{"id":1918,"date":"2019-10-10T08:50:23","date_gmt":"2019-10-10T06:50:23","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=1918"},"modified":"2020-03-22T16:59:25","modified_gmt":"2020-03-22T15:59:25","slug":"gott-in-gedichten-4a","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott-in-gedichten\/gott-in-gedichten-4a\/","title":{"rendered":"Gott in Gedichten 4a"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>Franz von Assisi&nbsp;<\/strong>(1181\/2-1226):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der bekannteste Text dieses ber\u00fchmten Menschen ist wohl der Sonnengesang, in dem er die Sch\u00f6nheit der Sch\u00f6pfung besingt und am Ende, bevor er dazu aufruft, Gottes Willen zu tun, um das ewige Leben zu bekommen, schreibt er\u00a0<a href=\"https:\/\/franziskaner.net\/der-sonnengesang\/\">https:\/\/franziskaner.net\/der-sonnengesang\/<\/a>\u00a0:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\">Gelobt seist du, mein Herr,<br>durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen<br>und Krankheit ertragen und Drangsal.<br>Selig jene, die solches ertragen in Frieden,<br>denn von dir, H\u00f6chster, werden sie gekr\u00f6nt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht minder bekannt ist das Gebet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\">Herr Gott im Himmel und auf Erden,<br>lass mich dein Friedenswerkzeug werden.<br>Wo Hass, da lass mich Liebe spenden,<br>Streit lass mich durch Verzeihen enden.<br>Wo Zwietracht, lass mich Eintracht bringen,<br>lass Irrtum mich durch Wahrheit zwingen.<br>Wo Zweifel herrscht, lass Glaub erstehen,<br>lass Finsternis im Licht zergehen;<br>dass, wie man es auch dreh\u2018 und wende,<br>die Traurigkeit in Freude ende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sehen an diesen Zeilen einen ganz anderen Klang, als er bisher geh\u00f6rt wurde. Es ist sehr stark das soziale im Blickfeld. Christlicher Glaube hat, wie die bisherigen Beispiele gezeigt haben und die folgenden Beispiele zeigen, sehr viele T\u00f6ne. Manche harmonieren, manche klingen schr\u00e4g. Aber sie geh\u00f6ren alle zu einem St\u00fcck, das Gott in Jesus Christus lobt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\">Eher unbekannt ist das Gedicht in der Tradition von Franz von Assisi: \u201e<em>In glut mich liebe senkte: \/ In glut mich liebe senkte<\/em>\u201c Damit ist die Begegnung mit Jesus Christus (dem Br\u00e4utigam) gemeint. Diese Begegnung war, wie nicht nur dieser Refrain zeigt, massiv und schmerzhaft. Dem Tod kam er nah. Dann aber wieder zu Kr\u00e4ften gekommen, h\u00e4lt er den Feind fest umschlungen und gr\u00fcndet den Friedensbund. \u201e<em>Denn vom brand aufrichtiger lieb\u00b4 entz\u00fcndet \/ Gl\u00fcht mein Christus: siehe, des holden friedens \/ Freu\u00b4 ich jetzt mich, ewigen trost gew\u00e4hrend \/ St\u00e4rkt mein herz mit heiligen kr\u00e4ften Christus: \/ Sengend traf mit flammender glut das herz mir, \/ sengend traf mit flammender glut das herz mir Feuer der liebe.<\/em>\u201c (\u00dcbertragen: Friedrich Schlosser\/Eduard Steinle: Die Lieder des heiligen Franciscus von Assisi, Frankfurt\/M. 1842)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade dieser letzte Text l\u00e4sst erkennen, dass er wie viele andere nicht von den H\u00e4nden des ber\u00fchmten Menschen geschrieben wurde, sondern vielfach anonym \u2013 aber dennoch kunstvoll, ergreifend. Aber diese Texte werden meistens \u00fcbergangen, so auch in meiner \u00fcberblickshaften Darlegung. Es w\u00e4ren zu viele, die genannt werden m\u00fcssten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Hinweisen m\u00f6chte ich nur auf den Franziskaner <strong>Jacopone da Todi<\/strong> [ca. 1230-1306], dem das <em>Stabat Mater<\/em> zugeschrieben wurde, der aber auch darum wichtig ist, weil er viele Texte nicht lateinisch, sondern italienisch dichtete.)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#3ea300\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Bonaventura<\/strong>&nbsp;(1221-1274)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bonaventura, ein sehr bedeutender Franziskaner. Um die Auseinandersetzung zwischen Abaelard und Bernhard noch einmal aufzugreifen: Er war gegen eine Trennung von Philosophie und Theologie. Er erkannte eine eigene christliche Weisheit. In seinem Gedicht \u201eDie Nachtigall\u201c beschreibt er (?) das sch\u00f6ne Singen und das Sterben aufgrund der Sehnsucht nach dem Licht \u2013 als Bild f\u00fcr die glaubende Seele. Sie denkt nach und wendet sich dem Kreuz zu, lebt aus Dankbarkeit asketisch, will statt Christus am Kreuz sterben. Die Liebe t\u00f6tet sie und so gelangt sie zum wahren Leben. Das Kreuz war ein wichtiges Thema, wie auch dieser verlinkte Hymnus deutlich werden l\u00e4sst und im Grunde das Philomele-Gedicht abstrakter wiedergibt:&nbsp;<a href=\"http:\/\/hymnarium.de\/hymni-ex-thesauro\/hymnen\/131-recordare-sanctae-crucis\">http:\/\/hymnarium.de\/hymni-ex-thesauro\/hymnen\/131-recordare-sanctae-crucis<\/a><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a3000a\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Mechthild von Magdeburg&nbsp;<\/strong>(um 1207-1282)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">hat die Jesus-Minne sehr erotisch dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a3000f\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">Ich komm zu meiner Geliebten, wie eine Taube auf Blumen, sagt Gott zur Seele. In \u201eO du brennender Berg\u201c hei\u00dft es: \u201eIch bin in dir und du bist in mir \/ wir k\u00f6nnen uns n\u00e4her nicht sein, \/ denn wir zwei sind in eins geflossen \/ und sind in eine Form gegossen, \/ und so sollen wir ewig bleiben unverdrossen. \/\/ Wenn mein Herr kommt, dann komme ich aus mir selbst\u201c\u2026 (\u00dc: Weimer)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grenzen zwischen Gott und Mensch sind eingerissen. Die zwischenmenschliche Liebe, die begrenzt ist, ist in der innigen Liebe Gott-Mensch unbegrenzt. Vorbild f\u00fcr diese Liebesbeziehung Mensch-Gott ist das alttestamentliche Hohelied der Liebe, das schon von Gregor von Nyssa in diesem Sinne erotisierend ausgelegt wurde. In seiner Auslegung ist \u2013 kurz gesagt \u2013 der Mensch die Taube, die vom Licht Gottes angestrahlt, immer sch\u00f6ner wird. (Es sei auch angemerkt, dass die Oden Salomos auf andere Weise die Grenze verwischen \u2013 wie gesehen.)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#509955\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Gertrud von Helfta<\/strong>&nbsp;(1256-1302)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#509955\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">In dem \u201eWonnelied\u201c besingt sie die Bedeutung Jesu f\u00fcr sie: \u201eO Jesu, meine Lieblichkeit, \/ Du meine s\u00fc\u00dfe Seligkeit! \/ Nach Dir ergl\u00fcht in Ewigkeit, \/ Das Herz, das sich in Dir erfreut!\u201c Jesus Christus gleicht nichts und niemand. Und: \u201eDies Lied bring\u00b4 ich Dir liebend dar \/ Auf deines Herzens Hochaltar\u2026\u201c. Aber sie ist nicht in der Lage, richtig zu singen, darum: \u201eSo juble denn Dir selbst f\u00fcr mich\u201c. Am Ende freut sie sich auf die Begegnung mit dem Geliebten: \u201eO meines Herzens milder Gast! \/ Der Du mich so geliebet hast, \/ O f\u00fchre, sinkt des Lebens Last, \/ Mich froh in Deiner Heimat Rast!\u201c (Ges\u00e4nge der Heiligen)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zahlreiche Gedichte sind unter dem Link zu finden:&nbsp;<a href=\"https:\/\/gedichte.xbib.de\/Helfta_gedicht_Dein+Heil+bin+ich.htm\">https:\/\/gedichte.xbib.de\/Helfta_gedicht_Dein+Heil+bin+ich.htm<\/a><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#7900a3\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Suster Bertken<\/strong>&nbsp;(1427-1514)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">war eine Mystikerin in den Niederlanden. Nach ihrem Tod fand man zahlreiche Schriften in ihrer Zelle. Darunter das Lied \u201eIch war in mein H\u00f6fchen\u201c. Sie ist der Garten, der voller Disteln und Dornen ist und Jesus ist der G\u00e4rtner, der den Garten pflegt. Es kann Gutes erst wachsen, wenn er Regen und Sonne gibt. In einem anderen Lied beklagt Jesus, dass die Seele ihn verlassen habe. Die Seele f\u00fchlt sich schuldig und Jesus spricht zu ihr, dass er sie beschenken mag. Dann die Seele: \u201e<em>Mein Herz f\u00e4ngt an zu brennen wie ein Seraph<\/em> &#8222;,  sie will allein Jesus schauen. Sie spricht Jesus als s\u00fc\u00dfer Br\u00e4utigam an, dessen Bild im Herzen ist. Auch will sie ein Minnelied singen \u2013 aber sie ist im Tal und kann es nicht \u2013 und es folgt ein Minnelied. (Bernhard McGinn: Die Mystik im Abendland 5, Herder 2016) Auf\u00a0<strong>Hadewijch<\/strong>\u00a0(13. Jh. m\u00f6chte ich nur hinweisen, weil mir keine Texte vorliegen. In dem Gedicht von <strong>Jan van Ruysbroek<\/strong> (1293-1381) &#8222;Das Buch von den 12 Beghinen&#8220; &#8211; es unterhalten sich die zw\u00f6lf \u00fcber die Liebe Jesu, die sie sp\u00fcren, die sie nicht mehr sp\u00fcren, die sie den Menschen weitergeben.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a37600\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Meister Eckhart&nbsp;<\/strong>(ca. 1260-1328) \/ Umfeld<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Zusammenhang der Mystik m\u00f6chte ich auf das spannende Gedicht\u00a0<em>Granum sinapis<\/em>\u00a0(Senfsame) hinweisen, das aus dem Umfeld (?) von Meister Eckhart kommt. Es geht um das Wort Gottes, die Trinit\u00e4t, die ein Kreis bildet, den keiner versteht, der aber Ursprung von allem ist. Erkenntnis gibt es in dieser wundersamen W\u00fcste \u2013 keiner versteht. Das Gedicht endet in r\u00e4tselhaften Worten des Mysteriums:<em>\u00a0&#8222;O Seele mein, geh aus, Gott ein \/ sinke mein ganzes Ich in Gottes Nichts<\/em>.&#8220; In Aufnahme des Wortes Jesu: Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen, endet es:\u00a0&#8222;<em>verlier ich mich, so find ich dich\u2026<\/em>&#8220; . Um an ein anderes Wort Jesu zu erinnern: Das Weizenkorn muss sterben, um zu leben. Ebenso muss das \u201eSenfkorn\u201c sterben, um zum Baum zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies sind ein paar Beispiele von Texten aus unserer Tradition der Mystik. Solche Glaubens-Erfahrungen, die in literarischen Texten Niederschlag gefunden haben, m\u00f6gen der rationalen Welt fremd sein \u2013 aber so manchem Glaubenden geht sie bis heute nah: Grenzen verflie\u00dfen. Manchen gelingt es besser Unsagbares auszusprechen als anderen. Man muss freilich auch beachten, dass die \u00dcbersetzer nicht selten aus dem Umfeld der Romantik bzw. des Jugendstils kommen. Da wird dann emotional manchmal nachgeholfen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#08a300\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Thomas von Aquin<\/strong>&nbsp;(1225-1274)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">war der wohl wirkungsreichste Kirchenlehrer des Mittelalters. Er hat die Philosophie des Aristoteles mit platonischen Traditionen verbunden und zu einer neuen christlichen Philosophie weitergef\u00fchrt. Er hat \u00e4u\u00dferst viel Wichtiges geschrieben \u2013 und h\u00f6rte dann auf einmal auf, weil er, wie \u00fcberliefert wird, w\u00e4hrend einer Messe eine Offenbarung hatte und ihm alles Geschriebene wie Stroh vorkam. Auch von ihm liegen Gedichte vor, die er zur Einf\u00fchrung des Fronleichnams gedichtet hat.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#08a300\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">In ihnen wird die N\u00e4he Christi im Abendmahl \/ in der Eucharistie besungen: \u201ePreist aus frohem Herzenstriebe \/ Jesum Christum gro\u00df und gut, \/ Das Geheimnis Seiner Liebe, \/ Dies Sein Fleisch und dies Sein Blut, \/ Das der Herr der Nationen, \/ Den Maria uns gebar, \/ Um die Menschen zu verschonen, \/ Einst vergo\u00df am Kreuzaltar\u201c (<em>Adoro te devote<\/em>) \u2013 Vor seinem Sterben wollte Jesus Christus den Seinen das Beste geben, was er besa\u00df, und so gab er sich selbst im Brot und Wein. In einem weiteren Text besingt er, dass Jesus Christus im Brot verborgen ist, Gef\u00fchle, Geschmack, Augen k\u00f6nnen nicht begreifen, genauso wenig wie das Sterben Jesu am Kreuz begreifbar ist (<em>Lauda Sion Salvatorem<\/em>). Aber der Glaube vertraut dem Wort Jesu. Der Glaube treibt das Herz zum Schauen. Das Lied endet in Bitten, eine davon: \u201eO verleihe stets von Dir zu leben mir, \/ Und vermehr mein hei\u00dfes Sehnen stets nach Dir!\u201c (Ges\u00e4nge der Heiligen; die einzelnen Eucharistischen Hymnen:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.kathpedia.com\/index.php\/Thomas_von_Aquin\">http:\/\/www.kathpedia.com\/index.php\/Thomas_von_Aquin<\/a>&nbsp;) (Ein weiterer Eucharistischer Text \u2013 von Johannes Peckham [1220\/5-1292]:&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ave_vivens_hostia\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ave_vivens_hostia<\/a>&nbsp;; von ihm gibt es auch Lieder zur Trinit\u00e4t:&nbsp;<a href=\"http:\/\/hymnarium.de\/vitae\/93-johannes-peckham\">http:\/\/hymnarium.de\/vitae\/93-johannes-peckham<\/a>&nbsp;)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bruder Wernher\u00a0<\/strong>(1225-1250?): politisch und kirchenpolitisch aktiv, Kritiker falscher Priester; auch er ruft zum Kreuzzug auf (Ich wil dem kriuze singen). Ma\u00dfstab f\u00fcr seine Klerus-Anklagen ist die christliche Ethik.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a37f00\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Boppe&nbsp;<\/strong>(2. H\u00e4lfte 13. Jh.)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a37f00\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">&#8222;Wenn \u00fcber die Welt herrschen w\u00fcrde ein Mann \/ und sein Geist\/Verstand (sin) durchdringe, was nie ein Sinn durchsann, \/ wenn er Wunder \u00fcber Wunder w\u00e4re; \/ wenn das Gl\u00fcck ihn tr\u00fcge bis zum Himmel \/\u2026 \/&#8220; was w\u00e4re das von Nutzen, wenn er nicht Gottes Huld erworben h\u00e4tte? (Ob al der werlte gar gewaltic). Was Boppe auch begeistert, das Wunder: der Klumpen Erde ist Gef\u00e4hrte des Sch\u00f6pfers: Gott wurde Mensch. Er betont auch den Priester, der dem Menschen die Gnade Gottes in vielf\u00e4ltiger Weise zukommen l\u00e4sst (Taufe, Abendmahl).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sehen an ihm wie auch an Thomas von Aquin, dass der Priester eine gr\u00f6\u00dfere Rolle zu spielen beginnt. Aber auch die schon geh\u00f6rte Kritik an den Priestern zeigt, dass man ihnen eine gro\u00dfe Rolle zuwies, diese aber der Rolle nicht gerecht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>Dante Alighieri (1265-1321)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines der spannendsten und umfangreichsten Dichtungen ist die G\u00f6ttliche Kom\u00f6die von Dante. Dante hat die italienische Sprache zur Literatursprache gemacht &#8211; und hat in sein Werk die Politik (nicht nur die seiner Zeit) aus der christlichen Perspektive seiner Zeit widergespiegelt. Er greift die Liebeslieder auf, ebenso wie die Kirchenkritik, agiert politisch wie &#8211; und darauf lege ich jetzt den Schwerpunkt &#8211; in der Darlegung des christlichen Glaubens &#8211; in Aufnahme der Mystik des Bernhard von Clairveaux. Und das in Form eines gereimten Textes &#8211; genauer einer Terzine. Jesus Christus kommt kaum vor, denn er hat mit dem Fegefeuer (Teil 2) genauso wenig zu tun wie mit der H\u00f6lle (Teil 1). Auch im Paradies ist er nicht zu finden (Teil 3) &#8211; da dort nur Gesch\u00f6pfe leben. Dann aber kommt das Ziel des gesamten Werkes: Die Gottesschau, die durch Maria erm\u00f6glicht wird, aber kaum auszusprechen ist. Und in dieser Gottesschau (durch Marias Augen) sieht er die Dreieinigkeit (\u00dc: Karl Vossler: Dante Alighieri, Illustrationen von Monika Beisner, Faber&amp;Faber Leipzig 2001, Bd. 3).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\">&#8222;Du ewig Licht ruhst in dir selbst allein \/ verstehst, erkennst dich, bist erkannt, verstanden \/ in dir und l\u00e4chelst dir in Liebe zu. \/ Der Lichtkreis, der, in dir so eingeschlossen, wie eine Spiegelung von dir erschien, \/ von meinen Augen um und um betrachtet, \/ erwies sich mir mit unserem Ebenbild \/ in seinem Innern in derselben Farbe \/ bemalt, da\u00df ich mich ganz darein versenkte.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\">Kurz vorher hei\u00dft es: &#8222;Doch jetzt bleibt meine Rede hinter der \/ Erinnrung weit zur\u00fcck und stammelt nur, \/ als wie ein Kn\u00e4blein an der Mutter Brust&#8230;&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er konnte kaum das sagen, was er sah, und er konnte nur sehen, weil er selbst im Schauen der Gottheit verwandelt wurde. Das Farben-Licht, das er gesehen, nimmt ihn so sehr gefangen, so dass sein Wille nichts anderes mehr will. Diese hier genannten Zitate sind ein Teil des Schlusses der Kom\u00f6die Dantes. Kurz vor seinem Tod hat er dieses sein Werk vollendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#7d152b\" class=\"has-text-color has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>(Es sei angemerkt, dass die Zeit von 1347 bis ca. 1351 die Zeit der gro\u00dfen Pest-Epidemie in Europa war, die danach immer wieder (lokal) aufkam. Ab 1290 kam es schon zu Hungersn\u00f6ten. In Deutschland starb vermutlich 10% der Bev\u00f6lkerung an dem &#8222;Schwarzen Tod&#8220; und 1\/3 der europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung. Folgen waren: B\u00fc\u00dferbewegungen bzw. gerade das Gegenteil: Man gab sein Geld aus, um noch was im Leben zu erleben [Gelage, Sex&#8230;], Autorit\u00e4ten (Kirche, Herrscher) wurden missachtet, es herrschte Gesetzlosigkeit, dazu geh\u00f6rten auch Judenpogrome. Auswirkungen nach der Pest: Als sich alles wieder geordnet hatte, gab es massiven wirtschaftlichen Aufschwung, Maschinen wurden immer st\u00e4rker zur Unterst\u00fctzung der Arbeit aufgrund von Menschenmangel entwickelt.) <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#6000a3\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Heinrich (von) Laufenberg<\/strong>&nbsp;(1391[?]-1460)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">war Priester \u2013 sein Werk ist im Krieg 1870 fast vollst\u00e4ndig vernichtet worden.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#6000a3\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">Er singt ein Gute-Nacht-Lied f\u00fcr ein Kind und bittet Jesus, weil er auch ein Kind war, das Kind zu beh\u00fcten:\u00a0<em>\u201eNun schlaf, nun schlaf, mein Kindelein! \/ Jesus soll freundlich bei dir sein, \/ Er wolle, dass dir tr\u00e4ume wohl \/ und werdest aller Tugend voll. \/ Ach Jesu, Herre mein, \/ beh\u00fct dies Kindelein.\u201c<\/em>\u00a0(EG 468) In dem Lied: \u201e<em>Ich wollt, dass ich daheime w\u00e4r<\/em>\u201c sagt er seiner Seele: \u201e<em>Denn alle Welt ist dir zu klein, \/ du kommest denn erst wieder heim<\/em>\u201c \u2013 zu Gott (EG 517). Bis es aber soweit ist, muss Gottes F\u00fclle ins Herz kommen. In seinem Lied \u201e<em>Komm, Heiliger Geist, erf\u00fcll mein Herz<\/em>\u201c bittet er darum. Nur so kann er Frieden, Vers\u00f6hnung, Ruhe der Gedanken bekommen. Ebenso gelangen nur auf diese Weise die sieben Gaben des Geistes in sein Herz (Weisheit, Erkenntnis, Einsicht, Rat, St\u00e4rke, Fr\u00f6mmigkeit und Gottesfurcht).\u00a0Er schreibt auch sehr volkst\u00fcmliche Texte, so \u201e<em>Ich wei\u00df ein lieblich Engelspiel<\/em>&#8222;. In diesem hei\u00dft es: \u201e<em>Da zieht Gott von der Hande sein ein Ringelein von Golde: `Sieh, edle Seele, das sei dein; denn ich bin dir in Ewigkeit gar holde<\/em>\u201c (EG f\u00fcr Rheinland und Westfalen 1901 *32) Das heute bekannte Lied: Es kommt ein Schiff geladen (EG 8) wie auch In dulci jubilo (EG 35) waren urspr\u00fcnglich ein Marienlied und Weihnachtslied von Laufenberg. Das Erstgenannte wird auch Johannes Tauler zugeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grenzen durchbrechen: Die Welt ist dem Menschen zu klein. Darum wollen heute die Einen ins All hinaus, andere denken sich wunderbare Phantasiewelten aus, wieder andere erfahren Gott und schauen auf ihn.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#29724c\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Francois Villon<\/strong> (1431-?)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Francois Villon war ein Dichter, der zun\u00e4chst zu studieren begann, dann allerdings in die Unterwelt abrutschte. So manches Mal wurde er aufgrund von Wohlgesonnenen aus dem Gef\u00e4ngnis und von der Todesstrafe befreit. Seine Gedichte sind bissig. Wenn er um Gnade bittet \u2013 greift er an. Diplomatie und Leisetretrei sind nicht sein Ding. Zuletzt verlieren sich Informationen \u00fcber ihn. Er schreibt in seinem Gedicht: <em>Notwendige Nachschrift<\/em> unter anderem, was man auf sein Grabstein schreiben soll (\u00dc: <a href=\"https:\/\/www.lyrix.at\/lyrics\/francois-villon\/\">https:\/\/www.lyrix.at\/lyrics\/francois-villon\/<\/a>): <\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#37964f\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><em>Dann wird vielleicht im Jahr<\/em><em><br>\nZweitausend\ndes Herrn Jesu Christ,<br>\ndie Welt\nnoch wissen, wer Villon gewesen ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man wei\u00df noch, wer er war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner Anweisung zum Gebet, das an seinem Grab zu\nsprechen ist, schreibt er:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#418d4f\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><em>&#8222;O Herr, gib diesem armen Luder hier<\/em><em><br>\nden\nFrieden, den er bei einem wilden Tier,<br>\ngemeinhin\nMensch genannt,<br>\nnicht fand.\nEr war der Erde \u00e4rmster Knecht,<br>\nes ging ihm\nschlimmer noch als schlecht,<br>\nman hat ihn\nangespien und Schande in sein Fleisch gebrannt.<br>\nEr hatte\nnur den Wind zeitlebens im Gesicht,<br>\nO Herr, nun\nschenk ihm Licht von deinem Licht.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Greift er mit den ersten hier zitierten Zeilen das Lied aus dem 9. Jh. auf: <em>Da pacem, Domine<\/em>: &#8222;Herr, gib deinen Dienern den Frieden, den ihnen die Welt nicht geben kann&#8220;?  <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Verleih_uns_Frieden_gn%C3%A4diglich\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Verleih_uns_Frieden_gn%C3%A4diglich<\/a>)  Er beklagt sein Leben, dass er getrieben wurde und auch, dass er schuldig wurde. Das kommt in vielen Gedichten vor, einschlie\u00dflich der Bitten, dass Gott ihm verzeihen m\u00f6ge. Dass der Glaube auch in seinem Leben eine (kleine?) Rolle spielt, wird im <em>Gro\u00dfen Testament<\/em> ausgesprochen:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#3e9947\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><em>Auch Du, Maria, warst nicht schlecht zu mir,<\/em><em><br>\nmit Deinem\nBild im Herzen schlief in mir das Tier.<br>\nAuch den\nApostel Sankt Johannes kr\u00f6ne<br>\nmein\nDankwort f\u00fcr so manchen Trost in gro\u00dfer Not.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seinem <em>Galgenlied <\/em>beschreibt er die Gehenkten und:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#449451\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><em>ihr Br\u00fcder, denkt an unsre eigenen Missetaten,<\/em><em><br>\ndie wird\nman nicht so leicht mit Bibelspr\u00fcchen los.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#fbca51\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Michael Beheim<\/strong>&nbsp;(1420-nach 1470)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">war politischer Dichter und hat seinen jeweiligen F\u00fcrsten gehuldigt (<em> Der furst mich hett in knechtes miet, ich ass sin brot und sang sin liet<\/em> \u2013 kurz: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing). Dennoch f\u00fchrte er ein Leben am Rand \u2013 Leben auf der Grenze. Zuletzt in Heidelberg am Hof, aber seine Lieder waren dann vermutlich nicht mehr gefragt, weil mehrstimmige Ch\u00f6re beliebter wurden. Zuletzt wurde er an seinem Heimatort erschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#fbca51\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">Er hat ein raffiniertes Gedicht geschrieben, das man laut Einleitung besonders lesen muss: \u201eO Mensch, nach dem Himmel trachte \u30fb nicht \u2013 \/ verachte Gott und seine Mutter\u2026\u201c \u201eAn Reue und Beichte denke \u30fb nicht \u2013 stirb in Verzweiflung\u201c. Nach den Tugenden, die er aufz\u00e4hlt, beendet er den Text: \u201eLebst du in dieser Weise bis zu deinem Tod, \/ dann wird, das glaube mir, deine Seele gerettet. \/ Das verspreche ich dir f\u00fcr immer.\u201c (aus: L\u00f6ffler\/Willer [Hg]: Geistliche Lyrik)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Franz von Assisi&nbsp;(1181\/2-1226): Der bekannteste Text dieses ber\u00fchmten Menschen ist wohl der Sonnengesang, in dem er die Sch\u00f6nheit der Sch\u00f6pfung besingt und am Ende, bevor er dazu aufruft, Gottes Willen zu tun, um das ewige Leben zu bekommen, schreibt er\u00a0https:\/\/franziskaner.net\/der-sonnengesang\/\u00a0: Gelobt seist du, mein Herr,durch jene, die verzeihen um deiner [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":1891,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1918","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1918"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1918\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2183,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1918\/revisions\/2183"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1891"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}