{"id":307,"date":"2019-06-30T10:52:09","date_gmt":"2019-06-30T08:52:09","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=307"},"modified":"2020-07-20T15:56:12","modified_gmt":"2020-07-20T13:56:12","slug":"wirkt-gott-in-der-geschichte-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/wirkt-gott-in-der-geschichte-2\/","title":{"rendered":"Wirkt Gott in der Geschichte? 2"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">Gott und Geschichte<\/p>\n\n\n\n<p>Der j\u00fcdisch-christliche Glaube ist sehr stark mit Geschichte verkn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-text-align-center has-accent-color\"><strong>1. Altes Testament<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Ausl\u00f6ser dieses Glaubens, dass Gott in die Geschichte eingreift, war die Erfahrung von Israeliten, dass Gott sie aus der Sklaverei in \u00c4gypten befreit hat. Lange haben sie geklagt und auf Befreiung gehofft und darum gebetet. Und dann berief Gott den Moses (warum erst jetzt, das wird nicht gesagt) \u2013 st\u00e4rkte, half, begleitete ihn und das Volk. Diese Erfahrung, dass Gott der Befreier aus langer Notsituation ist, ist f\u00fcr weiteres Geschichtsdenken relevant. Aufgrund der langen Zeit des Klagens k\u00f6nnen auch die H\u00f6rer dieses Textes darauf schlie\u00dfen: Wir wissen nicht wann Gott eingreift \u2013 wir wissen aber, dass er es tut.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie auch immer historische Forschung das alles einordnet und herausarbeitet: Wichtig war dann, dass Gott in die Geschichte dadurch eingreift, dass er gegen feindliche Angriffe Menschen beruft, auch \u00e4u\u00dferst sonderbare Menschen, die dem Volk das Land immer st\u00e4rker \u00fcbereignete (Richterbuch). Gott erlaubte dem Volk sp\u00e4ter einen Herrscher zu haben, der das Volk leiten sollte. Neben den K\u00f6nigen gab es Priester und Propheten. Priester wirkten am Tempel, die gro\u00dfen Propheten wirkten eher oppositionell politisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Deuteronomisten sichteten wohl sp\u00e4testens mit der Babylonischen Gefangenschaft die gesamte israelitische&nbsp; Vergangenheit und erkannten in ihr Gottes Geschichtshandeln ganz deutlich: Gott hat Israel erw\u00e4hlt \u2013 er schloss mit dem Volk einen Vertrag. Wenn das Volk den Vertrag einh\u00e4lt, dann l\u00e4sst Gott es dem Volk gut gehen, wenn es den Vertrag bricht, dann l\u00e4sst er es disziplinieren. Diese Sicht hatten auch die Propheten und warnten vorneweg: Verhaltet euch vertragsgem\u00e4\u00df, wenn, dann wird es euch gut gehen, wenn nicht, werden euch fremde M\u00e4chte \u00fcberwinden und ihr m\u00fcsst f\u00fcr die Fehler der Herrscher, der Priester und euer eigenes asoziales Verhalten b\u00fc\u00dfen. Propheten waren von Gott \u00fcberw\u00e4ltigte und politisch sehr wachsame Menschen \u2013 und so realisierte sich das, was sie als Wort Gottes angek\u00fcndigt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem aus vielen Perspektiven sinnlosen Auf und Ab der Geschichte sehen die Glaubenden als Konstante: Gott. Und das schenkt Trost: Wenn es auch noch so schlimm aussieht, Gott wird eingreifen. Jedoch: Wann? Wir erkennen in den Psalmen viele Klagen dar\u00fcber, dass die Menschen nicht verstehen, dass Gott nicht eingegriffen hat \u2013 und sie vertrauen ihm, dass er in Zukunft eingreifen wird. Wir sehen hier die vielf\u00e4ltige Auseinandersetzung mit Gott, den wir Menschen nicht verstehen, den verborgenen Gott. Das betrifft sowohl das Volk insgesamt als auch das Individuum, dessen Klage dann im Hiob Buch literarisch verdeutlicht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nig David wird \u2013 obgleich er massive moralische Vergehen ver\u00fcbte \u2013 der ideale K\u00f6nig. Und so kommt die wunderbare Zukunft in den Blick, in der Gott einen Nachkommen Davids auf den Thron heben wird, der anders als viele Herrscher Recht und Gerechtigkeit bringen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Zukunftsvorstellungen sind nicht einheitlich, wie auch manche dieser Sichtweisen von Geschichte nicht einheitlich sind. Es handelt sich um Interpretationen der jeweiligen Gegenwart mit Blick auf die Zukunft. <strong>Die gegenw\u00e4rtige Geschichtsinterpretation soll die Zukunft pr\u00e4gen. <\/strong>Geschichte ist nicht ein einerlei ablaufendes Etwas, ein Etwas, das sich immer in Not und Leid wiederholt, sondern sie ist zielgerichtet \u2013 ausgerichtet auf Gottes gutes Ziel, das er mit dem Volk (und manche schauen auf die Menschheit insgesamt) hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses j\u00fcdische Geschichtsdenken unterscheidet sich von einem rein geistig gedachten Handeln einer Gottheit. Dieser Glauben gibt der Geschichte einen Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#f0d227\" class=\"has-text-color has-text-align-center\"><strong>2. Fr\u00fche christliche Gemeinde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Tradition lebte die fr\u00fche j\u00fcdische (judenchristliche) Gemeinde. Sie erkannte in Jesus Christus den Sohn Davids, der ewig auf dem Thron sitzen wird \u2013 aber in modifizierter Weise, als es alttestamentlich erwartet wurde \u2013 modifiziert im Sinne Jesu. <\/p>\n\n\n\n<p>In neutestamentlicher Zeit hat diese Sicht eine Modifizierung erfahren. Die Menschheit \u2013 nicht mehr allein Israel \u2013 geht auf eine Zukunft in Gerechtigkeit zu, in der Unrecht gerichtet und Gottes Liebe sich durchsetzen wird. Bis es aber soweit ist, sollen die Glaubenden sich von Gottes Geist leiten lassen und schon auf diese gute Herrschaft Gottes hinarbeiten \u2013 und zwar weltweit. Das bedeutet: <strong>Menschen machen Geschichte.<\/strong> Unbedeutende Menschen, indem sie sich gegen\u00fcber den Mitmenschen im Sinne Gottes verhalten. Eine <strong>Mitmachgeschichte<\/strong>: Der Mensch, der Jesus Christus folgt, soll sich so verhalten, wie es dem Glauben an Jesus Christus entspricht. Unbeachtete Menschen r\u00fcckten ins Zentrum: Man gab Hungernden, nahm ausgesetzte Kinder auf, man gr\u00fcndete Tafeln, half Witwen und Waisen, gr\u00fcndete dann sp\u00e4ter (2.\/3. Jahrhundert) Krankenh\u00e4user\u2026 (Dass es in dieser Geschichte auch viele Scharlatane gab, ist klar. Darum wurde im 2. Jh. auch die kirchliche Hierarchie entwickelt, um die Scharlatane zu isolieren. Ebenso wurde in der Zeit die Grundlage f\u00fcr den neutestamentlichen Kanon [Sammlung von Schriften] gelegt, um zu zeigen, welcher Ma\u00dfstab f\u00fcr Christen gilt.)<\/p>\n\n\n\n<p>Die alttestamentlich dominante Sicht ist also r\u00fcckblickend erschlossen worden: Das Volk erkennt: Gott hat uns geleitet, durch H\u00f6hen und Tiefen. Er hat Vertragsbruch geahndet, er hat Vertragserf\u00fcllung belohnt. Diese Sicht war dann sp\u00e4ter f\u00fcr die jeweilige Zeit Mahnung \u2013 handle nach Gottes Willen \u2013 und Trost \u2013 Gott ist der Herr auch dieser negativen Zeit, in der wir leben. In der neutestamentlichen Apokalypse des Johannes wird diese Sicht (unter Aufnahme zwischentestamentlicher j\u00fcdischer Literatur) dann auf die ganze Welt weiter ausgedehnt und modifiziert: Die christliche Gemeinde soll sich im Sinne Gottes standhaft verhalten \u2013 und sie wird von den Heiden massiv angegriffen und verfolgt (Verfolgung in der Zeit Domitians \u2013 ca. 95 n.Chr.) \u2013 aber Gott wird diesem Unrecht ein Ende bereiten. Der Apokalyptiker Johannes hat das mit Blick auf Naherwartung ausgesprochen: Gott wird bald alle Tr\u00e4nen abwischen. Auch Jesus war wie sein Lehrer Johannes von der Naherwartung \u00fcberzeugt: Bis Gott kommen wird, sollen die Nachfolgerinnen und Nachfolger sich schon so verhalten, wie Jesus es vorgelebt und gefordert hat. (Naherwartung \u2013 man wundert sich, dass die fr\u00fche Gemeinde diese Texte beibehalten hat, obgleich sie doch den Erfahrungen widersprochen haben. Die Evangelien usw.&nbsp;sind gepr\u00e4gt von der Erfahrung der Auferstehung Jesu Christi. Von daher waren solche Aussagen irrelevant. Es gab dann freilich viele Erkl\u00e4rungsversuche \u2013 aber die Auferstehungserfahrung strahlt so hell, dass auch diese \u00fcberstrahlt werden.)<\/p>\n\n\n\n<p>In den gesammelten Schriften des NT sehen wir zum Beispiel im Lukasevangelium, dass die alttestamentliche Sicht, die in den Kindheitsgeschichten ausgesprochen wird, christlich modifiziert wird: Jesus ist der Messias, aber er wird nicht die R\u00f6mer aus dem Land werfen, sondern er hat als Sohn Gottes ein anderes Konzept: Er regiert, er leitet die Seinen durch seinen Geist. Der nationale Glaube wird Internationalisiert. Es kommt&nbsp; nicht mehr darauf an, dass allein das Volk Gottes zu Gott zur\u00fcckfindet \u2013 die ganze Menschheit hat Anspruch darauf, die frohe Botschaft (das Evangelium) zu h\u00f6ren. Die Kinder Gottes m\u00fcssen unter Verfolgungen, Spott usw. leiden \u2013 aber das wird sie nicht klein kriegen, sie werden durchhalten\u2026 Leiden bedeutet nun nicht mehr, dass man von Gott bestraft wird, dass Gott einen allein gelassen hat. Verfolgungsleiden ist gerade ein Zeichen daf\u00fcr, dass man zu Gott geh\u00f6rt. Widerg\u00f6ttliche Menschen sind es, die den Glaubenden leiden zuf\u00fcgen. Hiermit werden auch alttestamentliche Ans\u00e4tze aufgegriffen, die vom leidenden Gerechten sprechen: Man ertr\u00e4gt das Leiden, das Menschen Gott zuf\u00fcgen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz gesagt: Alttestamentliche Erwartungen wurden durch das Jesus-Ereignis neu gedeutet, modifiziert aufgenommen. So wurde (nicht nur) f\u00fcr Lukas Jesus Christus das Zentrum der Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Deutlich ist, dass wir hier <strong>gedeutete Geschichte<\/strong> haben, eine Geschichte, die aus Glauben gedeutet wird. Es werden schlechte Zeiten eingeordnet \u2013 es werden gute Zeiten eingeordnet. Nun haben freilich auch damals nicht alle diese Sichtweise \u00fcbernommen, es hat sich Heidnisches gehalten \u2013 aber diese Sicht hat sich dann doch weitgehend durchgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>3.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konstante, die die Bibel durch die 500-1000 Jahre durchzieht: Gott ist der Herr der Geschichte. Wie er der Herr der Geschichte war, so wird er es auch sein. Doch er ist kein Herr der Geschichte, der alles minuti\u00f6s geplant hat und der Mensch nun seine Marionette ist. Gott ist Herr der Geschichte, der sie lenkt und weiterf\u00fchrt \u2013 aber sie ist auch Beziehungsgeschichte, das hei\u00dft, er l\u00e4sst den Menschen Freiheit. Und nur weil der Mensch frei ist, kann er verantwortungsvoll handeln, nur weil er frei ist, kann Gott ihm Gebote geben, an denen er sich ausrichten soll. Weil der Mensch frei ist, kann er auch gegen Gott handeln, gottloses Handeln (auch derer, die sich Gott zuordnen) bringt allen Menschen Not und Ungl\u00fcck. Wenn also keiner da ist, der in Gottes Sinn handelt, dann geht es in der Welt sehr schlimm zu, bis sich Menschen wieder motivieren lassen, im Sinne Gottes zu handeln und das \u00dcbel zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#6f00a3\" class=\"has-text-color has-text-align-center\"><strong>4. Gott lenkt alles &#8211; Gott lenkt nichts<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt zwei Extreme \u2013 bis in die Gegenwart: Gott lenkt alles. Und weil er alles lenkt, ist er f\u00fcr alles zust\u00e4ndig, auch f\u00fcr alles Leiden. Das andere Extrem: Gott lenkt nichts, der Mensch macht alles. Zwischen diesen beiden Extremen finden wir unterschiedliche Interpretationen. Aber: Glaubende wissen sich in all diesen M\u00f6glichkeiten bei Gott geborgen, weil er der Herr der Geschichte ist, wie auch immer. Und wenn sie ihn nicht wahrnehmen \u2013 dann begegnen wir den unterschiedlichen Erkl\u00e4rungsversuchen, die in den Abschnitten zur Theodizeefrage angesprochen werden. Diese Frage nach Gottes Handeln in der Geschichte bricht dann besonders intensiv auf \u2013 und das nicht erst in der Neuzeit, sondern schon in alttestamentlicher Zeit durch die gesamte Geschichte hindurch \u2013 wenn Menschen besonders brutal mit anderen Menschen umgehen. Parallel dazu: Diese Frage begegnet besonders intensiv, wenn es dem Individuum besonders schlecht geht. Katastrophen in der Menschheitsgeschichte wie in der Individualgeschichte lassen diese Frage nach Gottes Handeln gleicherma\u00dfen aufkommen. Geschichtsbedingte Theodizee und die Theodizee des Individuums f\u00fchren dazu, dass die jeweilige Zeit wie die jeweiligen Individuen nach Antworten suchen. Einmal aus der Beziehung zu Gott heraus \u2013 oder eben auch nicht. Man kommt zu allen Zeiten zu unterschiedlichen Antworten: W\u00e4hrend man nach 1945 in Deutschland meinte, man k\u00f6nne nach Auschwitz nicht mehr von Gott reden, meinte die Theologie der Befreiung aus der Perspektive des Leidens in S\u00fcdamerika heraus: Im Gegenteil: In Auschwitz muss man von Gott reden. Eben auch Bonhoeffer: Gerade in einer Welt, in der man sich von Gott verlassen f\u00fchlt (eine gott-lose Welt), muss man als Glaubender Gott lebend verk\u00fcnden, weil Gott selbst in eine gott-lose Welt gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#00a31a\" class=\"has-text-color has-text-align-center\"><strong>5. Interpretierte Geschichte: vom Optimismus zur Barbarei<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geschichte ist immer interpretierte Geschichte. Fakten sind meistens deutlicher vor Augen. Aber wie sind die Fakten einzuordnen? Das wird in der Geschichtswissenschaft vielfach diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Gegenwart gibt es freilich auch die Sicht, dass es keinen Gott gibt. Das bedeutet: Geschichte hat keine Konstante. A) Entweder: es \u00e4ndert sich nichts, es l\u00e4uft immer alles irgendwie gleich ab; freilich gibt es technische usw. \u00c4nderungen \u2013 aber der Mensch bleibt immer derselbe. B) Oder: Wir Menschen bekommen schon die wunderbare Welt hin, es wird immer besser, technische, medizinische usw. Fortschritte werden immer toller, ethisch wird der Mensch gehoben \u2013 vor allem unter Ausschaltung von St\u00f6rungen, die die Religionen und andere \u00dcbelt\u00e4ter verursachen; oder: Man manipuliert ihn \u2013 je nach M\u00f6glichkeiten und Macht der jeweiligen Gruppen, die ihre heile Welt vor Augen haben. C) Viele Variationen zwischen A und B.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus christlicher Perspektive ist zu sehen: Es wird immer besser \u2013 die (wahre) Gemeinde wird sich ausbreiten, ihre Sichtweise von einer guten Welt wird auch andere anstecken. Pessimismus ist nicht angesagt. Aber: Der Mensch wird es alleine nicht hinbekommen. Er wird immer wieder in seine aggressiven Muster zur\u00fcckfallen. Erst Gott wird die Menschheit zu dem f\u00fchren, wonach sie sich sehnt. Dazu geh\u00f6rt auch die \u00dcberwindung des Todes.<\/p>\n\n\n\n<p>Punkt B) zeigt \u00fcbrigens auch, wie wirkm\u00e4chtig unter anderem die biblische Sicht geworden ist, dass Geschichte auf eine gute Zukunft hinlaufen wird. Den s\u00e4kularen Fortschrittsoptimismus gab es schon h\u00e4ufig. So zum Beispiel vor dem ersten Weltkrieg \u2013 bis dann diese Sicht zusammenbrach. Den gab es mit Blick auf die Aufkl\u00e4rung, den Kommunismus, den Nationalsozialismus, dann mit Blick auf die Wissenschaft&#8230; Aber jedes Mal kam der Zusammenbruch, es sei nur an die Atombombe erinnert, die Zweifel an der Wissenschaft aufkommen lie\u00df (man beachte, dass Oppenheimer die Atombombe &#8222;Trinity&#8220; [Trinit\u00e4t] nannte, um zu zeigen: Der Mensch ist Gott, Herr \u00fcber Leben und Tod [so H.-P. D\u00fcrr]). Wir vergessen nur so schnell und denken immer: Mit uns f\u00e4ngt alles neu an, endlich kommt die neue (heute: digitale) Welt. Das ist auch wichtig, weil Menschen diesen Optimismus ben\u00f6tigen, um weiterzukommen. Bis sie dann wieder in die Barbarei zur\u00fcckfallen \u2013 und sich wieder zu neuem Optimismus aufrappeln. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#e77684\" class=\"has-text-color has-text-align-center\"><strong>6. Perspektive der Bibel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sieht man nicht, dass Gott keine Rolle spielt, sondern nur menschliche Interpretation? Gott spielt in der Interpretation durch die Menschen eine Rolle. Gott verhilft der Menschheit in dem Rahmen, wie sie es jeweils auffassen kann, zum Verst\u00e4ndnis von Geschichte. Von daher wird auch die Interpretation immer weiter gehen. Die (begrenzte) Vielfalt der Bibel lehrt uns, dass wir alles Starre, Verkrampfte abwerfen k\u00f6nnen und uns auf das einlassen k\u00f6nnen, was Gott uns jeweils zu unserer Zeit \u2013 unter Ber\u00fccksichtigung der Vergangenheit und besonders der Worte der Bibel \u2013 zeigt: Christen k\u00f6nnen in Zeiten des Optimismus vor Fehlentwicklungen warnen \u2013 und sie k\u00f6nnen in schlechten Zeiten dem Pessimismus dadurch begegnen, dass man auf Gott vertrauend Mitmenschen hilft. Wie wir es aus der Bibel durch den Geist Gottes gelernt haben und lernen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das alles kann man freilich nur sagen, wenn man von der Gr\u00f6\u00dfe \u201eGott\u201c ausgeht. Wenn man nicht von ihr ausgeht, dann ist alles in menschlicher kultureller Evolution eingebettet.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#24a8e0\" class=\"has-text-color has-text-align-center\"><strong>7. Geschichtsinterpretation in der jeweiligen Zeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wovor Christen sich aber scheuen sollten, ihre jeweilige Zeit als Zeit Gottes einzuordnen. Viele lassen sich einfach von Euphorien des jeweiligen Volkes und der Gruppen anstecken, sodass manches als Zeit Gottes interpretiert wird, das in den Untergang f\u00fchrt \u2013 schlicht und ergreifend, weil auch Christen verblendet sein k\u00f6nnen. Nicht zuletzt die Zeit unter dem Nationalsozialismus hat das gelehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie interpretieren wir unsere Geschichte heute? Ich tue es so: Wir sind dankbar, dass es vielen von uns in Mitteleuropa so gut geht \u2013 auch aufgrund dieser unserer christlichen Tradition. Aber: Dankbarkeit ist Arbeit f\u00fcr die Menschen, denen es nicht gut geht. Weltweit. Christen gestalten Geschichte eben durch diese soziale Arbeit. Bis die Geschichte durch Gott beendet werden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>(entnommen aus:&nbsp;<a href=\"https:\/\/glaubensdiskussion.wolfgangfenske.de\/sites\/18_02\/18_02_12_gott_und_geschichte-1.html\">https:\/\/glaubensdiskussion.wolfgangfenske.de\/sites\/18_02\/18_02_12_gott_und_geschichte-1.html&nbsp;<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30022\" class=\"has-text-color has-text-align-center\">8. Zu \u00fcberlegen:<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die alten Griechen und R\u00f6mer machten Menschen Geschichte. G\u00f6tter wurden integriert, aber die Macher waren Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Schreiber des Volkes Israel und die Propheten machen auch Menschen Geschichte, aber Gott funkte immer wieder herein, nahm, wenn es sein musste, das Heft selbst in die Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns heute sind die alten Heiden die Vorbilder: Mensch macht Geschichte. Wir haben auch als Christen Angst vor der alttestamentlichen Sicht. Warum? Sie wurde zu oft von falschen Propheten vereinnahmt, auch gut meinende Menschen irrten sich. Sie sahen Gott wirken, doch war er es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch das Problem war auch schon im Alten Testament: Wer deutet die Gegenwart richtig? Der Prophet Gottes oder der falsche Prophet? Die L\u00f6sung war, soweit ich sehe nie:  Gott macht keine Geschichte &#8211; da Menschen sich irren k\u00f6nnen. Die Frage ist: Wen hat Gott berufen, die Geschichte richtig zu deuten?<\/p>\n\n\n\n<p>Und so gab es auch zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus Christen, die die Zeit schon richtig gedeutet haben, gesehen haben, wo alles hinauslaufen wird. Sie wurden missachtet, weil man aus der Zeit heraus lieber den falschen Propheten nachlief. Und dann kam, was die wahren Propheten schon angesprochen hatten: Die wahre Niederlage. Eben, wie Heinrich Vogel sah: Gott l\u00e4sst sich nicht spotten. <\/p>\n\n\n\n<p>Und dann? Dann sagte man, das k\u00f6nne man so nicht sehen, das habe mit Gott nichts zu tun, lassen wir Gott aus dem Spiel der Geschichte, M\u00e4nner machen Geschichte und seit ein paar Jahren d\u00fcrfen auch Frauen mitspielen. Aber Gott? <\/p>\n\n\n\n<p>Und so machen M\u00e4nner und Frauen Geschichte. Und Glaubende sehen noch immer Gott in ihr wirken. Aber: Pssst, nicht weitersagen, man k\u00f6nnte sich blamieren.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott und Geschichte Der j\u00fcdisch-christliche Glaube ist sehr stark mit Geschichte verkn\u00fcpft. 1. Altes Testament Der Ausl\u00f6ser dieses Glaubens, dass Gott in die Geschichte eingreift, war die Erfahrung von Israeliten, dass Gott sie aus der Sklaverei in \u00c4gypten befreit hat. 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