{"id":2115,"date":"2020-02-25T11:14:08","date_gmt":"2020-02-25T10:14:08","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=2115"},"modified":"2026-05-03T11:29:20","modified_gmt":"2026-05-03T09:29:20","slug":"frieden-krieg-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/frieden-krieg-3\/","title":{"rendered":"Frieden + Krieg 3: Zusammenfassung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesu Lehre hatte unterschiedliche Str\u00f6mungen zur Folge:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-medium-font-size\"><strong>1. Individual-pazifistischer Ansatz:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Jesus lehrte laut Bergpredigt, dass man nicht vergelten solle, wenn einem Unrecht zugef\u00fcgt wird (5. Antithese). Ebenso lehrte er die Feindesliebe (6. Antithese) und die Goldene Regel, laut der Menschen anderen das tun sollen, was man von ihnen erwartet. Diese Lehre der Bergpredigt wird durch sein eigenes Verhalten best\u00e4tigt: Er wehrte sich nicht gegen seine Verhaftung und Kreuzigung. Jesus selbst versuchte auch anderweitig feindliche Grenzen zu \u00fcberwinden, das zum Beispiel im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Lukas 10,25 ff.) wie auch im Wunder, das er an dem Knecht eines heidnischen Soldaten wirkt (Mt 8,5 ff.).<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Sicht wurde in der fr\u00fchen Christenheit allgemein vertreten. Ein Christ durfte nicht Soldat sein. Es wurde von pazifistischen Gruppen aufgenommen, so von den Qu\u00e4kern. Diese versuchten die Forderungen Jesu 1:1 umzusetzen. Dieser Ansatz hat sich dann auch von den Gruppen losgel\u00f6st, wurde z.B. vom russischen Schriftsteller Tolstoi vertreten, und wurde auch von pazifistischen Nichtchristen aufgenommen. Diese Vertreter versuchten dann in der Neuzeit diesen Ansatz auch politisch umzusetzen (s.u. 3.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-medium-font-size\"><strong>2.<\/strong> <strong>Realpolitischer Friede<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es wird deutlich: Seit Augustinus und Thomas von Aquin, Erasmus und Luther versuchen Christen bis in die Gegenwart hinein, den jesuanischen individual-pazifistischen Ansatz mit pragmatischer Politik zu verbinden. Dieser pragmatische Ansatz beruft sich im Wesentlichen auf alttestamentliche Texte (unter Aufnahme r\u00f6misch-stoischer Tradition [Cicero]). Das hei\u00dft:<\/p>\n\n\n\n<ol style=\"list-style-type:lower-alpha\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Kriege sind eine Strafe Gottes, sie sind Schuld, sind eine Krankheit, sie widersprechen der Vernunft, sie sind Ausdruck einer Gesellschaft, die durch Lieblosigkeit gest\u00f6rt ist,<\/li>\n\n\n\n<li>sie sind Ausdruck daf\u00fcr, dass die Gesellschaft (in Familien, unter Nachbarn, in D\u00f6rfern\u2026) durch S\u00fcnde (Ungehorsam gegen\u00fcber Gottes sozialen Geboten) gest\u00f6rt ist, <\/li>\n\n\n\n<li>Friedensarbeit bedeutet: Sich an Gottes Gebote haltend, in der Gesellschaft zu leben,<\/li>\n\n\n\n<li>Friedensarbeit betrifft alle Menschen, ist nicht nur Aufgabe der Herrscher.<\/li>\n\n\n\n<li>Kriege sind nur zur Verteidigung des Volkes erlaubt,<\/li>\n\n\n\n<li>Kriege, in denen es um Macht, Ehre usw. der Herrscher geht, sind abzulehnen,<\/li>\n\n\n\n<li>sie d\u00fcrfen nur klagend gef\u00fchrt werden,<\/li>\n\n\n\n<li>man muss die Zeit nach dem Krieg im Blick haben, damit wirklich (gerechter) Frieden hergestellt werden kann,<\/li>\n\n\n\n<li>man darf nicht hassen, darf nicht emotional sondern rational Krieg f\u00fchren, mit Blick auf das Feindesliebegebot Jesu,<\/li>\n\n\n\n<li>die Mittel m\u00fcssen angemessen sein,<\/li>\n\n\n\n<li>man muss Zivilpersonen sch\u00fctzen,<\/li>\n\n\n\n<li>Folter ist abzulehnen,<\/li>\n\n\n\n<li>der Herrscher hat die Pflicht, sozialen Frieden herzustellen.<\/li>\n\n\n\n<li>Er ist von Gott eingesetzt \u2013 er ist aber nicht g\u00f6ttlich\/heilig, sondern bek\u00e4mpft Gott.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Herrscher ist verpflichtet, ein Leben in Frieden zu erm\u00f6glichen, damit Rahmenbedingungen schaffen, in denen Menschen Tugenden lernen, ein Leben leben k\u00f6nnen, das zu Gott f\u00fchrt.<\/li>\n\n\n\n<li>Soldaten, die meinen, der Krieg sei Unrecht, sollen Gott mehr gehorchen als Menschen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-medium-font-size\"><strong>3. Erweiterter individual-pazifistischer Friede<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Neuzeit (aber auch schon bei Erasmus von Rotterdam: Die Klage des Friedens [1517] <a href=\"https:\/\/www.getabstract.com\/de\/zusammenfassung\/die-klage-des-friedens\/6026\">https:\/\/www.getabstract.com\/de\/zusammenfassung\/die-klage-des-friedens\/6026<\/a>) wird mit der Entdeckung der Lehre Jesu st\u00e4rker der individual-pazifistische Ansatz betont, allerdings mit Ausweitung auf das Verh\u00e4ltnis der V\u00f6lker (Qu\u00e4ker, Tolstoi, Kagawa, Internationaler Vers\u00f6hnungsbund\u2026). Treibende Kraft f\u00fcr die pazifistisch orientierten Christen war die Lehre Jesu, seine Vorstellung vom Reich Gottes (Schalom \/ Vereinigung mit Gott), sein Verhalten gegen\u00fcber Menschen, die am Rand der Gesellschaft standen bzw. ausgesto\u00dfen waren. Es geht nicht um Quietismus oder die Verweigerung von Widerstand. Schon f\u00fcr Tolstoi war die Wahrheit das Moment des Redens und Handelns, um Ver\u00e4nderungen herbeizuf\u00fchren. Von daher ist z.B. auch Brot f\u00fcr die Welt: Friedensarbeit. Dazu sei auch die intelligente Feindesliebe genannt, ausgehend von den Gesellschaft ver\u00e4ndernden Demonstrationen &#8211; dem aktiven Widerstand &#8211; von Mahatma Gandhi und Martin Luther King.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem ist der Versuch, die V\u00f6lker miteinander zu vernetzen, sehr bedeutsam, der von der biblischen Aussage ausgeht, dass Gott der Sch\u00f6pfer aller sei (Nicolaus von Kues: De pace fidei [Der Friede im Glauben; 1453 &#8211; nach der Eroberung Konstantinopels durch Muslime <a href=\"https:\/\/urts99.uni-trier.de\/cusanus\/content\/uebs.php?ueb=8\">https:\/\/urts99.uni-trier.de\/cusanus\/content\/uebs.php?ueb=8<\/a>, und \u00c8meric Cruc\u00e9), vielleicht auch angeregt durch das Glaubensbekenntnis: Glaube an die eine christliche\/katholische Kirche und freilich Johannes 17 (Katholische Kirche, \u00d6kumenischer Rat der Kirchen, Weltmissionskonferenzen). Auch die UN Menschenrechtscharta geh\u00f6rt zu diesen Bestrebungen dazu, die im Wesentlichen von Christinnen und Christen formuliert wurde <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/menschenrechte-1\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/menschenrechte-1\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Ansatz ist freilich nicht mehr nur christlich, sondern auch au\u00dferhalb der Christengemeinden durch pazifistische sozialistische und b\u00fcrgerliche pazifistische Gruppen und Individuen, aber im christlichen Kulturkreis, vertieft worden; er wurde dann \u00fcbernommen von anderen religi\u00f6sen Gruppen (Mischung\/Iran: Bahai, Islam: Ahmadiyya, Buddhismus: Thich Nhat Hanh).   , die Arbeit der NGOs (Non-governmental organization).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-medium-font-size\"><strong>4. Glaubens-Frieden \/ Mystik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem der realpolitische Frieden (1) angesprochen wurde, der erweiterte individual-pazifistische Frieden (2), ist auch der Friede anzusprechen, der im Glauben, in der Mystik zu Hause ist: der Frieden, den das Individuum in Gott findet. Dieser Aspekt ist in allen Bereichen zu finden, angefangen vom <strong>Neuen Testament<\/strong>, in dem Paulus vom Frieden Jesu Christi spricht, der h\u00f6her ist als alle Vernunft (Phil 4,7), zudem w\u00fcnscht Paulus zu Beginn seiner Briefe den Lesenden Gnade und Frieden von Gott dem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Das Johannesevangelium spricht davon, dass Glaubende in Jesus Christus Frieden haben, im Gegensatz zur Welt (16,33 &#8211; was in einem liturgischen Text [Da pacem Domine] aus dem 9. Jh. betont wird: <em>Gib deinen dienern friede, welchen die welt nicht kan geben<\/em>), der Kolosserbrief spricht davon, dass der Friede Jesu Christi die Herzen regieren m\u00f6ge (3,15). Frieden bekommen Glaubende erst durch Jesus Christus selbst, was dann auch im weiteren Verlauf der Kirchengeschichte aufgegriffen wird. <strong>Augustinus<\/strong> schreibt in seinen Bekenntnissen, dass das Herz unruhig ist, bis es Ruhe \/ Frieden in Christus findet (1,1). Denn nach diesem h\u00f6chsten Gut streben die Menschen: Gott selbst ist Frieden &#8211; und wenn man Gott erreicht, hat man den Frieden erreicht. Gott ist Frieden &#8211; das finden wir bei <strong>Bernhard von Clairvaux<\/strong>, und diesen Frieden erreicht man nur, wenn man sich auf das Wesentliche, also Gott, konzentriert. Gleichzeitig ist an ihm aber auch zu sehen, dass er sich f\u00fcr Friedensvertr\u00e4ge einsetzte (allerdings nicht gegen Kreuzz\u00fcge). Das hei\u00dft nicht, wie auch <strong>Nikolaus von der Fl\u00fce<\/strong> erkennen l\u00e4sst, dass diejenigen, die diesen Frieden in Gott suchen, sich dem Streben nach politischem Frieden entzogen haben. Anders <strong>Meister Eckhart<\/strong> so wie ich ihn einsch\u00e4tze. Es geht ihm um den Frieden mit Gott, ohne dass der irdische Frieden st\u00e4rker in den Blick genommen wird: Soweit du in Gott bist, soweit bist du in Frieden; am Unfrieden erkennt man, dass man noch nicht in Gott ist. Wenn Jesus sagt: <em>Gehe hin in Frieden<\/em>, dann bedeutet das, dass man sich auf den Weg in Gott hinein machen soll, in den Frieden hinein. Spannend ist hieran zu sehen, dass sich Menschen in unruhigen Zeiten dadurch von diesen emanzipieren, dass sie den frieden nicht in der Welt suchen, sondern der freidlosen Welt den frieden Gottes entgegenstellen. Der Protestant <strong>Emil Quandt<\/strong> 1871 lehrt: <em>Wohl ist\u00a0Christi\u00a0Reich der Friede, aber das ist der inwendige Friede; der auswendige Friede ist der neuen Erde vorbehalten. <\/em> <a href=\"https:\/\/www.glaubensstimme.de\/doku.php?id=autoren:q:quandt:tropfen:9\">https:\/\/www.glaubensstimme.de\/doku.php?id=autoren:q:quandt:tropfen:9<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Christen geh\u00f6ren normalerweise &#8211; wie es neutestamentliche Schriften verdeutlichen &#8211; alle Aspekte des Friedens zusammen: Frieden mit Gott &#8211; wie auch Frieden mit dem N\u00e4chsten &#8211; was dann auch auf gesellschaftspolitischen Frieden Auswirkungen haben sollte. <\/p>\n\n\n\n<p>Das wird sch\u00f6n an dem Lied aus EG 222 \/ GL 216 deutlich:<em> &#8222;Im Frieden dein, o Herre mein, lass ziehn mich meine Stra\u00dfen. \/ Wie mir dein Mund gegeben kund, schenkst Gnad du ohne Ma\u00dfen, \/ hast mein Gesicht das sel\u00b4ge Licht, den Heiland schauen lassen.&#8220;<\/em> Dieses Lied aus dem 16. Jh. greift auf das Nunc Dimittis (Lukas 2,29ff.) zur\u00fcck, das Gebet des Simeon, das er spricht, nachdem er Jesus gesehen hatte. Jesus Christus sehen, bringt Frieden. Dieser Frieden ist vor allem dann auch erfahrbar im Abendmahl. So wurde das Lied im Kontext des Abendmahles gesungen. Im 19. Jh. wurde es mit einer dritten Strophe erweitert, mit einem Vers, der das Handeln des Menschen im Blick hat: <em>&#8222;O Herr, verleih, dass Lieb und Treu \/ in dir uns all verbinden, \/ dass Hand und Mund zu jeder Stund \/ dein Freundlichkeit verk\u00fcnden, \/ bis nach der Zeit den Platz bereit\u00b4 \/ an deinem Tisch wir finden.&#8220;<\/em>   <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9Lcm2jzPnC4\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9Lcm2jzPnC4<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammenfassung Jesu Lehre hatte unterschiedliche Str\u00f6mungen zur Folge: 1. 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