{"id":323,"date":"2019-07-01T15:08:16","date_gmt":"2019-07-01T13:08:16","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=323"},"modified":"2026-06-04T08:39:20","modified_gmt":"2026-06-04T06:39:20","slug":"recht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/recht\/","title":{"rendered":"Recht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"text-transform:uppercase\"><strong>1. Ein paar Anmerkungen vorweg: W\u00fcrde, Recht und Gerechtigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Recht und W\u00fcrde des Menschen h\u00e4ngen eng zusammen. Menschen, denen der Zugang zum Recht verwehrt wird, werden entw\u00fcrdigt: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sklaven haben keine Rechte, die sie einklagen k\u00f6nnen; oder: <\/li>\n\n\n\n<li>Menschen haben als Individuen weniger Rechte als andere, so Frauen weniger als M\u00e4nner; oder: <\/li>\n\n\n\n<li>Herrscher haben mehr Rechte als alle anderen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Mit Sonderrechten sind immer auch Selbsterhebungen verbunden, die von anderen als Erniedrigung empfunden wurden (z.B. die Magna Charta reduzierte auf Dr\u00e4ngen des Adels die Macht des K\u00f6nigs: Das K\u00f6nigtum hatte sich selbst erhoben &#8211; der Adel f\u00fchlte sich erniedrigt und forderte Rechte ein). Recht und W\u00fcrde h\u00e4ngen sehr eng zusammen &#8211; und damit auch Gerechtigkeit. Aber Recht und Gerechtigkeit m\u00fcssen nicht kompatibel sein.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Recht ist in Rechtsstaaten fixiert. Es gilt freilich nicht f\u00fcr alle Zeit, sondern ist gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen unterworfen. <\/li>\n\n\n\n<li>Die Frage stellt sich dann immer wieder: Wann wird Recht zu Unrecht. Denn auch Recht kann zu Unrecht werden, z.B. darf ein Gesetz die T\u00f6tung von Menschen erlauben \u2013 ist es dann noch Recht?<\/li>\n\n\n\n<li>Recht soll auch um der Gesellschaft Willen Selbstjustiz verhindern. Das hei\u00dft, es muss so gestaltet sein, dass es Spannungen innerhalb einer Gesellschaft abfedert und sie nicht f\u00f6rdert. <\/li>\n\n\n\n<li>Recht ist gleicherma\u00dfen jedoch mit M\u00e4chten verbunden, die es auch trotz m\u00f6glicher Widerst\u00e4nde durchsetzen k\u00f6nnen und m\u00fcssen. Recht muss freilich von m\u00f6glichst vielen Menschen einer Gesellschaft als eine Gr\u00f6\u00dfe empfunden werden, die Gerechtigkeit so gut es geht durchsetzt.<\/li>\n\n\n\n<li>Gerechtigkeit ist von vielen Faktoren abh\u00e4ngig. Recht sollte der Gerechtigkeit angen\u00e4hert werden, aber da das Empfinden von Gerechtigkeit subjektiv ist, kann es nur Ann\u00e4herungen geben. <\/li>\n\n\n\n<li>Gerechtigkeit ist auch nicht gleichzusetzen mit Gleichheit. Denn auch rechtliche Gleichbehandlung aller Menschen kann ungerecht sein. Aber das Ziel des Rechts muss Gleichheit sein.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-357ec4b4126b84abf2fd2dfe961817de wp-block-paragraph\" style=\"color:#eb0a0a\">Aufgabe 1: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-38c488d0b0bc86b727fffa980bf80e7b wp-block-paragraph\" style=\"color:#eb0a0a\">a) Hast Du schon einmal \u00fcber das Recht, die Gerechtigkeit, die W\u00fcrde nachgedacht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-112e442e2a9554810da103fe4e635e7d wp-block-paragraph\" style=\"color:#eb0a0a\">b) Kannst Du Dir ein Land vorstellen, in dem es kein Recht gibt, in dem es niemand gibt, der Recht durchsetzt? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-661d1c54f9260c9bba24bec44a42ee5e wp-block-paragraph\" style=\"color:#eb0a0a\">c) Recherchiere: Gibt \/gab es Staaten, in denen Recht missbraucht wird, um Unrecht durchzusetzen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-medium-font-size\"><strong>2. K\u00dcRZESTE GESCHICHTE DES RECHTS UND DER ETHIK<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-medium-font-size\">2.1. <strong>Entwicklung des Rechts<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen haben schon sehr lange \u00fcber gutes und schlechtes Sozialverhalten nachgedacht. Ein sehr fr\u00fches Zeugnis ist der so genannte\u00a0<em>Codex Hammurapi\u00a0<\/em>(ca. 1750 v.Chr.). In diesem Codex hei\u00dft es, dass die G\u00f6tter den\u00a0<strong><em>K\u00f6nig Hammurapi\u00a0<\/em><\/strong>damit beauftragt haben, die Menschen zu lenken. Hervorgehoben ist der Sonnengott Schamasch &#8211; und es folgen ca. 282 gesetzliche Abschnitte. Die Gesetze gegen Mord, Diebstahl, falsche Anschuldigungen, mit Anreizen f\u00fcr flei\u00dfiges und rechtes Arbeiten in der Landwirtschaft, als Kaufmann, Soldat, es geht um Ehe, Erbrecht usw. &#8211; vieles wird angesprochen, was unter Menschen \u00c4rger hervorrufen kann &#8211; und Streitpunkte sollen in rechtlichen Rahmen gebracht, verhandelt werden. Dem Anspruch des Codex zufolge waren es also die G\u00f6tter, die den K\u00f6nig mit der Gesetzgebung beauftragt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In&nbsp;<strong><em>\u00c4gypten<\/em><\/strong>&nbsp;ist eine andere Dimension wichtig, die der&nbsp;<em>Ma\u00b4at<\/em>: die g\u00f6ttliche Ordnung, das Recht, die Tradition. Der Mensch bekommt sie nicht wie ein Gesetz, sondern er muss dieser Ordnung in dem, was er sieht, was er erlebt, nachsp\u00fcren, sie in Worte fassen. Und so sind es weise Worte, mit denen Menschen Lebenshilfen bekommen, damit sie m\u00f6glichst wenig \u00dcbles erleben, denn wer die Ma\u00b4at verletzt, wird es negativ zu sp\u00fcren bekommen. (Freilich schlie\u00dft das Gesetzgebung nicht aus. Seit der 18. Dynastie, ca. 1530 v.Chr., wei\u00df man von schriftlich fixierten Gesetzen \u2013 von den G\u00f6ttern Thot [Weisheit] und Re [Sonnengott] hergeleitet.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im\u00a0<em><strong>Alten Testament<\/strong><\/em>\u00a0finden wir beide Traditionen wieder: Es gibt Gesetze, an die sich das Volk Israel zu halten hat &#8211; mit dem Namen\u00a0<strong><em>Moses<\/em><\/strong>\u00a0(14.\/13. Jh. v. Chr. ?) verbunden -, und es gibt Weisheitsworte, an die sich der kluge Mensch h\u00e4lt &#8211; mit dem Namen\u00a0<em><strong>Salomo<\/strong><\/em>\u00a0(ca. 1000 v. Chr.) verbunden. Beide, Gesetz und Weisheitsregeln, werden von Gott hergeleitet. Und es sei angemerkt, dass die\u00a0<strong>Propheten<\/strong>\u00a0Gerechtigkeit &#8211; also gerechtes Handeln &#8211; einfordern. Die Gesetze der Tora sind enger mit dem babylonischen Recht verbunden. Sie haben aber eine gro\u00dfe Besonderheit: Sie sind Grundlage des Bundes, den Gott mit dem Volk Israel schlie\u00dft. Die Weisheitsschriften wurden mit ihren Lebensweisheiten st\u00e4rker von der \u00e4gyptischen Tradition beeinflusst, w\u00e4hrend die Propheten beide Traditionen miteinander verbinden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Griechenland begann\u00a0<em><strong>Drakon<\/strong>\u00a0<\/em>im 7. Jahrhundert vor Christus das m\u00fcndlich \u00fcberlieferte Gewohnheitsrecht zu vereinheitlichen und in schriftliches Recht umzusetzen. Dieses Recht wurde dann \u00fcber\u00a0<em>Solon<\/em>\u00a0und vielen anderen nicht nur dem jeweiligen Zeitgeist angepasst, sondern auch den Menschen gerechter werdend gestaltet. Ist das Gesetz nur etwas f\u00fcr die Schwachen, die die Starken und M\u00e4chtigen auf diese Weise binden wollen? Gilt das Gesetz f\u00fcr alle? Ohne Recht herrscht Willk\u00fcr &#8211; von daher spricht\u00a0<em><strong>Solon<\/strong><\/em>\u00a0(640-560v. Chr.) vom \u201eheiligen Recht\u201c (mit Bezug auf die G\u00f6ttinnen Dike [Recht] und Eunomia [gute Ordnung]), das die Elite beschneidet und das Volk erhebt. Das Recht ist f\u00fcr das Zusammenleben der Menschen unabdingbar. (Das umfangreichste bekannte Recht aus dem griechischen Bereich ist das\u00a0<strong>Stadtrecht von Gortys<\/strong>\u00a0aus dem 5. Jh. v. Chr.) Die Philosophen\u00a0<em><strong>Sokrates\/Platon<\/strong><\/em>\u00a0vertiefen die Fragestellung und versuchen eine Letztbegr\u00fcndung des guten Gesetzes\/Rechts: Es gibt ein gutes Recht (Nomos) &#8211; und das muss erkannt werden. Wenn es nicht erkannt wird, dann geht es ungerecht zu. Diese Traditionen beeinflussten in ihrer Weiterentwicklung auch das R\u00f6mische Recht. Aber auch das\u00a0<em>R\u00f6mische Recht<\/em>\u00a0hatte seine Wurzeln im Gewohnheitsrecht &#8211; das eng mit religi\u00f6sen Br\u00e4uchen verbunden war. Im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde das \u201eZw\u00f6lftafelgesetz\u201c bekanntgegeben, das Vollb\u00fcrger sch\u00fctzte. Es war Ergebnis eines z\u00e4hen Ringens zwischen Vollb\u00fcrger und Elite. Das Recht wurde weiterentwickelt und ca. 1000 Jahre sp\u00e4ter lie\u00df der christliche\u00a0<em><strong>Kaiser Justinian I. (der Gro\u00dfe)<\/strong><\/em> die alten Rechtstexte zusammenstellen und 533\/534 n. Chr. ver\u00f6ffentlichen. Das so genannte\u00a0<em>Corpus Iuris Civilis<\/em>\u00a0das mit Bekenntnis zum christlichen dreieinigen Gott beginnt, hat seit dem Hochmittelalter auch unsere Rechtsprechung beeinflusst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser vorangegangenen Darstellung ging es um<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>das Gewohnheitsrecht,<\/li>\n\n\n\n<li>das in staatliches, geschriebenes Recht \u00fcberf\u00fchrt wurde;<\/li>\n\n\n\n<li>die urspr\u00fcngliche Herleitung des Rechts von den G\u00f6ttern bzw. Gott als Letztbegr\u00fcndung;<\/li>\n\n\n\n<li>Recht in Form von Verhaltensregeln, die als Klugheitsregeln f\u00fcr das Zusammenleben verstanden wurden;<\/li>\n\n\n\n<li>das Streben nach einem dem Menschen vorgegebenen wahren und gerechten Recht;<\/li>\n\n\n\n<li>die fortlaufende Weiterentwicklung des Rechts.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-medium-font-size\">2.2&nbsp;<strong>Recht und Ethik<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Ethik geht es jedoch nicht in erster Linie um das Recht \u2013 sondern um die grunds\u00e4tzliche Frage:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Was bestimmt das Verhalten des Menschen?<\/li>\n\n\n\n<li>Was sollte sein Verhalten bestimmen, damit das Leben und das Zusammenleben gelingen?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und zum Teil parallel zu den oben genannten Rechtsentwicklungen haben sich Menschen grunds\u00e4tzlich dar\u00fcber Gedanken gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Sokrates<\/strong><\/em> (469-399) wollte, dass die Menschen selbst darauf kommen, was wirklich gut ist. Das versuchte er durch geschicktes Fragen aus ihnen herauszulocken (Hebammenkunst): Ist die Tradition gut? Ist das, was der Mensch leichthin denkt, auch noch bei n\u00e4herem Betrachten gut? Gutes Verhalten, Tugenden haben ihren Grund in der rationalen Einsicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Platon<\/strong><\/em>&nbsp;(428\/7-348\/7): Platon vertiefte den Ansatz von Sokrates: Wie kann man gut leben? Antwort: Man kann gut leben, wenn man sozial eingebunden ist. Sozial ist man eingebunden, wenn jeder das in ihm angelegte Lebensziel f\u00fcr die Gemeinschaft perfektioniert. Bei Platon wird die Tugendlehre betont. Sie hat mit Gemeinschaft zu tun, geht ihr aber voraus: Tapferkeit, Besonnenheit, Gerechtigkeit, Weisheit, Gro\u00dfz\u00fcgigkeit &#8211; kurz: Man muss das Gute erkennen, die Idee des Guten, das vollkommene Gute \u2013 und sein Verhalten entsprechend ausrichten. Was die Idee des Guten ist, das wei\u00df der philosophisch Denkende, der Freund der Weisheit (Philo-Sophie) &#8211; der dann auch versucht, den idealen Staat (Polis) zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Aristoteles<\/strong><\/em>\u00a0(384-322), der dritte gro\u00dfe Philosoph der Griechen, die unser Denken beeinflusst haben, sieht als Lebensziel des Menschen das Gl\u00fcck (Eudaimonia) an. Um das zu erreichen, ist es notwendig, das naturhafte, triebhafte Streben des Menschen nach Gl\u00fcck dem Verstand unterzuordnen. Um gl\u00fccklich zu sein, arrangiert man sich als homo politicus (sozial eingebundener Mensch) mit den anderen Menschen, um m\u00f6glichst viel Gl\u00fcck erreichen zu k\u00f6nnen. Gl\u00fccklich ist ein tugendhaftes Leben &#8211; aber ein Leben, in dem die Tugend nicht erzwungen ist, sondern Freude macht. Zum Beispiel: Ein Mangel an Tugend ist die Z\u00fcgellosigkeit &#8211; ein erzwungenes \u00dcberma\u00df ist die Gef\u00fchllosigkeit &#8211; die goldene Mitte ist die Besonnenheit. Die Tugenden gelten nicht um der Tugenden willen, sondern sie m\u00fcssen sich im Zusammenleben bew\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird deutlich, dass es hier nicht mehr allein um die Frage des Rechts\/Gesetzes geht &#8211; und das wird bei dem vierten gro\u00dfen Denker\u00a0<em><strong>Epikur<\/strong><\/em>\u00a0(341-271\/0) vollends deutlich: Lust ist Ziel des gelungenen Lebens. Epikur wurde lange missverstanden &#8211; aber in der Auseinandersetzung mit ihm ist die Philosophie doch weitergekommen. Es geht Epikur nicht um Sex, um Vergn\u00fcgen &#8211; sondern um: Seelenruhe, Lust der Seele. Und diese Seelenruhe wird durch viele \u00c4ngste gest\u00f6rt. Was bringt Lebensgl\u00fcck? Die \u00c4ngste auszuschalten. Wie macht man das? Indem man sie rational durchdringt: Schmerzen sind auszuhalten &#8211; also muss man keine Angst vor ihnen haben; wenn man tot ist, sp\u00fcrt man nichts mehr &#8211; warum dann Angst vor dem Tod? G\u00f6tter strafen nicht &#8211; also ist Angst vor Strafen der G\u00f6tter (Schicksal) unbegr\u00fcndet; warum Angst vor Verlust? Alles was man zum Leben ben\u00f6tigt ist doch recht wenig. Bei ihm kommt also st\u00e4rker das Individuum in den Blick, sein gutes Leben, das allerdings auch ein Leben in zu gestaltenden Beziehungen ist, weil das Zusammenleben f\u00fcr das Gl\u00fcck des Individuums relevant ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hand wird voll: der f\u00fcnfte gro\u00dfe Denker &#8211; der zumindest durch seine Sch\u00fcler gro\u00dfen Einfluss bekommen hat &#8211; ist\u00a0<em><strong>Zenon von Kition<\/strong><\/em>\u00a0(333\/2-262\/1). Die von ihm ausgehende Gruppe ist die der\u00a0<strong><em>Stoa<\/em>\/<\/strong><em><strong>Stoiker<\/strong><\/em>,\u00a0die auch die fr\u00fchen christlichen Denker intensiv beeinflusste: Die Vernunft muss lernen, sich dem Grundprinzip der Welt &#8211; der Vernunft, der Ordnung,\u00a0<em>Zeus<\/em>\u00a0genannt &#8211; anzupassen, sich in sie eingliedern mit dem Ziel, sich zu vervollkommnen, indem man diese Anpassung immer st\u00e4rker beherrscht. Und je mehr man diese Vervollkommnung erreicht hat, desto gelassener wird man. Und wesentlich: das gilt f\u00fcr alle Menschen, das gilt nicht nur f\u00fcr die Elite (vgl. Epikur), das gilt den Sklaven wie den Herren, den Philosophen wie den H\u00e4ndlern &#8211; jeder hat Teil an dieser Weltordnung. Diese Sicht hat viele weitere einflussreiche Menschen beeinflusst:\u00a0<em>Seneca<\/em>,\u00a0<em>Epiktet, Mark Aurel<\/em>\u00a0(auch wenn Mark Aurel aus politischen Gr\u00fcnden rang: Wie k\u00f6nnen die Prinzipien in der &#8222;unvollkommenen&#8220; Welt durchgesetzt werden? Aber aus politischen Gr\u00fcnden hat er auch schlechte Entscheidungen getroffen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit diesen f\u00fcnf Denkern ist die allgemeine Richtung f\u00fcr sp\u00e4tere Zeiten vorgegeben. Der Weg ist die Vernunft \u2013 aber dieser Weg gabelt sich in zwei Denkrichtungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>gibt es eine metaphysische (\u00fcber den Menschen hinausgehende) Grundidee (<strong>Platon<\/strong>), ein kosmisches Grundprinzip&nbsp;<strong>(Stoa)<\/strong>, das die Ethik pr\u00e4gt, vorgibt? \u2013 Diesem Gedanken folgen sp\u00e4tere Christen bis in die Gegenwart hinein;<\/li>\n\n\n\n<li>muss die Ethik eher innerweltlich, aus der Natur des Menschen heraus erkl\u00e4rt werden (<strong>Aristoteles, Epikur<\/strong>)? Diesem Gedanken folgen vor allem s\u00e4kulare neuzeitliche Denker, die das religi\u00f6se Element st\u00e4rker ausklammern.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit waren die Grundsteine gelegt, es waren aber noch nicht alle Fragen beantwortet. So hat zum Beispiel <em><strong>Augustin<\/strong><\/em>\u00a0(354-430) gesehen, dass der Mensch in seiner Natur in der Ordnung der Welt eingebunden ist, dass sie sogar vorherbestimmt ist, dass er aber einen eigenen Willen hat und sich dem Willen Gottes anpassen kann <strong>&#8211;<\/strong> mit den Stoikern. Aber im Gegensatz zu den Stoikern erkannte er: Der Mensch ist so sehr durch die S\u00fcnde gest\u00f6rt, dass er auf Gottes Gnade angewiesen ist. Und dieser gn\u00e4dige Wille Gottes &#8211; nennen wir es Grundprinzip &#8211; ist die Liebe und nicht die kalte stoische Vernunft\/Ordnung. Es wird deutlich, dass hier unterschiedliche Traditionen miteinander verschmelzen: griechische Philosophie, Altes Testament, Lehre Jesu Christi, die Briefe des Apostels Paulus. Anders als bei den griechischen Philosophen steht auch ein wichtiger j\u00fcdisch-christlicher Aspekt im Vordergrund:\u00a0Nicht der Verstand erarbeitet sich das G\u00f6ttliche &#8211; sondern Gott offenbart seinen Willen, der mit dem durch Gottes Gnade ver\u00e4nderten Verstand nachzuvollziehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit diesem jahrhundertealten Denkwegen ergeben sich wichtige Fragen, die die Ethik bis heute umtreiben:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das Menschenbild: Ist der Mensch von Natur aus b\u00f6se oder gut &#8211; oder ein unbeschriebenes Blatt, das erst gut\/b\u00f6se wird?<\/li>\n\n\n\n<li>Ist der Mensch in seinen moralischen Entscheidungen wirklich frei, oder ist er abh\u00e4ngig von einem Gott \/ von dem Schicksal \/ von der Gesellschaft \/ von den biologischen Bedingungen \/ von der Umwelt?<\/li>\n\n\n\n<li>Woher nimmt der Mensch die Verhaltensregeln: aus der Natur, aus der Tradition? Geben sie ihm vor, wie er sich zu verhalten hat? Bestimmt das Sein das Sollen \u2013 oder das Sollen das Sein?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-e95cbf39252fb9b3706f1c4e4b131f9a wp-block-paragraph\" style=\"color:#e91010\">Aufgabe 2: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-5503ee44709fef0467b623b8412b0384 wp-block-paragraph\" style=\"color:#e91010\">a) Lies die Bergpredigt Matth\u00e4us 5-7 \u2013 vor allem Kapitel 5. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-9ffd3d576f8ca55d9e7e7b47df0db24e wp-block-paragraph\" style=\"color:#e91010\">b) Wie geht Jesus mit dem traditionellen Recht um?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-medium-font-size\">2.3&nbsp;<strong>Ein paar Hinweise zum Recht in Nordeuropa des Mittelalters<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Nordeuropa herrschte im Wesentlichen Gewohnheitsrecht bzw. Stammesrecht. Diese wurden dann verarbeitet in Landesrecht mit jeweiligen Sonderrechten (z.B. Hofrecht, Stadtrecht). Im 13. Jahrhundert trugen Rechtsb\u00fccher (dazu auch das Corpus Iuris Civilis) dazu bei, dass das Recht in Mitteleuropa angeglichen wurde. Erst ab dem 13. Jahrhundert wurde an Universit\u00e4ten r\u00f6misches und Kanonisches Recht (Kirchenrecht) gelehrt und Experten f\u00fcr das Recht\/Juristen haben immer st\u00e4rkere Bedeutung bekommen. Das kirchliche Recht hat in manchen Bereichen das weltliche Recht beeinflusst (z.B. Eherecht).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Internet ist viel Altes zu dem Thema zu finden. Viele, vor allem antikirchliche Seiten, zeigen, dass die Kirche eine sehr gro\u00dfe Dominanz hatte. Aber neue Forschung sieht das differenzierter. Die veralteten Theorien verwechseln altes Recht mit Kirchenrecht und schieben alle Grausamkeiten, bis hin zu Hexenverfolgungen, Gottesurteilen usw. dem Kirchenrecht zu. Das h\u00e4ngt damit zusammen, dass die Kirche heute noch existent ist, somit kann man sozusagen leichter Schuldige finden. Anstatt zu sagen: Der Landesherr XY, die Juristen XYZ, die Stadt X und die Stadt Y \u2013 sagen sie: &#8222;die Kirche&#8220;. Dieses undifferenzierte Denken ist heute nicht mehr haltbar, aber nat\u00fcrlich leichter zu vermitteln. Zudem muss weltliches Recht vom kirchlichen Recht unterschieden werden. Mancherorts haben Kirchen kirchlich geurteilt, dann aber den Verurteilten dem Staat \u00fcbergeben, und der Staat hat dann selbst noch einmal Untersuchungen durchgef\u00fchrt und eigene Urteile gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Beispiel sei das &#8222;Gottesurteil&#8220; genannt: Es ist uralt und war schon vorchristlich im Alten Orient verbreitet, es wurde von germanischen St\u00e4mmen ebenso praktiziert. Mit der Christianisierung wurde das traditionelle &#8222;Gottesurteil&#8220; einfach mit dem christlichen Gott in Verbindung gebracht. Erst entschieden die G\u00f6tter \u2013 dann eben Gott. Es war eine Rechtsform, die heute nicht anerkannt wird, aber eben in der damaligen Zeit anerkannt war, weil die Gesellschaften vielfach keine M\u00f6glichkeiten hatten, Schuldige von Unschuldigen zu trennen, wie man sie heute hat (z.B. Fingerabdr\u00fccke). Aber: Schon aus christlicher Perspektive wurden Gottesurteile aus christlichen Gr\u00fcnden abgelehnt (<strong><em>Agobard von Lyon<\/em><\/strong>: 9. Jh.) oder mildere Formen propagiert (Kreuzordal: Wessen erhobene H\u00e4nde zuerst vor dem Kreuz sanken, war schuldig \u2013 also psychische Form),\u00a0w\u00e4hrend andere Christen sie aufgrund der Tradition unhinterfragt akzeptierten. Gottesurteile verschwanden im 13. Jahrhundert, weil das\u00a0<em><strong>IV. Laterankonzil<\/strong><\/em>\u00a0der Kirche Priestern verboten hatte, daran teilzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schwerer zu beurteilen ist folgender Aspekt: Menschen wurden vom Staat hingerichtet, weil man f\u00fcrchtete, Gott w\u00fcrde die Gemeinschaft strafen, wenn man S\u00fcnder duldete. Dieses Denken finden wir auch im Alten Testament und ebenso in anderen Gesellschaften. Von daher hat der Staat religi\u00f6s begr\u00fcndend verurteilt, ohne kirchliches Recht anzuwenden. An dieser Stelle muss ich jedoch sagen, dass ich den Stand der neusten Forschung nicht kenne.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-medium-font-size\">2.4&nbsp;<strong>Was hat Ethik mit Recht zu tun?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ethische Diskussionen f\u00fchren vielfach dazu, rechtlich verbindliche Regeln zu erstellen. Dazu ein paar Begriffe:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:16px\">1. <em>Naturrecht<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verhalten des Menschen ist von der \u201eNatur\u201c her vorgegeben. Christlich gesprochen: Gott ist der Sch\u00f6pfer. Sein Geist wirkt in der Welt als Erhalter. Als solcher hat er in den Menschen allgemein verbindliche Verhaltensweisen \u201eangelegt\u201c. Das bedeutet aber nicht, dass Natur 1:1 auf den Menschen \u00fcbertragbar w\u00e4re, der Ma\u00dfstab f\u00fcr das Naturrecht ist die Vernunft, die Gott dem Menschen geschenkt hat. Die Bibel best\u00e4tigt, korrigiert und erg\u00e4nzt die Erkenntnisse der Vernunft. Der Verstand, der den Menschen gegeben wurde, l\u00e4sst Menschen aller Kulturen erkennen, was richtig und Recht ist. Nat\u00fcrlich kann der s\u00fcndige Mensch das Naturrecht ignorieren. Weil es Naturrecht ist, l\u00e4sst es sich aber nicht dauerhaft zum Schweigen bringen, sondern wird immer wieder erkannt, entdeckt. Die Frage ist zum Beispiel die der Menschenrechte: Wenn sie weltweit g\u00fcltig sind (nicht nur eine Folge j\u00fcdisch-christlicher Religion, intensiviert und rechtlich geregelt durch Humanismus und Aufkl\u00e4rung), dann gelten sie auch \u00fcberall und sprechen \u00fcberall auf der Welt Menschen an. Wenn sie jedoch als nicht allgemein g\u00fcltig angesehen werden, gelten sie auch nur dort, wo sie akzeptiert werden. (An dieser Stelle sei noch darauf hingewiesen, dass die katholische Lehre st\u00e4rker die F\u00e4higkeit der Vernunft betont, die evangelische Lehre st\u00e4rker den s\u00fcndigen Menschen, dessen Vernunft von der Gottesoffenbarung abh\u00e4ngig ist.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:16px\">2. <em>Das Gewissen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(a) In dieser Hinsicht ist auch vom \u201e<em>Gewissen<\/em>\u201c zu reden Rede. Vorchristlich wird das Gewissen als ein g\u00f6ttliches Prinzip (Seneca, ep. morales 41 [1. Jh. n.Chr.]) angesehen. Das Gewissen ist f\u00fcr Christen die Stimme Gottes in uns Menschen. Dass der Mensch dem Gewissen verpflichtet ist, betonte\u00a0<em><strong>Thomas von Aquin<\/strong><\/em>\u00a0[13. Jh.]. F\u00fcr ihn war das Gewissen eng mit der Vernunft verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(b) In der Neuzeit wird das Gewissen zunehmend von Gott gel\u00f6st: Es wird zu dem den autonomen Menschen einwohnenden Richter <strong><strong><em>Kant<\/em><\/strong>\u00a0[18.\/19. Jh.]<\/strong>. Das Gewissen ist dann wohl auch durch\u00a0Kant in der s\u00e4kularen Gegenwart so relevant geworden, dass die Gewissensfreiheit im Grundgesetz (4,1) Eingang gefunden hat. (Freilich waren weitere traditionelle Errungenschaften f\u00fcr die Betonung des Gewissens im Grundgesetz relevant: Luther beruft sich auf dem Reichstag zu Worms auf sein Gewissen, die Verfolgungen christlicher Minderheiten, die an ihrem Gewissen gegen die Mehrheiten festhielten, die Konfessionskriege im 17. Jahrhundert wie die Aufkl\u00e4rung und der Liberalismus; ebenso waren die Erfahrungen mit den totalit\u00e4ren, kollektivistischen Systemen des Faschismus, Nationalsozialismus, Sozialismus wichtig, um das individuelle Gewissen im Grundgesetz zu betonen.) Da die Beweggr\u00fcnde des Gewissens individuell sind, lassen sie sich nur bis zu einem gewissen Grad argumentativ vermittelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(c) Das Problem in der Gegenwart: Der Staat sch\u00fctzt die Gewissensentscheidungen, doch sobald ein Sachverhalt durch demokratische Mehrheitsentscheidungen zum Gesetz erhoben wird, fordert das System die Unterordnung des Einzelnen unter das geltende Recht. Wenn ein Parlament zu rigoros ist, kann das zu massiven Spannungen innerhalb einer Gesellschaft f\u00fchren. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(d) Die Profanisierung des Gewissens ist weiter gegangen und fand seinen Vertreter in dem Psychiater&nbsp;<strong><em>Freud<\/em><\/strong>&nbsp;[19.\/20. Jh.]: Das durch Erziehung und Gesellschaft entstandene Gewissen muss durch den (weitgehend) autonomen Verstand diszipliniert werden. Das bedeutet: Das Gewissen ist Folge der Sozialisation. Die Frage ist aber heute, ob das Gewissen bzw. ob die M\u00f6glichkeit der Ausbildung eines Gewissens auch &#8222;angeboren&#8220; sein kann. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(e) Das \u201eschlechte Gewissen\u201c spielt im Christentum auch eine Rolle. Das schlechte Gewissen kommt, wenn der Mensch gegen die Stimme Gottes in sich handelt. Gott kann das Gewissen des Glaubenden wieder heilen und er f\u00fchrt dann ein Leben so, dass das Gewissen aus der Bindung an Gott frei ist. Es wird unterschieden zwischen dem Gewissen, das den Menschen nach einer Tat plagen kann &#8211; das kann Gott allein heilen; und dem Gewissen, das den Menschen vor einer Tat an der Ausf\u00fchrung hindern, davor warnen kann. Wenn der Mensch (aus Gott heraus) in der \u00dcbereinstimmung mit seinem Gewissen lebt, ist er mit sich selbst \u201cim Reinen\u201c. Allerdings kann der schuldige Mensch auch sein Gewissen beruhigen, l\u00e4hmen, zum Schweigen bringen. Aus christlicher Sicht jedoch: Gott bringt immer wieder das Gewissen in Unruhe\/Unfrieden, damit der Mensch \u201eumkehrt\u201c zu Gott, sein Leben \u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(f) Auch eine Mehrheits-Demokratie muss das individuelle Gewissen sch\u00fctzen. Wenn es nicht gesch\u00fctzt wird, wenn eine totale Unterwerfung gefordert wird, so zeigen es nationalsozialistische und kommunistische Staaten, herrscht Tyrannei &#8211; auch Tyrannei der Mehrheit. Gleichzeitig w\u00fcrde aber ein Staat in Chaos versinken, vor allem dann, wenn eine Gesellschaft sehr heterogen ist, wenn jeder und jede nur das tun, was sie wollen. Das Recht darf also nicht nur dem pers\u00f6nlichen Gewissen untergeordnet werden. Es ist also eine Waage zu halten: Es muss Ausnahmeregelungen geben, friedlicher ziviler Ungehorsam muss erm\u00f6glicht werden, Minderheiten m\u00fcssen gesch\u00fctzt werden &#8211; und es muss ein Klagerecht geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:16px\">3. <em>Positives Recht\/Rechtspositivismus<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese \u00dcberlegungen betonen, dass nicht das Naturrecht relevant ist, sondern das Recht ist von Menschen gemacht. Von daher sind rechtliche Festsetzungen immer in einem reglementierten Verfahren zu diskutieren und neu festzulegen. Darum kann es auch vorkommen, dass rechtlich etwas festgelegt wird, was moralisch fragw\u00fcrdig ist. Richter m\u00fcssen nach dem Gesetz richten &#8211; auch wenn es nicht (moralisch gesehen) gerecht sein kann. Allerdings hat sich nach den Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus die Radbruchsche Formel st\u00e4rker durchgesetzt, laut der das Recht der Gerechtigkeit weichen muss, wenn das Gesetz unrecht ist. Das hei\u00dft, dass sich niemand auf unmenschliche Gesetze in seiner Handlung berufen darf. Es geht zudem nicht um Naturrecht, sondern: Moral ist Ausdruck des sozialen Umgangs von Menschen miteinander. Das Recht trennt sich von Moral bzw. rationalisiert und formalisiert Moral, um Rechtssicherheit zu schaffen, um in der Gesellschaft nicht st\u00e4ndig \u00fcber gut\/schlecht  diskutieren zu m\u00fcssen. (Dazu s. 2.4.2.c.: Spannung zwischen Gewissen\/individueller Moral und staatlichem Verfahren.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:16px\">4. <em>Rechtssicherheit<\/em> <em>und Rechtsfrieden<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rechtssicherheit ist wichtig: Menschen m\u00fcssen wissen, wie sie sich verhalten sollen und welche Konsequenzen Normverst\u00f6\u00dfe, Verbrechen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Streben nach einer solchen Rechts-Ordnung ist alt: Dazu finden wir im Alten Testament eine ganze Menge Gebote. Das hei\u00dft, das Recht wurde kodifiziert, es wurde aufgeschrieben. Das Aufschreiben von Gesetzen f\u00fchrt zu gr\u00f6\u00dferer Verbindlichkeit. Die Kodifizierung des Rechts war den R\u00f6mern auch wichtig. Als das Christentum in den r\u00f6mischen Raum \u00fcberging, hat es alttestamentliche Traditionen und Traditionen des r\u00f6mischen Rechts \u00fcbernommen. Kaiser Justinian I. hat, wie gesehen, im 6. Jahrhundert eine Rechtssammlung erstellen lassen, die bis in die Gegenwart Auswirkungen hat (Corpus Iuris Civilis). Aber dennoch war im Mittelalter eine fl\u00e4chendeckende Durchsetzung des Rechts nicht m\u00f6glich. Vielfach herrschte Rechtlosigkeit, Willk\u00fcr, das Recht des M\u00e4chtigen. Von daher wurde die Rechtssammlung des <strong>Bischof Burchard von Worms<\/strong> 1008-1012 wichtig, in der zum Beispiel Mann und Frau, Juden und Christen weitgehend gleichgestellt wurden, weil sie Ebenbilder Gottes seien. Sein Dekret wurde weit verbreitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inzwischen gilt deutschlandweit dasselbe Bundesrecht, an dem sich alle auszurichten haben bzw. das die verbindliche Grundlage f\u00fcr Staatsanwaltschaften und Richter sein soll. Bis in die Gegenwart ist das Thema Rechtssicherheit relevant. Wenn st\u00e4ndig Gesetze ge\u00e4ndert werden, wei\u00df der B\u00fcrger nicht mehr, was eigentlich gilt, bzw. er hat sich vor ein paar Wochen laut Gesetz richtig verhalten, wenige Wochen sp\u00e4ter wird er f\u00fcr sein inzwischen &#8222;ungesetzliches Verhalten&#8220; bestraft, wenn das neue Gesetz r\u00fcckwirkend gilt. Aber das ist ein Grundpfeiler des Rechtsstaates: Es gibt keine Strafe ohne Gesetz (Grundgesetz Art. 103).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rechtsfrieden kann gest\u00f6rt werden, wenn Gesetze beschlossen werden, die mit der moralischen und weltanschaulichen Sicht eines gro\u00dfen Teiles der Bev\u00f6lkerung nicht \u00fcbereinstimmen. Das Vertrauen in den Staat und die Justiz kann verloren gehen. Das hei\u00dft, dass Rechtssicherheit dann besteht, wenn das Recht einen m\u00f6glichst hohen gesellschaftlichen Konsens widerspiegelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-73233d3b0e8b166c5e0db060675fe578 wp-block-paragraph\" style=\"color:#d30707\">Aufgabe 3:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-0eb97d63883a552388b14b950fda68f7 wp-block-paragraph\" style=\"color:#d30707\">a) Wie beurteilst Du das Verh\u00e4ltnis zwischen dem individuellen Gewissen und dem demokratischen Mehrheitssystem?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-18e7bfa7d602a41446109ec8d2833359 wp-block-paragraph\" style=\"color:#d30707\">b) Suche konkrete Beispiele (ein Tipp: d\u00fcrfen \u00c4rzte und Krankenschwestern gezwungen werden, Ungeborene abzutreiben?)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-3d2dcb2dc861aae01be2ad8b1935fd74 wp-block-paragraph\" style=\"color:#d30707\">c) Kannst Du Beispiele in der Gegenwart erkennen, in der Rechtsunsicherheit herrscht, in der der Rechtsfrieden gest\u00f6rt ist?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-e97fe1cbafb9dbc3a5f10f7155501998 wp-block-paragraph\" style=\"color:#d30707\">d) Das Grundgesetz ist Folge einer ziemlich einheitlichen Gesellschaft. Die Menschen lebten in der christlichen Tradition, hatten Aufkl\u00e4rung und Liberalismus erlebt (das wird &#8222;Wertehomogenit\u00e4t&#8220; genannt) &#8211; und hatten erlebt, wie der Nationalsozialismus traditionelle Werte mit F\u00fc\u00dfen getreten hat. Versuche differenziert zu argumentieren, auch unter Zuhilfenahme von konkreten Beispielen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-9170aec942fd0be48ec05ba3188bc50f\" style=\"color:#d61212\">Wenn Menschen anderer Kulturen mit anderen Traditionen in unser Land kommen, haben sie sich dem deutschen Gesetz unterzuordnen? <\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-601c9f86d222c27174790d0d9e7ea652\" style=\"color:#d61212\">Oder haben sie das Recht, ein Parallelgesetz \/ Parallelstrukturen zu errichten? (Das wird &#8222;Rechtspluralismus&#8220; genannt.) <\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-4f6dbdef32ec4e27cb486a4f10a239f0\" style=\"color:#d61212\">Oder haben sie das Recht, aus ihrer Sicht zivilen Ungehorsam zu leisten, um das Rechtssystem, in das sie eingewandert sind, zu ver\u00e4ndern?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-4b4152c645c4c2baf96c630b8577e05f wp-block-paragraph\" style=\"color:#d20c0c\">(e) Kannst Du Dir vorstellen, dass die Bedeutung des Gewissens nicht in allen Kulturen so ausgepr\u00e4gt ist wie in unserem bzw. auch in unserer Kultur Ver\u00e4nderungen unterworfen sein kann?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-medium-font-size\">3<em>.&nbsp;<strong>Einfluss des christlichen Glaubens auf das Recht<\/strong><\/em><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grundlegend hatte der christliche Glaube Einfluss auf das Rechtssystem. Mit dem Christentum kam ein neuer Ansatz auf: Recht wird nicht mehr allein definiert durch Aufrechterhaltung der Ordnung. Recht wird mit Gerechtigkeit zusammengef\u00fchrt, das hei\u00dft, es wird versucht auch dem Individuum gerecht zu werden. Wissend, dass immer nur eine Ann\u00e4herung stattfinden kann. Zudem war nicht allein die Tat relevant, sondern auch die Gesinnung, das hei\u00dft, dass das Recht verinnerlicht wird. Die Gesinnung muss der Einzelne \u00fcberpr\u00fcfen, um vor Gott zu bestehen. Das f\u00fchrte dazu, dass Menschen sich nicht erst schuldig f\u00fchlten, wenn sie eine b\u00f6se Tat begangen hatten, sondern schon dann, wenn sie an eine solche dachten (vgl. <strong>Jesus Christus<\/strong>: Bergpredigt). (Das widersprach dem r\u00f6mischen Recht.) Wenn einer b\u00f6se Gedanken hatte, tat er Bu\u00dfe; durch eine Bu\u00dfhandlung wurde vergeben und er konnte dadurch auf l\u00e4ngere Sicht zu einem im Sinne Gottes ver\u00e4nderter Mensch werden. Es sei angemerkt, dass die evangelische Sicht eine andere ist: Nicht durch Bu\u00dftaten wird der Mensch von der Schuld befreit, sondern durch Beichte und neue Unterordnung unter Gott. Es sind aber zwei unterschiedliche Zielsetzungen: die katholische Sicht will das Funktionieren der Gesellschaft f\u00f6rdern, die evangelische Sicht will das Verh\u00e4ltnis des Individuums zu Gott kl\u00e4ren. Zudem bedeutet das Gesagte, dass durch das Christentum das Recht mit Verantwortung des Einzelnen verbunden wurde. Und so wird heute gefragt: Wurde das Verbrechen aus Vorsatz, Fahrl\u00e4ssig, aus niederen Beweggr\u00fcnden begangen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der Apostel\u00a0<strong><em>Paulus<\/em><\/strong>\u00a0hat Wesentliches zu dem Rechtsverst\u00e4ndnis beigetragen. Es geht um das schon in der Philosophie formulierte\u00a0<em>Naturrecht<\/em>: Die menschliche Natur gibt Rechte vor. Und diese werden, so Paulus, mit der\u00a0<em>Vernunft<\/em>\u00a0erkannt und durch das<em>\u00a0Gewissen<\/em>\u00a0(R\u00f6merbrief 1,19f. und 2,15). Verbunden wird der Ansatz dann sp\u00e4ter mit der Sicht, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist. Und so erkennt die Vernunft, so folgerte man im Mittelalter, dass alle Menschen &#8211; auch die Heiden &#8211; weltweit wissen, was gut ist und was schlecht ist. Dieses von Gott bestimmte Naturrecht kann auch kein Gesetz, das welche Menschen und Menschengruppen auch immer erlassen, au\u00dfer Kraft setzen. Das hat zur Folge, dass unser Grundgesetz die B\u00fcrger sch\u00fctzen m\u00f6chte vor \u00dcbergriffen des Staates bzw. dem Missbrauch der Staatsgewalt. In der Moderne wurde dann von der Grundlage Gottebenbildlichkeit und des von Gott gegebenen Gewissens abgesehen. Es wird ohne Letztbegr\u00fcndung konstatiert: dass die menschliche Vernunft (die auch von Gott gel\u00f6st wird) vorgibt, was Recht ist.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kleiner \u201eschwerer\u201c Exkurs zu einer christlich-s\u00e4kularen Rechts-Diskussion<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage stellt sich aus s\u00e4kularer Sicht: Wenn zum Beispiel das Strafrecht in seiner Begr\u00fcndung christlich oder s\u00e4kular zum gleichen Ergebnis f\u00fchrt, ist die s\u00e4kulare Interpretation nur eine Folge der zeitlich voran gehenden christlichen Interpretation? Also: Streicht die s\u00e4kulare Interpretation einfach nur Gott &#8211; und setzt an seine Stelle die Vernunft welcher Art auch immer (praktisch, wissenschaftlich\u2026) ein? Nein. Damit gibt sich die s\u00e4kulare Interpretation nicht zufrieden. Sie sieht: Christliche und s\u00e4kulare Begr\u00fcndung haben eine gemeinsame Basis: das Recht. Und dieses wird dann christlich, s\u00e4kular und sonst wie begr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der logische Haken besteht darin, dass \u201eRecht\u201c keine abstrakte Idee ist. Es ist in den jeweiligen Kulturkreisen gewachsen. Auf diese Idee, dass das Recht allen Konkretionen vorangeht, kann man nur kommen, wenn man das in westlicher Kultur begr\u00fcndete Recht als Grundlage aller Kulturen ansieht, kurz gesagt: eurozentristisch an die Frage herangeht. Und das ist eine Art Metaphysik &#8211; statt<em>&nbsp;Gott&nbsp;<\/em>wird das&nbsp;<em>Recht&nbsp;<\/em>eingesetzt &#8211; das ist s\u00e4kular nicht zu begr\u00fcnden. Das ist freilich wieder religi\u00f6ser Begr\u00fcndung entnommen: Gott als Erhalter seiner Welt hat in den Kulturen eine \u201eRechts-Grundlage\u201c gelegt, die allerdings in den jeweiligen Kulturen erst entdeckt und gereinigt werden muss. Und das geschieht dann eben in unserer christlich begr\u00fcndeten westlichen Kultur, die auch r\u00f6misches Recht aus christlicher Perspektive rezipiert hat. Das kann der gegenw\u00e4rtige Mensch allerdings so nicht stehen lassen, und es wird s\u00e4kular eine neue Begr\u00fcndung gesucht. Der Mensch will alles selbst machen &#8211; ohne Gott. Aber \u00fcberraschend: Gott ist immer schon da.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-7df4958847359e06185062b341af424a wp-block-paragraph\" style=\"color:#c90f0f\">Aufgabe 4: <br><br>a) Recherchiere: Was ist das B\u00f6ckenf\u00f6rde-Diktum \/ -Dilemma?<br><br>b) Nicht das Recht ist die gemeinsame Basis, sondern der Versuch, mit Hilfe des Rechts Leid zu vermeiden. Und das ist allen Kulturen gleich. Von daher kann von der s\u00e4kularen Einstellung nicht als &#8222;Art Metaphysik&#8220; gesprochen werden. Aber stimmt das, dass Recht in allen Kulturen dazu dient, Leiden zu vermeiden? Dient es nicht auch dazu, Leiden bestimmter Menschengruppen rechtlich zu legitimieren? (Denke dabei an Frauenrechte.)<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Recht \u2013 Gerechtigkeit und Gott<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerecht ist Gott allein. Der Mensch ist ungerecht. Ma\u00dfstab ist der Bund, den Gott mit Israel geschlossen hat: Gott h\u00e4lt den Bund, der Mensch \u00fcbertritt den Bund. Zur Gerechtigkeit Gottes geh\u00f6rt es, den Bundesbruch zu ahnden. Der Mensch merkt, dass er nie vollst\u00e4ndig im Sinne Gottes handeln kann. Gott setzt Recht. Er gibt Gebote. Er zeigt, wie Menschen richtig miteinander umgehen, wenn sie sozial sind. Aber der Mensch verl\u00e4sst das Recht und wird a-sozial. Das geh\u00f6rt zum Menschen als S\u00fcnder dazu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kommt ein neuer Klang in die Fragestellung, die im Neuen Testament zur vollen Entfaltung kommt. Gott ist nicht nur gerecht und ahndet Bundesbruch. Gott ist auch gn\u00e4dig. Gott erl\u00e4sst Schuld. Gott rechtfertigt den Menschen, setzt ihn durch den Glauben an Jesus Christus in eine neue Beziehung zu Gott und zu den Menschen. Dadurch wird der Mensch nicht mehr nur einer, der an dem fixierten Recht und Gesetz gebunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Mensch kann nicht nur gerechtfertigt, sondern durch Gottes Geist auch sozial gerecht sein, kann Gerechtigkeit \u00fcben. In der Theologie wird das als Rechtfertigung und Heiligung bezeichnet. Diese Beziehung stiftende Gerechtigkeit wird in der Bergpredigt ausgesprochen. Die Gerechtigkeit der Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu wird von der Liebe bestimmt, darum von Vergebung, von Gemeinschaftswillen &#8211; also geradeso handelnd, wie Gott in Jesus Christus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz gesagt: Das fixierte Recht wird durch Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt, \u00fcberboten. Der Christ h\u00e4lt das Recht nicht mehr aus Angst vor Strafe ein, sondern aus freier Liebe zu Gott und dem N\u00e4chsten. Allerdings bringt diese Freiheit  Reibungspunkte dann mit sich, wenn der Christ in Kulturen oder unter weltanschaulichen Kreisen lebt, die seiner Sicht von Recht und Gesetz g\u00e4nzlich widersprechen. Jesus Christus wurde als Unruhestifter hingerichtet &#8211; der Christ, so hei\u00dft es schon in der Apostelgeschichte (5,29), muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Und das hat politische Sprengkraft, wenn der Staat die Gewissensfreiheit nicht sch\u00fctzt. Auch das haben Christen nach 1945 besonders herausgearbeitet (Stuttgarter Schuldbekenntnis; Dietrich Bonhoeffer und andere schon vor 1945). Sie erkannten, sie haben sich dem Unrechtsregime angepasst, anstatt ihre Werte zu leben. Staatliche Macht hat seine Grenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><strong>Aufgabe<\/strong> 5: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">a) Lies Markus 7,1-23 und 2,23-28 und 3,1-6 und 10,1-12: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">b) Wie geht Jesus in diesen rechtlichen Fragen mit traditionellem Recht um? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">c) Wie begr\u00fcndet er seine Sicht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Ein paar Anmerkungen vorweg: W\u00fcrde, Recht und Gerechtigkeit Recht und W\u00fcrde des Menschen h\u00e4ngen eng zusammen. 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