{"id":335,"date":"2019-07-01T15:15:07","date_gmt":"2019-07-01T13:15:07","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=335"},"modified":"2019-07-09T16:59:03","modified_gmt":"2019-07-09T14:59:03","slug":"werte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/werte\/","title":{"rendered":"Werte und Moral"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-medium-font-size\">ANMERKUNGEN ZUM THEMA: WERTE<\/p>\n\n\n\n<p>Werte sind das, was ein gro\u00dfer Teil der Gesellschaft anstrebt, weil sie das f\u00fcr gut findet. Manche k\u00f6nnen einzelne Werte im Leben umsetzen, andere nicht, manche mehr, manche weniger. Freilich setzen sich auch Menschen \u00fcber diese Werte hinweg, obgleich sie der Gruppe zugeh\u00f6ren, die entsprechende Werte vertritt. Das kann aus politischen Gr\u00fcnde geschehen, aus egoistischen Gr\u00fcnden\u2026 \u2013 aber das bedeutet noch lange nicht, dass es diese Wertegemeinschaft nicht gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche verneinen die gemeinsamen Werte einfach darum, weil sie keine Lust haben, diese umzusetzen, denn Werte umsetzen, f\u00e4llt manchmal schwer, weil sie das Verbindende der Menschen im Blick haben und nicht die Vorteile eines Individuums. Einer, der gerne treulos sein will, weil sein sexueller Drang immens zu sein scheint, mag nichts vom Wert der Treue h\u00f6ren \u2013 allerdings dann, wenn der Drang ein wenig nachl\u00e4sst, wird die Treue wieder wichtig. Ehrlichkeit: Einer, der sich Vorteile aus Unehrlichkeit erhofft, wird diesem Drang nachgeben k\u00f6nnen \u2013 allerdings erwartet er Ehrlichkeit vom Gegen\u00fcber und ist emp\u00f6rt, wenn dieser auch unehrlich gewesen ist. Manche hingegen setzen Werte st\u00e4rker um: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color\">Warum sind christlich-religi\u00f6se Gemeinschaften sozialer engagiert, weniger korrupt als andere?<\/p>\n\n\n\n<p>Christen glauben, dass der Sch\u00f6pfer-Gott durch seinen die Sch\u00f6pfung erhaltenden Geist allen Menschen eine gewisse Werte-Grundlage mitgegeben hat. Diese Grundlage wird je nach Religion, Ideologie, Individuum beeinflusst und evtl. zum Negativen hin ver\u00e4ndert. Von daher gibt es \u00fcberschneidende Werte mit den unterschiedlichsten Gruppen. Manche Gruppen \u00fcberschneiden sich mehr, manche weniger. Diese \u00dcberschneidungen sind es, die einen Dialog der Religionen sinnvoll machen: Man muss miteinander die \u00dcberschneidungen erkennen, diskutieren und vertiefen. Entsprechend muss man die Differenzen erkennen, diskutieren und \u2013 einschr\u00e4nken oder beibehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir in Europa und Nordamerika und viele, viele in Asien und Afrika, nat\u00fcrlich in Australien, haben als Grundlage den christlichen Glauben \u2013 der zum Teil durch die Aufkl\u00e4rung neue Impulse bekommen hat. Zum Teil brachte die Aufkl\u00e4rung auch antichristliche Impulse, die aber immer noch in der Tradition des Christentums stehen. Und so mancher, der sich antichristlich hervortut, wendet sich, wenn er wieder zur Besinnung gekommen ist, diesen alten Werten zu. Auch wenn in christlichen L\u00e4ndern keine Gruppe deckungsgleich ist, so haben sie doch entsprechende Gemeinsamkeiten. Freilich hat man mit einem katholischen Mafiosi aus Italien wohl weniger Gemeinsamkeiten als mit einem angenehmen Ahmadiyya aus Pakistan. Denn jeder kann die in ihm grundgelegten Werte mit F\u00fc\u00dfen treten oder sie ehren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color\">Und welche Rolle spielt im Christentum Jesus Christus? Er hat die Werte, die Gott zum Wohl des Menschen durchsetzen will, uns Menschen verdeutlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte es so zusammenfassen: Menschen und Gruppen mit ihren selbstgemachten Werten vergehen \u2013 diese g\u00f6ttlichen Werte bleiben bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Diskutiere den folgenden Text:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>MORAL<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der <strong>Antike<\/strong> gab es keine einheitlichen Moralvorstellungen. Es gab Menschen, die Moral einforderten, so <em>Cato<\/em>, der beklagte, dass die alte Moral sinke, der <em>Kaiser Augustus<\/em> wollte hier und da die Moral st\u00e4rken, die alten Philosophen <em>Platon<\/em> und <em>Aristoteles<\/em> vertieften die Tugendethik. <em>Platon<\/em> betonte die Grundlage der Tugenden au\u00dferhalb des Menschen in der allen vorangehenden \u201eIdee\u201c, <em>Aristoteles<\/em> meint, Moral m\u00fcsse dem Menschen einsichtig sein. Philosophen der Stoa hatten eine weit entwickelte Moralvorstellung, hervorzuheben ist <em>Seneca<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gab es alles. Doch die breite Masse der Bev\u00f6lkerung verhielt sich so wie sie wollte. M\u00e4chtige Einzelne oder Gruppen hatten das Sagen. Normale Menschen waren anderen ausgeliefert. Entf\u00fchrungen, Kindesaussetzungen, Vergewaltigungen, Selbstjustiz \u2013 es kam wie es kam. Und auf einen Menschen mehr oder weniger kam es dann auch nicht mehr an. Von fester Moral war nicht viel zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders im <strong>Judentum<\/strong>. Juden hatten, wenn wir uns auf die 10 Gebote konzentrieren, eine hohe Moral: du sollst nicht t\u00f6ten, nicht ehebrechen, nicht den Besitz des N\u00e4chsten begehren, nicht rauben, nichts Falsches gegen den N\u00e4chsten sagen, Eltern achten \u2013 aber auch: An einem Tag nicht arbeiten, was Mensch und Tier sch\u00fctzte. Die hohe Moral der Juden f\u00fchrte dazu, dass sich manche Heiden dem Judentum angliederten, ohne allerdings selbst Juden zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Jude <em>Jesus von Nazareth<\/em> hat manche dieser Moralvorstellungen versch\u00e4rft: Nicht den anderen beschimpfen, Frauen nicht begehrlich ansehen, den N\u00e4chsten und den Feind lieben, das hei\u00dft: ihnen wohltun, Menschen sollen sich auf das Wort, das man sagt, verlassen k\u00f6nnen, Notleidenden gilt es zu helfen \u00fcber die Stammesgrenzen hinaus. Diese Moralvorstellungen wurden von Juden und Heiden aufgegriffen, die Christen genannt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaft fragt sich, wie es dazu kam, dass das <em>Christentum<\/em> so schnell in der damaligen Welt Fu\u00df fassen konnte. Es hat sich nicht mit Gewalt durchgesetzt, sondern war im Grunde eine Religion der Unterschichten und auch der Sklaven. Man geht davon aus, dass es unter anderem die hohe Moral war, die Menschen zum Nachdenken brachte:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#20a300\" class=\"has-text-color\"><em> Bei uns Heiden geht es moralisch drunter und dr\u00fcber, jeder macht was er will, erniedrigt und \u00fcberhebt sich. Man kann sich auf niemanden verlassen, Gesch\u00e4ftspartner nicht auf den anderen, Ehepartner nicht, Reiche leben auf Kosten der Armen, Ausbeutung ist gang und g\u00e4be. Hier kommt auf einmal eine Gruppe daher, die sich auf Jesus Christus berufend ganz andere Werte und ganz andere Moral lebt. Und viele empfanden das f\u00fcr die Gesellschaft und sich selbst als sehr gut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So langsam hat sich dann im <strong>Mittelalter <\/strong>mit vielen R\u00fcckschl\u00e4gen und kleinen Fortschritten diese hohe Moral immer st\u00e4rker in Europa durchgesetzt. Dazu haben vor allem die M\u00f6nche und Kl\u00f6ster beigetragen. Nat\u00fcrlich nicht \u00fcberall. Wenn in einem Dorf oder in einem Kloster ein \u00fcbler Mensch das Sagen hatte, dann verlodderte die ganze Gemeinschaft. Aber im Wesentlichen wurde es immer besser. Diese Moralvorstellungen wurden von Rittern \u00fcbernommen (Rittertugenden), sp\u00e4ter von B\u00fcrgern (B\u00fcrgertugenden). Auch wenn sich immer wieder Individuen anders verhielten, es war doch Konsens, dass diese Verhaltensweisen gut sind f\u00fcr die Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Im <em>19. Jahrhundert<\/em> begann etwas Neues. &#8222;<strong>Moderne&#8220;<\/strong> Individuen haben sich nicht nur mit mehr oder weniger schlechtem Gewissen \u00fcber die christliche Moralvorstellung hinweggesetzt, sondern Menschen traten auf, die diese \u00f6ffentlich verspottet haben. Man machte sich \u00fcber die Moralin ges\u00e4uerten Christen lustig, man begann kuriose Ausw\u00fcchse als das Normale auf den Podest zu heben, um deren Moral zu karikieren. Es gab andere Lebensentw\u00fcrfe, die sich von christlicher Moral vollkommen l\u00f6sten und eben <em>Gegenentw\u00fcrfe zur christlichen Moral<\/em> anboten. Diese bestimmten das beginnende <em>20. Jahrhundert<\/em> und wurde von gro\u00dfen Weltanschauungen (Nationalsozialismus, Kommunismus) aufgegriffen \u2013 entsprechend auch von vielen Intellektuellen (Sozialdarwinismus).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nachdem die Human-Katastrophe des Nationalsozialismus in Deutschland vorbei war, besann man sich wieder auf christliche Werte, die dann Eingang ins Grundgesetz fanden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heute<\/strong> stellt sich mir die Situation wieder eher so dar wie Ende des 19. Jahrhunderts: Jeder macht sich seine eigene Moral, wei\u00df aber insgeheim, ganz kantianisch, dass es nicht gut w\u00e4re, wenn das jeder so machen w\u00fcrde. Zudem hat der Mensch Sehnsucht nach bestimmten Werten, nach einer Moral, die Sicherheit vermittelt, die Vertrauen zwischen den Menschen st\u00e4rkt, die Einzelne nicht anderen oder Gruppen ausliefern, R\u00fccksichtnahme, Respekt w\u00fcnscht man sich. Man m\u00f6chte nicht von negativen Moralvorstellungen \u00fcberrannt werden, sondern das, was sich im Laufe der Jahrhunderte m\u00fchsam an Gutem durchgesetzt hat, das wollen viele nicht aufs Spiel setzen, weil sie ahnen, das kann den nachkommenden Generationen nicht gut tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir leben in einer <strong>\u00dcbergangszeit<\/strong>: Was wird sich durchsetzen? Werden sich die j\u00fcdisch-christlichen Moralvorstellungen durchsetzen oder diejenigen, die Gegenentw\u00fcrfe bieten? Was wird auf l\u00e4ngere Sicht die Folge f\u00fcr den einzelnen Menschen und f\u00fcr die Gesellschaft als Ganze sein? Es ist im Augenblick ein riesen Sozial-Experiment im Gange. Ausgang offen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ANMERKUNGEN ZUM THEMA: WERTE Werte sind das, was ein gro\u00dfer Teil der Gesellschaft anstrebt, weil sie das f\u00fcr gut findet. Manche k\u00f6nnen einzelne Werte im Leben umsetzen, andere nicht, manche mehr, manche weniger. 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