{"id":222,"date":"2019-06-29T17:31:47","date_gmt":"2019-06-29T15:31:47","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=222"},"modified":"2026-04-10T09:58:14","modified_gmt":"2026-04-10T07:58:14","slug":"schoepfungsgeschichten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/schoepfungsgeschichten\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6pfungsgeschichten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">DIE SCH\u00d6PFUNGSGESCHICHTEN<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>A) Einleitung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In den Sch\u00f6pfungsgeschichten von Genesis 1 und 2 lernen wir eine ganze Menge \u00fcber uns Menschen \u2013 und das, was wir dort lernen, hat unsere Kultur stark gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst einmal zur Gattung: Es liegen Sch\u00f6pfungsmythen vor. Mythen versuchen das, was man erlebt und sieht, in Form von Erz\u00e4hlungen zu erkl\u00e4ren. Dazu s. auch den Abschnitt \u00fcber die Sch\u00f6pfungsgeschichte&nbsp; <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/schoepfung\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/schoepfung\/<\/a> &nbsp;. Die Sch\u00f6pfungsgeschichte Genesis 1 schreibt \u00fcber die Erschaffung des Kosmos (was wir Kosmos\/Welt nennen, hatte allerdings zu der damaligen Zeit keine eigene Bezeichnung), der Erde, das hei\u00dft des Raumes, der Zeit und des Lebens. Was die Sch\u00f6pfungsgeschichten Genesis 1 und 2&nbsp; nicht machen: Sie erkl\u00e4ren nicht, woher Gott kommt. Das ist Ausdruck heidnischer Mythen, zu erkl\u00e4ren, wo die G\u00f6tter ihren Ursprung haben. Und sie unterscheiden sich in noch etwas Wesentlichem von heidnischen Mythen: Sch\u00f6pfung geschieht nicht durch G\u00f6tterk\u00e4mpfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sch\u00f6pfungsgeschichte Genesis 1 beginnt damit, dass Gottes Sch\u00f6pfergeist \u00fcber den Wassern schwebt. Weiter gef\u00fchrt: Der Geist Gottes ist die Voraussetzung daf\u00fcr, dass der Mensch Geist hat, verstehen kann. Ihm er\u00f6ffnet sich die Ordnung Gottes, weil der Geist die Ordnung wie den Menschen durchdringt. Ohne den Geist Gottes g\u00e4be es kein Verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>B) Was sagt der Mythos in Form eines Lehrgedichts Genesis 1 \u00fcber den Menschen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Mann und Frau werden als Ebenbild Gottes geschaffen (26-27). Gott sagt: Lasst &#8222;uns&#8220; den Menschen schaffen. Wer ist das uns? Sind es noch Fragmente aus einer babylonischen Tradition, laut der G\u00f6tter den Menschen geschaffen haben? Ist es der pluralis majestatis &#8211; also Gott spricht wie ein K\u00f6nig von &#8222;wir&#8220;? Man wei\u00df es nicht &#8211; Letzteres ist sehr unwahrscheinlich, weil es eher neuzeitlich einzuordnen ist. Christliche Interpretation geht von Prophetie aus. Der trinitarische Gott ist im Blick: Gott spricht &#8211; sein sch\u00f6pferischer Geist schwebt \u00fcber den Wassern &#8211; und hier, an der Stelle, an der es um den Menschen geht, ist der Mensch Jesus Christus im Blick. Von daher ist der Mensch Ebenbild Gottes. Beachte das Johannes-Evangelium im 1. Kapitel. Ersetze den Begriff &#8222;Wort&#8220; durch: Jesus Christus, denn darum geht es dem Evangelisten Johannes: <em>&#8222;Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Lichtr der Menschen.&#8220; <\/em><\/li>\n\n\n\n<li>Mann und Frau bekommen von Gott Auftr\u00e4ge \u2013 zun\u00e4chst Auftr\u00e4ge wie die Tiere (22 und 28): Seid fruchtbar und mehret euch und f\u00fcllet die Erde. Doch geht der Auftrag dann \u00fcber den Auftrag an die Tiere hinaus: macht euch die Erde untertan und herrschet (im Sinne von F\u00fcrsorge, walten) \u00fcber die Tiere. (Herrschen im Sinne von \u201eausbeuten\u201c ist eine Sicht, die in der Neuzeit die Interpretation pr\u00e4gte.)<\/li>\n\n\n\n<li>Der Mensch muss keine Angst haben vor der Natur. Sie ist \u201eentg\u00f6ttert\u201c \u2013 aber als Sch\u00f6pfung erstaunlich. Fr\u00fcher hatten Menschen Angst vor der Natur. Sie war unerkl\u00e4rlich, ver\u00e4ngstigend. Es gab ja auch nur wenig Menschen und wer sich in der Natur verlor, war verloren. (Heute denkt der Mensch eher, er herrsche \u00fcber die Natur &#8211; nicht mehr: die Natur herrscht \u00fcber ihn. Wenn die Natur anstrengend wird, denkt der Mensch, er habe Schuld. Das war fr\u00fcher \u00e4hnlich: Wenn die Natur anstrengend wurde durch D\u00fcrre, \u00dcberschwemmungen, Heuschrecken usw., dachten die Menschen, sie w\u00e4ren Gott \/ den G\u00f6ttern gegen\u00fcber schuldig geworden. Sie versuchten mit S\u00fchne die G\u00f6tter \/ Gott = Natur gn\u00e4dig zu stimmen.) <\/li>\n\n\n\n<li>\u00dcber die Tiere zu herrschen bedeutet nicht, sie zu zerst\u00f6ren. Denn Gott hat alles geschaffen \u2013 und er fand das alles sehr gut. Und so besteht der Auftrag, als Gottes Beauftragte die Sch\u00f6pfung zu hegen und zu pflegen, in der Sprache damaliger Hirten: zu h\u00fcten. Das wird dadurch vertieft begr\u00fcndet, dass alle nur Pflanzen essen d\u00fcrfen.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Mensch wird aus der F\u00fclle der Tiere herausgehoben: Er wird zuletzt geschaffen, er wird als Ebenbild Gottes geschaffen, er bekommt einen Einzelsegen, er bekommt einen Auftrag. Gott gibt den Lebenssinn vor.<\/li>\n\n\n\n<li>Aber: Der Mensch ist Teil der Sch\u00f6pfung, erschaffen am selben Tag, an dem die Landtiere erschaffen wurden. Er ist kein Einzelwesen ohne das andere Erschaffene, auf das er durch den Auftrag gewiesen wird. Sie unterscheiden sich \u2013 aber sie geh\u00f6ren auch zusammen.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Mensch wird nicht biologisch hervorgehoben, sondern allein durch den Auftrag Gottes.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Mensch als Gattung \u2013 nicht der Herrscher! Das ist wichtig zu beachten. Denn in der Zeit, als der Text geschrieben wurde, waren die Herrscher den G\u00f6ttern nah. Nicht der normale Mensch.<\/li>\n\n\n\n<li>Nicht ein V\u00f6lker-Stamm hat g\u00f6ttliche Vorfahren, deren Repr\u00e4sentant der Herrscher ist. Alle Menschen stammen von Mann und Frau ab, die Gott geschaffen hat. Es geht in Genesis 1 immer um Gattungen \u2013 nicht um Einzelwesen.<\/li>\n\n\n\n<li>Arbeit ist mit der Sch\u00f6pfung gegeben &#8211; gute Arbeit.<\/li>\n\n\n\n<li>Es wird nicht deutlich ausgesprochen, aber wenn es hei\u00dft, dass Gott am siebten Tag ruht, dann kann es f\u00fcr Israel nur hei\u00dfen: Der Mensch muss auch ruhen. Der Sabbat wird von diesem Ruhen Gottes hergeleitet \u2013 bzw. mit diesem Ruhetag Gottes begr\u00fcndet. Das bedeutet: Der Mensch muss f\u00fcr die Ruhe Raum bekommen, muss Raum bekommen, \u00fcber seine Beziehung zu Gott nachzudenken: Gott ruhte \u2013 also auch ich. Der Sabbat ist die Vollendung des Sch\u00f6pfungshandelns Gottes.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>C) Was sagt der Mythos Genesis 2-4 \u00fcber den Menschen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Gott schuf den Menschen (den Erdling, in dem Mann und Frau verborgen sind) aus Ton. \u201eAdam = Mensch\/der aus Erde, Erdling. Der Mensch ist Materie. Und wie kann Materie leben? Gott gibt ihm seinen Lebensatem&nbsp; \u2013 der Mensch beginnt zu leben (7).<\/li>\n\n\n\n<li>Gott hat dem Erdling einen wunderbaren Garten gemacht, und gab ihm den Auftrag, vom Baum des ewigen Lebens und dem Baum der Erkenntnis nicht zu essen. (Es k\u00f6nnte sein, dass noch von einem dritten Baum die Rede ist.) Das hei\u00dft: Gott hat dem Menschen von Anfang an Entscheidungsfreiheit gegeben \u2013 und damit auch Verantwortung f\u00fcr sein Verhalten.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Mensch bekommt den Auftrag, den Garten zu bebauen und zu bewahren (<em>Landwirtschaft<\/em>).<\/li>\n\n\n\n<li>Gott merkt, dass es nicht gut ist, dass der Mensch allein ist, und so schafft er dem Menschen Gehilfen \u2013 die Tiere. Und der Mensch bekommt den Auftrag, die Tiere mit Namen zu versehen (Benennen =&nbsp;<em>Wissenschaft&nbsp;<\/em>= beherrschen).<\/li>\n\n\n\n<li>Der Mensch f\u00fchlt sich aber immer noch allein \u2013 die Tiere als Helfer entsprechen ihm nicht &#8211; und so l\u00e4sst Gott den Menschen in einen Tiefschlaf fallen, um ihm einen Beistand \/ Helfer (es steht nicht [!] Gehilfin) zu machen. Er entnimmt ihm eine Rippe und macht daraus die Frau. Jetzt wird aus dem Erdling ein Mann und eine Frau. Als der m\u00e4nnliche Erdling die Frau sah, freut er sich, denn sie ist ihm gleich. Und wenn sie zusammenkommen, dann werden sie eine Einheit (ein Fleisch \u2013 24). Das hei\u00dft, Mann und Frau sind nur gemeinsam eine Einheit \u2013 und das ist nur m\u00f6glich, wenn sie aus dem Erdling entstanden sind. Wenn die Frau auch gesondert aus Erde gemacht worden w\u00e4re, (wie es zum Beispiel Mythen anderer V\u00f6lker erz\u00e4hlen) kann die Einheit nicht derma\u00dfen eng werden. Von daher ist die Aussage, dass die Frau aus der Rippe des Erdlings gemacht wurde, keine Degradierung, sondern eine Aufwertung beider: Sie werden ein \u201eganzer Mensch\u201c durch die Vereinigung. (Mensch als&nbsp;<em>soziales Wesen<\/em>.)<\/li>\n\n\n\n<li>Mann und Frau haben ein Schamgef\u00fchl \u2013 und dieses Schamgef\u00fchl wird jedoch erst bewusst, als sie sich ihrer selbst bewusst werden durch das Essen vom Baum der Erkenntnis. Seiner selbst bewusst werden und Scham geh\u00f6ren zusammen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Schlange s\u00e4t erst Zweifel (sollte Gott gesagt haben?), dann behauptet sie, dass die Drohung mit dem Tod irrelevant sei, Gott wolle nur nicht, dass Menschen wie Gott sein werden \u2013 Gott verhindert vollst\u00e4ndiges Leben, er will den Menschen klein halten, damit er keinen Konkurrenten bekommt. Der Grund der Freiheit des Menschen, den hat Gott gelegt. Der Ansto\u00df, die Freiheit zu missbrauchen, kam dadurch, dass Gottes G\u00fcte in Frage gestellt wurde: Gott will mich Menschen klein halten. Warum dem\u00fctigt Gott mich? Die Theodizee-Frage kommt in den Blick: Ich traue Gott Schlimmes zu. (Vom Baum\/Kraut des Lebens wird auch in anderen Mythen gesprochen; die Schlange kommt im Gilgamesch Epos vor &#8211; dort frisst sie das Kraut des Lebens dem Menschen weg, das hei\u00dft, sie stirbt nicht, so die Sichtweise, weil sie sich h\u00e4utet, somit ewig verj\u00fcngt.)<\/li>\n\n\n\n<li>Der Mensch missbraucht seine ihm geschenkte Freiheit \u2013 und die Folgen:<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<ol style=\"list-style-type:lower-alpha\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Er sch\u00e4mt sich seiner Nacktheit,<\/li>\n\n\n\n<li>er nimmt die Verantwortung nicht auf sich sondern schiebt sie ab (Adam: Eva war es, und auf Gott: Du hast sie mir zur Frau gegeben!, Eva: die Schlange war es),<\/li>\n\n\n\n<li>der Mensch verliert sein paradiesisches Bewusstsein,<\/li>\n\n\n\n<li>die Frau wird Schmerzen haben bei der Geburt und der Mann M\u00fchsal, um den Lebensunterhalt zu erwirtschaften, es ist nicht mehr paradiesische Arbeit;<\/li>\n\n\n\n<li>die Frau wird dem Mann untergeordnet sein \u2013 dennoch nach ihm verlangen (Rollenverteilung in der Gesellschaft),<\/li>\n\n\n\n<li>der Mensch wird sterben, der Gottesatem wird ihm genommen, er wird wieder Erde.<\/li>\n\n\n\n<li>Aber Gott l\u00e4sst den Menschen nicht allein, sondern er versorgt ihn mit Kleidung \u2013 aus Fell.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Mensch, der nicht mehr im Paradies lebt, wird gewaltt\u00e4tig \u2013 und er versucht \u00e4u\u00dferst frech, seine Schuld zu leugnen (\u201eSoll ich meines Bruders H\u00fcter sein?\u201c)<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>D) Was erkl\u00e4rt der Mythos unter anderem?<\/em><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Woher kommt es, dass Materie lebt?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie kommt es, dass es Menschen, Tiere, Pflanzen gibt?<\/li>\n\n\n\n<li>Warum gibt es Mann und Frau?<\/li>\n\n\n\n<li>Warum gibt es den Tod, obwohl doch alles so gut war?<\/li>\n\n\n\n<li>Wir Menschen sind besonders \u2013 warum?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie kommt es, dass Menschen anders als Tiere ein Selbstbewusstsein haben, Entscheidungsfreiheit, Verantwortung tragen?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie kommt es, dass der Mensch auf das Tier bezogen ist?<\/li>\n\n\n\n<li>Das B\u00f6se wird real, wenn der Mensch es tut.<\/li>\n\n\n\n<li>Nicht nur der Mensch \u2013 die gesamten Wesen, so zeigt es die Schlange \u2013 ist ausgebrochen, stellt sich gegen Gott. Warum gerade die Schlange? Sie spritzt Gift in den K\u00f6rper &#8211; wie sie das Gift des Zweifels in den Geist spritzte. (Oder h\u00e4ngt das mit dem Gilgamesch-Epos zusammen?)<\/li>\n\n\n\n<li>Warum muss die Frau Schmerzen bei der Geburt erleiden, warum muss der Mann schuften?<\/li>\n\n\n\n<li>Er zeigt auf, dass der Mensch andere und Gott beschuldigt, dass er das Bestreben hat, wie Gott zu werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Er zeigt auf, dass der Mensch \u00fcber seine gewaltt\u00e4tigen Triebe herrschen soll \u2013 es aber nicht tut.<\/li>\n\n\n\n<li>Warum wird der Mensch gewaltt\u00e4tig? Aus Neid, weil er nicht die Anerkennung bekommt, die er fordert.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Mythos ist raffiniert: H\u00e4tte der Mensch vom Baum des Lebens gegessen, h\u00e4tte Gott ihn bestraft &#8211; er w\u00e4re ewig lebend, aber ohne moralische Erkenntnis dessen, was gut und b\u00f6se ist. So hat der Mensch erst vom Baum der Erkenntnis gegessen, die Verantwortung muss er tragen; Gott handelt, damit der Mensch nicht auch ewig leben wird. Es geht nicht um Gottes Zorn, sondern darum zu begr\u00fcnden, dass einmal der Mensch Verantwortung tr\u00e4gt, was Konsequenzen nach sich zieht, und zum anderen das Sterben.<\/li>\n\n\n\n<li>Durch den Ungehorsam wurde der Mensch seiner bewusst. Das Negative f\u00fchrte zum Guten &#8211; zuweilen zum schrecklich &#8222;Guten&#8220;. Ungehorsam war von Gott erm\u00f6glicht worden. Die Versuchung ist Folge des Gebotes. Durch den Ungehorsam konnte erst eine bewusste Beziehung aufgebaut werden. Die Grundlage einer aufreibenden und grotesken Beziehungsgeschichte zwischen Gott und Mensch, Mensch und Mensch, die noch andauert.<\/li>\n\n\n\n<li>Woher wei\u00df der Mensch also, was gut ist und was b\u00f6se? Und er wei\u00df, dass aus dem Ungehorsam, dem Tun des B\u00f6sen Strafe folgt.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>E) Dieser Mythos aus Genesis 1 und der aus Genesis 2 haben unsere Kultur sehr gepr\u00e4gt:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#00a386\"><em>Wissenschaft:<\/em>\u00a0Das Lehrgedicht Genesis 1 kommt vollkommen ohne G\u00f6tter aus. W\u00e4hrend das heidnische Umfeld zum Beispiel in den Gestirnen G\u00f6tter sah, spricht das Lehrgedicht von Lampen f\u00fcr den Tag und f\u00fcr die Nacht, die Gott an den Himmel gesetzt hat. Die Natur wird entg\u00f6ttert. Das bedeutet: Der Mensch muss vor der entg\u00f6ttlichten Natur keine Angst haben, er kann alles als zu benamende Objekte ansehen \u2013 und damit auch wissenschaftlich angehen. Nicht umsonst ist der Westen gerade in wissenschaftlicher Hinsicht so dominant geworden. Der Mensch ist befugt, alles zu beherrschen im oben genannten Sinne. Dass die Moderne das ver\u00e4ndert hat \u2013 und Herrschaft rigide gegen die Sch\u00f6pfung durchgesetzt hat, liegt nicht am Text, sondern daran, dass der Mensch ihn anders interpretieren wollte \u2013 die Tiere sind seine Gehilfen, nicht seine Sklaven (<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/glaube-und-naturwissenschaft-1\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/glaube-und-naturwissenschaft-1\/<\/a>). Staunen \u00fcber die Sch\u00f6pfung, Gottes Handeln nachsp\u00fcren, das ist Wissenschaft, die von Christen gepr\u00e4gt wird. Keine Angst vor der Natur haben \u2013 aber dennoch Ehrfurcht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#12a300\"><em>Menschenrechte:<\/em>\u00a0Dass alle Menschen gleiche W\u00fcrde haben, das findet in diesem Text seinen Ursprung \u2013 und zwar mit der Letztbegr\u00fcndung: Alle haben gleiche W\u00fcrde, Mann wie Frau, alle Menschen, weil Gott sie als sein Ebenbild geschaffen hat \u2013 nicht nur die Herrscher sind Ebenbild der G\u00f6tter. Mit der W\u00fcrde sind auch Freiheit und Verantwortung gegeben. (<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/menschenwuerde-1\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/menschenwuerde-1\/<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a36200\"><em>Sabbat:&nbsp;<\/em>Der Mensch bekommt einen Ruhetag \u2013 wenn er das vergisst, muss er sich nicht \u2013 im modernen Sinn gesagt, \u00fcber Burn-Out und wirtschaftliche Ausbeutung beklagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30022\"><em>Rolle Mann-Frau:\u00a0<\/em>Dass der Mythos an dieser Stelle aus heutiger Sicht negativ gewirkt hat, ist auch deutlich: Die Frau ist Schuld, dass das Paradies nicht mehr zug\u00e4nglich ist \u2013 und damit verbunden ist eine Degradierung der Frau durch die Jahrhunderte hindurch gegeben. Gleichzeitig m\u00fcsste eigentlich der Frau die positive Rolle zukommen: Sie hat f\u00fcr die Selbstbestimmung und Emanzipation des Menschen gesorgt. Aber die Betonung dieser erstgenannten \u201eSchuld\u201c passte in das Schema des Patriarchats \u2013 und diese paradiesische Aussage, dass der Mensch als Mann und Frau erst das ist, was sie gl\u00fccklich macht, wurde \u00fcbergangen. Hieran wird die selektive, zeitbedingte Deutung biblischer Texte erkennbar. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#7e00a3\"><em>Theologisch:<\/em>&nbsp;Gott ist nicht Welt. Gott ist immer \u2013 nicht erst Folge einer Entstehung (G\u00f6ttermythen). Alles ist, weil Gott es erm\u00f6glicht. Der Mensch ist nicht Teil Gottes, so dass er mit Gott eins werden kann. Er ist Teil der Natur, Teil der Sch\u00f6pfung. Die Macht des Wortes Gottes wird vor allem Genesis 1 vorgestellt: Gott spricht, es geschieht. Und vermutlich: st\u00e4ndig. &#8222;Am\/im Anfang&#8220; kann zeitlich verstanden werden: Gott begann als noch nichts da war &#8211; und dann war es da. Wird manchmal auch als der Grund von jeglicher Sch\u00f6pfung verstanden: Gott ist st\u00e4ndig am erschaffen, es war keine einmalige Handlung, sondern ist eine st\u00e4ndige. Dieser Aspekt kann auch mit dem oben schon erw\u00e4hnten Geist Gottes verbunden werden: Gottes Sch\u00f6pfergeist durchwirkt die Sch\u00f6pfung &#8211; und ist damit auch immer neuschaffend am Werk. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Interessant ist, dass auch der vorsokratische griechische Philosoph Anaxagoras (5. Jahrhundert) meinte, dass bevor in der Sch\u00f6pfung alles getrennt wurde, alles in einer Mischung zusammen gewesen sei. Mit Ausnahme des Geistes. Der Geist ist als einziges Etwas nicht vermischt, existiert nur f\u00fcr sich selbst, hat den Kosmos geplant und durchgef\u00fchrt. Es sind also nicht die G\u00f6tter aus dem Chaos entstanden, sondern es steht etwas \u00fcber dem Chaos. Und damit haben wir im griechischen Bereich das, was Juden in babylonischer Zeit ca. 100 Jahre vorher angedacht hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Sonne und Mond sind &#8211; anders als es der babylonische Mythos sagt &#8211; keine G\u00f6tter, sondern eine Art Lampen: Der eine Gott h\u00e4ngt Lampen an den Himmel. Weil der griechische Philosoph Anaxagoras meinte, die Sonne sei kein Gott, wurde er wegen G\u00f6tterbeleidigung angeklagt und musste in der Verbannung leben. Er hatte die g\u00f6ttliche Bedeutung der Natur bestritten, sondern rational zu erkl\u00e4ren versucht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIE SCH\u00d6PFUNGSGESCHICHTEN A) Einleitung In den Sch\u00f6pfungsgeschichten von Genesis 1 und 2 lernen wir eine ganze Menge \u00fcber uns Menschen \u2013 und das, was wir dort lernen, hat unsere Kultur stark gepr\u00e4gt. Zun\u00e4chst einmal zur Gattung: Es liegen Sch\u00f6pfungsmythen vor. 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