{"id":1901,"date":"2019-10-08T11:18:57","date_gmt":"2019-10-08T09:18:57","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=1901"},"modified":"2019-10-10T15:30:43","modified_gmt":"2019-10-10T13:30:43","slug":"gott-in-gedichten-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott-in-gedichten\/gott-in-gedichten-2\/","title":{"rendered":"Gott in Gedichten 2"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"color:#00a307\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Synesius von Kyrene<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Synesius von Kyrene (370-412) war gebildeter neuplatonischer Philosoph und politisch engagierter Christ und Bischof.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#617f33\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">Auch er besingt die Gr\u00f6\u00dfe, die Sch\u00f6pfungsmacht Jesu Christi, das All steht im Blick, Sonne, Mond, Planeten \u2013 und diese Weisheit, die in allem ist, m\u00f6ge auch das Leben des Dichters bestimmen. Hinweisen m\u00f6chte ich auf den Schluss des ersten Hymnus, soweit ihn Kayser (49) zitiert: \u201eHorch auf! Zikade singt \/ vom Morgentaue trunken. Schau, wie die Saite st\u00e4rker \/ Mir schl\u00e4gt und eine Stimme \/ Begeisternd mich umt\u00f6net! \/ Was giebst du f\u00fcr ein Lied mir \/ Du heilige Begeisterung?\u201c Intensive Lichtmetaphorik bestimmt auch den 6. Hymnus, der \u00e4hnlich aufgebaut ist und in einen Furiosen \u201ePreis dir\u201c ausklingt, mit Preis des Gottesgeistes, der von Sohn und Vater gesandt werden m\u00f6ge, \u201edamit mir die Seele erquicke \/ Der Gottesgaben F\u00fclle\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutlich wird, dass hier st\u00e4rker als bei manchen anderen das eigene Leben im Blick ist \u2013 und das mit ekstatischen Elementen. Die Grenzen des Rationalen \u00fcbersteigend \u2013 in einem rational hergestellten Gedicht.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a38900\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Paulinus von Nola<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Teil sind die Gedichte endlos lang, z.B. Gedichte von Ephraim\/Ephr\u00e4m, von Gregor von Nazianz. Auch Texte von Paulinus von Nola (* 354 in Bordeaux und +431). Die Texte sind zu lesen, zu meditieren, sie erz\u00e4hlen Vita (zum Beispiel von Paulinus) aus einer neuen Perspektive. Es sind Texte f\u00fcr M\u00f6nche, Texte gelesen von Gebildeten, Texte vertieft in Kl\u00f6stern und vermutlich von philosophischen Zirkeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem langen Gedicht (5) von Paulinus von Nola hei\u00dft es am Ende recht sch\u00f6n mit Blick auf Jesus Christus:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a36200\" class=\"has-text-color wp-block-paragraph\">Die harmonischen Lieder Davids singen Dir Lob und lassen die Luft erklingen mit Stimmen die Antworten: Amen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christus steht im Zentrum der Gedichte von Paulinus \u2013 die Aufgabe der Gedichte ist es, Christus zu verk\u00fcnden \u2013 und so erwartet das zitierte Lied auch die singende Zustimmung der Lesenden und legt ihnen diese in den Mund: Amen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grenzen zwischen Menschen werden durch Lieder durchbrochen: Sie sagen zu dem von mir gesungenem Lied: Amen. Sie sind ergriffen, sie stimmen zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An vielen der \u00dcbergangsdichter von heidnischer Tradition zum Christentum wird deutlich, dass sie die alte Tradition aufgreifen und versuchen, sie mit dem Christentum zu \u00fcberwinden. Andere f\u00fcgten in ihre zahlreichen \u201eheidnischen\u201c Texte immer wieder auch einmal christliche Aspekte ein, wie zum Beispiel der Lehrer des Paulinus, Ausonius (310-394; nur eine Anmerkung \u00fcber den Dreieinigen Gott \u2013 in einem Text \u00fcber die \u201e3\u201c, aber auch ein Ostergebet stammt von ihm). Sprachlich galten die r\u00f6mischen Traditionen den Christen wie Paulinus als sch\u00f6n \u2013 inhaltlich als leer. Und so wollte man dann sch\u00f6ne Sprache mit g\u00f6ttlichem Inhalt f\u00fcllen. Sprache bildet die gesamte Wirklichkeit ab \u2013 auch die des Handelns Gottes. Die griechische und r\u00f6mische Kultur wurde als eine angesehen, die auf den christlichen Glauben vorbereitete und darum auch von den meisten dankbar aufgegriffen und &#8211; unter Aufnahme j\u00fcdisch-fr\u00fchchristlicher Tradition &#8211; weiter gef\u00fchrt wurde. Die Adressaten der Gedichte sind ebenso Gebildete, an r\u00f6mischer Literatur Gebildete. Sie kennen die Anspielungen, die Zitate, die leichten Variierungen der \u201eZitate\u201c. Das wird auch an den Briefgedichten deutlich. Paulinus \u00fcbernimmt eine Tradition, die in Rom bekannt war, so z.B. von Horaz. Nun stellt sich die Frage: Sind die Briefgedichte einzuordnen wie andere Briefe \u2013 also als pers\u00f6nliche Texte \u2013 oder sind sie literarische Briefe \u2013 also an eine Gruppe Interessierter adressiert? Wie dem letztlich auch sein sollte: Paulinus legt in Briefgedichten seine neue christliche Sicht dar, begr\u00fcndet und verteidigt sie. Diese Briefgedichte k\u00f6nnen allerdings hier in meiner kurzen \u00dcbersicht nicht weiter vertieft werden. Es handelt sich um Texte, die gelesen werden wollen, in Ruhe durchdacht und argumentativ nachvollzogen. Darin unterscheiden sie sich von Hymnen, aber auch von k\u00fcrzeren Gedichten, die einen Aspekt benennen und vertiefen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anders die Lieder von Ambrosius. Sie sind Gebrauchslieder f\u00fcr Gottesdienste:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>Ambrosius von Mailand<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ambrosius (339 in Trier \u2013 397) ist derjenige, der christliche Lieder als Gemeindelieder im Westen popul\u00e4r gemacht hat. Ambrosius setzte auch Gottesdienste und Gesang ein, um gegen einen Befehl der Kaiser-Mutter Justina passiven Widerstand zu leisten. Mit Erfolg. Augustinus schildert in seinen Bekenntnissen (9,12) wie sehr ihn diese Lieder ber\u00fchrten, aber auch, dass ein Lied ihn angesichts des Todes seiner Mutter getr\u00f6stet hat. Er spricht damit das Abendlied, \u201e<em>Gott, Sch\u00f6pfer von allem<\/em>\u201e, an&nbsp;<a href=\"http:\/\/hymnarium.de\/hymni-ex-thesauro\/hymnen\/82-deus-creator-omnium\">http:\/\/hymnarium.de\/hymni-ex-thesauro\/hymnen\/82-deus-creator-omnium<\/a>&nbsp;:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\">Gott schenkt allen Ruhe \u2013 Nachtgebet und Lieder preisen Gott \u2013 in der Finsternis der Nacht, m\u00f6ge der Glaube nichts von Finsternissen wissen \u2013 nichts Tr\u00fcbes mag verhindern, im Traume Gott zu sehn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gedicht \u201e<em>Ewiger Sch\u00f6pfer der Welt<\/em>\u201c hat enge Parallelen zu dem Morgengesang, der unter Hilarius angesprochen wurde. Hier steht der Hahn jedoch im Zentrum, der die Menschen weckt, der Hoffnung schenkt, Kranken Besserung gibt. Strauchelnde werden Jesus anbefohlen. Am Schluss hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\">O Licht, scheine du in die Herzen und<br>verjage den Schlaf der Seele:<br>dich soll zuerst unsere Stimme preisen,<br>und was wir gelobt, wollen wir dir auch halten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gedicht vollzieht das, was hier ausgesprochen wird: Es preist am Morgen nach dem Erwachen zuerst das Licht Gottes. So l\u00e4sst sich allerdings fragen, ob der Hahn wirklich den kr\u00e4henden Hahn meint, oder ob der Begriff nicht doch auf Christus hinweist, der Menschen \u201eweckt\u201c. Das erste, was den Sinn besch\u00e4ftigen soll: Gott; das letzte am Tag, was den Sinn besch\u00e4ftigen soll: Gott. Und w\u00e4hrend des Tages m\u00f6ge Gott den Betenden vor \u00fcble Taten bewahren, damit er am Ende des Lebens Gott aus reinem Herzen singen kann (vielleicht ist das Lied von Ambrosius:&nbsp;<em>Iam lucis orto sidere<\/em>). Ambrosius besingt nicht nur Tagesl\u00e4ufe, er zieht zum Beispiel auch Schlussfolgerungen aus dem Sterben Jesu f\u00fcr den Christen (<em>Schon steigt herauf die dritte Stunde<\/em>). Das Weihnachtslied (<em>Intende qui regis Israel<\/em>) sieht Jesus als Licht, das auf der Welt erscheint. An diesem Lied kann man sehen, dass ein Hymnus nicht nur Lied ist, sondern auch als Argument angef\u00fchrt werden kann:&nbsp;<a href=\"https:\/\/calvinistinternational.com\/2016\/12\/13\/intende-qui-regis-israel-1\/\">https:\/\/calvinistinternational.com\/2016\/12\/13\/intende-qui-regis-israel-1\/<\/a>. Eine ausf\u00fchrliche Interpretation dieses Liedes zeigt, wie vielschichtig solche wenigen Zeilen eines Hymnus sein k\u00f6nnen:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bistum-eichstaett.de\/index.php?id=3126&amp;L=6&amp;tx_cal_controller%5Bgetdate%5D=20190701&amp;cHash=47e8802ba4ce829f15bb75aebe01eb09\">https:\/\/www.bistum-eichstaett.de\/index.php<\/a>&nbsp;So w\u00e4ren weitere Texte zu nennen, zum Thema Streit (<em>Allm\u00e4chtiger Lenker, wahrhafter Gott<\/em>), ein Gebet an den heiligen Geist (<em>Nunc, sancte nobis Spiritus<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele dem Ambrosius (zugeschriebene?) Texte betreffen M\u00e4rtyrer, das hei\u00dft Menschen, die wehrlos wegen ihres Glaubens an Jesus Christus Folterqualen und Tod erdulden mussten. In diesen Texten werden die M\u00e4rtyrer geehrt (<em>Agnes beatae virginis, Grates tibi Iesu novas, Victor Nabor Felix pii, Apostolorum supparem, Apostolorum passio<\/em>). Genannt seien nur ein paar Verse aus&nbsp;<em>Aeterna Christi munera&nbsp;<\/em><a href=\"http:\/\/hymnarium.de\/hymni-ex-thesauro\/hymnen\/175-aeterna-christi-munera\">http:\/\/hymnarium.de\/hymni-ex-thesauro\/hymnen\/175-aeterna-christi-munera<\/a>&nbsp;(\u00dcbersetzungen s. auch:&nbsp;<a href=\"https:\/\/gregorien.info\/de\">https:\/\/gregorien.info\/de<\/a>&nbsp;):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\">Der Heiligen Glaube, treugelobt,<br>Der Gl\u00e4ubigen Hoffnung, unbesiegt,<br>Christi vollkommene Liebeskraft<br>Zermalmt den F\u00fcrsten dieser Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\">In ihnen wohnt des Vaters Ruhm,<br>In ihnen wirkt der Willensgeist,<br>In ihnen jubelt laut der Sohn,<br>Durchfreudet ganz der Himmel sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Lieder des Ambrosius durchbrechen Grenzen: Grenzen des Alltags \u2013 der Alltag ist eingebunden in die Gottesbeziehung. So auch das Sterben \u2013 auch das gewaltsame Sterben. Man d\u00fcrfte sich der schwankenden politischen Lage bewusst gewesen sein: \u00c4ndert sich der Kaiser \u2013 ist die Zeit der Freiheit beendet. Wird der lokale Mob aus irgendeinem Grund angestachelt, kann das Leben schnell beendet sein. handelnd und singend versuchte man, diese Grenzen auszudehnen, Raum zu gewinnen, damit ein wenig irdische Sicherheit gegeben wird. Wenn die Launen der Politik wieder zuschlagen, war man angesichts der Erinnerung an die M\u00e4rtyrer gewappnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Synesius von Kyrene Synesius von Kyrene (370-412) war gebildeter neuplatonischer Philosoph und politisch engagierter Christ und Bischof. Auch er besingt die Gr\u00f6\u00dfe, die Sch\u00f6pfungsmacht Jesu Christi, das All steht im Blick, Sonne, Mond, Planeten \u2013 und diese Weisheit, die in allem ist, m\u00f6ge auch das Leben des Dichters bestimmen. 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