{"id":323,"date":"2019-07-01T15:08:16","date_gmt":"2019-07-01T13:08:16","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=323"},"modified":"2020-05-11T10:12:54","modified_gmt":"2020-05-11T08:12:54","slug":"recht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/recht\/","title":{"rendered":"Recht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">K\u00dcRZESTE GESCHICHTE DES RECHTS UND DER ETHIK<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#08a300\" class=\"has-text-color has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Entwicklung des Rechts<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen haben schon sehr lange \u00fcber gutes und negatives Verhalten nachgedacht.&nbsp; Sehr alt ist der so genannte&nbsp;<em>Codex Hammurapi&nbsp;<\/em>(ca. 1700 v.Chr.). In diesem Codex hei\u00dft es, dass die G\u00f6tter den <strong><em>K\u00f6nig Hammurapi <\/em><\/strong>damit beauftragt haben, die Menschen zu lenken \u2013 und es folgen ca. 281 gesetzliche Abschnitte. Die Gesetze gegen Mord, Diebstahl, falsche Anschuldigungen, mit drohenden Anreizen f\u00fcr flei\u00dfiges und rechtes Arbeiten in der Landwirtschaft, als Kaufmann, Soldat, es geht um Ehe, Erbrecht usw. \u2013 vieles wird angesprochen, was unter Menschen \u00c4rger hervorrufen kann \u2013 und Streitpunkte sollen in rechtlichen Rahmen gebracht, verhandelt werden. Es waren also die G\u00f6tter, die den K\u00f6nig mit der Gesetzgebung beauftragt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In <strong><em>\u00c4gypten<\/em><\/strong> ist eine andere Dimension wichtig, die der&nbsp;<em>Ma\u00b4at<\/em>: die g\u00f6ttliche Ordnung, das Recht, die Tradition. Der Mensch bekommt sie nicht wie ein Gesetz, sondern er muss dieser Ordnung in dem, was er sieht, was er erlebt, nachsp\u00fcren, sie in Worte fassen. Und so sind es weise Worte, mit denen Menschen Lebenshilfen bekommen, damit sie m\u00f6glichst wenig \u00dcbles erleben, denn wer die Ma\u00b4at verletzt, wird es negativ zu sp\u00fcren bekommen. (Freilich schlie\u00dft das Gesetzgebung nicht aus. Seit der 18. Dynastie, ca. 1530 v.Chr., wei\u00df man von schriftlich fixierten Gesetzen \u2013 vom Gott Thot hergeleitet?)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im&nbsp;<em><strong>Alten Testament<\/strong><\/em>&nbsp;finden wir beide Traditionen wieder: Es gibt Gesetze, an die sich das Volk Israel zu halten hat \u2013 mit dem Namen <strong><em>Moses<\/em><\/strong> (1300 Jh.v.Chr?) verbunden -, und es gibt Weisheitsworte, an die sich der kluge Mensch h\u00e4lt \u2013 mit dem Namen <em><strong>Salomo<\/strong><\/em> (ca. 1000 v.Chr.) verbunden. Beide, Gesetz und Weisheitsregeln, werden von Gott hergeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Griechenland begann&nbsp;<em><strong>Drakon<\/strong>&nbsp;<\/em>im 7. Jahrhundert vor Christus das Gewohnheitsrecht in Recht umzusetzen. Was dann \u00fcber&nbsp;<em>Solon<\/em>&nbsp;und vielen anderen nicht nur dem jeweiligen Zeitgeist angepasst wurde, sondern auch den Menschen gerechter wurde. Ist das Gesetz nur etwas f\u00fcr die Schwachen, die die Starken und M\u00e4chtigen auf diese Weise binden wollen? Gilt das Gesetz f\u00fcr alle? Ohne Recht herrscht Willk\u00fcr \u2013 von daher spricht <em><strong>Solon<\/strong><\/em> (640-560v. Chr.) vom \u201eheiligen Recht\u201c (mit Bezug auf die G\u00f6ttinnen Dike [Recht] und Eunomia [Heiligkeit]), das die Elite beschneidet und das Volk erhebt. Das Recht ist f\u00fcr das Zusammenleben der Menschen unabdingbar. (Das \u00e4lteste bekannte Recht aus dem griechischen Bereich ist das <strong>Stadtrecht von Gortys<\/strong> aus dem 5. Jh.v.Chr.) Die Philosophen&nbsp;<em><strong>Sokrates\/Platon<\/strong><\/em>&nbsp;vertiefen die Fragestellung und versuchen eine Letztbegr\u00fcndung des guten Gesetzes\/Rechts: Es gibt ein gutes Recht (Nomos) \u2013 und das muss erkannt werden. Wenn es nicht erkannt wird, dann geht es ungerecht zu. Diese Traditionen beeinflussten in ihrer Weiterentwicklung auch das R\u00f6mische Recht. Aber auch das <em>R\u00f6mische Recht<\/em>&nbsp;hatte seine Wurzeln im Gewohnheitsrecht \u2013 das eng mit religi\u00f6sen Br\u00e4uchen verbunden war. Im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde das \u201eZw\u00f6lftafelgesetz\u201c bekanntgegeben, das Vollb\u00fcrger sch\u00fctzte. Das Recht wurde weiterentwickelt und ca. 1000 Jahre sp\u00e4ter lie\u00df&nbsp;<em><strong>Kaiser Justinian I. (der Gro\u00dfe)<\/strong><\/em><strong>&nbsp;<\/strong>die alten Rechtstexte sammeln und 533\/534 n.Chr. ver\u00f6ffentlichen. Das so genannte&nbsp;<em>Corpus Iuris Civilis<\/em>&nbsp;das mit Blick auf den dreieinigen Gott beginnt, hat seit dem Hochmittelalter auch unsere Rechtsprechung beeinflusst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser vorangegangenen Darstellung ging es<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>um Gewohnheitsrecht,<\/li><li>das zu staatlichem Recht verarbeitet wurde;<\/li><li>um die urspr\u00fcngliche Herleitung des Rechts von den G\u00f6ttern\/Gott \u2013 um eine Letztbegr\u00fcndung;<\/li><li>um Verhaltensregeln die Klugheitsregeln entsprechen;<\/li><li>um ein Streben nach dem dem Menschen vorgegebenen wahren Recht;<\/li><li>um Weiterentwicklung des Rechts.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p style=\"color:#08a300\" class=\"has-text-color has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Recht und Ethik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Ethik geht es jedoch nicht in erster Linie um das Recht \u2013 sondern um die grunds\u00e4tzliche Frage:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Was bestimmt das Verhalten des Menschen?<\/li><li>Was sollte das Verhalten bestimmen?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und zum Teil parallel zu den oben genannten Rechtsentwicklungen haben sich Menschen grunds\u00e4tzlich dar\u00fcber Gedanken gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Sokrates<\/strong><\/em><strong>&nbsp;<\/strong>(469-399) wollte, dass die Menschen selbst darauf kommen, was wirklich gut ist. Das versuchte er durch geschicktes Fragen aus ihnen herauszulocken: Ist die Tradition gut? Ist das, was der Mensch leichthin denkt, auch noch bei n\u00e4herem Betrachten gut?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Platon<\/strong><\/em>&nbsp;(428\/7-348\/7): Vor Sokrates und Platon wurde gefragt: Wie kann man gut leben? Antwort: Man kann gut leben, wenn man sozial eingebunden ist. Sozial ist man eingebunden, wenn jeder das in ihm angelegte Lebensziel f\u00fcr die Gemeinschaft perfektioniert. Bei Platon wird die Tugendlehre betont. Sie hat mit Gemeinschaft zu tun, geht ihr aber voraus: Tapferkeit, Besonnenheit, Gerechtigkeit, Weisheit, Gro\u00dfz\u00fcgigkeit \u2013 kurz: Man muss das Gute erkennen, die Idee des Guten, das vollkommene Gute \u2013 und sein Verhalten entsprechend ausrichten. Was die Idee des Guten ist, das wei\u00df der philosophisch Denkende, der Freund der Weisheit (Philo-Sophie).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Aristoteles<\/strong><\/em>&nbsp;(384-322), der dritte gro\u00dfe Philosoph der Griechen, die unser Denken beeinflusst haben, sieht als Lebensziel des Menschen das Gl\u00fcck an. Um das zu erreichen, ist es notwendig, das naturhafte Streben des Menschen nach Gl\u00fcck dem Verstand unterzuordnen. Aber da nur die G\u00f6tter gl\u00fccklich sind, arrangiert man sich als homo politicus mit den anderen Menschen, um m\u00f6glichst viel davon erreichen zu k\u00f6nnen. Gl\u00fccklich ist ein tugendhaftes Leben \u2013 aber ein Leben, in dem die Tugend nicht erzwungen ist, sondern Freude macht. Zum Beispiel: Ein Mangel an Tugend ist die Z\u00fcgellosigkeit \u2013 ein erzwungenes \u00dcberma\u00df ist die Gef\u00fchllosigkeit \u2013 die goldene Mitte ist die Besonnenheit. Man betrachtet die Tugenden nicht um der Tugenden willen, sondern sie sollen Auswirkungen auf das Zusammenleben haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird deutlich, dass es hier nicht mehr allein um die Frage des Rechts\/Gesetzes geht \u2013 und das wird bei dem vierten gro\u00dfen Denker&nbsp;<em><strong>Epikur<\/strong><\/em>&nbsp;(341-271\/0) vollends deutlich: Lust ist Ziel des gelungenen Lebens. Man hat Epikur lange missverstanden \u2013 aber in der Auseinandersetzung mit ihm ist die Philosophie doch weiter gekommen. Es geht Epikur nicht um Sex, um Vergn\u00fcgen \u2013 sondern um: Seelenruhe, Lust der Seele. Und diese Seelenruhe wird durch viele \u00c4ngste gest\u00f6rt. Was bringt Lebensgl\u00fcck? Die \u00c4ngste auszuschalten. Wie macht man das? Indem man sie rational durchdringt: Schmerzen sind auszuhalten \u2013 also muss man keine Angst vor ihnen haben; wenn man tot ist, sp\u00fcrt man nichts mehr \u2013 warum dann Angst vor dem Tod? G\u00f6tter strafen nicht \u2013 also ist Angst vor Strafen der G\u00f6tter (Schicksal) unbegr\u00fcndet; warum Angst vor Verlust? Alles was man wirklich zum Leben ben\u00f6tigt ist doch recht wenig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hand wird voll: der f\u00fcnfte gro\u00dfe Denker \u2013 der zumindest durch seine Sch\u00fcler gro\u00dfen Einfluss bekommen hat \u2013 ist&nbsp;<em><strong>Zenon von Kition<\/strong><\/em>&nbsp;(333\/2-262\/1). Die von ihm ausgehende Gruppe ist die der&nbsp;<em><strong>Stoiker<\/strong><\/em><strong>,<\/strong> die auch die fr\u00fchen christlichen Denker intensiv beeinflusste: Die Vernunft muss lernen, sich dem Grundprinzip der Welt \u2013 der Vernunft, der Ordnung,&nbsp;<em>Zeus<\/em>&nbsp;genannt \u2013 anzupassen, sich in sie eingliedern mit dem Ziel, sich zu vervollkommnen, indem man diese Anpassung immer st\u00e4rker beherrscht. Und je mehr man diese Vervollkommnung erreicht hat, desto gelassener wird man. Und wesentlich: das gilt f\u00fcr alle Menschen, das gilt nicht nur f\u00fcr die Elite (vgl. Epikur), das gilt den Sklaven wie den Herren, den Philosophen wie den H\u00e4ndlern \u2013 jeder hat Teil an dieser Weltordnung. Diese Sicht hat viele weitere einflussreiche Menschen beeinflusst:&nbsp;<em>Seneca<\/em>,&nbsp;<em>Epiktet, Mark Aurel<\/em>&nbsp;(auch wenn Mark Aurel aus politischen Gr\u00fcnden gegen diese Prinzipien handelte).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit diesen f\u00fcnf Denkern ist die allgemeine Richtung f\u00fcr sp\u00e4tere Zeiten vorgegeben. Der Weg ist die Vernunft \u2013 aber dieser Weg gabelt sich in zwei Folgewege:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>gibt es eine Grundidee (<strong>Platon<\/strong>), ein Grundprinzip <strong>(Stoa)<\/strong>, das die Ethik pr\u00e4gt, vorgibt? \u2013 Diesem Gedanken folgen sp\u00e4tere Christen bis in die Gegenwart hinein;<\/li><li>muss die Ethik eher innerweltlich erkl\u00e4rt werden (<strong>Aristoteles, Epikur<\/strong>)? Diesem Gedanken folgen vor allem neuzeitliche Denker, die das religi\u00f6se Element st\u00e4rker ausklammern.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Nicht, dass damit alle Aspekte schon vorgegeben sind. So hat zum Beispiel<strong>&nbsp;<\/strong><em><strong>Augustin<\/strong><\/em>&nbsp;(354-430) gesehen, dass der Mensch in seiner Natur vorherbestimmt ist, dass er aber einen eigenen Willen hat \u2013 mit den Stoikern \u2013 und sich dem Willen Gottes anpassen kann. Und dieser Wille Gottes \u2013 nennen wir es Grundprinzip \u2013 ist die Liebe. Es wird deutlich, dass hier unterschiedliche Traditionen miteinander verbunden wurden: Griechische Philosophie, Altes Testament, Lehre Jesu Christi. Anders als bei den griechischen Philosophen steht auch ein wichtiger j\u00fcdisch-christlicher Aspekt im Vordergrund:&nbsp;Nicht der Verstand erarbeitet sich das G\u00f6ttliche \u2013 sondern Gott offenbart seinen Willen, der mit dem verstand nachzuvollziehen ist.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit diesem Denken sind auch weitere Themen verbunden, zum Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Ist der Mensch von Haus aus b\u00f6se oder gut?<\/li><li>Ist der Mensch eigentlich wirklich frei zu entscheiden oder ist er abh\u00e4ngig von einem Gott \/ von dem Schicksal \/ von der Gesellschaft?<\/li><li>Woher nimmt er Verhaltensregeln: aus der Natur, aus der Tradition? Geben sie ihm vor, wie er sich zu verhalten hat? Bestimmt das Sein das Sollen \u2013 oder das Sollen das Sein?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">Aufgabe: Lies die Bergpredigt Matth\u00e4us 5-7 \u2013 vor allem Kapitel 5. Wie geht Jesus mit dem traditionellen Recht um?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#08a300\" class=\"has-text-color has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Ein paar Hinweise zum Recht in Nordeuropa des Mittelalters<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Nordeuropa herrschte im Wesentlichen Gewohnheitsrecht bzw. Stammesrecht. Diese wurden dann verarbeitet in Landesrecht mit jeweiligen Sonderrechten (z.B. Hofrecht, Stadtrecht). Im 13. Jahrhundert trugen Rechtsb\u00fccher (dazu auch das Corpus Iuris Civilis) dazu bei, dass das Recht in Mitteleuropa angeglichen wurde. Erst ab dem 13. Jahrhundert wurde an Universit\u00e4ten r\u00f6misches und Kanonisches Recht (Kirchenrecht) gelehrt und Experten f\u00fcr das Recht\/Juristen haben immer st\u00e4rkere Bedeutung bekommen. Das kirchliche Recht hat in manchen Bereichen das weltliche Recht beeinflusst (z.B. Eherecht).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann im Internet viel Altes zu dem Thema finden. Viele, vor allem antikirchliche Seiten zeigen, dass die Kirche eine sehr gro\u00dfe Dominanz hatte. Aber neue Forschung sieht das differenzierter. Die veralteten Theorien verwechseln altes Recht mit Kirchenrecht und schieben alle Grausamkeiten, bis hin zu Hexenverfolgungen, Gottesurteilen usw. dem Kirchenrecht zu. Das h\u00e4ngt damit zusammen, dass die Kirche heute noch existent ist, somit kann man sozusagen leichter Schuldige finden. Statt zu sagen: Der Landesherr XY, die Juristen XYZ, die Stadt X und die Stadt Y \u2013 sagt man: die Kirche. Dieses undifferenzierte Denken ist heute nicht mehr haltbar, aber nat\u00fcrlich leichter zu vermitteln. Zudem muss weltliches Recht vom kirchlichen Recht unterschieden werden. Mancherorts haben Kirchen kirchlich geurteilt, dann aber den Verurteilten dem Staat \u00fcbergeben und der hat dann selbst noch einmal Untersuchungen durchgef\u00fchrt und eigene Urteile gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Beispiel das Gottesurteil: Es uralt und schon im Alten Orient verbreitet, wurde von germanischen St\u00e4mmen ebenso praktiziert. Mit der Christianisierung wurde das dann einfach mit dem christlichen Gott in Verbindung gebracht. Erst entschieden die G\u00f6tter \u2013 dann eben Gott. Es war eine Rechtsform, die heute nicht anerkannt wird, aber eben in der damaligen Zeit, weil man vielfach keine M\u00f6glichkeiten hatte, Schuldige von Unschuldigen zu trennen, wie man sie heute hat. Aber: Schon aus christlicher Perspektive wurden Gottesurteile aus christlichen Gr\u00fcnden abgelehnt (<strong><em>Agobard von Lyon<\/em><\/strong>: 9. Jh.) oder mildere Formen propagierten (Kreuzordal: Wessen erhobene H\u00e4nde zuerst vor dem Kreuz sanken, war schuldig \u2013 also psychische Form),&nbsp; w\u00e4hrend andere Christen sie aufgrund der Tradition akzeptierten. Gottesurteile verschwanden im 13. Jahrhundert, weil das <em><strong>IV. Laterankonzil<\/strong><\/em> Priestern verboten hatte, daran teilzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schwerer zu beurteilen ist folgender Aspekt: Menschen wurden vom Staat hingerichtet, weil man f\u00fcrchtete, Gott w\u00fcrde die Gemeinschaft strafen, wenn man S\u00fcnder duldete. Dieses Denken finden wir auch im Alten Testament und ebenso in anderen Gesellschaften. Von daher hat der Staat religi\u00f6s verurteilt, ohne kirchliches Recht anzuwenden. An dieser Stelle muss ich jedoch sagen, dass ich den Stand der neusten Forschung nicht kenne.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#08a300\" class=\"has-text-color has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Was hat Ethik mit Recht zu tun?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was hat Ethik mit \u201eRecht\u201c zu tun? Ethische Diskussionen f\u00fchren vielfach dazu, rechtlich verbindliche Regeln zu erstellen. Dazu ein paar Begriffe:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><em>Naturrecht<\/em>: Das Verhalten des Menschen ist von der \u201eNatur\u201c her vorgegeben. (Christlich gesprochen: Gott ist der Sch\u00f6pfer. Sein Geist wirkt in der Welt als Erhalter. Als solcher hat er in den Menschen allgemein verbindliche Verhaltensweisen \u201eangelegt\u201c. Nat\u00fcrlich kann der s\u00fcndige Mensch sie ignorieren. Sie k\u00f6nnen jedoch immer wieder durchbrechen. Zum Beispiel die Menschenrechte. Wenn sie weltweit g\u00fcltig sind, nicht nur eine Folge j\u00fcdisch-christlicher Religion, intensiviert und rechtlich geregelt durch Humanismus und Aufkl\u00e4rung, dann gelten sie auch \u00fcberall und sprechen \u00fcberall auf der Welt Menschen an. Wenn sie jedoch nicht allgemein g\u00fcltig sind, gelten sie auch nur dort, wo man sie akzeptiert.<\/li><li>In dieser Hinsicht ist auch vom \u201e<em>Gewissen<\/em>\u201c die Rede. Die Stimme Gottes in uns Menschen (Seneca, ep. morales 41 [1. Jh. n.Chr.]) wird dann in der Neuzeit von Gott gel\u00f6st: Es wird zu dem den Menschen einwohnenden Richter. Dass der Mensch dieser \u201einneren Stimme\u201c \/ \u201edem Richter\u201c verpflichtet ist, wurde von <em><strong>Thomas von Aquin<\/strong><\/em> [13. Jh.] angedacht und ist dann wohl durch <strong><em>Kant<\/em><\/strong> [18.\/19. Jh.] in der s\u00e4kularen Gegenwart so relevant geworden, dass die Gewissensfreiheit im Grundgesetz (4,1) Eingang gefunden hat. Denn die Beweggr\u00fcnde des Gewissens k\u00f6nnen nur bis zu einem gewissen Grad argumentativ vermittelt werden bzw. die jeweiligen Argumente k\u00f6nnen letztlich nicht alle \u00fcberzeugen. Das Problem in der Gegenwart: Der Bundestag kann Gesetze erlassen, die dem einzelnen Abgeordneten Gewissensfreiheit zusichert. Aber wenn der Sachverhalt durch die Mehrheit Recht geworden ist, gilt die Gewissensfreiheit nicht mehr oder nur sehr eingeschr\u00e4nkt. \u2013 Die Profanisierung des Gewissens ist weiter gegangen und fand seinen Gegner in dem Psychiater <strong><em>Freud<\/em><\/strong> [19.\/20. Jh]: Das durch das Kollektiv entstandene Gewissen muss durch den autonomen Verstand diszipliniert werden. Das bedeutet: Das Gewissen ist Folge der Sozialisation. Die Frage ist aber, ob es bzw. ob die M\u00f6glichkeit der Ausbildung eines Gewissens auch angeboren sein kann. \u2013 Das \u201eschlechte Gewissen\u201c spielt im Christentum auch eine gro\u00dfe Rolle: Wir handeln gegen die Stimme Gottes in uns. Folge: Ein schlechtes Gewissen. Gott kann das Gewissen des Glaubenden wieder heilen und er f\u00fchrt ein Leben so, dass das Gewissen aus der Bindung an Gott frei ist. Das bedeutet: Es wird unterschieden zwischen dem Gewissen, das den Menschen nach einer Tat plagen kann \u2013 das kann Gott allein heilen; und es gibt das Gewissen, das den Menschen vor einer Tat an der Ausf\u00fchrung hindern, davor warnen kann. Wenn der Mensch (aus Gott heraus) in der \u00dcbereinstimmung mit seinem Gewissen lebt, ist er mit sich selbst eins\/\u201cim Reinen\u201c. Allerdings kann der schuldige Mensch auch sein Gewissen beruhigen, l\u00e4hmen, zum Schweigen bringen. An dieser Stelle bringt Gott immer wieder das Gewissen in Unruhe\/Unfrieden, damit der Mensch \u201eumkehrt\u201c zu Gott, sein Leben \u00e4ndert.<\/li><li><em>Positives Recht\/Rechtspositivismus:<\/em> Nicht Naturrecht ist relevant, sondern Recht ist von Menschen gemacht. Von daher sind rechtliche Festsetzungen immer in einem reglementierten Verfahren zu diskutieren und neu festzulegen. Darum kann es auch vorkommen, dass rechtlich etwas festgelegt wird, was moralisch fragw\u00fcrdig ist. Richter m\u00fcssen nach dem Gesetz richten \u2013 auch wenn es nicht (moralisch gesehen) gerecht sein kann. Moral ist Ausdruck des sozialen Umgangs von Menschen miteinander. Das Recht rationalisiert Moral, um diesen Umgang im Zusammenhang von Konfliktf\u00e4llen regeln zu k\u00f6nnen \u2013 regelt aber das Zusammenleben, um Konflikte vermeiden zu helfen.<\/li><li>Rechtssicherheit ist ganz wichtig: Menschen m\u00fcssen wissen, wie sie sich verhalten sollen und welche Konsequenzen asoziales verhalten hat. Dazu finden wir im Alten Testament eine ganze Menge an Geboten. Die Frage des Rechts war den R\u00f6mern auch wichtig. Als das Christentum in den r\u00f6mischen Raum \u00fcberging, hat es alttestamentliche Traditionen und Traditionen des R\u00f6mischen rechts \u00fcbernommen. Kaiser Justinian I. hat im 6. Jahrhundert eine Rechtssammlung erstellen lassen, die bis in die Gegenwart Auswirkungen hat (Corpus Iuris Civilis). Aber dennoch mussten die jeweiligen lokalen Herrscher darauf achten, dass Recht herrscht. Vielfach herrschte Rechtlosigkeit. In diesem Kontext ist zum Beispiel &#8222;Burchards Dekret&#8220; relevant. Bischof Burchard von Worms hat 1008-1012 eine Sammlung erstellt, in der zum Beispiel Mann und Frau, Juden und Christen gleich gestellt wurden, weil sie Ebenbilder Gottes seien. Sein Dekret war weit verbreitet.  <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p style=\"color:#08a300\" class=\"has-text-color has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Einfluss des christlichen Glaubens auf das Recht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grundlegend hatte der christliche Glaube Einfluss: Mit dem Christentum kam ein neuer Ansatz auf: Recht wird nicht mehr allein definiert durch Aufrechterhaltung der Ordnung. Recht wird mit Gerechtigkeit zusammengef\u00fchrt. Zudem war nicht allein die Tat relevant, sondern auch die Gesinnung. Die Gesinnung muss der einzelne \u00fcberpr\u00fcfen, um vor Gott zu bestehen. Das f\u00fchrte dazu, dass Menschen sich nicht erst schuldig f\u00fchlten, wenn sie eine b\u00f6se Tat begangen hatten, sondern schon dann, wenn sie an eine solche dachten (vgl. Bergpredigt). Darum tat man Bu\u00dfe, durch eine Bu\u00dfhandlung wurde vergeben \u2013 nicht wie heute in der evangelischen Kirche \u00fcblich durch eine allgemeine Zusprechung der S\u00fcndenvergebung, sondern durch Taten \u2013 und man  konnte dadurch auf l\u00e4ngere Sicht zu einem im Sinne Gottes ver\u00e4nderter Mensch werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im theoretischen Sinn wurde <strong><em>Paulus<\/em><\/strong> wichtig. Es geht um das schon in der Philosophie formulierte <em>Naturrecht<\/em>: Die menschliche Natur gibt Rechte vor. Und diese werden, so Paulus, mit der <em>Vernunft<\/em> erkannt und durch das<em> Gewissen<\/em> (R\u00f6merbrief 1,19f. und 2,15). Verbunden wird das dann mit der Sicht, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist. Und so erkennt die Vernunft, so folgerte man im Mittelalter, dass alle Menschen \u2013 auch die Heiden \u2013 weltweit wissen, was gut ist und was schlecht ist. Dieses von Gott bestimmte Naturrecht kann auch kein Gesetz, das Menschen erlassen, au\u00dfer Kraft setzen. In der Neuzeit wurde dann von der Grundlage Gottebenbildlichkeit und des von Gott gegebenen Gewissens abgesehen. Es wird ohne Letztbegr\u00fcndung konstatiert: dass die menschliche Vernunft (die auch von Gott gel\u00f6st wird) vorgibt, dass alle Menschen gleich sind \u2013 Menschenrechte gelten weltweit (obgleich man das aufgrund der Globalisierung nicht mehr ganz so sehen m\u00f6chte: islamische und asiatische L\u00e4nder haben andere Vorstellungen von Menschenrechten als L\u00e4nder in christlicher Tradition). Aus evangelischer Perspektive sieht das Naturrecht den s\u00fcndigen Menschen zu positiv.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#08a300\" class=\"has-text-color has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Kleiner &#8222;schwerer&#8220; Exkurs zu einer Rechts-Diskussion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage stellt sich aus s\u00e4kularer Sicht: Wenn zum Beispiel das Strafrecht in seiner Begr\u00fcndung christlich oder s\u00e4kular zum gleichen Ergebnis f\u00fchrt, ist die s\u00e4kulare Interpretation nur eine Folge der zeitlich voran gehenden christlichen Interpretation? Also: Streicht die s\u00e4kulare Interpretation einfach nur Gott &#8211; und setzt an seine Stelle die Vernunft welcher Art auch immer (praktisch, wissenschaftlich&#8230;) ein? Nein. Damit gibt sich die s\u00e4kulare Interpretation nicht zufrieden. Sie sieht: Christliche und s\u00e4kulare Begr\u00fcndung haben eine gemeinsame Basis: das Recht. Und dieses wird dann christlich, s\u00e4kular und sonstwie begr\u00fcndet. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der logische Haken besteht darin, dass &#8222;Recht&#8220; keine abstrakte Idee ist. Es ist in den jeweiligen Kulturkreisen gewachsen. Auf diese Idee, dass das Recht allen Konkretionen vorangeht, kann man nur kommen, wenn man das in westlicher Kultur begr\u00fcndete Recht als Grundlage aller Kulturen ansieht. Und das ist eine Art Metaphysik &#8211; statt<em> Gott <\/em>wird das <em>Recht <\/em>eingesetzt &#8211; das ist s\u00e4kular nicht zu begr\u00fcnden. Das ist freilich wieder religi\u00f6ser Begr\u00fcndung entnommen: Gott als Erhalter seiner Welt hat in den Kulturen eine &#8222;Rechts-Grundlage&#8220; gelegt, die allerdings in den jeweiligen Kulturen erst entdeckt und gereinigt werden muss. Und das geschieht dann eben in unserer christlich begr\u00fcndeten westlichen Kultur, die auch r\u00f6misches Recht aus christlicher Perspektive rezipiert hat. Das kann der gegenw\u00e4rtige Mensch allerdings so nicht stehen lassen, und es wird s\u00e4kular eine neue Begr\u00fcndung gesucht. Der Mensch will alles selbst machen &#8211; ohne Gott. Aber \u00fcberraschend: Gott ist immer schon da.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Aufgabe<\/strong>: Lies Markus 7,1-23 und 2,23-28 und 3,1-6 und 10,1-12: Wie geht Jesus in diesen rechtlichen Fragen mit traditionellem Recht um? Wie begr\u00fcndet er seine Sicht?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00dcRZESTE GESCHICHTE DES RECHTS UND DER ETHIK Entwicklung des Rechts Menschen haben schon sehr lange \u00fcber gutes und negatives Verhalten nachgedacht.&nbsp; Sehr alt ist der so genannte&nbsp;Codex Hammurapi&nbsp;(ca. 1700 v.Chr.). 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