{"id":1771,"date":"2019-08-30T17:40:57","date_gmt":"2019-08-30T15:40:57","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=1771"},"modified":"2019-08-30T17:40:58","modified_gmt":"2019-08-30T15:40:58","slug":"christentum-und-gewalt-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/christentum-und-gewalt-2\/","title":{"rendered":"Christentum und Gewalt 2"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor allem, als sich das Christentum im r\u00f6mischen Reich durchgesetzt hatte, gab es christlichen Mob. Es schaudert einen, wenn man sieht, wie M\u00f6nchshorden gegen M\u00f6nchshorden k\u00e4mpften, wie sie einzelne Menschen bedrohten und t\u00f6teten, wie sie unterlegene Gruppen buchst\u00e4blich in die W\u00fcste jagten. Mob in christlichem Mantel gab es unter den arianischen Germanen, w\u00e4hrend der Kreuzz\u00fcge, unter den gegeneinander konkurrierenden Gruppen, w\u00e4hrend der vielen Kriege in Europa (die letztlich dazu f\u00fchrten, dass Europa milit\u00e4risch so stark werden konnte und weltweit seine inzwischen s\u00e4kular-national-kapitalistische Macht durchsetzen konnte), w\u00e4hrend des Kolonialismus und der Versklavungen von Menschen, ebenso wie in der Neuzeit in Ruanda und in Bosnien &#8211; und vergessen wir nicht, wie barbarisch sich Getaufte in Zeiten des Nationalsozialismus und Kommunismus verhalten haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Es wird auch weitergehen &#8211; so bef\u00fcrchte ich zum Beispiel: Es werden t\u00e4glich tausende von Menschen Christen, die dann zwar &#8222;Christen&#8220; sind, aber \u00fcberhaupt nicht wissen, was das bedeutet. Manchmal naiv missbraucht von gl\u00e4nzenden Rhetorikern und Verblendern. <\/p>\n\n\n\n<p>Zudem d\u00fcrfen wir allerdings nicht mit den Fingern auf sie zeigen, weil moralisch auch in unseren Breiten manche, die sich Christen nennen destruktiv verhalten. Menschen, die den christlichen Mantel \u00fcbergeworfen haben, fallen auch \u00fcber Christen her. Und das finden wir ja schon im Neuen Testament, wenn vor dem Wolf im Schafspelz gewarnt wird, vor den Antichristen, die sich als Christus ausgeben. Man denke an den erschreckend guten Text von Dostojewski: Der Gro\u00dfinquisitor.<\/p>\n\n\n\n<p>Was aber bot der christliche Glaube? Er bot Ma\u00dfst\u00e4be daf\u00fcr, zu erkennen, was unmenschliches Verhalten ist. Es bietet Ma\u00dfst\u00e4be daf\u00fcr, dass die jeweiligen negativen Inkulturationen nicht glorifiziert werden, sondern kritisch be\u00e4ugt werden k\u00f6nnen. Und das eben schon in der jeweiligen Zeit. So werden Exzesse schon von Christen selbst kritisiert und angegriffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Welche Aufgabe haben Christen? Das \u00dcble und widerg\u00f6ttliche nicht zu versch\u00f6nern, weil man denkt, man m\u00fcsse die eigene Sippe verteidigen. Man darf allerdings auch nicht die eigene Kultur zum Ma\u00dfstab nehmen und mit ihrer Hilfe die Vorfahren angreifen. Sie lebten in ihrer Zeit. Wo der Glaube sie im Sinne Gottes ver\u00e4nderte muss man w\u00fcrdigen. Wir verk\u00fcndigen nicht, dass Christen so tolle Kerle sind, wir verk\u00fcndigen Gott, der sich in Jesus Christus den Menschen zugewendet hat. Und diese Verk\u00fcndigung geschieht eben auch nicht in Vollkommenheit, sondern in der Gebrochenheit des jeweiligen Glaubenden. <\/p>\n\n\n\n<p>Zum Beispiel: Was war Paulus f\u00fcr ein unmenschlicher Mensch &#8211; der christliche Glaube hat ihn ver\u00e4ndert. Nat\u00fcrlich ist er nicht vollkommen. Das wei\u00df auch er. Aber Gott arbeitet an ihm. Die am Menschen arbeitende Gnade Gottes muss man ber\u00fccksichtigen, nicht einen vollkommenen Menschen suchen und dann auf ihn loskn\u00fcppeln, weil er nicht meinem Vollkommenheits-Ideal entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Noch eine Anmerkung mit Blick auf gegenw\u00e4rtigen Umgang mit Menschen vergangener Zeiten:<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann aus der gegenw\u00e4rtigen Perspektive hinter allen Menschen, die positiv hervorgehoben werden, Schattenseiten erkennen. Warum? Sie waren Menschen ihrer Zeit. <\/p>\n\n\n\n<p>Nun haben Menschen ihrer und der nachfolgenden Zeit nicht die Schattenseiten hervorgehoben, sondern die Seiten des Lichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum wohl? Weil diese Lichtseiten f\u00fcr die Menschen als Ma\u00dfstab f\u00fcr gutes Handeln dienen sollten, um eben irgendwelche negativen Taten zu verhindern. <\/p>\n\n\n\n<p>Nun kommen neunmalkluge Menschen daher und sagen: Die Lichtgestalt XY hat aber auch Schattenseiten. Das wird dann rei\u00dferisch herausgestellt. Zudem so herausgestellt, dass es mit negativen Gruppen oder Menschen der Gegenwart kompatibel gemacht wird. Eine Tat vor 2000, 4000, 8000 Jahren steht in einem v\u00f6llig anderen Kontext als eine Tat der Gegenwart. Das wird \u00fcbergangen und gleichgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich hatten die positiv hervorgehobenen Menschen Schattenseiten. Genauso wie diejenigen Schattenseiten haben, die die Schattenseiten anderer betonen. Denn es ist aus meiner Perspektive nicht hilfreich, die positiven Seiten zu negieren, um die negativen Seiten hervorzuheben, damit man zeigen kann, was man selbst f\u00fcr ein toller Mensch ist. Denn wenn ich sage, was der andere \u00dcbles tut, zeige ich damit gleichzeitig, was f\u00fcr ein toller Mensch ich bin.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\nUm nicht missverstanden zu werden: Es geht nicht gegen Wissenschaft, die versucht, Menschen der Vergangenheit als eben solche herauszuarbeiten. \n\n<\/p>\n\n\n<p><!--EndFragment--><br \/><br \/><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor allem, als sich das Christentum im r\u00f6mischen Reich durchgesetzt hatte, gab es christlichen Mob. Es schaudert einen, wenn man sieht, wie M\u00f6nchshorden gegen M\u00f6nchshorden k\u00e4mpften, wie sie einzelne Menschen bedrohten und t\u00f6teten, wie sie unterlegene Gruppen buchst\u00e4blich in die W\u00fcste jagten. 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