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 Glaube und Wissenschaft 

 

A Weltbilder allgemein

1.      Weltbilder: Kosmos: 

 

  • Ägyptisches Weltbild - weit verbreitet: Naturmächte sind Gottheiten; Entstehung der Welt ist zunächst eine "Geburt" der Götter.
  • Babylonisches Weltbild/Thales [7.Jh.v.Chr.]: Himmel als Gewölbe, Erde als Ebene, von Wasser umgeben;
  • Ptolemäisch [+180n.Chr.] / Geozentrisch: Himmel als Kugel, in deren Mitte die Erde als Kugel – weiter geführt: das ganze Universum dreht sich um die Erde;
  • Augustinus 4./5. Jahrhundert hat das geozentrische Verständnis übernommen, allerdings Gott hinzugefügt, der das Universum umgibt.
  • Kopernikanisch (15./16. Jahrhundert)/Heliozentrisch: Planeten-Erde drehen sich um die Sonne.
  • Zeitgenössisch: Sonnensystem nur ein winziger Bereich in der Milchstraßen-Galaxie.

 

 

Anthropologie:

 

  • Babylonisch: Mensch aus einem toten Gott als sterbliche Diener der Götter geschaffen; Animistisch: Mensch ist abhängig von Natur- und Ahnengeistern;
  • Allgemeine Sicht: Dominanz der Mächtigen bzw. der mächtigen Gruppen über die Unterworfenen;
  • jüdisch-christlich: jeder Mensch ist Ebenbild Gottes, freier, verantwortlicher Statthalter,
  • Zeitgenössisch: Mensch als Zufall der Evolution.

 

 

2.      Aus welcher Perspektive wird Welt betrachtet?

Es besteht ein großer Unterschied zwischen den Betrachtungen einer Wiese durch: einen Dichter, Biologen, Landwirts, Immobilienmaklers …

 

3.      Fazit:

 

  1. Die Verabsolutierung eines Weltbildes wird zur Ideologie, wenn andere dazu gezwungen werden.
  2. Der Mensch selbst ist nicht verabsolutierbar, er wandelt sich ständig (Schöpfungsgeschichte: Ebenbild Gottes – der Mensch ist als Ebenbild Gottes ein Geheimnis wie Gott ein Geheimnis ist).
  3. Sprache ist begrenzt, Sprache vermittelt Weltbild.

 

 

B Wissenschaft

1.      Definition: Wissenschaft begründet methodisch, was ist – aber sie deutet. Somit gilt für Wissenschaft, dass Ergebnisse nur eine Zeit lang gelten – dass sie verifizierbar (Positivismus), falsifizierbar sein müssen (Popper). Wesentliches Kennzeichen für Wissenschaft: Beobachtungen werden diskutiert. Werden in der Wissenschaft Tabus errichtet, mutiert sie zur Ideologie. Methoden der unterschiedlichen Wissenschaften variieren: Naturwissenschaften haben andere Methoden entwickelt als Geisteswissenschaften: Soziologie, Psychologie/Anthropologie, Historische Wissenschaften, Literaturwissenschaft, Kunstwissenschaft… und Theologie (Theologie greift Methoden anderer Wissenschaften auf und prägt sie wiederum). Die Methoden können sich allerdings überschneiden. Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften haben unterschiedliche Zugänge zur Welt.

 

2.      Grenzen der Wissenschaft:

 

  1. Axiome / Theorien: Unbewiesenes steht zur Theoriebildung fest (z.B. Urknall – und die Entstehung der Galaxien usw., Theorien zur Entstehung des Lebens aus Materie).
  2. Nur das, was in Raum und Zeit messbar ist, Materie usw., kann auch untersucht werden.  „Naturgesetze“ = Theorien, die seit längerer Zeit nicht durch Falsifizierung widerlegt wurden. (Wissenschaftshistoriker sind manchmal skeptischer als Wissenschaftler der jeweiligen Fächer.)
  3. Erkenntnissprünge: das mechanische-materialistische Weltbild wird durch die Relativitätstheorie (Verhältnis von Raum und Zeit – Gravitation krümmt Raum und Zeit und Licht; Zusammenhang von Licht und Materie) und die Quantenphysik (Welle-,Teilchendualismus, nicht Determiniertheit physikalischer Vorgänge, und der Beobachter beeinflusst diese) überholt. Künftige Erkenntnissprünge sind nicht vorhersagbar. Zurzeit kann man Relativitätstheorie und Quantenphysik nicht zusammenführen. Möglicherweise wird eine Theorie, die beide zusammenführen kann, einen neuen Erkenntnissprung mit sich bringen.
  4. Zusammenhang von Chaos und Ordnung: Wie kann aus Chaos Ordnung entstehen und aus Ordnung Chaos?
  5. Begrenzte Wahrnehmungs- und Interpretationsfähigkeit des Verstandes aufgrund seiner evolutionären Entstehung. Der Mensch steht nicht außerhalb des Systems und kann Gesamtwirklichkeit nicht erfassen. Mit Kant (Platon) gesagt: der Mensch erkennt nicht das Ding an sich, sondern nur die Erscheinung.
  6. Sinnesorgane sind ebenfalls begrenzt – auch in ihrer Verarbeitung durch das Gehirn.
  7. Ethik und Naturwissenschaft: Naturwissenschaft darf nicht sagen, was wir tun sollen…
  8. Unterscheidung von Wirklichkeit und Realität. Wirklichkeit ist das, was messbar ist usw. Realität ist umfassender = Bewusstsein, Soziales, Emotionales, Spirituelles stehen mit der Wirklichkeit in Wechselwirkung.
  9. Evolutionstheorie + Intelligent Design + Kreationismus: Evolutionstheorie sieht, dass sich die Arten auseinander entwickelt, optimiert haben. Intelligent Design sieht, dass das nicht möglich ist, weil Vieles zur selben Zeit vorhanden gewesen sein muss: Eine Zelle kann sich nicht erst langsam entwickeln, denn Komponenten müssen gleichzeitg vorhanden gewesen sein, was auf einen "Planer / Designer" schließen lässt. Komplexität der einzelnen Lebewesen ist zu groß, um durch Zufall entstanden sein zu können. Kreationismus, der wissenschaftlich argumentativ arbeitet, sagt: Gott habe alles erschaffen und habe die Veränderung in den Arten angelegt. Die Veränderungen bleiben innerhalb der Arten (Anpassungsfähigkeit der Arten - kein Artensprung [aus einem Fisch kann kein Säugetier entstehen]).

 

 

3.      Macht der Wissenschaft:

Wissenschaft übt Macht aus auf das Leben der Menschen. Sie verändert das Leben, das Weltbild, das Denken:

  1. Medizin: Abtreibung, Sterbehilfe, Geburtshilfe, neuronale Prozesse – chemische Vorgänge im Hirn messbar und bestimmten Arealen zuweisbar: Geist und Bewusstsein sind messbar.
  2. Technik… - PC.
  3. Chemie: Nahrungsmittel, Energie, …
  4. Mathematik (Festlegung: 1+1=2).
  5. Eigenes Wissenschaftsverständnis: Menschen trauen der Wissenschaft sehr viel zu, wobei vielfach unbeachtet bleibt, dass es die Wissenschaft nicht gibt, sondern nur viele Menschen, die Wissenschaft betreiben, entsprechend fehlbar sind.

 

 

C Glaube / Bibel

 

  1. „Glaube“ (a) credo aliquid: ich glaube etwas (morgen scheint die Sonne); (b) credo in aliquem: Ich vertraue jemandem. (b) = christlich. Christen glauben nicht an die Bibel, sondern an Gott, der von der Bibel und dem Heiligen Geist bezeugt wird. (Die Aussage: Ich glaube nur, was ich sehe ist unlogisch, denn was man sieht, muss man nicht glauben.)
  2. Schöpfungsgeschichten (Gen 1 und 2 und Psalm 8 und 104) und Wunderberichte des NT werden vielfach mit dem Thema Wissenschaft verbunden. Dazu s. die jeweiligen Beiträge auf der Seite www.evangelische-religion.de. Die erste Schöpfungsgeschichte (Gen 1) entstammt der orientalischen Weisheit. Und Weisheit ist für die damalige Zeit das, was wir heute als Wissenschaft bezeichnen. Und so erkennen wir Katalogisierungen, die Grundlage der Wissenschaft: Was gibt es eigentlich alles? Wie kann man es zuordnen (Tier-Pflanze-Himmelskörper, weiter gehend: Tiere auf dem Land, im Wasser, in der Luft...). Sie werden benannt - benennen heißt: beherrschen. Gott sah alles an und es war sehr gut, heißt es. Die Schöpfungsgeschichte ist im babylonischen Exil entstanden, im Chaos, in der Traurigkeit - und siehe: Alles war sehr gut. Die Wissenschaft als Weisheit erkennt, dass trotz sozialen Durcheinanders die Grundlage der Schöpfung gut ist. Wissenschaft erkennt Gesetzmäßighkeiten, an denen man sich festhalten kann, auch wenn das Leben des Individuums wie der Gesellschaft chaotisch ist.
  3. Apostolisches Glaubensbekenntnis (+ Luthers Erklärung + Zink Bekenntnis): Das Glaubensbekenntnis ist insgesamt ein Text, der nur schwer mit dem Thema Wissenschaft zu verknüpfen ist. Nicht nur die "Jungfrauengeburt" ist für den modern-wissenschaftlichen Denker schwer zu verstehen. Es beginnt schon mit: Ich glaube an Gott... Aber:
  4. Verstand wurde von Gott geschaffen, darum können sich Glaube und Wissenschaft nicht widersprechen (Benedikt XVI: Regensburger Rede 2006).
  5. Bedeutung des jüdisch-christlichen Glaubens für die Wissenschaft: Entgöttlichung der Welt – und das auf breiter Ebene. Im griechischen Bereich haben andere schon Ähnliches gedacht (z.B. Anaximenes 6.Jh.v. Chr.), hatte aber bevölkerungsmäßig keine großen Auswirkungen. Empedokles (5. Jh. V. Chr.) sah die vier Elemente als Götter an, die Stoiker sahen alles vom Pneuma – Zeus – durchdrungen an
  6. Bibelverständnis:
  7. Kreationistisch-fundamentalistisch: So wie es in der Bibel steht, war es auch: Inspiration von Menschen
  8. Historisch-kritisch: Gott spricht durch Menschen (s.o.: Einbezug von Soziologie, Psychologie, Historische Wissenschaften, Literaturwissenschaft…)
  9. Gegenentwurf zur Evolution: Juncker/Hartmann: Bibel, Schöpfung, Evolution, Dillenburg 2009 (s. oben Kreationismus aus wissenschaftlicher Perspektive)
  10. Das eigene Bibelverständnis muss in diesem Kontext reflektiert werden.

 

D      Fazit für B + C:

 

  1. Arbeitsweise von Naturwissenschaft – und Theologie unterscheiden sich.
  2. Gott als Schöpfer ist kein Teil der Schöpfung, er kann nicht bewiesen werden, und wenn einer meint, ihn bewiesen zu haben, ist es nicht Gott, das er bewiesen hat.
  3. Gott kann nur erfahren und bekannt werden.

 

 

Verhältnis Glaube und (Natur-)Wissenschaft (vgl. z.B. Ian G. Barbour: Naturwissenschaft trifft Religion. Gegner, Fremde, Partner?, Göttingen 2010 und Francis S. Collins: Gott und die Gene. Ein Naturwissenschafter entschlüsselt die Sprache Gottes, Freiburg 2012)

 

  1. Naturwissenschaft und Glaube im Gespräch.
  2. Wissenschaft greift Sprache des Glaubens auf (Evolution erschafft...)
  3. Wissenschaft und Glaube haben jeweils unterschiedliche Themen und Vorgehensweisen, die eine Welt zu beschreiben, zu verstehen.
  4. Kompatibilität von Glaube und Wissenschaft.
  5. Kampf gegen Glauben (Dawkins [s. Atheismus]) bzw. Wissenschaft (Kreationistische Gruppen, die Wissenschaft vollständig ablehnen).
  6. Anpassung des Glaubens an die Wissenschaft (wobei – wie oben gesehen – Wissenschaft sich ändern kann, der Glaube müsste sich also immer mit der Wissenschaft ändern).
  7. Anpassung der Wissenschaft an den Glauben (Ideologisierung).
  8. Gott suchen im Gehirn – Gehirn als Gott (Bet- und Meditationsareale durch Messungen von Hirnaktivitäten erkannt [Andrew Newberg], Religiöse Gefühle mit Hilfe von Magnetismus erzeugt [Michael Peninger]).
  9. Glaube erfasst Wissenschaft anders: Ich glaube, um zu verstehen (credo ut intelligam) (Anselm von Canterbury).
  10. Gottes Handeln in der Schöpfung nachvollziehen - das durch Wissenschaft. Das war (und ist wohl) der Antrieb vieler christlicher Wissenschaftler: Wissenschaft als Lob Gottes. Gesetzmäßigkeit und mathematische Genauigkeit gibt es erst dadurch, dass einer gesetzmäßigkeit und mathematische Genauigkeit in der Schöpfung darlegt.
  11. Der Mensch ist das einzige Wesen, von dem wir wissen, dass es die Natur denkend und dankend durchdringen kann. Der Mensch kann beides: denken und danken - Wissenschaft treiben und sich denkend religiös verorten.
  12. Fazit: Der Wissenschaftler hat ein Weltbild – er ist Glaubender oder nicht Glaubender. Auch als glaubender Wissenschaftler ist er dem „methodischen Atheismus“ unterworfen - aber nicht dem "ideologischen Atheismus". Wesentlich: Gott darf nicht als Lückenbüßer für wissenschaftliche Lücken angesehen werden (Bonhoeffer) – Wissenschaft darf auch nicht als Lückenbüßer für Gott angesehen werden (EKD-Veröffentlichungen: https://www.ekd.de/EKD-Texte/ekdtext_94_02.html ) An dieser Stelle sei jedoch angemerkt, dass Gott mit jeder beantworteten Frage nicht zurückgedrängt wird, sondern im Gegenteil: mehr Raum bekommt, da mit jeder beantworteten Frage sich wieder eine Unmenge an neuen Fragen öffnen.Mit jedem Wissen nimmt Unwissen zu. Und, so heißt es in christlicher Tradition: Alle Fragen werden in Gott beantwortet.
  13. Es gibt viele große Wissenschaftler, die an Gott glaubten. bekannt ist Max Planck, bekannt ist auch Heisenberg: "Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott."

 

 

Bedeutung des christlichen Glaubens

 

1.      Gott schenkt – durch seinen Geist:

 

  1. Stärkung des Selbstbewusstseins,
  2. Gesundheit,
  3. Angstvermeidung angesichts des Schicksals, des Todes und der Zukunft,
  4. Befreiung durch Vergebung,
  5. Gemeinschaft (Jüdisch: Volk, Christlich: Kinder Gottes aus den Völkern),
  6. Soziale Regeln (10 Gebote, Propheten, Jesus/Matthäus: Bergpredigt…),
  7. Gott wirkt im Menschen und durch den Menschen unter Zuhilfenahme des Gehirns. Wie sollten Religiöse Gefühle entstehen, wenn nicht unter dem Zusammenspiel von Gehirn, Hormonen usw.? Religion ist nicht vom Menschen abzulösen, sondern Teil des Menschen.

 

 

2.      Versuche der Säkularisierung dieser Glaubens-Aspekte, weil laut Atheisten usw. Religion von Menschen gemacht wurde. Damit tun sie das, was Feuerbach ansprach: Religion ist vom Menschen gemacht - und weiter gehend als Feuerbach: Greifen sie Religiöses auf, damit der Mensch die von Menschen gemachten Vorzüge der Religion nutzen kann. Das bedeutet: Christlich-religiöse Sachverhalte werden wissenschaftlich durchdrungen, um sie für Menschen fruchtbar zu machen. Das versucht man in der

a)      Psychologie,

b)      Soziologie (eigene Regeln aufstellen, Diskursethik [Habermas]),

c)      Medizin (länger gesund leben),

d)      nichtchristlichen Philosophie (Welt denken ohne Gott).

 

 

G. Glaube und Vernunft


Glaube und Verstand hängen zusammen. Glaube bedarf des Verstandes. Aber dennoch hat Glaube etwas, das über den logischen Verstand hinausgeht. Beide gehören zur Vernunft. Denn Vernunft ist mehr als Verstand. Vernunft bezieht Lebenserfahrungen, Weltbilder, Interpretationen des Erfahrenen mit ein. Der Verstand sucht nur das Nachvollziehbare nachzuvollziehen. Gegenüber dem Verstand hat der Glaube also hinausgehende, weiterführende Bedeutung. Er fragt nach dem Woher des Menschen, dem Wohin, dem Sinn des Lebens. Anders gesagt: Warum lebe ich als Mensch? Wie sieht meine Zukunft aus? Wie will ich mein Leben gestalten? Was ist die Grundlage meines Lebens - wer hat sie gesetzt? Ich bin mehr als ein Zufallsprodukt der Natur - das sieht man daran, dass ich strebe, auf Zukunft hin ausgerichtet bin, von der Vergangenheit lernen kann, eingebunden bin in ein soziales Netzwerk, verletzlich bin, leiden und froh sein kann. Alles ist auf Zufall, auf chemische Reaktionen usw. zu reduzieren? Es gibt wohl keinen Menschen der mit dieser materialistisch-biologistischen Antwort zufrieden ist. Warum? Eine Reduzierung des Weltbildes auf den Verstand ist eine selbstgewählte Engführung, die nicht nur dem Menschen als offenes Wesen widerspricht, sondern auch der Grundlage der Wissenschaft.


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