{"id":1531,"date":"2019-08-07T15:53:49","date_gmt":"2019-08-07T13:53:49","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=1531"},"modified":"2026-10-24T09:04:01","modified_gmt":"2026-10-24T07:04:01","slug":"atheismus-zusammenfassung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/atheismus-zusammenfassung\/","title":{"rendered":"Atheismus-Zusammenfassung und Dialog"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><strong>1. Atheismus<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wichtig!: <\/strong>Nur mit Ber\u00fccksichtigung der vorangegangenen Seiten zu lesen, denn erst dann ist der Abschnitt verst\u00e4ndlich!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So mancher sagt: \u201eIch glaube nicht an Gott!\u201c Damit befindet er sich in einer vielf\u00e4ltigen Gesellschaft. Zwischen aggressiven Anti-Theisten und den &#8222;Frommen Atheisten&#8220; \/ &#8222;Spirituellen Atheisten&#8220; gibt es viele, die sich irgendwo zwischen diesen Extremen einordnen. Man muss aber wissen: Nicht alle Atheisten erkennen andere Atheisten als Atheisten an. Dagegen k\u00f6nnen manche Atheisten sogar alle, die aus der Kirche ausgetreten sind, als Atheisten ansehen. Das weisen Konfessionslose freilich von sich: \u201eWenn ich nicht in der Kirche bin, hei\u00dft das noch lange nicht, dass ich nicht an Gott glaube!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier folgt ein kleiner (unvollst\u00e4ndiger) \u00dcberblick \u00fcber M\u00f6glichkeiten, sich a-religi\u00f6s zuzuordnen: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alltagsatheisten sind diejenigen, die ihren Alltag leben, als ob es keinen Gott g\u00e4be. Manche machen sich hin und wieder Gedanken \u00fcber Gott, so an Weihnachten oder wenn es ihnen schlecht geht. Manche rutschen aus Versehen in ein Leben ohne Gott hinein. Manche suchen im verwestlichten Buddhismus ihre Antworten. Manche nennen sich hingegen bewusst Humanisten, um sich von Religion abzugrenzen. Es gibt verschiedene Spielarten von atheistischen \u201eHumanisten\u201c, so die besonders regen \u201eevolution\u00e4ren Humanisten\u201c. Manche nennen sich Brights, die <em>Hellen, <\/em>in Abgrenzung zu den finsteren Christen. Die Letztgenannten meiden also das Wort \u201eA-Theist\u201c. Das Wort bedeutet: \u201eOhne Gott\u201c. Sie wollen sich nicht nach einem benennen lassen, den es aus ihrer Perspektive nicht gibt? Dabei gibt es sie als Gruppen freilich nur, weil sie sich gegen Gott wenden, wie auch immer sie sich nennen. Nicht zu verwechseln mit Atheisten sind Religionskritiker. Religionskritiker k\u00f6nnen Atheisten sein, m\u00fcssen es aber nicht, denn es gibt Christen, die ihre Religion oder Kirche kritisieren. Nicht zu verwechseln mit Atheisten sind auch Agnostiker. Diese sagen: \u201eIch wei\u00df nicht, ob es einen Gott gibt oder nicht.\u201c Zudem: Es gibt s\u00e4kulare Menschen, denen in bestimmten Lebensphasen alles Religi\u00f6se aber auch Anti-Religi\u00f6se egal ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Atheismus ist im Wesentlichen im Christentum begr\u00fcndet. Wie das? Zwei Aspekte seien genannt: Im christlichen Glauben spielt, wie zum Beispiel Jesus zeigt, der einzelne Mensch eine gro\u00dfe Rolle. Diese Erkenntnis ist von alten Kulturen Europas versch\u00fcttet worden, wurde jedoch durch christliche Humanisten, so von Erasmus von Rotterdam, wieder entdeckt. Die Aufkl\u00e4rung hat das aufgegriffen. Einer der ersten gro\u00dfen Atheisten, Ludwig Feuerbach, formulierte \u00fcberspitzt: Nicht Gott hat den Menschen erschaffen, der Mensch hat Gott erschaffen; und: Der Mensch ist gut. Dieser Ansatz wird von Atheisten aller Couleur \u00fcbernommen. Der andere Aspekt ist die Theodizee-Frage: Kann es einen liebenden, gerechten Gott geben, wenn er Leiden zul\u00e4sst? B\u00fcchner formulierte den ber\u00fchmten Satz: Leiden ist der Fels des Atheismus. Christen erkennen, dass Leiden nicht dem Glauben widerspricht, sondern dass der Glaube wunderbare Hilfestellung im Leiden schenkt. Atheisten schlie\u00dfen jedoch daraus, dass es keinen Gott gibt. Ihr Problem stellt sich dann in der Anthropodizee-Frage: Wenn der Mensch gut ist, wie kann er dann B\u00f6ses tun? Als Folge gibt es Nihilisten, die weder an Gott, noch an den Menschen glauben. Aggressivere Anti-Theisten beantworten diese Frage so: Der Mensch ist gut, Religionen machen ihn schlecht; darum: Alles Religi\u00f6se muss bek\u00e4mpft werden. Diese folgen dem zweiten gro\u00dfen Atheisten, Karl Marx. Wenn Christen auf Unmenschlichkeiten des Kommunismus hinweisen, k\u00f6nnen sie h\u00f6ren: \u201eJa, aber Lenin und Stalin sind christlich erzogen worden!\u201c Selbstkritik, die Christen lernen mussten, ist bei einigen Atheisten nicht angekommen. Da aber Marx und Jesus manches gemeinsam hatten und Sozialisten Jesus bewundern konnten, propagieren andere Atheisten: \u201eJesus war auch \u00fcbel!\u201c und \u201cvon Jesus wei\u00df man nichts!\u201c Nat\u00fcrlich wei\u00df man viel \u00fcber Jesus. Aber weil man, so die atheistische Vorgabe, nichts von Jesus wissen darf, will man auch nicht viel \u00fcber ihn wissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite gibt es die Frommen Atheisten. Diese erkennen, dass die christliche Religion bzw. Religion Gutes gebracht hat (Gemeinschaft, soziale T\u00e4tigkeit, Trost, Hilfe im Gebet). Da aber der Mensch Gott erschaffen hat, wie Feuerbach behauptete, kopiert man die positiven Seiten des Christentums als Religion \u2013 aber streicht Gott. Christen sagen dagegen: \u201eKommt zum Original!\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wirkungsvoll\nwaren moderne Atheisten in der Behauptung, dass Glaube und Wissenschaft\neinander widersprechen. Diese Sicht hat sich verbreitet. Wer widerspricht dem?\nFlei\u00dfige und innovative christliche Wissenschaftler. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuletzt\nseien die Atheisten erw\u00e4hnt, die traurig dar\u00fcber sind, dass sie nicht glauben\nk\u00f6nnen. Sie lassen erkennen, dass Glaube auch f\u00fcr Christen ein Geheimnis ist,\ndass er nicht erzwungen werden kann \u2013 und: Man muss sich als neugieriger Mensch\nGott gegen\u00fcber so gut man kann, offen halten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Atheisten sind f\u00fcr das Christentum wichtig. Aufgrund der atheistischen Vorw\u00fcrfe wurde so manches korrigiert. Das haben einige Atheisten des 21. Jahrhunderts nicht bemerkt, weil sie im 19. Jahrhundert stecken geblieben sind. Angesichts der vielf\u00e4ltigen Stimmen im Atheismus tun Christen gut daran, berechtigte Kritik aufzunehmen, aber ihre F\u00e4hnchen nicht nach dem jeweiligen atheistischen Wind zu h\u00e4ngen. Und: Wenn Atheisten wollen, mit ihnen zusammenzuarbeiten, wenn auch sie zum Wohl der Menschen wirken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><strong>2. Dialog zwischen Christen und Atheisten<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letztlich gelten die Regeln f\u00fcr ein interreligi\u00f6ses Gespr\u00e4ch auch f\u00fcr das Gespr\u00e4ch mit Atheisten: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil kein Mensch die ganze Weisheit gepachtet hat, gibt es Dialogregeln zwischen Religionen und \u2013 eingeschlossen \u2013 Ideologien, so auch f\u00fcr den Dialog mit dem Atheismus:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die eigene Tradition kennen: Was ist mir \/ uns wichtig, weniger wichtig?<\/li>\n\n\n\n<li>Wachsen in der Weltwahrnehmung des anderen;<\/li>\n\n\n\n<li>Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Toleranz;<\/li>\n\n\n\n<li>den anderen achten, ihm vertrauen (auf Augenh\u00f6he kommunizieren);<\/li>\n\n\n\n<li>Kritik vertragen k\u00f6nnen + eigene Kritik angemessen zur Sprache bringen;<\/li>\n\n\n\n<li>bereit sein, vom anderen zu lernen (kann aber nicht vom Gegen\u00fcber gefordert werden!);<\/li>\n\n\n\n<li>Reflexion und Selbstreflexion;<\/li>\n\n\n\n<li>die Frage nach den Menschenrechten kann nicht ausgeklammert werden,<\/li>\n\n\n\n<li>Kommunikationsregeln \u2013 wie sie von Philosophen erarbeitet wurden \u2013 sind zu beachten;<\/li>\n\n\n\n<li>Vorgaben an den Gespr\u00e4chspartner sind zu vermeiden wie auch Erpressungsversuche (Gespr\u00e4chsabbruch, wenn du nicht\u2026, dann\u2026), Imponier- und Dominanzgehabe\u2026<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So mancher&nbsp;<em>Fundamentalist<\/em>&nbsp;verweigert sich dem Gespr\u00e4ch \u2013 und das gilt nicht nur f\u00fcr Christen, Muslime, Buddhisten, Hindus, sondern auch f\u00fcr atheistische Fundamentalisten. Das Wort \u201eFundamentalist\u201c ist von Haus aus kein negatives Wort: Man hat ein Fundament, eine Basis \u2013 das kann keinem Menschen schaden. Es wurde jedoch zu einem negativ konnotierten Wort: Ein Fundamentalist ist \u2013 so versteht man das Wort inzwischen \u2013 ein Mensch, der sehr eng denkt, der nur bereit ist, seine Sichtweise weiterzugeben, aber nicht bereit ist, \u00fcber sie zu diskutieren, Argumente auszutauschen. Kurz, einer, der Gespr\u00e4ch verweigert. Was es auch zwischen politischen Str\u00f6mungen gibt. Das ist menschlich, aber nicht zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christen sollten immer bedenken, dass zu Beginn ihrer Existenz die Diskussion steht: Jesus diskutiert mit seinen Gespr\u00e4chspartnern, Paulus argumentiert mit seinen Adressaten, seien es Menschen aus Juden, Heiden oder Gemeinden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Pr\u00fcft alles, das Gute behaltet<\/strong><\/em><strong>,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">sagt Paulus im 1. Brief an die Thessalonicher. Christen m\u00fcssen keine Abschottungstendenzen kultivieren. Weil sie frei sind, verbreiten sie manchmal Abschottungstendenzen beim Gegen\u00fcber (Verfolgungen in muslimischen, hinduistischen, atheistischen Systemen). Freiheit und Selbstbewusstsein weckt \u00c4ngste. Diesen ist mit dem Doppelgebot der Liebe zu begegnen: Liebe Gott und deinen N\u00e4chsten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gr\u00f6\u00dfte Problem: Irgendwann kommen Gespr\u00e4che an den Punkt, an dem die Gespr\u00e4chspartner denken: Gespr\u00e4che seien nur sinnloses Geschwafel. Dann m\u00fcssen Wege gefunden werden, um das Reden miteinander wieder sinnvoll zu gestalten. Uns Menschen bleibt \u2013 wenn wir k\u00fcnftige Religionskriege \/ Atheistenkriege verhindern wollen \u2013 keine Alternative. Das betrifft bekanntlich auch die Menschenrechte: der j\u00fcdisch-christlich-aufgekl\u00e4rte Westen hat andere Vorstellungen als der Islam \u2013 die wieder andere als das konfuzianistische China bzw. das hinduistische Indien. Miteinander reden ist, wie gesagt, die einzige Alternative \u2013 und das Vorleben der besseren Tradition. Wenn unsere j\u00fcdisch-christliche-aufgekl\u00e4rte Lebensweise besser ist, dann wird sie sich auf Dauer auch durchsetzen, wenn wir sie denn in W\u00fcrde vorleben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Siehe: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/religion-en\/pluralismus-und-dialog\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/religion-en\/pluralismus-und-dialog\/<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Atheismus Wichtig!: Nur mit Ber\u00fccksichtigung der vorangegangenen Seiten zu lesen, denn erst dann ist der Abschnitt verst\u00e4ndlich! So mancher sagt: \u201eIch glaube nicht an Gott!\u201c Damit befindet er sich in einer vielf\u00e4ltigen Gesellschaft. 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