{"id":352,"date":"2019-07-01T15:26:11","date_gmt":"2019-07-01T13:26:11","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=352"},"modified":"2019-08-17T17:39:33","modified_gmt":"2019-08-17T15:39:33","slug":"homo-sociologicus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/homo-sociologicus\/","title":{"rendered":"Homo Sociologicus"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-medium-font-size\">Homo Sociologicus<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der <em>Homo Oeconomicus<\/em> den Menschen betont, den die Wirtschaft im Blick hat, ist der <em>Homo Sociologicus<\/em> der Mensch, den die Soziologie kreiert: Der Mensch wird durch die Gesellschaft gemacht. Wie im Zusammenhang des Homo Oeconomicus geschrieben, ist auch der Homo Sociologicus <em>ein Kunstkonstrukt, das den Einfluss der Gesellschaft auf das Individuum betont<\/em> (vgl. <em>Karl Marx<\/em>), aber alles andere (z.B. Psychologie, \u00d6kologie) nicht intensiver in den Blick nimmt. Der Mensch soll als Wesen der Gesellschaft berechenbarer werden \u2013 und das geschieht durch Abstraktion.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Funktionieren einer Gesellschaft ist davon abh\u00e4ngig, dass Menschen ihre jeweiligen Rollen einnehmen und diese zuverl\u00e4ssig ausf\u00fchren. Der Mensch lebt also in der Gesellschaft seine soziale Rollen (Kind\/Eltern, Schule\/Beruf [Kunde, Vorgesetzter, Markt\u2026], Hobby, Nachbarn, Kirchengemeinde, Sportgruppen, Feuerwehr usw.). Diese Rollen, die er (je nachdem mehr oder weniger freiwillig) einnimmt, wurden von der Gesellschaft konzipiert. Darum versucht er den Erwartungen der anderen zu entsprechen, damit die Gesellschaft ihn nicht sanktioniert. Entspricht er n\u00e4mlich der Rolle des Sch\u00fclers, Arbeitnehmers, Kirchengemeindemitglieds, Sportgruppe nicht richtig, wird er von den jeweiligen Gruppen sanktioniert. Diese Sanktionen haben unterschiedliche Grade. Da der Mensch Tadel und Ausschluss vermeidet, versucht er den Rollen gerecht zu werden. Allerdings kann es dann zu Rollenkonflikten kommen, das hei\u00dft, seine Rolle als Vater kann mit der Rolle des Arbeitnehmers kollidieren. Dann stellt sich die Frage, welche Sanktionen nimmt er leichter auf sich: Mag er lieber den Vorwurf des Arbeitgebers aushalten oder das finstere Gesicht des Kindes. Wird der Mensch diesen Rollen gerecht, bekommt er Lohn: beruflichen Erfolg, Sicherheit, gute \u2013 im Sinne der Rolleneinnahme \u2013 Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig aber pr\u00e4gt der Mensch als Individuum in diesem komplexen Netzwerk seine Rollen (s. Freiheit:\u00a0<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/freiheit\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/freiheit\/<\/a>\u00a0). Dieser Aspekt geht dann aber schon \u00fcber den Homo Sociologicus hinaus, der ja ein \u00fcberindividuelles Konstrukt ist, um den Menschen in einem bestimmten Rahmen als Produkt der Gesellschaft verstehen zu k\u00f6nnen. Das individuelle Ausf\u00fcllen dieser Rollen zum Beispiel aufgrund einer individuellen Wertehierarchie steht dieser Abstrahierung entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn das kennzeichnet gerade einen Menschen, dass er Verantwortung \u00fcbernimmt, das hei\u00dft, dass er sogar Sanktionen in Kauf nimmt, wenn er etwas mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann. Wenn eine Gruppe, mit der er zusammenarbeitet, sich zum Nachteil ver\u00e4ndert \u2013 oder er er selbst sich ver\u00e4ndert hat, muss er so frei sein, daraus die Konsequenzen zu ziehen und eben die Gruppe sanktionieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem finden st\u00e4ndig Aushandlungsprozesse statt: Wird der Vater vom Arbeitgeber gefordert, wird somit der Rolle gegen\u00fcber dem Kind nicht gerecht, kann er dem Kind sagen: Aber morgen klappt es! Und das Kind wird dem zustimmen. Sanktionen sind in einer Gesellschaft nur begrenzt m\u00f6glich, weil die jeweiligen Menschen, mit denen er in den Rollen zusammengef\u00fchrt wurden, auch auf ihn angewiesen sind. Fallen die Sanktionen zu scharf aus, schert er aus und diejenigen, die zur\u00fcckbleiben, haben Nachteile.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts desto trotz f\u00fchrt diese Einordnung des Menschen in Rollen zu einer Vertiefung der Sicht vom Menschen als \u201eHerden-Tier\u201c. Denn er ist Teil der Gesellschaft, wird von ihr gepr\u00e4gt \u2013 er ist nicht nur ein autarkes Wesen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\"><strong>Aufgaben:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Bindet Jesus den Menschen an die Rollen, die ihm die Gesellschaft zuweist? Nenne Beispiele f\u00fcr die gefundene(n) Antwort(en).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Was bedeutet es f\u00fcr Jesus, \u201eKind Gottes\u201c zu sein und somit Teil einer Gemeinschaft? Markus 3,31ff.)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Wem ist der Mensch im Sinne Jesu letztlich allein verantwortlich? (Matth\u00e4us 6,1-18; Matth\u00e4us 16,24ff.)<\/p>\n\n\n\n<p>Das Verh\u00e4ltnis von Individuum und Gruppe ist vielf\u00e4ltig zu beschreiben, zum Beispiel das Verh\u00e4ltnis zur jeweiligen Gruppenstruktur. Die Gruppenstruktur ist jedoch niemals so fest, dass sie nicht in einem st\u00e4ndigen Wandel begriffen ist. Das dadurch, dass Individuen der Gruppe eben als Individuen die Gruppe pr\u00e4gen, und andere Individuen pr\u00e4gen wiederum das Individuum durch den Gruppenprozess. Es sind, wie oben gesehen, Rollen vorgegeben, aber das Individuum kann sie pr\u00e4gen, kann die Rolle ganz neu f\u00fcllen, kann neue Rollen fordern, w\u00e4hrend andere in der Gruppe bestrebt sind, die alten Rollen zu fixieren. Die Frage stellt sich dann, wieweit l\u00e4sst man sich auf das Neue ein, erk\u00e4mpft sich\/nutzt Freir\u00e4ume, findet Mehrheiten. Der <em>Soziologie<\/em> geht es um die Psyche, Emotionen, Genomen, Vernetzung neuronaler Systeme, Recht, Wirtschaft, Religion, Familie, Geschlechter, Natur, Mechanismen des Lernens, um das Selbstbild, das das Individuum bzw. die Gruppe von sich haben und dem Tats\u00e4chlichen agieren, die Hierarchie.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch die Forscher sind unter Beobachtung: Welches Menschen- und Weltbild haben sie? Sehen sie eher <em>Konkurrenzkampf<\/em> (aus der Perspektive der Evolution) und\/oder <em>Kooperation<\/em> (aufgrund der biologischen Forschung: Spiegelneuronen, \u201eGl\u00fccks-\u201eHormon [Dopamin usw.] \u2013 ist soziale Bindung eine Art Sucht?) der Menschen? Man erkennt auch, dass es somit nicht nur um \u201eRollen\u201c geht, sondern auch um die Beobachtung, dass intakte Gruppen Gesundheit f\u00f6rdern, Motivation st\u00e4rken, sich wechselseitig f\u00f6rdern. St\u00f6rungen der Gruppe hingegen f\u00fchren zu Isolation, Einsamkeit, Frust, Stress, psychischen Schmerz.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color has-background has-background-color-background-color\"><strong>Aufgaben:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Welchen Charakter hat die Gemeinschaft, die Jesus im Blick hat? (Ber\u00fccksichtige die Bergpredigt: Matth\u00e4us 5-7; Markus 9,33-41; Lukas 18,9-27; Lukas 15; Lukas 10,25-42)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Der Apostel Paulus schreibt: Die Gemeinde ist ein K\u00f6rper. Jeder \u00fcbernimmt die Aufgabe, f\u00fcr die er Begabungen\/F\u00e4higkeiten hat. Ist das ein realistischer Ansatz, damit Gemeinschaft gelingen kann?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Homo Sociologicus W\u00e4hrend der Homo Oeconomicus den Menschen betont, den die Wirtschaft im Blick hat, ist der Homo Sociologicus der Mensch, den die Soziologie kreiert: Der Mensch wird durch die Gesellschaft gemacht. 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