{"id":2578,"date":"2021-03-18T11:15:09","date_gmt":"2021-03-18T10:15:09","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=2578"},"modified":"2026-08-30T13:18:43","modified_gmt":"2026-08-30T11:18:43","slug":"kommunismus-sozialismus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kommunismus-sozialismus\/","title":{"rendered":"Kommunismus \/ Sozialismus"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Einf\u00fchrende Aspekte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man muss bei diesem Thema bedenken: Es klingt verbal alles harmlos. Aber die Ausgangslage war alles andere als harmlos. Ungeheures Leid ausgebeuteter Menschen waren der Ausgangspunkt. Und die K\u00e4mpfe gegen die Ausbeutung f\u00fchrten ebenfalls zu unaussprechlichen Dimensionen des Leidens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Wort\u00a0<em>Kommunismus<\/em>\u00a0hat die Bedeutung \u201eGemeinschaft\u201c im Hintergrund. Der Kommunismus ist das Ziel, die ideale Gemeinschaft; der\u00a0<em>Sozialismus<\/em>\u00a0ist der Weg auf dieses Ziel hin. Die klare Trennung der Begriffe ist jedoch nicht m\u00f6glich, da beide mal so, mal so verwendet werden. Das liegt daran, dass in der Sowjetunion &#8222;Sozialismus&#8220; eher abwertend verwendet wurde, sozusagen als nicht so richtig kommunistisch. Es geht urspr\u00fcnglich darum, dass alle alles gemeinsam haben. Das bedeutet allerdings, dass Freiheitsrechte des Einzelnen zugunsten des Gemeinwohls eingeschr\u00e4nkt werden. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass Privateigentum abgelehnt wird. Es geht um Wirtschaft, es geht darum, wie die Ressource Arbeitskraft und die Produktionsmittel wie -st\u00e4tten allen gleicherma\u00dfen zugutekommen. Man redet sich als\u00a0<em>Genosse\/Genossin<\/em>\u00a0an, duzt sich, um zu signalisieren, dass schon jetzt alle auf der gleichen Stufe stehen. (Wie Christen sich mit Bruder und Schwester anreden. Ein Arbeiterlied Lied beginnt so:\u00a0<em>Br\u00fcder<\/em>, zur Sonne zur Freiheit\u2026)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Situation des\u00a0<em>Proletariats<\/em>\u00a0war verheerend. Dieses Wort &#8222;Proletariat&#8220; bezeichnete und bezeichnet die Menschen, die nichts besa\u00dfen und von Arbeit abh\u00e4ngig waren. Es geht um die Armen, die Verelendeten, Ausgebeuteten (um die gebr\u00e4uchlichen kommunistischen Formulierungen zu verwenden), die man traditionell \u00fcbergangen bzw. als Gefahr f\u00fcr die gehobene Gesellschaftsschichten und damit auch f\u00fcr den Staat wahrnahm. Manche Menschen waren sehr reich, lebten in immensem \u00dcberfluss, die\u00a0<em>Kapitalisten<\/em>\u00a0bzw. die\u00a0<em>Bourgeois<\/em>. Andere dagegen verkauften ihre Arbeitskraft, mussten ihr Leben irgendwie fristen, die\u00a0<em>Proletarier<\/em>\u00a0bzw.\u00a0<em>Pauperisierten<\/em>\u00a0(Armen). Wenn sie in Fabriken gearbeitet haben, sich kaputt gearbeitet haben, wurden sie entlassen und andere bekamen die Stelle. Es gab keinerlei soziale Absicherung. Das Problem wuchs vor allem in den St\u00e4dten. In der Hoffnung, Arbeit und Geld zu bekommen, zogen die Menschen vom Land in die Stadt, es entstanden Armutsviertel voller entwurzelter Menschen, Kinder waren unterversorgt, lungerten in den Stra\u00dfen herum, starben an Krankheiten und an den Folgen von Misshandlungen. Im Grunde verkauften sich die Menschen selbst. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Bund der Ge\u00e4chteten \/ Gerechten, Marx und Engels<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es haben sich Gruppen unterschiedlichster Tendenzen gebildet: ganz radikale bis hin zu weniger radikalen, die dem Proletariat beistehen wollten. Deutsche gr\u00fcndeten ab 1836 in Paris den \u201eBund der Ge\u00e4chteten\u201c, sp\u00e4ter den \u201eBund der Gerechten\u201c. Sie hatten das Ziel, die Verh\u00e4ltnisse in Deutschland umzust\u00fcrzen, gegen Unterdr\u00fcckung der Menschen, es ging um die Befreiung des Proletariats.\u00a0<strong>Karl Marx<\/strong>\u00a0(1818-1883) und sein Finanzier, Gesinnungsgenosse und Mitdenker\u00a0<strong>Friedrich Engels<\/strong>\u00a0(1820-1895) haben diesen Bund dann zum \u201eBund der Kommunisten\u201c umbenannt und bekamen den Auftrag, das\u00a0<em>Kommunistische Manifest\u00a0<\/em>zu formulieren. Beide versuchten das Elend einmal philosophisch zu ergr\u00fcnden und zum anderen Wege aufzuzeigen, mit deren Hilfe man dieses Elend abschaffen kann. Sie haben diese Ans\u00e4tze zu einem einheitlichen\u00a0<em>materialistischen<\/em>\u00a0Weltbild zusammengef\u00fchrt, dem\u00a0<em>Marxismus<\/em>. Nicht Gott treibt die Geschichte an, auch nicht die Idee, das Denken. Nicht das Bewusstsein des Menschen bestimmt die Gesellschaft, sondern die Gesellschaft das Bewusstsein des Menschen. Die Grundlage der Geschichte ist der Kampf der Armen gegen die Besitzenden \u2013 die Unterdr\u00fcckung der Menschen durch die Besitzenden. Das zu erreichende Kampf-Ziel ist die Utopie, dass alle Menschen gleich viel Geld und Einfluss haben, keiner muss hungern, keiner muss sein Leben f\u00fcr die Arbeit \u2013 das hei\u00dft f\u00fcr die Industriellen, die Kapitalisten, den Bourgeois \u2013 geben, jeder Mensch geh\u00f6rt sich selbst. Es gibt keinen Besitz mehr, alle besitzen gleicherma\u00dfen alles. (Als Grundlage der Utopie: Apostelgeschichte 4,32-37 \u2013 nur ohne Gott. Allerdings hat Marx sich dagegen gewehrt, dass es eine Utopie sei. Sein Ziel war es, seine Idee auf &#8222;wissenschaftliche&#8220; Grundlage zu stellen.) Der negative, abwertende Begriff wurde zu einem stolzen Kampfbegriff:\u00a0<em>Proletarier aller L\u00e4nder vereinigt euch<\/em>. (So beendet Marx das Kommunistische Manifest; heute wurde das stolze Wort wieder ver\u00e4chtlich gemacht: der Prolet, der Proll wurde wieder zu einem Begriff, der Menschen abwertet.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Karl Marx ver\u00f6ffentlichte das\u00a0<strong>Kommunistische Manifest<\/strong>\u00a0im Jahr\u00a0<strong>1848<\/strong>\u00a0und im gleichen Jahr wurde die\u00a0<em>Diakonie<\/em>\u00a0(die damals allerdings noch nicht so hie\u00df) gegr\u00fcndet, die viele soziale Aktionen der evangelischen Kirche b\u00fcndeln sollte. Das hei\u00dft: Nicht allein Marx machte sich Gedanken dar\u00fcber, wie man das Elend bek\u00e4mpfen kann. W\u00e4hrend allerdings die Diakonie das mit Hilfe der reichen Industriellen erreichen wollte, mit deren Kapital, mit dem Versuch, sie zum Umdenken zu bewegen (<strong>Johann Hinrich Wichern<\/strong>\u00a0[1808-1881] setzte sich nicht nur philosophisch f\u00fcr Verarmte ein, sondern tatkr\u00e4ftig, ebenso der katholische Bischof\u00a0<strong>Wilhelm Emmanuel von Ketteler<\/strong>\u00a0[1811-1877]), wollte Marx das gegen die Industriellen erreichen: Der Traum von Karl Marx bestand darin, dass eben die Kapitalisten gest\u00fcrzt werden w\u00fcrden. Mit den Kapitalisten auch die Kirchen, da die Kirchen, die politischen und wirtschaftlichen Herrscher gemeinsam das Proletariat, so Marx, unterdr\u00fcckten. Und wenn die Kapitalisten gest\u00fcrzt sind, haben alle genug Geld, eben das der Kapitalisten, um die Produktion auf neue Beine zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ideen, die Marx entwickelt hatte, fielen auf fruchtbaren Boden. \u00dcberall gab es \u2013 nicht nur wegen Marx \u2013 sozialistische Aktivisten, die das Proletariat dazu brachten, sich gegen die ungerechten Zust\u00e4nde zu wehren. Es flammten immer mal wieder massive Auseinandersetzungen und K\u00e4mpfe auf, auch brutal bek\u00e4mpft von den jeweiligen Herrschern. Aber auch innerhalb der Kommunisten \/ Sozialisten gab es Unterschiede: die Radikalen wollten gewaltsam alles \u00e4ndern, die \u201eReformierten\u201c wollten schrittweise die schlimme Situation der armen Menschen ver\u00e4ndern Zum Beispiel:\u00a0<strong>Ferdinand Lassalle<\/strong>\u00a0(1825-1864). Der materialistische Ansatz war mehr oder weniger allen gemeinsam. Wobei sich dann im Laufe der Zeit die Sozialdemokratie vom strengen Marxismus l\u00f6ste und auf demokratischem Wege einen Sozialstaat anstrebte. (Entsprechend waren auch die Ansichten der gem\u00e4\u00dfigten SPD und der extremen, Gewalt bereiten Kommunistin\u00a0<strong>Rosa Luxemburg<\/strong>\u00a0[1871-1919] zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer angespannter.)<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Russland: Lenin, Trotzki, Stalin<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die strenge marxistische Bewegung lie\u00df sich auch nicht mehr aufhalten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es gro\u00dfe Unruhen im Russischen Reich. Unterst\u00fctzt von der Preu\u00dfischen Regierung, die Russland schw\u00e4chen wollte, fuhr ein russischer Fl\u00fcchtling, der in der Schweiz lebte, nach Russland:\u00a0<strong>Wladimir Iljitsch Lenin<\/strong>\u00a0(1870-1924). Durch seine Redegewalt peitschte er Menschen gegen Anh\u00e4nger des schon in der\u00a0<em>Oktoberevolution 1917<\/em>\u00a0gest\u00fcrzten zaristischen Regimes bzw. denen, die nicht kommunistisch dachten, auf. Er organisierte mit seinen Anh\u00e4ngern (den\u00a0<em>Bolschewiki<\/em>\u00a0\u2013 sp\u00e4ter: \u201eKommunistische Partei Russlands\u201c) gewaltsame Unruhen und \u201edie Roten\u201c \u00fcbernahm die Macht. Letztlich besiegte das marxistisch-leninistische Proletariat \u2013 nat\u00fcrlich auch mit vielen, die eigentlich nicht dazu geh\u00f6rten \u2013 die Wei\u00dfen Armeen (also diejenigen, die nicht den roten Extremismus wollten) im B\u00fcrgerkrieg von 1918-1922. Ein gro\u00dfes Blutbad begann, die Sowjetunion wurde gegr\u00fcndet. Die Kommunisten der Sowjetunion spalteten sich in unterschiedliche Gruppen, so eine um\u00a0<strong>Leo Trotzki<\/strong>\u00a0(1879-1940). Er war derjenige, der Lenin zur Macht verhalf, dann aber einige Zeit nach Lenins Tod wegen abweichender Meinung durch Stalin im Exil umgebracht wurde<strong>. Josef Stalin<\/strong>\u00a0(1878-1953) \u00fcbernahm dann nach Lenin die Herrschaft und kreierte den\u00a0<em>Marxismus-Leninismus<\/em>. Das Blutbad ging weiter. Menschen wurden in Gulags verfrachtet, in Arbeitslager. Das, was unter den Nationalsozialisten die KZ waren, war unter dem Sowjetkommunismus der Gulag. Es gab freilich Unterschiede, aber was die Menschenverachtung betraf, sind sie wohl kaum zu unterscheiden: Gegner galt es zu vernichten \u2013 auch wenn die Gegner eigentlich gar nicht so richtig wussten, warum sie Gegner sein sollten.(1)<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Spanien und Deutschland<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Spanien siegten eher linksgerichtete Republikaner in einer Wahl. Sie konnten das zerrissene Land nicht befrieden \u2013 im Gegenteil versch\u00e4rfte sich unter deren Herrschaft die Situation massiv, es kam zu Aufst\u00e4nden. 1936 bekam die kommunistische&nbsp;<em>Volksfront<\/em>&nbsp;die Macht. Dagegen putschten rechtsgerichtete Gruppen unter Francisco Franco. Es begann 1936-1939 ein blutiger weltanschaulicher Kampf: Die Kommunisten wurden von der kommunistischen Sowjetunion unterst\u00fctzt, darunter auch einer (kommunistischen)&nbsp;<em>Internationalen Brigade<\/em>&nbsp;von bis zu 25.000 K\u00e4mpferinnen und K\u00e4mpfern (auch aus Deutschland), die rechtsgerichteten Gruppen wurden von faschistischen Staaten (Mussolini: Italien, Hitler: Deutschland) unterst\u00fctzt. Letztlich konnten die faschistischen Gruppen die Kommunisten besiegen. (Demokratisierungsprozess begann erst nach dem Tod von Franco 1975.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man muss bedenken: Nationalsozialisten und Kommunisten bek\u00e4mpften sich in Deutschland gegenseitig als extremistische Konkurrenz-Gruppen massiv. Die Nationalsozialisten haben das Wort \u201eSozialismus\u201c im Namen. Ihr Ziel war es, eine Art&nbsp;<em>Sozialismus auf nationaler Ebene<\/em>&nbsp;umzusetzen: manche der NS-F\u00fchrung (Goebbels: \u201eWarum sind wir Sozialisten?\u201c) bzw. der Vordenker waren vorher dem Sozialismus bzw. der k\u00e4mpfenden Arbeiterschaft (dem Proletariat) zugeneigt. Manche im Volk dachten auch, es sei nationaler Sozialismus, es w\u00fcrden Gleichheit (Gemeinnutz vor Eigennutz; Verstaatlichung von Firmen) und Gemeinschaft hergestellt werden (so dachte zumindest die junge Sophie Scholl), eine Art&nbsp;<em>Volks-Sozialismus<\/em>, der Begriff Volks-Genosse gibt das wieder wie auch die rote Fahne (allerdings mit einer wei\u00dfen Scheibe und einem schwarzen Hakenkreuz statt gelbem Hammer und Sichel versehen). Von Katholiken wurde der Nationalsozialismus als&nbsp;<em>Bolschewismus unter nationalem Vorzeichen&nbsp;<\/em>bezeichnet. Das alles wird heute eher so interpretiert, als w\u00e4re sozialistische Begrifflichkeit von Nationalsozialisten nur verwendet worden, um unter Arbeitern Anh\u00e4nger zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sowjetunion nach 1945<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 1945, nachdem das nationalsozialistische Deutschland besiegt worden war, \u00fcbernahm die Sowjetunion unter Stalin viele osteurop\u00e4ische Staaten, sowie den Osten Deutschlands (DDR &#8211; Deutsche Demokratische [im Sinne von: Diktatur des Proletariats] Republik; 1968 als &#8222;Sozialistischer Staat&#8220;), und sie wurden Teil des sowjet-kommunistischen Warschauer Paktes (1955; als Gegenpart zur Nato). Weltweit unterst\u00fctzte die Sowjetunion Bestrebungen anderer Kommunisten, die Revolution durchzusetzen. Es begann der\u00a0<em>Kalte Krieg<\/em>, das hei\u00dft weltweit versuchte die Sowjetunion den Kommunismus durchzusetzen \u2013 der Westen versuchte diese Versuche zu bek\u00e4mpfen und seine kapitalistische Sichtweise durchzusetzen. So gab es \u00fcberall so genannte\u00a0<em>Stellvertreterkriege:<\/em>\u00a0die von der Sowjetunion unterst\u00fctzten Befreiungsbewegungen versuchten die alten Regime zu st\u00fcrzen, der Westen versuchte, sie zu verteidigen. In Afrika, in S\u00fcd- und Mittelamerika. Viele L\u00e4nder leiden heute noch darunter (Mozambique, Angola, mittelamerikanische L\u00e4nder). Arabische Staaten entwickelten eine Art Arabischen Sozialismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sowjetkommunismus endete nach einem vorlaufenden Zerbr\u00f6ckeln 1991.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">China<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Massive Bedeutung bekam der Kommunismus dann, als in der so genannten&nbsp;<em>Kulturrevolution<\/em>&nbsp;(\u201eGro\u00dfe Proletarische Kulturrevolution\u201c)&nbsp;<strong>Mao Zedong<\/strong>&nbsp;(1893-1976) in China in einem blutigen Aufstand die alten Zust\u00e4nde wegfegte und sein kommunistisches Regime installierte (1966-1976). Zig Millionen Menschen wurden ermordet, gefoltert, starben in Arbeitslagern. Mao wurde zur gro\u00dfen kommunistischen Lichtgestalt \u2013 auch vieler, die sich im Westen dem Sozialismus zuneigten. Auch hier, wie im Zusammenhang des Sowjetkommunismus verschloss man die Augen vor den Gr\u00e4ueln, versuchte sie als notwendig auf den Weg in die heile kommunistische Welt zu verteidigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die Sowjetunion bis 1991 zusammengebrochen war, wurden auch andere L\u00e4nder wieder freier. Das war dann die Chance des chinesischen Kommunismus. Dieser verbreitet sich aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden weltweit aus, vor allem in Ost Afrika. Da geht es allerdings im Augenblick \u2013 soweit ich sehe \u2013 nicht so sehr um die Etablierung \u201eeines\u201c Kommunismus, sondern darum, L\u00e4nder wirtschaftlich an China zu binden. Nach eigenem Selbstverst\u00e4ndnis gibt es heute noch folgende kommunistische L\u00e4nder: China, Vietnam, Laos, Nordkorea, Kuba; in Venezuela wird gegen den Widerstand gro\u00dfer Teile der Bev\u00f6lkerung versucht, ein solches zu etablieren. Was zu immenser Armut des reichen Landes f\u00fchrte. Dieser Weg wurde 2026 von den USA abgebrochen. Vor allem in S\u00fcdamerika brodelt es noch mit Blick auf kommunistische Ideale.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Chinesische Christen sehen sich vielfach als Kommunisten \/ Sozialisten \u2013 allerdings sehen sie das Christentum als den wahren Sozialismus an. Denn das soziale Engagement geh\u00f6rt zum christlichen Glauben dazu.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kirchen und der Kommunismus\/Sozialismus<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gro\u00dfer Gegner des Kommunismus waren die Kirchen. Seit Marx. Sie wurden mit allen Mitteln bek\u00e4mpft. Das nicht nur, weil die Kirchen die Herrscher unterst\u00fctzten bzw. die Kapitalisten, sondern auch darum, weil sie der materialistischen Utopie den Glauben an Gott entgegensetzten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">O-Ton Karl Marx:&nbsp;<em>\u201eDie sozialen Prinzipien des Christentums haben die antike Sklaverei gerechtfertigt, die mittelalterliche Leibeigenschaft verherrlicht und verstehen sich ebenfalls im Notfall dazu, die Unterdr\u00fcckung des Proletariats, wenn auch mit etwas j\u00e4mmerlicher Miene, zu verteidigen. Die sozialen Prinzipien des Christentums predigen die Notwendigkeit einer herrschenden und einer unterdr\u00fcckten Klasse und haben f\u00fcr die letztere nur den frommen Wunsch, die erste m\u00f6ge wohlt\u00e4tig sein. Die sozialen Prinzipien des Christentums setzen die konsistorialr\u00e4tliche Ausgleichung aller Infamien in den Himmel und rechtfertigen dadurch die Fortdauer dieser Infamien auf der Erde. Die sozialen Prinzipien des Christentums erkl\u00e4ren alle Niedertr\u00e4chtigkeiten der Unterdr\u00fccker gegen die Unterdr\u00fcckten entweder f\u00fcr gerechte Strafe der Erbs\u00fcnde und sonstigen S\u00fcnden oder f\u00fcr Pr\u00fcfungen, die der Herr \u00fcber die Erl\u00f6sten nach seiner unendlichen Weisheit verh\u00e4ngt. Die sozialen Prinzipien des Christentums predigen die Feigheit, die Selbstverachtung, die Erniedrigung, die Unterw\u00fcrfigkeit, die Demut, kurz alle Eigenschaften der Kanaille, und das Proletariat, das sich nicht als Kanaille behandeln lassen will, hat seinen Mut, sein Selbstgef\u00fchl, seinen Stolz und seinen Unabh\u00e4ngigkeitssinn noch viel n\u00f6tiger als sein Brot. Die sozialen Prinzipien des Christentums sind duckm\u00e4userig, und das Proletariat ist revolution\u00e4r.\u201c<\/em>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.vulture-bookz.de\/marx\/archive\/quellen\/Marx~Die_sozialen_Prinzipien_des_Christentums.html\">http:\/\/www.vulture-bookz.de\/marx\/archive\/quellen\/Marx~Die_sozialen_Prinzipien_des_Christentums.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie erkennbar wird, versuchte man, sich gegen das soziale Engagement der Kirchen zu profilieren. Wobei allerdings auch zu sagen ist: Die Kirchen haben vielfach nicht sozial gehandelt \u2013 im Gegenteil. Das ist gro\u00dfe Schuld, die Kirchen in der Geschichte auf sich geladen haben. Der Kommunismus\/Sozialismus hat auch den institutionalisierten Kirchen wieder die Augen f\u00fcr die soziale Botschaft Jesu ge\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber: Dieser heftige Kampf gegen die Kirchen in der Sowjetunion, in Spanien, in China in dem unz\u00e4hlige wehrlose Glaubende im wahrsten Sinn des Wortes abgeschlachtet, in Lagern unmenschlich behandelt, Kirchengeb\u00e4ude eingerissen, religi\u00f6se Gegenst\u00e4nde und Kunst verachtet und vernichtet wurden \u2013 \u00a0brachte die Kirchen im Westen dazu, sich auf die Seite der Faschisten zu schlagen, weil man hoffte, die Glaubenden dadurch sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen \u2013 allerdings ging es freilich auch um Macht und Gewohnheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einzelne Christen versuchten mit der Reich Gottes-Botschaft Jesu im Sinn, dieses Reich Gottes schon auf Erden zu errichten. Insofern konnten sie sich auch mit gem\u00e4\u00dfigtem Sozialismus \/ Kommunismus verbinden. Es sei angemerkt, dass auch j\u00fcdische Kibbuzim versuchten, das sozialistische Ideal umzusetzen: Allen geh\u00f6rt alles. Christliche Kl\u00f6ster haben sowieso diese Grundlage. Das hei\u00dft, das, was der Sozialismus \/ Kommunismus ohne Gott durchsetzen wollte, ist durch den christlichen Glauben an Gott stark im kulturellen Erbe verwurzelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 1945 haben sich auch Menschen in Kirchen des Westens offener gegen\u00fcber dem Kommunismus \/ Sozialismus gezeigt \u2013 obgleich in den kommunistischen L\u00e4ndern Christen massiv verfolgt wurden. In den Kirchen gab es Str\u00f6mungen, die die unterschiedlichen Formen des Kommunismus unterst\u00fctzten. Die einen wandten sich \u2013 wie in der deutschen Gesellschaft auch \u2013 dem Sowjetkommunismus zu, andere sp\u00e4ter dem chinesischen. Die so genannte Mao-Bibel war \u00fcberall zu haben, viele hatten sie in ihren Hosentaschen. Wieder andere sahen in all diesen kommunistischen L\u00e4ndern den Kommunismus verraten, und bewunderten\u00a0<strong>Enver Hodscha<\/strong>\u00a0(1908-1985) aus Albanien. Viele arbeiteten mit gem\u00e4\u00dfigten Sozialisten zusammen, wieder andere versuchten einen eigenst\u00e4ndigen christlichen Sozialismus zu entwickeln (so zum Beispiel in S\u00fcdamerika die Theologie der Befreiung, der \u00d6kumenische Rat der Kirchen hat sich stark auf die sowjetische orthodoxe Kirche eingelassen, die dann vom Staat zugelassen wurde, eben um im Westen die Kirchen kommunistisch zu beeinflussen).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ausblick<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn kommunistische Staaten vielfach zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurden, weil Menschen frei sein wollen, der Ansatz ist vielfach noch da und auch in unideologischer Form wichtig: der unideologische Versuch, sozial zu sein, der Versuch, m\u00f6glichst den armen Menschen eines Landes zu helfen \u2013 und das gemeinsam mit dem kirchlichen sozialen Engagement.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer wieder bricht allerdings der ideologische Versuch durch, das hei\u00dft, dass das enge Weltbild des Kommunismus sich durchzusetzen versucht: gegen Glauben (Religionsfreiheit), gegen den Menschen als Individuum, damit gegen Privateigentum, gegen Meinungsfreiheit usw.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So lange Menschen unter ungerechter Wirtschaft leiden, daran leiden, dass manche unermesslich Besitz haben, andere sich nicht einmal das N\u00f6tigste besorgen k\u00f6nnen, so lange werden Sozialismus \/ Kommunismus ihren Reiz haben, die Gesellschaft zu ver\u00e4ndern. Manchmal \u2013 in seiner extremen Form \u2013 gegen den christlichen Glauben, manchmal \u2013 in seiner sozialen Form \u2013 mit christlichem Glauben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(1) Von massiven Grausamkeiten und den Lynch-Exzessen spricht Hannes Leidinger: Der Russische B\u00fcrgerkrieg 1917-1922, Reclam 2020<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einf\u00fchrende Aspekte Man muss bei diesem Thema bedenken: Es klingt verbal alles harmlos. Aber die Ausgangslage war alles andere als harmlos. Ungeheures Leid ausgebeuteter Menschen waren der Ausgangspunkt. Und die K\u00e4mpfe gegen die Ausbeutung f\u00fchrten ebenfalls zu unaussprechlichen Dimensionen des Leidens. * Das Wort\u00a0Kommunismus\u00a0hat die Bedeutung \u201eGemeinschaft\u201c im Hintergrund. 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