{"id":352,"date":"2019-07-01T15:26:11","date_gmt":"2019-07-01T13:26:11","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=352"},"modified":"2026-07-09T10:05:02","modified_gmt":"2026-07-09T08:05:02","slug":"homo-sociologicus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/homo-sociologicus\/","title":{"rendered":"Homo Sociologicus"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Homo Sociologicus<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der <em>Homo Oeconomicus<\/em> den Menschen betont, den die Wirtschaft im Blick hat, ist der <em>Homo Sociologicus<\/em> der Mensch, den die Soziologie kreiert: Der Mensch wird durch die Gesellschaft gemacht. Wie im Zusammenhang des Homo Oeconomicus geschrieben, ist auch der Homo Sociologicus <em>ein Kunstkonstrukt, das den Einfluss der Gesellschaft auf das Individuum betont<\/em> (vgl. Karl Marx; Ralf Dahrendorf), aber alles andere (z.B. Psychologie, \u00d6kologie) nicht intensiver in den Blick nimmt. Der Mensch soll als Wesen der Gesellschaft berechenbarer werden \u2013 und das geschieht durch Abstraktion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Der Mensch und seine Rollen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Funktionieren einer Gesellschaft ist davon abh\u00e4ngig, dass Menschen ihre jeweiligen Rollen einnehmen und diese zuverl\u00e4ssig ausf\u00fchren. Der Mensch lebt also in der Gesellschaft seine soziale Rollen (Kind\/Eltern, Schule\/Beruf [Kunde, Vorgesetzter, Markt\u2026], Hobby, Nachbarn, Kirchengemeinde, Sportgruppen, Feuerwehr usw.). Diese Rollen, die er (je nachdem mehr oder weniger freiwillig) einnimmt, wurden von der Gesellschaft konzipiert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Das Geflecht von Rolle und Erwartung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darum versucht er den Erwartungen der anderen zu entsprechen, damit die Gesellschaft ihn nicht sanktioniert. Entspricht er n\u00e4mlich der Rolle des Sch\u00fclers, Arbeitnehmers, Sportgruppe nicht richtig, wird er von den jeweiligen Gruppen sanktioniert. Diese Sanktionen haben unterschiedliche Grade. Da der Mensch Tadel und Ausschluss vermeidet, versucht er den Rollen gerecht zu werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Rollenkonflikte<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings kann es dann zu Rollenkonflikten kommen, das hei\u00dft, seine Rolle als Vater \/ Mutter kann mit der Rolle des Arbeitnehmers \/ der Arbeitnehmerin kollidieren. Dann stellt sich die Frage, welche Sanktionen nimmt er leichter auf sich: Mag er lieber den Vorwurf des Arbeitgebers aushalten oder das finstere Gesicht des Kindes. Wird der Mensch diesen Rollen gerecht, bekommt er Lohn: beruflichen Erfolg, Sicherheit, gute \u2013 im Sinne der Rolleneinnahme \u2013 Kinder. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Eingreifen des Staates<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und nun kommt der Staat ins Spiel: Wieweit greift er in die allt\u00e4glichen Mechanismen ein, um Rollenkonflikte zu bek\u00e4mpfen? Die Frage, die sich dann stellt: F\u00f6rdert er damit nicht die Konflikte, verlagert sie nur auf eine andere Ebene? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig aber pr\u00e4gt der Mensch als Individuum in diesem komplexen Netzwerk seine Rollen (s. Freiheit:&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/freiheit\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/freiheit\/<\/a>&nbsp;). Dieser Aspekt geht dann aber schon \u00fcber den Homo Sociologicus hinaus, der ja ein \u00fcberindividuelles Konstrukt ist, um den Menschen in einem bestimmten Rahmen als Produkt der Gesellschaft verstehen zu k\u00f6nnen. Das individuelle Ausf\u00fcllen dieser Rollen zum Beispiel aufgrund einer individuellen Wertehierarchie steht dieser Abstrahierung entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn das kennzeichnet gerade einen Menschen, dass er Verantwortung \u00fcbernimmt, das hei\u00dft, dass er sogar Sanktionen in Kauf nimmt, wenn er etwas mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann. Wenn eine Gruppe, mit der er zusammenarbeitet, sich zum Nachteil ver\u00e4ndert \u2013 oder er er selbst sich ver\u00e4ndert hat, muss er so frei sein, daraus die Konsequenzen zu ziehen und eben die Gruppe sanktionieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem finden st\u00e4ndig Aushandlungsprozesse statt: Wird die Mutter \/ der Vater vom Arbeitgeber gefordert, wird somit der Rolle gegen\u00fcber dem Kind nicht gerecht, kann sie dem Kind sagen: Aber morgen klappt es! Und das Kind wird dem zustimmen. Oder auch Verhandlung zugunsten des Kindes gegen die Forderungen des Arbeitgebers: Heute geht es nicht, dass ich l\u00e4nger arbeite, daf\u00fcr aber morgen usw. Sanktionen sind in einer Gesellschaft nur begrenzt m\u00f6glich, weil die jeweiligen Menschen, mit denen sie in den Rollen zusammengef\u00fchrt wurden, auch auf sie angewiesen sind. Fallen die Sanktionen zu scharf aus, scheren Menschen aus und diejenigen, die zur\u00fcckbleiben, haben Nachteile.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nichts desto trotz f\u00fchrt diese Einordnung des Menschen in Rollen zu einer Vertiefung der Sicht vom Menschen als \u201eHerden-Tier\u201c. Denn er ist Teil der Gesellschaft, wird von ihr gepr\u00e4gt \u2013 er ist nicht nur ein autarkes Wesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><strong>Aufgaben 1:<\/strong> Lies die Texte (b)-(d), mache Dir Notizen &#8211; diskutiert in Kleingruppen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-1 wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">(a) Gib diesen Text in eine KI ein &#8211; und lasse Dir die Fachbegriffe zu den jeweiligen Abschnitten nennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">(b) Bindet Jesus den Menschen an die Rollen, die ihm die Gesellschaft zuweist? Dazu lies im Johannesevangelium die Kapitel 4 und 8, aus dem Lukasevangelium 19 und Markus 2,27. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">(c) Was bedeutet es f\u00fcr Jesus, \u201eKind Gottes\u201c zu sein und somit Teil einer Gemeinschaft? Markus 3,31ff.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">(d) Wem ist der Mensch im Sinne Jesu letztlich allein verantwortlich? (Matth\u00e4us 6,1-18; Matth\u00e4us 16,24ff.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verh\u00e4ltnis von Individuum und Gruppe ist vielf\u00e4ltig zu beschreiben, zum Beispiel das Verh\u00e4ltnis zur jeweiligen Gruppenstruktur. Die Gruppenstruktur ist jedoch niemals so fest, dass sie nicht in einem st\u00e4ndigen Wandel begriffen ist. Das dadurch, dass Individuen der Gruppe eben als Individuen die Gruppe pr\u00e4gen, und andere Individuen pr\u00e4gen wiederum das Individuum durch den Gruppenprozess. Es sind, wie oben gesehen, Rollen vorgegeben, aber das Individuum kann sie pr\u00e4gen, kann die Rolle ganz neu f\u00fcllen, kann neue Rollen fordern, w\u00e4hrend andere in der Gruppe bestrebt sind, die alten Rollen zu fixieren. Die Frage stellt sich dann, wieweit l\u00e4sst man sich auf das Neue ein, erk\u00e4mpft sich \/ nutzt Freir\u00e4ume, findet Mehrheiten. Der <em>Soziologie<\/em> geht es dabei um einen interdisziplin\u00e4ren Blick, das hei\u00dft, es werden auch Ergebnisse der Psychologie, der Biologie, der Neurowissenschaften, des Rechts, der Wirtschaft, Religion, Familie usw. ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch auch die Forscher stehen unter Beobachtung: Welches Menschen- und Weltbild leitet sie? Sehen sie eher <em>Konkurrenzkampf<\/em> (aus der Perspektive der Evolution) und \/ oder <em>Kooperation<\/em> (aufgrund der biologischen Forschung: Spiegelneuronen, \u201eGl\u00fccks-\u201eHormon [Dopamin usw.] \u2013 ist soziale Bindung eine Art Sucht?) als Antriebskraft der Menschen? Der Mensch ist kein isolierter Apparat: Intakte Gruppen f\u00f6rdern Gesundheit und st\u00e4rken die Motivation. W\u00e4hrend St\u00f6rungen im Gruppengef\u00fcge zu Isolation, Einsamkeit, Frust, Stress, psychischem Schmerz f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><strong>Aufgaben 2:<\/strong> Lies die Texte, mache Dir Notizen &#8211; diskutiert in Kleingruppen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">(a) Welchen Charakter hat die Gemeinschaft, die Jesus im Blick hat? (Ber\u00fccksichtige die Bergpredigt: Matth\u00e4us 5-7; Markus 9,33-41; Lukas 18,9-27; Lukas 15; Lukas 10,25-42.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">(b) Der Apostel Paulus schreibt: Die Gemeinde ist ein K\u00f6rper. Jeder \u00fcbernimmt die Aufgabe, f\u00fcr die er Begabungen\/F\u00e4higkeiten hat. Ist das ein realistischer Ansatz, damit Gemeinschaft gelingen kann?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Homo Sociologicus W\u00e4hrend der Homo Oeconomicus den Menschen betont, den die Wirtschaft im Blick hat, ist der Homo Sociologicus der Mensch, den die Soziologie kreiert: Der Mensch wird durch die Gesellschaft gemacht. 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