{"id":1915,"date":"2019-10-09T12:48:34","date_gmt":"2019-10-09T10:48:34","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=1915"},"modified":"2020-03-22T17:17:14","modified_gmt":"2020-03-22T16:17:14","slug":"gott-in-gedichten-5","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott-in-gedichten\/gott-in-gedichten-5\/","title":{"rendered":"Gott in Gedichten 5"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist nicht m\u00f6glich die Explosion der geistlichen Lieder auch nur ann\u00e4hernd wiederzugeben, die mit der Reformation h\u00f6rbar wird. Nat\u00fcrlich sei Luther genannt, denn er hat die protestantische Sangesfreude massiv gepr\u00e4gt. Wie in den vorangegangenen Abschnitten sollen keine Psalmen-\u00dcbertragungen, keine Marienlieder, Heiligenlieder und auch keine lyrischen Bibel\u00fcbertragungen im Zentrum stehen, Ausnahmen bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dem Gesangbuch der Evangelischen Kirche in den F\u00fcrstent\u00fcmern Waldeck und Pyrmont von 1878 sind Lieder von 191 Autoren aus dem 16.-19. Jahrhundert genannt. Es ist deutlich, dass angesichts dieser F\u00fclle nur ein paar Schneisen geschlagen werden k\u00f6nnen. Ich habe mir gedacht, dass ich nur auf Texte hinweise, die nicht im Evangelischen Gesangbuch der EKHN von 1993 vorkommen. Ob das machbar ist, wird sich zeigen, denn gerade ohne die Lieder von&nbsp;<strong>Luther<\/strong>&nbsp;(<em>Ein feste Burg ist unser Gott; Vom Himmel hoch da komm ich her<\/em>), die Lieder aus dem 17. Jahrhundert von<strong>&nbsp;Paul Gerhard<\/strong>&nbsp;(z.B.&nbsp;<em>Befiehl du deine Wege, Geh aus mein Herz und suche Freud<\/em>) geht es kaum: oder ohne die, die besonders einflussreich geworden sind, ohne den Hymnus der Deutschen, das Lied von&nbsp;<strong>Matthias Claudius<\/strong>:&nbsp;<em>Der Mond ist aufgegangen&nbsp;<\/em>(18. Jh) oder&nbsp;<strong>Tersteegen<\/strong>&nbsp;(18. Jh.;&nbsp;<em>Ich bete an die Macht der Liebe<\/em>) oder&nbsp;<em>Zinzendorf&nbsp;<\/em>(18. Jh; z.B.&nbsp;<em>Jesu, geh voran<\/em>). Ich bin selbst gespannt, wie es werden wird.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30022\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Martin Luther<\/strong>&nbsp;(1483-1546)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">war sehr flei\u00dfig darin, Lieder zu komponieren, alte Lieder umzutexten, Psalmen neu zu formulieren. Damit hat er eine Br\u00fcckenfunktion zwischen Vergangenheit und seiner Gegenwart bis hin zu uns eingenommen. Er erkannte, dass mit den Liedern das Anliegen der Reformation den Menschen nahe gebracht werden kann, sie sind Glaubensbekenntnis. Zudem wird mit der Neudichtung z.B. der alttestamentlichen Psalmen den Menschen die Bibel \u2013 in lyrischen Kommentaren \u2013 nahe gebracht. Wir hatten schon das Gedicht: <em>Mitten wir im Leben<\/em> sind \u2013 das hat er dann zu einem Bu\u00dfgebet (EG 518) umformuliert. In Aufnahme von Psalm 129\/130 textete er eindr\u00fccklich: \u201e<em>Aus tiefer Not schrei ich zu dir<\/em>\u201c (EG 299). So wird die eigene Schuld benannt \u2013 aber dann vor allem die Gnade Gottes besungen, womit ein wesentliches Anliegen lutherischer Reformation wiedergegeben wird. Jesaja 6 wird von ihm in einem Gedicht wiedergegeben (<em>Jesaja dem Propheten das geschah<\/em>). Auch das Lied:\u00a0<em>Ein feste Burg ist unser Gott<\/em>\u00a0ist im Grunde eine Meditation und \u00dcbertragung zu Psalm 46 in die eigene Zeit. Auf ein Lied sei besonders hingewiesen \u2013 eines, das f\u00fcr Luther aus meiner Sicht \u00fcberraschend ist: \u201e<em>Ein Lied von der heiligen christlichen Kirchen<\/em>&#8220; . In diesem besingt er eigentlich Maria, wie sie in der Apokalypse des Johannes geschildert wird: \u201eSie ist mir lieb, die werde magd\u201c \u2013 sie tr\u00e4gt eine Krone mit zw\u00f6lf Sternen, h\u00e4lt das Jesuskind, rettet es vor dem b\u00f6sartigen Drachen. Es ist ein Marienlied \u2013 aber durch die \u00dcberschrift weist es darauf hin, dass die Kirche die Magd ist, in der Jesus Schutz vor dem b\u00f6sen Widersacher gefunden hat.\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sie_ist_mir_lieb,_die_werte_Magd\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sie_ist_mir_lieb,_die_werte_Magd<\/a><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#878181\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Michael Weisse<\/strong>&nbsp;(1488-1534)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ist Autor zahlreicher Lieder im Gesangbuch\u00a0<a href=\"https:\/\/www.liederdatenbank.de\/artist\/9002\">https:\/\/www.liederdatenbank.de\/artist\/9002<\/a>\u00a0. 1531 hat er ein Gesangbuch herausgegeben (L\u00f6ffler\/Willer: Geistliche Lyrik \u2013 von mir sprachlich ver\u00e4ndert). In der Einleitung hei\u00dft es: \u201e<em>Lobt Gott in deutschen Zungen<\/em>\u00a0\/ <em>Preiset ihn ihr Alten und Jungen<\/em>\u201c \u2013 an ihn gilt es zu glauben \u2013 ihn gilt es allein zu bekennen \u2013 aber ohne Heuchelei. Die Jugend ist in dieser Hinsicht zu erziehen, damit sie Frucht bringe. Am Ende schreibt er: <em>\u201eGott allein zu Lob und Ehr \/ und seinen Auserw\u00e4hlten zur Lehr \/ Ist dies B\u00fcchlein wohl bedacht \/ Aufgrund der Schrift zusammen bracht\u201c<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#00a333\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Johannes Zwick<\/strong>&nbsp;(1496-1542)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bekannt ist sein Lied:\u00a0<em>All Morgen ist ganz frisch und neu<\/em> (EG 440). Er hat es vielleicht kurz vor seinem Lebensende geschrieben. Es ist eines seiner zahlreichen Lieder, die er als Reformator in Konstanz gedichtet hat. Als aber Konstanz rekatholisiert wurde, gerieten auch viele seiner Lieder in Vergessenheit. Die Gemeinde, die sie sang, war nicht mehr da, konnte somit auch nicht mehr f\u00fcr Bekanntheit sorgen. Die Lieder wurden sp\u00e4ter wiederentdeckt. Sein Himmelfahrtslied (<em>Auf diesen Tag bedenken wir<\/em>; Gesangbuch Waldeck\/Pyrmont 1878, 80): \u201e<em>Gottlob, nun ist der Weg gemacht, \/ uns steht der Himmel offen! \/ Christus schlie\u00dft auf mit gro\u00dfer Pracht, \/ vorhin konnts Niemand hoffen. \/ Wer\u00b4s glaubt, des Herz ist freudenvoll, \/ dabei er sich doch r\u00fcsten soll, \/ dem Herren nachzufolgen. Halleluja! Halleluja.<\/em>\u201c Freudenreich wird der Tag erst dann, \u201e<em>wenn Gott uns zu sich nehmen und seinen Sohn wird machen gleich<\/em>&#8220; . Das Neujahrslied (&#8222;<em>Nun wolle Gott, dass unser Sang \/ mit Lust und Freud aus Glauben gang<\/em>&#8220; ) bittet Gott darum, alle m\u00f6glichen St\u00e4nde zu leiten, auch die Obrigkeit. Gegen die 11. Strophe h\u00e4tte\u00a0<strong>Thomas M\u00fcntzer\u00a0<\/strong>(1489-1525) wohl manches einzuwenden: \u201e<em>Es geb euch Armen Gott der Herr \/ das t\u00e4glich Brot und was noch mehr \/ an Leib und Seel vonn\u00f6ten ist, \/ voraus Geduld durch Jesum Christ<\/em>\u201c (\u00a0<a href=\"http:\/\/www.christliche-gedichte.de\/?pg=10942\">http:\/\/www.christliche-gedichte.de\/?pg=10942<\/a>\u00a0). Thomas M\u00fcntzer habe ich darum erw\u00e4hnt, weil er aus tiefem Glauben heraus das Handeln f\u00fcr die Armen betonte, und nicht gerade f\u00fcr die Geduld bekannt ist<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>Sebastian Franck&nbsp;<\/strong>(1499-1542)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er kann mit allen religi\u00f6sen Parteien nichts anfangen und in seinem Gedicht \u201e<em>Von vier zwitr\u00e4chtigen Kirchen, deren jede die ander verhasset unnd verdammet<\/em>\u201c begr\u00fcndet er, warum er von all den Reformen nichts h\u00e4lt: \u201e<em>Wer nun in Gottes Reich will gohn, \/ der flieh davon, \/ nach Christo soll er trachten<\/em>.\u201c Er hatte ein aufgrund seines Widerstandes gegen alle ein ziemlich bewegtes Leben. Und so schlie\u00dft er seinen Text: \u201e<em>Er bleib in Demut und Geduld, \/ such Christi Huld, \/ lass sich die Welt verachten. \/ Ob ihm schon feind \/ all Menschen seind, \/ die Welt ihm gram \/ um Christi Nam\u00b4, sein Kron wird nicht verschmachten<\/em>.\u201c Es sei angemerkt, dass Franck in vielem die Aufkl\u00e4rung mit vorbereitet hat. Mit\u00a0<strong>M\u00fcntzer<\/strong>\u00a0hat er gemeinsam, dass mit dem Glauben sozialer Einsatz zu verbinden ist. Das haben sie \u00fcbrigens auch mit manchen Mystikerinnen\/Beghinen gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a37600\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Nikolaus Selnecker<\/strong>&nbsp;(1530-1592)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">war ein in seiner Zeit wichtiger Mann mit einer \u2013 wie es damals nicht selten war \u2013 sehr vielf\u00e4ltigen Biographie. Er hat viel geschrieben und auch Lieder gedichtet. Von ihm finden wir Lieder im Gesangbuch. Hier soll eines wiedergegeben werden, das nicht im Gesangbuch steht und die N\u00f6te seines Lebens widerspiegelt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Ach Gott, wem soll ich klagen \/ mein Angst und Elend schwer?<\/em>\u201c Er hat mit inneren und \u00e4u\u00dferen Schrecken zu k\u00e4mpfen, wei\u00df weder aus noch ein. Retten kann allein Jesus Christus: \u201e<em>Zu dir ich komm und weine<\/em>&#8220; . Durch Jesu Kreuzestod wurde dem Dichter die Schuld vergeben. \u201e<em>Ich geh daher in Spr\u00fcngen, \/ der Himmel ist ganz mein, \/ Mit Freuden tu ich singen: \/ Gott will mir gn\u00e4dig sein.<\/em>\u201c (<a href=\"https:\/\/hymnary.org\/text\/ach_gott_wem_soll_ich_klagen_mein_angst_\">https:\/\/hymnary.org\/text\/ach_gott_wem_soll_ich_klagen_mein_angst_<\/a>\u00a0Dazu s. das Volkslied:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.volksliederarchiv.de\/ach-gott-wem-soll-ich-klagen-2\/\">https:\/\/www.volksliederarchiv.de\/ach-gott-wem-soll-ich-klagen-2\/<\/a>\u00a0) In dem Lied \u201e<em>Gebetlein, dass Christus wolle unser oberster Regent sein und bleiben<\/em>\u201c klingt es erst ganz harmlos: \u201e<em>Ohn dich gilt nichts, Herr Jesu Christ, \/ ohn dich kein Ruh, kein Fried mehr ist<\/em>\u201c \u2013 aber dann: \u201e<em>Ach werd auch nu bald selbs der Herr, \/ dass wir nicht H\u00e4upter d\u00f6rfen mehr. \/\/ \u2026 Zermalm die K\u00f6nigreich in der Welt: \/ Herr, es ist Zeit, wenn dirs gef\u00e4llt<\/em>.\u201c (books google hat das Heft von Selnecker ins Netz gestellt: Christliche Psalmen Lieder und Kirchengesenge\u2026 Nicolaum Selneccerum)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30031\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Johann Valentin Andreae<\/strong>&nbsp;(1586-1654)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ist bekannt geworden vor allem aufgrund seiner Utopie: Christianopolis (\u201e<em>Christenburg Das ist: ein sch\u00f6n geistlich Gedicht<\/em>&#8220; ) und ist wohl Initiator des Rosenkreuzer-Mythos. Er selbst hatte \u2013 auch wegen seiner moralischen Strenge \u2013 keinen leichten Stand, lebte eine chaotische Biographie (Pest, 30j\u00e4hriger Krieg), war wissenschaftlich, sozial und p\u00e4dagogisch \u00e4u\u00dferst rege\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heiligenlexikon.de\/BiographienJ\/Johann_Valentin_Andreae.html\">https:\/\/www.heiligenlexikon.de\/BiographienJ\/Johann_Valentin_Andreae.html<\/a>\u00a0. Er schrieb unter anderem Satiren (<em>\u00dcber den Tod der Wahrheit<\/em>) \u2013 und von den 350 Gelegenheitsgedichten sind mir bislang nur drei bekannt geworden, die aber wohl kaum sein vielf\u00e4ltiges Schaffen widerspiegeln: Ein sehr antijudaistisches Lied (<em>Da Jesus in den Garten ging<\/em>). Dieses wie auch andere besingen intensiv den Kreuzestod Jesu (<em>O hoch heiliges Kreuze<\/em>;<em>\u00a0Ich gr\u00fc\u00df dich, Jesu, Menschen-Heil<\/em>). Das bedeutet: Hier ist noch mehr zu erforschen und bekannt zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-header-gradient-color wp-block-paragraph\"><strong>Bartholom\u00e4us Ringwaldt<\/strong>&nbsp;(1532-1599)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von ihm gibt es auch das eine oder andere Gesangbuchlied. In einem Gebet bittet er: \u201e<em>O Du getreuer Jesu Christ<\/em>,\u00a0<em>\/ All unser Trost und Leben, \/ Der Du der rechte Weinstock bist \/ Und wir sind Deine Reben<\/em>&#8220; . In der letzten Strophe bittet er darum, dass wir gute Werke tun k\u00f6nnen, das Amt recht verwalten \u201e<em>Und darin nichts suchen mehr \/ Als Deines Namens Lob und Ehr \/ Und unsers N\u00e4chsten Frommen<\/em>&#8220; . In seinem\u00a0<em>Gebet zu Neujahr<\/em>\u00a0wird formuliert, was den Menschen damals gef\u00e4hrlich werden konnte: \u201e<em>Bescher uns auch ein fr\u00f6hlich Zeit \/ Zu diesem neuen Jahre, \/ Und deine arme Christenheit \/ Vor des Feindes Schwert bewahre, \/ So auch vor Wasser, Pest und Feur, \/ Vor Hagel und vor Br\u00f6tung theur, \/ Vor M\u00f6rdern und vor Dieben, \/ Vor schnellem Tod, S\u00fcnd, Hass und Neid \/ Dass wir in Fried und Einigkeit \/ Einander m\u00f6gen lieben<\/em>.\u201c (Sprachlich leicht ver\u00e4ndert.) Sein Sommerlied \u201e<em>Gottlob! es ist vorhanden<\/em>\u201c wird wohl\u00a0<strong>Paul Gerhard<\/strong>\u00a0als Anregung gedient haben f\u00fcr sein Lied:\u00a0<em>Geh aus mein Herz und suche Freud<\/em>. Die  <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=k3A-AAAAcAAJ&amp;pg=PA489&amp;lpg=PA489&amp;dq=ringwaldt+gottlob+es+ist+vorhanden&amp;source=bl&amp;ots=ZDerZGmOnU&amp;sig=ACfU3U2abaWHZS7rrb7awJsnqDYHBuVvMA&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwjPkbqV2N3mAhWKUlAKHdmzAZwQ6AEwD3oECAMQAQ#v=onepage&amp;q=ringwaldt%20gottlob%20es%20ist%20vorhanden&amp;f=false\">19 Strophen<\/a>  beschreiben sehr sch\u00f6n die Sommernatur und enden damit, dass wir auf der Erde frieren, aber nach dem Tod den Sommer Gottes bekommen werden. (Zitiert nach: Hoffmann von Fallersleben: Spenden zur deutschen Litteraturgeschichte, Leipzig 1844.)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#4800a3\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Martin Kinner von Scherffenstein<\/strong>&nbsp;(1534-1597)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber diesen Dichter ist nicht viel bekannt. In dem Buch von Fallersleben, das ich genannt habe, wird von ihm ein Trostlied genannt. In diesem beklagt er sich, dass sch\u00f6ne Worte gesprochen werden, aber falsch sind. Menschen werden getrennt \u2013 aber Gott ist treu, und der Dichter h\u00e4lt zu Gott. Das Gedicht \u201e<em>Ein anderes<\/em>\u201c hat auch einen bekannten Zug, der einen Dichter des 20. Jahrhunderts (Rilke) inspiriert haben mag: \u201e<em>Wir fallen h\u00e4ufig ein und ab, \/ Wie Bl\u00e4tter von den B\u00e4umen. \/ \u2026 \/ Und obs wol f\u00e4llt in Deine Hand, \/ Und k\u00f6mmt in\u00b4s rechte Vaterland, \/ Das Du uns hast geschenket\u2026<\/em>\u201c Es endet mit der Bitte: \u201e<em>Mein traurig Herz mit Trost aufricht, \/ Bild mir Dein Wort ein: Weine nicht! \/ So will ich fr\u00f6hlich sterben.<\/em>&lt;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Reformationszeit wurden viele Grenzen durchbrochen. Manche wurden neu aufgerichtet. Es gab manche, die mit kleinen H\u00e4mmern an den neuen Mauern geh\u00e4mmert haben, um sie zu durchbrechen. Es ist ihnen nicht gelungen \u2013 in ihrer Zeit ist es nicht gelungen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a3003b\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Teresa von Avila<\/strong>&nbsp;(1515-1582)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ist eine der ganz bedeutenden Menschen \u2013 bis heute. Sie hatte ein Leben in massiver Auseinandersetzung mit ihren Mitschwestern und anderen Glaubenden:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.heiligenlexikon.de\/BiographienT\/Teresa_von_Avila.htm\">https:\/\/www.heiligenlexikon.de\/BiographienT\/Teresa_von_Avila.htm<\/a>&nbsp;In einem Gedicht \u00fcber das Wirken der Liebe Gottes hei\u00dft es (Lieder der Heiligen):<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30045\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">&#8222;<em>Das, was nichtig ist, verbindest \/ Du dem Sein, das ewig w\u00e4hrt; \/ Weil von eigner Gluth du z\u00fcndest, \/ Liebst du, was du werthlos findest, \/ Oder gibst uns neuen Werth.<\/em>&#8220; (Lieder der Heiligen) (Um mit eigenen Worten auf Luther zur\u00fcckzugreifen: Gott liebt uns nicht, weil wir so wertvoll sind, sondern wir sind wertvoll, weil Gott uns liebt. Das wird in dem Gedicht ausgesprochen \u2013 allerdings ist das, so Teresa von Avila, nur unter Schmerzen zu erfahren:)\u00a0<em>&#8222;Sch\u00f6nheit! Sonne, die die Kerzen \/ Aller Sch\u00f6nheit dunkel macht, \/ Ohne Wunden gibst du Schmerzen, \/ Tilgest ohne Schmerz im Herzen \/ Aller ird\u00b4schen Liebe Macht.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist an dieser Stelle nicht m\u00f6glich, das umfangreiche Werk und die Versuche, die Innigkeit der Liebe Gottes, die sie erfahren hat und zur Sprache bringt, wiederzugeben. Ich m\u00f6chte nur auf eine N\u00e4he zu Paulus hinweisen (Galaterbrief 2,20: ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir\u2026): \u201e<em>Ich lebe wohl, doch au\u00dfer mir, \/ Seitdem ich ganz vor Liebe sterbe; \/ Denn in dem Herrn ruht nun mein Leben, \/ Der mich zum Eigenthum gew\u00e4hlet. \/ Weil ich mein Herz ihm hingegeben\u2026<\/em>&#8220; . Allgemeiner bekannt ist\u00a0<a href=\"https:\/\/karmelblumen.wordpress.com\/2013\/06\/30\/teresa-von-avila-spirituelle-basis-zitate\/\">https:\/\/karmelblumen.wordpress.com\/2013\/06\/30\/teresa-von-avila-spirituelle-basis-zitate\/<\/a>\u00a0:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a3001d\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">Nichts soll dich verwirren,<br>nichts dich erschrecken!<br>Alles vergeht.<br>Gott \u00e4ndert sich nicht.<br>Geduld<br>erreicht alles.<br>Wer sich an Gott h\u00e4lt,<br>dem fehlt nichts;<br>Gott allein gen\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>Johannes vom Kreuz<\/strong>&nbsp;(1542-1591)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Grunde ist von ihm zu sagen, was auch zu Teresa von Avila gesagt wurde. Sie sind gewisserma\u00dfen Glaubenszwillinge (Kenner m\u00f6gen mir meinen laienhaften Vergleich verzeihen). In dem Gedicht \u201e<em>Entflammt von Liebesqualen<\/em>\u201c beschreibt er die Seele, wie sie sich vom K\u00f6rper entfernt und zu Gott gelangt. Die Seele geht aus ihrem Haus und wird vom Geliebten (Gott) gef\u00fchrt (vgl. Eichendorff: Mondnacht):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\">O Nacht, so hold wie nimmer<br>das Morgenrot erscheinet!<br>O Nacht, die du vereinet<br>dem Br\u00e4utigam die Braut,<br>die umgewandelt sich in Ihm erschaut!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird Morgen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\">Ich lehnt\u2019 an den Geliebten,<br>mein Antlitz liebestrunken,<br>und \u2013 alles war versunken.<br>Ich schwand mit allem hin,<br>die Sorgen lie\u00df ich unter Lilien bl\u00fch\u2019n.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Zeilen wurden zitiert nach:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.marschler.at\/worte-johannes-kreuz.htm\">http:\/\/www.marschler.at\/worte-johannes-kreuz.htm<\/a>&nbsp;\u2013 dort gibt es weitere Gedichte von Johannes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nicht m\u00f6glich die Explosion der geistlichen Lieder auch nur ann\u00e4hernd wiederzugeben, die mit der Reformation h\u00f6rbar wird. 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