;Lies: Matth\u00e4usevangelium 8,5-13<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat Jesus auch andere \u201eFremdheiten\u201c \u00fcberwunden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Er hat sich nicht gescheut, mit Blutkranken in Ber\u00fchrung zu kommen. Das war fr\u00fcher ein Grund, kultisch unrein zu sein, das hei\u00dft, man durfte keinen Kontakt mit Gott \/ G\u00f6tter haben.<\/li><li>Er hat sich nicht gescheut, mit Menschen zu verkehren, die von der Gesellschaft zu \u201eFremden\u201c erkl\u00e4rt wurden: Kollaborateure (Z\u00f6llner), Prostituierte\u2026<\/li><li>Er hat sich nicht gescheut, Auss\u00e4tzige zu ber\u00fchren. Auss\u00e4tzige waren Menschen mit einer Hautkrankheit, die man aus den D\u00f6rfern ausgeschlossen hat, weil man Angst hatte, man bekommt auch diese Krankheiten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 8: Es ging wohl auch um Lepra. Lepra ist eine ganz schlimme Krankheit: Recherchiere zu diesem Thema. Beginne hier:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.dahw.de\/\">https:\/\/www.dahw.de\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 9:&nbsp;Lies die folgenden Texte \u2013 auch sie haben etwas mit unserem Thema zu tun. Erkennst Du, was sie mit ihm zu tun haben?<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Matth\u00e4us 25,31ff.<\/li><li>Markus 7,24ff.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 10:&nbsp;Lies Matth\u00e4usevangelium Kapitel 2. Was kannst Du zum Thema entdecken?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>3. Situation in Israel nach Jesu Hinrichtung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>a) Nachdem Jesus hingerichtet worden war, versch\u00e4rfte sich die Situation in Israel massiv. Die Feinde bekamen immer mehr Macht \u2013 diejenigen, die mit den Fremden zusammenarbeiteten, konnten sich nicht mehr durchsetzen. Es begann ein Krieg, der 70 n. Chr. \u2013 also 40 Jahre nach der Hinrichtung Jesu \u2013 zur Eroberung Jerusalems durch die r\u00f6mischen Truppen f\u00fchrte. Viele Juden wurden in die Sklaverei verkauft, wurden hingerichtet \u2013 nichts war mehr wie vorher. Langsam bildete sich Tiberias als Hochburg der Bildung heraus, aber 135 n. Chr. \u2013 nach einem erneuten Aufstand von Juden \u2013 wurde das Volk in alle Winde zerstreut. Nur wenige Juden wurden noch in Israel gelassen. Es begann die Zeit in der Fremde \u2013 und hier schlossen sich Juden vielfach von den Menschen ihrer Umgebung ab, so gut sie es konnten und wurden immer wieder angefeindet, verfolgt, der abstrusesten Dinge beschuldigt. Sie lebten freilich in beruflichem Kontakt mit anderen, aber sie lebten auch ihren Glauben vielfach in Abgrenzung von den Nichtjuden.<\/p>\n\n\n\n<p>b) Und was machten die Juden-Christen in diesen 40 Jahren zwischen Jesu Hinrichtung und der Eroberung Jerusalems durch die R\u00f6mer?<\/p>\n\n\n\n<p>Das war die gro\u00dfe Leistung des Petrus, des Paulus, des Philippus und vieler anderer, dass sie ihre j\u00fcdische Tradition mit Hilfe des Glaubens an Jesus Christus f\u00fcr Menschen aus den Heidenv\u00f6lkern ge\u00f6ffnet haben. Sie hatten keine Scheu mehr davor, mit den Fremden in Ber\u00fchrung zu kommen. Vor Jesus dachte man, dass der Mensch Gottes, der heilige Mensch, durch Nichtglaubende verunreinigt, unheilig w\u00fcrde. Mit Jesus hat man nun erfahren, dass der Heilige, der Mensch, der zu Gott geh\u00f6rt, nicht durch solche \u00c4u\u00dferlichkeiten von Gott getrennt wird, sondern die Gesinnung, die innere Haltung allein kann ihn von Gott trennen. Wenn ein Mensch heilig ist, dann kann er mit allen Kontakt haben, die als Fremde ausgesto\u00dfen worden waren. Mit Kranken, mit Auss\u00e4tzigen, mit Behinderten, mit Besessenen, mit Fremden\u2026 \u2013 kann er zusammenleben. Diese Zuordnung mag heute befremdlich erscheinen, aber diese spiegelt die Gesinnung von damals wieder \u2013 und wenn wir ehrlich sind, dann pr\u00e4gt das Trennende unser spontanes Handeln und Denken noch heute. Menschen aus den heidnischen V\u00f6lkern wurden froh, dass sie nun auch den Gott kennenlernen und lieben lernen durften, der sich den Juden gezeigt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 11:&nbsp;Lies: Epheserbrief 2,11-4,32<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>4. Die Stellung von Christen zu Fremden bis in die Gegenwart<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem gibt es Christen auf allen Kontinenten, in allen L\u00e4ndern \u2013 auch wenn manche L\u00e4nder Christen bek\u00e4mpfen, so konnten sie nicht verhindern, dass Menschen sich von der Liebe Gottes erleuchten lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Christen denken also anders als viele Religionen und V\u00f6lker: Christen sprengen Grenzen. Sie sind zwar Teil ihres Landes, ihrer Nation, ihrer Familie \u2013 aber gleichzeitig geh\u00f6ren sie zu einer weltweiten Gemeinschaft, die grenzenlos ist. Und jeder, der noch nicht an Jesus Christus glaubt, ist nicht auszugrenzen, sondern im fr\u00f6hlichen Umgang mit ihm kann er zum Christen werden. Christen sind hier sehr selbstbewusst.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den christlichen Glauben z\u00e4hlt n\u00e4mlich etwas anderes als die Abschottung, eine neue Lebensweise: Liebe Gott und deinen N\u00e4chsten. Und das wird von Jesus seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern mit auf dem Weg gegeben \u2013 auch als Forderung.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 12:&nbsp;Lies: Lukasevangelium 10,25-37<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde freilich deutlich: Christen leben unter allen Menschen \u2013 und auch dann, wenn sie verfolgt werden, ihren Glauben. Das bedeutet andererseits, dass Christen nicht Fremden zuliebe auf ihren Glauben und ihre Lebensweise verzichten. Sie scheuen nicht die Konfrontation \u2013 genauso wenig, wie Jesus die Konfrontation gescheut hat. Wenn Ungerechtigkeiten geschehen, werden sie benannt, wenn etwas dem christlichen Glauben widerspricht, dann machen sie nicht mit. Das f\u00fchrt immer zu Konflikten, das f\u00fchrt immer zu Verleumdungen, zu Verspottungen \u2013 ja, bis hin zu Ermordungen von Christen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\">Aufgabe 13:&nbsp;Wenn Ihr ein paar Stunden Zeit habt, dann lest mal die gesamte Apostelgeschichte!<\/p>\n\n\n\n<p>In ihr wird im Grunde das Leben von Christen w\u00e4hrend der gesamten Kirchengeschichte hindurch vorabgebildet dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"background-color:#e5e5e5;color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background\">Aufgabe 14:&nbsp;Wenn Ihr Euch \u00fcber die Gegenwart informieren wollt:\n\n\n\n\nhttp:\/\/www.opendoors-de.org\/\n\n\n\n\n\nhttp:\/\/www.csi.or.at\/\n\n\n\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Aber welche Konsequenzen hat Verfolgung usw. f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zu Fremden?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Verhalten Fremder gegen\u00fcber Christen darf nicht das Verhalten der Christen gegen\u00fcber den Fremden bestimmen. Jesus lehrt das Feindesliebegebot:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn dich jemand auf die rechte Wange schl\u00e4gt \u2013 halte ihm auch die linke Wange hin<\/em>\u00a0(Matth\u00e4usevangelium 5,38-49).<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht hier um &#8222;intelligente Feindesliebe&#8220;. Das hei\u00dft nicht, dass man sich alles gefallen l\u00e4sst. Das bedeutet, dass man versucht, \u00fcberraschend zu handeln. So zu handeln, dass der andere, wenn es gut geht, zur Besinnung kommt und von seiner Feindschaft abl\u00e4sst. Feindesliebe bedeutet nicht, dass Liebe ein Liebes-Gef\u00fchl ist. Liebe bedeutet in der Zeit Jesu in diesem Kontext, dass man dem anderen Gutes tut, auch wenn er es eigentlich &#8222;nicht verdient&#8220; h\u00e4tte. Damit soll die Gewaltspirale unterbrochen werden. So hat auch das N\u00e4chstenliebegebot (Tue dem anderen das, was du m\u00f6chtest, dass er dir tue) eine Besonderheit: Man geht in Vorleistung. Das ist nicht leicht. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"background-color:#e5e5e5;color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background\">Aufgabe 15: \u00dcberlege: Gibt es bessere Wege? <\/p>\n\n\n\n<p>Was den normalen Alltag aber pr\u00e4gen sollte, ist das Miteinander. Als Menschen haben wir gro\u00dfes Interesse daran \u2013 friedlich zusammenzuleben, zum Wohl aller.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color\">Der Apostel Paulus r\u00e4t: <em>Ist es m\u00f6glich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.<\/em>&nbsp;(R\u00f6merbrief 12,18)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juden und Christen und ihre Einstellung zu Fremden &nbsp;1. Fremde im j\u00fcdischen Volk vor Jesus Das Thema \u201eFremd sein\u201c bestimmt Israels Glauben massiv. Wir k\u00f6nnen anhand von Texten des Alten Testaments zweierlei entdecken: Aufgabe 1:&nbsp;Lies Exodus \/ 2. Buch Mose 22,20-26 und 23,1-12 und 5. Buch Mose \/ Deuteronomium 10,18-19. 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