{"id":1816,"date":"2019-09-07T09:47:39","date_gmt":"2019-09-07T07:47:39","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=1816"},"modified":"2026-04-24T07:22:48","modified_gmt":"2026-04-24T05:22:48","slug":"menschenrechte-und-jesus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/menschenrechte-und-jesus\/","title":{"rendered":"Menschenrechte 2: Jesus Christus"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\">Menschenrechte 2: Jesus Christus<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zeit Jesu<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Zeit Jesu waren R\u00f6mer die Besatzungsmacht Israels. Widerstandsgruppen versuchten dagegen anzuk\u00e4mpfen, andere Gruppen hingegen kollaborierten mit den R\u00f6mern. Die Herrscher waren in Teilen Israels S\u00f6hne von Herodes dem Gro\u00dfen und in Jud\u00e4a zeitweise der r\u00f6mische Statthalter. Der eine Sohn, Herodes Antipas, wurde von dem T\u00e4ufer Johannes wegen seiner Ehescheidung von seiner Frau, der Tochter des Nabat\u00e4er-K\u00f6nigs Aretas IV., und der Heirat der Frau seines Bruders kritisiert \u2013 woraufhin dieser Johannes hinrichten lie\u00df. Laut Josephus bef\u00fcrchtete Herodes, dass der Rat des Johannes Menschen zum Aufruhr f\u00fchren k\u00f6nnte. Es kam zu einen Krieg zwischen Herodes Antipas und Aretas. Der K\u00f6nig verlor den Krieg angeblich darum, weil die Johannes-Anh\u00e4nger verweigerten ihn zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Johannes der T\u00e4ufer gefangen genommen war, begann Jesus, der von Johannes getauft worden war, seine Wirksamkeit wahrscheinlich im Jahr 27\/28. Es k\u00f6nnte sein, dass die Gefangennahme das \u00f6ffentliche Auftreten mit beeinflusst hat. Wie dem auch sei. Jesus begann in aufgeregten Zeiten zu wirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus wandte sich nicht den j\u00fcdischen Widerstandsgruppen zu, ebenso wenig war er wohl von den Kollaborateuren angetan. Jedoch ist auff\u00e4llig, dass nicht berichtet wird, dass er jemals die vom Heidentum gepr\u00e4gten St\u00e4dte Tiberias und Sepphoris besucht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus steht in der j\u00fcdischen Tradition. Sie ist die Basis f\u00fcr seine Lehre. Auch wenn er sich nicht &#8211; nach den \u00dcberlieferungen &#8211; darauf beruft, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist, so behandelt er die Menschen doch entsprechend. Das weitere Standbein sind die prophetischen Schriften, die die soziale Thematik intensiv ansprechen (z.B. Amos), die Forderung, Gottes Recht durchzusetzen und das bedeutet, sich den Unterdr\u00fcckten zuzuwenden (z.B. Jesaja). Die Erfahrung der eigenen Unterdr\u00fcckung in der Sklaverei mag hier Auswirkungen gehabt haben. Zudem kritisieren Propheten die Herrscher massiv. &#8222;Juristen&#8220; (Autoren der Priesterschrift, Deuteronomistischer Werke &#8211; k\u00f6nigliche\/priesterliche Schreiber) verdanken wir auch viel: Die 10 Gebote werden als Gebote f\u00fcr das Volk vorgestellt, haben aber, weil Gott der Sch\u00f6pfer ist, universellen Charakter. Dazu geh\u00f6rt nicht zuletzt das Gebot, dass am Sabbat nicht gearbeitet werden darf. Der Mensch ist bedeutsam, ben\u00f6tigt Ruhe &#8211; um die Beziehung zu Gott zu kl\u00e4ren. Was dem Menschen gut tut wurde h\u00e4ufig mit Gottes Geboten begr\u00fcndet &#8211; oder umgekehrt. Wie sehr das Individuum im Mittelpunkt steht, zeigen uns die Psalmen bzw. auch die Weisheitsliteratur.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jesus st\u00e4rkt sein Volk \u2013 \u00fcberwindet Grenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus hatte anderes im Sinn als die Widerst\u00e4ndler und Kollaborateure: Er wollte sein Volk st\u00e4rken, indem er die Grenzen zwischen den einzelnen Gruppen einriss. Die engen Grenzen die Juristen \/ Schriftgelehrte und andere errichten, versucht er zu durchbrechen, indem er den einzelnen Menschen zutraut, das Richtige zu tun &#8211; der Ma\u00dfstab ist die N\u00e4chstenliebe. Mit &#8222;Liebe Gott und deinen N\u00e4chsten wie dich selbst&#8220; hebt er s\u00e4mtliche Gebote auf ein neues Level: Pharis\u00e4er, Schriftgelehrte und andere sollten mit den Z\u00f6llnern und sonstigen als unrein angesehenen Menschen zusammen leben. Trennungen sind nicht von Gott gewollt, Gott selbst sucht seine Familie zu einen (Lukas 15). In diesen Einigungsprozess konnten auch diejenigen von den R\u00f6mern eingeschlossen werden, die sich ihm zuwandten (Wunder an dem Sohn eines vermutlich r\u00f6mischen Offiziers; Mt 8,5ff.). <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jesus fokussiert Entrechtete<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus spricht nicht davon, dass Menschen Ebenbild Gottes seien, sondern er formuliert diese Vorstellung in einem Gleichnis in einer praktischen Form um: In Menschen, die hungern, krank und fremd sind, die nackt und durstig sind, in denen ist Gott zu finden, an anderer Stelle sieht er Gott in dem Stra\u00dfenkind (Mt 25,31ff; Mk 9,33ff.).<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus versuchte im Grunde eine Parallel-Gesellschaft zu initiieren, in der Menschen gut miteinander auskommen, einander vergeben, einander unterst\u00fctzen. Weitere Grundregeln finden wir zum Beispiel in der Bergpredigt (Mt 5-7). In diesem Zusammenhang sei das Wort Jesu genannt: In der Welt herrschen die einen \u00fcber die anderen (die als Herrscher gelten, halten ihre V\u00f6lker nieder, die M\u00e4chtigen tun ihnen Gewalt an) \u2013 aber bei euch soll es nicht so sein (Mk 10,41ff.). Die Menschen dieser Parallelgesellschaft sind Salz der Erde, Licht der Welt \u2013 also nicht die Herrscher, nicht die klugen Schriftgelehrten (Juristen, Theologen\u2026) und reichen Kaufleute sind es, die die Welt begr\u00fcnden und zusammenhalten, sie erleuchten, sondern es sind die Menschen, die unter den Menschen nichts gelten und verachtet werden, aber von Gott geachtet werden (Mt 11,25ff.; 5,13ff.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jesus \u2013 Parallelwelt gegen brutale Herrscher(gruppen)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus macht die Individuen gro\u00df. Und diese sind es auch, die die neue Botschaft verk\u00fcnden und leben sollen und werden. Diese sieht er nicht als eine Gruppe an, die gegen den Kaiser\/Herrscher agitiert, sondern Gottes Willen tut (gebt dem Kaiser, was dem Kaiser geh\u00f6rt, und gebt Gott, was Gott geh\u00f6rt; Mk 12,13ff.). Diese Sicht finden wir im Johannesevangelium so wiedergegeben: Jesus sagt dem Pilatus: Mein Reich ist nicht von dieser Welt (Johannes 18,35). In der Jesus\u00fcberlieferung finden wir auch die Hinweise, dass die Menschen Jesu verfolgt werden von staatlichen Organen, dass sie aber keine Angst vor diesen haben m\u00fcssten (Mk 13,3ff.). Sie k\u00f6nnen zwar den K\u00f6rper t\u00f6ten, nicht aber die Seele (Mt 16,24ff.). Diese verfolgte Gruppe, die Menschen, die diese Botschaft leben, werden verfolgt, aber dennoch breitet sich diese aus: Sie w\u00e4chst wie ein Senfkorn, das Gott zum Baum werden l\u00e4sst, sie durchs\u00e4uert die Welt wie der Sauerteig den Teig (Mt 13,31ff.). Jesus sendet diese Menschen \u00e4u\u00dferst selbstbewusst aus, um die kommende Gottesherrschaft anzuk\u00fcndigen \u2013 die die Herrschaft der Menschen beenden wird. Diese Botschaft soll Israel durchdringen \u2013 und letztlich die Welt (Mt 10,5ff.; 5,13f.; 6,10; vgl. Mk 13,10). Das Versagen der Herrscher scheint Jesus einfach zur Kenntnis zu nehmen. Es ist als solches vorhanden, es ist Tatsache. Er setzt diesen Herrschern kein K\u00f6nigsgesetz vor, keinen Spiegel, denn seine Adressaten sind die Beherrschten. Auf ihren Schultern ruht die Durchdringung der Welt mit der Botschaft Gottes, dass ein neues Leben zu wagen ist, &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir finden also bei Jesus die St\u00e4rkung des Individuums und die Zusammenf\u00fchrung Gleichgesinnter zu einer neuen Form der Gesellschaft. Diese lebt den Willen Gottes unter gro\u00dfem gesellschaftlichen und politischen Druck, wird aber letztendlich von Gott gro\u00df gemacht werden. Dieses neue Leben erfordert Klugheit (Mt 10,16) \u2013 auch im Umgang mit den herrschenden Gruppen. Und diese Klugheit wird bei Jesus in der Auseinandersetzung mit seinen Ankl\u00e4gern deutlich, wie soeben an dem Wort erkennbar ist: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser geh\u00f6rt und Gott, was Gott geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ausgangspunkt: Eine Zukunftsvorstellung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ausgangspunkt des Handelns und Redens Jesu war, wie manche heute sagen w\u00fcrden, eine Utopie. Jesus verk\u00fcndete das Reich Gottes \u2013 die Herrschaft Gottes. In ihr gibt es Gemeinschaft, Liebe, Vergebung, Gesundheit, Achtung der Menschen \u2013 es gibt in ihr nicht Feindseligkeit, Hass, Erniedrigung. (Manche meinen, die H\u00f6lle sei so eine Vorstellung, die dem widersprechen w\u00fcrde. Aber H\u00f6lle ist ein Wort, das den Raum kennzeichnet, in den die Menschen kommen, die fern von Gott leben wollen. Zu Gott wird keiner gezwungen. Es wird auch keiner dazu gezwungen, den N\u00e4chsten zu lieben, ihn gut zu behandeln. Der Mensch tr\u00e4gt f\u00fcr sein Leben Verantwortung. Die H\u00f6lle ist ein Ergebnis des selbstverantworteten Lebens.) Manche reden ver\u00e4chtlich von einer \u201eUtopie\u201c. Aber die Vision einer besseren Welt ist h\u00e4ufig Motiv, die Welt zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jesus und die Vorstellung von Menschlichkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Lukasevangelium haben wir das Lied der Maria, das Magnifikat (Lk 1,46ff.). In diesem Lied der Mutter Jesu ist die Rede davon, dass Gott die Erniedrigten erhebt, die Herrscher vom Thron st\u00fcrzt, den Hungernden Nahrung gibt, Reiche leer ausgehen l\u00e4sst. Dieses Ziel ist im Blick \u2013 eben auf neue Art und Weise, nicht im Kampf gegen die Herrscher, nicht, indem die Reichen beraubt werden, sondern indem Erniedrigte, Ausgesto\u00dfene und Kranke aufgerichtet werden und die neue Gemeinschaft die negative Armut bek\u00e4mpft. Dieses Bewusstsein treibt die Anh\u00e4nger des Anfangs an \u2013 und hatte w\u00e4hrend der Kirchengeschichte immer wieder Funken entfacht. Vor allem hat man in Jesus Christus Gott reden und handeln sehen. Dieses Gottesbild hat die Vorstellung von dem gepr\u00e4gt, was menschlich ist. Es pr\u00e4gt das Bild von einem guten Zusammenleben, das man anstreben m\u00f6chte, allen realen Vorstellungen zum Trotz. (Manche denken, dass eine Revolution gute Ver\u00e4nderungen schneller vorantreibt. Es wird an der Menschheitsgeschichte aber erkennbar, dass die Revolution blutig ist &#8211; und am Ende die Revolution\u00e4re die alten Herrschaftsstrukturen ersetzen. Es wird nichts anders.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von Jesus inspirierte fr\u00fche Christen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dazu kamen noch die Aussagen die wir in den Evangelien finden, die davon sprechen, dass Jesus sein leben als L\u00f6segeld f\u00fcr viele\/alle gebe, dass er die S\u00fcnde der Welt tr\u00e4gt (Johannes 1,29), dass Gott die Welt geliebt hat, so sehr, dass er seinen Sohn gesandt hat in die Welt (Johannes 3,16). Das Angebot der Erl\u00f6sung durch Jesus Christus gilt allen Menschen, die errettende Gnade, die in Freiheit von allen Menschen angenommen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Missionsbefehl, den Matth\u00e4us 28 ausspricht, sagt aus, dass die Frohe Botschaft der Zuwendung Gottes zu den Menschen allen Menschen verk\u00fcndigt werden m\u00fcsse: &#8222;Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.&nbsp;Darum geht zu allen V\u00f6lkern und macht alle Menschen zu meinen J\u00fcngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,&nbsp;und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung Jesu f\u00fcr Menschenrechte ist somit nicht plakativ, philosophisch, nicht thesenhaft. Sie ist subtil. Sie erschlie\u00dft sich aus seiner kritischen und menschenfreundlichen Wirksamkeit, seinem Versuch, mit Hilfe einer Parallelwelt die Situation unter den Menschen zu \u00e4ndern. Diese Parallelwelt soll das Zusammenleben der Menschen wie einen Sauerteig durchdringen, zum Guten f\u00fchren. Viele Menschen unserer Kultur leben und denken aus dieser Tradition. Entsprechend haben sie die Menschenrechte formulieren k\u00f6nnen \u2013 und damit Menschen weltweit aus dem Herzen gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Bewusstsein f\u00fcr Menschenrechte liegt darin begr\u00fcndet, dass der Mensch merkt: Es gibt Verhaltensalternativen. Ich bin f\u00fcr mein Verhalten verantwortlich \u2013 ich muss mich richtig verhalten, damit es besser wird, damit Menschen nicht so viel leiden m\u00fcssen. An dieser Stelle hat Jesus Christus viel dazu beigetragen, dass der Mensch handeln lernt. Die Menschen des Mittelalters beriefen sich, soweit ich das sehen kann, dazu nicht auf Platon, nicht auf Aristoteles, auf Epikur oder ber\u00fchmte Stoiker, sie beriefen sich auf alttestamentliche Grundlagen und auf Jesus Christus. Und dann, sekund\u00e4r, werden die Tugenden, die wir bei griechischen\/r\u00f6mischen Autoren finden, als Verhaltens-Ma\u00dfstab herangezogen, weil man in ihnen Jesu Vorgaben wiedergefunden hat.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht Jesus um die Gleichheit aller Menschen (Frauen wie M\u00e4nner, Herrscher wie Untergebene, Ausgegrenzte wie Angepasste, Gesund wie Kranke, Kinder wie Erwachsene). Sein Ma\u00dfstab ist: vor Gott sind alle gleich. Und darum gilt das auch f\u00fcr das Zusammenleben der Menschen. Der Mensch wird als Individuum gesehen, das f\u00fcr sein Leben verantwortlich ist &#8211; und gleichzeitig wird das Individuum in die Gemeinschaft der Kinder Gottes hineingef\u00fchrt. Konkretisiert wird das in dem Satz, dass der Mensch Gott lieben soll und den N\u00e4chsten wie sich selbst. Lieben hei\u00dft im damaligen Sinne: Gott und dem N\u00e4chsten &#8211; also allen! &#8211; Gutes tun. Wie tut der Mensch Gott Gutes? Indem er sich aus der Beziehung zu Gott den Menschen zuwendet. Und zwar auch den bed\u00fcrftigen Menschen, mit denen Gott sich solidarisiert. Jesus hat sich auch vor Auseinandersetzungen nicht gescheut. Zudem konnte er auch die Zuwendung zu anderen Menschen vom Glauben l\u00f6sen, wie das Gleichnis von Matth\u00e4us 25 erkennen l\u00e4sst: Hilfsbereitschaft, Mitleid ist hier das treibende Prinzip, nicht Religion.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kamen im christlichen Glauben noch die Ans\u00e4tze hinzu: <\/p>\n\n\n\n<p>(a) In Jesus Christus wurde Gott Mensch &#8211; also: nicht Herrscher usw., sondern Mensch wie alle Menschen es sind. <\/p>\n\n\n\n<p>(b) Jesus Christus starb am Kreuz zur Erl\u00f6sung f\u00fcr alle Menschen, auch hier: nicht nur f\u00fcr besondere Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dieser Grundlage wurden die Menschenrechte bis in die Gegenwart entfaltet. Diese wurde dann im Laufe der Jahrhunderte im christlichen Raum auch unter der Aufnahme griechischer und r\u00f6mischer Philosophie weitergef\u00fchrt. Es muss jedoch gesagt werden, dass die Moderne versucht, sich von der Basis zu l\u00f6sen &#8211; was daraus folgt, war in so mancher Weltanschauung des 20. Jahrhunderts erkennbar, nat\u00fcrlich auch Ende des 18. Jahrhunderts in der Franz\u00f6sischen Revolution. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Anmerkungen zu weiteren religi\u00f6sen Menschen der Antike und die Menschenrechte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar Anmerkungen zu Menschenrechten in anderen Kulturkreisen, die vielfach auf Religionsgr\u00fcnder, im weitesten Sinne, zur\u00fcckgreifen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Konfuzius<\/strong> (551-478? v. Chr.) hat in seinem Kulturkreis auch zu Menschenrechten beigetragen, indem er aufforderte, anderen mit Respekt zu begegnen. Aber er hat im Gegensatz zu Jesus Christus das Kollektiv, die Hierarchie betont. Das bedeutet: Unterordnung, auch wenn der Rangh\u00f6here selbst respektlos ist; respektvolle Kritik ist f\u00fcr Konfuzius wohl m\u00f6glich &#8211; im Rahmen der Unterordnung. In dem chinesischen Kulturkreis ist auch <strong>Laotse<\/strong> \/ <strong>Laotsi<\/strong> (biografisch ist kaum etwas bekannt) zu nennen, der meinte, Herrscher sollten die Menschen einfach nat\u00fcrlich leben lassen (im Einklang mit dem &#8222;Schicksal&#8220; &#8211; Dao), nicht in deren Leben eingreifen. Wer als Herrscher eingreift, st\u00f6rt die nat\u00fcrliche Ordnung auch dadurch, dass er Widerstand hervorruft, das f\u00fchrt zu Chaos und Unrecht. Mit Blick auf Menschenrechte: Staatliche Willk\u00fcr und Machtmissbrauch sollen eingeschr\u00e4nkt werden. Freies verantwortliches Handeln im Rahmen der lokalen Clan-Struktur ist im Blick. M\u00e4chtige werden aufgefordert, sich zur\u00fcckzuhalten &#8211; aber es geht nicht um Rechte der Untergebenen. <\/li>\n\n\n\n<li><strong>Siddharta Gautama<\/strong> (<strong>Buddha<\/strong>) (563-483? v. Chr.) hat die Gleichwertigkeit aller Menschen hervorgehoben, allerdings betraf es Frauen erst sekund\u00e4r (auch alte Nonnen m\u00fcssen jungen M\u00f6nchen Respekt erweisen). Zudem geht es darum, das Individuum von dem &#8222;Ich&#8220; zu befreien. In der Tradition Buddhas ist Kaiser <strong>Ashoka<\/strong> (304-232 v. Chr.) zu nennen, der, nachdem er als blutiger Kriegsherr und Expansionist, sich Buddhas Lehre zuwandte, versuchte durch Gebote und Strafen die Untertanen zum friedlicheren Leben zu f\u00fchren. Seine Gebote wurden aber nach ihm &#8222;vergessen&#8220;. In China wurde im 9. Jahrhundert der Buddhismus eingeschr\u00e4nkt, weil, so die Begr\u00fcndung, er in seinen Tempeln Sklaven und Leibeigene hielt. Das stimmte, aber es gab auch handfeste politische Gr\u00fcnde, sie auszuweisen, denn Sklaven und Leibeigene waren \u00fcblich. Es ging dem Herrscher darum, den m\u00e4chtigen Kl\u00f6stern die Macht zu nehmen. Mit Blick auf den <strong>Zenbuddhismus<\/strong>: Das &#8222;Ich &#8220; ist eine Illusion. Jedes Ich. Das kann dazu f\u00fchren, dass alle Menschen als gleichwertig angesehen werden, aber auch dazu, dass alle gleich irrelevant sind. Diesen letzten Ansatz versuchen Buddhisten zu umgehen.<\/li>\n\n\n\n<li>Islam \/ <strong>Mohammed<\/strong> (ca. 570-622 n. Chr.): diejenigen, die zur Ummah geh\u00f6ren, sind besonders zu behandeln, und in der Ummah gelten Ordnungen, die nicht \u00fcbertreten werden d\u00fcrfen. Alle Menschen sind Gesch\u00f6pfe Allahs, alle waren Muslime &#8211; und so besteht die Aufgabe der Muslime darin, die Nichtmuslime wieder in den Islam zur\u00fcckzuholen. Almosensteuer ist Pflicht, das hei\u00dft, es geht nicht um Mitleid, um Recht usw. Verschiedene Rechtsgelehrte haben an dieser Stelle weiter gedacht. Zu nennen sind z.B. <strong>al-Ghazali <\/strong>und <strong>al-Shatibi<\/strong> im 11. und 14. Jahrhundert. Sie entwickelten den Gedanken der &#8222;Schutzg\u00fcter&#8220;, das hei\u00dft, dass die Religion, das Leben, die Nachkommenschaft, das Eigentum gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen. Zudem wurden Beschwerdeinstanzen eingerichtet, also Gerichte, in denen Individuen Recht bekommen konnten. Gelehrte \/ Richter standen zum Teil \u00fcber die weltlichen Herrscher. Allerdings gab es Unterschiede &#8211; auch rechtliche &#8211; zwischen M\u00e4nnern und Frauen, zwischen denen, die zur Ummah geh\u00f6rten und denen, die nicht dazu geh\u00f6rten. Islamisches Recht galt vor dem Recht der eroberten Gebiete.<\/li>\n\n\n\n<li>Vor-kolonialische <strong>St\u00e4mme in Afrika<\/strong>: Es ist erkennbar, dass die eigene Gemeinschaft dominiert (Ubuntu), das Individuum z\u00e4hlt als Teil der Gemeinschaft und hat ihr gegen\u00fcber Pflichten. Innerhalb des jeweiligen Stammes galt es den Zusammenhalt aller zu f\u00f6rdern, was das \u00dcberleben sicherte. Entscheidungen wurden vielfach durch die Beratung der W\u00fcrdigen, der Dorf\u00e4ltesten herbeigef\u00fchrt. Hierarchien waren bedeutsam, Frauen hatten h\u00e4ufig geringere Bedeutung. Es ist aber zu beachten, dass es eine Vielfalt an Sichtweisen gab, abh\u00e4ngig von den jeweiligen St\u00e4mmen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Manden-Charta<\/strong> &#8211; das ist ein sonderbares Konstrukt. Aufgeschrieben wurde sie im 20. Jahrhundert, soll aber auf eine m\u00fcndliche Tradition in Mali bis ins 13. Jahrhundert zur\u00fcckgehen. Sie ist eine Mischung aus islamischer und afrikanischer Tradition. In ihr sind sehr viele moderne Themen vereinigt. Historisch und faktenbasiert denkende Menschen sind hier eher vorsichtig in der zeitlichen Einordnung der Charta und \u00e4u\u00dferst skeptisch. Es klingt nach einer &#8222;Erfindung der Tradition&#8220; und wie es hei\u00dft: nach &#8222;postkolonialem Identit\u00e4tswunsch&#8220; (das hei\u00dft: Wir Mali-Afrikaner waren im 13. Jahrhundert schon weiter als ihr Europ\u00e4er und Amerikaner). Sie wurde in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menschenrechte 2: Jesus Christus Zeit Jesu In der Zeit Jesu waren R\u00f6mer die Besatzungsmacht Israels. Widerstandsgruppen versuchten dagegen anzuk\u00e4mpfen, andere Gruppen hingegen kollaborierten mit den R\u00f6mern. Die Herrscher waren in Teilen Israels S\u00f6hne von Herodes dem Gro\u00dfen und in Jud\u00e4a zeitweise der r\u00f6mische Statthalter. Der eine Sohn, Herodes Antipas, wurde [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":41,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1816","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1816","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1816"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1816\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3018,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1816\/revisions\/3018"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/41"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1816"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}