{"id":1852,"date":"2019-09-11T08:04:36","date_gmt":"2019-09-11T06:04:36","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=1852"},"modified":"2020-12-21T17:43:07","modified_gmt":"2020-12-21T16:43:07","slug":"menschenrechte-anmerkungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/menschenrechte-anmerkungen\/","title":{"rendered":"Menschenrechte: Anmerkungen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color has-medium-font-size\" style=\"color:#a30003\"><strong>Aus technischen Gr\u00fcnden konnten die Anmerkungen nicht auf der vorangegangenen Seite untergebracht werden. Darum diese Extra-Seite:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-color has-text-color has-background has-medium-font-size\" style=\"background-color:#5b00a3\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(1)<\/strong> Puritaner waren fromme Menschen, die ihr Leben auf der Basis der Bibel lebten. Von daher ist der Gedanke der Gleichheit aller Menschen mit Blick auf den Apostel Paulus in die Diskussion gekommen:&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>(2)<\/strong> Kurios finde ich die Aussage, die Menschenw\u00fcrde sei nicht bei <strong>Thomas<\/strong> <strong>von Aquin <\/strong>zu finden, weil er f\u00fcr die Todesstrafe spricht. In der damaligen Zeit konnte man nicht anders mit Gewaltt\u00e4tern umgehen und zudem bedeutet der Versuch, sich vor Gewaltt\u00e4tern zu retten nicht, dass man ihnen die Menschenw\u00fcrde, also Gottebenbildlichkeit abspricht. Der Mensch muss sich dazu bringen, Gottes Willen immer besser zu tun. Das hei\u00dft aber nicht, dass nur derjenige W\u00fcrde hat, dem das gelingt. Ich denke, eine solche Vorstellung w\u00e4re f\u00fcr Thomas und alle, die das Individuum in den Blick nehmen, absurd. Das gilt auch f\u00fcr die <strong>Humanisten<\/strong>, die st\u00e4rker auf das Bildungsideal setzten: Mensch ist nicht nur derjenige, der das Bildungsziel erreicht hat. Im Menschen ist das Potential, sich abw\u00e4rts zu drehen wie auch aufw\u00e4rts. Gegen: <a href=\"https:\/\/www.kas.de\/c\/document_library\/get_file?uuid=25c72ae7-ebee-6b38-c0da-56f2fbe83705&amp;groupId=252038\">https:\/\/www.kas.de\/c\/document_library\/get_file?uuid=25c72ae7-ebee-6b38-c0da-56f2fbe83705&amp;groupId=252038<\/a>  Vgl. zu Thomas auch <a href=\"https:\/\/www.netzwerk-menschenrechte.de\/mittelalter-und-die-reception-des-naturrechts-1177\/\">https:\/\/www.netzwerk-menschenrechte.de\/mittelalter-und-die-reception-des-naturrechts-1177\/<\/a> Und Augustinus: <a href=\"https:\/\/publishup.uni-potsdam.de\/opus4-ubp\/frontdoor\/deliver\/index\/docId\/4348\/file\/sgm07.pdf\">https:\/\/publishup.uni-potsdam.de\/opus4-ubp\/frontdoor\/deliver\/index\/docId\/4348\/file\/sgm07.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle sei noch ein Aspekt angesprochen: <em>Ist das individuelle Recht, Selbstjustiz zu \u00fcben den Menschenrechten angemessen oder die Durchsetzung des Gewaltmonopols des Staates?<\/em> Bei <strong>Luther <\/strong>finden wir einen Brief an <strong>Hans Kohlhase,<\/strong> der angesichts durch Herrscher erlittenen Unrechts Selbstjustiz \u00fcbte (und letztlich hingerichtet wurde). Luther gab ihm zu bedenken, dass er es lassen solle, denn Gott wird der R\u00e4cher sein und das Anliegen von Kohlhase in die Hand nehmen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>(3)<\/strong> T\u00e4ufer bzw. Wiedert\u00e4ufer werden Gruppen aus der Reformationszeit genannt, die auch als Kind getaufte Christen wieder neu taufen lie\u00dfen, weil die Kindertaufe in der Bibel nicht zu finden sei. Diese Gruppen, wie man daran sieht, legen die Bibel zum gro\u00dfen Teil w\u00f6rtlich aus. T\u00e4ufergruppen wurden von beiden Konfessionen verfolgt, sie sind &#8211; wegen des Feindesliebegebotes Jesu &#8211; sehr friedlich (Gewaltlosigkeit). Es sind f\u00fcr das Thema &#8222;Menschenrechte&#8220; ganz besondere Gruppen, die an dieser Stelle jedoch nicht intensiver dargelegt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(4)<\/strong> Hegel Einleitung zur Geschichte der Philosophie (ThW 18,68f \/ SW 17,79f) <\/p>\n\n\n\n<p><strong>(5)<\/strong> Jacques Maritain hat viel \u00fcber Menschenrechte geschrieben. Von einem Werk (Christlicher Humanismus, 1935; dt: 1936) sollen 22 Menschenrechtsartikel in der UN Menschenrechtscharta Eingang gefunden haben. Jacques Maritain hat neben anderen auch die Geschwister Scholl beeinflusst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(6)<\/strong> Auch wenn <strong>Hugo Grotius <\/strong>und vor ihm andere die Unabh\u00e4ngigkeit des Naturrechts von der Existenz Gottes betont hat, hei\u00dft das noch nicht, dass sie nicht auf der christlichen Basis argumentieren. Grotius war Deist, das hei\u00dft: Die Vernunft sagt, dass am Anfang der Welt Gott steht. Gott hat das Naturrecht erschaffen und die von Gott gegebene Vernunft l\u00e4sst das Naturrecht erkennen. &#8222;Der Sch\u00f6pfer der Natur wollte&#8230;&#8220; &#8211; und das wird mit dem Verstand erkannt. Vergleichbar mit der Naturwissenschaft: Gott erschuf die Natur, den Menschen usw. &#8211; und die Naturgesetze sind unabh\u00e4ngig vom Glauben an Gott nachvollziehbar. Dazu geh\u00f6rt auch, dass das Naturrecht in diesem starren Sinne &#8211; aufgrund des menschlichen Verstandes &#8211; eindeutig sagt, was Sache ist, der Wille Gottes ist, wie die Konfessionen zeigen, nur schwer zu ermitteln. Es ging ihm auch darum, auf dieser Basis die Konfessionen zu einigen. (Der Lutheraner <strong>Samuel von Pufendorf<\/strong> [1632-1694] hat die von Gott gegebene Vernunft st\u00e4rker mit dem freien Willen des Menschen verkn\u00fcpft, von daher noch einmal intensiver theologisch begr\u00fcndet von Gott gel\u00f6st.) Darum muss man nicht an Gott glauben, um das Naturrecht erkennen zu k\u00f6nnen, da ja Gott die Vernunft gegeben hat, die erm\u00f6glicht, unabh\u00e4ngig vom Glauben an Gott das Naturrecht erkennen zu k\u00f6nnen. Grotius gibt der Vernunft einen gro\u00dfen Vertrauensvorschuss, den andere Philosophen nicht geteilt haben, vor allem dann nicht, wenn sie die Vernunft nicht von Gott abgeleitet haben. <strong>Thomas Hobbes<\/strong> (1588-1679) hat ein ganz anderes Modell entworfen: Gott hat erst einmal mit nichts etwas zu tun, darum muss der egoistische Mensch zusehen, wie er klar kommt. Und das, kurz gesagt, indem der Mensch sich dem Souver\u00e4n unterwirft. Dieser ist nicht dem Menschen verantwortlich, sondern Gott, dem Geber des nat\u00fcrlichen Gesetzes, dem Erm\u00f6glicher einer solchen Sicherheit bringenden Staatenbildung. Darum verlangt Gott vom Herrscher, dass der Souver\u00e4n Frieden und Annehmlichkeiten des Lebens sichert. Anzumerken ist, dass, soweit ich sehe, nicht Gott in der Argumentation des Deisten Hobbes dominant ist, sondern das von Gott gegebene nat\u00fcrliche Gesetz. Dagegen hat <strong>John Locke<\/strong> herausgearbeitet, dass Gott Sch\u00f6pfer und Eigent\u00fcmer des Menschen ist, darum sind alle gleichgestellt. Das Individuum hat Rechte &#8211; und Pflichten dem Sch\u00f6pfer gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(7)<\/strong> <strong>John Locke<\/strong> kennt den Gottesbeweis: Menschen erkennen sich als endliche Vernunftwesen, erkennen als solche, dass sie von einem unendlichen Wesen erschaffen worden sein m\u00fcssen, das vern\u00fcnftig ist. Das Naturrecht zeigt die Gleichheit aller Menschen und wie der Mensch sich dem Sch\u00f6pfer gem\u00e4\u00df verhalten solle. \u00dcbrigens hat der Mensch als Individuum Anteil an Gottes Absicht mit allen Menschen &#8211; und von daher darf der Mensch etwas nur dann zur Selbsterhaltung beanspruchen, wenn es anderen nicht schadet. Auch hier muss man sagen: Was John Locke vor ca. 300 Jahren sagte, hat sich heute, im Zeitalter des Kapitalismus noch nicht durchgesetzt. Was das V\u00f6lkerrecht betrifft, wird gegen\u00fcber dem Ansatz von Locke der des Pfarrersohnes <strong>Emer de Vattel<\/strong> (1714-1767) hervorgehoben. Dieser ist begeistert vom Naturrecht. Das Naturrecht &#8211; wenn es erkannt wird &#8211; wird den Frieden bringen, der Menschheit Gl\u00fcck. Man erkennt die Ideologisierung, Natur tritt als Akteurin (verbal) an die Stelle Gottes. Dennoch spielt f\u00fcr ihn der Glaube an Gott eine sehr gro\u00dfe Rolle, da dieser die Grundlage eines gelingenden Staates ist (Law of Nations &#8211; I \u00a7125ff.). Allerdings ist ihm sehr daran gelegen, die Bedeutung der Kirche dem Herrscher, der sich dem Naturrecht beugt, unterzuordnen. Gleichzeitig ist der Herrscher auch Gott verantwortlich &#8211; und den Menschen, so, wenn er ungerechtfertigter Weise Krieg f\u00fchrt und viel Leiden verursacht (III \u00a7184). Spannend ist mit Blick auf die Grundlage des Naturrechts die Diskussion in &#8222;Essay on the Foundation of Natural Law&#8230;&#8220; (vor allem X und XXIX ff.). Was hier jedoch nicht wiedergegeben werden kann. In diesem Zusammenhang sollte auch Jean Jacques Rousseau erw\u00e4hnt werden, der f\u00fcr die Menschenrechte mit Blick auf die Freiheit des Menschen viel geleistet hat: <strong>Jean Jacques Rousseau<\/strong> (1712-1778) geht von einer zivilen Religion aus. Verstand und Gewissen \u2013 das angeborene Gef\u00fchl von Gerechtigkeit und Tugend \u2013 sagen, was gut und richtig ist. Und der Verstand von Rousseau sagt, dass das, was die Kirchen sagen, was das Christentum als Offenbarung ansieht, nicht stimmt, es hat sich vom reinen Naturzustand entfernt. Hingegen ist das, was Jesus sagt, vom Verstand und Gewissen abgedeckt. Er war ein gro\u00dfer Bewunderer von Jesus. Dem Philosophen sagen \u00fcbrigens Verstand und Gewissen, dass Intoleranz nicht sein d\u00fcrfe \u2013 aber Atheisten d\u00fcrfen keine Chance bekommen, weil sie Gesellschaft zerst\u00f6rende Egoisten seien. Gott spielt eine gro\u00dfe Rolle, er ist derjenige, der den Naturzustand hergestellt hat, er ist ein Wille, der sich nicht im Verstand, sondern auch im Gef\u00fchl kundgibt, in Liebe, G\u00fcte, heilsamer Freiheit. Der Mensch ist in seinem Naturzustand frei \u2013 und hat sich frei durch einen Sozialvertrag einem Staat zugeordnet, aber er bleibt frei. Freiheit ist die Grundlage des Staates. Am Rande: Faszinierend ist die bewegte Biographie des Philosophen. Auch wenn Rousseau also den Verstand als Beurteilungsinstanz \u00fcber den christlichen Glauben stellt, so liegt seine Basis in der Sch\u00f6pfungsgeschichte, der Pneumatologie, der Ans\u00e4tze Jesu. Auch auf Montesquieu m\u00f6chte ich hinweisen. Seine Bedeutung f\u00fcr die Menschenrechte besteht vor allem darin, dass er die Frage der Menschenrechte mit Blick auf die Gesetze, die Freiheit erm\u00f6glichen, betrachtete, daf\u00fcr die Gewaltenteilung vertiefte:  <strong>Montesquieu<\/strong> (1689?-1755) hat die realexistierende Kirche massiv kritisiert und sich auch \u00fcber sie l\u00e4cherlich gemacht. Allerdings spielt auch f\u00fcr ihn Religion eine Rolle. Gott ist der Ursprung der Gesetze \u2013 setzt sie ein, um die Sch\u00f6pfung zu bewahren, und dieser allgemeine Geist wirkt in allem, was Menschen besch\u00e4ftigt und bestimmt: In der Religion, aber auch in der Moral, dem Klima, politischen Grundlagen usw. Das wirkt Gott aber unabh\u00e4ngig von einer bestimmten Religion. Das bedeutet gleichzeitig, dass Menschen die Gesetze machen, so wie der Urheber der Gesetze es ihnen erm\u00f6glicht, abh\u00e4ngig von Kultur, Geografie usw. Sie machen sie auch nicht, indem sie diese im Naturrecht begr\u00fcnden, sondern indem sie das best\u00e4tigen und f\u00f6rdern, was bislang an Gesetzen gut war \u2013 auch mit Blick auf Gesetze aus der Religion. Wenn allerdings Menschen autonom die Gesetze machen, meinen sie, Gott, den Urheber, vergessen zu k\u00f6nnen. Darum gibt es religi\u00f6se Gesetze, die eine andere Intention haben als das (Angst f\u00f6rdernde und Druck machende) b\u00fcrgerliche Recht: das Streben nach Vollkommenheit, nach Wohlergehen. Diese Gesetze der Religion machen gute B\u00fcrger und sind auch in der Lage, in anarchischen Zeiten an die Stelle b\u00fcrgerlicher Gesetze zu treten (vgl. Luther; \u00e4hnlich argumentierte der f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung in Deutschland wichtige <strong>Christian Thomasius<\/strong> [1655-1728]). Dagegen: <strong>Niccol\u00f2 Machiavelli <\/strong>(1469-1527): Er scheint mir der einzige bedeutende Atheist zu sein, weil er auf Gott eher ironisch zur\u00fcckgreift aber im Grunde Gott nicht als Grundlage seiner Sicht ben\u00f6tigt. Nicht Gott steht am Anfang des Staates, sondern der Zufall \u2013 der dann durch Gewalt gefestigt wird. Je gewaltt\u00e4tiger, desto erfolgreicher. Zu recht hat er Gott au\u00dfen vor gelassen: &nbsp;Das, was er den Herrschern an rationalisierter Machtgeilheit und Manipulation zuschreibt, d\u00fcrfte sich auch nicht mit der christlichen Tradition in Einklang bringen lassen. Allerdings greift er wie viele andere in dieser Hinsicht eher auf die alttestamentlichen Stellen zu, die seine Sicht unterst\u00fctzen. Das Alte Testament wurde vielfach darum eher in diese Fragestellungen einbezogen \u2013 auch durch Luther \u2013 weil es f\u00fcr die Politik mehr hergibt als das Neue Testament. So ist das Fordern der Todesstrafe f\u00fcr die T\u00e4ufer (Luther) eher mit dem Alten Testament begr\u00fcndbar als mit der Lehre Jesu. Weil mit dem Neuen Testament schlechter Realpolitik machen lie\u00df, hat Melanchton Aristoteles st\u00e4rker herangezogen. Weiter zu Machiavelli: Er hat f\u00fcr die Zukunft das begr\u00fcndet und forciert, was vorher zahlreiche r\u00fcckblickend in der Geschichte als negativ gesehen haben: Staaten ohne Gott sind eine gro\u00dfe R\u00e4uberbande (vgl. Augustinus \u2013 als Frage formuliert; vgl. Luther). Von daher wurde Machiavelli auch von manchen Christen, die F\u00fcrsten dazu bringen wollten, sich an christlichen Ma\u00dfst\u00e4ben zu orientieren, kritisiert. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>(8)<\/strong> Interessant ist auch <strong>Thomas Paine<\/strong> (1737-1809) f\u00fcr die Verbreitung der Menschenrechte in weiten Kreisen der Bev\u00f6lkerung. Er als Sohn eines Qu\u00e4kers aus England wanderte in die Vereinigten Staaten aus, Christliche Begr\u00fcndung ist, wie vielfach schon gesehen, auch hier zu finden: Freiheit und Gleichheit sind Ordnung der Sch\u00f6pfung, der Staat hat die Pflicht, das zu garantieren. Spannend ist dass er Hilfe f\u00fcr Notleidende nicht als Almosen ansieht, sondern als Recht. Ihm schwebt eine Art diakonische Arbeit vor, finanziert durch Besteuerung von Reichen. Das ist eine altkirchliche Tradition, die er hier aufgreift.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(9)<\/strong> <strong>Jeremy Bentham<\/strong> (1748-1832) kritisierte schon die Vorstellung vom Naturrecht, das einer Staatenbildung vorangehe, da niemand da sei, bei dem das recht einklagbar sei. Naturrecht, das einer Staatenbildung vorausgehe, g\u00e4be es nicht. Das stimmt insofern, als das Naturrecht in der s\u00e4kularen Zeit von Gott gel\u00f6st wird. Denn Gott ist, wie im AT zu sehen derjenige, der darauf achtet, dass Menschen sich dem Gebot gem\u00e4\u00df verhalten bzw. im heidnischen Bereich sind die G\u00f6tter diejenigen, die das tun. Wenn nun das Naturrecht von einer solchen Macht gel\u00f6st wird, h\u00e4ngt es im Raum. Zudem k\u00f6nnen Menschenrechte nicht im Naturrecht begr\u00fcndet werden, da Rechte s\u00e4kular immer sozial begr\u00fcndet werden m\u00fcssen. Natur gibt weder Rechte noch sanktioniert sie die angeblich von ihr stammenden Rechte. Heute kann man den heiklen, weil metaphysischen Bezug auf das Naturrecht fallen lassen, versucht Alternativen zu finden, so die unter <em>Fazit d)<\/em> erw\u00e4hnte Definition dessen, &#8222;was&#8220; ein Mensch ist. Diese ist freilich auch nur vorl\u00e4ufig. In diesem Zusammenhang sei noch angemerkt, dass die Menschenrechte im Augenblick Proklamationen dessen sind, was man f\u00fcr Menschen angemessen h\u00e4lt. Ohne Sanktionierungen k\u00f6nnen auch Menschenrechte nicht als Rechte im strengen Sinn gelten. Von daher ist der <em>Europ\u00e4ische  Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte<\/em> (EGMR) und der <em>Menschenrechtsgerichtshof in Den Haag<\/em> so wichtig &#8211; zumindest als Beginn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(10)<\/strong> <strong>Thomas Jefferson <\/strong>mag Deist gewesen sein. Er hat diese Worte verwendet &#8211; und entsprechend muss man auch das Signal der Worte beachten: Er hat Adressaten im Blick, die diese Worte im traditionellen Sinn gelesen haben &#8211; entsprechend die Erkl\u00e4rung auch auf die christliche Tradition zur\u00fcckgef\u00fchrt haben. <strong>Deismus<\/strong> ist &#8211; so sei an dieser Stelle knapp gesagt: Der Versuch von christlichen sozialisierten Philosophen nicht mehr den Theologen zu \u00fcberlassen, wie \u00fcber Gott zu reden ist, sondern Philosophen sind die wahren Gottes-Interpreten. Darum konnten sie sich dann auch mehr oder weniger von Gott l\u00f6sen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>(11)<\/strong> Man beachte Calvin unter Aufnahme paulinischer Aussage aus dem R\u00f6merbrief:  \u201eEs ist eine Tatsache, dass das Gesetz Gottes, welches wir das moralische Gesetz nennen, nichts anderes als das Zeugnis des Naturrechts und des Gewissens ist, das Gott in die Herzen der Menschen geschrieben hat\u201c (<em>Unterricht in der christlichen Religion<\/em>, 4.20.8, 14). <\/p>\n\n\n\n<p><strong>(12)<\/strong>  Auch der strenge Katholik <strong>Thomas Morus<\/strong> (1478-1535) sei an dieser Stelle erw\u00e4hnt. Er beschreibt (ernsthaft? augenzwinkernd? resignierend?) eine Utopie. In dieser beschreibt er als Gegenbild zu den Zust\u00e4nden seiner Zeit manches, was uns heute eher kl\u00f6sterlich\/kommunistisch anmutet (kein Privateigentum, alle sind gleich &#8211; auch der K\u00f6nig, alle arbeiten in der Landwirtschaft [gegen die Vertreibung der Bauern und die grassierende Arbeitslosigkeit], nach f\u00fcnf Jahren muss jeder umziehen [gegen die Sesshaftwerdung der Reichen &#8211; anders als die Obdachlosen], der Staat bestimmt die Arbeit der Bev\u00f6lkerung an Allgemeinaufgaben [St\u00e4dter m\u00fcssen bei der Ernte auf dem land helfen] &#8211; aber nicht \u00fcber die Ma\u00dfen, es gibt den 6-Stunden-Tag &#8211; der Rest der Zeit gilt der Bildung, es herrschen Religionsfreiheit und Toleranz.) Es ist eine Art verwaltender Staatstotalitarismus, in denen es Menschen gut geht. Was in dem Zusammenhang der Menschenrechte wichtig ist: Es wird deutlich, was in dieser Zeit vorgedacht wurde mit Blick darauf, was Menschen gut tut und das Zusammenleben f\u00f6rdert. (Allerdings gibt es noch Leibeigene, gar Sklaven [versklavt werden Ehebrecher].) Dass Morus nicht unbedingt christliche Utopie beschreibt, wird daran deutlich, dass der Gott Mithras im Vordergrund steht. Er mischt die geschilderte Utopie mit der Utopie des vorchristlichen Philosophen Platon. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>(13)<\/strong> Das ist die Aufgabe des s\u00e4kularen Staates. Es ist nicht seine Aufgabe, zu entscheiden, ob Religionen Relevanz besitzen oder nicht, auch nicht die Aufgabe, atheistischen Weltanschauungen Wahrheit zuzusprechen. Das w\u00e4re ein ideologischer Staat, wie er zum Beispiel im Kommunismus Grundlage war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(14)<\/strong> Das ist auch in der <strong>Confessio Augustana<\/strong> 28 formuliert worden: Christus hat keinen Staat gegr\u00fcndet &#8211; von daher ist zwischen Weltlichem und Geistlichem zu trennen. <strong>Luther<\/strong> wendet sich auch auf dieser Basis gegen die Bauern: Er greift ihre christliche Argumentation an, weil sie seiner Meinung nach nicht korrekt ist. Entsprechend sollen auch F\u00fcrsten, wenn sie Christen sind, angemessen mit den Bauern umgehen. Da aber weder die meisten Bauern noch F\u00fcrsten Christen sind, sollen sie weltlich miteinander umgehen &#8211; er hat auf ihren gewaltt\u00e4tigen Umgang miteinander keinen Einfluss (die F\u00fcrsten seien die \u00e4rgsten Buben &#8211; und ein Nichtchrist mag den Tyrannen t\u00f6ten, ein Christ darf das nicht). Andererseits sieht man jedoch, dass er selbst als Mensch des Landes f\u00fcr eine hierarchische Struktur eintritt: Der F\u00fcrst muss die Ordnung herstellen und das, wenn es n\u00f6tig ist, brutal. Das Problem aus christlicher Sicht ist, dass er dann zur Brutalit\u00e4t aufruft. Damit bekommt sein weltliches Denken Vorrang vor seinem christlichen Denken. In einer Zeit, in der Geistliches mit Weltlichem vermischt ist, sucht er erst einmal zu trennen. Heute sieht man eher, dass auch Christen f\u00fcr Menschenrechte eintreten sollten, eben weil Geistliches und Weltliches getrennt sind. Vor dieser Fragestellung steht \u00fcbrigens jede Generation, wenn gewaltt\u00e4tige Gruppen die Gesellschaft zerst\u00f6ren wollen. Wie mit ihnen umgehen? Luther selbst sieht sich als Beispiel daf\u00fcr an, dass man mit gewaltlosem Widerstand (in leidendem Gehorsam) viel erreichen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(15)<\/strong> Die <strong>UN-Charta von 1945<\/strong> hatte schon einen Bezug zu Menschenrechten (Glauben an Grundrechte der Menschen, W\u00fcrde und Wert der menschlichen Pers\u00f6nlichkeit, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Gleichberechtigung der Nationen) musste die Konkretion jedoch erst ausarbeiten lassen. Und das finden wir in der <strong>Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte<\/strong>, die oben dargelegt wurde. In UN-Charta 1,3 wird schon expressis verbis Bezug auf die Menschenrechte genommen, dort hei\u00dft es:  &#8222;&#8230; eine internationale Zusammenarbeit herbeizuf\u00fchren, um internationale Probleme wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und humanit\u00e4rer Art zu l\u00f6sen und die Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten f\u00fcr alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion zu f\u00f6rdern und zu festigen&#8230;&#8220;  (<a href=\"https:\/\/www.unric.org\/html\/german\/pdf\/charta.pdf\">https:\/\/www.unric.org\/html\/german\/pdf\/charta.pdf<\/a> ) Das Problem liegt in beiden Erkl\u00e4rungen in der Durchsetzung angesichts der Souver\u00e4nit\u00e4t der Staaten. Von daher wird die Aufgabe der UN hier so beschrieben, dass sie die Menschenrechte f\u00f6rdern solle. In Folge der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte wurden zahlreiche <strong>UN-Konventionen<\/strong> verabschiedet, z.B. gegen Rassismus (1969), gegen Diskriminierung der Frau (1981), gegen Folter (1984), f\u00fcr Kinderrechte (1990). Weitere nachfolgende Konventionen sind z.B. die <strong>Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention<\/strong> ( <a href=\"https:\/\/www.echr.coe.int\/Documents\/Convention_DEU.pdf\">https:\/\/www.echr.coe.int\/Documents\/Convention_DEU.pdf<\/a>  ), die <strong>Amerikanische Konvention \u00fcber Menschenrechte<\/strong> (die Menschenrechte auf Ungeborene ausdehnt;  <a href=\"http:\/\/www.oas.org\/dil\/treaties_B-32_American_Convention_on_Human_Rights.htm\">http:\/\/www.oas.org\/dil\/treaties_B-32_American_Convention_on_Human_Rights.htm<\/a> ), die <strong>Afrikanische Banjul-Charta der Menschenrechte<\/strong> (die im Gegensatz zu den zuvor genannten Menschenrechten das Kollektiv und Pflichten betont;  <a href=\"http:\/\/www.humanrights.se\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/African-Charter-on-Human-and-Peoples-Rights.pdf\">http:\/\/www.humanrights.se\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/African-Charter-on-Human-and-Peoples-Rights.pdf<\/a>  ) und die <strong>Arabische Charta der Menschenrechte<\/strong> (die die Scharia als Vorzeichen der Menschenrechte ansieht &#8211; in ihrer Berufung auf die vorangehende <strong>Kairoer Erkl\u00e4rung der Menschenrechte<\/strong>  <a href=\"https:\/\/www.un.org\/Depts\/german\/menschenrechte\/arab.pdf\">https:\/\/www.un.org\/Depts\/german\/menschenrechte\/arab.pdf<\/a> ). In den genannten westlichen Formen wurde nicht mehr auf Gott Bezug genommen, es wurde der Glaube an die Grundrechte bzw. der Glaube an die Grundfreiheiten genannt; die afrikanische Form beruft sich auf afrikanische Traditionen und Werte afrikanischer Tradition. Zur Arabischen Charta s. dort. Die <strong>KSZE-Schlussakte<\/strong> ( <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/de\/mc\/39503?download=true\">https:\/\/www.osce.org\/de\/mc\/39503?download=true<\/a> ) f\u00fchrt besonders deutlich als Begr\u00fcndung an, dass Konfrontationen zwischen den Staaten negative Folgen hat. Es geht um die Durchsetzung dessen, was die Beschlie\u00dfenden als gut ansehen:  &#8222;In der Erkenntnis der engen Verbindung zwischen Frieden und Sicherheit in Europa und in der ganzen Welt und im Bewu\u00dftsein der Notwendigkeit, da\u00df jeder von ihnen seinen Beitrag zur Festigung des Friedens und der Sicherheit in der Welt und zur F\u00f6rderung der Grundrechte, des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts und des Wohlergehens aller V\u00f6lker leistet&#8230;&#8220; Zu den Humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechten, einschlie\u00dflich der <strong>Genfer Konvention<\/strong>(en) (1864 ab Seite 176) s.:  <a href=\"http:\/\/www.humanitaeres-voelkerrecht.de\/HVR.II.1.pdf\">http:\/\/www.humanitaeres-voelkerrecht.de\/HVR.II.1.pdf<\/a> Im Wesentlichen geht es diesen Konventionen auch nicht um die Grundlage, sondern um Vertr\u00e4ge\/Vereinbarungen zwischen Staaten. Es geht nicht um die Frage, <em>warum<\/em> man sich so und so verhalten will, sondern <em>dass<\/em> man sich so und so verhalten will. Angemerkt sei noch, dass die <strong>Hager Landkriegsordnung<\/strong> von 1899 &#8222;die Gesetze der Menschlichkeit&#8220; als Ansporn f\u00fcr diese Gesetze ansieht. Vorher finden wir im Lieber-Code von 1863 Art. 4:  &#8222;strictly guided by the principles of justice, honor, and humanity &#8211; virtues adorning a soldier even more than other men&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>(16)<\/strong> Es wird an dieser Schrift <strong>Luthers<\/strong> deutlich, dass f\u00fcr Christen immer auch die Gemeinschaft im Blick ist. Das Individuum ist Teil einer Gemeinschaft, es muss in ihr Freiheit haben, gleichzeitig zu ihrem Wohl beitragen. Letztgenanntes aber nicht erzwungenerma\u00dfen, sondern aus der Freiheit des Glaubenden heraus zu ihrem Gelingen beitragen. Den Menschenrechten geht es um den Schutz des Individuums vor \u00dcbergriffen des Staates, wie er sich erst im Mittelalter entwickelte, bis hin zu den modernen Nationen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>(17) <\/strong>Anzumerken ist, dass im Mittelalter das Wissen, dass vor Gott alle gleich sind, nicht vergessen werden darf. So schreibt <strong>Walther von der Vogelweide<\/strong> (1170-1230?): &#8222;Wir wachsen aus dem gleichen Holz; \/ Speise ern\u00e4hrt uns, die wir nichtig, \/ sobald sie durch den Mund gefahren ist. \/ Wer kann den Herrn von dem Knecht unterscheiden, \/ wenn er der beiden blankes Gebein f\u00e4nde, \/ auch wenn er sie als Lebende gekannt -, \/ und das Gew\u00fcrm das Fleisch verzehrt h\u00e4tte? \/ Ihm dienen Christen, Juden und Heiden, der alle Lebenden wunderbar ern\u00e4hrt.&#8220; (vgl. Mt 5,45 und M7 6,25ff.) (Swer ane vorhte, Herre Got). Ebenso ist die Inkarnation zu nennen. So schreibt <strong>Wolfram von Eschenbach<\/strong> (1660\/80-ca. 1220): &#8222;Dein Kind und dein Verwandter \/ bin ich, wie es sich ziemt, \/ &#8230; Deine Menschwerdung macht mich zu deinem Verwandten, \/ zweifellos nennt mich \/ das Vaterunser \/ deiner Gottheit Kind \/ &#8230; \/ Weisheit, \u00fcber allen Vern\u00fcnfteleien, \/ du bist Christus, also bin ich Christ.&#8220; (Gebet) Der Mensch als Gottes Kind wird aus dem NT aufgenommen, tiefer als das, was soeben zitiert wurde, von <strong>Mechthild von Magdeburg<\/strong> (1207-1282): &#8222;Ich bin in dir und du bist in mir, \/ wir k\u00f6nnen uns n\u00e4her nicht sein, \/ denn wir zwei sind in eins geflossen&#8220; (O du brennender Berg) (Alois Weimer (hg): Gebete der Dichter. Gro\u00dfe Zeugnisse aus 12 Jahrhunderten, Patmos, D\u00fcsseldorf 2006). <\/p>\n\n\n\n<p>Das Mittelalter hat auch mit Blick auf die <em>Ethik <\/em>vorgearbeitet: Im Mittelalter lernte man, sich in das Leiden Jesu hineinzuversetzen. Das wurde nachempfunden, das Leiden wurde verinnerlicht. Es ist das Leiden eines anderen, das zu meinem Mit-Leiden f\u00fchrt. Dieses Mitf\u00fchlen als eines, das sich gesellschaftlich weiter verbreitet hat und nicht nur Charakter einzelner Menschen ist, ist f\u00fcr die christliche Ethik und letztlich f\u00fcr die Menschenrechte relevant. Nicht \u00fcbergangen sei die Bedeutung dessen, was heute verp\u00f6nt wird: die Drohung mit dem richtenden Gott, die Drohung mit der H\u00f6lle. Wer sich asozial verh\u00e4lt, den anderen eine H\u00f6lle bereitet, der wird nach dem Leben Asoziales &#8211; H\u00f6lle &#8211; bekommen. Wer sich im Sinne Gottes sozial verh\u00e4lt, wird zu Gott kommen. Beides wurde jeweils ausgemalt. Beklagt wurde nicht selten, dass sich die Menschen davon aber nicht beeinflussen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(18)<\/strong> Im 17. Jahrhundert darf man in diesem Zusammenhang nicht Menschen wie <strong>Daniel Czepko von Reigersfeld<\/strong> (1605-1660) und <strong>Johann Scheffler<\/strong> (<strong>Angelus Silesius<\/strong>) (1624-1677) \u00fcbersehen. Sie haben den Menschen &#8211; in der Tradition der mittelalterlichen Mystik &#8211; in Gott, Gott im Menschen sehr gro\u00df gezeichnet. Der Letztgenannte schreibt im cherubinischen Wandersmann: &#8222;Gott ist mein Geist, mein Blut, mein Fleisch und mein Gebein: \/ Wie soll ich dann mit ihm nicht ganz durchg\u00f6ttert sein?&#8220; Parallel dazu lehrte der 30 j\u00e4hrige Krieg, wie sehr der Mensch versagt (vgl. Andreas Gryphius).<\/p>\n\n\n\n<p>Man darf nicht vergessen, dass s\u00e4mtliche Menschenrechtsfragen immer auch mit der Frage der Macht zu tun haben. Der K\u00f6nig hat Macht &#8211; so sagt es die Ordnung. Wenn dann der Adel die macht \u00fcber den K\u00f6nig verlangt, dann st\u00f6rt er die Ordnung &#8211; aber es ist im Grunde nur die Macht verschoben. Wenn Reiche des Volkes die Macht erlangen, st\u00f6rt das ebenso die Ordnung &#8211; das Volk hat zu leiden usw. Von daher ist die Forderung von Menschenrechten immer mit St\u00f6rung der Ordnung und der Machtfrage verbunden. In Hinblick auf die St\u00f6rung der alten ordnung und der Etablierung der neuen Ordnung haben vielfach Christen mitgewirkt, neben den genannten Reformierten auch katholische Theologen, von denen aus dem 16. Jahrhundert nur Jean Boucher und Guillaume Rose genannt werden sollen. Zudem wurde auch erkannt, dass der Einsatz f\u00fcr Menschenrechte (z.B. Religionsfreiheit) nicht der Hauptgrund f\u00fcr Ver\u00e4nderungen war, sondern Neid und Hass (so Lipsius), aber auch einfach der Wille zu rebellieren (z.B. Pierre Charron).<\/p>\n\n\n\n<p>(19) Das Wort &#8222;Rechte der Menschen&#8220; hat der Dominikaner <strong>Bartholom\u00e9 de las Casas<\/strong> im Kontext der Verteidigung der Ureinwohner S\u00fcdamerikas gegen die Unmenschlichkeiten der spanischen Eroberer im Jahr 1552 verwendet. <\/p>\n\n\n\n<p>(20) Schon ca. 200 Jahre vorher hat der Bischof <strong>Burchard von Worms<\/strong> ein Dekret herausgegeben, in dem er 1008-1012 die Gleichheit von Juden und Heiden und Mann und Frau damit begr\u00fcndete, dass sie Ebenbild Gottes seien. Dieses Dekret sollte Rechtssicherheit herstellen und war \u00fcber die Grenzen Worms hinaus bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a35d00\"><strong>Literatur s.: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein sehr interessanter Beitrag: <a href=\"https:\/\/www.dijg.de\/menschenrechte-grundrechte\/religion-entstehung-verfassung\/\">https:\/\/www.dijg.de\/menschenrechte-grundrechte\/religion-entstehung-verfassung\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Christliche Tradition: Arnold Angenendt: Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert, Aschendorff, Nachdruck der 5. Auflage 2014: zum Beispiel Seiten 110ff. Gottebenbildlichkeit hat Auswirkungen auf das Zusammenleben: mit Blick auf Sklaven, Nichtchristen, Indios. Paradies als Vorbild und Ziel: Herrschaftsfreie Gleichheit aller Menschen (Papst Gregor der Gro\u00dfe +604). Vgl. Angenendt 114: Naturrecht ist flexibel zu deuten (Aristoteles), nicht aber die Aussage, dass alle Gottes Ebenbild seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Dicke <a href=\"https:\/\/dgvn.de\/fileadmin\/publications\/PDFs\/Zeitschrift_VN\/VN_1998\/300dpi_1998-06__groessenoptimiert_.pdf\">https:\/\/dgvn.de\/fileadmin\/publications\/PDFs\/Zeitschrift_VN\/VN_1998\/300dpi_1998-06__groessenoptimiert_.pdf<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p>Die so genannte Magna Charta der katholischen Kirche: Pacem in terris 1963):  <a href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/john-xxiii\/de\/encyclicals\/documents\/hf_j-xxiii_enc_11041963_pacem.html\">http:\/\/w2.vatican.va\/content\/john-xxiii\/de\/encyclicals\/documents\/hf_j-xxiii_enc_11041963_pacem.html<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p>Arnd Pollmann \/ Georg Lohmann: Menschenrechte. Ein interdisziplin\u00e4res Handbuch, Verlag Metzler, Stuttgart\/Weimar 2012<\/p>\n\n\n\n<p>Der folgende Beitrag wurde mir erst nachtr\u00e4glich bekannt: <a href=\"https:\/\/www.philso.uni-augsburg.de\/institute\/philosophie\/Personen\/Lehrbeauftragte\/neidhart\/Downloads\/KircheMenschenrechte.pdf\">https:\/\/www.philso.uni-augsburg.de\/institute\/philosophie\/Personen\/Lehrbeauftragte\/neidhart\/Downloads\/KircheMenschenrechte.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus technischen Gr\u00fcnden konnten die Anmerkungen nicht auf der vorangegangenen Seite untergebracht werden. Darum diese Extra-Seite: Anmerkungen (1) Puritaner waren fromme Menschen, die ihr Leben auf der Basis der Bibel lebten. 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