{"id":355,"date":"2019-07-01T15:27:25","date_gmt":"2019-07-01T13:27:25","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=355"},"modified":"2019-07-10T18:27:56","modified_gmt":"2019-07-10T16:27:56","slug":"homo-psychologicus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/homo-psychologicus\/","title":{"rendered":"Homo Psychologicus"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-medium-font-size\">Homo Psychologicus<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mensch ist ein biologisches Individuum, das in dem Verbund einer Gruppe lebt. Die Gruppe pr\u00e4gt ihn (\u00dcber-Ich), die biologische Herkunft pr\u00e4gt ihn (Es \u2013 Triebe), zudem ist er als Individuum ausgestattet mit einem Verstand, mit dem er sowohl die Forderungen des \u00dcber-Ich (Gruppe), als auch die Forderungen seiner Triebe \u201everwalten\u201c kann. Dieser \u201eBereich\u201c, in dem diese Prozesse stattfinden, ist das Unbewusste, ist seine Psyche. Sie ist gepr\u00e4gt von der Gruppe (Erziehung, Freunde, \u2026), von seinem eigenen Charakter und seinen biologischen Begrenzungen (offen, verschlossen, k\u00f6rperlich eingeschr\u00e4nkt, Frau\/Mann, Kind\/Erwachsener \u2026), wie auch von kognitiven Verm\u00f6gen, also den F\u00e4higkeiten, die seinen Verstand betreffen. Es geht jedoch auch beim Homo Psychologicus nicht um das Individuum &#8211; es geht darum, die Menge der Individuen psychisch auf ein Individuum zu konzentrieren und dabei alles andere auszublenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um den Verstand zu entlasten, verwendet der Homo Psychologicus unterschiedliche Strategien: Gewohnheiten laufen immer nach einem bestimmten Verhaltensmuster ab. Um m\u00f6glichst wenig in der Gesellschaft anzuecken, vergleicht er sich auf sozialer Ebene, vergleicht er sich mit der Gruppe und passt sich an (auch aus Gr\u00fcnden der Unsicherheit), um nicht viel nachzudenken, ahmt er nach. Dabei geht es nicht allein darum, dass er wie beim Homo Oeconomicus allein den Kosten-Nutzen Faktor im Blick hat, auch nicht immer den direkten Weg geht, weil das seine kognitiven F\u00e4higkeiten \u00fcberansprucht. Was ihn bestimmt, das ist die Zufriedenheit, der Einklang zwischen seinem individuellen F\u00fchlen und seinem sozialen Eingeordnet-Sein \u2013 und das unter Einsatz von m\u00f6glichst wenig Energie.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesem Wissen um den Menschen heraus, werden von verschiedenen Seiten Strategien entwickelt, um den Menschen dazu zu bringen, ohne viel Nachdenken dem zu entsprechen, was die gesellschaftspolitischen Strategen verschiedener Couleur im Blick haben. Bekannt sind <em>Verkaufsstrategien<\/em>: Strategien in der Werbung, Platzierung der Produkte, Ger\u00fcche, Farben, Wortwahl, Grafik\u2026 Wie kann man dem K\u00e4ufer auf psychischer\/unbewusster Ebene suggerieren, dass er auf einfachem Weg, ohne seine kognitiven F\u00e4higkeiten und seinen Energiehaushalt zu \u00fcberanstrengen, mit dem Kauf eines Produkts \u00e4u\u00dferste Zufriedenheit erlangt? Hat eine Werbung das erreicht, wird er es immer wieder w\u00e4hlen, vor allem auch dann, wenn er wei\u00df, dass viele es gew\u00e4hlt haben. Wenn er allerdings aufgrund seines permanenten sozialen Abgleichs merkt, dass viele auf einmal ein anderes Produkt w\u00e4hlen \u2013 oder die Werbung f\u00fcr ein anderes Produkt funktioniert \u2013 wird er verunsichert: Hebt das andere Produkt nicht doch die Zufriedenheit (auch sein soziales Angepasstsein)? Ist er verunsichert, l\u00e4sst er sich auf das Wagnis ein und nimmt das neue Produkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen lassen sich unterschiedlich einordnen: Manche springen sofort auf neue Faktoren ein, manche denken intensiver nach, manche gehen den k\u00fcrzesten und schnellsten Kosten-Nutzen-Weg, manche m\u00fcssen intensiver bearbeitet werden, um \u00fcberhaupt wahrzunehmen, dass ein neues Produkt auf dem Markt ist. Entsprechend m\u00fcssen dann diese unterschiedlichen Gruppen von Menschen bearbeitet werden \u2013 aber ohne dass sie es auf der bewussten Ebene merken. Zudem sind altersspezifische Verhaltensweisen, geschlechtsspezifische Verhaltensweisen und weitere zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat sich aber alles inzwischen herumgesprochen, sodass K\u00e4ufer vorsichtiger werden. Darum m\u00fcssen neue Strategien entwickelt werden. Hier ist das&nbsp;<strong>Nudging<\/strong>&nbsp;zu nennen. Nudging bedeutet, dass man auch versucht, Menschen zu beeinflussen, aber ohne die oben genannten harten Strategien zu verwenden. Denn es hat sich gesellschaftspolitisch etwas ver\u00e4ndert, was mit den Begriffen: <em>Sharing Economy<\/em> (Gemeinschaftskonsum: Menschen stellen R\u00e4ume, Gegenst\u00e4nde\/Autos anderen zur Verf\u00fcgung) und <em>Crowd-Sourcing-Trends<\/em> (viele machen gemeinsam etwas) und <em>Influencer-Marketing<\/em>. Das gibt es dann auch auf politischer und medialer Ebene: <em>Shitstorm, Massendemos<\/em> \u2013 was zum Beispiel sehr modern mit den Worten: \u201eWir sind mehr!\u201c beschrieben wird \u2013 vereinheitlichte mediale \u201eInformationen\u201c\/Kommentare. Zudem leben wir in einer <em>Informationsgesellschaft<\/em> und der Kunde m\u00f6chte informiert werden \u2013 und je mehr er den Eindruck hat, er hat sich informiert bzw. wurde informiert (z.B. durch Erfahrungsberichte auf bestimmten Internetplattformen), desto zufriedener greift er auf das Produkt zur\u00fcck, weil er auch wahrnimmt, wie klug er war, sich zu informieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das, was hier anhand des Kaufverhaltens kurz dargelegt wurde, betrifft alle m\u00f6glichen Ebenen der Gesellschaft: z.B. Berufswahl, politische Pr\u00e4ferenzen, Frauen-\/M\u00e4nnerbilder, Einsch\u00e4tzung von Umweltfragen. Das hei\u00dft: Was f\u00fcr die Werbung an Strategien erarbeitet wurde, um ein bestimmtes Produkt zu kaufen, wurde auf die Ebenen der Politik \u00fcbertragen \u2013 das nicht unbedingt parteipolitisch (aber auch), sondern sozialpolitisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Die hier beschriebenen Methoden, Strategien sind schon uralt. Es gab immer Menschen, die das psychische Grundmuster des Menschen durchschauten und auch ausnutzten. Die Psychologie hilft nicht nur, den Homo Psychologicus zu durchschauen, sondern auch strategisch intensiver zu manipulieren. Entsprechend werden Menschen den \u201ePsychologischen Virtuosen\u201c ausgeliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu einem verantwortlich gef\u00fchrten Leben geh\u00f6rt es, dass man versucht, m\u00f6glichst reflektiert seine von Menschen gemachte Umwelt wahrzunehmen, um bewusst zu entscheiden (wenn man noch kann): M\u00f6chte ich das?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\"><strong>Aufgabe:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Wie w\u00fcrde Jesus auf diese strategischen Ans\u00e4tze, die angewandt werden, um Menschen im Unterbewussten zu manipulieren, reagieren? Belege die Antworten mit Hilfe neutestamentlicher Texte bzw. erinnerter neutestamentlicher Texte. (Tipp: Wie geht er &#8211; laut Matth\u00e4us &#8211; in der Bergpredigt vor, um Menschen zu einem anderen Verhalten zu motivieren?)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Beachte auch das, was zum Thema \u201eSchuld\u201c gesagt wurde&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/schuld-und-vergebung.html\">https:\/\/evangelische-religion.de\/schuld-und-vergebung.html<\/a>Hier weitergef\u00fchrt bedenken: Wenn ein Mensch derma\u00dfen unterbewusst manipuliert wird, ist er noch f\u00fcr sein Verhalten verantwortlich?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Jesus verwendet Gleichnisse, um Menschen zum Nachdenken anzuregen. Nenne Beispiele. Worin unterscheidet sich dieser Ansatz von den oben genannten Strategien? (Wenn dir keine einfallen, schaue: Lk 10,25ff; Lk 15,11ff.; 16,19ff.)<\/p>\n\n\n\n<p>Die <em>Psychologie<\/em> ist eine empirische Wissenschaft, sie erkundet Fakten \u00fcber das Verborgene im Menschen (sein Seelenleben). Sein Verhalten, Wahrnehmen, Denken, F\u00fchlen wird beschrieben, es werden Konzepte entwickelt, um dem Menschen zu helfen, mit seinem ihm selbst verborgenen seelischen Innenleben klar zu kommen (vgl. <em>Betriebspsychologen, Schulpsychologen<\/em> [die keine Psychotherapeuten sein m\u00fcssen]). Informationen werden gewonnen durch Selbstauskunft \u2013 also \u00fcber Worte (die bewusst oder unter Hypnose usw.) ausgesprochen und dann gedeutet und eingeordnet werden -, aber auch mit Hilfe technischer Ger\u00e4te (z.B. Messung von Hirnstr\u00f6men). Psychologie arbeitet eng mit anderen Bereichen, so der Medizin zusammen (Psychotherapeuten).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\"><strong>Aufgabe:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">\u00dcber Jesus wird gesagt: Er wusste, was im Menschen vorgeht, er wusste, was die Menschen dachten, bevor sie es aussprachen. So sehr das auch bewundert wurde, es war manchen Menschen suspekt und man wollte mit einem solchen Menschen nichts zu tun haben (z.B. Matth\u00e4us 12,25-33; Lukas 7,36-50; Johannes 2,23-25; Johannes 13,1-11).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Das wird in den Evangelien nicht begr\u00fcndet \u2013 aber kannst Du Dir vorstellen, warum Bewunderung und Ablehnung mit einem solchen Menschen verbunden sind?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Homo Psychologicus Der Mensch ist ein biologisches Individuum, das in dem Verbund einer Gruppe lebt. 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