{"id":3276,"date":"2026-05-10T08:52:21","date_gmt":"2026-05-10T06:52:21","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=3276"},"modified":"2026-05-10T08:52:22","modified_gmt":"2026-05-10T06:52:22","slug":"nahtoderfahrungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/nahtoderfahrungen\/","title":{"rendered":"Nahtoderfahrungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Hier werden ein paar Anmerkungen zu &#8222;Nahtoderfahrung&#8220; gemacht &#8211; das vor allem mit Blick auf das Glaubens-Leben der Christen. <\/p>\n\n\n\n<p>1. Nahtoderfahrung und Wissenschaft<\/p>\n\n\n\n<p> Naturwissenschaft erkl\u00e4rt sich Nahtoderfahrungen dadurch, dass im K\u00f6rper aufgrund der Stresserfahrungen (Todesangst, Sauerstoffmangel) eigene Drogen ausgesch\u00fcttet werden, die in Menschen solche &#8222;Gedanken&#8220; \/ &#8222;Erfahrungen&#8220; hervorrufen &#8211; die sie zum Beispiel das Licht (am Ende eines Tunnels) sehen lassen, die Out-of-Body-Gef\u00fchle verursachen. Anhaltspunkt daf\u00fcr sind auch die Narkosemittel, die Menschen vor Operationen verabreicht werden und als Folge haben k\u00f6nnen, dass Menschen in vollkommen anderen Welten leben. Sobald diese Wirkung nachl\u00e4sst, kommen sie auch wieder zur\u00fcck in die reale Welt (s. unten). Soweit der Stand der Forschung.<\/p>\n\n\n\n<p>2. \u00dcberlegungen<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><\/ol>\n\n\n\n<p>Aber wer bin ich, dass ich Menschen, die diese Erfahrung gemacht haben, absprechen m\u00f6chte, sie gemacht zu haben? Ich denke da an den Psychologen, der vor einer solchen Erfahrung Nahtod-Fragen rational interpretiert hat \u2013 und nach einer solchen Erfahrung ein v\u00f6llig anderer Mensch war. \u00c4hnliches wird von einem Neurochirurgen, der dar\u00fcber ein Buch geschrieben hat, berichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht handelt ja Gott gn\u00e4dig durch diese Erfahrungen, er als derjenige, der seiner Kreatur diese M\u00f6glichkeiten gegeben hat, das Sterben zu ertragen. Sicher, manche haben auch schlimme Erfahrungen und K\u00e4mpfe in dieser Vortodesphase &#8211; was h\u00e4ufig verschwiegen wird: K\u00e4lte, Einsamkeit, Leere &#8211; aber auch verst\u00f6rende Wesen, Erkenntnis, dass man im Leben versagt hat. Wie die negativen Erfahrungen zu deuten sind, als Grundlage der Fegefeuer\/H\u00f6llenangst \u2013 wer wei\u00df das alles schon. Das Ich, das Weltbild werden ersch\u00fcttert. Der Mensch erkennt seine Abh\u00e4ngigkeit von Gott, er erkennt, dass sein schlimmen Handlungen Konsequenzen hat. Es ist sozusagen Gottes gn\u00e4diger &#8222;Schuss vor dem Bug&#8220;, damit ein Mensch sein Leben \u00e4ndert. <\/p>\n\n\n\n<p>Zudem: Die Erfahrungen innerhalb der Religionen unterscheiden sich. Warum Letztgenanntes auch nicht? Das geh\u00f6rt mit zur Sch\u00f6pferg\u00fcte Gottes. Mit Blick auf andere Religionen finde ich die Sicht des tibetanischen Buddhismus (Tibetisches Totenbuch) spannend, dass hier Wege gefunden wurden, Menschen einen gewissen Weg zu weisen: Mit Hilfe der einstudierten W\u00f6rter Angst zu nehmen. Was darauf hinweist, dass eben in diesem Kulturkreis Angsterfahrungen dominieren und Menschen so Hilfen bekommen, die Angst zu kanalisieren. Nahtoderfahrungen sind kein Wellness-Trip, sie sind nicht zu verharmlosen. Sie sind Herausforderungen f\u00fcr den Menschen &#8211; wie das Sterben insgesamt. In verschiedenen Religionen \/ Kulturen sind unterschiedliche Vorstellungen mit der Nahtoderfahrung verbunden, so las ich. Die Basis ist gleich. Die Sprache des Nahtodes ist unterschiedlich. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir beginnen, solche Erfahrungen zu negieren, die ein Teil der Menschen gemacht haben, k\u00f6nnen wir anfangen, s\u00e4mtliche Erfahrungen als subjektiv, als irreal zu interpretieren. Es gibt dann keine handfesten Erfahrungen mehr, weil der Mensch sich nie sicher sein kann, ob das nun eine Hirnkapriole ist oder Realit\u00e4t. Damit haben wir grunds\u00e4tzlich zu k\u00e4mpfen, weil wir inzwischen wissen, dass Welt-Interpretation eben Interpretation ist. Die Kommunikation erm\u00f6glicht es dann, eine gewisse gemeinsame Basis der Welt-Interpretation zu schaffen \u2013 und das wird Kultur genannt. Andere Kulturen haben eine andere Welt-Interpretation \u2013 die in manchen Bereichen mit anderen Kulturen eng zusammenpasst, mit manchen eben nicht. Weil Welt interpretiert wird durch viele einzelne subjektiven Hirne, k\u00f6nnen Menschen sich in gewisser Weise sicher sein zu wissen, wie die Welt tickt. Zumindest in dem jeweils kulturellen Rahmen. In diesem Zusammenhang ist dann zu sagen, dass religi\u00f6se Menschen eine andere Sicht auf die Welt haben als areligi\u00f6se Menschen. Von daher ist in unserer Zeit die Kommunikation mit religi\u00f6sen Menschen aus anderen Religionen oft einfacher als mit Atheisten, weil man eine gemeinsame Basis hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zum Thema: Ich denke da an das, was mit einem Menschen beim Aufwachen aus einer Narkose passieren kann: Er ist in einer anderen Welt \u2013 vielleicht auch in einer Welt, die er einmal erlebte, vielleicht auch eine ganz neue Welt, die auf einmal wieder so real wird, eine wundersch\u00f6ne Welt, aus der man gar nicht mehr erwachen m\u00f6chte und wenn man dann aus ihr erwacht, den Eindruck hat, dass die reale Welt eine irreale Welt ist, eine grausame. Zumindest grau neben der bunten Erfahrung dieser Welt in der Narkose. Menschen haben dann die Schwierigkeit, langsam wieder zu erarbeiten, was auf einer anderen Ebene real ist \u2013 die graue Welt des Krankenhauses \u2013 nicht die Welt, die man im Kontext der Narkose erfahren hat. Erfahren hat! Diese Erfahrung wird Teil des Lebens. Warum sollte man sein Hirn, das einem diese Erfahrungen erm\u00f6glicht, bek\u00e4mpfen? Diese Erfahrung wird Teil des Menschen, auch dann, wenn er sie s\u00e4kular-wissenschaftlich richtig einordnen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dieses flexible Hirn verwendet Gott, um sich selbst bemerkbar zu machen. Man kann sagen: Papperlapapp \u2013 eine irreale Welt, Vorspiegelungen eines erregten Hirnlappens, ein von Drogen aufgepumptes Hirn, man kann es deuten, muss es sogar s\u00e4kular deuten bzw. s\u00e4kular zu deuten versuchen \u2013 als Forscher. Aber: Diese s\u00e4kulare Deutung ist nur eine der M\u00f6glichkeiten \u2013 und f\u00fcr das Individuum vielleicht sogar eine irrelevante M\u00f6glichkeit, weil sie sein eigenes Leben in einer Dimension pr\u00e4gte, die es vorher nicht gekannt hat. Das Hirn ist so flexibel, vielleicht darum, weil der Sch\u00f6pfer ihm diese Flexibilit\u00e4t gegeben hat, damit es so flexibel ist, auch seine Anrede, Anspr\u00fcche und Einspr\u00fcche wahrnehmen zu k\u00f6nnen \u2013 die man dann Glauben nennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Glaubende lernen, die Welt nicht eindimensional zu interpretieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das ist auch au\u00dferhalb des Glaubens m\u00f6glich, von daher macht der Glaube hier keine Ausnahme. Zum Beispiel: Welche Hormone werden ausgesch\u00fcttet, wenn man einen Menschen liebt. Liebe \u2013 einfach nur ein bestimmter Hormoncocktail. Dann macht man die Erfahrung der Liebe \u2013 sie ist real. Hormone hin, Hormone her. Diese Welt ist real, sie bereichert das Leben ungemein, sie bereichert das Leben so sehr, dass sie bedichtet und besungen wird. Dabei ist sie f\u00fcr die Zeugung von Nachkommen nicht einmal wichtig. Sex funktioniert auch ohne Liebe. Nachkommen k\u00f6nnen auch ohne Liebe aufgezogen werden. Wir haben hier eine ungemein wichtige Parallelwelt \u2013 die pragmatisch gesehen v\u00f6llig unwichtig ist. Die Tiere zeigen das. Aus dieser Perspektive ist die Welt auch nicht einseitig s\u00e4kular-wissenschaftlich zu interpretieren. Erfahrungen dieser Art heben die Hormon-Welt auf eine andere Ebene. Anders gesagt: Die biologische Basis ist die Bedingung f\u00fcr die Erfahrung, aber die Qualit\u00e4t der Erfahrung, die das f\u00fcr einen Menschen hat, liegt auf einer anderen Ebene, hat eine andere Dimension.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche Menschen machen diese Erfahrungen nicht. S\u00e4kular gesprochen: Weil hormonell manches au\u00dfer Gleichgewicht geraten ist. Was ist nun nat\u00fcrlich? Was ist normal? Und das auf den Glauben bezogen \u2013 warum will man dem Glauben absprechen, Teil des normalen Lebens zu sein? Es gibt Normalit\u00e4t auf einer breiten Ebene. Warum versucht man ihn psychisch, hormonell usw. zu erkl\u00e4ren? Nicht zu glauben ist ebenso psychisch, hormonell zu erkl\u00e4ren. Dimensionen des Lebens anerkennen \u2013 auch wenn man bestimmte Erfahrungen nicht gemacht hat, das ist eine Errungenschaft, die man nicht aufs Spiel setzen sollte durch Engstirnigkeit und Rechthaberei, die \u00fcbrigens auch psychisch, hormonell, kulturell bestimmt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt: Und wenn man dann die Liebe auch noch mit dem Glauben verbindet! Es tun sich neue Dimensionen auf, auch des Verstehens Gottes, der Liebe ist und Menschen mit Glauben beschenken m\u00f6chte. Aus christlicher Perspektive gesprochen: Auch die Nahtoderfahrung ist Ausdruck der Beziehung zu Gott. Sie kann positiv sein, kann negativ sein. Sie kann mit \u00c4ngsten besetzt sein oder mit froher Erwartung. Und das betrifft auch s\u00e4kulare Menschen, weil sie eben in unserem Kulturkreis aufgewachsen sind. In anderen Kulturkreisen mag es anders aussehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt sei noch auf die Kraft hingewiesen, die solche Erlebnisse haben: Sie \u00e4ndern das Leben derer, die Nahtoderfahrungen gemacht haben. Die oben angesprochenen Halluzination im Kontext der Operationen haben nicht eine solche Leben ver\u00e4ndernde Macht. Die Wirkung spricht f\u00fcr sich. Menschen, die Gott erfahren haben, k\u00f6nnen zu einem vertieften Glauben gef\u00fchrt werden, Menschen, die Schock-Erfahrungen gemacht haben, k\u00f6nnen dazu gef\u00fchrt werden, ihr Leben in ein Glaubenslicht zu stellen. <\/p>\n\n\n\n<p>Oben wurde vom Tibetischen Totenbuch gesprochen, das Menschen einen Weg weist, mit \u00c4ngsten im Sterben umzugehen. Wir haben das auch im christlichen Glauben. Keine festen W\u00f6rter, sondern das Wissen, dass die Liebe von Jesus Christus uns begleitet und empf\u00e4ngt. Der Ruf, den wir im Matth\u00e4usevangelium von Petrus h\u00f6ren, der in dem st\u00fcrmischen See zu sinken im Begriff ist, sich in vollkommener existentieller Not befindet: <strong>Herr, rette mich!<\/strong> (Matth\u00e4us 14,30) &#8211; der gilt auch f\u00fcr den christlichen vertrauenden Glauben. Und Christus reichte Petrus die Hand und rettete ihn. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier werden ein paar Anmerkungen zu &#8222;Nahtoderfahrung&#8220; gemacht &#8211; das vor allem mit Blick auf das Glaubens-Leben der Christen. 1. 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