{"id":234,"date":"2019-06-29T17:39:35","date_gmt":"2019-06-29T15:39:35","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=234"},"modified":"2026-04-20T22:36:16","modified_gmt":"2026-04-20T20:36:16","slug":"freiheit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/freiheit\/","title":{"rendered":"Freiheit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">FREIHEIT<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30003\">Aufgabe: Vor\u00fcberlegungen<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-0a200981e240b51b345d3f2e9514cbe9\" style=\"color:#a30003\">Was ist Freiheit?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-7a3f558a467175723b7f0bfa28e0acf1\" style=\"color:#a30003\">Kann ein Mensch Freiheit sch\u00e4tzen, wenn er die Unfreiheit nicht kennen gelernt hat?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-5497e29b5257e56a74885c4c6c13de59\" style=\"color:#a30003\">Kann ein Mensch, der unfrei war, wirklich frei sein, oder bleibt er innerlich unfrei, auch wenn er sich frei f\u00fchlt?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-66c068f4f61eaee6617b79c7ffa42864\" style=\"color:#a30003\">Begeben sich Menschen frei in Unfreiheit, weil sie mit der Freiheit nicht klar kommen?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-68d21cc83f40ea01ecdf29dd874d7a4f\" style=\"color:#a30003\">Kann ein Mensch, ohne es zu merken, sich in Unfreiheit begeben?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-4333ae9d7e6d7d8185494762fb46c234\" style=\"color:#a30003\">Wenn der Mensch ein Gruppenwesen ist \u2013 f\u00fchlt er sich dann nicht nur in der Gruppe\/Menge frei?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-17369da4ad1f87957fe64dc8d5680e6a\" style=\"color:#a30003\">Ist Freiheit nur ein Thema \u2013 ist Freiheit ein Lebensgef\u00fchl?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>1. Rollen im sozialen Miteinander<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir Menschen sind im sozialen Miteinander verortet. Ich bin als menschliches Individuum nicht einfach so da, sondern stehe in einer Kausalkette \u2013 nicht zuletzt durch das sexuell-liebende Miteinander der Eltern. Wir sind eingebunden in Familie und in die vom Staat (Institution) vorgegebenen Voraussetzungen: Schule \u2013 Beruf. Ich bin Teil der Kultur, in die ich hineingeboren wurde. Hinzu kommen noch die Nachbarschaft, die Ortsgemeinschaft usw.<\/p>\n\n\n\n<p>In diese vorgegebenen Strukturen sind wir eingebunden durch soziale Interaktionen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Schule: Mitsch\u00fcler, Lehrer, Vorgesetzte, Schulgemeinde, Eltern, Hausmeister\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>Beruf: Kollegen, Vorgesetzte, der Markt, der auf das Produkt reagiert (\u00f6konomisch).<\/li>\n\n\n\n<li>Nachbarschaft\/Familie: Regeln, um miteinander gut auszukommen.<\/li>\n\n\n\n<li>Ortsgemeinschaft: Diese ist gegenw\u00e4rtig nicht mehr ganz so notwendig vorhanden, weil man in einer Ortsgemeinschaft leben kann, aber durch Kontakte zu anderen Orten, nicht mehr abh\u00e4ngig von ihr ist.<\/li>\n\n\n\n<li>Kultur: Sprache pr\u00e4gt Kultur. Ich bin abh\u00e4ngig von Sprache (Sprache vermittelt Weltbild). Religion pr\u00e4gt Kultur, Kunst (Design, Architektur), Alltagskultur (Essen, Pflege, Lebensrhythmus\u2026) habe ich ins Unterbewusste \u00fcbernommen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es weitere soziale Rollen, in die wir uns freiwillig einbinden: Hobby, gesellschaftspolitische Aufgaben:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Hobby: Kollegen, Materialien-H\u00e4ndler, Interessierte\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>Gesellschaftspolitische Aufgaben mit ihren jeweiligen Akteuren: Kirche, Sport und andere Vereine, Selbsthilfegruppen, Feuerwehr \/ THW \/ Rotes Kreuz usw., Umweltgruppen, Menschenrechtsgruppen usw.<\/li>\n\n\n\n<li>Weitere Vernetzungen: denken wir an die Steuern, die Versicherungen \u2013 alles, was wir tun, hat gesellschaftspolitische Auswirkungen, selbst wenn wir an Heirat und die Kinderplanung denken und das Hobby f\u00f6rdert die Wirtschaft.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Was bedeutet das zum Thema Freiheit? Wir sind sozial eingebunden: unfreiwillig und freiwillig, manchmal merken wir es, manchmal bemerken wir es gar nicht. Wir sind eingebunden, haben aber in dieser Gebundenheit Freiheiten. Wir spielen in diesen jeweiligen Bereichen unsere Rollen als die Menschen, die wir sind, mit unserem Charakter, unseren k\u00f6rperlichen Vorgaben, den allgemeinen Vorlieben, der Erziehung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Charakter: psychisch \u2013 gem\u00e4\u00df unserer psychischen Verfassung oder unserer kognitiven M\u00f6glichkeiten, das hei\u00dft unserer Auffassungs- und Assoziationsgabe.<\/li>\n\n\n\n<li>K\u00f6rper: biologische Komponenten spielen eine Rolle.<\/li>\n\n\n\n<li>Erziehung: die gesamte Sozialisation durch Verwandte, Freunde, andere Menschen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr das Thema Freiheit?&nbsp;<em>Wir pr\u00e4gen diese Rollen \u2013 diese Rollen pr\u00e4gen uns.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>2. Willensfreiheit und Handlungsfreiheit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es wird in der Philosophie unterschieden zwischen Willensfreiheit und Handlungsfreiheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">a)&nbsp;<strong>Willensfreiheit:<\/strong>&nbsp;Es geht darum, dass man wollen kann, was man will. Warum will ich, was ich will? Ist das in irgendeiner Form vorgegeben, determiniert? Ist das nicht vorgegeben, indeterminiert? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Vor Dir liegt eine Chipst\u00fcte. Du willst Chips essen. Du kannst also frei entscheiden: Will ich diese Chips essen &#8211; oder nicht? Aber kann ich wirklich frei entscheiden? Der K\u00f6rper, das Hirn, was auch immer will, dass ich sie esse &#8211; warum auch immer. Will ich &#8211; oder will ich nicht? Aber ist auch das Nicht-Wollen frei, oder durch irgendwelche Zw\u00e4nge bestimmt? (Ich will nicht zunehmen, ich will lernen, mich zu beherrschen, weil sich zu beherrschen wichtig ist im Leben usw.) <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Determination wird aus unterschiedlichen Perspektiven dargelegt: theologisch: Gott lenkt alles (\u201eder Mensch denkt, Gott lenkt\u201c); philosophisch: Jedes Handeln ist durch vorangehende Handlungen begr\u00fcndet; wissenschaftlich: alles ist berechenbar (Naturgesetze). Dass alles determiniert sei, ist aus naturwissenschaftlicher Sicht nicht mehr haltbar, seit die Quantentheorie erstellt wurde.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>In der philosophischen Tradition (<em>Scholastik<\/em>) hat man zun\u00e4chst gedacht, dass man zwischen Vorgaben w\u00e4hlen kann: Ich will aus unterschiedlichen M\u00f6glichkeiten die M\u00f6glichkeit X ausw\u00e4hlen. Vernunft, Moral und soziales Umfeld sind zwar Vorgaben, aber man w\u00e4hlt aus, ohne sie bewusst wahrzunehmen bzw. ihnen zu folgen. Man hat Entscheidungsfreiheit \/ Wahlfreiheit. Ist Entscheidungsfreiheit mit Willensfreiheit gleichzusetzen?<\/li>\n\n\n\n<li>Der Wille ist von Vorgaben abh\u00e4ngig. Wenn dem nicht so w\u00e4re, wenn der Wille wirklich ganz autonom und frei w\u00e4re, dann ist nichts vorgegeben, und ich fange einfach so unbegr\u00fcndet \u2013 au\u00dfer eben in meinem Willen \u2013 etwas vollkommen Neues an, weil es mir gerade in den Sinn kommt. Gibt es f\u00fcr den Menschen diese M\u00f6glichkeiten, dass er \u2013 ohne durch etwas veranlasst worden zu sein \u2013 etwas Neues tut, weil es sein Wille ist? W\u00e4re der Mensch dann nicht ganz und gar unberechenbar? Diese M\u00f6glichkeiten gibt es, wenn das Hirn krank ist \u2013 aber das ist dann ja nicht mehr der Wille des Menschen. Im Grunde gilt f\u00fcr den Menschen: Jedes Handeln ist durch vorangehende Handlungen begr\u00fcndet; das kann gar nicht anders sein, da der Mensch immer in Kausalit\u00e4ten denkt (kurz: eins bedingt das andere).<\/li>\n\n\n\n<li>Der Philosoph <em>Kant<\/em> sah den Willen als frei an, aber in dem Rahmen, den die Vernunft gibt. Frei bin ich nicht, wenn ich das tue, was ich mir w\u00fcnsche, sondern dann, wenn ich der Vernunft folge, das hei\u00dft gem\u00e4\u00df Kategorischem Imperativ: Ich tue das, von dem ich will, dass andere es auch tun. Das hei\u00dft: Der freie Wille ist gebunden an Vernunft, Moral, an das soziale Umfeld. Ich w\u00e4ge also in meinen Entscheidungen ab.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Philosoph <em>Hume<\/em> sah, dass nicht die Vernunft alles bestimmt, sondern die Leidenschaft, die Abneigung und Zuneigung, das Wohlergehen, Vergn\u00fcgen, die Meidung des Schmerzes. Und diese bestimmen auch die Moral. Wenn ein Mensch bef\u00fcrchtet, aufgrund seiner Handlung von der Gesellschaft Tadel \/ Sanktionen zu erfahren, dann unterl\u00e4sst er sie, weil sie Schmerzen zur Folge hat. Wenn er meint, er bekommt Lob daf\u00fcr und Anerkennung, dann handelt er entsprechend.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Mathematiker und Philosoph Leibniz: niemand w\u00fcnscht f\u00fcr sich diese Freiheit, zu wollen, was man will, sondern vielmehr die Freiheit, zu wollen, was das Beste ist.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Psychiater <em>Freud <\/em>sieht den Menschen in Abh\u00e4ngigkeit vom \u00dcber-Ich und Es. Das \u00dcber-Ich wird bestimmt von der Gesellschaft, die das Gewissen pr\u00e4gt. Mit der Gesellschaft verbunden ist die Religion, die Gott als pr\u00e4gende Gr\u00f6\u00dfe als \u00dcber-Ich interpretiert. Zudem ist der Mensch abh\u00e4ngig vom Es. Das Es sind die den Menschen bestimmenden Triebe. \u00dcber-Ich und Es k\u00e4mpfen im Menschen gegen- und miteinander. Der Mensch hat aber auch einen Ausgleich in sich, das Ich, die Vernunft, die das harte \u00dcber-Ich wie das chaotische Es in Einklang zu bringen sucht.<\/li>\n\n\n\n<li>In der Gegenwart sagen manche (<em>Roth, Libet<\/em> u.a.), dass wir letztlich nicht wissen, warum wir etwas wollen, sondern das Gehirn (psychologischer Determinismus) gibt es vor, bzw. die Gene (physiologischer Determinismus), bzw. die Gesellschaft (sozialer Determinismus) geben es vor \u2013 entsprechend wollen wir, was wir wollen sollen. Wir sind somit nicht frei, weil die Entscheidungen nicht frei-wollend getroffen werden. Aber wir denken, wir seien frei, weil wir uns das Wollen zuschreiben.<\/li>\n\n\n\n<li>Inzwischen ist man wieder weiter und sieht, dass auch das Gehirn nicht ein autarkes Teil ist, das einfach willk\u00fcrlich irgendetwas entscheidet, sondern es ist Teil des Individuums. Von daher ist das Wollen etwas, das mit dem Individuum als ganzheitliches Wesen \u00fcbereinstimmt, auch wenn im Hintergrund des Gehirns alles M\u00f6gliche unbeeinflussbar abl\u00e4uft. Der Mensch ist ein Wesen aus K\u00f6rper und Gehirn \u2013 nicht nur ein Hirnwesen. Und das Gehirn wird von den unterschiedlichsten (auch sozialen) Komponenten gepr\u00e4gt \u2013 und ich bin so frei, mich auch selbst zu pr\u00e4gen, in eine Richtung hin zu entwickeln, die ich frei w\u00e4hle.<\/li>\n\n\n\n<li>In der Religionskritik ist man seit Feuerbach so weit, dass man sagt: Ich will keinen Gott \u2013 und entsprechend Gott verneint. Der Mensch hat sich einen Gott erschaffen, er projizierte alles Gute in Gott hinein und mutete sich selbst nur das Schlechte zu. Jetzt ist der Mensch endlich in der Lage, das Unbewusste zu durchschauen und er will das \u00e4ndern: Er will das, was er in Gott unbewusst hineinprojizierte, jetzt bewusst f\u00fcr sich selbst in Anspruch nehmen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Fazit: Man kommt immer weiter weg von der Gegen\u00fcberstellung: der Wille ist unfrei \u2013 der Wille ist frei. Man sieht: Mein Wille wird von einer Unmenge an (unbewussten) Komponenten gepr\u00e4gt \u2013 gleichzeitig pr\u00e4gt mein reflektierender Wille K\u00f6rper wie Gehirn. Wenn der Mensch g\u00e4nzlich determiniert w\u00e4re, k\u00f6nnte er nicht f\u00fcr Taten verantwortlich gemacht werden: Er musste es tun. Doch wir wissen, dass das Menschsein sich eben dadurch auszeichnet, dass der Mensch anders als das Tier Verantwortung tragen kann, weil er reflektierend seinen Willen pr\u00e4gen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-4a57baa672b7ab18ce810f2f46d7808d\" style=\"color:#a30003\">Aufgaben: Welche der oben genannten Aussagen w\u00fcrdest Du <br>(a) dem &#8222;Weichen Kompabilitismus&#8220; zu ordnen, welche <br>(b) dem &#8222;Harten Kompabilitismus&#8220;? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-17ff0c8e824a4629d35d752005533adf\" style=\"color:#a30003\">&#8222;Weicher Kompatibilismus&#8220; bedeutet: Der Mensch f\u00fchlt seinen Willen in der Bestimmung als frei. &#8222;Harter Kompatibilismus&#8220; bedeutet: Der Mensch sieht seinen Willen als frei an, auch gegen Bestimmung zu handeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">b)&nbsp;<strong>Handlungsfreiheit<\/strong>: Tun k\u00f6nnen, was man will, als Individuum, als Gemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die Chipst\u00fcte liegt vor mir, sie geh\u00f6rt mir, ich kann also essen, kann es auch lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-decoration:underline\">Zwei Ans\u00e4tze der Philosophie<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hume<\/em> sieht, dass man frei handeln kann, wenn man von \u00e4u\u00dferen Zw\u00e4ngen frei ist (diese Aussage geh\u00f6rt zur Handlungsfreiheit), aber innere Zw\u00e4nge hindern ein freies Handeln, so zum Beispiel, wenn meine Neigungen handlungsbestimmend sind, weil ich selbst Teil meiner Neigungen bin (diese Aussage geh\u00f6rt zur Willensfreiheit). Aber: <strong>Ich<\/strong> bin meine Neigung. Von daher bin ich frei, auch wenn es so aussieht, ich folge inneren Zw\u00e4ngen. <em>Kant<\/em> sieht das anders: Wer seinen Neigungen folgt, ist Sklave seiner Neigungen. Nur die Vernunft &#8211; also das wahre Ich &#8211; befreit, macht autonom. Aus Sicht der Anthropologie ist zu sagen, dass der Mensch im Unterschied zum Tier nicht mehr instinktgebunden handeln muss, also frei ist \u2013 frei ist, verantwortungsbewusst zu handeln. Sokrates und Platon: Frei ist der, der vern\u00fcnftig das Gute\/Wahre w\u00e4hlt \u2013 also nicht: G\u00fcter, Materielles! <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-decoration:underline\">Frei sein von&#8230; &#8211; frei sein zu&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist zu unterscheiden zwischen frei sein von\u2026 (also frei sein von Einschr\u00e4nkungen) (auch&nbsp;<em>negative Freiheit&nbsp;<\/em>genannt) und frei sein zu\u2026 (also frei sein zu selbstbestimmten Handeln) (auch&nbsp;<em>positive Freiheit<\/em> genannt).<\/p>\n\n\n\n<p>Beide sind wieder zu untergliedern in<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>negative \u00e4u\u00dfere Freiheit =&nbsp; frei von\u2026 aus sozialer Sicht, also frei von \u00e4u\u00dferen Zw\u00e4ngen,<\/li>\n\n\n\n<li>negative innere Freiheit = frei von\u2026 individuellen, inneren Zw\u00e4ngen,<\/li>\n\n\n\n<li>positive \u00e4u\u00dfere Freiheit = frei zu\u2026 aus sozialer Sicht, also individuell\/gemeinschaftlich Ziele setzen,<\/li>\n\n\n\n<li>positive innere Freiheit = frei zu\u2026 als Individuum autonome Ziele setzen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Im Wesentlichen ist die Realisierung dessen, was man will und tut, zun\u00e4chst einmal gebunden an Charakter, K\u00f6rper, Erziehung\u2026 Diese und andere Aspekte einbeziehend, kann man seine \u201eFreiheit von\u2026\u201c dazu verwenden, seinem Leben ein Ziel zu setzen \u2013 und: man ist frei dazu, den Lebensentwurf zu verwirklichen. Das \u201eFrei zu\u2026\u201c ist freilich ein gro\u00dfes Problem f\u00fcr viele Menschen. Der Soziologe <em>Ulrich Beck<\/em> hat herausgearbeitet, dass der Mensch heute von vielem frei ist, aber unter der Last, frei zu sein, leidet, weil er nicht wei\u00df, wie er das \u201eFreisein zu&#8230;\u201c f\u00fcllen kann. Das kann unterschiedliche Folgen haben: Hinwendung zu Drogen, zu ideologischen Gruppen (Nationalsozialismus, Kommunismus, religi\u00f6se Sondergruppen\/Sekten, Islamisten, Liberalismus), die vorschreiben, was man tun muss, oder es f\u00fchrt dazu, sich in Arbeit zu st\u00fcrzen, weil Vorgesetzte \/ der Markt sagen, was zu tun ist usw. Der Mensch f\u00fchlt sich \u201ezur Freiheit verurteilt\u201c (<em>Albert Camus<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-decoration:underline\">Freiheit und Verantwortung<\/p>\n\n\n\n<p>Freiheit und Verantwortung tragen, h\u00e4ngen sehr eng zusammen. Wenn ich mein Leben frei gestalten kann, dann trage ich auch Verantwortung daf\u00fcr. Und wenn ich meine Vergangenheit reflektiere und Unfreiheiten, die mich pr\u00e4gten, entdecke, dann trage ich selbst Verantwortung daf\u00fcr, mich von ihnen zu befreien. Das ist nur in gewissem Rahmen m\u00f6glich (manchmal mit Hilfe der Psychologie, der Seelsorge), aber die Freiheit, sich befreiend zu verwirklichen, muss so gut es geht realisiert werden, damit ich mich als freier Mensch erweise. Oder erweise ich mich als freier Mensch, indem ich das alles akzeptiere?  Resignation und Festhalten an alten Fesseln zeugt nicht von der Freiheit eines Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-c03346386cd329d292c1606ec54f44c5\" style=\"color:#a30003\">Aufgaben: <br>(a) In welchen Bereichen tr\u00e4gst Du Verantwortung?<br>(b) Ist das Tragen von Verantwortung abh\u00e4ngig vom Alter? Hast Du mit 3 Jahren schon die Verantwortung getragen, die Du heute tr\u00e4gst? Tragen Deine Eltern, Gro\u00dfeltern, Politiker, Journalisten, Medizinier, Staatsb\u00fcrger &#8211; mehr Verantwortung \/ andere Verantwortung?<br>(c) In welchen Bereichen wird die Verantwortung von Freiheit bestimmt, in welchen nicht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>3. Freiheit im Alten Testament und Neuen Testament<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das&nbsp;<em>Judentum<\/em>&nbsp;spielt die Freiheit eine sehr gro\u00dfe Rolle: Es ist die politische Freiheit, die Befreiung von der Sklaverei (Exodus). Und diese Befreiung f\u00fchrt zu dem Bundesschluss Gottes mit dem Volk Israel. Mit ihm ist Verantwortung verbunden, denn als Rahmen f\u00fcr die Freiheit bekommt das Volk die 10 Gebote, sodass es in seiner Freiheit den Mitmenschen nicht verletzt. Freilich kann es in seiner Freiheit diesen Rahmen auch \u00fcbertreten, verh\u00e4lt sich entsprechend asozial.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Sch\u00f6pfungsgeschichten berichten, dass Gott den Menschen als freies Wesen geschaffen hat \u2013 selbst frei davon, Gottes Willen zu tun (Genesis 1ff.; der Mensch benennt alle Dinge mit Namen, er ist Statthalter Gottes, er wird ermahnt, nicht von den B\u00e4umen zu essen \u2013 Grundlagen der Freiheit). Der Grund der Freiheit des Menschen, den hat Gott gelegt. Der Ansto\u00df, die Freiheit zu missbrauchen, kam dadurch, dass Gottes G\u00fcte in Frage gestellt wurde: Gott will mich Menschen klein halten. Warum dem\u00fctigt Gott mich? (Genesis 2f.) Die Theodizee-Frage kommt in den Blick. Ich traue Gott Schlimmes zu. Er nimmt mir meine Freiheit. Und, so Genesis 2f.: Weil ich mir die Freiheit nehmen m\u00f6chte, die von Gott wegf\u00fchrt, werde ich unfrei. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Jesus Christus<\/em>&nbsp;hat den Samen f\u00fcr das Freiheitsbewusstsein im Neuen Testament gelegt. Der Mensch, der unfrei ist durch Krankheit, Behinderung, versklavende M\u00e4chte und Gesetz, dessen W\u00fcrde muss durch Befreiung wieder hergestellt werden. Und sie wird wieder hergestellt durch die Wundertaten Jesu. Die Wundertaten zeigen, dass Gott den Menschen frei haben m\u00f6chte. Die Freiheit wird wieder hergestellt durch die Zuwendung Jesu, durch die Aufnahme in die Gemeinschaft der Kinder Gottes, durch die Vergebung der Schuld, die den Menschen knechtet, die ihn an seine Vergangenheit fesselt, aber auch an andere Menschen. Die Erwartung des Reiches Gottes befreit den Menschen dazu, nicht in der fesselnden Gegenwart zu verharren, sondern angetrieben von dieser Hoffnung, die Welt jetzt schon im Sinne Gottes zu ver\u00e4ndern. Jesus hat seine J\u00fcnger von der Angst vor Menschen befreit, denn die J\u00fcnger m\u00fcssen in der Durchsetzung des liebenden Gotteswillens weder Verfolgung noch Tod f\u00fcrchten, da sie in die Herrlichkeit Gottes eingehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Neue Testament ist in dieser Hinsicht vor allem auch&nbsp;<em>Paulus<\/em>&nbsp;zu nennen, weil er das Thema Freiheit intensiv durchdacht hat. Er greift diesen Aspekt \u201eFreiheit\u201c auf, sieht jedoch die Sklavenhalter nicht in Menschen, sondern in den drei Gr\u00f6\u00dfen: S\u00fcnde \u2013 Gesetz \u2013 Tod. Diese drei versklaven den Menschen. Die S\u00fcnde (<em>Freud<\/em> w\u00fcrde es die Triebe nennen) lassen den Menschen Handlungen begehen, die er gar nicht tun will. Das Gesetz (<em>Freud<\/em> w\u00fcrde es das \u00dcber-Ich nennen) zwingt den Menschen, etwas zu tun, was er gar nicht leisten kann. Und darum ist der Mensch st\u00e4ndig zwischen den Forderungen des Gesetzes und der S\u00fcnde hin und her gerissen \u2013 kurz: Er ist unfrei. Was befreit ihn nun? Und da weicht dann <em>Freud<\/em> von <em>Paulus<\/em> ab. F\u00fcr <em>Freud<\/em> ist es der Verstandesoptimismus, der ihn auf den Verstand setzen l\u00e4sst (freilich konnte er auch sagen: Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus). <em>Paulus<\/em> sieht die Befreiung durch <em>Jesus Christus<\/em> gegeben, denn der Verstand ist abh\u00e4ngig von dem in sich selbst unfreien Menschen (vgl. <em>Hume<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>Und so finden wir die Ans\u00e4tze modernster Auffassung schon beim Apostel Paulus: Erst wenn Gott den Menschen neu macht, dann ist auch das, was im Hintergrund des Gehirns abl\u00e4uft, neu. Weil der Mensch sich selbst nicht ganz in der Hand hat, muss Gott ihn in die Hand nehmen und nach seinem Willen ver\u00e4ndern. Der Mensch tr\u00e4gt das Seine nat\u00fcrlich dazu bei, indem er sich ver\u00e4ndern lassen will. <\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt kommt bei <em>Paulus<\/em> noch die Freiheit vom Tod dazu. Der Mensch muss keine Angst mehr haben vor dem Sterben, somit ist diese Angst vor dem Tod kein handlungsleitendes Motiv mehr. Nicht den Tod m\u00fcssen Glaubende f\u00fcrchten und entsprechend abh\u00e4ngig von der Furcht handeln. Der Mensch kann gelassen sein, denn, wie Paulus schreibt: <em>Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn<\/em> (R\u00f6merbrief 14,8). Jesus Christus ist die Kontinuit\u00e4t im Leben und Sterben. Gleichzeitig ist die Freiheit des Christen nur durch seine Gebundenheit an Gott erfahrbar. Wer von S\u00fcnde frei ist, tut Gottes Willen. Wer vom Gesetz frei ist, handelt menschlich aus der Kraft des Geistes Gottes, also nicht gezwungen. Und wer vom Tod frei ist, handelt ohne Angst. Christen sind, so Paulus, auch frei von den Vorgaben der jeweiligen Gesellschaft \u2013 eben dann, wenn sie Gottes Willen widerspricht. Der Mensch als ganzer ist frei von seiner Vergangenheit: <em>Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden! <\/em>(2. Korinther 5,17)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als <em>\u201eMagna Charta\u201c<\/em> der Freiheit wird vielfach der Brief des Paulus an die Galater bezeichnet. Und der jamaikanische Soziologe <em>Orlando Patterson<\/em>, der sich intensiv \u00fcber das Thema Freiheit Gedanken machte, meinte, dass der christliche Glaube die einzige Weltreligion sei, \u201edie zum h\u00f6chsten religi\u00f6sen Ziel die Freiheit erkl\u00e4rte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30003\">Aufgabe: Die Gemeinden in Galatien, die Paulus gegr\u00fcndet hatte, f\u00fchlten sich von der Freiheit des christlichen Glaubens \u00fcberfordert und wollten wieder zur\u00fcck zum j\u00fcdischen Gesetz, das das gesamte Leben regelte. Wie Paulus mit diesem Wunsch umgeht, k\u00f6nnen wir im Galaterbrief lesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>4. Ein paar christliche Vordenker<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die eigentlichen Begr\u00fcnder der Diskussion zum Thema Freiheit, die auch die moderne Philosophie beeinflusste, war der Kirchenvater <em>Augustinus<\/em>: De libero arbitrio (387 395). In seiner Schrift geht es um die Willensfreiheit mit Blick auf die Gnade Gottes. Ohne die Gnade Gottes kann sich der Mensch nicht f\u00fcr das Gute entscheiden. Willensfreiheit ist also eine gute Gabe Gottes &#8211; aber des allm\u00e4chtigen und allwissenden Gottes Vorherwissen wird damit zusammengedacht. Es ist keine Determination, die Augustinus vertritt, aber Gott wei\u00df vorher, was der Mensch tun wird (wie ich als Mensch, der eine Ameise beobachtet, vorher wei\u00df, wo sie hingehen wird, weil ich eine h\u00f6here Perspektive habe). Zudem geht es Augustinus um die Frage der Theodizee, das hei\u00dft: kommt das B\u00f6se von Gott? Augustinus meint: Nein. Wer den freien Willen missbraucht, handelt b\u00f6se. Der freie Wille dient also dazu, sich verantwortlich f\u00fcr das Gute zu entscheiden, also f\u00fcr das Tun des Willens Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr <em>Thomas von Aquin<\/em> ist die Freiheit des Menschen darin zu finden, dass er mit Vernunft beschenkt wurde. Er kann also w\u00e4hlen, ob er das Gute oder das B\u00f6se tun will. Die Freiheit hat jedoch ein Ziel: der Mensch ist ausgerichtet auf Gott.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Petrus Abaelardus<\/em> hatte die Sicht vertreten, dass nicht die Tat schuldig macht, sondern nur die Tat, die wider besseren Wissens geschehen ist. Es geht hier also nicht allein um die \u00e4u\u00dfere Tat, die falsch ist, sondern um die innere Einstellung. Nicht die Gesetze und Regeln stehen im Vordergrund, sondern es kommt eine Ahnung des Gewissens in die Diskussion.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr <em>Anselm von Canterbury<\/em> ist der Mensch frei, der im Sinne Gottes f\u00fcr das Gute handelt. Wer \u00dcbles tut, der ist Gefangener der S\u00fcnde, also nicht frei &#8211; Menschen entscheiden sich nicht zwischen Gutes tun und S\u00fcnde. Denn S\u00fcnde tun ist immer Unfreiheit.  <\/p>\n\n\n\n<p><em>Johannes Duns Scotus<\/em> ist in dieser Hinsicht spannend: Der Wille kann, in seiner Freiheit, sich auch gegen die Vernunft entscheiden. (Johannes Duns Scotus wurde 1303 aus Paris vertrieben, weil er sich in der Auseinandersetzung zwischen K\u00f6nig und Papst sich auf die Seite des Papstes stellte. Mit Blick auf Freiheit gesagt: vern\u00fcnftig war das nicht, sich gegen den K\u00f6nig zu stellen &#8211; aber es war sein Wille.)<br><br>Der weitere, der das Thema intensiv aufgegriffen hat, war der Reformator <em>Martin Luther<\/em>: De servo arbitrio (1525) es geht um den geknechteten freien Willen: Wer s\u00fcndigt, ist der Sklave der S\u00fcnde. Luther antwortet mit dieser Schrift auf den christlichen Humanisten Erasmus von Rotterdam De libero arbitrio (1524), der den katholischen Glauben gegen Luthers Position verteidigte und dem freien Willen des<br>Menschen mehr Positives zutraute als Luther. In der Wormser Verteidigungsrede weist Luther darauf hin, dass das Gewissen frei entscheiden muss, frei von Menschen, abh\u00e4ngig von Gott. Das Individuum, das nur Gott geh\u00f6rt, ist von Menschen frei. Das ist der Keim, politische Freiheit anzustreben. <em>Luther<\/em> sah auch, dass der Kopf vom Bauch bestimmt wird \u2013 also die Vernunft vom Trieb. Und er h\u00e4tte auch manches gegen <em>Freud<\/em> einzuwenden bzw. gegen <em>Kant<\/em>: Er ist nicht so optimistisch, was die Vernunft betrifft. Das, was bei <em>Luther<\/em> jedoch wesentlich ist, er hat eine Schrift geschrieben: <em>Von der Freiheit eines Christenmenschen<\/em> (1520). In dieser lautet das Motto: <em>\u201eEin Christenmensch ist ein freier Herr \u00fcber alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.\u201c<\/em> Beides gleichzeitig. Der Christ als derjenige, der Gott geh\u00f6rt, entscheidet sich frei \u2013 ist also Herr. Er entscheidet sich aber frei dazu, anderen Menschen zu dienen, ist also Diener.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>5. Christentum der Gegenwart<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das politische Wirken der Kirche Europas ist davon gepr\u00e4gt, gegen Unrechtssysteme anzugehen, die Willensfreiheit (wie auch immer sie definiert wird) und Handlungsfreiheit einschr\u00e4nken, zu bek\u00e4mpfen. Jeder Mensch hat W\u00fcrde. Kein Mensch hat das Recht, andere Menschen zu beherrschen, ihn, wie <em>Kant<\/em> sagt, &#8222;blo\u00df als Mittel&#8220; anzusehen. Freilich ist auch mit Blick auf die Freiheit nicht nur emotional zu agieren, sondern auch mit dem Verstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Darin ersch\u00f6pft sich nicht das Handeln der Christen, sondern sie stehen in der Tradition des Neuen Testaments, in der Tradition <em>Jesu Christi <\/em>und des Apostels <em>Paulus<\/em> wie sie oben dargestellt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30005\">Aufgabe: Was denkst Du \u00fcber das folgende Zitat?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Theologe Helmut Thielicke schrieb in seiner Rede \u00fcber die Wei\u00dfe Rose (Von der Freiheit ein Mensch zu sein, 1963. 27) (siehe:&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/theodizee-sophie-scholl.html\">https:\/\/evangelische-religion.de\/theodizee-sophie-scholl.html<\/a>&nbsp;):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-eaa1a2dbadbef17413e3eb6dd171dcf9\" style=\"color:#a30005\">\u201eFreiheit kann nicht in der Preisgabe aller Bindungen gelebt werden \u2013 dann wird sie vielmehr zerst\u00f6rerisch -, sondern sie ist selbst nur eine besondere Gestalt der Bindung. Darum findet auch nur der sich selbst, der Gott findet\u201c. Denn kein menschlicher Herrscher, kein Schicksal herrscht \u00fcber den, der an Gott gebunden ist. Er ist frei. Zu dieser \u201eQuelle der Freiheit\u201c haben die Mitglieder der Wei\u00dfen Rose&nbsp;gefunden. Aus dieser Quelle (Gott) lebt auch unsere Freiheit \u201eauch wenn sie f\u00fcr viele versch\u00fcttet\u201c ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>6. Ausblick auf Religionen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr <em>Buddha \/ Siddharta Gautama<\/em> bedeutet Freiheit die Losl\u00f6sung von allem, was Leiden hervorruft was auch mit dem stoischen Ansatz grob zu verbinden ist. Der Mensch kann, so l\u00e4sst der Achtfache Pfad erkennen, selbst bestimmen, was er sagt, wie er handelt, welchen Lebenserwerb er nachgeht, sich in Bewusstheit, Meditation \u00fcben, nach rechter Anschauung und Gesinnung streben.<br><br>Im <em>Islam<\/em> wird gegenw\u00e4rtig im Zusammenhang der Freiheit weitgehend diskutiert, ob es eine Freiheit im Glauben gibt (Sure 2:256) und was das bedeutet. Keiner darf zum Islam gezwungen werden &#8211; aber es gibt im Grund keine M\u00f6glichkeit, sich vom Islam weg anderen Religionen oder dem Atheismus zuzuwenden. Diese Diskussion nach dem Zwang im Glauben gab es in der fr\u00fchen Christenheit nicht, da die Christen eine machtlose Minderheit waren. Von Koran, Rechtsschulen, Scharia usw. ist festgelegt, was Freiheit ist: Sich einordnen in die Vorgaben Allahs, das hei\u00dft letztlich auch der Umma. Die Bindung an Gott ist auch im Christentum relevant. Was das aber f\u00fcr Christen bedeutet , bestimmt nicht ein Gesetzbuch, eine Tradition, die Gemeinde, sondern die Beziehung des Individuums zu Gott im Heiligen Geist. Dem Einzelnen ist im christlichen Glauben Verantwortung f\u00fcr sein allt\u00e4gliches Handeln auferlegt (sekund\u00e4r in Abstimmung mit der Gemeinde). Es geht Christen nicht um die Verantwortung, die er tr\u00e4gt, dem Gesetz zu folgen.<br><br>F\u00fcr den <em>Konfuzianismus<\/em> ist gesellschaftliche Ordnung Bedingung f\u00fcr Freiheit, wie f\u00fcr den <em>Hinduismus<\/em> die Kastenordnung bestimmt, in welchem Rahmen das Individuum sich bewegen darf. Das Thema  umfassender Freiheit konnte in all diesen Kulturen nie aufkommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>7. Kurze Hinweise zum Thema Freiheit in Tradition und Gegenwart<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Freiheit das Wort bedeutete wohl urspr\u00fcnglich germanisch: der Mensch,<em> der sich selbst geh\u00f6rt<\/em>, ist frei.<\/li>\n\n\n\n<li>Frei waren Herrscher, Stadt Eliten (Antike). Wenn diese Freiheit durch den Einzelnen im Volk nicht zu erreichen war, dann entdeckte er die innere Freiheit (Stoiker). Die innere Freiheit f\u00fchrte auch dazu, sich nicht nur politischer Repressalien zum Trotz frei zu f\u00fchlen, sondern auch vom Schicksal befreit zu sein (vgl. Paulus: frei von S\u00fcnde, Gesetz, Tod; der Glaube, nur Gott zu geh\u00f6ren, also von Menschen frei zu sein, tr\u00e4gt den Keim politischer Freiheit in sich). Unterst\u00fctzt das nicht die Tyrannen? Muss auch innere Freiheit betont und gesch\u00fctzt werden? Ohne dieses \u201eInnen\u201c sind wir nicht, ohne innere Freiheit ist die \u00c4u\u00dfere nur schwer zu erreichen. Also muss auch sie gesch\u00fctzt werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Die politische Freiheit drang von der obersten hierarchischen Ebene immer weiter nach unten: Herrscher \u2013\u2013&gt; Adlige \u2013\u2013&gt; B\u00fcrger \/ Volk \u2013\u2013&gt; Individuen. Immer aber auch mit Blick auf das Kollektiv bzw. verbunden mit der Einsicht ins Notwendige (Hegel). Das f\u00fchrte seit der Aufkl\u00e4rung des 18. Jahrhunderts zur intensiven Ausarbeitung: Demokratie, Freiheit der Wirtschaft, Gewaltenteilung, Menschenrechte usw. Mill: Sich und andere sch\u00fctzen ist der einzige Grund, Freiheit anderer einzuschr\u00e4nken.<\/li>\n\n\n\n<li>Zurzeit ungewiss ist, wie es weitergeht, da Identit\u00e4tspolitik immer dominanter wird: Nicht das Individuum hat sich der Mehrheit einzuordnen, sondern Minderheiten k\u00e4mpfen um ihre Freiheit und bestimmen die Politik der Mehrheit. Liberalismus \/ Individualismus wird extrem weitergef\u00fchrt.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Bedeutung der Aufkl\u00e4rung bestand auch darin, dass man lernte, traditionelle Vorgaben und Herrschaftsanspr\u00fcche zu \u00fcberpr\u00fcfen und sie der Vernunft zu unterwerfen. \u201eG\u00f6ttin\u201c Vernunft regiert &#8211; nicht der Papst\/Kirche, nicht der Herrscher. Nicht Gott steht \u00fcber den Menschen, die Vernunft herrscht, ihr hat man sich zu unterwerfen. Die Vernunft ist quasi eine autarke Gr\u00f6\u00dfe. Nur: Wer entscheidet, was vern\u00fcnftig ist? <\/li>\n\n\n\n<li>Wir w\u00e4hlen in der Regel unsere sozialen Rollen: frei in vermeintlicher Freiheit, angeregt durch Vorangegangenes, abh\u00e4ngig von k\u00f6rperlichen und kognitiven Bedingungen und falschen\/richtigen Absch\u00e4tzungen der Situation weil keine Alternative sichtbar ist.<\/li>\n\n\n\n<li>In allem, was der Mensch wie auch immer frei w\u00e4hlt, kann es Situationen geben, \u00dcberforderung, Stress, Ratlosigkeit, Spannung zwischen dem, wie man sich das Leben vorgestellt hat und der Realit\u00e4t usw. Immer, wenn man Verantwortung tr\u00e4gt, kann man in solche spannungsreiche, herausfordernde Situationen kommen. Kurz: Er f\u00fchlt sich unfrei.<\/li>\n\n\n\n<li>Flucht ist normalerweise keine freie Entscheidung. Frei ist man dann, wenn man Alternativen bedenkt und dann so gut es geht frei entscheidet.<\/li>\n\n\n\n<li>Nun kommt der Ansatz der inneren Freiheit ins Spiel: in allem, in dem wir uns gefangen f\u00fchlen, dennoch frei zu leben &#8211; auch das will in Freiheit gelernt sein.<\/li>\n\n\n\n<li>An dieser Stelle bietet der christliche Glaube eine reiche Tradition: Sich von Gott in die jeweilige Situation gestellt zu wissen, denn er tr\u00e4gt, hilft, Jesus geht auf dem Lebensweg voran, wir folgen ihm nach, Gottes St\u00e4rke ist im Schwachen stark, Gottes Geist wirkt in der Schwachheit; der Glaubende geh\u00f6rt allein Gott. Damit bin ich kein Sklave der Menschen. Gebet, Meditation, Gewissheit der N\u00e4he Gottes helfen, die Freiheit zu leben.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>An diesen wenigen Anmerkungen kannst Du erkennen, dass das Thema viel umfassender ist, als es hier dargestellt werden konnte. Der Freiheitskampf der Menschen, von Gruppen und Individuen, das Nachdenken \u00fcber Freiheit und Zwang, begleiten die Menschheit seit langer Zeit, wie die Schriften erkennen lassen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-beafd8de261bc0c0f93176e23217315a\" style=\"color:#a30005\">Aufgabe:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-338f6dd8ed6014c4dd09b94bd15e8ddc\" style=\"color:#a30005\">Mach aus den Punkten 1-10 &#8222;Kalenderspr\u00fcche&#8220;. Kalenderspr\u00fcche sind kurze Satz-Weisheiten, die zum Denken anregen sollen, die motivieren sollen, die humorvoll oder ernst sein k\u00f6nnen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FREIHEIT Aufgabe: Vor\u00fcberlegungen 1. Rollen im sozialen Miteinander Wir Menschen sind im sozialen Miteinander verortet. Ich bin als menschliches Individuum nicht einfach so da, sondern stehe in einer Kausalkette \u2013 nicht zuletzt durch das sexuell-liebende Miteinander der Eltern. Wir sind eingebunden in Familie und in die vom Staat (Institution) vorgegebenen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":41,"menu_order":8,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-234","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/234","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=234"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/234\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2964,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/234\/revisions\/2964"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/41"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=234"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}