{"id":2163,"date":"2020-03-14T16:51:45","date_gmt":"2020-03-14T15:51:45","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=2163"},"modified":"2026-05-03T11:49:42","modified_gmt":"2026-05-03T09:49:42","slug":"heiliger-krieg-gerechter-krieg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/heiliger-krieg-gerechter-krieg\/","title":{"rendered":"Heiliger Krieg \/ Gerechter Krieg"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-accent-color has-text-color has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#d7c257\"><strong>Heiliger Krieg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heiliger\nKrieg \u2013 Kriege, die im Namen der G\u00f6tter und f\u00fcr die G\u00f6tter gef\u00fchrt werden. \u201eHeilig\u201c\nbedeutet: den g\u00f6ttlichen M\u00e4chten zugeh\u00f6rig. <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Griechenland: Heilige Kriege wurden gef\u00fchrt, um Tempel von G\u00f6ttern zu sch\u00fctzen. Der erste heilige Krieg fand ab dem Jahr 600 vor Christus statt, der 4. Heilige Krieg im Jahr 339.<\/li>\n\n\n\n<li>Im Alten Orient f\u00fchrte man Kriege im Namen der G\u00f6tter \u2013 Assyrien f\u00fchrte Krieg, um den Weltengott Assur den ihm geb\u00fchrenden Raum zu verschaffen. Zudem waren die Herrscher, die sich von den G\u00f6ttern herleiteten, diejenigen, die im Auftrag der G\u00f6tter das Chaos, das Feinde herbeif\u00fchrten, bek\u00e4mpften.<\/li>\n\n\n\n<li>Im vorchristlichen Rom wurden Kriege mit Hilfe religi\u00f6ser Riten durchgef\u00fchrt, man war also in st\u00e4ndiger Verbindung mit den G\u00f6ttern und f\u00fchrte sie mit deren Hilfe, nach deren Anweisung.<\/li>\n\n\n\n<li>Alttestamentliche Schriften: Das Wort \u201eheiliger Krieg\u201c begegnet nur im Buch Joel 4,9 (Datierung: 900-300 v. Chr.). Aber immer wieder ist vom Krieg Jahwes die Rede. Dass Gott als Kriegsherr gesehen wird, wird auch in dem vielleicht \u00e4ltesten Lied des Alten Testamentes, dem Mirjamlied, ausgesprochen: <em>Lasst uns dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gest\u00fcrzt.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heilige Kriege sind vielfach Stammeskriege, in denen der jeweilige Stammes- bzw. Stadtgott Konkurrenten besiegt. Alttestamentliche Stellen betonen wohl in exilischer Zeit, in der Zeit der Auseinandersetzung mit den babylonischen Siegern, r\u00fcckblickend, dass Jahwe auch ein gro\u00dfer Kriegsgott ist, trotz der Niederlage. Die Kriegsschilderungen (so das dem Erdboden gleichmachen von St\u00e4dten) sind wie arch\u00e4ologische Beobachtungen verdeutlichen nicht real. Diese Schriften hatten dann jedoch in der Wirkungsgeschichte gro\u00dfe Auswirkungen, so in der Makkab\u00e4erzeit, in der gro\u00dfe Teile des Volkes Israel die griechische \/ seleukidische Besatzungsmacht bek\u00e4mpften (165-63 v.Chr.), ebenso in Texten von Qumran (Kriegsrolle 1QM, wohl 30-50 n.Chr.) und dem Bar Kochba Aufstand gegen die R\u00f6mer (132-136 n.Chr.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im\nEpheserbrief, der im Umfeld des Apostels Paulus ca. 80 n.Chr. geschrieben\nwurde, wird die Kriegs-Metaphorik aufgegriffen und aus christlicher Perspektive\nganz neu gedeutet:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Zuletzt: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner St\u00e4rke. <\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>11 Zieht an die Waffenr\u00fcstung Gottes, damit ihr bestehen k\u00f6nnt gegen die listigen Anschl\u00e4ge des Teufels. 12 Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu k\u00e4mpfen, sondern mit M\u00e4chtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die \u00fcber diese Finsternis herrschen, mit den b\u00f6sen Geistern unter dem Himmel. <\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>13 Deshalb ergreift die Waffenr\u00fcstung Gottes, damit ihr an dem b\u00f6sen Tag Widerstand leisten und alles \u00fcberwinden und das Feld behalten k\u00f6nnt. <\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>14 So steht nun fest, umg\u00fcrtet an euren Lenden mit Wahrheit <\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit <\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>15 und beschuht an den F\u00fc\u00dfen, bereit f\u00fcr das Evangelium des Friedens. <\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>16 Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr ausl\u00f6schen k\u00f6nnt alle feurigen Pfeile des B\u00f6sen, <\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>17 und nehmt den Helm des Heils <\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. <\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>18 Betet allezeit mit allem Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit und Flehen f\u00fcr alle Heiligen 19 und f\u00fcr mich,\u2026<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-accent-color has-text-color has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#e2b962\"><strong>Gerechter Krieg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter \u201eGerechter Krieg\u201c (<em>bellum iustum<\/em>) sind Kriege zu verstehen, die nicht allein aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden gef\u00fchrt wurden, sondern: Es sind gerecht (nach Regeln) gef\u00fchrte Kriege (<em>ius ad bellum<\/em>) auch zur Durchsetzung von Gerechtigkeit. Der Kampf und die Vernichtung von Barbaren-V\u00f6lkern bezeichnete der Philosoph <strong>Aristoteles<\/strong> als gerechten Kampf. Schon das alte Rom kannte diese Form des Krieges. Denn Kriege konnten nicht einfach so gef\u00fchrt werden, sie mussten begr\u00fcndet werden. Begr\u00fcndet wurden sie zum Teil damit, dass man gegen Barbaren k\u00e4mpfen musste, die das Reich bzw. die Menschheit bedrohen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kirchenvater <strong>Augustinus<\/strong> hat sich in einer Zeit, als Westgoten und Vandalen Rom gepl\u00fcndert bzw. das Reich angegriffen haben (5. Jh.), Gedanken zum Thema Krieg und Frieden gemacht. Dabei hat er griechische und r\u00f6mische Traditionen aufgegriffen, sie aber aus christlicher Perspektive weiter gef\u00fchrt. Gerecht sind Kriege dann, wenn sie dem Frieden dienen, sich gegen Unrecht wenden, von einem Herrscher befohlen werden und nicht gegen Gottes Willen versto\u00dfen. Es geht um <em>ius ad bellum<\/em> &#8211; also um die Legitimation des Krieges (zur Herstellung des Friedens) &#8211; und um ein <em>ius in bello<\/em> &#8211; also darum, wenn ein Krieg gef\u00fchrt wird, muss er so gef\u00fchrt werden, dass er dem Frieden dient (z.B. Schutz der Zivilbev\u00f6lkerung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kirchenlehrer <strong>Thomas von Aquin<\/strong> (13. Jh) und der Reformator <strong>Martin Luther<\/strong> (15. Jh) greifen diesen Ansatz auf und f\u00fchren ihn weiter aus. Wobei zu erw\u00e4hnen ist, dass nicht erst in der Gegenwart die Gewissensfreiheit herrscht, ob das Individuum Krieg als Soldat k\u00e4mpfen m\u00f6chte, sondern das gab es auch schon in dieser Zeit. <strong>Erasmus von Rotterdam<\/strong> (15.\/16. Jh) kritisiert die Herrscher massiv, weil sie nicht an die Vorgaben Jesu \u2013 und sich somit auch nicht an die Vorgaben des Kirchenvaters &#8211; halten, sondern Kriege aus eigenem Interesse f\u00fchren. Ein Ansatz, der auch schon bei Augustinus da war: Wer Kriege einfach so f\u00fchrt ist mit R\u00e4uberbanden gleichzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-accent-color has-text-color has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#d3aa63\"><strong>Heilige Kriege &#8211; gerechte Kriege<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der <strong>Kreuzz\u00fcge<\/strong> (12. Jahrhundert) bl\u00fchte der Gedanke des Heiligen Krieges wieder auf \u2013 verbunden mit dem M\u00e4rtyrertod. In der christlichen Tradition waren M\u00e4rtyrer Menschen, die um ihres Glaubens Willen als Wehrlose ermordet wurden. Diese Sicht wurde w\u00e4hrend der Kreuzz\u00fcge ins Gegenteil verkehrt, indem man kurioserweise muslimische Traditionen aufgegriffen hat: M\u00e4rtyrer sind auch diejenigen, die im Kampf gegen Muslime fallen (Im Koran sind die M\u00e4rtyrer, die im Kampf f\u00fcr Allah fallen). Ihnen wird die Vergebung der S\u00fcnden versprochen. Gleichzeitig werden diese K\u00e4mpfe als <em>Pilgerfahrt<\/em> bezeichnet \u2013 also Nudging aus mittelalterlicher Sicht \u2013 und unter dem Slogan: <em>Deus lo vult<\/em> (<em>Gott will es<\/em>). Das sind die Worte, die angeblich die Menge gerufen hatte, nachdem <strong>Papst Urban II. <\/strong>1095 zum Kampf gegen die muslimischen Angreifer von Byzanz bzw. den muslimischen Eroberern Jerusalems aufgerufen hatte. Der Kampf wurde als gerechter Krieg angesehen, als Verteidigungskrieg zur Befreiung der Christen im Heiligen Land. Allerdings gab es auch in der Zeit schon Widerspruch, so hat <strong>Radulfus Niger<\/strong> (12. Jh) betont, die wahre Pilgerfahrt sei ein spirituelles Ereignis &#8211; er ist ein Glaubensweg zu Gott, der den Pfad der S\u00fcnde verl\u00e4sst. Gott will milit\u00e4rische Pilgerreisen nicht, da der spirituelle Zustand der Christen, die auf Kreuzzug gehen, katastrophal ist. Und so kritisiert er alle m\u00f6glichen St\u00e4nde und Berufe, sowohl in Europa als auch im Heiligen Land. Das hei\u00dft: Die Kirche selbst ist nicht mehr der Civitas Dei, sondern der der Civitas terrena zuzuordnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend des <strong>30j\u00e4hrigen Krieges<\/strong> (17. Jh) f\u00fchrte man von katholischer wie von protestantischer Seite Heilige Kriege durch. Jede Gruppe sah sich als Verteidigerin des wahren Glaubens, des wahren Gottes. Gleichzeitig musste aber auch etwas anderes zurechtger\u00fcckt werden: Das Verh\u00e4ltnis der Herrscher untereinander: Protestantische F\u00fcrsten sahen sich durch den katholischen Kaiser mit seinen katholischen F\u00fcrsten geg\u00e4ngelt. Es war also nicht allein eine Frage der Religion, sondern auch eine Frage der Macht, eine Frage der Vorgabe, dass der Herrscher (also der Kaiser) seit Augustinus die Aufgabe hat, das Reich unter der katholischen Kirche zu einen, w\u00e4hrend die protestantischen F\u00fcrsten die Aufgabe darin sahen, ihren wahren Glauben gegen die katholische \u00dcbermacht zu verteidigen. In dieser Zeit entstanden viele Texte, die diesen Kampf als religi\u00f6sen Kampf beeinflussten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Ans\u00e4tze wurden bis in die Neuzeit aufgegriffen, obgleich die Kriege s\u00e4kularisiert (\u00dcberf\u00fchrung vom G\u00f6ttlichen\/Kirchlichen ins Zeitliche\/Weltliche) wurden. Das hei\u00dft, dass nicht mehr Gott eine Rolle spielte, sondern weltliche Argumente.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Frankreich wurden 1789 der K\u00f6nig samt Adel der Macht und der Privilegien beraubt. Gegen diese \u201eVolksherrschaft\u201c k\u00e4mpften ab 1792 Staaten, die noch von K\u00f6nigen und Adel beherrscht waren (<strong>Koalitionskriege<\/strong>). Die \u201eVolksherrschaft\u201c sollte zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden. Die franz\u00f6sischen Soldaten unter der F\u00fchrung <strong>Napoleons<\/strong> (1769-1821) \u2013 gekommen, um die V\u00f6lker von\u00a0den Bedr\u00e4ngern zu befreien, und zum Ruhm, Ehre und Reichtum der Soldaten \u2013 konnten sich behaupten und unterwarfen die \u00f6stlichen Staaten. Damit einher gingen massive K\u00e4mpfe gegen Vertreter der christlichen Kirchen (Kl\u00f6ster wurden geschlossen, Kirchen und Kunst wurden zerst\u00f6rt\u2026). 1812 wurde das franz\u00f6sische Heer im Zusammenhang des Russlandfeldzugs geschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Eroberungsz\u00fcge Napoleons f\u00fchrten dazu, dass sich in Deutschland immer st\u00e4rker ein nationaler Widerstand entwickelte, in dem unter anderem <strong>Ernst Moritz Arndt<\/strong> (1769-1860), der Philosoph <strong>Johann-Gottlieb Fichte<\/strong> (1762-1814), <strong>Friedrich Ludwig Jahn<\/strong> (1778-1852; Turnvater Jahn) diesen Kampf \u2013 den Befreiungskrieg \u2013 gegen die antichristlichen franz\u00f6sischen Kr\u00e4fte religi\u00f6s aufgeladen haben. Es waren nicht mehr nur F\u00fcrsten, die gegeneinander k\u00e4mpften, sondern wie auch im Duktus der Franz\u00f6sischen Revolution: V\u00f6lker. Das heilige Volk Deutscher Nationen bek\u00e4mpft die sozialen Chaos bringenden franz\u00f6sischen Besatzungsm\u00e4chte. Parallel dazu versuchte eine rationalistische Gruppe (z.B. <strong>Carl von Clausewitz<\/strong> 1780-1831) den Krieg rein rational, taktisch und sachlich zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An diesem zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelten Gedankengang kn\u00fcpfte man dann auch im Kontext des <strong>1. Weltkrieges<\/strong> an: <em>Gott mit uns<\/em> \u2013 und zog in heiliger Erregung in den s\u00e4kularen Krieg. Solche Kriege f\u00fchrte dann ca. 30 Jahre sp\u00e4ter das nationalsozialistische Deutschland gegen den Bolschewismus, das orthodox-kommunistische Russland gegen die Deutschen. Ebenso sprach der britische Au\u00dfenminister <strong>Lord Halifax<\/strong> von einem heiligen Krieg, den die Alliierten gegen das antichristliche nationalsozialistische Deutschland f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Kriege noch immer aus der Perspektive der Gerechtigkeit gef\u00fchrt werden, sieht man in der Gegenwart daran, dass der Westen vor allem dann besonders aktiv wird, wenn Menschenrechte mit F\u00fc\u00dfen getreten werden, wie im Krieg gegen den politischen Islam (IS). Zudem werden diese Kriege als Verteidigungskriege angesehen, da die Terrorbedrohung (Al Kaida, IS) massiv geworden war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-accent-color has-text-color has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#d0c757\"><strong>Exkurs: Reich Gottes \u2013 Reich der Welt (Civitas Dei \u2013 Civitas terrena\/diaboli)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Augustinus<\/strong> hat einen besonderen Gedanken eingebracht: Die Welt, in der wir leben, ist nicht die heile Welt, die Gott erst in Zukunft herbei f\u00fchren wird. In dieser Welt, die zwar Gott, dem Sch\u00f6pfer geh\u00f6rt, hat der Mensch einen freien Willen \u2013 auch den Willen zu s\u00fcndigen, also Kriege zu f\u00fchren (Civitas terrena). Aber seit Christus ist diese Welt (Civitas terrena) nicht mehr allein sichtbar, sondern es wird schon die anbrechende Welt Gottes in der Kirche\/in den Christen erkennbar (Civitas Dei). Christen leben als normale Menschen in beiden Welten. Sie werden einerseits von der weltlichen Herrschaft bedr\u00e4ngt, weil die weltliche Herrschaft nur Weltliches im Blick hat, andererseits aber k\u00f6nnen sie sich dem Leben in der weltlichen Welt nicht entziehen. Augustinus beschreibt nun die Aufgaben der Herrscher und B\u00fcrger in der weltlichen Welt in ihrem Verh\u00e4ltnis zu den Christen, bzw. das der Christen zu der weltlichen Welt. Im Kontext der weltlichen Welt haben sich die Herrscher auch an Gottes Willen auszurichten, das bedeutet, dass sie Regeln mit Blick auf den Krieg einzuhalten haben. Frieden ist der Normalzustand \u2013 Krieg sollte nur unter ganz bestimmten Bedingungen gef\u00fchrt, damit er als gerechter Krieg, der dem Frieden (dem Recht Gottes) dient, gelten kann. Die Herrscher haben nicht nur mit Blick auf den Krieg Regeln einzuhalten, sondern auch mit Blick auf den \u201einneren Frieden\u201c: Sie haben dem B\u00fcrger Freiheiten zu lassen, damit er im Frieden Gott dienen kann, gleichzeitig haben sie auch dem B\u00f6sen zu wehren (Augustinus nimmt an dieser Stelle aus dem Paulusbrief R\u00f6mer 13 auf, in der die Aufgabe der Herrscher darin besteht, f\u00fcr Sicherheit zu sorgen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Augustinus muss man beachten, dass er im \u00dcbergang von Antike zum Mittelalter lebte. Das bedeutet, die Situation der Christen ist nicht zu vergleichen mit der Zeit im Hochmittelalter oder mit der Zeit Luthers, der im \u00dcbergang vom Mittelalter zur Neuzeit lebte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Mittelalter wird auf weiten Strecken vom Kampf zwischen Papst und Kaiser bestimmt: Wer hat die wahre Macht? Beide sahen sich als von Gott eingesetzt an. Das wird auch durch den Reichsapfel des Kaisers symbolisiert: Das Kreuz betont die Herrschaft Christi, im inneren des Reichsapfels befinden sich Reliquien der Heiligen, deren F\u00fcrbitte und Begleitung man damit erbittet. Der Papst sah sich ebenfalls als Oberhaupt an, da er sich als Nachfolger des Apostels Petrus von Jesus Christus eingesetzt sah und der Kaiser als Christ ihm untergeordnet ist. Es gab also von beiden Potentaten Tendenzen, das irdische und das g\u00f6ttliche Reich zusammenzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Luther <\/strong>hat aus seiner Zeit st\u00e4rker die Civitas Dei mit der institutionalisierten Kirche verbunden, die bestimmte Aufgaben hat, und die Civitas terrena mit den Herrschern. Das bedeutet, dass zwei Gr\u00f6\u00dfen miteinander ringen und bestimmte Aufgaben haben. Die Kirche verk\u00fcndet das Evangelium (Wort), der Herrscher sorgt f\u00fcr Sicherheit (Schwert). Kirche und Staat werden voneinander getrennt, aber beeinflussen und begrenzen einander, da die Christen beiden Bereichen zugeh\u00f6ren. Gott ist allerdings Gott \u00fcber beide Bereiche. Von daher darf der Staat nicht den Anspruch erheben, den ganzen Menschen \u201ebestimmen\u201c zu wollen. Was Ideologien der Neuzeit, sowohl der Nationalismus, Nationalsozialismus als auch der Sozialismus bzw. Kommunismus versuchen: auch die Gesinnung des Menschen zu beherrschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-color has-text-color has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#6b199d\"><strong>Gerechter Friede<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Gegenwart betont man in den Kirchen, dass es nicht um einen gerechten Krieg geht, sondern um einen gerechten Frieden. Welche Bedingungen m\u00fcssen herrschen, damit ein gerechter Friede zustande kommt? (a) Es muss Rechtsstaatlichkeit herrschen, (b) die Bev\u00f6lkerung muss an politischen Prozessen beteiligt werden, (c) soziale Gerechtigkeit muss im Fokus stehen, (d) das Gewaltmonopol eines Staates ist gleicherma\u00dfen Bedingung wie (e) die Entwicklung einer konstruktiven Konfliktkultur (vgl. Senghaas) zudem ist (f) relevant, dass Staaten nicht isoliert agieren, sondern dass weltweite Strukturen errichtet werden, denen die jeweiligen Regierungen verantwortlich sind. <em>Politischer Friede<\/em> und <em>sozialer Friede<\/em> h\u00e4ngen eng zusammen. Und aus christlicher Sicht geh\u00f6ren dazu auch <em>der geistliche Friede<\/em>, das hei\u00dft die Beziehung zu Gott, und der daraus resultierende <em>innere Friede<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerechter Friede sollte nicht gleichgesetzt werden mit Pazifismus. Wie man dem urspr\u00fcnglich friedenssichernden Ansatz des &#8222;gerechten Krieges&#8220; vorwirft, Unrechtsstrukturen gef\u00f6rdert zu haben, so ist auch einem streng pazifistischen Ansatz des &#8222;gerechten Friedens&#8220; dieser Vorwurf zu machen, da es in gewisser Weise eine Auslieferung von Menschen an Gewaltt\u00e4ter beinhaltet. Von hier aus gesehen ist der Ansatz der intelligenten Feindesliebe wichtig: Hierbei geht es darum, Modelle des Widerstandes zu entwickeln, die Aggressionen des Gegners ins Leere laufen lassen. Da auch das allerdings eine gro\u00dfe Leidensbereitschaft erfordert und der Mensch vollkommen anders gepolt ist, muss an dieser Stelle noch viel Arbeit geleistet werden. Es handelt sich also noch um eine Zielvorgabe.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiliger Krieg Heiliger Krieg \u2013 Kriege, die im Namen der G\u00f6tter und f\u00fcr die G\u00f6tter gef\u00fchrt werden. \u201eHeilig\u201c bedeutet: den g\u00f6ttlichen M\u00e4chten zugeh\u00f6rig. Heilige Kriege sind vielfach Stammeskriege, in denen der jeweilige Stammes- bzw. Stadtgott Konkurrenten besiegt. 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