{"id":295,"date":"2019-06-30T10:41:23","date_gmt":"2019-06-30T08:41:23","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=295"},"modified":"2026-04-27T09:12:00","modified_gmt":"2026-04-27T07:12:00","slug":"sexualethik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/sexualethik\/","title":{"rendered":"Sexualethik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">CHRISTLICHE SEXUAL-ETHIK<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30003\">Aufgaben:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-12e6983efacba78adacecb9a02c708c6\" style=\"color:#a30003\">Wie sollten Menschen \u2013 mit Blick auf ihre Sexualit\u00e4t \u2013 miteinander umgehen?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-38c12e2cbb486b74f743eea3d1b6236c\" style=\"color:#a30003\">Nenne Verhaltensweisen, von denen Du Dir w\u00fcnschst, dass sie f\u00fcr alle Menschen verbindlich sind?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-c8aa0926eae58557d3833c74612c6ecc\" style=\"color:#a30003\">Warum w\u00fcnschst Du Dir entsprechende Verhaltensweisen?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#a39d00\">*<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt nicht die eine christliche Sexual-Ethik. In den folgenden Abschnitten werden ein paar wesentliche Aspekte aus meiner Sicht genannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color\"><strong>1. Der Mensch kann seine Sexualit\u00e4t beherrschen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Mensch ist auch mit seiner Sexualit\u00e4t Teil der Natur. Aber er ist von seiner Sexualit\u00e4t nicht abh\u00e4ngig, sondern kann sie seinem Willen unterstellen. Das ist wesentlich f\u00fcr eine christliche Sexual-Ethik: Der Mensch muss nicht Sklave seiner Sexualit\u00e4t sein \u2013 so kann er zum Beispiel ein Leben ohne Sexual-Partner w\u00e4hlen, Zum Beispiel M\u00f6nche, Nonnen, Z\u00f6libat. Manche m\u00fcssen ohne einen Sexualpartner leben \u2013 kreisen aber gedanklich, k\u00f6rperlich immer um diesen \u201eVerlust\u201c; Christen k\u00f6nnen sich sagen: Ich muss nicht! \u2013 sie sind freier; sie k\u00f6nnen sagen: Ich muss nicht \u2013 wenn Gott mir keinen Partner geben will. Oder: ich muss nicht \u2013 wenn ich nicht will oder anders sexuell orientiert bin, als mein Glaube es f\u00fcr gut hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color\"><strong>2. Richtlinien zum richtigen Umgang mit der Sexualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Sexualit\u00e4t ist gepr\u00e4gt von den Traditionen, den Normen, in denen ein Mensch aufw\u00e4chst, weil in den Traditionen und Normen Erfahrungen von Menschen verankert sind. Der Vorteil eines Menschen ist, dass er Erfahrungen weitergeben kann, damit der andere Mensch nicht dieselben Irrt\u00fcmer begeht. Und so finden wir im Alten und Neuen Testament Erfahrungen, die zu ber\u00fccksichtigen sind. Wie ein Kind lernt: Pass auf, du verbrennst dir die Finger, wenn du die Platte anpackst \u2013 also zum Lernen der Gefahr die Platte nicht anpacken muss \u2013, so lehrt auch zum Beispiel Jesus, dass Ehepaare sich nicht scheiden lassen sollen. Dahinter stehen kollektive schmerzhafte Erfahrungen: Trennungen bedeuten Schmerz, Einsamkeit usw. Dahinter stecken auch vern\u00fcnftige \u00dcberlegungen, die aus Beobachtungen gefolgert werden. Nimmt man diese Warnung an, ist man der Gefahr entgangen. Nimmt man sie nicht an, muss man die Schmerzen ertragen \u2013 wie das Kind, das dennoch die Herdplatte ber\u00fchrt. Nun machen Menschen jedoch die Erfahrung, dass es manchmal besser ist, sich zu trennen \u2013 davon spricht zum Beispiel Paulus im 1. Korintherbrief im Kapitel 7. Das hei\u00dft: Aus neutestamentlicher Sicht wird der Mensch davor gewarnt, sich zu trennen \u2013 aber andererseits kann es manchmal f\u00fcr Menschen besser sein. Und diese Spannung zwischen der Warnung davor, sich zu trennen \u2013 und sich trennen, muss in \u00dcbernahme von Verantwortung geschehen, damit Leiden m\u00f6glichst gering bleibt. Also: Der Verstand muss eingesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die christliche Religion gibt Hilfen, Richtlinien \u2013 aber diese Richtlinien sind kein Gesetz, sondern Hilfestellungen, um verantwortlich, mit Verstand, zu handeln. Freilich ist der Mensch normalerweise so eingestellt, dass er meint, verantwortlich zu handeln, aber dann im Grunde nur seinem eigenen Drang nachgeht. Um das m\u00f6glichst zu vermeiden, geh\u00f6rt zu einem verantwortlichen Handeln unbedingt hinzu: Sich m\u00f6glichst eng an das zu halten, was im Neuen Testament angemahnt und in der Gemeinschaft der Gemeinde gelebt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wichtige christliche Richtlinie der Tradition gilt auch, nicht vor der Ehe miteinander Geschlechtsverkehr zu haben. Diese Tradition wird auch von Jugendlichen weltweit aufgegriffen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color\"><strong>3. Vom Sinn traditioneller rigoroser Vorgaben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Kirchen in der Vergangenheit h\u00e4ufig rigoroser, fordernder gehandelt haben, das h\u00e4ngt damit zusammen, dass sie aufgrund ihrer Dominanz in der Gesellschaft mit f\u00fcr das soziale Miteinander der Gesellschaft verantwortlich waren \u2013 und auch in der Tradition der V\u00f6lker, in die sie hinein kamen, standen. Mit Sexualit\u00e4t war (und ist) vielfach Leiden verbunden. Denn Frauen sollten nicht sexuell ausgenutzt werden \u2013 darum wandte man sich gegen vorehelichen Geschlechtsverkehr und Ehescheidung; Kinder sollten bei den Eltern aufwachsen k\u00f6nnen, nicht auf der Stra\u00dfe herumvagabundieren, Gefahren ausgesetzt sein, auch darum war man gegen Ehescheidung. Menschen sollten sich in der Partnerschaft sicher f\u00fchlen und nicht st\u00e4ndiger Friedlosigkeit ausgesetzt sein. Mit der Sexualit\u00e4t ist nicht wenig Gewalt verbunden, Depression, L\u00fcge, Verrat, Eifersucht \u2013 kurz: gesellschaftlicher Unfriede. Jede Gesellschaft versucht, die durch Sexualit\u00e4t hervorgerufenen Spannungen in Grenzen zu halten. Somit auch die Kirche. Heute l\u00f6sen sich viele Menschen von Vorgaben der Kirchen \u2013 und versuchen, alles selbst in die Hand zu nehmen. Der Vorteil heute gegen\u00fcber fr\u00fcheren Zeiten besteht darin, dass Alleinerziehende trotz aller M\u00e4ngel doch (zumindest in unserem Land) weitgehend versorgt werden \u2013 und somit besser \u00fcberleben k\u00f6nnen, dass ungewollte Schwangerschaften weitgehend vermieden werden k\u00f6nnen. Das kann auch negativ sein, denn das kann leichtsinnig machen. Der K\u00f6rper fordert, die Seele leidet. Um dem Leiden zu entgehen, bedeutet verantwortungsvolles Leben, die Traditionen zu ber\u00fccksichtigen, die Leiden vermeiden halfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color\"><strong>4. Sich selbst Ma\u00dfst\u00e4be setzen \u2013 unter Ber\u00fccksichtigung der Tradition<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kirche kann nicht mehr allgemein verbindliche Vorgaben geben (in der Vergangenheit freilich auch nur begrenzt, denn viele haben sich den Vorgaben der Kirche nicht gehalten. Der sexuelle Drang \u00fcberwog &#8211; um es anders zu sagen: Der Drang, sein eigenes individuelles Leben unabh\u00e4ngig von Autorit\u00e4ten zu leben, war st\u00e4rker. Aus der Vergangenheit k\u00f6nnen wir nichtsdestotrotz lernen: Die eigenen Anspr\u00fcche an sich selbst sind m\u00f6glichst hoch zu stellen \u2013 man kann sie zwar nicht immer durchhalten, aber das zu versuchen, bewahrt davor, Sklave seiner Sexualit\u00e4t zu werden. (Der griechische Philosoph Aristoteles unterschied zwischen zwei Grundlagen des Handelns: <em>Orexis<\/em>, das hei\u00dft, der Mensch handelt nach seinen Trieben; er hat jedoch den <em>Logos <\/em>bekommen, der die Triebe beherrschen kann und der ihn dazu bef\u00e4higt zu bestimmen, ob er den Trieben nachgeben oder widerstehen soll.) Wenn man dann seinen Anspr\u00fcchen nicht gen\u00fcgt hat, weil der sexuelle Drang den Verstand dominiert, dann nicht in Schuld-Depressionen fallen, sondern den Verstand einsetzen \u2013 und das f\u00fcr alle Beteiligten Beste \u2013 in verantwortlicher Liebe \u2013 daraus machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und: Vom Neuen Testament her gesehen: Man sollte die eigenen Ansichten in die Diskussion werfen, auch wenn sie gesellschaftspolitisch nicht unbedingt anerkannt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color\">&nbsp;<strong>5. Ma\u00dfstab christlicher Sexualethik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Ma\u00dfstab f\u00fcr ein christliches Leben ist nicht: Folge dem Lustprinzip. Dieses abzulehnen, ist nicht typisch christlich. Sie ist auch Ma\u00dfstab buddhistischen und verantwortlichen philosophischen Handelns. Denn der Mensch kann \u00fcber die Gewinnung von Lust hinausschauen: Kann es sein, dass mir das jetzt Lust bringt \u2013 danach aber viel Leid? Auch stellt man sich als Christ nicht selbst in den Mittelpunkt, sondern denkt f\u00fcr den N\u00e4chsten mit: Was bedeutet mein Handeln f\u00fcr das Zusammenleben mit den anderen? Christlich ist: Seine Sexualit\u00e4t aus der Beziehung zu Gott heraus zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color\">&nbsp;<strong>6. Sexual-Kultur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Mensch veredelt alles (Nahrungsaufnahme \u21d2 Ess-Sitten; Schlafen \u21d2 Schlafkultur; Kleidungssitte \u21d2 Bekleidungskultur; Aussehen \u21d2 Sch\u00f6nheitspflege; Hygiene \u21d2 Duftkultur, Wohnen  \u21d2 Wohnkultur) \u2013 und so hat er auch gelernt, seinen sexuellen Drang zu veredeln. Kurz: Liebe + Kultur geh\u00f6ren zur verantworteten Sexualit\u00e4t des Menschen dazu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color\"><strong>7. Verl\u00e4sslichkeit und Treue<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Christliche Sexualethik f\u00fchrt den Vorteil von Verl\u00e4sslichkeit und Treue zwischen Menschen vor Augen. Gerade auch im Bereich der Sexualit\u00e4t, denn ohne Verl\u00e4sslichkeit und Treue ist Sexualit\u00e4t f\u00fcr die meisten Menschen kein sch\u00f6nes und angenehmes Erlebnis. Ein weiterer Aspekt ist, dass man f\u00fcreinander und f\u00fcr die Kinder Verantwortung tr\u00e4gt. Bewusste Verl\u00e4sslichkeit, Treue, Verantwortung \u2013 kurz: Liebe \u2013 das ist etwas, was Menschen \u00fcber das Tier hinausf\u00fchrt, was den Menschen als Wesen, das nicht nur aus K\u00f6rper, sondern auch als Geist besteht, besonders angemessen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor aber Verl\u00e4sslichkeit, Treue, Verantwortung greifen k\u00f6nnen, wird der christlichen Sexualethik noch etwas anderes bedeutsam: Eine Partnerschaft muss freiwillig eingegangen werden und das Miteinander muss einvernehmlich gestaltet werden. Dem war freilich nicht immer so, weil Partnerschaften keine individuelle Angelegenheit waren, sondern eine der Familien, des Dorfes usw. Die &#8222;Auswahl&#8220; war auf der d\u00f6rflichen Ebene vielfach auch sehr begrenzt. Das hat sich sehr gewandelt. Heute ist die Auswahl sehr viel breiter &#8211; und wenn an Dating Apps gedacht wird, wird erkennbar, dass aufgrund der Menge an Auswahl so manchen Entscheidungen f\u00fcr einen anderen Menschen schwer fallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das alles vorausgeht und immer wieder neu zwischen den Partnern in gegenseitiger Liebe erk\u00e4mpft, erstritten, erarbeitet wird, dann erkennt christliche Ethik noch eine ganze Menge an positiven Verhaltensweisen: beide vergeben einander, sch\u00fctzen und verteidigen einander, sie erm\u00f6glichen immer wieder einen Neuanfang, denn der Mensch ist trotz guten Willens und guter Vors\u00e4tze einer, der gerade auch im Miteinander st\u00e4ndig versagen kann. Allerdings geh\u00f6rt zu einer gelingenden Partnerschaft nicht, dass einer der beiden immer nachgibt, dem anderen immer und alles vergibt. Um Vergebung bitten bedeutet: Ich mache es nicht mehr!<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Miteinander erm\u00f6glicht denn auch, dass Kinder in einem guten Umfeld aufwachsen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#a34f00\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">HOMOSEXUALIT\u00c4T UND AUSSAGEN DER BIBEL UND VON CHRISTEN ZUR HOMOSEXUALIT\u00c4T<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>J\u00fcdisches Volk<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es kam dem j\u00fcdischen Volk darauf an, Nachkommen zu zeugen: Homosexualit\u00e4t galt als Versto\u00df gegen das Gebot, Nachkommen zu zeugen (\u201eseid fruchtbar und mehret euch\u201c). Es gab eine Heiratspflicht und Sexualit\u00e4t au\u00dferhalb der Ehe war verboten (\u201edu sollst nicht Ehe brechen\u201c). Dar\u00fcber hinaus versuchte sich das j\u00fcdische Volk in Fragen der Reinheit von seiner Umwelt abzugrenzen. Dazu geh\u00f6rt die Ablehnung der Kultprostitution wie homosexueller Handlungen (Lev. 17; 1K\u00f6n 15; 2K\u00f6n 23). Es ist, mit Blick auf die Heiratspflicht bekannt, dass nur der Prophet Jeremia (16,1-2) und Jesus Christus nicht verheiratet waren. Was den Apostel Paulus betrifft, ist unsicher, ob er zurzeit der Abfassung der Briefe Witwer war oder eben auch unverheiratet; was Johannes den T\u00e4ufer betrifft, ist eine Ehe des Asketen unbekannt (vielleicht waren auch Gruppen der Essener\/Therapeuten unverheiratet). Es ist zu vermuten, dass es bei anderen, wie bei Jeremia, keine individuelle Entscheidung war, sondern: Es war eine prophetische Zeichenhandlung, nicht zu heiraten bzw. war aufgrund des von Gott gegebenen missionarischen Auftrags notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Griechenland\/Rom\/Germanische St\u00e4mme<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Knabenliebe war in Griechenland anerkannt \u2013 homosexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen waren in Athen verp\u00f6nt. Der erwachsene Liebhaber \u00fcbernahm die Ausbildung des Jungen\/Jugendlichen. (\u00c4hnlich in manchen germanischen St\u00e4mmen.) Erwachsene Sklaven oder Fremde prostituierten sich \u2013 B\u00fcrgern wurde, wenn sie sich prostituierten, das B\u00fcrgerrecht entzogen. In der Umgebung Athens sah es anders aus: Gleichgeschlechtlicher sexueller Umgang zwischen Erwachsenen war zum Teil erlaubt. Knabenraub galt auf Kreta als eine Art Initiationsritus. In altr\u00f6mischer Tradition wurden homosexuelle Handlungen abgelehnt. Von Athen kam die Sitte der Knabenliebe nach Rom, wurde jedoch auf sexuelle Kontakte hin eingeschr\u00e4nkt, somit waren die Knaben eher Sklaven, das hei\u00dft: die erwachsenen Liebhaber hatten mit deren Ausbildung usw. nichts zu tun. Passives Verhalten (= \u201eweibliches\u201c Verhalten) erwachsener\u00a0 M\u00e4nner wurde hier wie dort abgelehnt, freilich praktiziert. Unter Strafe wurden manche Formen seit dem 2. Jh. v. Chr. gestellt \u2013 auch in der Armee. Aber das galt f\u00fcr Sexualit\u00e4t \u00fcberhaupt. Ausge\u00fcbte Sexualit\u00e4t bedeutet f\u00fcr die R\u00f6mer: Verlust von Manneskraft, Menschen sind nicht selbstbeherrscht. Sexuelle Handlungen mit M\u00e4nnern und Frauen wurden bestraft, st\u00f6rten die Einheit der Truppe. Im 2.\/3. Jh. n. Chr. wurde die gleichgeschlechtliche Liebe durch die (ethisch orientierten Philosophien) Stoa und dem Neu-Platonismus weiter zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. Es ist aber eine Fehlinformation, dass nur Homosexualit\u00e4t zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurde. Das galt f\u00fcr Sexualit\u00e4t insgesamt. Der Mensch soll sich beherrschen, geistig klar sein. Leidenschaft ist St\u00f6rung der Vernunft. Fortpflanzung ist freilich notwendige Pflicht f\u00fcr die Gesellschaft. Wenn Sexualit\u00e4t allein im Kontext der Fortpflanzung relevant ist, ist eben Homosexualit\u00e4t nur Leben in Leidenschaft, was f\u00fcr Stoiker abzulehnen ist. (Freilich ist f\u00fcr Stoiker die Frau nicht nur da, um Nachkommen zu zeugen. Es gibt von Seneca Beispiele seiner sehr engen Beziehung zu seiner Frau.) Im Neuplatonismus (Plotin 205-270) war es die Ablehnung alles K\u00f6rperlichen, die Sexualit\u00e4t insgesamt negativ bewerten lie\u00df. Wichtig ist die Unsterblichkeit des Geistes &#8211; auf die soll sich der Mensch konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Christentum in der Geschichte<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit der j\u00fcdischen Tradition lehnt das Christentum homosexuelle Handlungen ab. Sie sind wie Ehebruch Ausdruck daf\u00fcr, sich von sexueller Begierde bestimmen zu lassen (1Kor 6,9); abgelehnt wird auch die sexuelle Ausbeutung von Kindern (1. Timotheusbrief 1,9-10). Der Mensch wird durch seinen christlichen Glauben ein neuer Mensch, ein Mensch, der nicht mehr Sklave seiner Sexualit\u00e4t ist (das gilt f\u00fcr homosexuelle Handlungen wie dem heterosexuellen Umgang). Durch diese innere Haltung grenzte man sich gegen die allt\u00e4glichen sexuellen Ausw\u00fcchse der Umwelt ab, die, wie manche Schriften erkennen lassen, vor allem im heidnischen Bereich Gang und G\u00e4be waren (Entf\u00fchrungen, Vergewaltigungen, sexuelle Handlungen in der \u00d6ffentlichkeit, Prostitution).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color\">Das war die St\u00e4rke des j\u00fcdischen und christlichen Glaubens, <br>auch die sexuelle W\u00fcrde des Menschen in allen Gesellschaftsschichten in den Blick zu bekommen.<br>Es ging also nicht allein um Philosophen &#8211; sondern um Moral im Alltag durch normale Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil die Herrschaft der Sexualit\u00e4t eingeschr\u00e4nkt war, konnten M\u00e4nner, Frauen und Kinder gemeinsam in der Gemeinde leben, ohne dass sie sexuell gef\u00e4hrdet waren. Das ging so weit, dass auch Frauen die Freiheit bekamen, sich sexuell zu verweigern. Asketisches Leben von M\u00e4nnern und Frauen bis hin zur Leibfeindlichkeit war nur eine Folge dieser freien christlichen Einstellung zur Sexualit\u00e4t. Das Christentum kam an die Macht \u2013 und dann wurde die Ablehnung der Homosexualit\u00e4t (wie seit Augustus) im Gesetzestext festgehalten. Es ging somit nicht mehr um die innere Einstellung, sondern um das vom Staat geforderte Verhalten. In der Zeit des christlichen Mittelalters (seit Justinian I. \u2013 538\/559) konnte Homosexualit\u00e4t mit Blick auf Sodom und Gomorrha abgelehnt werden \u2013 wegen der Angst, dass Gott das unsittliche Volk Strafen w\u00fcrde. Freilich verwendete Justinian das Gesetz politisch, um auch kirchliche Gegner zu verfolgen (Prokop). Erst im 12.\/13. Jh. wurde (im Zusammenhang mit den Kreuzz\u00fcgen) massiv gegen Homosexuelle vorgegangen. Das kann damit zusammenh\u00e4ngen, dass die Menschen davon ausgegangen sind, dass sie, wenn sie sexuell unrein sind, Kriege verlieren w\u00fcrden, denn sie w\u00e4ren dann nicht moralisch besser als ihre Feinde. Das ist aber nur ein Aspekt aus der Zeit. Weitere Gr\u00fcnde: Die Moral der Kl\u00f6ster sollte auf die gesamte Gesellschaft \u00fcbertragen werden (darum auch das Z\u00f6libat der Priester). Philosophisch wurde Aristoteles dominanter &#8211; und damit auch die Frage des Naturrechts. Christlich ver\u00e4ndert bedeutet das Naturrecht, dass der Mensch gem\u00e4\u00df der von Gott gegebenen nat\u00fcrlichen Ordnung leben muss, das hei\u00dft, dass in der Natur Homosexualit\u00e4t nicht beobachtet wurde und biblisch abgelehnt wurde, auch moralisch nicht legitim ist. (Heute wird anders argumentiert: Homosexualit\u00e4t kommt auch in der Natur vor, ist damit auch Menschen nicht fremd.) Eine weitere Bestrebung bestand in der Imitatio Christi &#8211; der Nachfolge von Jesus Christus. Das hei\u00dft: Jeder Christ sollte \/ wollte ein heiliges Leben f\u00fchren, das betraf nicht nur die Homosexualit\u00e4t, sondern die Sexualit\u00e4t insgesamt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Christentum in der Gegenwart<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In der neutestamentlichen Zeit war nicht bekannt (was auch heute noch umstritten ist), dass die Neigung zu gleichgeschlechtlichen Menschen auch angeboren sein kann. (Es ist schwer zu beurteilen, weil die dahinterstehende Ideologie immer auch dominant ist: W\u00e4hrend homosexuelle Gruppen weitgehend davon ausgehen, dass sie angeboren ist, sehen Vertreter des Gender-Weltbildes geschlechtliches Empfinden als kulturelles Erbe, aber auch als selbst gew\u00e4hlte Rolle \u2013 somit als variabel \u2013 an.) Ebenso kannte man aus den heidnischen Kreisen aufgrund der oben genannten gesellschaftlichen Situation nicht, dass auch zwischen Homosexuellen Liebe entstehen kann. Darum kommt man heute auch zu einer anderen Bewertung der Homosexualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus christlicher Perspektive gilt f\u00fcr viele als Minimum das, was auch f\u00fcr Ehen gilt: Sie hat die W\u00fcrde des Menschen zu achten und \u201eEhebruch\u201c auch unter Homosexuellen ist abzulehnen. Grundlage f\u00fcr diese Sichtweise ist: Jesus nahm die Menschen so an, wie sie waren. Zwar mussten sie ihr s\u00fcndiges Wesen ablegen, aber wenn Homosexualit\u00e4t ein Teil der menschlichen Sexualit\u00e4t ist, dann ist sie nicht der S\u00fcnde zuzuordnen, sondern als Variante in der Sch\u00f6pfung zu akzeptieren. Sie ist aber in den Rahmen des respektvollen sexuellen Miteinanders insgesamt zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr viele gilt als christliche Perspektive jedoch, dass praktizierte Homosexualit\u00e4t auch in dem genannten geordneten Rahmen nicht dem Willen Gottes entspricht, auch wenn sie angeboren sein sollte. Hierin zeigt sich eine Spannung innerhalb der Christen. Immer dann, wenn es solche massiven Spannungen gibt, ist der Einzelne gefragt, wie er aus seiner Beziehung zu Gott verantwortlich handeln muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage ist: Wie gehen wir miteinander um, wenn wir solche Spannungen erfahren. Die Antwort: Das Gewissen des Einzelnen muss beachtet werden, niemand darf gezwungen werden, gegen sein Gewissen zu handeln (z.B.: kein Pfarrer darf gezwungen werden, homosexuelle Paare zu trauen, damit diskriminiert er nicht, sondern stellt die Paare, die sich trauen lassen wollen vor die Frage des Glaubens: Handele ich aus meinem Glauben heraus verantwortlich und in gutem Gewissen? Wenn Kirchenleitungen Pfarrer zwingen wollen, dann haben sie als christliche Kirchenleitung versagt und sind als Kultur-Institution anzusehen; ebenso darf auch kein Homosexueller gegen sein Gewissen daran gehindert werden, eine Partnerschaft einzugehen). Man muss miteinander vergebend und in Liebe umgehen, auch wenn die Meinungsverschiedenheiten gro\u00df sind. Menschen, die nicht ihrem Gewissen folgen, sondern Mehrheitsmeinungen, m\u00fcssen sich fragen lassen: Habe ich R\u00fcckgrat, das aus dem verantwortlich handelnden Glauben kommt \u2013 oder passe ich mich einfach unverantwortlich (?) der Mehrheitsmeinung an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage ist gleicherma\u00dfen: Wie gehe ich mit mir selbst um? Diese ist genauso aus Glauben heraus zu beantworten. Wie auch immer sie dann ausf\u00e4llt, gilt das soeben Geschriebene: Man muss miteinander vergebend und in Liebe umgehen, auch wenn die Meinungsverschiedenheiten gro\u00df sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\" style=\"text-transform:uppercase\">Christen und Sexualit\u00e4t im Rahmen der Inkulturation<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Blick auf das antike Christentum und dem Verh\u00e4ltnis zur Sexualit\u00e4t ist noch hervorzuheben, dass es nicht nur darum ging, sich selbst zu beherrschen, seinen Geist und seine Vernunft an die Weltordnungen anzupassen. Es ging auch direkt um den Schutz derer, die Gewalttaten erleiden. Die Sexualethik sollte auch Schwache sch\u00fctzen. Starke haben kein Recht, andere zu missbrauchen. Schon Jesus Christus lehrte, Kinder, Frauen, Witwen, Kranke und Arme zu sch\u00fctzen bzw. sich ihnen zuzuwenden. Diese neue Sicht &#8211; alle Menschen haben gleicherma\u00dfen Wert und W\u00fcrde und sind zu achten &#8211; war im Grunde auch eine gro\u00dfe Werbung f\u00fcr den christlichen Glauben. Der Schutz sah nicht so aus, dass der Lebensraum von Frauen und Kindern von den M\u00e4nnern getrennt wurde (Trennung, um Ehre der Frau, der Familie zu sch\u00fctzen), sondern sah so aus, dass M\u00e4nner gefordert wurden, Frauen, Kinder zu achten. Eine Trennung der Frauen von den M\u00e4nnern war nicht vorgesehen. Die Sicht, dass Schutzlose zu recht den Starken als Objekte ausgeliefert werden, sollte durch den christlichen Glauben durchbrochen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber:<\/p>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngig vom fr\u00fchen Christentum wurde vielfach die Tradition der jeweiligen V\u00f6lker aufgenommen, manchmal umgepr\u00e4gt. In der Antike haben Christen versucht, der Zeit einen menschlichen Gegensatz zu bieten. Sp\u00e4ter haben Christen zum Teil Traditionen der V\u00f6lker \u00fcbernommen. Das wird Inkulturation genannt. Das spezifisch Christliche wird manchmal zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, manchmal hat es mehr Raum. So hat es lange gedauert, bis in der Politik die so genannte &#8222;Friedelehe&#8220; abgeschafft wurde, das hei\u00dft, dass der K\u00f6nig Nebenfrauen haben durfte. Traditionell war bei den Germanen wohl auch der Brautpreis &#8211; das hei\u00dft: der Mann gab der Familie der Frau Geld. Die Frau war frei, aber er gab der Familie Geld, weil sie nun eine Arbeitskraft verlor. Zudem war das das Zeichen daf\u00fcr, dass die Frau nun nicht mehr unter dem Schutz der M\u00e4nner ihrer alten Familie\/Sippe stand, sondern dem Schutz des Ehemannes unterstellt wurde. Auch das entspricht nicht christlicher Tradition und wurde langsam zur\u00fcckgedr\u00e4ngt (der &#8222;Brautpreis&#8220; wurde immer st\u00e4rker zur Mitgift zur Sicherheit f\u00fcr die Frau), denn die Ehe ist f\u00fcr die Kirche ein Bund, der von Individuen vor Gott geschlossen wurde, und keine Vertragssache zwischen Familien. Zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurden auch die Zeiten sexueller Freiz\u00fcgigkeiten (Karneval) &#8211; man versuchte sie in einen moralischen Rahmen zu bringen. Blutrache bei Entehrung der Frau (= Entehrung des Ehemannes) wurde durch ein Bu\u00dfsystem ersetzt. Es wird zum Beispiel in der Gegenwart in manchen afrikanischen christlichen Gemeinschaften auch die Polygamie gefordert, aus seelsorgerlichen Gr\u00fcnden in manchen geduldet. Wenn n\u00e4mlich ein Mann, der viele Frauen hat, Christ wird, soll er Frauen versto\u00dfen oder nicht? Aber auch heute gibt es im Europa der christlichen Tradition so manches, das nicht mit dem christlichen Ideal \u00fcbereinstimmt. Zum Beispiel: Scheidung, Ehebruch, Prostitution. All das gilt st\u00e4rker mit Blick auf den Westen. Die Ostkirche passt sich st\u00e4rker den Traditionen der V\u00f6lker an, so dass in manchen Bereichen Europas der Clan gr\u00f6\u00dfere Bedeutung hat als das Individuum &#8211; auch in sexueller Hinsicht.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hierzu gibt es eine Menge an weiterf\u00fchrender Literatur zu selber vertiefen. So sei der &#8222;Evangelische Erwachsenenkatechismus&#8220;, G\u00fctersloher Verlagshaus 10. Auflage 2025 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Evangelischer_Erwachsenenkatechismus\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Evangelischer_Erwachsenenkatechismus<\/a> genannt. Um das Thema Homosexualit\u00e4t in der Geschichte darstellen zu k\u00f6nnen, wurden entsprechende Artikel der Lexika verwendet, so Der Kleine Pauly: Lexikon der Antike in f\u00fcnf B\u00e4nden <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Kleine_Pauly\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Kleine_Pauly<\/a> und andere, so die RGG: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Religion_in_Geschichte_und_Gegenwart\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Religion_in_Geschichte_und_Gegenwart<\/a>. Auch im Internet ist so manches zu finden, so im WiBiLex: <a href=\"https:\/\/www.die-bibel.de\/ressourcen\/wibilex\">https:\/\/www.die-bibel.de\/ressourcen\/wibilex<\/a> und nat\u00fcrlich: Wikipedia. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CHRISTLICHE SEXUAL-ETHIK Aufgaben: * Es gibt nicht die eine christliche Sexual-Ethik. In den folgenden Abschnitten werden ein paar wesentliche Aspekte aus meiner Sicht genannt. 1. 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