{"id":2213,"date":"2020-03-28T20:44:10","date_gmt":"2020-03-28T19:44:10","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=2213"},"modified":"2020-03-30T15:45:10","modified_gmt":"2020-03-30T13:45:10","slug":"gott-in-gedichten-7","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott-in-gedichten-7\/","title":{"rendered":"Gott in Gedichten 7"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>Barthold Heinrich Brockes (1680-1747)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Brockes war in seiner Zeit ein sehr bekannter Dichter, der auch Komponisten manche Vorlagen bot, vor allem mit dem Passionsoratorium: \u201e<em>Der f\u00fcr die S\u00fcnde der Welt gemarterte und sterbende Jesus\u201c<\/em> (Text<strong>: <\/strong><a href=\"https:\/\/www.bach-cantatas.com\/Texts\/Brockes-Passion-Ger5.htm\">https:\/\/www.bach-cantatas.com\/Texts\/Brockes-Passion-Ger5.htm<\/a>). In dem Oratorium wird die Passionsgeschichte als Gedicht wiedergegeben, unterbrochen von Reflexionen. Das hei\u00dft: Brockes sieht hinter die biblischen Texte eine tiefere Wahrheit. In den folgenden Gedichten wird anhand von Naturbetrachtungen gezeigt, dass er auch hier \u00e4hnlich vorgeht: Er kommt von der Sch\u00f6pfung auf Gott zu sprechen. Die Natur ist nicht Gleichnis f\u00fcr Gott, sondern er betrachtet die Natur und schaut tiefer bzw. weiter \u2013 bis er zu dem Eigentlichen, zu Gott vordringt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der bl\u00fchende Kirschbaum bei Nacht wird besungen, sein wunderbares Wei\u00df \u2013 und dann: <em>\u201eIndem ich nun bald hin, bald her \/ Im Schatten dieses Baumes gehe, \/ sah ich von ungef\u00e4hr \/ Durch alle Blumen in die H\u00f6he \/ Und ward noch einen wei\u00dfen Schein, \/ Der tausendmal so wei\u00df, der tausendmal so klar, \/ Fast halb darob erstaunt, gewahr. \/ Der Bl\u00fcte Schnee schien schwarz zu sein \/ Bei diesem wei\u00dfen Glanz. \/ Es fiel mir uns Gesicht \/ Von einem hellen Stern ein wei\u00dfes Licht, \/ Das mir recht in die Seele strahlte. \/\/ Wie sehr ich mich an Gott im Irdischen erg\u00f6tze, \/ Dacht ich, hat er dennoch weit gr\u00f6\u00dfre Sch\u00e4tze. \/ Die gr\u00f6\u00dfte Sch\u00f6nheit dieser Erden \/ Kann mit der himmlischen doch nicht verglichen werden.\u201c<\/em> (Zitiert nach Kemp) \u00c4hnlich auch in anderen Texten: Ein Kirschbaum brach entzwei. Kinder freuten sich \u00fcber die gut erreichbaren Kirschen \u2013 aber sie bemerken nicht, \u201e<em>da\u00df ein kurzer \u00dcberflu\u00df \/ oft einen langen Mangel bringet.\u201c<\/em> Bei der Quittenernte sind Kinder wie Erwachsene, die meinen, sie seien in ihrer munteren Fr\u00f6hlichkeit f\u00fcr die Erde sehr wichtig, aber ein anderer regiert: Gott. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dem Sing-Gedicht <em>\u201eDie uns zur Andacht reizende Vergn\u00fcgung des Geh\u00f6rs im Fr\u00fchlinge\u201c<\/em> beschreibt er faszinierend die singenden V\u00f6gel \u2013 und er selbst beginnt durch den Vogelgesang angeregt dem Sch\u00f6pfer zu singen, ihm zu jubilieren. Es gilt <em>\u201eDes Sch\u00f6pfers Wunder auszubreiten, \/ Von dem allein die Harmonie entspringt.\u201c<\/em> Und so werden die Felder, das Wasser, die Luft \u2013 alles was man sich nur denken kann \u2013 besungen. Betrachtungen der Natur sind immens \u2013 und eben nicht nur rational \u2013 das flie\u00dft ein, aber das rational Beobachtete wird eingebettet in einen gro\u00dfen Lobgesang auf den Sch\u00f6pfer. Eine sachliche Distanziertheit ist nicht erkennbar. Im Gegenteil: <em>\u201eIch bitte Dich, o Gott! Mir dieses doch zu g\u00f6nnen, \/ Da\u00df ich mag Deine Macht und meine Schw\u00e4che kennen!\u201c<\/em> (\u201eDie Quitten-Ernte\u201c, zitiert nach Kemp)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#03a300\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Johann Heinrich G\u00fcnther (1695-1723)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer \u2013 wie man heute sieht \u2013 bedeutender Dichter seiner Zeit wurde nur 27 Jahre alt und bekam in seinem Leben nirgends einen Fu\u00df auf den Boden. Er starb an Tuberkulose. Er war Sch\u00fcler unter anderem von Schmolck \u2013 und seine Gedichte sind ein \u00dcbergang, denn sie zeigen eine Losl\u00f6sung von christlicher Tradition. Die Nachfolgenden, Tersteegen, Zinzendorf, Gellert zeigen die eine Richtung auf, in der es mit christlichen Liedern weiterging. Zum Beispiel Uz zeigt \u2013 was schon bei G\u00fcnther erkennbar ist &#8211; die s\u00e4kularisierende Form, die sich von Gott l\u00f6ste und sich verbal den alten griechisch-r\u00f6mischen G\u00f6ttern zuwandte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seinem Gedicht <em>\u201eGeduld, Gelassenheit, treu, fromm und redlich sein\u201c<\/em> sagt er sich von diesen Tugenden los. Es sei L\u00fcge, wenn gesagt wird, dass man sich entsprechend verhalten solle. Auch diese Tugenden, verbunden mit Gott, sind nichts als L\u00fcge. Das stellt er eindringlich dar. Das Gedicht endet: <em>\u201eAch Jesu! sage selbst, weil ich nicht f\u00e4hig bin, \/ Die Beichte meiner Reu; ich wei\u00df nicht mehr wohin \/ Und sinke dir allein vor Ohnmacht in die Armen, \/ Von au\u00dfen qu\u00e4let mich des Ungl\u00fccks starke Flut, \/ Von innen Schr\u00f6cken, Furcht und aller S\u00fcnden Wut; \/ Die Rettung ist allein mein Tod und dein Erbarmen.\u201c<\/em> Auch in dem \u201e<em>Fragment<\/em>\u201c wendet er sich sehnend stumm an den Heiland. Ganz in der Hoch-Zeit des Barock ist das Sterben Thema des \u2013 wie ich ihn nennen mag \u2013 Hiob des 18. Jahrhunderts: \u201e<em>Oft ist ein guter Tod der beste Lebenslauf<\/em>\u201c (\u201e<em>Bu\u00dfgedanken<\/em>\u201c) \u2013 \u201e<em>Der Himmel wird mein Haus<\/em>\u201c.&nbsp; Und dort hei\u00dft es auch: \u201e<em>Erwegt bei meinem Falle, \/ Der H\u00f6chste hats gethan. \/ Ihr folgt mir endlich alle; \/ Genung, ich geh voran<\/em>\u201c. (\u201e<em>Zeuch aus gefangne Seele<\/em>\u201c). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man muss freilich sagen, dass dieser \u201eHiob-Eindruck\u201c nur\nangesichts dieser Gedichte entstehen kann. Er hat weitere und auch heitere\nGedichte geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#5600a3\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Gerhard Tersteegen (1697-1769)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tersteegen war Kaufmann, Leine- und Seidenbandweber, \u00dcbersetzer \u2013 wie gleich deutlich wird \u2013 der Mystikerin <strong>Teresa von Avila<\/strong>, Prediger und Heiler. Er beeinflusste die Erweckungsbewegung, das hei\u00dft, eine Bewegung, die Menschen zum Glauben und zur praxis pietatis, das hei\u00dft: zum Handeln aus Glauben, f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sehr bekannt ist das Lied geworden:<em> &#8222;Ich bete an die Macht der Liebe&#8220; <\/em>(EG 617) \u2013 vor allem durch die sekund\u00e4re Hinzuf\u00fcgung zur heute bekannten Melodie, die auch beim Gro\u00dfen Zapfenstreich gespielt wird; weiterhin: &#8222;<em>Gott ist gegenw\u00e4rtig, lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten<\/em>&#8220; (165) \u2013 andere sind weniger bekannt, zum Beispiel Abendlieder: \u201e<em>Nun sich der Tag geendet<\/em>\u201c (EG 481) oder \u201e<em>Nun schl\u00e4fet man; und wer nicht schlafen kann, der bete mit mir an den gro\u00dfen Namen<\/em>\u201c (480), \u201e<em>Kommt, Kinder (urspr\u00fcnglich: Br\u00fcder), lasst uns gehen<\/em>\u201c (393). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesen Liedern dominiert die Anbetung Gottes \u2013 das ist auch in Liedern des Gesangbuches von 1878 zu erkennen: Das zeigen besonders der Mystik nahestehende Lieder: \u201e<em>Allgen\u00fcgsam Wesen<\/em>\u201c (124), \u201e<em>Siegesf\u00fcrst und Ehrenk\u00f6nig<\/em>\u201c (442). Man selbst ist klein vor Gott (\u201e<em>ich dein Sternlein<\/em>\u201c) \u2013 aber: \u201e<em>Welt, du bist uns zu klein<\/em>\u201c, darum sind wir auf der Wanderschaft in die Ewigkeit, das bedeutet, sich selbst Gott als Opfer darbringen: \u201e<em>F\u00fcr dich sei ganz mein Herz mein Leben<\/em>\u201c \u2013 so beginnt das Lied: \u201e<em>Ich bete an die Macht der Liebe<\/em>\u201c, das im Gesangbuch nur gek\u00fcrzt wiedergegeben wird. Die starke Mystik wird in den Strophen 5 und 6, die auch nicht im Gesangbuch zu finden sind, deutlich: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Wie bist du mir so zart gewogen! \/ <br>Und wie verlangt dein Herz nach mir! \/ <br>Durch Liebe sanft und tief gezogen, \/ <br>Neigt sich mein Alles auch zu dir; \/ <br>Du traute Liebe, gutes Wesen, \/ <br>Du hast mich, und ich dich erlesen. \/\/ <br>Ich f\u00fchls, du bists; dich mu\u00df ich haben: \/ <br>Ich f\u00fchls, ich mu\u00df f\u00fcr dich nur sein: <br>Nicht im Gesch\u00f6pf, nicht in den Gaben; <br>Mein Pl\u00e4tzgen ist in dir allein: \/ <br>Hier ist die Ruh, hier ist Vergn\u00fcgen; \/ <br>Drum folg ich deinen sel\u00b4gen Z\u00fcgen.\u201c <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese enge Bindung an Gott hat seine Auswirkungen auf das Leben: \u201e<em>Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, \/ da ich deine Glorie seh? \/ Sollt mein Muth noch wollen sinken, \/ da ich deine Macht versteh? \/ Meinem K\u00f6nig will ich trauen, \/ nicht vor Welt und Teufel grauen, \/ nur in Jesu Namen \/ mich beugen hier und ewiglich.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#f72249\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Nikolaus Graf von Zinzendorf (1700-1760)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">War Theologe und Gr\u00fcnder der einflussreichen Br\u00fcdergemeine. Zinzendorf war intensiv im Pietismus vernetzt: Spener war sein Pate, Franckes Arbeit in Halle pr\u00e4gte ihn. Christsein unabh\u00e4ngig von Konfessionen bzw. die Vers\u00f6hnung der Konfessionen &#8211; &nbsp;stand im Blick. Dennoch lie\u00df er sich ordinieren \u2013 wurde dann aber von der lutherischen Orthodoxie bek\u00e4mpft, sp\u00e4ter in gewisser Weise rehabilitiert. Auf seinem Besitz nahm er Glaubensverfolgte aus B\u00f6hmen auf. Hier entstand die Herrnhuter Br\u00fcdergemeine. Ab 1731 werden hier die Herrnhuter Losungen herausgegeben. Ab 1732 begann eine intensive weltweite Missionsarbeit, in der es nicht um Kulturexport geht, sondern um Verk\u00fcndigung des Evangeliums. Einfluss hatte Zinzendorf auf viele bekannte Zeitgenossen und Nachgeborenen. Die Br\u00fcderunit\u00e4t gibt es bis heute: <a href=\"https:\/\/www.ebu.de\/brueder-unitaet\/glauben-und-leben\/\">https:\/\/www.ebu.de\/brueder-unitaet\/glauben-und-leben\/<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#f72249\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">Bekannt ist die Herrnhuter Gemeinde auch f\u00fcr das Singen. Aus der Br\u00fcdergemeine kommt das bekannte Lied: \u201e<em>Komm, Herr Jesu, sei du unser Gast<\/em>\u201c (EG 465). An <strong>Schmolck<\/strong> konnte man sehen, dass er Texte anderer aufgegriffen und uminterpretiert hat. Das kann man auch an diesem Gebet sehen. Es greift ein Lied von Schmolck auf (\u201e<em>Ach wie heilig ist der Ort<\/em>\u201c; dort hei\u00dft es in der vierten Strophe: \u201e<em>Bleibe bei uns liebster Gast; speis uns gn\u00e4dig mit dem Worte, das du uns gegeben hast<\/em>\u201c (1878: 116) Zinzendorf selbst hat mit seinen \u00fcber 2000 Liedern viel zu dem gemeinschaftlichen Gesang beigetragen. Lieder zeigen, dass die Gemeinde selbst nur in Einheit baut, etwas zustande bringt (\u201e<em>Wir wollen uns gerne wagen<\/em>\u201c 254). Wo viele Menschen zusammenleben, gibt es Spannungen. So ist das Thema Liebe der Gemeinde untereinander wichtig (\u201e<em>Herz und Herz geeint zusammen<\/em>\u201c EG 251), in dem Lied, in dem die Seligpreisungen Thema sind wird auch der Frieden betont (\u201e<em>Kron und Lohn<\/em>\u201c 1878: 267). In \u201e<em>Herr, der du einst gekommen bist<\/em>\u201c (EG 586) hei\u00dft es: \u201e<em>Erinnre deine kleine Schar \/ die sich so leicht entzweit, \/ dass deine letzte Sorge war \/ der Glieder Einigkeit.<\/em>\u201c Ohne das Zentrum, Jesus Christus, kann diese Einheit nicht erlangt werden (\u201e<em>Christen sind ein g\u00f6ttlich Volk<\/em>\u201c). Ohne sich vor Jesu F\u00fc\u00dfe zu setzen, ohne die Stille vor Gott (\u201e<em>Gottes F\u00fchrung fordert Stille<\/em>\u201c), kann das gemeinsame Tun nichts werden. Ohne das Stehen unter dem Kreuz kann Einheit nicht erreicht werden: \u201e<em>Doch in des Heilands Wunden, \/ ich durfte nun gesunden, \/ ich fand den Friedens-Port. \/ Beim Kreuze will ich bleiben, \/ mich meinem Herrn verschreiben. \/ Er ist mein Schatz, mein ew\u00b4ger Hort<\/em>\u201c .&nbsp; Das heute allgemein bekannteste Lied d\u00fcrfte \u201e<em>Jesu, geh voran auf der Lebensbahn<\/em>\u201c (EG 391) sein: Auf dem Weg ins Vaterland \u2013 zu Gott \u2013 kann man an der Hand Jesu allerlei eigene und fremde Not bestehen. Das Vaterland, der \u201e<em>Gl\u00e4ub\u00b4gen Sammelplatz<\/em>\u201c ist bei Jesus Christus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Zeit hat viele bis heute gesungene Lieder hervorgebracht, vielfach beeinflusst von Francke (Halle) bzw. Bengel (W\u00fcrttemberg), man denke an das Lied von <strong>Johann Ludwig Konrad Allendorf<\/strong> (1693-1773): &#8222;<em>Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude<\/em>&#8220; (EG 66), fast wie Zinsendorf klingt der Text: &#8222;<em>Dein Wort o Herr bringt uns zusammen<\/em> &#8220; (1834: 909); von <strong>Karl Heinrich von Bogatzky<\/strong> (1690-1774): &#8222;<em>Wach auf, du Geist der ersten Zeugen<\/em>&#8220; (241), <strong>Phillip Friedrich Hiller<\/strong> (1699-1769): &#8222;<em>Jesus Christus herrscht als K\u00f6nig<\/em> &#8220; (EG 123), &#8222;<em>Wir warten dein, o Gottes Sohn<\/em>&#8220; (152), &#8222;<em>Ich glaube, dass die Heiligen im Geist Gemeinschaft haben<\/em>&#8220; (253); &#8222;<em>Mir ist Erbarmung widerfahren<\/em>&#8220; (355). <\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a4b429\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Charles Wesley (1707-1788)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe mich weitgehend auf deutsche Lieder konzentriert.\nMit Charles Wesley betreten wir die internationale B\u00fchne. Seine christlichen\nLieder waren weltweit ungemein erfolgreich. Sie sind sehr einfach gehalten,\ngeben die christliche Botschaft in einfacher Gestalt wieder, denn die meisten\nMenschen, die gewonnen werden sollten, konnten nicht lesen und schreiben und\nwaren weder philosophisch noch sonstwie gebildet. Man kann auf youtube sehr\nviele Lieder h\u00f6ren, als Beispiel sei nur dies genannt: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PMCOyY0Rlus\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PMCOyY0Rlus<\/a><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#9d28f7\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Christian F\u00fcrchtegott Gellert (1715-1769)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er wurde Professor f\u00fcr Philosophie, war aber zeitlebens\nkr\u00e4nkelnd \u2013 nichts desto trotz war er \u00e4u\u00dferst erfolgreich und mit allen\nm\u00f6glichen Gr\u00f6\u00dfen seiner Zeit bekannt. Seine Lehre \u00fcber die Moral hat viele\nbeeinflusst, beeinflusst hat er auch die Literatur im Land. Der Philosoph der\nAufkl\u00e4rung kl\u00e4rt dar\u00fcber auf, dass der Verstand des Menschen begrenzt ist.\nSeine Vorrede zu den Gedichten ist lesenswert \u2013 hier finden sich auch viele Texte:\n<a href=\"https:\/\/de.wikisource.org\/wiki\/Geistliche_Oden_und_Lieder\">https:\/\/de.wikisource.org\/wiki\/Geistliche_Oden_und_Lieder<\/a><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#9d28f7\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">\u201e<em>So jemand spricht, ich liebe Gott \/ und hasst doch seine Br\u00fcder \/ der treibet mit der Wahrheit Spott \/ und rei\u00dft sie ganz darnieder<\/em>\u201c (EG 412) ist st\u00e4rker moralisch ausgerichtet. Wie auch 1878: 76: \u201e<em>Erinnere dich mein Geist<\/em>\u201c \u2013 dort hei\u00dft es: \u201e<em>Nie komm es mir aus meinem Sinn, \/ was ich, mein Heil, dir schuldig bin, \/ damit ich mich in Lieb und Treu \/ zu deinem Bilde stets erneu<\/em>.\u201c Die Liebe Gottes treibt zum Handeln (1878:127; \u201e<em>Wie gro\u00df ist des Allm\u00e4chtgen G\u00fcte<\/em>\u201c). Sch\u00f6n spricht es das Lied \u201e<em>Ich komme vor dein Angesicht<\/em>\u201c (1878:191) aus: \u201e<em>La\u00df deines Namens mich zu freun, \/ ihn stets vor meinen Augen sein; \/ la\u00df meines Glaubens mich zu freun, \/ ihn stets durch Liebe t\u00e4tig sein.<\/em>\u201c Es geht um die Heiligung. So hei\u00dft es in dem Lied \u201e<em>Ich komme, Herr und suche dich m\u00fchselig und beladen<\/em>\u201c (1878: 225): \u201e<em>La\u00df mich den Ernst der Heiligung durch eine wahre Besserung mir und der Welt erweisen.<\/em>\u201c Intensiv wird die Heiligung in dem Lied angesprochen: \u201e<em>Gib mir o Gott, ein Herz, \/ das jeden Menschen liebet<\/em>\u201c (1878: 286). Auch die Wollust ist Thema: \u201e<em>Der Mensch sinkt unter ihrer B\u00fcrde \/ zur Niedrigkeit des Thiers herab; \/ er sch\u00e4ndet und entehrt die W\u00fcrde, \/ die ihm sein weiser Sch\u00f6pfer gab.<\/em>\u201c (1834 [?]: 643). Er thematisiert auch das Gewissen, h\u00e4ufig das Thema Gl\u00fcck, Besitz usw. Ein Fazit: \u201e<em>Lebe, wie du, wenn du stirbst, \/ w\u00fcnschen wirst, gelebt zu haben.<\/em>\u201c (1834[?] 838)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#9d28f7\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">Andere Lieder r\u00fchmen Gottes Handeln, so das Weihnachtslied \u201e<em>Dies ist der Tag, den Gott gemacht<\/em>\u201c (EG 42) \u2013 in dem sich die Strophe befindet: <em>\u201eWenn ich dies Wunder fassen will, \/ so steht mein Geist vor Ehrfurcht still, \/ er betet an und er ermisst, \/ dass Gottes Lieb unendlich ist.<\/em>\u201c Die Menschwerdung Gottes in Jesus ist unverst\u00e4ndlich \u2013 dennoch wird sie in aller Welt bedacht. Das Bedenken des Leidens Jesu bedeutet, sich \u201e<em>in das Meer der Liebe zu versenken<\/em>\u201c \u2013 und er reflektiert auch dieses Ereignis, das dem Verstand spottet als Weisheit Gottes: Das Kreuz ist im Tode Fried und Freude (EG 91). Jesu Auferstehung \u201e<em>verkl\u00e4rt mich in sein Licht<\/em>\u201c. Sechs Mal betont er seine Zuversicht: \u201e<em>Jesus lebt!<\/em>\u201c (EG 115). Das ist der Tenor vieler Lieder, die hier nicht weiter vertieft werden: Die gesamte Biographie und \u00fcber das Sterben hinaus ist von Gottes Handeln an Gellert \u2013 und durch das Singen auch an allen, die die Lieder singen &#8211; bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#9d28f7\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">Nicht allein das Handeln Jesu wird besungen, sondern vielfach Gott als Sch\u00f6pfer. Das Gedicht \u201e<em>Die Himmel r\u00fchmen des Ewigen Ehre<\/em>\u201c wurde h\u00e4ufig vertont, ebenso: \u201e<em>Du bist\u00b4s dem Ruhm\/Dank und Ehre geb\u00fchret<\/em>\u201c. Im erstgenannten Lied verk\u00fcndet die Natur Gott \u2013 und Gott spricht durch sie: \u201e<em>Ich bin dein Sch\u00f6pfer, bin Weisheit und G\u00fcte, \/ Ein Gott der Ordnung, und dein Heil\u201c<\/em>. Im Lied \u201e<em>Wenn ich o Sch\u00f6pfer deine Macht<\/em>\u201c (EG 506) geht es darum, die Taten des Sch\u00f6pfers anbetend zu \u00fcberlegen. Die Natur predigt auch hier Gott, aber es geht \u00fcber das genannte Lied hinaus: \u201e<em>Der Mensch, ein Leib, den deine Hand \/ so wunderbar bereitet, \/ der Mensch, ein Geist, den sein Verstand \/ dich zu erkennen leitet<\/em>\u201c \u2013 der Mensch selbst ist der Beweis der G\u00fcte und Gr\u00f6\u00dfe Gottes. Aber der Verstand kann Gott nicht von sich aus erkennen, wie er in dem Text ausspricht \u201e<em>Gott, deine G\u00fcte reicht so weit<\/em>\u201c: \u201e<em>Ich bitte nicht um \u00dcberflu\u00df \/ Und Sch\u00e4tze dieser Erden. \/ La\u00df mir, so viel ich haben mu\u00df, \/ Nach deiner Gnade werden! \/ Gib mir nur Weisheit und Verstand, \/ Dich, Gott, und den, den du gesandt, \/ Und mich selbst zu erkennen.<\/em>\u201c Die gro\u00dfe Liebe Gottes vermag kein Mensch sich ausdenken (\u201e<em>Gedanke, der uns Leben gibt<\/em>\u201c). Aber ein Mensch kann sich der G\u00fcte Gottes verschlie\u00dfen, es wird \u201e<em>mit verh\u00e4rtetem Gem\u00fcthe den Dank erstickt \/ der ihm geb\u00fchrt<\/em>\u201c (1878: 127.) \u201e<em>Der Sp\u00f6tter Strom rei\u00dft viele fort<\/em>\u201c \u2013 \u201e<em>Der L\u00e4st\u00b4rer Rotte wagt\u00b4s, o Gott! \/ Mit frechem, ausgelass\u00b4nem Spott, \/ den Sohn, den Mittler, den zu schm\u00e4h\u00b4n, \/ durch den sie wurden und besteh\u00b4n<\/em>\u201c. Er bittet: <em>\u201eAch! W\u00e4ren sie dir auch vers\u00f6hnt, \/ sie, deren Spott dich, Herr! verh\u00f6hnt!\u201c<\/em> (1834 [?]: 270)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Gott ist mein Lied<\/em>\u201c (EG 598) \u2013 mit diesem Satz kann man das dichterische Werk Gellerts beschreiben \u2013 und ohne das Wort Gottes, w\u00fcssten wir nichts (\u201e<em>Gott ist mein Hort<\/em>\u201c; 1878: 176). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gellert hat schon recht rational gestaltete Gedichte. Solche\nliegen auch vor von <\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a3002c\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Johann Andreas Cramer (1723-1788)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cramer hat viele Lehr- und Predigtlieder verfasst. Es werden zum Beispiel biblische Texte ausgelegt. In diese Auslegung werden Aspekte der Zeit einbezogen, so die Frage des Eides; als einem, der die Ausbildung von Lehrern am Herzen lag und eine Ausbildungsst\u00e4tte initiierte, hat er unter seinen \u00fcber 400 Liedern auch ein Gedicht geschrieben, das Lehrer lobt und damit indirekt Verhaltensanweisungen gibt: <em>\u201eDein ist das Licht, das uns erhellt; \/ von dir das Amt der Lehrer. \/ Gott! Welch Geschenk f\u00fcr deine Welt\u2026 \/\/ Welch gro\u00dfes Amt, Betrug und Wahn \/ und Laster zu bestreiten, \/ und Seelen auf der Wahrheit Bahn \/ zu dir, o Gott! Zu leiten! \/ Wie edel aber auch wie schwer! \/ La\u00df alle Lehrer t\u00e4glich mehr \/ des Amtes W\u00fcrde f\u00fchlen.\u201c \u201eAn Sanftmuth und an Nachsicht reich \/ La\u00df sie die Schwachen tragen, \/ und, keimt der Same nicht sogleich, \/ nicht an der Frucht verzagen \/\u2026 Gib das nicht nur ihr Unterricht, \/ da\u00df uns auch ihres Beispiels Licht \/ auf deine Wege leite.<\/em>\u201c (1834: 295) Best\u00e4ndigkeit liegt ihm am Herzen, \u201e<em>Denn gleichen selbst die feurigsten Entschl\u00fcsse \/ nur Irrlichtfackeln, die durch Finsternisse \/ schnell in die H\u00f6he schimmern und vergehen, \/ wie sie entstehen.\u201c<\/em> (1834: 175) <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu der massiven Auseinandersetzung in seiner Zeit mit den heftigen Kritikern des christlichen Glaubens setzt er sich auch auseinander: \u201e<em>Sch\u00e4me seines Worts dich nie vor den Frevlern, vor den Sp\u00f6ttern; \/ wenn sie ihn verschm\u00e4hn, wenn sie sich und ihren Witz verg\u00f6ttern. \/ Was vermag der L\u00e4strer Spott wider Jesum, wider Gott?\u201c \u201eUnd der Sp\u00f6tter Witz und Hohn k\u00f6nnte je dein Herz verf\u00fchren, \/ deinen Himmel und den Lohn \/ deines Glaubens zu verlieren? \/ Nein, o Christ, nein, wanke nie; \/ fleh um Rettung auch f\u00fcr sie<\/em>.\u201c (1878: 301) (Kritik an die Sp\u00f6tter auch bei <strong>Johann Christoph Gottsched<\/strong> [1700-1766]:<em> &#8222;Die Nothwendigkeit und Pflicht theologischer Lehrer\u201c: \u201eIch h\u00f6re, wie mich d\u00fcnkt, der frechen M\u00e4uler Wort, \/ Sie ruffen: Blinde Welt! Was willst du fort und fort \/ Dem matten Christenthum mehr neue Seulen schnitzen, \/ Und das geschw\u00e4chte Reich des Unverstandes st\u00fctzen?<\/em>\u201c usw. Dagegen: \u201e<em>Ein Christ mu\u00df die Vernunft und Offenbarung lieben, \/ denn beydes hat ihm Gott zur Richtschnur vorgeschrieben.\u201c \u2026 \u201eDie Vernunft ficht selber f\u00fcr die Christen.\u201c  <\/em>(Zitiert nach: <em> <\/em><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Gottsched,+Johann+Christoph\/Gedichte\/Gedichte\/Lehrgedichte\/Die+Nothwendigkeit+und+Pflicht+theologischer+Lehrer\">theologische Lehrer<\/a> ,,,,,[Vgl. auch: <em>&#8222;Da\u00df ein heutiger Gottesgelehrter auch in der Vernunft und weltweisheit stark seyn m\u00fcsse\u201c<\/em>])<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rationaler noch ist:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a37f00\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Johann Peter Uz (1720-1796)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst wenn er Themen anspricht, die ihn bewegen, zum Beispiel seine N\u00f6te, so klingen manche dieser Lieder doch eher wie ein Zusammenf\u00fcgen von traditionellen Formeln. Wenn man meint, dass es den B\u00f6sen gut geht, einem selbst aber schlecht, wird man (ganz mit der alten biblischen Weisheit, die das Buch Hiob schon hinterfragt) den S\u00fcnder fallen sehen. Wenn es einem schlecht geht, wird man Tugendreich und stark. Aufkl\u00e4rung pur: Die wunderbare Ordnung, alles ist gut. Jesus ist ein vom Himmel kommender Lehrer. (Lieder: 1834: 67, 78, 124, usw.) <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dem Gedicht \u201e<em>Mein Heiland, tief im Staube bet\u00b4 ich als Gottes Sohn dich an<\/em>\u201c, beschreibt er die Menschwerdung dessen, der Himmel und Erde gemacht hat. \u201e<em>Werth bist du, Preis und Ruhm \/ von aller Welt zu nehmen; \/ sie ist dein Eigenthum<\/em>.\u201c Es kommen diejenigen in den Blick, die nicht glauben: \u201e<em>Sohn Gottes! Ich verehre, \/ ich bete dich in Demuth an. \/ Besch\u00e4me und bekehre, \/ die dir noch nicht sind zughetan! \/ Die deinem Wort nicht glauben, \/ und dir der f\u00fcr sie litt, \/ die schuld\u00b4ge Ehre rauben, \/ theil\u00b4 ihnen Gnade mit, \/ dich gl\u00e4ubig zu erkennen, \/ und, welche dich erkannt, \/ die la\u00df von dir nichts trennen; \/ erleuchte jedes Land.<\/em>\u201c (1834: 119) Der Mensch sperrt sich gegen die Ordnung Gottes, wenn er sich verweigert, Gott die ihm geb\u00fchrende Ehre zukommen zu lassen, sich weigert, sich unter Gott zu stellen. \u201e<em>Wer wahre Weisheit liebt, \/ der liebt auch den Gedanken: `mein Heil, mein Fels ist Gott, und wenn auch Welten wanken.\u201c<\/em> (1834: 67)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seinem Umfangreichen Gedicht \u201e<em>Theodicee<\/em>\u201c wendet er sich unter Berufung auf Leibniz gegen die `stolzen Thoren\u00b4. die in `wilder Irre laufen\u00b4, gegen die Sp\u00f6tter \u201e<em>die vor dem Unverstand, o Sch\u00f6pfer! Dich verklagen<\/em>\u201c. Die Antwort auf die Theodizee-Frage: Der kleinsten Fliege Gl\u00fcck ist dem Sch\u00f6pfer so gelegen wie Roms Geschick \u2013 alles ist weise geplant. Menschen, die zwischen Wurm und Engel stehen, haben einen freien Willen, wenn der sich verfehlt, tun sie einander B\u00f6ses \u2013 die Tugend verlassen f\u00fchrt zu \u00dcbel: \u201e<em>Denn alles B\u00f6se quillt blo\u00df aus des Menschen Brust<\/em>\u201c. Wenn etwas in der Natur schlimm ist, dann nur, weil man es nicht ganz \u00fcberblicken kann, denn \u201e<em>Die Welt ver\u00e4ndert sich, mit immer neuer Pracht<\/em>\u201c. Aber man darf nicht nur auf das schauen, was sich auf der Erde zusammenbraut, sondern der gesamte Kosmos ist weise geordnet. Und der Mensch? \u201e<em>Durch Tugend soll er sich aus dunkler Niedrigkeit \/ Zu h\u00f6hern Glanz sich erheben, \/ Unsterblich seyn, nach kurzem Leben.<\/em>\u201c Er hat seine Weisheit allerdings nicht von Leibniz, er adelt Leibniz nur, denn, so beginnt der Text: \u201e<em>Mit sonnenrothem Angesichte \/ Flieg ich zur Gottheit auf! \/ Ein Strahl von ihrem Lichte \/ Gl\u00e4nzt auf mein Saitenspiel, das nie erhabner klang<\/em>\u201c \u2013 ein sehr poetischer Beginn \u2013 und eben auch: Die Weisheit hat er von Gott selbst \u2013 aber nur ein Strahl vom Licht Gottes ist in dem Text erkennbar. Denn der Mensch kann nicht alles \u00fcberblicken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Text \u201e<em>Gott im Fr\u00fchlinge<\/em>\u201c (Kemp 325) beendet er: \u201e<em>Du hast mit Sch\u00f6nheit, die entz\u00fcckt, \/ Das Antlitz der Natur geschm\u00fcckt, \/ O aller Sch\u00f6nheit reiche Quelle! \/ Dir geht kein Wesen vor! \/ Die reinste Liebe schwelle \/ mein ganzes Herz zu dir empor!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese letzten Zeilen zeigen, dass die eingangs beschriebene\nFloskelhaftigkeit nicht immer dominiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Biographie ist zu sagen, dass er ein finanziell\nunabh\u00e4ngiger Dichter war, und am Landgericht t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>Anna Luisa Karsch (Karschin) (1722-1791)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schreibt ein Gedicht \u201eAn Herrn Utz\u201c: \u201e<em>Du, der, vom Weine berauscht, die Lust der Erde besungen, \/ Mir gab Apollo kein lyrisches Spiel \/ Bespannt mit Saiten von Gold, doch sind mir Lieder gelungen, \/ S\u00fc\u00dfklingend sang ich der Seele Gef\u00fchl<\/em>.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anna Luisa Karsch hatte eine heftige Kindheit. Ihr Vater starb 1728. Die Mutter gab sie einem Verwandten, der ihr viel beigebracht hat, was sie dankbar erw\u00e4hnt. 1732 holte die Mutter sie zur\u00fcck, als Dienstmagd f\u00fcr die Stiefgeschwister und die K\u00fche. Sie heiratete 1738, bekam vier Kinder, der Mann trennte sich von ihr. Sie wurde 1749 mit einem anderen verheiratet, der nicht wie der erste gewaltt\u00e4tig aber Trinker war. 1761 konnte sie sich mit Hilfe anderer von dem Mann l\u00f6sen und wurde aufgrund ihrer Dichtkunst, in der sie Familienmitglieder und Allt\u00e4gliches besang und reflektierte, immer bekannter und wurde letztlich ger\u00fchmt und stand mit vielen Ber\u00fchmtheiten in Kontakt. Ihre Gedichte sind hier zu finden: <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Karsch,+Anna+Louisa\/Gedichte\">http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Karsch,+Anna+Louisa\/Gedichte<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Trostgedicht (\u201e<em>An Professor Sulzer, \u00fcber den Tod seines Kindes<\/em>\u201c) gibt vielleicht in etwa das Motto ihres Lebens wieder: \u201e<em>Hier in der Welt voll Unruh, voller Sorgen \/ Bleibts vor dem tr\u00fcben Blick des Sterblichen verborgen, \/ Warum Gott so verf\u00e4hrt; \/ Dort aber, wo vor hundert tausend Sonnen \/ Die Finsternis nie einen Sitz gewonnen, \/ Ist alles aufgekl\u00e4rt.<\/em>\u201c In \u201e<em>Eine Rede zu Gott \u00fcber die K\u00fcrze der Zeit<\/em>\u201c beschreibt sie, wie gedankenlos sie gelebt hat und bittet, bewusster leben zu k\u00f6nnen. Das hei\u00dft aber nicht, dass sie nicht h\u00e4ufig an Gott denkt (\u201e<em>An Gott als sie bei hellem Mondenschein erwachte<\/em>\u201c): \u201e<em>Wenn ich erwache, denk ich dein! Du Gott\u2026\u201c. Sie besingt Gott als Sch\u00f6pfer, die Verg\u00e4nglichkeit des Menschen und schlie\u00dft: \u201eIch lese, gro\u00dfer Sch\u00f6pfer! Dich \/ Des Nachts in B\u00fcchern, aufgeschlagen \/ Von deiner Hand. O lehre mich \/ Nach deinem Lichte fragen! \/\/ Sei meiner Seele Klarheit, du \/ Regierer der entstandnen Sterne! \/ Und blicke meinem Herzen zu, \/ Da\u00df es dich kennen lerne!\u201c <\/em>(Zitiert nach Kemp) In dem \u201e<em>Morgen-Gesang an ihre Seele<\/em>\u201c wei\u00df sie: \u201e<em>O f\u00fchle deine W\u00fcrde ganz, \/ Unsterbliche! Dir gab der, den die Sterne loben \/ Ein Theil vom himmlischen Glanz.<\/em>\u201c Viele Gedichte sprechen Gott an, so im \u201e<em>Lobgesang nach t\u00f6dtlichem Schmerz unter meinen Kindern gesungen<\/em>\u201c (1789): \u201e<em>Meine Gef\u00fchle des Dankes, die sollen ihm gl\u00fchen, \/ Bis mir die lobende Seele vom Munde wird fliehen<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Karsch spielt der Gott, der ihr durch den christlichen Glauben verk\u00fcndet wurde, eine gro\u00dfe Rolle \u2013 die anderen, die r\u00f6mischen und griechischen G\u00f6tter, die in der Zeit in der Dichtung modern wurden, sind \u201eErdeng\u00f6tter\u201c (\u201e<em>An Gott bei dem Ausruf des Friedens<\/em>\u201c); in dem Gedicht \u201e<em>Die Allmacht und G\u00fcte Gottes<\/em>\u201c, bittet sie darum, dass Gott den \u201eZank und Tod\u201c dem ewigen Rebelle in der H\u00f6lle schicken m\u00f6ge. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hingewiesen sei noch auf das \u201e<em>Lied an gefangene Lerchen<\/em>\u201c. Die Lerchen hat einer gefangen, \u201e<em>Der keinen Gott erkennt und ehrt.\u201c Sie besingt, wie sehr Lerchengesang die Menschen begl\u00fcckt, und schlie\u00dft: \u201eIhm will ich singen hohe Lobges\u00e4nge! \/ selbst meine Thr\u00e4nen sind sein Lied\u201c<\/em> . <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Texte gehen zu Herzen, sie kommen von Herzen und darum, so wird hier gesagt, hat Carl Philip Emanuel Bach auch ihren Text \u201e<em>Die letzten Leiden des Erl\u00f6sers<\/em>\u201c vertont: <a href=\"https:\/\/d3c80vss50ue25.cloudfront.net\/media\/filer_public\/f8\/70\/f870abce-66ba-4601-bc22-4b24d8687752\/2019-04-15_programmheft_daw_akademie_fur_alte_musik.pdf\">https:\/\/d3c80vss50ue25.cloudfront.net\/media\/filer_public\/f8\/70\/f870abce-66ba-4601-bc22-4b24d8687752\/2019-04-15_programmheft_daw_akademie_fur_alte_musik.pdf<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#3c8546\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gro\u00dfe Klopstock \u2013 der auch Goethe beeinflusste und dann im Schatten Goethes langsam verschwand. Er ist in einem pietistischen Elternhaus gro\u00df geworden, studierte Theologie, lebte dann aber als Dichter. Knapp gesagt: Der Dichter ist frei, das zu dichten, was zu dichten er mag \u2013 und wie zu dichten er mag. Der aufgekl\u00e4rten Vernunft wurde der Mensch als emotionales Wesen entgegengesetzt, der Kult um den Dichter als Genie beginnt sich langsam zu bilden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch viele seiner Gedichte muss man ganz lesen, so Die <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Klopstock,+Friedrich+Gottlieb\/Gedichte\/Oden.+Erster+Band\/Die+Fr%C3%BChlingsfeyer\">Fr\u00fchlingsfeyer<\/a> Ausz\u00fcge daraus geben nicht alles wieder. Der Gesamttext bildet eine Einheit. Ebenso <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Klopstock,+Friedrich+Gottlieb\/Gedichte\/Oden.+Erster+Band\/An+Gott\">An<\/a> Gott und Dem\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Klopstock,+Friedrich+Gottlieb\/Gedichte\/Oden.+Erster+Band\/Dem+Allgegenw%C3%A4rtigen\">Allgegenw\u00e4rtigen<\/a> und  <a href=\"https:\/\/www.gedichte-lyrik-online.de\/klopstock_friedrich_gottlieb-gedicht_337-wissbegierde.html\">Wi\u00dfbegierde<\/a> ; Und nat\u00fcrlich: \u201eDer <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Klopstock,+Friedrich+Gottlieb\/Gedichte\/Der+Messias\">Messias<\/a>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liturgie als Kunst wird hier deutlich: <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Klopstock,+Friedrich+Gottlieb\/Gedichte\/Oden.+Zweiter+Band\/Morgengesang+am+Sch%C3%B6pfungsfeste\">Morgengesang<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was an Klopstocks Texten, die im Gesangbuch aufgenommen wurden, besonders hervorsticht, ist der Mensch als Staub \u2013 die Gr\u00f6\u00dfe Gottes \u2013 und Gott, der sich dem Staub erl\u00f6send zuwendet \u2013 und das Staubkorn Mensch sagt zu Gott: \u201e<em>Ja, ich lebe dir, ich sterbe dir! \/ Ja, Vater, Vater! Dein will ich auf ewig sein, auf ewig dein Vers\u00f6hnter.<\/em>\u201c (&#8222;<em>Auf ewig ist der Herr mein Theil<\/em>\u201c 1834:377). Aber der Mensch leidet Not \u2013 er ist empfindsam \u2013 und er ben\u00f6tigt Ermutigung: \u201e<em>Hilf unsrer Schwachheit, Geist des Herrn! Zeig uns den Himmel dann von fern; \/ la\u00df uns, wenn wir zum Vater steh\u00b4n, \/ getr\u00f6stet seh\u00b4n, wie der uns liebt, \/ zu dem wir geh\u00b4n.<\/em>\u201c (\u201e<em>Dein sind wir Gott<\/em>\u201c 1834: 847). Aber das Gericht wird erwartet: \u201e<em>Gib, da\u00df keiner meiner Tage, \/ Vater der Unsterblichkeit! \/ im Gericht sich einst beklage, \/ er sei ganz von mir entweiht\u201c (Wenn ich eins aus jenem Schlummer, welcher Tod hei\u00dft, aufersteh<\/em>\u201c: 1834,765). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die im oben genannten Text &#8222;Wi\u00dfbegierde&#8220; letzte Strophe ist \u00e4u\u00dferst heftig: <br><em>&#8222;Saat s\u00e4\u00b4n sie, deren Ernte Verwilderung ist!<br>Des Menschen Rechte leugnen sie; leugnen Gott!<br>Schweigt jetzt, nicht leitend, Gott? und kannst du,<br>Furchtbares Schweigen, nur du uns bessern?&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Barthold Heinrich Brockes (1680-1747) Brockes war in seiner Zeit ein sehr bekannter Dichter, der auch Komponisten manche Vorlagen bot, vor allem mit dem Passionsoratorium: \u201eDer f\u00fcr die S\u00fcnde der Welt gemarterte und sterbende Jesus\u201c (Text: https:\/\/www.bach-cantatas.com\/Texts\/Brockes-Passion-Ger5.htm). 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