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 Freiheit

 

1.     Wir Menschen sind im sozialen Miteinander verortet. Ich bin als menschliches Individuum nicht einfach so da, sondern stehe in einer Kausalkette – nicht zuletzt durch das sexuell-liebende Miteinander der Eltern. Wir sind eingebunden in Familie und in die vom Staat (Institution) vorgegebenen Voraussetzungen: Schule – Beruf. Ich bin Teil der Kultur, in die ich hineingeboren wurde. Hinzu kommen noch die Nachbarschaft, die Ortsgemeinschaft usw.

 

In diese vorgegebenen Strukturen sind wir eingebunden durch soziale Interaktionen:

o   Schule: Mitschüler, Lehrer, Vorgesetzte, Schulgemeinde, Eltern, Hausmeister…

o   Beruf: Kollegen, Vorgesetzte, der Markt, der auf das Produkt reagiert (ökonomisch).

o   Nachbarschaft/Familie: Regeln, um miteinander gut auszukommen.

o   Ortsgemeinschaft: Diese ist gegenwärtig nicht mehr ganz so notwendig vorhanden, weil man in einer Ortsgemeinschaft leben kann, aber durch Kontakte zu anderen Orten, nicht mehr abhängig von ihr ist.

o   Kultur: Sprache prägt Kultur. Ich bin abhängig von Sprache (Sprache vermittelt Weltbild). Religion prägt Kultur. Kunst (Design, Architektur), Alltagskultur (Essen, Pflege, Lebensrhythmus…) habe ich ins Unterbewusste übernommen.

 

Darüber hinaus gibt es weitere soziale Rollen, in die wir uns freiwillig einbinden: Hobby, gesellschaftspolitische Aufgaben:

Hobby: Kollegen, Materialien-Händler, Interessierte...

Gesellschaftspolitische Aufgaben mit ihren jeweiligen Akteuren: Kirche, Sport und andere Vereine, Selbsthilfegruppen, Feuerwehr / THW / Rotes Kreuz usw., Umweltgruppen, Menschenrechtsgruppen usw.

Weitere Vernetzungen: denken wir an die Steuern, die Versicherungen – alles, was wir tun, hat gesellschaftspolitische Auswirkungen, selbst wenn wir an Heirat und die Kinderplanung denken und das Hobby fördert die Wirtschaft.

Was bedeutet das zum Thema Freiheit? Wir sind sozial eingebunden: unfreiwillig und freiwillig, manchmal merken wir es, manchmal bemerken wir es gar nicht. Wir sind eingebunden, haben aber in dieser Gebundenheit Freiheiten.

 

2.     Wir spielen in diesen jeweiligen Bereichen unsere Rollen als die Menschen, die wir sind, mit unserem Charakter, unseren körperlichen Vorgaben, den allgemeinen Vorlieben, der Erziehung.

o   Charakter: psychisch – gemäß unserer psychischen Verfassung oder unserer kognitiven Möglichkeiten, das heißt unserer Auffassungsgabe.

o   Körper: biologische Komponenten spielen eine Rolle.

o   Erziehung: die gesamte Sozialisation durch Verwandte, Freunde, andere Menschen.

Was bedeuten die Punkte 1-2 für das Thema Freiheit? Wir prägen diese Rollen – diese Rollen prägen uns.

 

3.     Es wird in der Philosophie unterschieden zwischen Willensfreiheit und Handlungsfreiheit.

a)     Willensfreiheit: Hierin geht es darum, dass man wollen kann, was man will. Warum will ich, was ich will? Ist das in irgendeiner Form vorgegeben, determiniert? Ist das nicht vorgegeben, indeterminiert? Determination wird aus unterschiedlichen Perspektiven dargelegt: Theologisch: Gott lenkt alles (der Mensch denkt, Gott lenkt); philosophische Ethik: Jedes Handeln ist durch vorangehende Handlungen begründet; wissenschaftlich: alles ist berechenbar (Naturgesetze). Wer aus nichtreligiösen Gründen denkt, alles sei determiniert – kann das Denken im Grunde aufgeben. Wer aus religiösen Gründen denkt, alles sei determiniert, darf weiter denken, denn das Denken kann ja von Gott determiniert sein und wir Menschen wissen nicht, was und wie Gott determiniert hat. Das alles determiniert sei, ist aus naturwissenschaftlicher Sicht nicht mehr haltbar, seit die Quantentheorie erstellt wurde.

o   In der philosophischen Tradition (Scholastik) hat man zunächst gedacht, dass man zwischen Vorgaben wählen kann: Ich will aus unterschiedlichen Möglichkeiten die Möglichkeit X auswählen. Vernunft, Moral und soziales Umfeld sind zwar Vorgaben, aber man wählt aus, ohne sie bewusst wahrzunehmen bzw. ihnen zu folgen. Man hat Entscheidungsfreiheit / Wahlfreiheit. Ist Entscheidungsfreiheit mit Willensfreiheit gleichzusetzen?

o   Der Wille ist von Vorgaben abhängig. Wenn dem nicht so ist, wenn der Wille wirklich ganz autonom und frei ist, dann ist nichts vorgegeben und ich fange einfach so unbegründet – außer eben in meinem Willen – etwas vollkommen Neues an, weil es mir gerade in den Sinn kommt. Gibt es für den Menschen diese Möglichkeiten, dass er – ohne durch etwas veranlasst worden zu sein – etwas Neues tut, weil es sein Wille ist? Der Mensch wäre ganz und gar unberechenbar? Diese Möglichkeiten gibt es, wenn das Hirn krank ist – aber das ist dann ja nicht mehr der Wille des Menschen.

o   Der Philosoph Kant sah den Willen als frei an, aber in dem Rahmen, den die Vernunft gibt. Frei bin ich nicht, wenn ich das tue, was ich mir wünsche, sondern dann, wenn ich der Vernunft folge, das heißt gemäß Kategorischem Imperativ: Ich tue das, von dem ich will, dass andere es auch tun. Das heißt: Der freie Wille ist gebunden an Vernunft, Moral, an das soziale Umfeld. Ich wäge also in meinen Entscheidungen ab.

o   Der Philosoph Hume sah, dass nicht die Vernunft alles bestimmt, sondern die Leidenschaft, die Abneigung und Zuneigung, das Wohlergehen, Vergnügen, die Meidung des Schmerzes. Und diese bestimmen auch die Moral. Wenn ein Mensch befürchtet, aufgrund seiner Handlung von der Gesellschaft Tadel / Sanktionen zu erfahren, dann unterlässt er sie, weil sie Schmerzen zur Folge hat. Wenn er meint, er bekommt Lob dafür und Anerkennung, dann handelt er entsprechend.

o   Der Psychiater Freud sieht den Menschen in Abhängigkeit vom Über-Ich und Es. Das Über-Ich wird bestimmt von der Gesellschaft, die das Gewissen prägt. Mit der Gesellschaft verbunden ist die Religion, die Gott als prägende Größe als Über-Ich interpretiert. Zudem ist der Mensch abhängig vom Es. Das Es sind die den Menschen bestimmenden Triebe. Über-Ich und Es kämpfen im Menschen gegen- und miteinander. Der Mensch hat aber auch einen Ausgleich in sich, das Ich, die Vernunft, die das harte Über-Ich wie das Chaotische Es in Einklang zu bringen sucht.

o   In der Gegenwart sagen manche (Roth, Libet), dass wir letztlich nicht wissen, warum wir etwas wollen, sondern das Gehirn (psychologischer Determinismus) gibt es vor, bzw. die Gene (physiologischer Determinismus), bzw. die Gesellschaft (sozialer Determinismus) geben es vor – entsprechend wollen wir, was wir wollen sollen. Wir sind somit nicht frei, weil die Entscheidungen nicht frei-wollend getroffen werden. Aber wir denken, wir seien frei, weil wir uns das Wollen zuschreiben.

o   Inzwischen ist man wieder weiter und sieht, dass auch das Gehirn nicht ein autarkes Teil ist, das einfach willkürlich irgendetwas entscheidet, sondern es ist Teil des Individuums. Von daher ist das Wollen etwas, das mit dem Individuum als ganzheitliches Wesen übereinstimmt, auch wenn im Hintergrund des Gehirns alles Mögliche unbeeinflussbar abläuft. Der Mensch ist ein Wesen aus Körper und Gehirn – nicht nur ein Hirnwesen. Und das Gehirn wird von den unterschiedlichsten (auch sozialen) Komponenten geprägt – und ich bin so frei, mich auch selbst zu prägen, in eine Richtung hin zu entwickeln, die ich frei wähle.

o   In der Religionskritik ist man seit Feuerbach so weit, dass man sagt: Ich will keinen Gott – und entsprechend Gott verneint. Der Mensch hat sich einen Gott erschaffen, er projizierte alles Gute in Gott hinein und mutete sich selbst nur das Schlechte zu. Jetzt ist der Mensch endlich in der Lage, das Unbewusste zu durchschauen und er will das ändern: Er will das, was er in Gott unbewusst hineinprojizierte, jetzt bewusst für sich selbst in Anspruch nehmen.

Fazit: Man kommt immer weiter weg von der Gegenüberstellung: der Wille ist unfrei – der Wille ist frei. Man sieht: Mein Wille wird von einer Unmenge an (unbewussten) Komponenten geprägt – gleichzeitig prägt mein reflektierender Wille Körper wie Gehirn. Wenn der Mensch gänzlich determiniert wäre, könnte er nicht für Taten verantwortlich gemacht werden: Er musste es tun. Doch wir wissen, dass das Menschsein sich eben dadurch auszeichnet, dass der Mensch anders als das Tier Verantwortung tragen kann, weil er reflektierend seinen Willen prägen kann.

 

b)     Handlungsfreiheit: Tun können, was man will, als Individuum, als Gemeinschaft.

Auch hier stellen sich durch die Philosophie einige Fragen:

Hume sieht, dass man frei handeln kann, wenn man von äußeren Zwängen frei ist, aber innere Zwänge hindern kein freies Handeln, so zum Beispiel, wenn meine Neigungen handlungsbestimmend sind, weil ich selbst Teil meiner Neigungen bin. Kant: Das freie Handeln nach den oben genannten Prinzipien ist Kennzeichen für das freie Handeln des Menschen. Aus Sicht der Anthropologie ist zu sagen, dass der Mensch im Unterschied zum Tier nicht mehr instinktgebunden handeln muss, also frei ist.

 

Es ist zu unterscheiden zwischen frei sein von… (auch negative Freiheit genannt) und frei sein zu… (auch positive Freiheit genannt).

Beide sind wieder zu untergliedern in

o   negative äußere Freiheit =  frei von… aus sozialer Sicht, also frei von äußeren Zwängen,

o   negative innere Freiheit = frei von… individuellen, inneren Zwängen

o   positive äußere Freiheit = frei zu… aus sozialer Sicht, also individuell/gemeinschaftlich Ziele setzen

o   positive innere Freiheit = frei zu… als Individuum autonome Ziele setzen

 

Im Wesentlichen ist die Realisierung dessen, was man will und tut, zunächst einmal gebunden an Charakter, Körper, Erziehung… Diese und andere Aspekte einbeziehend, kann man seine "Freiheit von…" dazu verwenden, seinem Leben ein Ziel zu setzen – und: man ist frei dazu, den Lebensentwurf zu verwirklichen. Das „Frei zu...“ ist freilich ein großes Problem für viele Menschen. Der Soziologe Ulrich Beck hat herausgearbeitet, dass der Mensch heute von vielem frei ist, aber unter der Last, frei zu sein, leidet, weil er nicht weiß, wie er das „Freisein zu“ füllen kann. Das kann unterschiedliche Folgen haben: Hinwendung zu Drogen, zu ideologischen Gruppen (Nationalsozialismus, Kommunismus, religiöse Sondergruppen/Sekten, Islamisten, Liberalismus), die vorschreiben, was man tun muss, oder es führt dazu, dazu, sich in Arbeit zu stürzen, weil Vorgesetzte/der Markt sagen, was zu tun ist usw. Der Mensch fühlt sich „zur Freiheit verurteilt“ (Albert Camus).

Freiheit und Verantwortung tragen hängen sehr eng zusammen. Wenn ich mein Leben frei gestalten kann, dann trage ich auch Verantwortung dafür. Und wenn ich meine Vergangenheit reflektiere und Unfreiheiten, die mich prägten, entdecke, dann trage ich selbst Verantwortung dafür, mich von ihnen zu befreien. Das ist nur in gewissem Rahmen möglich (manchmal mit Hilfe der Psychologie, der Seelsorge), aber die Freiheit, sich befreiend zu verwirklichen, muss so gut es geht realisiert werden, damit ich mich als freier Mensch erweise. Resignation und Festhalten an alten Fesseln zeugt nicht von der Freiheit eines Menschen.

 

4.     Altes Testament und Neues Testament

Für das Judentum spielt die Freiheit eine sehr große Rolle: Es ist die politische Freiheit, die Befreiung von der Sklaverei (Exodus). Und diese Befreiung führt zu dem Bundesschluss Gottes mit dem Volk Israel. Mit ihm ist Verantwortung verbunden, denn als Rahmen für die Freiheit bekommt das Volk die 10 Gebote, sodass es in seiner Freiheit den Mitmenschen nicht verletzt. Freilich kann es in seiner Freiheit diesen Rahmen auch übertreten, verhält sich jedoch entsprechend asozial. 

Und die Schöpfungsgeschichten berichten, dass Gott den Menschen als freies Wesen geschaffen hat – selbst frei davon, Gottes Willen zu tun (Genesis 1ff.; der Mensch benennt alle Dinge mit Namen, er ist Statthalter Gottes, er wird ermahnt, nicht von den Bäumen zu essen – Grundlagen der Freiheit).

 

Jesus Christus hat den Samen für das Freiheitsbewusstsein im Neuen Testament gelegt. Der Mensch, der unfrei ist durch Krankheit, Behinderung, versklavenden Mächten und Gesetz, dessen Würde muss durch Befreiung wieder hergestellt werden. Und sie wird wieder hergestellt durch die Wundertaten Jesu, die zeigen, dass Gott den Menschen frei haben möchte, wieder hergestellt durch die Zuwendung Jesu, die Aufnahme in die Gemeinschaft der Kinder Gottes, die Vergebung der Schuld, die den Menschen knechtet, ihn an seine Vergangenheit fesselt, aber auch an andere Menschen. Die Erwartung des Reiches Gottes befreit den Menschen dazu, nicht in der fesselnden Gegenwart zu verharren, sondern angetrieben von dieser Hoffnung, die Welt jetzt schon im Sinne Gottes zu verändern. Jesus hat seine Jünger von der Angst vor Menschen befreit, denn die Jünger müssen in der Durchsetzung des liebenden Gotteswillens weder Verfolgung noch Tod fürchten, da sie in die Herrlichkeit Gottes eingehen werden.

 

Für das Neue Testament ist in dieser Hinsicht vor allem auch Paulus zu nennen, weil er das Thema Freiheit intensiv durchdacht hat. Er greift diesen Aspekt „Freiheit“ auf, sieht jedoch die Sklavenhalter nicht in Menschen, sondern in den drei Größen: Sünde – Gesetz – Tod. Diese drei versklaven den Menschen. Die Sünde (Freud würde es die Triebe nennen) lassen den Menschen Handlungen begehen, die er gar nicht tun will. Das Gesetz (Freud würde es das Über-Ich nennen) zwingt den Menschen, etwas zu tun, was er gar nicht leisten kann. Und darum ist er ständig zwischen den Forderungen des Gesetzes und der Sünde hin und her gerissen – kurz: Er ist unfrei. Was befreit ihn nun? Und da weicht dann Freud von Paulus ab. Für Freud ist es der Verstandesoptimismus, der ihn auf den Verstand setzen lässt. Paulus sieht die Befreiung durch Jesus Christus gegeben, denn der Verstand ist abhängig von dem in sich selbst unfreien Menschen (vgl. Hume). Und so finden wir die Ansätze modernster Auffassung schon beim Apostel Paulus: Erst wenn Gott den Menschen neu macht, dann ist auch das, was im Hintergrund des Gehirns abläuft, neu. Weil der Mensch sich selbst nicht ganz in der Hand hat, muss Gott ihn in die Hand nehmen und nach seinem Willen verändern. Der Mensch trägt das Seine natürlich dazu bei, indem er sich verändern lassen will. Zuletzt kommt bei Paulus noch die Freiheit vom Tod dazu. Der Mensch muss keine Angst mehr haben vor dem Sterben, somit ist diese Angst kein handlungsleitendes Motiv mehr. Nicht den Tod müssen Glaubende fürchten und entsprechend abhängig von der Furcht handeln. Der Mensch kann gelassen sein, denn, wie Paulus schreibt: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn (Römerbrief 14,8). Jesus Christus ist die Kontinuität im Leben und Sterben. Gleichzeitig ist die Freiheit des Christen nur durch seine Gebundenheit an Gott erfahrbar. Wer von Sünde frei ist, tut Gottes Willen. Wer vom Gesetz frei ist, handelt menschlich aus freien Stücken, also nicht gezwungen. Und wer vom Tod frei ist, handelt ohne Angst. Christen sind, so Paulus, auch frei von den Vorgaben der jeweiligen Gesellschaft – eben dann, wenn sie Gottes Willen widerspricht. Der Mensch als ganzer ist frei von seiner Vergangenheit: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden! (2. Korinther 5,17)

 

Aufgabe

Die Gemeinden in Galatien, die Paulus gegründet hatte, fühlten sich von der Freiheit des christlichen Glaubens überfordert und wollten wieder zurück zum jüdischen Gesetz, das das gesamte Leben regelte. Wie Paulus mit diesem Wunsch umgeht, können wir im Galaterbrief lesen.

 

Was wir bei Hume kennengelernt haben, finden wir schon bei Luther. Luther sah, dass der Kopf vom Bauch bestimmt wird – also die Vernunft vom Trieb. Und er hätte auch manches gegen Freud einzuwenden bzw. gegen Kant: Er ist nicht so optimistisch, was die Vernunft betrifft. Das, was bei Luther jedoch wesentlich ist, er hat eine Schrift geschrieben: Von der Freiheit eines Christenmenschen (1520). In dieser lautet das Motto: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Beides gleichzeitig. Der Christ als derjenige, der Gott gehört, entscheidet sich frei – ist also Herr. Er entscheidet sich aber frei dazu, anderen Menschen zu dienen, ist also Diener.

 

5.     Christentum der Gegenwart

Das politische Wirken der Kirche Europas ist davon geprägt, gegen Unrechtssysteme anzugehen, die Willensfreiheit (wie auch immer sie definiert wird) und Handlungsfreiheit einschränken, zu bekämpfen. Jeder Mensch hat Würde. Kein Mensch hat das Recht, andere Menschen zu beherrschen, ihn, wie Kant sagt, als Mittel anzusehen.

Darin erschöpft sich nicht das Handeln der Christen, sondern sie stehen in der Tradition des Neuen Testaments, in der Tradition Jesu Christi und des Apostels Paulus wie sie oben dargestellt wurden.

 

 

 

 

 


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