{"id":2670,"date":"2022-07-28T16:06:03","date_gmt":"2022-07-28T14:06:03","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=2670"},"modified":"2024-10-15T09:22:10","modified_gmt":"2024-10-15T07:22:10","slug":"auferstehung-jesu","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/auferstehung-jesu\/","title":{"rendered":"Auferstehung Jesu"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die folgende Darlegung gibt meine Sicht der Texte wieder. Intensiver &#8211; nach allen Regeln der historisch-kritischen Interpretationskunst &#8211; wird das Thema freilich in wissenschaftlichen Kommentaren dargelegt. Auf sie sei ausdr\u00fccklich hingewiesen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>Die Evangelien \u2013 Gemeinsamkeiten<\/u><\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Sonntag in der Fr\u00fche \u2013 der Stein war schwer \u2013 das Grab war leer. Frauen entdecken zuerst das leere Grab \u2013 weitgehend werden Deute-Engel genannt. Ebenso sind J\u00fcnger im Blick. Sehr viel Bewegung beherrscht die Berichte. Es wird viel gelaufen, geredet, viele Ortswechsel, dazu Zweifel, Glaube, Freude\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>Die Evangelien \u2013 Besonderheiten<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Markusevangelium (Kapitel 16) (ca. 70 n.Chr.)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Drei Frauen (Maria, Maria, Salome) kommen zum Grab Jesu und sehen statt des Leichnams Jesu in der Grabh\u00f6hle einen jungen Mann (Engel) sitzen. Das&nbsp;<em>Engel-Wort<\/em>: F\u00fcrchtet Euch nicht; er erkl\u00e4rt, was geschehen ist und gibt einen Auftrag. Der Auftrag: den J\u00fcngern zu sagen, sie sollen nach Galil\u00e4a gehen. Die Frauen sagen jedoch vor lauter Schreck nichts weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit bricht das Markusevangelium mit Vers 8 ab \u2013 es wird im zweiten Jahrhundert jedoch erg\u00e4nzt, unter anderem mit Informationen aus den anderen Evangelien.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt viele Vermutungen, warum das Evangelium so sonderbar schlie\u00dft. Ich mag diese:<\/p>\n\n\n\n<p>Lesende fragen sich: Die Frauen haben nichts vom auferstandenen Jesus weiter gesagt. Aber woher wei\u00df ich davon? Sie denken \u00fcber das Evangelium nach und erinnern sich: an Jesu Worte, an die in Galil\u00e4a und auf den Weg nach Jerusalem dreimalig gesprochenen Leidens- und Auferstehungsank\u00fcndigungen: 8,31; 9,31; 10,34. Dann vor allem auch an die Verkl\u00e4rungsgeschichte 9,9f. und Markus 14,25. In der Verkl\u00e4rungsgeschichte (Mk 9) erscheinen Elia und Moses, beide reden mit Jesus. Und eine Stimme sagte aus einer Wolke heraus: &#8222;Das ist mein geliebter Sohn, h\u00f6rt auf ihn!&#8220; Durch Jesus, der mehr ist als Mose und Elia, wird die Welt transparent, es gibt Zugang zur jenseitigen Welt. Nicht die Welt der Toten, die Unterwelt, sondern die der Herrlichkeit Gottes wird sichtbar, die Welt der Lebenden. Die Lebenden h\u00e4lt kein Grab, kein Tod.  <\/p>\n\n\n\n<p>In der Passionsgeschichte wird deutlich: Jesus soll nicht an seinen Wundern als Messias erkannt werden, sondern an seinem Sterben f\u00fcr die Menschen. Entsprechend soll auch die Auferstehung Jesu nicht geglaubt werden, weil etwas Massives berichtet wird, sondern aufgrund der Deute-Worte des Engels, die auf Jesu Worte hinweisen \u2013 und diese werden wiederum durch die vorangegangenen Jesusworte des Evangeliums gedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Matth\u00e4usevangelium (27) (ca. 80 n.Chr.)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Frauen (Maria, Maria) kommen zu dem Grab. M\u00e4chtig kommt ein Engel herbei, auch bebt die Erde und der Stein wird beiseite gerollt, der Engel setzt sich auf den Stein.&nbsp;<strong>Engel-Wort<\/strong>: F\u00fcrchtet euch nicht und er erkl\u00e4rt, warum das Grab leer ist und beauftragt die Frauen den J\u00fcngern zu sagen, dass sie nach Galil\u00e4a gehen sollen. (Jesus ist also nicht durch das ge\u00f6ffnete Grab hinausgegangen!) Die Frauen rennen freudig erschrocken los.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wird eine&nbsp;<strong>Jesus-Begegnungsgeschichte<\/strong>&nbsp;eingef\u00fcgt \u2013 also eine andere Tradition wird aufgegriffen):<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs treffen die Frauen Jesus, er begr\u00fc\u00dft sie (wohl: Schalom). Auf die Begr\u00fc\u00dfung hin laufen sie zu Jesus, werfen sich vor ihm nieder, umklammern seine F\u00fc\u00dfe. (<em>Thema 1<\/em>:&nbsp;<em>Das hei\u00dft: Jesus ist kein Geist, er kann angefasst werden. Thema 2: Erkennen sie ihn an der Begr\u00fc\u00dfung?<\/em>) Dann sagt er ihnen (wie der Engel): F\u00fcrchtet euch nicht \u2013 er gibt ihnen den Auftrag, den auch der Engel gab.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Thema 3<\/em>: Eingeflochten ist eine&nbsp;<em>W\u00e4chter-Geschichte<\/em>. Diese beginnt schon in Kapitel 27, wird in dem genannten Teil mit einem Hinweis aufgegriffen, dann aber noch einmal ausf\u00fchrlich behandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus habe gesagt, er werde nach drei Tagen auferstehen.<br>J\u00fcnger k\u00f6nnten ihn rauben.<br>W\u00e4chter sollten das verhindern.<br>W\u00e4chter fielen zu Boden, wie tot.<br>Sie berichten den Priestern: Jesus ist weg.<br>Diese bestechen die W\u00e4chter, sie sollen sagen, sie h\u00e4tten geschlafen \u2013 und w\u00e4hrenddessen seien die J\u00fcnger gekommen und h\u00e4tten Jesus geraubt.<br>Seitdem verbreitete sich das Ger\u00fccht, die J\u00fcnger h\u00e4tten Jesus geraubt.<\/p>\n\n\n\n<p>Matth\u00e4us greift diese Geschichte der Gegner auf, widerspricht ihr, sagt, es sei Korruption im Spiel gewesen, um die Wahrheit zu verschleiern. (Die W\u00e4chter-Geschichte ist also keine Erfindung des Matth\u00e4us, sondern eine der Auferstehungsgegner.)<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gehen die J\u00fcnger nach Galil\u00e4a. Auf einem Berg begegnen sie Jesus, manche zweifeln, er aber spricht den Missionsbefehl. Auf die Zweifel wird nicht eingegangen. Stattdessen spricht Jesus ihnen seine Gegenwart zu. In dem Missionsbefehl weist Matth\u00e4us auf sein Evangelium: \u201eLehrt sie, alle Gebote zu halten, die ich euch gegeben habe\u201c \u2013 damit ist das gemeint, was im Matth\u00e4usevangelium steht.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Hinweise auf die Auferstehung Jesu \u00fcber Markus hinaus: Wort vom Zeichen des Jona: Mt 16,4 und Q: 12,39ff\/Lk 11,16ff. Vor allem auch Mt 18,20: \u201eWo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.\u201c Auch der Missionsbefehl weist auf die Christuserfahrung: \u201eIch bin bei euch bis ans Ende der Zeit\/Welt\u201c (28,20).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lukasevangelium (24) (ca. 90 n. Chr.)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Frauen (Maria, Johanna, Maria und andere: Salome darunter? Kannte Lukas unterschiedliche Berichte, die wir nicht mehr haben?) sehen den Stein weggerollt. Sie gehen in das Grab, sind ratlos. Dann kommen zwei M\u00e4nner (Engel), sie erinnern die Frauen an Worte Jesu. Sie laufen zu den J\u00fcngern und berichten alles. Sie glaubten nicht. (Nicht in allen Handschriften z.B. D: Petrus lief zum Grab, sah Leinent\u00fccher, wunderte sich.) (<em>Thema 1: Leinent\u00fccher = der Leichnam wurde nicht geraubt<\/em>.)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Thema 2: Von Propheten wurde das Leiden vorhergesagt:<\/em>&nbsp;Zwei J\u00fcnger wandern nach Emmaus. Jesus geht unerkannt mit. Er legt ihnen die Bibel aus, sagt ihnen, dass das Leiden von Gottes Propheten angek\u00fcndigt worden war. Sie bitten ihn abends zu bleiben. Sie erkennen ihn am Brotbrechen. (Jesus ist weder an seiner Stimme noch an seiner Gestalt erkennbar gewesen, sondern er wird am Brotbrechen erkannt und dann ist er wie ein Geist sofort verschwunden.) Die J\u00fcnger rennen zur\u00fcck und sagen, dass Jesus bei ihnen gewesen sei. Die J\u00fcnger berichten ihrerseits, dass er auch Petrus erschienen sei (also gleichzeitig?). Es handelt sich um eine neue Tradition, die Lukas aufgegriffen hat, da in der Emmausj\u00fcnger-Geschichte gesagt wird: Einige liefen zum Grab. Dabei war es nur Petrus.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Thema 3: Jesus ist kein Geist, Thema 4: Jesus ist kein Doppelg\u00e4nger<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Emmausj\u00fcnger berichten, erscheint Jesus, begr\u00fc\u00dft sie mit dem Friedensgru\u00df (nicht in D): (Schalom?). Sie f\u00fcrchteten sich, es k\u00f6nne ein Geist sein. Jesus zeigt ihnen H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe, fordert auf, sie zu ber\u00fchren. Als sie noch immer zweifelten, a\u00df er etwas. Auch ihnen erkl\u00e4rt er die Bibel. Er fordert sie auf, in der Stadt zu bleiben, bis er den Geist gesandt hat. Nach dem Segen verschwand er, wurde in den Himmel gehoben (nicht in D).<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Beachte die lukanische Version Apostelgeschichte 1,4-14. Im Evangelium wird nichts von den Worten Jesu und den Engeln berichtet\u2026 Die Engel sprechen sie als \u201eM\u00e4nner Galil\u00e4as\u201c an.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Petrusrede der Apostelgeschichte wird intensiv die Auferstehung angesprochen. \u201ePetrus\u201c weist nicht auf das leere Grab als Beweis. Die Auferstehung wird alttestamentlich begr\u00fcndet. (Vgl. Apg 2 und 3)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Johannesevangelium (20) (Grundlage vor 70 n.Chr. vollendet 90 n.Chr.?)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Maria Magdalena kam allein zum Grab. Sie fand es offen, lief zu Petrus und Johannes.<\/p>\n\n\n\n<p>Petrus und Johannes laufen zum Grab. Johannes war schneller. Wartete auf Petrus. Petrus sah zuerst hinein, sah das Leinentuch und das Tuch f\u00fcr das Gesicht zusammengefaltet. (<em>Thema 1: Der Leichnam wurde nicht geraubt<\/em>.) Johannes versteht und glaubt. Sie gingen nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Neue Tradition: Maria Magdalena weinte vor dem Grab. Dann schaute sie hinein, sie sah zwei Engel, einen im Kopfbereich, den anderen im Fu\u00dfbereich sitzen. Sie fragen, warum sie weine. Sie antwortete, dass sie nicht wei\u00df, wo sie ihren Herrn hingebracht haben. Sie blickte \u00fcber die Schulter zur\u00fcck und sah Jesus, ohne ihn zu erkennen. Auch er fragte, warum sie weine, wen sie suche. Sie dachte, er sei der G\u00e4rtner und fragt, wo er den Leichnam hingebracht habe. Jesus sagte: \u201eMaria\u201c \u2013 daran, an der Nennung ihres Namens, erkannte sie ihn. Dann fordert Jesus sie auf, ihn nicht zu ber\u00fchren \u2013 denn er sei noch nicht zu seinem Vater aufgefahren. Er gibt ihr den Auftrag, den J\u00fcngern zu sagen, dass er zum Vater auffahre. (*) Maria berichtet das den J\u00fcngern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">(*) Wie ist das zu verstehen? Noch ist er nur der &#8222;lebende Leichnam&#8220;, also der Mensch, mit &#8222;normalem&#8220; K\u00f6rper. Nach der Auffahrt zum Vater wird er als &#8222;spiritueller Mensch&#8220; wahrgenommen. Das hei\u00dft: Was die Evangelien schildern, dass er z.B. durch W\u00e4nde hindurch einfach da ist, w\u00e4re als reiner Mensch nicht m\u00f6glich gewesen, das ist erst m\u00f6glich in dieser neuen Wesenheit. Johannes versucht zu interpretieren, wie dieses Sonderbare zu verstehen ist: bekannte K\u00f6rperlichkeit und unbekannte Nicht-K\u00f6rperlichkeit. Das ist eine Frage des Unverm\u00f6gens der Sprache, etwas auszudr\u00fccken, was au\u00dferhalb der Erfahrung vorhanden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend tritt Jesus zu den J\u00fcngern durch eine verschlossene T\u00fcr und begr\u00fc\u00dft sie mit dem Friedensgru\u00df<em>. Thema 2<\/em>: Er zeigt ihnen die H\u00e4nde und die Seite [s. Lukas] \u2013 er sendet sie, gibt ihnen den Heiligen Geist [in Jerusalem- vgl. Lukas], Auftrag auch: S\u00fcnden vergeben\/behalten. Es ist das vom Auferstandenen \u201eangepustet\u201c werden. Der Heilige Geist ist von Jesus gegeben, die J\u00fcnger sind nun die irdischen Vertreter Jesu. Zweimal spricht Jesus zu ihnen den Friedensgru\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Neue Tradition: Zweifel des Thomas \u2013 Ber\u00fchrung der H\u00e4nde und der Seite (anders als Maria darf er es \u2013 ist also eine andere Tradition bzw. jetzt &#8211; siehe das Kleingedruckte &#8211; verst\u00e4ndlich). Und der auferstandene Jesus wei\u00df, was Thomas sagte, ohne dass er anwesend gewesen ist. Seligsprechung der Glaubenden [vgl. Markus: Nicht am Wunder soll Jesus erkannt werden, sondern er soll glauben.] \u2013 Zuwendung zu den Lesenden.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem das Johannesevangelium ist eines, das im Grund im gesamten Evangelium Jesus als Auferstandenen sieht. Anders gesagt: Der auferstandene Jesus durchleuchtet die Worte und Taten, die Johannes vom irdischen Jesus \u00fcberliefert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Johannesevangelium 21<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine dritte Jesusbegegnung der J\u00fcnger: Galil\u00e4a \u2013 See Genezareth. Thema: Sie wollten nicht fragen, wer er ist, denn sie wussten es. (Also auch hier: Er ist nicht eindeutig erkennbar.) Dem Petrus wird seine Jesus-Verleugnung vergeben und er wird beauftragt zu missionieren; weiteres Thema: Petrus und Johannes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nachtr\u00e4ge Markusevangelium (16,9ff) (2. Jh. n. Chr.)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol style=\"list-style-type:lower-alpha\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Jesus erschien am fr\u00fchen Sonntagmorgen erst der Maria Magdalena \u2013 aber keiner glaubte ihr (vgl. Johannes \u2013 aber dort wird vom Unglauben nicht berichtet).<\/li>\n\n\n\n<li>Jesus erschien J\u00fcngern in anderer Gestalt \u2013 aber keiner glaubte ihnen (vgl. Lukas, aber dort wird nicht gesagt, dass ihnen nicht geglaubt wurde. Im Gegenteil).<\/li>\n\n\n\n<li>Er erschien den elf J\u00fcngern, w\u00e4hrend\u00a0 sie a\u00dfen und r\u00fcgte, dass sie denen nicht glaubten, die ihn gesehen hatten (vgl. Lukas).<\/li>\n\n\n\n<li>Es folgt ein Missionsbefehl (in Anlehnung an das Matth\u00e4usevangelium, mit einem Satz in Anlehnung an das Johannesevangelium).<\/li>\n\n\n\n<li>Betonung liegt im Folgenden auf Wundertaten.<\/li>\n\n\n\n<li>Jesus wurde zum Himmel erhoben, J\u00fcnger predigten, Jesus wirkte durch sie (vgl. Apostelgeschichte).<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong>1. Korintherbrief \u2013 \u00e4ltester Auferstehungsbericht (55\/56 n.Chr.)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Audition und Vision des Apostels: der Auferstandene begegnete ihm, sehr dramatisch in der Apostelgeschichte (9) dargestellt, w\u00e4hrend Paulus das Ereignis nur so benennt: Gott offenbarte (in) mir seinen Sohn (Galater 1,16).<\/p>\n\n\n\n<p>Paulus diskutiert im 1. Korintherbrief vor allem \u00fcber die Frage, ob Menschen auch auferstehen wie Jesus. Es geht zum anderen auch darum, welchen K\u00f6rper der Auferstehungsk\u00f6rper des auferstandenen Menschen hat. Was Christus betrifft, teilt er mit, was er selbst als Bekenntnis (vgl. auch das Bekenntnis R\u00f6mer 1,2-4) erfahren hat:<\/p>\n\n\n\n<p>Christus starb f\u00fcr unsere S\u00fcnden,<br>wie es in der Schrift geschrieben steht.<br>Er wurde begraben und ist auferstanden am dritten Tag von dem Tod,<br>wie es in der Schrift geschrieben steht.<br>Zuerst wurde er von Kephas\/Petrus gesehen, dann von den 12 Aposteln.<br>Danach sahen ihn 500 Br\u00fcder auf einmal, von denen die meisten noch leben\u2026<br>dann wurde er von Jakobus gesehen und sp\u00e4ter von allen Aposteln.<br>Als Letzter von allen habe auch ich ihn gesehen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>In den Briefen des Apostels spielt die Historizit\u00e4t der Auferstehung Jesu keine gro\u00dfe Rolle. Die Auferstehung ist vorausgesetzt, ist die Grundlage christlichen Glaubens. Sie ist auch die Voraussetzung des Glaubens an die Auferstehung der Menschen. Damit verbunden wird das besondere Verhalten der Christen, die eben diese Auferstehung vor sich haben, die darum im Vertrauen auf Gott in Jesus Christus sozial leben. Sie ist auch die Voraussetzung f\u00fcr das, was Paulus-Mystik genannt wird, wie sie im folgenden Satz aus dem Galaterbrief ausgesprochen wird: Christus lebt in mir; Ziel ist es, in der Auferstehung mit Christus eine Einheit zu werden (Philipperbrief), die Glaubende schon ansatzweise sind: Ist jemand in Christus, so ist er ein neues Gesch\u00f6pf (2. Korintherbrief), mit Christus sterben in der Taufe, mit ihm auferstehen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Paulus finden wir weder die Frauen noch das leere Grab. (Das leere Grab war irrelevant, die Frauen fehlen als ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnte Zeuginnen, weil in der Zeit M\u00e4nner als Zeugen dominant waren. Umso erstaunlicher, dass Evangelien die Frauen hervorheben.)  <\/p>\n\n\n\n<p>Auff\u00e4llig ist, dass Paulus sich selbst auch als Zeugen der Auferstehung sieht \u2013 da aus der Perspektive der Evangelisten er eher ein nachpfingstlicher Zeuge sein kann. Die eigentlichen Erscheinungen Jesu \u2013 wie sie die Evangelien berichten \u2013 haben nach der Himmelfahrt aufgeh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>Zusammenfassung und Reaktionen auf Kritiker:<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn von\u00a0<em>Auferstehung<\/em>\u00a0gesprochen wird, dann ist die eigene Kraft Jesu im Blick, seine Gottheit. Wenn von\u00a0<em>Auferweckung<\/em>\u00a0gesprochen wird, geht es um Gottes Handeln an Jesus. (Wobei freilich Jesus Christus als Person der Trinit\u00e4t selbstwirksam sein kann.)<\/p>\n\n\n\n<p>Das darf aus christlicher Perspektive bei dem Thema nicht vergessen werden: Es geht nicht um das, was Menschen tun oder nicht tun k\u00f6nnen, es geht um Gottes Handeln. Das Handeln dessen, der die Welt erschuf, sie erh\u00e4lt und vollenden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>A: Jesus wird nicht an seinem alten K\u00f6rper erkannt.&nbsp;Erkannt wird er erst:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Am Brotbrechen (Lukas \u2013 Emmausj\u00fcnger)<\/li>\n\n\n\n<li>An der Namensnennung: Maria (Johannesevangelium \u2013 Maria-Tradition)<\/li>\n\n\n\n<li>An der Schalom-Begr\u00fc\u00dfung (?) (Matth\u00e4usevangelium)<\/li>\n\n\n\n<li>Es wird ein geisthaftes-k\u00f6rperliches Wesen geschildert. Mit anderen Worten, ein irgendwie transparenter K\u00f6rper. Er verh\u00e4lt sich wie andere K\u00f6rper \u2013 aber auch wiederum ganz ungewohnt. Es sind weitgehend eher zarte Vorstellungen mit den Erscheinungen verbunden, weniger heftige Schilderungen (z.B. Ausschm\u00fcckung dessen, was im Grab geschah, intensive Beschreibung der K\u00f6rperlichkeit, sondern nur in der M\u00f6glichkeit Wundmale zu ertasten bzw. dem Hinweis, dass er etwas gegessen hat)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Berichte \u00fcber Erscheinungen des auferstandenen Jesus verdr\u00e4ngen die Deute- und Sende-Engel. W\u00e4hrend die Engel sagen:&nbsp;<em>F\u00fcrchtet euch nicht!&nbsp;<\/em>gr\u00fc\u00dft Jesus die Menschen mit dem Friedensgru\u00df (s.u).<\/p>\n\n\n\n<p>B: Gr\u00f6\u00dfter Unterschied in den Evangelien: Galil\u00e4a und Jerusalem-Tradition. Galil\u00e4a-Tradition: Markus und Matth\u00e4us \u2013 und der Zusatz zu Johannes; Jerusalem-Tradition: Lukas und Johannes. Je weiter zeitlich weg, desto st\u00e4rker kommt Jerusalem in den Blick.<\/p>\n\n\n\n<p>C: Was geschah im Grab?&nbsp;An keiner Stelle wird dar\u00fcber gesprochen, was im Grab geschehen ist, wie die Auferweckung vor sich ging. Es wird nur gesagt: Jesu Leichnam wurde an einem Freitag hinein gelegt \u2013 am Sonntagmorgen war das Grab leer.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Botschaft vom leeren Grab geht es nicht allein um das leere Grab. Es geht auch darum: Gott redet nicht nur abstrakt und intellektuell, er handelt: Er sagt nicht nur\u00a0<em>Ich bin bei euch Menschen<\/em>\u00a0\u2013 er wird auch Mensch; er sagt nicht nur:\u00a0<em>Ich bin im Leiden bei euch<\/em>\u00a0\u2013 er leidet auch; er sagt nicht nur:\u00a0<em>Ich bin auferstanden<\/em>\u00a0\u2013 er macht es deutlich.<\/p>\n\n\n\n<p>D: Kritik an der Botschaft von der Auferstehung\u00a0ist nichts Modernes. Schon die Apostelgeschichte 17,23 berichtet dar\u00fcber; in der Gemeinde selbst gab es auch ablehnende Stimmen, dagegen geht Paulus im 1. Brief an die Korinther 15 an. Daran, dass die massiven Zweifel in allen Evangelien ausgesprochen werden und auch Theorien (der Leichnam wurde geraubt, Jesus war nur ein Geist\u2026), ist deutlich, dass diese Botschaft auch f\u00fcr antike Menschen nicht \u201enormal\u201c war. (Dazu s. unten.)<\/p>\n\n\n\n<p>E Gruppenerfahrung: Die Erscheinungen Jesu gelten meistens einer Menschengruppe. Nicht Individuen (au\u00dfer Maria von Magdala im Johannesevangelium). Das h\u00e4ngt mit der Gattung der Evangelien zusammen. Es sind eben \u201eJ\u00fcngergeschichten\u201c. Bei Paulus finden wir weitere Hinweise auf Einzelbegegnungen: Kephas\/Petrus, Jakobus, und ihn selbst (nach der so genannten Himmelfahrt).<\/p>\n\n\n\n<p>F Historische Beurteilung<br>Es wird deutlich, dass etwas geschehen ist. Etwas, das in allen Beteiligten Staunen, Erschrecken, Zweifel hervorrief. Diese Erfahrungen werden in unterschiedlichen Geschichten ausgesprochen. Wie soll der Mensch etwas aussprechen, f\u00fcr das er keine Worte hat, f\u00fcr das es keine Parallelerfahrungen gibt? Menschen sto\u00dfen an ihre Grenzen des Sagbaren und versuchen, es so gut sie k\u00f6nnen, auszusprechen. Sie versuchen es mit Hilfe der Tradition irgendwie zu schildern: manche sachlich (Lukas; Johannes), manche emotional (Matth\u00e4us; Johannes), manche massiv belehrend (Lukas), manche sehr minimalistisch (Markus), manche historisch (Evangelien), manche spirituell (Paulus). Manche meinen, eine einheitliche \u00dcberlieferung w\u00fcrde eher f\u00fcr historische Wahrheit sprechen. Das ist aber nicht zwingend notwendig. Vielfalt der Begegnungen und vielf\u00e4ltige Versuche, das Erfahrene auszudr\u00fccken, sprechen eher f\u00fcr historische Originalit\u00e4t. Zeugenaussagen sind vielf\u00e4ltig wie Menschen es sind. Einer einheitlichen Sichtweise w\u00fcrde der Vorwurf gemacht werden k\u00f6nnen, einer h\u00e4tte sie erfunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Historisch ist zudem erkennbar, dass diese Erfahrungen (und Botschaft) massive Auswirkungen auf Menschen hatte. Sie lie\u00dfen sich hinrichten, ausschlie\u00dfen aus der Gemeinschaft, haben das gesamte Leben Jesu neu sehen gelernt und gelehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab keine Grab-Pilger in fr\u00fcher Zeit. Das h\u00e4ngt damit zusammen, dass wohl das leere Grab eben leer war \u2013 somit keine Bedeutung f\u00fcr die fr\u00fchen Christen hatte. Der Auferstandene war wichtiger. Das leere Grab wird auch nirgends bezweifelt \u2013 die leibliche Auferstehung Jesu zu widerlegen w\u00e4re sehr einfach gewesen (auch noch 70 n.Chr.?). Es wurde h\u00f6chstens gesagt, dass J\u00fcnger Jesus geraubt h\u00e4tten (vgl. Matth\u00e4us). In der Moderne greifen Kritiker den Betrugsvorwurf auf. Vergessen allerdings, dass es keine \u00dcberlieferung von \u00dcberl\u00e4ufern gibt, die das behaupten und auch Paulus als urspr\u00fcnglicher Gegner der Christen hat davon nichts berichtet. Weil er sie noch nicht kannte? Die leere Grab Aussage wird von Kritikern als Erfindung des Markus angesehen, der die Verk\u00fcndigung der Auferstehung Jesu mit der leeren Grab Erz\u00e4hlung historisiert habe. Das hei\u00dft: Eine Idee wurde in eine historische Begebenheit umgewandelt (narrative Theologie [*]). Was freilich nicht nachweisbar ist. Es ist allerdings deutlich, dass au\u00dferhalb der Evangelien sehr h\u00e4ufig vom auferstandenen und erscheinenden Jesus Christus berichtet wird, nicht aber vom leeren Grab, so auch in alten Bekenntnissen. Und, wie Markus indirekt zeigt: Das leere Grab war nicht Ausgangspunkt der Rede vom auferstandenen Jesus, es waren die Jesus-Begegnungen (auch in der Maria-Magdalena-Erz\u00e4hlung). Der auferstandene und in der Gemeinde aktive Jesus Christus war wichtiger.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso wird gesagt, dass es gar kein besonderes Grab gegeben habe, in dem Jesus beerdigt worden war. Jesus wurde als Verbrecher hingerichtet, wurde somit in einem Massengrab verscharrt. Was wohl Joseph von Arimath\u00e4a dazu gesagt h\u00e4tte? Denn laut \u00dcberlieferung hat er seine Grabh\u00f6hle zur Bestattung Jesu zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt stellt sich die Frage: Wenn das Grab nicht leer gewesen sein sollte, wenn die Rede vom leeren Grab die Auferstehungsberichte historisieren sollte, damit diese verst\u00e4ndlicher werden: Haben dann die fr\u00fchen Christen im Grunde etwas Unglaubw\u00fcrdiges nicht noch unglaubw\u00fcrdiger gemacht? W\u00e4re nicht besonders klug. Die Menschen damals waren nicht d\u00fcmmer als heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstaunlich: Wenn die Geschichte erfunden worden w\u00e4re, w\u00e4ren sicherlich keine Frauen als Erstzeuginnen genannt worden. Es wird an der Paulus\u00fcberlieferung erkannt, dass Frauen auch ausgeklammert werden konnten. Hier ist Petrus dominant. Dass die Frauennamen von Johanna und Salome variieren, kann damit zusammenh\u00e4ngen, dass es weitere Frauen gab (vgl. Lukas), die jedoch nur dann mit Namen genannt wurden, wenn sie den Adressaten bekannt waren. Salome war somit den Adressaten des Markusevangelium bekannt, Johanna denen des Lukasevangeliums, die Marias waren den Adressaten des Matth\u00e4us gel\u00e4ufig und den Adressaten des Johannes nur die Maria Magdalena wichtig. (Ist sie Teil des Konkurrenzkampfes zwischen Petrus \u2013 Johannes \u2013 Maria? Petrus wird im Johannesevangelium als Autorit\u00e4t anerkannt.) Aber letztlich sind das nur Vermutungen. Die Erstzeuginnen-\u00dcberlieferungen riefen auch moderne Kritiker hervor: Frauen sind von Haus aus phantasievoller und in ihrer Liebe zu einem verehrten Menschen denken sie sich dann sowas aus. Vor allem Maria Magdalena steht im Verdacht psychisch \u00fcberdreht gewesen zu sein. Ob ein solches Argument heute noch Anh\u00e4ngerinnen und Anh\u00e4nger findet?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Brief des Paulus l\u00e4sst erkennen, dass es eine sehr gro\u00dfe Breite an Erfahrungen des Auferstandenen gab, von denen in den Evangelien jedoch nur einige aufgegriffen werden. Heute fragen sich einige Kritiker: Warum hat sich Jesus nur den Aposteln gezeigt? Diese Frage ist jedoch sehr verengt. Wir wissen in den Evangelien nicht von weiteren \u2013 bzw. nur sehr pauschal (vgl. Lukas: weitere Frauen; Paulus: weitere \u201eBr\u00fcder\u201c), da eben der enge J\u00fcngerkreis Jesu im Fokus der Evangelien stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant ist, dass die Passionsgeschichte st\u00e4rker alttestamentlich belegt wird als die Auferstehungserfahrungen. Das hei\u00dft: Der Vorwurf, sie seien aus dem AT abgeleitet, steht auf wackligen Beinen. Zudem stellt sich immer die Frage: Wurde eine Geschichte aus dem AT abgeleitet \u2013 oder wurde ein tats\u00e4chliches Ereignis nachtr\u00e4glich im AT gesucht, um es biblisch zu best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Vorwurf: Jesus hat von der Auferstehung gesprochen \u2013 und die J\u00fcnger haben seine Worte f\u00fcr bare M\u00fcnze gehalten und sie dann historisiert. Dieses Argument hat auch Haken: Es \u00fcbersteigt menschliche Phantasie. Auch wenn einer sagt, er werde auferstehen, dann aber wider aller Hoffnung und Erwartung hingerichtet wird, wird jeder normale Mensch sagen: War wohl nichts \u2013 und sich abwenden von dem falschen Propheten. Zudem wird an Worten Jesu nicht ersichtlich, dass er verk\u00fcndet hat, er werde als reale Person wieder erscheinen. Die Auferstehungsaussagen betreffen wie das letzte Wort bei Lukas eher unsere abstraktere Form (heute noch wirst du mit mir im Paradies sein). Die Zweifel der J\u00fcnger, von denen berichtet wird, widersprechen dieser Vorstellung ebenso.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Vorwurf: Die J\u00fcnger f\u00fchlten sich schuldig Jesus gegen\u00fcber. Vor allem Petrus, weil sie ihn im Stich gelassen haben. Und vor lauter Schuldgef\u00fchlen haben sie ihn dann zum Lebenden erkl\u00e4rt. Eine \u00e4hnliche Argumentation finden wir bei dem Psychiater Freud im Hinblick auf die Erfindung Gottes: Als die Menschen noch halb \u00e4ffisch waren, haben sie den Vateraffen ermordet, weil sie an dessen Weibchen kommen wollten. Und nach der Ermordung hatten sie so gro\u00dfe Schuldgef\u00fchle, dass sie ihn zum Vater-Gott erhoben haben. Wenn jeder Mensch andere Menschen zu G\u00f6ttern erheben wollte, weil er an dessen Tod Schuld ist, w\u00fcrde es wohl im Laufe der Zeit mehr G\u00f6tter als Menschen geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Vorw\u00fcrfe: Jesus sei gar nicht am Kreuz hingerichtet worden, sondern ein Stellvertreter, oder: Jesus war noch gar nicht tot, sondern ist von Essenern aufgep\u00e4ppelt worden und dann, nachdem er sich den J\u00fcngern gezeigt hat, nach Indien ausgewandert, weil er keine Lust gehabt hatte, ein weiteres Mal hingerichtet zu werden. Beides sind Versuche, mit den Auferstehungsberichten irgendwie rational fertig zu werden. Im Koran (Sure 4,157f.; 7.\/8. Jahrhundert nach Christus) wird evtl. (kommt auf die \u00dcbersetzung an) gesagt, dass Jesus nicht gekreuzigt worden sei, sondern von Allah in den Himmel geholt worden sei. Diese Aussage ist insofern spannend, weil diese Aussage eine j\u00fcdische Elia-Tradition wiedergibt und sich die Frage stellt: Warum haben die fr\u00fchen Christen, die diese Elia-Tradition kannten, diese nicht im Sinne narrativer Theologie aufgenommen? Weil die Hinrichtung Jesu offensichtlich gewesen ist. Mohammed allerdings war der Meinung: Ein Diener Allahs, also auch Jesus, wird von Allah besch\u00fctzt und darf nicht so elend sterben. Motto: Was nicht sein darf, war nicht. Mohammed hat freilich noch einen hinzugef\u00fcgt, der an Jesu Stelle gestorben ist. Aber das kann hier egal sein, was ca. 600 Jahre nach dem Ereignis alles so gesagt wurde. Auch heute sind Kritiken beliebt, die davon ausgehen, dass die fr\u00fchen Christen unterbelichtet waren und eben dies und das sagen \u201enur Vermutungen folgen\u201c (Koran a.a.O.).<\/p>\n\n\n\n<p>Die J\u00fcnger wurden wohl alle \u2013 au\u00dfer Johannes \u2013 wegen dieser Verk\u00fcndigung hingerichtet. Diese Auferstehungserfahrungen haben ihr Weltbild vollkommen umgewandelt, sodass sie auch wegen dieser gestorben sind.<\/p>\n\n\n\n<p>G Demeter-Ceres-Mythos<\/p>\n\n\n\n<p>Demeter (lat. Ceres) war eine G\u00f6ttin (Ackerbau, Fruchtbarkeit). Sie hatte eine Tochter namens Persephone (Fruchtbarkeit, Pflanzen). Diese wurde in die Unterwelt entf\u00fchrt. Die Mutter, die G\u00f6ttin Demeter, war entsprechend zornig. Es wurde dann ausgehandelt, dass Persephone jahreszeitweise aus der Unterwelt an die Oberwelt kommen durfte. Das bedeutet f\u00fcr den Mythos, der einen gro\u00dfen Kult hervorrief, dass es im Herbst eine Trauerzeit gab, weil Persephone wieder in die Unterwelt ging, im Fr\u00fchjahr eine Freudenzeit, weil sie wieder an die Oberfl\u00e4che durfte. Erstaunlich ist, dass soweit wir wissen Mysterienkulte nicht auf die christliche Verk\u00fcndigung Einfluss hatten. (Freilich gibt es manche moderne Konstruktionen, die allerdings historisch nicht haltbar sind.) Die einzige Parallele ist die, dass Jesus im Fr\u00fchjahr auferweckt wurde \u2013 allerdings starb er auch im Fr\u00fchjahr. Es handelt sich also um eine zuf\u00e4llige historisch bedingte Parallele. Aber diesen Mythos als Basis f\u00fcr die \u201eErfindung\u201c der Auferstehungsberichte zu machen, daf\u00fcr gibt es keinerlei Anhaltspunkte.<\/p>\n\n\n\n<p>H&nbsp;Friedensgru\u00df<\/p>\n\n\n\n<p>Im Matth\u00e4usevangelium wird gesagt, dass der auferstandene Jesus die Frauen begr\u00fc\u00dft habe und sie ihn daraufhin ehrten. Im Lukas- und Johannesevangelium wird berichtet, dass der auferstandene Jesus den Friedensgru\u00df ausgesprochen habe:&nbsp;<em>Friede sei mit euch!<\/em>&nbsp;Mit dem Friedensgru\u00df muss es sich in irgendeiner Form um einen besonderen Gru\u00df handeln, der Christen damaliger Zeit wichtig war. So erfahren wir im Evangelium (Q: Mt 10,13\/Lk 10,5f), dass Jesus seinen J\u00fcngern vor der Aussendung gesagt hat, sie sollen in das Haus, in das sie hineingehen, den Friedensgru\u00df sprechen. Wenn das Haus diesen annimmt, ist es den Gru\u00df wert, wenn nicht, wird der Frieden wieder zu den J\u00fcngern zur\u00fcckkommen. Es handelt sich also nicht nur um ein l\u00e4ssig dahingesprochenes \u201eSchalom\u201c. Es war ein besonderer, ein bewusster Gru\u00df. Dieser besondere Gru\u00df setzt sich in den Paulusbriefen fort. Sie sind ein Echo dieses Gru\u00dfes Jesu, schon in seinem ersten Brief an die Thessalonicher hei\u00dft es:&nbsp;<em>Gnade sei mit euch und Friede<\/em>&nbsp;\u2013 so beginnt dieser Brief wie seine anderen Briefe auch. Die \u00fcbliche r\u00f6misch-griechische Brief-Begr\u00fc\u00dfungs-Formel wird \u201echristianisiert\u201c. Die Briefe werden mit dem Gnaden-Wunsch beendet. Intensiv wird im Neuen Testament Gott mit Frieden verbunden. Was in Jesus Christus begr\u00fcndet ist. Der Friedensgru\u00df begegnet auch im von anderer christlichen Literatur unabh\u00e4ngigen Barnabasbrief.<\/p>\n\n\n\n<p>I Theologische Deutung<\/p>\n\n\n\n<p>Jede glaubende Generation, jedes glaubende Individuum seit 2000 Jahren basiert auf diese Grunderfahrungen. Im christlichen Glauben spielt die Erfahrung des Geistes Jesu Christi eine gro\u00dfe Rolle, die mit der Auferstehung verbunden ist. Den Geist Gottes gibt es nur aufgrund der Auferstehung Christi, und die Erfahrung des Geistes Gottes versichert dem Glauben die Auferstehung Christi, die Gegenwart Jesu, den Beistand Jesu. Das eine bedingt das andere.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so finden wir zum Beispiel im Matth\u00e4usevangelium Hinweise auf die Erfahrung des Auferstandenen (28,20; 18,20) \u2013 vor allem auch im Johannesevangelium: der irdische Jesus Christus ist der auferstandene Jesus Christus (z.B. die Ich-Bin-Worte) und es betont die Anwesenheit Jesu in seinem Geist, das Lukasevangelium betont auch die Geistgabe, das hei\u00dft die Anwesenheit Jesu Christi. Entsprechend kommt es Glaubende \u2013 wie es Paulus sieht \u2013 auf die Christuserfahrung im Geist an. Und das k\u00f6nnen Glaubende vielfach in ihrer jeweiligen Gegenwart best\u00e4tigen. Die Botschaft vom leeren Grab bezieht sich hingegen auf eine geschichtliche Beobachtung, die in der Menschheitsgeschichte immer weiter zur\u00fcckliegt und nicht mehr verifiziert bzw. falsifiziert werden kann \u2013 also je nachdem der Mensch es aus seinem innerweltlichen Erfahrungsbereich heraus interpretiert oder aus dem Glauben, dass Gott der Handelnde ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Theologisch ist gegenw\u00e4rtig die Deutung besonders beliebt, die davon spricht, dass Jesus Christus (durch den Geist Gottes) in den Glaubenden aufersteht. Das bedeutet: Die Auferstehung ist nicht etwas, was vor 2000 Jahren geschah, sie ist ein Handeln Gottes, die in den Glaubenden immer wieder realisiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Kleben an der Historizit\u00e4t (sowohl der Bef\u00fcrworter als auch der Kritiker) muss sich die Frage stellen lassen, die der Engel im Lukasevangelium stellt: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Gleichzeitig darf aber die historische Basis nicht \u00fcbergangen werden &#8211; Lukas ordnet das Ereignis ja selbst historisch ein. Sie l\u00e4sst auf ihre Weise erkennen, wie Glaubende mit ihrer Sprachlosigkeit klarzukommen versuchen. Historische Berichte sind greifbarer als die spirituelle Interpretation des Apostels Paulus. Aber das zeigt, dass es schon in der fr\u00fchen Christenheit unterschiedliche Str\u00f6mungen mit ihren jeweiligen Schwerpunkten gab.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>All die oben genannten Kritiken laufen ins Leere. Letztlich ist das, was wir \u00fcber die Auferstehung h\u00f6ren, also das eigentliche Ereignis, unverst\u00e4ndlich, weil wir es in keinem Experiment wiederholen k\u00f6nnen und weil es allen menschlichen Erfahrungen widerspricht. Die Auferstehung \u2013 nicht nur die Leeres-Grab-Berichte. Das war auch den Evangelisten und im Grunde allen Christen bewusst. Es kommt damit auf etwas anderes an: auf das jeweilige Weltbild. Im Kontext des Themas Wunder wurde dargelegt, dass es ein offenes, von Gott bestimmtes Weltbild, gibt und ein Weltbild, das der irdischen Immanenz verhaftet ist. Je nach Weltbild erscheint das eine oder andere plausibler. Genauso unverst\u00e4ndlich ist die Botschaft von der Menschwerdung Gottes (Weihnachten). Das liegt heute jedoch nicht mehr so im Fokus, weil Weihnachten in Gedanken Gott gestrichen wird und der Fokus auf der Geburt eines besonderen Menschen gelegt wird \u2013 wenn \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommen Erz\u00e4hlungen, die von der Gegenwart des auferstandenen Jesus Christus sprechen. Seit 2000 Jahren gibt es Erfahrungen von Glaubenden, die auch in den Evangelien ausgesprochen werden: zum Beispiel: wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen. Gegenwartserfahrungen \u2013 der auferstandene Jesus ist gegenw\u00e4rtig. Berichte gibt es, in denen Menschen versuchen, Jesusbegegnungen mit Worten wiederzugeben. Es ist bis in die Gegenwart viel Bewegung im Hinblick auf den auferstandenen Jesus Christus weltweit zu erkennen. Die Erz\u00e4hlungen von Erfahrungen des Lebendigen endeten also nicht in der Mitte des 1. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Hilfe der Ma\u00dfst\u00e4be historisch-kritischer Exegese kann freilich die Auferstehung \u2013 wie die Menschwerdung Gottes, die Rechtfertigung des Menschen durch das Sterben des Sohnes Gottes \u2013 nicht erfasst werden. Sie widerspricht allem, was Menschen kennen. Von daher ist an dieser Stelle der Glaube dominant. Aber ein Glaube, der mit historischem Forschen verzahnt ist.&nbsp;<em>Es muss irgendetwas Besonderes passiert sein. Aber was?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Frage: Die gesamte Menschheit ist eine sterbende Gattung.&nbsp;<em>Warum haben sich solche Geschichten gerade um den Menschen Jesus von Nazareth herum gebildet? Nur um ihn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>[*] Zur narrativen Theologie z\u00e4hlen wohl auch einige Naturwunder; zum Beispiel: so der wunderbare Fischzug, der auch von Johannes in die nach\u00f6sterliche Zeit verlegt wird, Jesu Gehen auf dem See \u2013 und die damit verbundene Rettung des Petrus; die Sturmstillung, die Vermehrung von Brot und Fisch durch die J\u00fcnger; manche z\u00e4hlen auch die Totenauferweckungsgeschichte des Lazarus dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgabe<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Sammle die oben genannten Kritik-Punkte. Wie viel findest Du?<\/li>\n\n\n\n<li>Welche kannst Du nachvollziehen?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie reagierst Du auf sie argumentativ? (Best\u00e4tigend oder ablehnend.)<\/li>\n\n\n\n<li>Wie w\u00fcrdest Du den Glauben an die Auferstehung Jesu bzw. der Menschen farblich-abstrakt oder fig\u00fcrlich darstellen? Male ein Bild.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die folgende Darlegung gibt meine Sicht der Texte wieder. Intensiver &#8211; nach allen Regeln der historisch-kritischen Interpretationskunst &#8211; wird das Thema freilich in wissenschaftlichen Kommentaren dargelegt. Auf sie sei ausdr\u00fccklich hingewiesen. Die Evangelien \u2013 Gemeinsamkeiten: Sonntag in der Fr\u00fche \u2013 der Stein war schwer \u2013 das Grab war leer. Frauen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2670","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2670","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2670"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2670\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2752,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2670\/revisions\/2752"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}