{"id":1837,"date":"2019-09-08T09:11:25","date_gmt":"2019-09-08T07:11:25","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=1837"},"modified":"2026-04-22T10:21:54","modified_gmt":"2026-04-22T08:21:54","slug":"menschenrechte-1","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/menschenrechte-1\/","title":{"rendered":"Menschenrechte 1"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\"><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Frage der Menschenrechte geht es um<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>die W\u00fcrde des Menschen,<\/li>\n\n\n\n<li>die Frage des Rechts,<\/li>\n\n\n\n<li>die Frage des Verh\u00e4ltnisses des Individuums zum Herrscher\/Staat: Pflichten des Staates und Recht auf Widerstand des Individuums<\/li>\n\n\n\n<li>Gleichheit<\/li>\n\n\n\n<li>Unversehrtheit,<\/li>\n\n\n\n<li>Eigentum,<\/li>\n\n\n\n<li>Meinungsfreiheit,<\/li>\n\n\n\n<li>Glaubensfreiheit<\/li>\n\n\n\n<li>Schutz vor willk\u00fcrlicher Verhaftung<\/li>\n\n\n\n<li>Diese wurden dann erweitert: Recht auf Bildung, Arbeit, soziale Sicherheit, Reisefreiheit usw.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Das kann hier freilich nicht alles detailliert dargelegt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar allgemeine Hinweise:<\/p>\n\n\n\n<p>Heute gibt es Vertreter, die sagen: Menschenrechte seien angeboren, seien nicht ausgedacht, seien&nbsp;<strong>Naturrecht<\/strong>. Darum gelten sie ewig und \u00fcberall.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist die Sicht unserer westlichen Welt, zumindest zum Teil \u2013 zum Teil ist sie auch veraltet (siehe unten). Diese Sicht kann realpolitisch nicht verallgemeinert werden. Der Islam hat zum Beispiel andere Vorstellungen von Menschenrechten, das kommunistische China hat andere Vorstellungen, ebenso der Hinduismus. Freilich wird jeder sagen: Menschenrechte gelten \u2013 aber es sind nicht immer die gleichen Rechte, die betont werden. Die UN Menschenrechtscharta wurde zwar aufgrund der Dominanz der westlichen Welt 1948 von vielen unterschrieben (s.u.). Aber heute werden die Menschenrechte von manchen modifiziert \u2013 und auch in unserer westlichen Welt werden manche Modifizierungen von Aktivisten angebracht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Naturrecht\u00a0<\/strong>ist unbestimmt, was vielfach \u00fcbersehen wird. Alles kann mit Naturrecht begr\u00fcndet werden. Nicht nur Gutes, sondern auch Sklaverei \u2013 wie auch der Sozialdarwinismus. Naturrecht bekam in unserer europ\u00e4ischen Tradition erst einen menschenfreundlichen, humanen Ma\u00dfstab, als dieses mit biblischen Texten zusammengedacht wurde: Das Naturrecht stammt, so die Vorstellung, wie die Bibel von Gott. Man muss beide \u2013 mit dem von Gott gegebenen Verstand \u2013 zusammen lesen lernen. Diese Sicht haben im 16.\/17. Jahrhundert der Theologe\u00a0<strong>Hugo Grotius<\/strong>\u00a0(1583-1645) und\u00a0<strong>John Locke<\/strong>\u00a0vertieft, sie wurde aber schon im Mittelalter nicht zuletzt von\u00a0<strong>Thomas von Aquin<\/strong>\u00a0angedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Berufung auf die\u00a0<strong>Vernunft<\/strong>\u00a0und den <strong>Verstand<\/strong> ist ambivalent. Die Vernunft kann wie der Verstand alles begr\u00fcnden \u2013 Negatives wie Positives \u2013 sie bed\u00fcrfen eines Ma\u00dfstabes. Das ist klar, denn die Vernunft erkennt erst Naturrecht, weil sich sozusagen das Naturrecht in ihr bemerkbar gemacht hat. So die Vorstellung. Von daher muss auch die Vernunft ambivalent sein bzw. weil die Vernunft ambivalent ist, ist auch das Erkennen der Menschenrechte aufgrund des Naturrechts ambivalent. Dass mit dem\u00a0<strong>Gef\u00fchl\u00a0<\/strong>Menschenrechte begr\u00fcndet werden sollen, ist wiederum mit der Vernunft nicht in Einklang zu bringen. Kurz: Das ist unvern\u00fcnftig. Menschenrechte von zuf\u00e4lligen\u00a0<strong>Mehrheiten<\/strong>\u00a0abh\u00e4ngig machen, wird dem Gedanken der Menschenrechte nicht gerecht, damit w\u00e4ren auch Sklaverei, Rassismus, Sexismus usw. begr\u00fcndbar. Das gilt auch f\u00fcr die Begr\u00fcndung der Menschenrechte mit dem Gedanken, dass es dem einzelnen\u00a0<strong>Menschen nutzen<\/strong>\u00a0muss \u2013 dagegen spricht allein schon der Utilitarismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden geht es nicht darum, die jeweiligen Philosophen zu bekennenden Jesus-Nachfolgern zu erkl\u00e4ren. Es ging ihnen vielfach nicht darum, das Evangelium voranzutreiben, sondern aus ihrem Glauben heraus philosophische Antworten angesichts der Probleme ihrer Zeit zu suchen. Sie haben zudem das Menschenbild Jesu in ihrer Kindheit und Jugend inhaliert, aber mit Gott argumentiert, weil beide, Gott und Jesus Christus, in einem gesehen wurden. Es geht hier darum, die christliche Basis ihrer Argumentation zu benennen. Ohne diese h\u00e4ngen die Menschenrechte in der Luft. Sie haben das gewusst, was heute vielfach missachtet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Eingangsfrage<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie kommen wir im Westen zu diesen Menschenrechten? Sie haben eine lange christliche Tradition. Erst einmal, wenn wir zur\u00fcckschauen, bleibt der Blick vieler in der&nbsp;<strong>Aufkl\u00e4rung<\/strong>&nbsp;h\u00e4ngen \u2013 Aspekte der christlichen Tradition seien im Folgenden hervorgehoben, vor allem, weil sie immer wieder durch s\u00e4kular angepasste Autoren nicht ber\u00fccksichtigt werden. Auch die Aufkl\u00e4rung ist nicht einfach so auf einmal da gewesen. Es gab viele Menschen, die Vorarbeiten geleistet haben, das auf der Ebene des Geistes (Theologen, Philosophen) und auf der Ebene t\u00e4tigen Lebens \u2013 die Letztgenannten (ich denke zum Beispiel an Elisabeth von Th\u00fcringen) sollte man nicht vergessen, auch wenn ich diese Menschen im folgenden Abschnitt nicht ber\u00fccksichtige.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lege hier eine erste Einarbeitung vor \u2013 ein paar Mosaiksteinchen werden aneinander gereiht. Vieles muss differenziert und genauer dargelegt werden. Da ich hier aber nur ein paar Anmerkungen bringe und keine akademische Arbeit vorlege, m\u00f6ge es gen\u00fcgen \u2013 vielleicht regen die Beobachtungen zum Nachdenken und eigenem Forschen an. Wenn ich weiter in das Thema eingedrungen bin und merke, dass Korrekturen an dieser ersten Version anzubringen sind, werde ich sie nachliefern. An der Reihenfolge der Anmerkungen ist erkennbar, dass der Text im Laufe der Zeit gewachsen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-db8a3ab376ae36a7ae9ffd172fb16003\" style=\"color:#f80f0f\">Aufgabe:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-6a1b724e7a9270f7d87a22064efb7ef4\" style=\"color:#f80f0f\">Heute fragt man sich: Gelten die Menschenrechte nur Menschen? Warum nur den Menschen? Sollten sie nicht auch auf alle f\u00fchlende Wesen \u00fcbertragen werden? Das hie\u00dfe also auch auf fast alle Tiere. Sollten sie auch auf KI-Roboter \u00fcbertragen werden, weil sie vielfach so menschlich dargestellt werden. Was denkst Du?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>16.\/17. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im 17. Jahrhundert sind die \u201eLevellers\u201c von England zu nennen \u2013 allen voran der den&nbsp;<strong>Puritanern (1)<\/strong>&nbsp;nahe stehende&nbsp;<strong>John Lilburne<\/strong>&nbsp;(Freeborn John), der 1649 die \u201efreeborn rights\u201c vorlegte. Er wurde vielfach inhaftiert. In etwa zeitgleich haben&nbsp;<strong>Oliver Cromwell<\/strong>&nbsp;(1599-1658) und&nbsp;<strong>John Locke<\/strong>&nbsp;(1632-1704) ebenfalls auf der Basis puritanischer Erfahrungen und Freiheitsbestrebungen Grundlagen gelegt. Zumindest auf den Letztgenannten greift man heute vielfach zur\u00fcck. Aber auch sie haben Vorl\u00e4ufer.<\/p>\n\n\n\n<p>Spannend ist in diesem Kontext\u00a0<strong>Martin Luther<\/strong>s Rede zu Worms (1521), die das Gewissen (er konnte in anderen Schriften auch sagen: gegen seine Seele gezwungen werden) des einzelnen Menschen in den Vordergrund stellt, wie auch die Schrift: Von der Freiheit eines Christenmenschen, in der er den Christen nicht als Teil des Kollektivs einordnet, sondern eben der einzelner Christenmensch hat er die Freiheit, im Sinne Gottes zu entscheiden\u00a0<strong>(16)<\/strong>. Ebenso verbindet auch er Recht mit der Vernunft und sieht die Goldene Regel als Lehre der Natur an. Zudem wendet er sich dagegen, dass sich Weltliches an Geistlichem vergreift und Geistliches an Weltlichem \u2013 der F\u00fcrst darf nur als Christ bedingt in geistliche Fragen eingreifen, Kirche hat sich um Kirchliches zu k\u00fcmmern (Von weltlicher Obrigkeit).\u00a0<strong>(14)<\/strong>\u00a0Die\u00a0<strong>Reformatoren<\/strong>\u00a0(vor allem auch\u00a0<strong>Calvin<\/strong>\u00a0[1509-1564] \u2013 in seiner Folge die reformierte Kirche: Freiheit des Gewissens geht vor staatlichem Recht und er kennt eine Art Gewaltenteilung [Kontrolle] in der Gemeinde) insgesamt haben den Menschen in seiner Eigenverantwortung gesehen und nicht als Anh\u00e4ngsel der Kirchenpolitik (vgl. Laienpriestertum)\u00a0<strong>(11)<\/strong>. Darum forderten und f\u00f6rderten sie auch die Bildung.\u00a0<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/reformation-auswirkung-auf-die-gegenwart\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/reformation-auswirkung-auf-die-gegenwart\/<\/a>\u00a0Freilich waren die Reformatoren gleichzeitig Menschen des ausgehenden Mittelalters \u2013 und keine Kinder der neuzeitlichen Aufkl\u00e4rung. Sie haben den Menschen noch hierarchisch eingeordnet, ihn aber insofern hierarchisch gel\u00f6st, als jeder Einzelne vor Gott steht und verantwortlich f\u00fcr sein Leben ist. Damit ist eine Sprengkraft gegeben, die die hierarchische Struktur zu sprengen vermag und dann auch sp\u00e4ter durch einzelne Gruppen als Sprengkraft eingesetzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Im&nbsp;<strong>Augsburger Religionsfriede<\/strong>&nbsp;(1555) hatte man sich zwischen Katholiken, Protestanten verschiedenster Couleur politisch noch darauf geeinigt, dass der Untertan die Konfession des jeweiligen Herrschers \u00fcbernehmen m\u00fcsse. Das hei\u00dft, der einzelne Mensch ist, was Glaubensfragen betrifft, unfrei. Ziel dieses Beschlusses: Die Befriedung der Gesellschaft. Damit hat man aber auch, was ein Fortschritt an Befreiung von Papst und Kaiser bedeutete, gleichzeitig das Vorhandensein zweier Konfessionen (nicht mehr nur des Katholizismus) festgeschrieben. Wenn die Konfession des Herrschers wechselte, musste der B\u00fcrger die Konfession ebenfalls wechseln, auch wenn er das nicht einsah. Dieser Druck, dennoch am Glauben, an seiner \u00dcberzeugung festzuhalten, f\u00fchrte dazu, st\u00e4rker die Grundwerte des Einzelnen einzufordern. In der Auseinandersetzung zwischen dem katholischen Spanien und dem reformiert-protestantischen Niederlanden kam es zu der&nbsp;<strong>Dordrechter St\u00e4ndeversammlung<\/strong>&nbsp;(1572\/1576), die forderte, dass jeder seinen eigenen Glauben behalten d\u00fcrfe (Religionsfreiheit, damit auch Meinungsfreiheit, und Versammlungsfreiheit) \u2013 wie oben schon geschrieben: Gewissen geht vor staatlichen Gehorsams-Anspr\u00fcchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im 16. Jahrhundert gab es neben diesen weitere revolution\u00e4re Ans\u00e4tze: Nicht der K\u00f6nig ist dominant, sondern das Volk, das den K\u00f6nig absetzen kann. Warum? Weil die K\u00f6nige von Gott dazu eingesetzt wurden, dem Volk zu dienen \u2013 ein alttestamentlicher Ansatz. Entsprechend kann auch der Papst abgesetzt werden, da Jesus Christus Oberhaupt der Kirche sei. Diese vordenkenden \u201edemokratischen\u201c Denker waren die Protestanten \/ Calvinisten&nbsp;<strong>Francois Hotman<\/strong>&nbsp;(1524-1590) und&nbsp;<strong>Theodor von Beza<\/strong>&nbsp;(1519-1605). Als dritter im Bunde sei&nbsp;<strong>Philippe Duplessis-Mornay<\/strong>&nbsp;(1549-1623) aufgenommen. Zudem hat der Kirchenjurist&nbsp;<strong>Richard Hooker&nbsp;<\/strong>(1554-1600; 1592) im Auftrag der anglikanischen Kirche etwas deutlich argumentativ herausgearbeitet: Es geht um die Unterscheidung zwischen Mehrheitsmeinungen (die der Mensch mit seiner von Gott gegebenen Vernunft entscheiden kann) und Grundrechten, mit der Berufung des Menschen auf sein Gewissen als Recht<strong>.<\/strong>&nbsp;<strong>(12)(19)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>17.\/ 18. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Vordenker beeinflussten zum Teil die in der Gegenwart hervorgehobenen&nbsp;<strong>Hugo Grotius (6)<\/strong>&nbsp;und<strong>&nbsp;John Locke<\/strong>&nbsp;<strong>(7)<\/strong>&nbsp;und andere&nbsp;<strong>(18)<\/strong>, aber auch die \u201e<strong>Bill of Rights<\/strong>\u201c (1689) Text:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.verfassungen.eu\/gb\/gb1689.htm\">http:\/\/www.verfassungen.eu\/gb\/gb1689.htm<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sei noch auf die&nbsp;<strong>Petition of Rights<\/strong>&nbsp;(1627) und die&nbsp;<strong>Habeas Corpus Akte<\/strong>&nbsp;(1679) hingewiesen, die es dem Herrscher und seinen Handlangern verbot, Menschen willk\u00fcrlich zu verhaften, sie einem Richter zu entziehen und sie vor der Verurteilung ins Ausland zu bringen. Das hei\u00dft, das Recht auf Freiheit wurde verst\u00e4rkt. Zudem wurden die Eigentumsrechte gest\u00e4rkt. Das englische Parlament hat den Herrscher gezwungen, die Akte zu unterzeichnen. Wir haben damit auch eine gewisse Form der Gewaltenteilung: Herrscher, Parlament, Gerichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund religi\u00f6sen Drucks wanderten viele Minderheiten-Christen aus Europa in die USA aus. Bekannt sind die Puritaner, aber auch Christen von dem europ\u00e4ischen Festland, die der T\u00e4uferbewegung\u00a0<strong>(3)<\/strong>\u00a0zugeh\u00f6rten. In dieser Tradition der protestantischen Ans\u00e4tze der Menschenrechte steht auch die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung der USA, die im Wesentlichen von\u00a0<strong>Thomas Jefferson (10),\u00a0<\/strong>der den Minderheitenkirchen Religionsfreiheit zugesagt hat, verfasst wurde. Die Pr\u00e4ambel der\u00a0<strong>Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung von 1776<\/strong>\u00a0(Text:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.verfassungen.net\/us\/index.htm\">http:\/\/www.verfassungen.net\/us\/index.htm<\/a>\u00a0) beginnt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir halten diese Wahrheiten f\u00fcr ausgemacht, da\u00df&nbsp;<\/em><strong><em>alle Menschen gleich erschaffen worden, da\u00df sie von ihrem Sch\u00f6pfer mit gewissen unver\u00e4u\u00dferlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Gl\u00fcckseligkeit.&nbsp;<\/em><\/strong><em>Da\u00df zur Versicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingef\u00fchrt worden sind, welche ihre gerechte Gewalt von der Einwilligung der Regierten herleiten; da\u00df sobald einige Regierungsform diesen Endzwecken verderblich wird, es das Recht des Volks ist, sie zu ver\u00e4ndern oder abzuschaffen, und eine neue Regierung einzusetzen, die auf solche Grunds\u00e4tze gegr\u00fcndet, und deren Macht und Gewalt solchergestalt gebildet wird, als ihnen zur Erhaltung ihrer Sicherheit und Gl\u00fcckseligkeit am schicklichsten zu seyn d\u00fcnket.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Gleichheit der Menschen wird in Gott verankert, Regierungen dienen der Umsetzung. Thomas Jefferson nahm die&nbsp;<strong>Virginia Declaration of Rights<\/strong>&nbsp;unter anderem von&nbsp;<strong>George Mason<\/strong>&nbsp; (1776) (Text:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.verfassungen.net\/us\/va\/grundrechteerklaerung76.htm\">http:\/\/www.verfassungen.net\/us\/va\/grundrechteerklaerung76.htm<\/a>&nbsp;) als Grundlage. 15 Jahre sp\u00e4ter, September 1791 wurden die&nbsp;<strong>Bill of Rights<\/strong>&nbsp;beschlossen, in denen es darum geht, dass jeder sein Recht einklagen kann (Text 1787?&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.verfassungen.net\/us\/verf87-i.htm\">http:\/\/www.verfassungen.net\/us\/verf87-i.htm<\/a>&nbsp;).<\/p>\n\n\n\n<p>Man sieht vor allem an Mason, dass eine Zeit in Anbruch ist, in der religi\u00f6se Fundierung kaum mehr eine Rolle spielen wird, sondern es geht um die Betonung der Vernunftgr\u00fcnde. So wandte er sich als Sklavenhalter nicht gegen Sklavenhaltung, weil es unmenschlich sei, wie zum Beispiel der christlich argumentierende&nbsp;<strong>William Wilberforce<\/strong>, sondern weil sie wirtschaftliche Nachteile bringt (obgleich er selbst Sklaven weiterhin besa\u00df; ebenso besa\u00df Jefferson sehr viele Sklaven). So beginnen die Virginia Declaration of Rights ohne Bezug auf Gott, sondern betonen das Naturrecht:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Alle Menschen sind von Natur aus in gleicher Weise frei und unabh\u00e4ngig und besitzen bestimmte angeborene Rechte, welche sie ihrer Nachkommenschaft durch keinen Vertrag rauben oder entziehen k\u00f6nnen, wenn sie eine staatliche Verbindung eingehen, und zwar den Genuss des Lebens und der Freiheit, die Mittel zum Erwerb und Besitz von Eigentum und das Erstreben und Erlangen von Gl\u00fcck und Sicherheit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Artikel 16 nimmt allerdings distanziert Bezug auf den christlichen Glauben, ordnet ihn der Vernunft unter:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Religion oder die Ehrfurcht, die wir unserem Sch\u00f6pfer schulden, und die Art, wie wir sie erf\u00fcllen, k\u00f6nnen nur durch Vernunft und \u00dcberzeugung bestimmt sein und nicht durch Zwang oder Gewalt;<\/em><\/strong><em>&nbsp;daher sind alle Menschen gleicherweise zur freien Religionsaus\u00fcbung berechtigt, entsprechend der Stimme ihres Gewissens; es ist die gemeinsame Pflicht aller, christliche Nachsicht, Liebe und Barmherzigkeit aneinander zu \u00fcben.&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Virginia_Declaration_of_Rights\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Virginia_Declaration_of_Rights<\/a>&nbsp;<strong>(8)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der christliche Glaube wird mit dem Naturrecht verbunden \u2013 beide sind von Gott \u2013 somit ist es auch die Vernunft. Bzw. anders gesagt: Aus der Tradition des christlichen Glaubens wird mit dem Naturrecht argumentiert. Das Naturrecht bleibt &#8211; der christliche Glaube wird gestrichen, ist aber Grundlage der Sicht, denn: die Vernunft kann nicht unbedingt Ma\u00dfstab sein f\u00fcr Menschenrechte. So hatte sie damals eben auch die Sklaverei verteidigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die franz\u00f6sische&nbsp;<strong>Erkl\u00e4rung der Menschen- und B\u00fcrgerrechte<\/strong>&nbsp;(August 1789) (Text:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.verfassungen.eu\/f\/\">http:\/\/www.verfassungen.eu\/f\/<\/a>&nbsp;) steht zwar auf der Basis der zuvor genannten Grundlagen, geht aber in der Pr\u00e4ambel in eigensinniger Weise auf die religi\u00f6se Tradition ein:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDementsprechend anerkennt und erkl\u00e4rt die Nationalversammlung in Gegenwart und unter dem Schutze des&nbsp;h\u00f6chsten Wesens&nbsp;folgende Menschen- und B\u00fcrgerrechte.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Bezeichnung \u201eh\u00f6chstes Wesen\u201c basiert auf der Tradition der&nbsp;<strong>Deisten<\/strong>, die von einem \u201eGott\u201c ausgegangen ist, aber die besondere religi\u00f6s-christliche Komponente nicht einbringen wollte: Es gibt ein transzendentes Wesen, mit ihm die Sch\u00f6pfung und das ewige Leben der Seele \u2013 aber alle Religionen sind ein Abfall von diesem h\u00f6chsten ethischen Wesen. Damit wird auch der Atheismus zur\u00fcckgewiesen. Sie spricht zudem von \u201eheiligen Rechten der Menschen\u201c. Hieran wird sichtbar, dass die philosophische Aufkl\u00e4rung gegen Kirche und Staat st\u00e4rkeren Einfluss bekommen hat. Spannend ist somit Artikel 10:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Niemand soll wegen seiner Anschauungen, selbst religi\u00f6ser Art, belangt werden<\/em>,\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft: die Menschenrechtserkl\u00e4rung gilt auch in religi\u00f6sen Fragen \u2013 was man notgedrungen (so l\u00e4sst die Formulierung ahnen) hineingebracht hat, obgleich man von Religion nichts hielt, sie bek\u00e4mpfte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die amerikanischen Menschenrechte hinaus spricht die franz\u00f6sische Zusammenstellung die Pflichten des Staates an.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was geschah dann mit den Menschenrechten? Nichts. Nationen waren mit sich und ihren Kolonien besch\u00e4ftigt. Man k\u00fcmmerte sich um die Grundrechte der B\u00fcrger oder versuchte als Kommunisten die Rechte der Arbeiter in den Vordergrund zu stellen, oder als Frauen Frauenrechte zu erringen. Es gab damit freilich auch Ans\u00e4tze, die mit Blick auf Menschenrechte weiter f\u00fchrend waren. Zu nennen ist die Ablehnung der Sklaverei (Qu\u00e4ker\/Wilberforce) und der Umgang mit Gefangenen und verletzten Kriegsgegnern (Rote Kreuz). In diesen Aktivit\u00e4ten waren Christen intensiv involviert, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer. Der Frauentag hat eine seiner Wurzeln in einem Weltgebetstag. Die S\u00e4kularisierung nahm weitere Formen an \u2013 bis hin zu der Entwicklung neuer Weltanschauungen, die mit Blick auf die Menschenrechte massive R\u00fcckschritte brachten. Erst nach dem Zusammenbruch der Zivilisation vor 1945 kamen Menschenrechte wieder intensiv in den Blick. Dazu siehe unten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie in dem englischen Ansatz der Menschenrechtsformulierungen nur freie M\u00e4nner eine Rolle spielten und in der amerikanischen Deklaration Schwarze keine Rolle spielen, so spielen auch in der franz\u00f6sischen Frauen keine Rolle (21). Die Menschenrechte gelten im wesentlichen wei\u00dfen M\u00e4nnern, auch wenn sie von \u201eallen Menschen\u201c sprechen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn man die Menschenrechtserkl\u00e4rungen genau liest, dann steht auch heute noch manches an Realisierung aus. Menschen erkennen, was richtig ist \u2013 formulieren es auch \u2013 sind aber nicht in der Lage, aus welchen vielf\u00e4ltigen Gr\u00fcnden auch immer, diese sofort umzusetzen. Woher wissen Menschen aber, was richtig ist? Das Naturrecht bzw. wie oben besser gesagt: das Naturrecht in Kombination mit dem Willen Gottes als Ma\u00dfstab und der damit verkn\u00fcpften Vernunft weisen den Weg.<\/strong>&nbsp;<strong>(9)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Antike \u2013 Mittelalter <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schon der Gelehrte und Wanderprediger\u00a0<strong>Manegold von Lautenbach<\/strong>\u00a0(1040-1103) hat einen vorsichtigen Ansatz vorgebracht, der davon spricht, dass der Herrscher abgesetzt werden k\u00f6nne, wenn er seinen Pflichten gegen\u00fcber dem Volk nicht nachkommt. Das h\u00e4ngt zusammen mit der Auseinandersetzung zwischen Papst und Herrscher \u2013 und Manegold ergreift Partei f\u00fcr den Papst. In England hat K\u00f6nig Heinrich I. die Charta der Freiheiten\u00a0<strong>(Charta of Liberties<\/strong>\/Charta libertatum; 1100) formuliert, mit der unter anderem Lehensverh\u00e4ltnisse geordnet wurden. Beides wurde dann von dem Erzbischof\u00a0<strong>Stephen Langton<\/strong>\u00a0aufgenommen, um die\u00a0<strong>Magna Charta<\/strong>\u00a0(Letztfassung 1215\/25) (Text:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.verfassungen.eu\/gb\/index.htm\">http:\/\/www.verfassungen.eu\/gb\/index.htm<\/a>\u00a0) zu entwerfen, die dem K\u00f6nig gegen\u00fcber dem Adel Grenzen setzt: Recht steht \u00fcber dem K\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wisset, da\u00df wir, in&nbsp;<strong>Gegenwart Gottes<\/strong>&nbsp;und zum Heil unserer Seele und der Seelen unserer Vorfahren und Erben, zur Ehre Gottes und zur Erh\u00f6hung seiner heiligen Kirche und zum Besten unseres Reichs, auf den Rath unserer ehrw\u00fcrdigen V\u00e4ter: Stephan, Erzbischof von Canterbury,\u2026 Gott verwilliget, und durch diesen unseren Freibrief f\u00fcr uns und unsere Erben f\u00fcr immer best\u00e4tigt haben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Magna Charta, die zun\u00e4chst nur dem Adel bestimmte Privilegien und Grundrechte garantierte,&nbsp;ist f\u00fcr die Entwicklung der Menschenrechte und Demokratie wichtig. Sie enth\u00e4lt das Recht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren und das Verbot unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger Bestrafung und Enteignung sowie das Recht auf Eigentum.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/800-jahre-magna-carta-die-mutter-der-menschenrechte\/1351050\">https:\/\/www.spektrum.de\/news\/800-jahre-magna-carta-die-mutter-der-menschenrechte\/1351050<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Was die Basis dieser Anstrengungen betrifft, die W\u00fcrde des Menschen \u2013 jedes Menschen \u2013 wurde auch vorher schon viel in christlichen Kreisen nachgedacht. Manches wurde von heidnischen Ans\u00e4tzen \u00fcbernommen \u2013 und wie jede neue Zeit es tut \u2013 modifiziert. Wichtig f\u00fcr die Frage der W\u00fcrde war der Glaube, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist.\u00a0Der\u00a0<strong>Sachsenspiegel,<\/strong>\u00a0der um 1220 entstanden ist, argumentiert mit dem \u201eErl\u00f6sertod Jesu\u201c die Freiheit eines jeden Menschen.\u00a0 Der\u00a0<strong>Schwabenspiegel<\/strong>, entstanden um 1275 erkennt nirgends im Alten Testament, dass ein Mensch einem anderen geh\u00f6rt, er geh\u00f6rt allein Gott, dem er dienen soll.\u00a0<strong>(20)<\/strong>\u00a0Diese Rechtssammlungen hatten gro\u00dfen Einfluss, obgleich sie von Gelehrten der Universit\u00e4ten kritisiert wurden. Sie meinten, Jesu Erl\u00f6sertod m\u00fcsse auf Folgen im Jenseits beschr\u00e4nkt werden. Diese Str\u00f6mungen der Universit\u00e4tstheologie hat Luther dann auch in Frage gestellt, wie oben gesehen. Das hei\u00dft: Auf der Basis des christlichen Glaubens k\u00f6nnen Christen unterschiedlicher Meinung sein. Das h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab. Dazu siehe:\u00a0<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/theologie-weg-lern-prozess\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/theologie-weg-lern-prozess\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Thomas von Aquin<\/strong>\u00a0(1225-1274), der sehr einflussreiche Kirchenlehrer, griff antike Vorstellungen von \u201eMenschenrechten\u201c auf, hat sie aber gleichzeitig im christlichen Sinn uminterpretiert: Naturrecht h\u00e4ngt mit Gott-Ebenbildlichkeit des Menschen zusammen: Der Mensch als Ebenbild Gottes hat Verstand, als solcher kann er erkennen, welche gesellschaftliche Ordnung Gott vom Menschen verlangt. Und diese menschenfreundliche Ordnung ist in Jesus Christus erkennbar.\u00a0<strong>(2)<\/strong>\u00a0\u00c4hnlich schon\u00a0<strong>Augustinus<\/strong>\u00a0[354-430]: G\u00f6ttliche Vernunft erkennt, dass die Gesetze der Menschen mit dem ewigen Gesetz Gottes \u00fcbereinstimmen m\u00fcssen. Darum: Wenn menschliches Gesetz nicht mit dem g\u00f6ttlichen Gesetz \u00fcbereinstimmt, sei es nicht verpflichtend. Der Mensch ist frei, der weltliche Staat hat f\u00fcr Gerechtigkeit zu sorgen, das hei\u00dft daf\u00fcr, dass der Mensch ein Gott gem\u00e4\u00dfes Leben realisieren kann. Das bedeutet: ein tugendhaftes Leben, ein Wirken, das Bildung und Erziehung f\u00f6rdert. Grundlage f\u00fcr ein solches Leben ist Frieden. Daf\u00fcr hat der Staat auch zu sorgen. Diese sp\u00e4ter versch\u00e4rfte Sicht, dass der Staat daf\u00fcr zust\u00e4ndig ist, den Menschen ein Leben zu erm\u00f6glichen, das zu Gott f\u00fchrt, wurde in der Neuzeit fallen gelassen: Der Staat ist nur noch daf\u00fcr zust\u00e4ndig, der Religion die Rahmenbedingungen daf\u00fcr zu erm\u00f6glichen. Es ist nicht seine Aufgabe, zwischen religi\u00f6ser Wahrheit und Unwahrheit zu entscheiden. Das m\u00fcssen die Konfessionen selbst tun, im Rahmen der Gesetze, die der s\u00e4kulare Staat errichtet. Gleichzeitig ist jedoch zu erw\u00e4hnen, dass die von Augustinus erw\u00e4hnten Aspekte nur zum Teil mit unseren gegenw\u00e4rtigen Vorstellungen kompatibel sind.\u00a0<strong>(13)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einflussreich war auch&nbsp;<strong>Tertullian<\/strong>&nbsp;(150-220). Auch hier ging es um die Christenverfolgung durch r\u00f6mische Beh\u00f6rden. Gegen diese formuliert er, dass Christen den einen Gott verehren, den die Heiden von Natur aus schon kennen, aber durch den Glauben an G\u00f6tter verf\u00e4lschen. Es ist Menschenrecht und nat\u00fcrliche Freiheit f\u00fcr jeden Einzelnen, zu verehren, was er meint. Er fordert wiederholt Religionsfreiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sollte auch Denker wie den Kirchenlehrer&nbsp;<strong>Gregor von Nyssa<\/strong>&nbsp;(ca. 335-394) nicht \u00fcbergehen, der den Menschen als K\u00f6nig sieht (vgl. 1. Petrus): Der Mensch hat \u00c4hnlichkeit mit dem K\u00f6nig des Alls, hat zusammen mit diesem Urbild W\u00fcrde. Die W\u00fcrde dieses K\u00f6nigtums ist gegeben, der Mensch ist geschm\u00fcckt mit Tugend, Unsterblichkeit und Gerechtigkeit. Gregor von Nyssa spricht insgesamt vom Menschen, dem g\u00f6ttliche Sch\u00f6nheit verliehen wurde \u2013 und nicht von Herrschern. Was er schreibt, gilt von allen.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal kurz zur\u00fcck ins Mittelalter.&nbsp;<strong>Nikolaus von Kues<\/strong>&nbsp;(1401-1464) sieht, dass alle Menschen von Geburt aus gleich sind und gleiche, nat\u00fcrliche Rechte haben. Warum? Weil der g\u00f6ttliche Same in allen ist.&nbsp;<strong>(17)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>All das ist freilich nicht so ganz neu. Schon alttestamentlichen Schriften geht es um diese Themen. Jede Gesellschaft, die geordnet ist, muss sich entsprechende Vorschriften geben. Diese gehen dann in bestimmten Zeiten verloren, m\u00fcssen wieder neu erk\u00e4mpft werden. Werden dann aber nicht nur neu erk\u00e4mpft, sondern auch weiter gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die 10 Gebote allen Menschen gelten, hat schon&nbsp;<strong>Philon von Alexandrien<\/strong>&nbsp;im 1. Jahrhundert erkannt. Es dauerte allerdings, bis Hugo&nbsp;<strong>Grotius<\/strong>&nbsp;von \u201eMenschenrechten\u201c (auch auf der Basis der Gottebenbildlichkeit und wie seine Vordenker alle Menschen einbezog) sprach.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man die\u00a0<strong>10 Gebote<\/strong>\u00a0umformuliert, haben wir \u00fcbrigens schon ein paar der Menschenrechte. Die Fragen des Gesetzes und Rechts in alter Zeit dienen bekanntlich der Regelung des Zusammenlebens \u2013 und dienen auch dem Schutz des anderen, so zum Beispiel die alttestamentliche Gesetzgebung. Das Gebot\u00a0<em>Du sollst nicht t\u00f6ten<\/em>, beinhaltet: Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben; Das Gebot:\u00a0<em>Du sollst nicht stehlen<\/em>, beinhaltet: jeder Mensch hat ein Recht auf Eigentum\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>Es ging den alten Kulturen jedoch nicht in erster Linie um den Schutz vor \u00dcbergriffen eines Staates (den es so noch nicht gab), sondern um den Schutz des Individuums und der Gesellschaft vor den \u00dcbergriffen von Individuen.<\/em>&nbsp;Aber: Wir finden schon im Buch&nbsp;<strong>Deuteronomium<\/strong>&nbsp;<strong>K\u00f6nigsgesetze<\/strong>. So hei\u00dft es in Kapitel 17,14ff., dass die hier vorgelegten Gesetze zum Schutz Einzelner und der Gemeinschaft auch vom K\u00f6nig einzuhalten sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mitte des 20. Jahrhunderts erntete man die Fr\u00fcchte der Vordenker seit vor allem dem 16. Jahrhundert. Die UN, die 1945 gegr\u00fcndet wurde, arbeitete an der Menschenrechts Charta \u2013 die\u00a0<strong>Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte<\/strong>. Sie wurde 1948 nach dem Krieg ver\u00f6ffentlicht.\u00a0<strong>(15)<\/strong>\u00a0Die schlimmen Erfahrungen mit der Missachtung der Menschenrechte durch den Nationalsozialismus und vermutlich auch des Kommunismus fanden Eingang. Unter der Leitung von\u00a0<strong>Eleanor Roosevelt<\/strong>, die in Fragen der Menschenrechte sehr aktiv war, haben verschiedene Menschen daran gearbeitet, so der katholische franz\u00f6sische Philosoph\u00a0<strong>Jacques Maritain<\/strong>, der sich sehr intensiv mit Thomas von Aquin befasste\u00a0<strong>(5)<\/strong>, der griechisch-orthodoxe, evangelikale libanesische Christ\u00a0<strong>Charles Malik<\/strong>, der kanadische Jurist\u00a0<strong>John Peter Humphrey<\/strong>, Methodist, der sich als einen bezeichnet, der in seiner Jugend sehr religi\u00f6s gewesen sei, der j\u00fcdische Jurist\u00a0<strong>Ren\u00e9 Cassin<\/strong>, der Chinese\u00a0<strong>Peng-chun Chang<\/strong>, der meinte, dass die Aufkl\u00e4rung in Fragen der Menschenrechte mit der chinesischen Rezeption nach Europa kam. Er ist auch daf\u00fcr verantwortlich, dass in ihr kein Bezug auf Gott genommen wird, da auch Atheisten diese Erkl\u00e4rung unterst\u00fctzen m\u00fcssten (Sowjetunion war Kommunistisch, China noch nicht) und war der Meinung, dass das Naturrecht ausgeklammert werden sollte, weil es nur abendl\u00e4ndischer Kultur entspr\u00e4che, allerdings der Begriff \u201eGewissen\u201c\u00a0 universal anerkannt sei.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an W\u00fcrde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Br\u00fcderlichkeit begegnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es f\u00e4llt also auf, dass trotz der Mitarbeit religi\u00f6ser Menschen und trotz der religi\u00f6sen Tradition der Menschenrechte, eine S\u00e4kularisierung stattfand, die man als \u201es\u00e4kularisierende Nachkonstruktion\u201c (Dilcher\/Staff: Christentum und modernes Recht,1984,282) bezeichnet. Das Problem der s\u00e4kularisierenden Nachkonstruktion besteht darin, dass damit die Basis der Argumentation fehlt (Gottebenbildlichkeit, Verkn\u00fcpfung des Naturrechts mit dem Gottes-Recht, von dem die Interpretation des Naturrechts als Recht lebt). Man muss \u201eW\u00fcrde\u201c des Menschen konstatieren, kann sie nicht begr\u00fcnden. Ebenso wird einfach behauptet, dass alle Menschen frei und gleich an W\u00fcrde und Rechten geboren seien. Diese Behauptung schwebt ohne den Gottesbezug in der Luft, kurz: Das bleibt unbegr\u00fcndet, was die Vorfahren mit Blick auf Gott begr\u00fcndeten. Von daher k\u00f6nnte es sein, dass&nbsp;<strong>Jacques Maritain<\/strong>&nbsp;1951 die Menschenrechtserkl\u00e4rung als \u201epraktische Ideologie\u201c bezeichnet hat, weil sie einen Kompromiss darstellt, um m\u00f6glichst viele daf\u00fcr zu gewinnen. Und, wie Klaus Dicke mit Blick auf die Menschenrechtserkl\u00e4rung&nbsp;<strong>Nikolaus von Kues<\/strong>&nbsp;(1401-1464) zitiert, der meinte, wo Menschen zu einem guten Kompromiss finden, hatte Gott seine Hand im Spiel. Kurz sei noch auf das Wort \u201eBr\u00fcderlichkeit\u201c hingewiesen. Menschen werden nicht Br\u00fcder, sie sind Br\u00fcder, weil sie Kinder Gottes sind. Christen haben sich als Kinder Gottes als Geschwister gesehen. Die Geschwisterschaft aller Menschen ist in der s\u00e4kularen Zeit auch von dem Vorzeichen \u201eGott\u201c gel\u00f6st worden, h\u00e4ngt somit in der Luft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-db9039b3e9a7ad8c0bc1851a6168f701\" style=\"color:#f80f0f\"><strong>Aufgabe:<\/strong>\u00a0Gib den jeweiligen Abschnitten \u00dcberschriften:<\/p>\n\n\n\n<p>a)<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Situation der Neuzeit eine andere. Es ging im Mittelalter um die Auseinandersetzung von Adel und K\u00f6nig, Kirche und Herrscher \u2013 um Herrschaftsvertr\u00e4ge \/ Freiheitsbriefe. In der Nachreformationszeit ging es darum, dass die unterdr\u00fcckten Christen sich gegen andere Christen und deren Herrschaften behaupteten \u2013 und zwar mit Hilfe der Bibel. Aber die dort entstandene Argumentation wurde in der Moderne aufgegriffen und s\u00e4kular-philosophisch und s\u00e4kular-metaphysisch (\u201eh\u00f6chstes Wesen\u201c, Naturrecht) transformiert. Aber auch das nicht ohne politischen Zeitbezug: Hier ging es um den Kampf gegen den absolutistischen Staat, als deren Gehilfe die Kirche angesehen wurde. Die Zeitgeschichte wie die Rezeptionsgeschichte d\u00fcrfen nicht \u00fcbergangen werden. Das gilt auch f\u00fcr die UN-Menschenrechtserkl\u00e4rung. Aber die Argumentation der Christen in Fragen des Menschenrechts hat sich bis ins 20. Jahrhundert hinein in die Bewegung der Schwarz-Amerikaner hinein behauptet und gro\u00dfe Wirkung entfaltet, sichtbar an\u00a0<strong>Martin Luther King<\/strong>\u00a0und vielen anderen dieser Bewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>b)<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig darf man freilich nicht leugnen, dass es in weiten Kreisen der Kirchen bis in die h\u00f6chsten Kreise (Papst\/Kirchenleitungen) immer wieder Widerstand gegen die Freiheitsbestrebungen bzw. gegen die Durchsetzung einzelner weiterer Menschenrechte gab. In diesen Zusammenh\u00e4ngen spielte die Machtfrage eine gro\u00dfe Rolle, die Kirchenmenschen verblendete, sodass sie die Argumentation auf der biblischen Basis ablehnten. Gerade aber diese Ablehnung f\u00f6rderte das argumentative Durchdringen und das Begr\u00fcnden der Menschenrechte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem darf nicht \u00fcbersehen werden, dass die s\u00e4kular-atheistischen Versuche in Europa, Menschenrechte zu propagieren, gleichzeitig mit einem massiven Kampf gegen den christlichen Glauben stattfand. Es wurden von Christen vielfach also nicht die Menschenrechte abgelehnt \u2013 man war auf diese Angriffe, auf die atheistischen und s\u00e4kularen Angreifer und auf die Verteidigung konzentriert. Dass man dabei zum Leid f\u00fchrend \u00fcbertrieben hat, wird aus der Retrospektive klar. Das hat sich aber ge\u00e4ndert \u2013 eben mit Blick auf die Urspr\u00fcnge des christlichen Glaubens und unter Ber\u00fccksichtigung der Vorarbeiten christlicher Denker.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig (!) haben Christen daran mitgewirkt, dass der Staat s\u00e4kulare Gesetze erlassen kann, damit die konfessionellen Auseinandersetzungen kontrolliert werden k\u00f6nnen und nicht die Gesellschaft spalten. Kirchen haben sich nicht als ganze den Ver\u00e4nderungen gegen\u00fcber gesperrt. Es geh\u00f6rt zur Aufgabe des Christentums, das S\u00e4kulare mit zu pr\u00e4gen und zu durchdringen.\u00a0Ganz im Sinne der Vorgaben Gottes: Menschwerdung.\u00a0<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/theologischer-entwurf-bonhoeffer\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/theologischer-entwurf-bonhoeffer\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>c)<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird hier deutlich, dass sich Menschenrechte langsam entwickelten. Die Vorfahren wussten noch, wem sie die Menschenrechte zu verdanken haben. (Auch noch&nbsp;<strong>Hegel<\/strong>&nbsp;erkennt, dass erst der christliche Glaube den Menschen als ein freies Wesen ansieht, weil vor Gott alle Menschen frei sind, Jesus Christus den Menschen befreit hat.&nbsp;<strong>(4)<\/strong>) In der Aufkl\u00e4rung hat man die Argumentation dann langsam vom christlichen Glauben gel\u00f6st \u2013 ganz im Sinne der ideologischen Vorgabe des S\u00e4kularismus, dass man Gott nicht in die Argumentation einbeziehen darf. Allerdings hat man das Naturrecht aus Gott hergeleitet: Mit dem von Gott gegebenen Verstand kann man das Vern\u00fcnftige erkennen und f\u00fcr die Gesellschaft durchsetzen. Die Berufung auf das vorchristliche aber christianisierte Naturrecht war ein kluger Ausweg, um die theologischen Streitigkeiten zu vermeiden. An die Stelle Gottes r\u00fcckte dann jedoch sp\u00e4ter das von Gott gel\u00f6ste, das unbestimmte Naturrecht. Unbestimmt bedeutet: Es darf nicht mehr hinterfragt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>d)<\/p>\n\n\n\n<p>Den christlichen Denkern vorzuwerfen, dass ihr Denken keinen Widerhall in der Realit\u00e4t hatte, ist insofern absurd, als das Denken der Philosophen immer der Realisierung vorausgeht. Wie lange dauerte es, bis manche Vorstellungen von Kant realisiert wurden? Und viele Menschenrechte von vor 300 Jahren harren noch immer der Realisierung. Obgleich es keinen Anhaltspunkt hat, wird diese Aussage von vielen einfach unbegr\u00fcndet wiederholt. Zudem ist es nicht nachvollziehbar, dass Christen sich etwas ausgedacht haben, und davon ausgegangen sind, dass es irdisch nicht umgesetzt werden m\u00fcsse. Man denke an Jesus, an Paulus, an die Ermahnungen des Jakobusbriefes und der Apokalypse, an die Apologeten, usw. usw. Auch Augustinus wollte das freie Leben der Christen nicht, damit sie dann regelm\u00e4\u00dfig in den Gottesdienst gehen k\u00f6nnen, sondern damit sie ihren Glauben sozial leben k\u00f6nnen. Die Christen in der Fr\u00fchzeit waren sozial auch \u00e4u\u00dferst aktiv (Tafeln und Krankenh\u00e4user wurden nicht in der Gegenwart erfunden).<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist das Verh\u00e4ltnis zu den Herrschern vielfach eines der Unterw\u00fcrfigkeit (Christen geh\u00f6rten nicht den Oberschichten, der Elite an), was allerdings schon durch Propheten und dann sp\u00e4ter auch im heidenchristlichen Bereich massiv durch Ambrosius unterlaufen wurde: Auch der Herrscher geh\u00f6rt Gott \u2013 er ist nicht Gott. Dass der christliche Glaube \u00fcberwiegend den Einzelnen anspricht und nicht den Staat \u2013 also das Kollektiv \u2013 vor Forderungen stellt, d\u00fcrfte damit zusammenh\u00e4ngen, dass zumindest in den ersten Jahrhunderten Christen in der Minderheit lebten. Da ging es darum, dass der Einzelne seine neue Sicht lebt und trotz Angriffen nicht m\u00fcde wird, sozial zu leben. Je st\u00e4rker der christliche Glaube sich durchsetzte, desto st\u00e4rker wurden auch die Forderungen an die Herrscher. In den ersten Jahrhunderten spielten die Herrscher \u2013 je nach Schicht und lokalen Gegebenheiten \u2013 kaum eine Rolle, weil sie mit dem Alltag des normalen Menschen wenig zu tun hatten. Das \u00e4nderte sich dann, als nationale Interessen in den Vordergrund traten. Es kommt nicht von ungef\u00e4hr, dass die Auseinandersetzungen vor allem in England stattfanden.<\/p>\n\n\n\n<p>e)<\/p>\n\n\n\n<p>Der krampfhafte Versuch mancher extremer S\u00e4kularisten die Menschenrechte von der christlichen Tradition des Westens zu l\u00f6sen, kommt nicht von ungef\u00e4hr. Ist sie doch der Versuch, den Menschen von Gott abzuwenden. Und so lange Menschenrechte von Gott bzw. dem Glauben an Gott, der sich in Jesus Christus dem Menschen zugewandt hat, hergeleitet werden, kann man nicht mit atheistischer Diktion sagen, dass die Religion nur Elend bringt, weil sie \u00fcbel ist. Mit Feuerbach: Der Mensch konzentriert sich auf den Menschen, der Mensch kann alles, macht alles \u2013 er erschafft sich selbst Gott. Und weil der Mensch alles kann und macht, muss er sich, ganz nach Nietzsche, zum \u00dcbermenschen (also unabh\u00e4ngig von den Vorgaben Gottes) weiterentwickeln. Das hei\u00dft: Auch letztlich losgel\u00f6st vom wie auch immer interpretierten Naturrecht. Das Beharren auf das Naturrecht mancher bis in die Gegenwart wird sich angesichts des Anthropozentrismus und der damit verbundenen Ablehnung des metaphysischen Naturrechts, auch s\u00e4kular-atheistisch nicht mehr lange aufrechterhalten lassen. (Siehe\u00a0<strong>(9)<\/strong>\u00a0)<\/p>\n\n\n\n<p>f)<\/p>\n\n\n\n<p>Die nachtr\u00e4glichen Begr\u00fcndungen der Menschenrechte aus dem 20.\/21. Jahrhundert werden herangezogen, um den Menschenrechten ein Fundament zu geben. Diese nachtr\u00e4glichen Begr\u00fcndungen waren denen, die die Menschenrechte begr\u00fcndet haben, als Argumente so nicht bekannt. Sie sind also als sekund\u00e4r anzusehen. Als Grundlage der Moderne:<\/p>\n\n\n\n<p>So hei\u00dft es: Erst dann, wenn sich der Mensch als Subjekt seines Menschseins begreift und dieses Begreifen beinhaltet, es auf alle anderen Menschen rechtlich zu \u00fcbertragen, dann kann es sowas wie Menschenrechte geben. Das hei\u00dft, die Menschenrechte sind im Menschen und nicht auf j\u00fcdisch-christlichem Fundament gegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Bedarf man dann \u00fcberhaupt einer Begr\u00fcndung? Menschenrechte gibt es, weil der Mensch Mensch ist \u2013 also eine selbstreferentielle Begr\u00fcndung.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Interpretation \u00fcbergeht freilich das Selbstverst\u00e4ndnis derer, die als Vorl\u00e4ufer der Menschenrechte die Menschenrechte mit gepr\u00e4gt und argumentativ begr\u00fcndet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>g)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage, die sich stellt, wenn die moderne unter f) genannte selbstreferentielle Begr\u00fcndung stimmen sollte: Warum haben sich die Menschenrechte im Wesentlichen in der j\u00fcdisch-christlichen Kultur entwickelt? Hat sich erst in Europa der Mensch als Mensch erkannt? Letztlich versucht der moderne Philosoph die Menschenrechte auf moderner Philosophie zu begr\u00fcnden. Spannend ist zu sehen, wie philosophische Ans\u00e4tze von der vielf\u00e4ltigen geschichtlichen Realit\u00e4t absehen und nachtr\u00e4glich eine philosophische Begr\u00fcndung f\u00fcr das suchen, was Menschenrechte unabh\u00e4ngig von der religi\u00f6sen Entwicklung ausmacht. Diese nachtr\u00e4gliche Begr\u00fcndung muss dann logisch so wasserdicht abgesichert werden, dass sie im Grunde nur noch redundant sein kann. Realit\u00e4t l\u00e4sst sich nicht nachtr\u00e4glich in ein wasserdichtes System einpressen. Es ist gut, dass Philosophie das versucht \u2013 denn sonst w\u00e4re Menschenw\u00fcrde\/Menschenrecht s\u00e4kular noch weniger durchzusetzen. Aber es sollte nicht durch Ausblenden dessen geschehen, was nicht in das moderne Weltbild passt.<\/p>\n\n\n\n<p>h)<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird deutlich, auch an den Erkl\u00e4rungen zum Thema Menschenrechte nach 1948, dass kaum mehr Begr\u00fcndungen anzutreffen sind. Der \u201eGlaube\u201c an Menschenrechte ist keine Begr\u00fcndung. Im Wesentlichen wird hervorgehoben, dass die Einhaltung der Menschenrechte, die Zusammenarbeit der Staaten untereinander, gut f\u00fcr die Menschen bzw. f\u00fcr die Staaten sind (s.\u00a0<strong>[15]<\/strong>). Allerdings zeigt sich, dass seit der Formulierung dieser Erkl\u00e4rungen die Politik immer wieder darum ringen muss, denn was f\u00fcr die jeweiligen Staaten und den Menschen gut ist, ist gelinde gesagt umstritten und f\u00fchrt nicht selten an den Rand milit\u00e4rischer, wirtschaftlicher, sozialer und moralischer Konfrontationen.<\/p>\n\n\n\n<p>i)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bez\u00fcge zum christlichen Glauben scheinen nur von historischem Interesse zu sein. Hauptsache, die Menschen erringen die Menschenrechte und k\u00f6nnen in ihnen leben. Das w\u00fcrde auch bedeuten, philosophische Begr\u00fcndungen abzulehnen. Kann man auf Begr\u00fcndungen verzichten? Kaum. Wenn die Menschenrechte nicht durch Argumente gest\u00fctzt werden, kann es Zeiten geben, in denen Gegenargumente gesucht und gefunden werden. Das hie\u00dfe: Ohne Fundament der Menschenrechte kann man sie leichter umsto\u00dfen. Das gilt auch, wenn man Menschenrechte und ihre Durchsetzung nur auf Sympathie und Gef\u00fchl basieren l\u00e4sst. Es bleibt zu hoffen, dass die s\u00e4kulare Argumentation noch lange \u00fcberzeugt. F\u00fcr den Fall, dass nicht, ist es gut zu wissen, dass sie auf einer anderen Basis stehen, die in die Diskussion eingebracht werden kann. So zeigt ja schon Peng-chun Chang, dass er Konfuzius aus der Perspektive der westlichen Menschenrechte liest \u2013 aber genauso gut kann man, weil die Basis \u201eGott\u201c fehlt, die Menschenrechte aus der Perspektive des Konfuzius interpretieren \u2013 dann sind sie aber nicht mehr das Befreiende.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kurz: Die Aufgabe von Christen sehe ich darin, weiterhin die christliche Grundlage der Menschenrechte darzulegen, damit zumindest Christen nicht mehr hinter die bislang errungenen Menschenrechte zur\u00fcckfallen, nur weil die S\u00e4kularen um Argumente ringen. Letztlich wird es vermutlich sowieso so sein, dass es eine vielfache Begr\u00fcndung der Menschenrechte geben muss, weil es unterschiedliche Kulturen und innerhalb der Kulturen auch unterschiedliche Weltbilder gibt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Man muss schon mit Schrecken feststellen, dass es noch zu viele Christen gibt, die Folter verteidigen, Todesstrafe und andere Formen der Erniedrigung von Menschen, so zum Beispiel durch Rassismus und Sexismus. Auch wenn offizielle christliche Verlautbarungen die Menschenrechte st\u00e4rken, so ist das \u2013 Gott sei es geklagt \u2013 noch lange nicht zu allen Menschen durchgedrungen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>(1)<\/strong>\u00a0<strong>Puritaner<\/strong>\u00a0waren fromme Menschen, die ihr Leben auf der Basis der Bibel lebten. Von daher ist der Gedanke der Gleichheit aller Menschen mit Blick auf den Apostel Paulus in die Diskussion gekommen. Freilich haben auch Puritaner in den USA anf\u00e4nglich die Sklaverei nicht gebrandmarkt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(2)<\/strong>\u00a0Kurios finde ich die Aussage, die Menschenw\u00fcrde sei nicht bei\u00a0<strong>Thomas<\/strong>\u00a0<strong>von Aquin\u00a0<\/strong>zu finden, weil er f\u00fcr die Todesstrafe spricht. In der damaligen Zeit konnte man nicht anders mit Gewaltt\u00e4tern umgehen und zudem bedeutet der Versuch, sich vor Gewaltt\u00e4tern zu retten, nicht, dass man ihnen die Menschenw\u00fcrde, also Gottebenbildlichkeit abspricht. Der Mensch muss sich dazu bringen, Gottes Willen immer besser zu tun. Das hei\u00dft aber nicht, dass nur derjenige W\u00fcrde hat, dem das gelingt. Ich denke, eine solche Vorstellung w\u00e4re f\u00fcr Thomas und alle, die das Individuum in den Blick nehmen, absurd. Das gilt auch f\u00fcr die\u00a0<strong>Humanisten<\/strong>, die st\u00e4rker auf das Bildungsideal setzten: Mensch ist nicht nur derjenige, der das Bildungsziel erreicht hat. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Menschen ist das Potential, sich abw\u00e4rts zu drehen wie auch aufw\u00e4rts. Gegen:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.kas.de\/c\/document_library\/get_file?uuid=25c72ae7-ebee-6b38-c0da-56f2fbe83705&amp;groupId=252038\">https:\/\/www.kas.de\/c\/document_library\/get_file?uuid=25c72ae7-ebee-6b38-c0da-56f2fbe83705&amp;groupId=252038<\/a>\u00a0Vgl. zu Thomas auch\u00a0<a href=\"https:\/\/www.netzwerk-menschenrechte.de\/mittelalter-und-die-reception-des-naturrechts-1177\/\">https:\/\/www.netzwerk-menschenrechte.de\/mittelalter-und-die-reception-des-naturrechts-1177\/<\/a>\u00a0Und Augustinus:\u00a0<a href=\"https:\/\/publishup.uni-potsdam.de\/opus4-ubp\/frontdoor\/deliver\/index\/docId\/4348\/file\/sgm07.pdf\">https:\/\/publishup.uni-potsdam.de\/opus4-ubp\/frontdoor\/deliver\/index\/docId\/4348\/file\/sgm07.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle sei noch ein Aspekt angesprochen:\u00a0<em>Ist das individuelle Recht, Selbstjustiz zu \u00fcben, den Menschenrechten angemessen oder die Durchsetzung des Gewaltmonopols des Staates?<\/em>\u00a0Bei\u00a0<strong>Luther\u00a0<\/strong>finden wir das Thema in einem Brief an\u00a0<strong>Hans Kohlhase,<\/strong>\u00a0der angesichts durch Herrscher erlittenen Unrechts Selbstjustiz \u00fcbte (und letztlich hingerichtet wurde). Luther gab ihm zu bedenken, dass er es lassen solle, denn Gott wird der R\u00e4cher sein und das Anliegen von Kohlhase in die Hand nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(3)<\/strong>\u00a0<strong>T\u00e4ufer<\/strong>\u00a0bzw. Wiedert\u00e4ufer werden Gruppen aus der Reformationszeit genannt, die auch als Kind getaufte Christen wieder neu taufen lie\u00dfen, weil die Kindertaufe in der Bibel nicht zu finden sei. Diese Gruppen, wie man daran sieht, legen die Bibel zum gro\u00dfen Teil w\u00f6rtlich aus. T\u00e4ufergruppen wurden von beiden Konfessionen verfolgt, sie sind \u2013 wegen des Feindesliebegebotes Jesu \u2013 sehr friedlich (Gewaltlosigkeit). Es sind f\u00fcr das Thema \u201eMenschenrechte\u201c ganz besondere Gruppen, die an dieser Stelle jedoch nicht intensiver dargelegt werden k\u00f6nnen. (Dazu siehe die Beitr\u00e4ge auf diesen Seiten zum Thema: Menschenw\u00fcrde, Sklaverei und Friede.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(4)<\/strong>\u00a0<strong>Hegel<\/strong>\u00a0Einleitung zur Geschichte der Philosophie (ThW 18,68f \/ SW 17,79f).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(5)<\/strong>&nbsp;<strong>Jacques Maritain<\/strong>&nbsp;hat viel \u00fcber Menschenrechte geschrieben. Von einem Werk (Christlicher Humanismus, 1935; dt: 1936) sollen 22 Menschenrechtsartikel in der UN Menschenrechtscharta Eingang gefunden haben. Jacques Maritain hat neben anderen auch die Geschwister Scholl beeinflusst. Der zweite Mensch, der sich in Europa massiv f\u00fcr Menschenrechte eingesetzt hat, war&nbsp;<strong>Robert Schuman<\/strong>&nbsp;(1886-1963). Auf ihn, den Vision\u00e4r der Einheit Europas, geht die \u201eStra\u00dfburger Konvention f\u00fcr Menschenrechte\u201c und b\u00fcrgerliche Grundfreiheiten zur\u00fcck. Ein Seligsprechungsverfahren f\u00fcr den Katholiken durch den Vatikan wurde eingeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(6)<\/strong>\u00a0Auch wenn\u00a0<strong>Hugo Grotius\u00a0<\/strong>und vor ihm andere die Unabh\u00e4ngigkeit des Naturrechts von der Existenz Gottes betont hat, hei\u00dft das noch nicht, dass sie nicht auf der christlichen Basis argumentieren. Grotius war Deist, das hei\u00dft: Die Vernunft sagt, dass am Anfang der Welt Gott steht. Gott hat das Naturrecht erschaffen und die von Gott gegebene Vernunft l\u00e4sst das Naturrecht erkennen. \u201eDer Sch\u00f6pfer der Natur wollte\u2026\u201c \u2013 und das wird mit dem Verstand erkannt. Vergleichbar mit der Naturwissenschaft: Gott erschuf die Natur, den Menschen usw. \u2013 und die Naturgesetze sind unabh\u00e4ngig vom Glauben an Gott nachvollziehbar. Dazu geh\u00f6rt auch, dass das Naturrecht in diesem starren Sinne \u2013 aufgrund des menschlichen Verstandes \u2013 eindeutig sagt, was Sache ist, der Wille Gottes ist, wie die Konfessionen zeigen, nur schwer zu ermitteln. Es ging ihm auch darum, auf dieser Basis die Konfessionen zu einigen. (Der Lutheraner\u00a0<strong>Samuel von Pufendorf<\/strong>\u00a0[1632-1694] hat die von Gott gegebene Vernunft st\u00e4rker mit dem freien Willen des Menschen verkn\u00fcpft, von daher noch einmal intensiver theologisch begr\u00fcndet von Gott gel\u00f6st.) Darum muss man nicht an Gott glauben, um das Naturrecht erkennen zu k\u00f6nnen, da ja Gott die Vernunft gegeben hat, die erm\u00f6glicht, unabh\u00e4ngig vom Glauben an Gott das Naturrecht erkennen zu k\u00f6nnen. Grotius gibt der Vernunft einen gro\u00dfen Vertrauensvorschuss, den andere Philosophen nicht geteilt haben, vor allem dann nicht, wenn sie die Vernunft nicht von Gott abgeleitet haben.\u00a0<strong>Thomas Hobbes<\/strong>\u00a0(1588-1679) hat ein anderes Modell entworfen: Gott hat erst einmal mit nichts etwas zu tun, darum muss der egoistische Mensch zusehen, wie er klar kommt. Und das, kurz gesagt, indem der Mensch sich dem Souver\u00e4n \/ dem Herrscher unterwirft. Dieser ist nicht dem Menschen verantwortlich, sondern Gott, dem Geber des nat\u00fcrlichen Gesetzes, dem Erm\u00f6glicher einer solchen Sicherheit bringenden Staatenbildung. Darum verlangt Gott vom Herrscher, dass der Souver\u00e4n Frieden und Annehmlichkeiten des Lebens sichert. Anzumerken ist, dass, soweit ich sehe, nicht Gott in der Argumentation des Deisten Hobbes dominant ist, sondern das von Gott gegebene nat\u00fcrliche Gesetz. Dagegen hat\u00a0<strong>John Locke<\/strong>\u00a0herausgearbeitet, dass Gott Sch\u00f6pfer und Eigent\u00fcmer des Menschen ist, darum sind alle gleichgestellt. Das Individuum hat Rechte \u2013 und Pflichten dem Sch\u00f6pfer gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(7)<\/strong>\u00a0<strong>John Locke<\/strong>\u00a0kennt den Gottesbeweis: Menschen erkennen sich als endliche Vernunftwesen, erkennen als solche, dass sie von einem unendlichen Wesen erschaffen worden sein m\u00fcssen, das vern\u00fcnftig ist. Das Naturrecht zeigt die Gleichheit aller Menschen und wie der Mensch sich dem Sch\u00f6pfer gem\u00e4\u00df verhalten solle. \u00dcbrigens hat der Mensch als Individuum Anteil an Gottes Absicht mit allen Menschen \u2013 und von daher darf der Mensch etwas nur dann zur Selbsterhaltung beanspruchen, wenn es anderen nicht schadet. Auch hier muss man sagen: Was John Locke vor ca. 300 Jahren sagte, hat sich heute, im Zeitalter des Kapitalismus noch nicht durchgesetzt. Was das V\u00f6lkerrecht betrifft, wird gegen\u00fcber dem Ansatz von Locke der des Pfarrersohnes\u00a0<strong>Emer de Vattel<\/strong>\u00a0(1714-1767) hervorgehoben. Dieser ist begeistert vom Naturrecht. Das Naturrecht \u2013 wenn es erkannt wird \u2013 wird den Frieden bringen, der Menschheit Gl\u00fcck. Man erkennt die Ideologisierung, Natur tritt als Akteurin (verbal) an die Stelle Gottes. Dennoch spielt f\u00fcr ihn der Glaube an Gott eine sehr gro\u00dfe Rolle, da dieser die Grundlage eines gelingenden Staates ist (Law of Nations \u2013 I \u00a7125ff.). Allerdings ist ihm sehr daran gelegen, die Bedeutung der Kirche dem Herrscher, der sich dem Naturrecht beugt, unterzuordnen. Gleichzeitig ist der Herrscher auch Gott verantwortlich \u2013 und den Menschen, so, wenn er ungerechtfertigter Weise Krieg f\u00fchrt und viel Leiden verursacht (III \u00a7184). Spannend ist mit Blick auf die Grundlage des Naturrechts die Diskussion in \u201eEssay on the Foundation of Natural Law\u2026\u201c (vor allem X und XXIX ff.). Was hier jedoch nicht wiedergegeben werden kann. In diesem Zusammenhang sollte auch Jean Jacques Rousseau erw\u00e4hnt werden, der f\u00fcr die Menschenrechte mit Blick auf die Freiheit des Menschen viel geleistet hat:\u00a0<strong>Jean Jacques Rousseau<\/strong>\u00a0(1712-1778) geht von einer zivilen Religion aus. Verstand und Gewissen \u2013 das angeborene Gef\u00fchl von Gerechtigkeit und Tugend \u2013 sagen, was gut und richtig ist. Und der Verstand von Rousseau sagt, dass das, was die Kirchen sagen, was das Christentum als Offenbarung ansieht, nicht stimmt, es hat sich vom reinen Naturzustand entfernt. Hingegen ist das, was Jesus sagt, vom Verstand und Gewissen abgedeckt. Er war ein gro\u00dfer Bewunderer von Jesus. Dem Philosophen sagen \u00fcbrigens Verstand und Gewissen, dass Intoleranz nicht sein d\u00fcrfe \u2013 aber Atheisten d\u00fcrfen keine Chance bekommen, weil sie Gesellschaft zerst\u00f6rende Egoisten seien. Gott spielt eine gro\u00dfe Rolle, er ist derjenige, der den Naturzustand hergestellt hat, er ist ein Wille, der sich nicht im Verstand, sondern auch im Gef\u00fchl kundgibt, in Liebe, G\u00fcte, heilsamer Freiheit. Der Mensch ist in seinem Naturzustand frei \u2013 und hat sich frei durch einen Sozialvertrag einem Staat zugeordnet, aber er bleibt frei. Freiheit ist die Grundlage des Staates. Am Rande: Faszinierend ist die bewegte Biographie des Philosophen. Auch wenn Rousseau also den Verstand als Beurteilungsinstanz \u00fcber den christlichen Glauben stellt, so liegt seine Basis in der Sch\u00f6pfungsgeschichte, der Pneumatologie, der Ans\u00e4tze Jesu. Auch auf Montesquieu m\u00f6chte ich hinweisen. Seine Bedeutung f\u00fcr die Menschenrechte besteht vor allem darin, dass er die Frage der Menschenrechte mit Blick auf die Gesetze, die Freiheit erm\u00f6glichen, betrachtete, daf\u00fcr die Gewaltenteilung vertiefte:\u00a0<strong>Montesquieu<\/strong>\u00a0(1689?-1755) hat die realexistierende Kirche massiv kritisiert und sich \u00fcber sie lustig gemacht. Allerdings spielt auch f\u00fcr ihn Religion eine Rolle. Gott ist der Ursprung der Gesetze \u2013 setzt sie ein, um die Sch\u00f6pfung zu bewahren, und dieser allgemeine Geist wirkt in allem, was Menschen besch\u00e4ftigt und bestimmt: In der Religion, aber auch in der Moral, dem Klima, politischen Grundlagen usw. Das wirkt Gott aber unabh\u00e4ngig von einer bestimmten Religion. Das bedeutet gleichzeitig, dass Menschen die Gesetze machen, so wie der Urheber der Gesetze es ihnen erm\u00f6glicht, abh\u00e4ngig von Kultur, Geografie usw. Sie machen sie auch nicht, indem sie diese im Naturrecht begr\u00fcnden, sondern indem sie das best\u00e4tigen und f\u00f6rdern, was bislang an Gesetzen gut war \u2013 auch mit Blick auf Gesetze aus der Religion. Wenn allerdings Menschen autonom die Gesetze machen, meinen sie, Gott, den Urheber, vergessen zu k\u00f6nnen. Darum gibt es religi\u00f6se Gesetze, die eine andere Intention haben als das (Angst f\u00f6rdernde und Druck machende) b\u00fcrgerliche Recht: das Streben nach Vollkommenheit, nach Wohlergehen. Diese Gesetze der Religion machen gute B\u00fcrger und sind auch in der Lage, in anarchischen Zeiten an die Stelle b\u00fcrgerlicher Gesetze zu treten (vgl. Luther; \u00e4hnlich argumentierte der f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung in Deutschland wichtige\u00a0<strong>Christian Thomasius<\/strong>\u00a0[1655-1728]). Dagegen:\u00a0<strong>Niccol\u00f2 Machiavelli\u00a0<\/strong>(1469-1527): Er scheint mir der einzige bedeutende Atheist zu sein, weil er auf Gott eher ironisch zur\u00fcckgreift aber im Grunde Gott nicht als Grundlage seiner Sicht ben\u00f6tigt. Nicht Gott steht am Anfang des Staates, sondern der Zufall \u2013 der dann durch Gewalt gefestigt wird. Je gewaltt\u00e4tiger, desto erfolgreicher. Zu recht hat er Gott au\u00dfen vor gelassen: \u00a0Das, was er den Herrschern an rationalisierter Machtgeilheit und Manipulation zuschreibt, d\u00fcrfte sich auch nicht mit der christlichen Tradition in Einklang bringen lassen. Allerdings greift er wie viele andere in dieser Hinsicht eher auf die alttestamentlichen Stellen zu, die seine Sicht unterst\u00fctzen. Das Alte Testament wurde vielfach darum eher in diese Fragestellungen einbezogen \u2013 auch durch Luther \u2013 weil es f\u00fcr die Politik mehr hergibt als das Neue Testament. So ist das Fordern der Todesstrafe f\u00fcr die T\u00e4ufer (Luther) eher mit dem Alten Testament begr\u00fcndbar als mit der Lehre Jesu. Weil sich mit dem Neuen Testament schlechter Realpolitik machen lie\u00df, hat Melanchton Aristoteles st\u00e4rker herangezogen. Weiter zu Machiavelli: Er hat f\u00fcr die Zukunft das begr\u00fcndet und forciert, was vorher zahlreiche r\u00fcckblickend in der Geschichte als negativ gesehen haben: Staaten ohne Gott \/ Gerechtigkeit sind eine gro\u00dfe R\u00e4uberbande (vgl. Augustinus \u2013 als Frage formuliert; vgl. Luther). Von daher wurde Machiavelli auch von manchen Christen, die F\u00fcrsten dazu bringen wollten, sich an christlichen Ma\u00dfst\u00e4ben zu orientieren, kritisiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(8)<\/strong>&nbsp;Interessant ist auch&nbsp;<strong>Thomas Paine<\/strong>&nbsp;(1737-1809) f\u00fcr die Verbreitung der Menschenrechte in weiten Kreisen der Bev\u00f6lkerung. Er als Sohn eines Qu\u00e4kers aus England wanderte in die Vereinigten Staaten aus. Christliche Begr\u00fcndung ist, wie vielfach schon gesehen, auch hier zu finden: Freiheit und Gleichheit sind Ordnung der Sch\u00f6pfung, der Staat hat die Pflicht, das zu garantieren. Spannend ist dass er Hilfe f\u00fcr Notleidende nicht als Almosen ansieht, sondern als Recht. Ihm schwebt eine Art diakonische Arbeit vor, finanziert durch Besteuerung von Reichen. Das ist eine altkirchliche Tradition, die er hier aufgreift.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(9)<\/strong>\u00a0<strong>Jeremy Bentham<\/strong>\u00a0(1748-1832) kritisierte schon die Vorstellung vom Naturrecht, das einer Staatenbildung vorangehe, da niemand da sei, bei dem das Recht einklagbar sei. Naturrecht, das einer Staatenbildung vorausgehe, g\u00e4be es nicht. Das stimmt insofern, als das Naturrecht in der s\u00e4kularen Zeit von Gott gel\u00f6st wird. Denn Gott ist, wie im AT zu sehen derjenige, der darauf achtet, dass Menschen sich dem Gebot gem\u00e4\u00df verhalten bzw. im heidnischen Bereich sind die G\u00f6tter diejenigen, die das tun. Wenn nun das Naturrecht von einer solchen Macht gel\u00f6st wird, fliegt es im Raum herum. Zudem k\u00f6nnen Menschenrechte nicht im Naturrecht begr\u00fcndet werden, da Rechte s\u00e4kular immer sozial begr\u00fcndet werden m\u00fcssen. Natur gibt weder Rechte noch sanktioniert sie die angeblich von ihr stammenden Rechte. Heute kann man den heiklen, weil metaphysischen Bezug auf das Naturrecht fallen lassen, versucht Alternativen zu finden, so die unter\u00a0<em>Fazit d)<\/em>\u00a0erw\u00e4hnte Definition dessen, \u201ewas\u201c ein Mensch ist. Diese ist freilich auch nur vorl\u00e4ufig. In diesem Zusammenhang sei noch angemerkt, dass die Menschenrechte im Augenblick Proklamationen dessen sind, was man f\u00fcr Menschen angemessen h\u00e4lt. Ohne Sanktionierungen k\u00f6nnen auch Menschenrechte nicht als Rechte im strengen Sinn gelten. Von daher ist der\u00a0<em>Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte<\/em>\u00a0(EGMR) und der\u00a0<em>Menschenrechtsgerichtshof in Den Haag<\/em>\u00a0so wichtig \u2013 zumindest als Beginn. Auch wenn das alles eben noch nicht so richtig funktioniert, weil auch die Richter eben Menschen sind, mit ihren politischen und anderen Weltsichten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(10)<\/strong>&nbsp;<strong>Thomas Jefferson&nbsp;<\/strong>mag Deist gewesen sein. Er hat diese Worte verwendet \u2013 und entsprechend muss man auch das Signal der Worte beachten: Er hat Adressaten im Blick, die diese Worte im traditionellen Sinn gelesen haben \u2013 entsprechend die Erkl\u00e4rung auch auf die christliche Tradition zur\u00fcckgef\u00fchrt haben.&nbsp;<strong>Deismus<\/strong>&nbsp;ist \u2013 so sei an dieser Stelle knapp gesagt: Der Versuch von christlichen sozialisierten Philosophen nicht mehr den Theologen zu \u00fcberlassen, wie \u00fcber Gott zu reden ist, sondern Philosophen sind die wahren Gottes-Interpreten. Darum konnten sie sich dann auch mehr oder weniger von Gott l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(11)<\/strong>&nbsp;Man beachte Calvin unter Aufnahme paulinischer Aussage aus dem R\u00f6merbrief: \u201eEs ist eine Tatsache, dass das Gesetz Gottes, welches wir das moralische Gesetz nennen, nichts anderes als das Zeugnis des Naturrechts und des Gewissens ist, das Gott in die Herzen der Menschen geschrieben hat\u201c (<em>Unterricht in der christlichen Religion<\/em>, 4.20.8, 14).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(12)<\/strong>&nbsp;Auch der strenge Katholik&nbsp;<strong>Thomas Morus<\/strong>&nbsp;(1478-1535) sei an dieser Stelle erw\u00e4hnt. Er beschreibt (ernsthaft? augenzwinkernd? resignierend?) eine Utopie. In dieser beschreibt er als Gegenbild zu den Zust\u00e4nden seiner Zeit manches, was uns heute eher kl\u00f6sterlich\/kommunistisch anmutet (kein Privateigentum, alle sind gleich \u2013 auch der K\u00f6nig, alle arbeiten in der Landwirtschaft [gegen die Vertreibung der Bauern und die grassierende Arbeitslosigkeit], nach f\u00fcnf Jahren muss jeder umziehen [gegen die Sesshaftwerdung der Reichen \u2013 anders als die Obdachlosen], der Staat bestimmt die Arbeit der Bev\u00f6lkerung an Allgemeinaufgaben [St\u00e4dter m\u00fcssen bei der Ernte auf dem Land helfen] \u2013 aber nicht \u00fcber die Ma\u00dfen, es gibt den 6-Stunden-Tag \u2013 der Rest der Zeit gilt der Bildung, es herrschen Religionsfreiheit und Toleranz.) Es ist eine Art verwaltender Staatstotalitarismus, in denen es Menschen gut geht. Was in dem Zusammenhang der Menschenrechte wichtig ist: Es wird deutlich, was in dieser Zeit vorgedacht wurde mit Blick darauf, was Menschen gut tut und das Zusammenleben f\u00f6rdert. (Allerdings gibt es noch Leibeigene, gar Sklaven [versklavt werden Ehebrecher].) Dass Morus nicht unbedingt christliche Utopie beschreibt, wird daran deutlich, dass der Gott Mithras im Vordergrund steht. Er mischt die geschilderte Utopie mit der Utopie des vorchristlichen Philosophen Platon.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(13)<\/strong>&nbsp;Das ist die Aufgabe des s\u00e4kularen Staates. Es ist nicht seine Aufgabe, zu entscheiden, ob Religionen Relevanz besitzen oder nicht, auch nicht die Aufgabe, atheistischen Weltanschauungen Wahrheit zuzusprechen. Das w\u00e4re ein ideologischer Staat, wie er zum Beispiel im Kommunismus Grundlage war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(14)<\/strong>&nbsp;Das ist auch in der&nbsp;<strong>Confessio Augustana<\/strong>&nbsp;28 formuliert worden: Christus hat keinen Staat gegr\u00fcndet \u2013 von daher ist zwischen Weltlichem und Geistlichem zu trennen.&nbsp;<strong>Luther<\/strong>&nbsp;wendet sich auch auf dieser Basis gegen die Bauern: Er greift ihre christliche Argumentation an, weil sie seiner Meinung nach nicht korrekt ist. Entsprechend sollen auch F\u00fcrsten, wenn sie Christen sind, angemessen mit den Bauern umgehen. Da aber weder die meisten Bauern noch F\u00fcrsten Christen sind, sollen sie weltlich miteinander umgehen \u2013 er hat auf ihren gewaltt\u00e4tigen Umgang miteinander keinen Einfluss (die F\u00fcrsten seien die \u00e4rgsten Buben \u2013 und ein Nichtchrist mag den Tyrannen t\u00f6ten, ein Christ darf das nicht). Andererseits sieht man jedoch, dass er selbst als Mensch des Landes f\u00fcr eine hierarchische Struktur eintritt: Der F\u00fcrst muss die Ordnung herstellen und das, wenn es n\u00f6tig ist, brutal. Das Problem aus christlicher Sicht ist, dass er dann zur Brutalit\u00e4t aufruft. Damit bekommt sein weltliches Denken Vorrang vor seinem christlichen Denken. In einer Zeit, in der Geistliches mit Weltlichem vermischt ist, sucht er erst einmal zu trennen. Heute sieht man eher, dass auch Christen f\u00fcr Menschenrechte eintreten sollten, eben weil Geistliches und Weltliches getrennt sind. Vor dieser Fragestellung steht \u00fcbrigens jede Generation, wenn gewaltt\u00e4tige Gruppen die Gesellschaft zerst\u00f6ren wollen. Wie mit ihnen umgehen? Luther selbst sieht sich als Beispiel daf\u00fcr an, dass man mit gewaltlosem Widerstand (in leidendem Gehorsam) viel erreichen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(15)<\/strong>\u00a0Die\u00a0<strong>UN-Charta von 1945<\/strong>\u00a0hatte schon einen Bezug zu Menschenrechten (Glauben an Grundrechte der Menschen, W\u00fcrde und Wert der menschlichen Pers\u00f6nlichkeit, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Gleichberechtigung der Nationen), musste die Konkretion jedoch erst ausarbeiten lassen. Und das finden wir in der\u00a0<strong>Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte<\/strong>, die oben dargelegt wurde. In UN-Charta 1,3 wird schon expressis verbis Bezug auf die Menschenrechte genommen, dort hei\u00dft es: \u201e\u2026 eine internationale Zusammenarbeit herbeizuf\u00fchren, um internationale Probleme wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und humanit\u00e4rer Art zu l\u00f6sen und die Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten f\u00fcr alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion zu f\u00f6rdern und zu festigen\u2026\u201c (<a href=\"https:\/\/www.unric.org\/html\/german\/pdf\/charta.pdf\">https:\/\/www.unric.org\/html\/german\/pdf\/charta.pdf<\/a>\u00a0) Das Problem liegt in beiden Erkl\u00e4rungen in der Durchsetzung angesichts der Souver\u00e4nit\u00e4t der Staaten. Von daher wird die Aufgabe der UN hier so beschrieben, dass sie die Menschenrechte f\u00f6rdern solle. In Folge der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte wurden zahlreiche\u00a0<strong>UN-Konventionen<\/strong>\u00a0verabschiedet, z.B. gegen Rassismus (1969), gegen Diskriminierung der Frau (1981), gegen Folter (1984), f\u00fcr Kinderrechte (1990). Weitere nachfolgende Konventionen sind z.B. die\u00a0<strong>Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention<\/strong>\u00a0(\u00a0<a href=\"https:\/\/www.echr.coe.int\/Documents\/Convention_DEU.pdf\">https:\/\/www.echr.coe.int\/Documents\/Convention_DEU.pdf<\/a>\u00a0), die\u00a0<strong>Amerikanische Konvention \u00fcber Menschenrechte<\/strong>\u00a0(die Menschenrechte auf Ungeborene ausdehnt;\u00a0<a href=\"http:\/\/www.oas.org\/dil\/treaties_B-32_American_Convention_on_Human_Rights.htm\">http:\/\/www.oas.org\/dil\/treaties_B-32_American_Convention_on_Human_Rights.htm<\/a>\u00a0), die\u00a0<strong>Afrikanische Banjul-Charta der Menschenrechte<\/strong>\u00a0(die im Gegensatz zu den zuvor genannten Menschenrechten das Kollektiv und Pflichten betont;\u00a0<a href=\"http:\/\/www.humanrights.se\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/African-Charter-on-Human-and-Peoples-Rights.pdf\">http:\/\/www.humanrights.se\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/African-Charter-on-Human-and-Peoples-Rights.pdf<\/a>\u00a0) und die\u00a0<strong>Arabische Charta der Menschenrechte<\/strong>\u00a0(die die Scharia als Vorzeichen der Menschenrechte ansieht \u2013 in ihrer Berufung auf die vorangehende\u00a0<strong>Kairoer Erkl\u00e4rung der Menschenrechte<\/strong>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.un.org\/Depts\/german\/menschenrechte\/arab.pdf\">https:\/\/www.un.org\/Depts\/german\/menschenrechte\/arab.pdf<\/a>\u00a0). In den genannten westlichen Formen wurde nicht mehr auf Gott Bezug genommen, es wurde der Glaube an die Grundrechte bzw. der Glaube an die Grundfreiheiten genannt; die afrikanische Form beruft sich auf afrikanische Traditionen und Werte afrikanischer Tradition. Zur Arabischen Charta s. dort. Die\u00a0<strong>KSZE-Schlussakte<\/strong>\u00a0(\u00a0<a href=\"https:\/\/www.osce.org\/de\/mc\/39503?download=true\">https:\/\/www.osce.org\/de\/mc\/39503?download=true<\/a>\u00a0) f\u00fchrt besonders deutlich als Begr\u00fcndung an, dass Konfrontationen zwischen den Staaten negative Folgen hat. Es geht um die Durchsetzung dessen, was die Beschlie\u00dfenden als gut ansehen: \u201eIn der Erkenntnis der engen Verbindung zwischen Frieden und Sicherheit in Europa und in der ganzen Welt und im Bewu\u00dftsein der Notwendigkeit, da\u00df jeder von ihnen seinen Beitrag zur Festigung des Friedens und der Sicherheit in der Welt und zur F\u00f6rderung der Grundrechte, des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts und des Wohlergehens aller V\u00f6lker leistet\u2026\u201c Zu den Humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechten, einschlie\u00dflich der\u00a0<strong>Genfer Konvention<\/strong>(en) (1864 ab Seite 176) s.:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.humanitaeres-voelkerrecht.de\/HVR.II.1.pdf\">http:\/\/www.humanitaeres-voelkerrecht.de\/HVR.II.1.pdf<\/a>\u00a0Im Wesentlichen geht es diesen Konventionen auch nicht um die Grundlage, sondern um Vertr\u00e4ge\/Vereinbarungen zwischen Staaten. Es geht nicht um die Frage,\u00a0<em>warum<\/em>\u00a0man sich so und so verhalten will, sondern\u00a0<em>dass<\/em>\u00a0man sich so und so verhalten will. Angemerkt sei noch, dass die\u00a0<strong>Hager Landkriegsordnung<\/strong>\u00a0von 1899 \u201edie Gesetze der Menschlichkeit\u201c als Ansporn f\u00fcr diese Gesetze ansieht. Vorher finden wir im Lieber-Code von 1863 Art. 4 (dem es um Kriegsrecht geht): \u201estrictly guided by the principles of justice, honor, and humanity \u2013 virtues adorning a soldier even more than other men\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(16)<\/strong>&nbsp;Es wird an dieser Schrift&nbsp;<strong>Luthers<\/strong>&nbsp;deutlich, dass f\u00fcr Christen immer auch die Gemeinschaft im Blick ist. Das Individuum ist Teil einer Gemeinschaft, es muss in ihr Freiheit haben, gleichzeitig zu ihrem Wohl beitragen. Letztgenanntes aber nicht erzwungenerma\u00dfen, sondern aus der Freiheit des Glaubenden heraus zu ihrem Gelingen beitragen. Den Menschenrechten geht es um den Schutz des Individuums vor \u00dcbergriffen des Staates, wie er sich erst im Mittelalter entwickelte, bis hin zu den modernen Nationen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(17)\u00a0<\/strong>Anzumerken ist, dass im Mittelalter das Wissen, dass vor Gott alle gleich sind, nicht vergessen werden darf. So schreibt\u00a0<strong>Walther von der Vogelweide<\/strong>\u00a0(1170-1230?): \u201eWir wachsen aus dem gleichen Holz; \/ Speise ern\u00e4hrt uns, die wir nichtig, \/ sobald sie durch den Mund gefahren ist. \/ Wer kann den Herrn von dem Knecht unterscheiden, \/ wenn er der beiden blankes Gebein f\u00e4nde, \/ auch wenn er sie als Lebende gekannt -, \/ und das Gew\u00fcrm das Fleisch verzehrt h\u00e4tte? \/ Ihm dienen Christen, Juden und Heiden, der alle Lebenden wunderbar ern\u00e4hrt.\u201c (vgl. Mt 5,45 und M7 6,25ff.) (Swer ane vorhte, Herre Got). Ebenso ist die Inkarnation zu nennen. So schreibt\u00a0<strong>Wolfram von Eschenbach<\/strong>\u00a0(1660\/80-ca. 1220): \u201eDein Kind und dein Verwandter \/ bin ich, wie es sich ziemt, \/ \u2026 Deine Menschwerdung macht mich zu deinem Verwandten, \/ zweifellos nennt mich \/ das Vaterunser \/ deiner Gottheit Kind \/ \u2026 \/ Weisheit, \u00fcber allen Vern\u00fcnfteleien, \/ du bist Christus, also bin ich Christ.\u201c (Gebet) Der Mensch als Gottes Kind wird aus dem Neuen Testament aufgenommen, tiefer als das, was soeben zitiert wurde, von\u00a0<strong>Mechthild von Magdeburg<\/strong>\u00a0(1207-1282): \u201eIch bin in dir und du bist in mir, \/ wir k\u00f6nnen uns n\u00e4her nicht sein, \/ denn wir zwei sind in eins geflossen\u201c (O du brennender Berg) (Alois Weimer (Hg): Gebete der Dichter. Gro\u00dfe Zeugnisse aus 12 Jahrhunderten, Patmos, D\u00fcsseldorf 2006).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Mittelalter hat auch mit Blick auf die&nbsp;<em>Ethik&nbsp;<\/em>vorgearbeitet: Im Mittelalter lernte man, sich in das Leiden Jesu hineinzuversetzen. Das wurde nachempfunden, das Leiden wurde verinnerlicht. Es ist das Leiden eines anderen, das zu meinem Mit-Leiden f\u00fchrt. Dieses Mitf\u00fchlen als eines, das sich gesellschaftlich weiter verbreitet hat und nicht nur Charakter einzelner Menschen ist, ist f\u00fcr die christliche Ethik und letztlich f\u00fcr die Menschenrechte relevant. Nicht \u00fcbergangen sei die Bedeutung dessen, was heute verp\u00f6nt wird: die Drohung mit dem richtenden Gott, die Drohung mit der H\u00f6lle. Wer sich asozial verh\u00e4lt, den anderen eine H\u00f6lle bereitet, der wird nach dem Leben Asoziales \u2013 H\u00f6lle \u2013 bekommen. Wer sich im Sinne Gottes sozial verh\u00e4lt, wird zu Gott kommen. Beides wurde jeweils ausgemalt. Beklagt wurde nicht selten, dass sich die Menschen davon aber nicht beeinflussen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(18)<\/strong>&nbsp;Im 17. Jahrhundert darf man in diesem Zusammenhang nicht Menschen wie&nbsp;<strong>Daniel Czepko von Reigersfeld<\/strong>&nbsp;(1605-1660) und&nbsp;<strong>Johann Scheffler<\/strong>&nbsp;(<strong>Angelus Silesius<\/strong>) (1624-1677) \u00fcbersehen. Sie haben den Menschen \u2013 in der Tradition der mittelalterlichen Mystik \u2013 in Gott, Gott im Menschen sehr gro\u00df gezeichnet. Der Letztgenannte schreibt im cherubinischen Wandersmann: \u201eGott ist mein Geist, mein Blut, mein Fleisch und mein Gebein: \/ Wie soll ich dann mit ihm nicht ganz durchg\u00f6ttert sein?\u201c Parallel dazu lehrte der 30 j\u00e4hrige Krieg, wie sehr der Mensch versagt (vgl. Andreas Gryphius).<\/p>\n\n\n\n<p>Man darf nicht vergessen, dass s\u00e4mtliche Menschenrechtsfragen immer auch mit der Frage der Macht zu tun haben. Der K\u00f6nig hat Macht \u2013 so sagt es die Ordnung. Wenn dann der Adel die Macht \u00fcber den K\u00f6nig verlangt, dann st\u00f6rt er die Ordnung \u2013 aber es ist im Grunde nur die Macht verschoben. Wenn Reiche des Volkes die Macht erlangen, st\u00f6rt das ebenso die Ordnung \u2013 das Volk hat zu leiden usw. Von daher ist die Forderung von Menschenrechten immer mit St\u00f6rung der Ordnung und der Machtfrage verbunden. In Hinblick auf die St\u00f6rung der alten Ordnung und der Etablierung der neuen Ordnung haben vielfach Christen mitgewirkt, neben den genannten Reformierten auch katholische Theologen, von denen aus dem 16. Jahrhundert hier nur&nbsp;<strong>Jean Boucher<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Guillaume Rose<\/strong>&nbsp;genannt werden sollen. Zudem wurde auch erkannt, dass der Einsatz f\u00fcr Menschenrechte (z.B. Religionsfreiheit) nicht der Hauptgrund f\u00fcr Ver\u00e4nderungen war, sondern Neid und Hass (so&nbsp;<strong>Lipsius<\/strong>), aber auch einfach der Wille zu rebellieren (z.B.&nbsp;<strong>Pierre Charron<\/strong>).<\/p>\n\n\n\n<p>(19) Das Wort \u201eRechte der Menschen\u201c hat der Dominikaner&nbsp;<strong>Bartholom\u00e9 de las Casas<\/strong>&nbsp;im Kontext der Verteidigung der Ureinwohner S\u00fcdamerikas gegen die Unmenschlichkeiten der spanischen Eroberer im Jahr 1552 verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p>(20) Schon ca. 200 Jahre vorher hat der Bischof&nbsp;<strong>Burchard von Worms<\/strong>&nbsp;ein Dekret herausgegeben, in dem er 1008-1012 die Gleichheit von Juden und Heiden und Mann und Frau damit begr\u00fcndete, dass sie Ebenbild Gottes seien. Dieses Dekret sollte Rechtssicherheit herstellen und war \u00fcber die Grenzen Worms hinaus bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>(21) Siehe das eindr\u00fcckliche Gedichte \u201eF\u00fcr alle\u201c von&nbsp;<strong>Louise Otto-Peters<\/strong>&nbsp;(1819-1895): F\u00fcr alle handelt Gott. Er handelt nicht f\u00fcr einzelne Menschengruppen, sondern f\u00fcr alle. Das sieht sie in der Heiligen Nacht von Engeln gesungen:&nbsp;<em>\u201eF\u00fcr alle will der Herr sich offenbaren \/ in seiner ewigtreuen Liebesmacht\u201c<\/em>, alle hat er in der Gemeinde geeint. F\u00fcr alle gilt der Opfertod Jesu:&nbsp;<em>\u201eDenn allen ward verk\u00fcndet seine Lehre, \/ Die in der Gleichheit aller Menschen ruht.\u201c \u2013 \u201eDer Kelch des Heils f\u00fcr alle!\u201c<\/em>&nbsp;Dann schildert sie die Menschenrevolution, die nur M\u00e4nnern galt. Sie reden sich als Br\u00fcder an, aber Frauen bleiben ohne Rechte.&nbsp;<em>\u201eDer Frauen Schar, die in den Staub getreten, \/ Ward nur erhoben an des Glaubens Hand. \/ Die Besten lernten fromm zum Himmel beten, \/ Weil die Erdenwelt sie nicht verstand\u201c&nbsp;<\/em>\u2013 die anderen Frauen lie\u00dfen sich dazu \u00fcberreden, nur Spiel und Tand und f\u00fcr die s\u00fc\u00dfe Minne zu sein. Doch wie vor Gott alle gleich sind, so wird es einmal auch in der Menschheit sein:&nbsp;<em>\u201eErl\u00f6sung kam f\u00fcr alle!\u201c<\/em>&nbsp;Ein ganz wichtiges Werk zum Thema Rechte der Frauen ist das Werk von&nbsp;<strong>Christine de Pizan&nbsp;<\/strong>(1364-1429; Das Buch von der Stadt der Frauen). In diesem Werk diskutiert sie mit Gott und erkennt: Gott hat durch viele Frauen seine Macht gezeigt. Er hat in seiner Weisheit auch die Frauen geschaffen und darum d\u00fcrfen sie nicht in Selbstzweifeln an sich als Frau leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiterf\u00fchrende <strong>Literatur s.:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein sehr interessanter Beitrag:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.dijg.de\/menschenrechte-grundrechte\/religion-entstehung-verfassung\/\">https:\/\/www.dijg.de\/menschenrechte-grundrechte\/religion-entstehung-verfassung\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Christliche Tradition: Arnold Angenendt: Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert, Aschendorff, Nachdruck der 5. Auflage 2014: zum Beispiel Seiten 110ff. Gottebenbildlichkeit hat Auswirkungen auf das Zusammenleben: mit Blick auf Sklaven, Nichtchristen, Indios. Paradies als Vorbild und Ziel: Herrschaftsfreie Gleichheit aller Menschen (Papst Gregor der Gro\u00dfe +604). Vgl. Angenendt 114: Naturrecht ist flexibel zu deuten (Aristoteles), nicht aber die Aussage, dass alle Gottes Ebenbild seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Dicke&nbsp;<a href=\"https:\/\/dgvn.de\/fileadmin\/publications\/PDFs\/Zeitschrift_VN\/VN_1998\/300dpi_1998-06__groessenoptimiert_.pdf\">https:\/\/dgvn.de\/fileadmin\/publications\/PDFs\/Zeitschrift_VN\/VN_1998\/300dpi_1998-06__groessenoptimiert_.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die so genannte Magna Charta der katholischen Kirche: Pacem in terris 1963):&nbsp;<a href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/john-xxiii\/de\/encyclicals\/documents\/hf_j-xxiii_enc_11041963_pacem.html\">http:\/\/w2.vatican.va\/content\/john-xxiii\/de\/encyclicals\/documents\/hf_j-xxiii_enc_11041963_pacem.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Arnd Pollmann \/ Georg Lohmann: Menschenrechte. Ein interdisziplin\u00e4res Handbuch, Verlag Metzler, Stuttgart\/Weimar 2012<\/p>\n\n\n\n<p>Der folgende Beitrag wurde mir erst nachtr\u00e4glich bekannt:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.philso.uni-augsburg.de\/institute\/philosophie\/Personen\/Lehrbeauftragte\/neidhart\/Downloads\/KircheMenschenrechte.pdf\">https:\/\/www.philso.uni-augsburg.de\/institute\/philosophie\/Personen\/Lehrbeauftragte\/neidhart\/Downloads\/KircheMenschenrechte.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30022\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung In der Frage der Menschenrechte geht es um Das kann hier freilich nicht alles detailliert dargelegt werden. Einleitung Ein paar allgemeine Hinweise: Heute gibt es Vertreter, die sagen: Menschenrechte seien angeboren, seien nicht ausgedacht, seien&nbsp;Naturrecht. Darum gelten sie ewig und \u00fcberall. Das ist die Sicht unserer westlichen Welt, zumindest [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":41,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1837","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1837","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1837"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1837\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3004,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1837\/revisions\/3004"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/41"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1837"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}