{"id":3162,"date":"2026-05-03T10:03:19","date_gmt":"2026-05-03T08:03:19","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=3162"},"modified":"2026-05-03T11:13:01","modified_gmt":"2026-05-03T09:13:01","slug":"frieden-krieg-4-ueberlegungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/frieden-krieg-4-ueberlegungen\/","title":{"rendered":"Frieden + Krieg 4: Feindesliebe"},"content":{"rendered":"\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Christen sollten zum Thema Feindesliebe den Mitb\u00fcrgern mehr sagen als: Liebet euren Feind \u2013 das hei\u00dft, sich nicht zu wehren. Als Christ, der angegriffen wird, kann man selbst \u00fcberlegen: Will ich mich wehren oder nicht. Aber haben wir das Recht dazu, anderen Vorschriften zu machen: Ihr d\u00fcrft Euch nicht wehren? Haben wir das Recht, unsere Mitb\u00fcrger zu M\u00e4uschen zu erziehen, die den Katzen ausgeliefert sind? Jesus hat kr\u00e4ftigen M\u00e4nnern, die sich wehren konnten, gelehrt, eine neue Gesinnung anzunehmen. Er selbst war als Zimmermann sicher auch nicht gerade ein schwacher Mann. Aber wenn wir in seinem Namen Menschen zur Schw\u00e4che erziehen, dann kann keine neue Gesinnung aufkommen, sondern nur der Hass eines, der aufgrund falscher Lehre zum Opfer geworden ist.<\/li>\n\n\n\n<li>Vielfach ist \u201cdie christliche Verk\u00fcndigung von Feindesliebe oberfl\u00e4chlich und naiv. Das darum, weil man eben keine Feinde kennt, die einem wirklich das Leben schwer machen. Wenn Feindesliebe rein romantisierend gel\u00f6st wird von der intelligenten Feindesliebe eines Jesus, Gandhi, Martin Luther King, dann ist sie ein naives Etwas. Wenn sie aber geboren wird in einer Zeit und angesichts gro\u00dfer Brutalit\u00e4ten und Ausgrenzungen, dann erst wird Feindesliebe zu dem, was sie ist: dem gro\u00dfen Beispiel. Aber ebenintelligente Feindesliebe (C.F.v. Weizs\u00e4cker). Intelligente Feindesliebe meditiert sich nicht quietistisch durchs Leben, sondern versucht unter gro\u00dfen Anfechtungen und unter Einsatz des eigenen Lebens einen Weg zu finden, dem Feind entgegenzutreten \u2013 und zwar wirksam entgegenzutreten. Seid klug wie die Schlangen \u2013 ohne Falsch wie Tauben, so der gro\u00dfe Lehrer und Initiator der Feindesliebe, Jesus Christus. Klug wie die Schlange, das hei\u00dft: Die Schlange ist immer ein sehr gef\u00fcrchtetes Tier, weil sie zum Teil unsichtbar zuschl\u00e4gt, weil sie in der Dunkelheit zuschl\u00e4gt. Meint Jesus das? Nein. Er nennt sie, weil sie rasch und flink ist, weil sie sich zu wehren wei\u00df, sich den Angreifer vom Leib halten kann, ihm neues zu Denken gibt, ihn verunsichert in seiner Brutalit\u00e4t, ihn in die Schranken weist. Ebenso soll die Feindesliebe sein. Nat\u00fcrlich nicht terroristisch psychisch und physisch t\u00f6dlich. Denn zur Klugheit der Schlange geh\u00f6rt \u201cohne Falschheit\u201d der Taube dazu. Aber zu \u201cohne Falschheit der Taube\u201d geh\u00f6rt auch unbedingt \u201cdie Klugheit der Schlange\u201d dazu. Alles andere w\u00e4re naiv und dem gro\u00dfen Lehrer Jesus Christus unangemessen.\u201d<\/li>\n\n\n\n<li>In einem Videoclip wird gezeigt, dass sich ca. 16j\u00e4hrige M\u00e4dchen miteinander unterhalten, umringt von anderen Jugendlichen, \u00fcberwiegend M\u00e4dchen. Alle haben ein Smartphone zum Fotografieren parat. Da schl\u00e4gt eine dem einen M\u00e4dchen auf die Wange. Und immer wieder kommt eine und schl\u00e4gt sie. Und diese steht einfach da und verzieht keine Miene. Man wei\u00df nicht, worum es geht, man sieht nur, wie sie immer wieder geschlagen wird und die Herumstehenden gr\u00f6len bzw. mehr Schl\u00e4ge fordern. Die Geschlagene weicht h\u00f6chstens ein wenig zur\u00fcck \u2013 eine eigenartige Situation. Da dachte ich mir: Wenn sie das aus Glauben tut, dann kann sie das verarbeiten\u2026 \u2013 wenn sie das nicht aus Glauben tut, sondern aus welchem Grund auch immer, dann ist sie eine, mit der die Gleichaltrigen bald tun und machen k\u00f6nnen, was sie wollen.<\/li>\n\n\n\n<li>Wenn Jesus die Feindesliebe lehrt, dann aus der Perspektive der St\u00e4rke \u2013 und nicht die Perspektive dessen, der mit sich alles tun lassen muss. Es ist aus der Perspektive des Vaters im Himmel, dem man zugeh\u00f6rt. Wenn dieses Vorzeichen fehlt, dann ist der Mensch wehrloses Opfer. Und das ist, was wir meistens vergessen. Wir sagen anderen, wie toll Jesus war, wie klasse es ist, den Feind zu lieben, wie vorbildhaft\u2026 \u2013 aber das ist kein kluger Vorschlag, wenn der Kontext des Glaubens fehlt. Wenn dieser n\u00e4mlich fehlt, dann liefert man den anderen irgendwelchen sadistischen Gruppen oder einzelnen aus. Und das d\u00fcrfen wir als Christen nicht.  Jesus Christus, Martin Luther King, Mahatma Gandhi \u2013 das waren Menschen, die aus St\u00e4rke den Weg der Feindesliebe gingen, die damit Macht aus\u00fcbten, die klug und auch gerissen waren, die wussten, wie man zum Ziel kommt, indem man zur\u00fcckweicht. Es geht um intelligente Feindesliebe. Die Evangelien zeigen, dass es \u2013 selbst dann, als es sich um die Gefangennahme und Hinrichtung Jesu ging \u2013 nicht um einfache naive Selbstaufgabe ging, sondern um ein Handeln in \u00dcbereinstimmung mit dem Willen Gottes, das hei\u00dft: Er handelte mit dem Ziel, Gottes Willen durchzusetzen. Und von daher steht er wie ein Fels in der wirren Brandung derer, die nach seiner Hinrichtung gieren.<\/li>\n\n\n\n<li>Wenn wir als Kirche Jugendlichen die Feindesliebe so allgemein einpflanzen ohne diese Glaubensbasis \u2013 tun wir an ihnen nicht Unrecht, wenn sie in die H\u00e4nde von Gewaltt\u00e4tern fallen und sie sich nicht wehren? Wir sollten auf keinen Fall die feige Feindesliebe lehren, die bequeme, die aus Angst alles mit sich machen l\u00e4sst. Diese meine ich bei so manchem Erwachsenen zu erkennen. Ich denke schon, dass es sich lohnt auch bei provozierenden Aussagen zu antworten. Viele wissen n\u00e4mlich nichts vom christlichen Glauben, weder von der Bibel \u2013 noch von christlicher Geschichte. Was sie wissen ist, der Christ soll seinen Feind lieben \u2013 und das hei\u00dft: bei allem klein beigeben. (Ob sie es selber tun oder nur von anderen fordern \u2013 mag ich nicht beurteilen.) Sie wissen: Jesus hat sich kreuzigen lassen und um Vergebung f\u00fcr seine Feinde gebetet. Aber sp\u00e4testens seit Gandhi und Martin Luther King sieht man, dass die Feindesliebe den Feind nicht in Ruhe l\u00e4sst, sondern ihn pisackt, ihn angeht, ihn \u00e4rgert \u2013 bis sich Wahrheit und Gerechtigkeit durchsetzen. Mit klein beigeben hat das nichts zu tun. Wenn Jesus klein beigegeben h\u00e4tte, w\u00e4re er auch nicht gekreuzigt worden. Den Feind zu lieben, hei\u00dft ja gerade auch, ihn f\u00fcr die Wahrheit zu \u00f6ffnen, sie ihm nicht zu verschweigen\u2026<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Feindesliebe hei\u00dft also nie, den einfachen Weg gehen, den bequemen, feigen Weg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-c3580e75e134e737a94b446cbfcb9536\" style=\"color:#e71212\">Aufgaben:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-d3ee1d300c5a5fb0e62cddf55028dba1\" style=\"color:#f41717\">Was sagst Du zu den vorangegangenen Aussagen mit Blick auf Feindesliebe und die Realisierung der Feindesliebe?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-9d4d696fbff61dd89f05c81b9c6e7465\" style=\"color:#f41717\">Was sagst Du zu dem folgenden Text?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>In den 80-90ern des 20. Jahrhunderts wurde dar\u00fcber diskutiert, ob es nicht besser sei, den b\u00fcrgerlichen Widerstand zu erh\u00f6hen, das hei\u00dft, wenn ein Land angreift, dass sich die B\u00fcrger einfach nicht unterkriegen lassen und zivilen Widerstand \u00fcben. Ich denke, dass das allein nat\u00fcrlich nicht geht, es wird auch eine starke bewaffnete Abwehr ben\u00f6tigt, aber ein solcher organisierter ziviler Widerstand \/ eine solche soziale-zivile Verteidigung d\u00fcrfte nicht zu untersch\u00e4tzen sein, die auch die Friedensforschung vertritt, die durch Gandhi und Martin Luther King Impulse bekommen hatte (vgl. z.B. Theodor Ebert). Es geht darum, dass eine Kontrolle des Landes durch einen fremden Staat unm\u00f6glich gemacht wird, durch Generalstreiks, zivilen Ungehorsam, Verweigerung der Kooperation. Was gut organisiert werden muss, denn diese Idee wird wahrscheinlich an den \u00dcberl\u00e4ufern scheitern, die sich von einer Kooperation mit den Besatzern Vorteile erhoffen. Von daher wurden zweigleisige Verteidigungsformen angedacht. Die genannte zusammen mit der des Milit\u00e4rs.\u00a0Eine grunds\u00e4tzlich neue Strategie d\u00fcrfte billiger sein als all die technischen Ger\u00e4te, die furchtbar schnell veralten, angesichts der rasanten Entwicklung von Drohnen. Geht zwar nicht so schnell \u2013 aber sollte zumindest wieder einmal intensiv durchdacht und auf unsere Zeiten hin \u00fcberpr\u00fcft werden.\u00a0Freilich darf die aggressive und brutale Realit\u00e4t von Besatzungsm\u00e4chten nicht aus den Augen verloren werden \u2013 was in den letzten Jahren zu stark geschah.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Feindesliebe hei\u00dft also nie, den einfachen Weg gehen, den bequemen, feigen Weg. Aufgaben: In den 80-90ern des 20. 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